VfL Bochum – St. Pauli 1:2

Im vermeintlichen Topspiel der zweiten Bundesliga empfing der VfL Bochum mit St. Pauli einen Bundesligaabsteiger und Mitkonkurrenten im Kampf um den Aufstieg. Die Bochumer mussten vor heimischem Publikum einiges wiedergutmachen, nachdem sie am Montag in einem schwachen Spiel ein glückliches 0:0 gegen Hansa Rostock erzielen konnten. St Pauli hingegen kam mit einem 3:1 gegen Alemannia Aachen und noch ohne Niederlage im Rücken in das rewirpowerStadion.

Wechselwirkung der Formationen

Bochum vs Pauli - Grundformationen

Die Gäste aus Hamburg traten mit zwei Änderungen und einem 4-1-4-1/4-3-3-Hybridsystem an. Vorne im Sturm agierte Saglik als Alleinunterhalter, während ihm Fin Bartels und Bruns von den Seiten zuarbeiten sollten. Die Doppelacht bildeten Takyi und Kruse, Boll sicherte vor der Viererkette mit dem neu ins Team gekommenen Rechtsverteidiger Rothenbach ab.

Deutlich interessanter war die Reaktion Friedhelm Funkels, welcher einige seiner Akteure nach dem schwachen letzten Spiel bestrafte und einige Änderungen vornahm.

Paul Freier ging ins rechte offensive Mittelfeld, während Björn Kopplin die Position des rechten Außenverteidigers übernahm.

Das System selbst wurde ebenso erneuert, statt einem 4-3-3 agierte man nun mit einem 4-2-3-1 und einer gänzlich veränderten linken Seite. Mit Ostrzolek für den gesperrten Bönig sowie Berger und Kramer kamen drei neue Spieler in die Mannschaft, von denen sich Friedhelm Funkel mehr Dynamik und Kreativität im Offensivspiel erhoffte.

Das Augenmerk der Fans war jedoch auf eine ganz andere Veränderung gerichtet. Der „Star“ aus dem Osten durfte endlich von Beginn an spielen und zahlreiche Fans freuten sich über den Japaner Inui auf der Spielmacherposition.

Das Spiel begann sehr gut für den Vfl, vor heimischem Publikum agierte man sehr dynamisch und aggressiv, viele Bälle wurden bereits in der gegnerischen Hälfte erobert und in der ersten Viertelstunde zeigte man im Minutentakt tolle Kombinationen im letzten Drittel des Spielfeldes. Neben dem beweglichen Aydin und dem Neuzugang Inui, welcher in jeder seiner Aktionen mit Mut und Kreativität glänzte, zeigte auch Kapitän Dabrowski eine überraschend erfrischende und starke Offensivleistung.

Durch Dabrowskis Laufstärke und Spielfreude verlagerte sich das Spiel stark auf die halblinke und linke Seite der Bochumer, das Tor zum 1:0 in der siebten Minute war eine mustergültige Kombination, die Inui einleitete und Kapitän Dabrowski höchstpersönlich vollendete.

Trotz der Führung ließen die Bochumer nicht nach und attackierten immer weiter, doch als Dabrowski im Rückwärtsgang nach einer aggressiven Attacke gegen einen Paulianer zu Boden ging, verletzte er sich und musste für Vogt ausgetauscht werden.

Diese Auswechslung war der Knackpunkt im Spiel, ohne den Stahl, den Dabrowski lieferte, schien das Bochumer Team unsicher und ohne wirkliches Fundament – die Gäste aus Hamburg nahmen das Ruder in die Hand.

Wenige Minuten später fiel das 1:1 für St. Pauli, als Fin Bartels eine perfekte Flanke von Kruse im Strafraum annahm und verwertete. Der Fehler hier war ein taktischer, einer der Innenverteidiger blieb nicht bei seinem Mann, sondern im Raum stehen und zwang seinen Nebenmann einzurücken, was Bartels auf links freistehend zum Ball kommen ließ.

Die Gäste drängten nun auf den Führungstreffer, doch Luthe im Bochumer Kasten zeigte sich einmal mehr stark und konnte einige Chancen entschärfen.

Zur Halbzeit konnte man von einem offenen Spiel sprechen, Bochum spielte in der Defensive taktisch besser als die Paulianer und konnte offensiv zumindest in den Anfangsminuten mehr Akzente setzen, doch nach der Verletzung Dabrowskis verlor man die Mittelfeldhoheit etwas an die Gäste, bei denen insbesondere Kruse zu gefallen wusste.

Nach der Halbzeitpause wechselte Funkel den gelb-rot-gefährdeten Kramer für Toski aus, die Probleme lagen bei den Bochumern jedoch auf den Außenpositionen – nach Dabrowskis Auswechslung fehlte hier die Unterstützung und sie kapselten sich vom Spiel ab. Die Konsequenz davon war, dass Mittelstürmer Aydin mit niemandem mehr kombinieren konnte und ebenso in der Luft hing wie der Japaner Inui, der allerdings in Ansätzen seine Klasse zeigen konnte.

In der zweiten Halbzeit zeigte sich St. Pauli großteils stärker, war trotz einiger Chancen jedoch lange Zeit nicht zwingend genug und Torhüter Luthe konnte sich dankend auszeichnen. Das 2:1 für die Gäste fiel nach einem tollen Pass auf den mitgelaufenen Kruse, welcher mit einem platzierten und strammen Schuss ins Eck den Bochumer Torhüter überwinden konnte. Der Fehler entstand, weil Kopplin die Aufgabe des defensiven Mittelfelds bzw. der Innenverteidigung der Bochumer übernehmen wollte und die Schnittstelle in der Viererkette erweiterte – ein tödlicher Pass reichte somit aus, um die gesamte Hintermannschaft der Bochumer auszuhebeln.

Obwohl die Hausherren mit einer offensiveren Ausrichtung die letzten Minuten für sich nutzen wollten, konnten die Paulianer den Sieg souverän nach Hause spielen und dürfen sich über knappe, aber durchaus verdiente drei Punkte freuen.

Fazit

Bochum begann stark, aber nach der Verletzung des Leitwolfs im Mittelfeld brach man ein und konnte das gesamte Spiel über nicht mehr an die Anfangsphase anknüpfen.

Der Gegner aus St. Pauli zeigte sich taktisch intelligenter und übernahm in der entscheidenden Phase die Oberhand und spielte das Spiel souverän nach Hause. Beeindruckend ist, wie sie den entstandenen Freiraum nach der Verletzung Dabrowskis nutzten und sich auch auf dem Platz der Gäste nicht lange in die eigene Hälfte treiben ließen.

Die Bochumer werden sich nun hinterfragen müssen, ob Friedhelm Funkel die Mannschaft konstant auf ein hohes Niveau hieven kann bzw. ob die Mannschaft mit diesen Spielern wirklich als Aufstiegsaspirant gesehen werden sollte. Ein langwieriger Ausfall des Kapitäns wäre ein empfindlicher Rückschlag und selbst die Hoffnungsschimmer Inui und Luthe könnten dadurch psychologisch negativ in ihrer Leistung beeinflusst werden.

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