Hansa Rostock – VfL Bochum 0:0

Mit einer Nullnummer endete gestern das Montagsspiel der zweiten Liga. Der Aufstiegsaspirant aus Bochum spielte in Rostock lange Zeit zu zehnt und konnte den Hanseaten nie wirklich gefährlich werden, doch mit Glück konnte man zumindest einen Punkt ergattern. Dennoch müssen sich beide Mannschaften hinterfragen, ob ihre Offensive den eigenen Ansprüchen genügt.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

die taktische Grundformation zu Beginn des SpielsHansa Rostock agierte in einem 4-2-3-1, welches dafür sorgte, dass das 4-3-3 der Bochumer absolut ineffektiv in der Offensive war.

Sämtliche Angriffsbemühungen der Bochumer wurden im Mittelfeld erstickt, die beiden zentralen Mittelfeldspieler Rostocks machten das Zentrum dicht, während sich die Außen, Federico rechts und Kefkir links, selbst aus dem Spiel nahmen, da sie kaum Bälle bekamen und sich nicht ausreichend fallen ließen, um das Zentrum zu unterstützen.

Oftmals ist es ein Problem beim 4-3-3, dass der Spielaufbau von hinten gestärkt wird und man eine gewisse Stabilität im Zentrum bekommt, jedoch ein zu großer Abstand zu den drei Stürmern entsteht und man offensiv wirkungslos bleibt – das gestrige Spiel der Bochumer war hierfür ein Musterbeispiel, es scheint, als ob Friedhelm Funkel seiner Mannschaft taktisch zu viel zutraut.

Dadurch entwickelte sich in den ersten 30 Minuten ein Spiel mit Mittelfeldgeplänkel und leichter Überlegenheit für die Rostocker, die Bochumer agierten fast schon mit drei Sechsern und beschränkten sich noch stärker in ihren Offensivbemühungen.

Defensiv agierten jedoch beide Mannschaften gut, insbesondere ein Glück für Bochum war die gute Leistung ihrer Innenverteidigung, die sich vom Rest der Mannschaft abhoben und nicht in das schwache Spiel der anderen miteinstimmten.

Auffällig waren die zahlreichen Ballverluste und Fehlpässe bei den eigentlichen Spielgestaltern in beiden Mannschaften, sowohl das zentrale Mittelfeld Rostocks als auch Bochums ließ Kreativität von hinten heraus vermissen und brachten das Aufbauspiel und Offensivspiel ihrer Mannschaft ins Stocken.

Johansson zeigte, dass er ein reiner Abräumer ist und agierte eigentlich als tiefster Sechser, doch die Rolle des deep-lying-playmakers übernahm dennoch Vogt, was letztlich dafür sorgte, dass sich vorne keine Anspielstation bot und Dabrowski mit einfachsten Mitteln abgeschirmt und aus dem Spielgeschehen genommen werden konnte.

Die Hanseaten hatten dank ihrem Halbstürmer/Offensiven Mittelfeldspieler im 4-2-3-1 einen Angelpunkt weiter vorne und konnten somit offensiv mehr glänzen als der Gegner, Mohammed Lartey zeigte eine starke Partie und mit sieben Torschüssen, vier Torschussvorlagen, elf gelaufenen Kilometern und einer hohen Zahl an Sprints war er der gefährlichste Mann auf dem Platz.

Auch Offensivpartner Semmer und Jänicke machten viel Dampf und konnten überzeugen, lediglich Björn Ziegenbein fiel leicht ab, zeigte aber keineswegs eine schlechte Leistung.

Knackpunkt im Spiel war dann die gelb-rote Karte für Bönig, was Bochum zu einer Taktikänderung und defensiveren Orientierung veranlasste und den Hanseaten in die Karten spielte.

Fortan war es nur noch ein Spiel auf ein Tor, Rostock kam – trotz vielen Fehlpässen und etwas Ideenlosigkeit im letzten Drittel – zu einigen Chancen und scheiterten mit viel Pech am eigenen Unvermögen und dem gegnerischen Torhüter.

Eines der Probleme in diesem Spiel waren die zu defensiven zentralen Mittelfeldspieler, die kaum Impulse setzen konnten und die Außenverteidiger, die defensiv solide und offensiv ineffizient waren.

Zwar zeigten beide Teams von Beginn an eine schematisch richtig umgesetzte Taktik, doch der Teufel steckt im Detail, in der genauen Umsetzung und in einer einheitlichen Spielphilosophie die von passenden Spielern umgesetzt wird.

Fazit

Kein hochklassiges Spiel, doch ein Musterbeispiel dafür, dass das 4-2-3-1 einfacher und somit im Normalfall effektiver zu spielen ist als das 4-3-3.

Friedhelm Funkel wird sich überlegen müssen, was er mit seiner Mannschaft macht, denn bislang waren alle Spiele in dieser Saison unter dem Niveau eines Aufstiegskandidaten und man wird abwarten müssen, wie lange er sich in Bochum mit solchen Leistungen seiner Mannschaft halten kann.

Die Rostocker müssen noch an ihrer Chancenverwertung arbeiten, ansonsten ein solider, wenn auch kein starker Auftritt. Vollmann wird sich die späten und ineffektiven Einwechslungen vorwerfen müssen sowie die teilweise zu vorsichtige Ausrichtung nach der roten Karte, welches unter Umständen die drei Punkte gekostet hat.

 

Die Statistiken sind von Bundesliga.de.

Reloy Kenjins 10. August 2011 um 16:08

Sehr schöne Analyse, trifft den Nagel auf den Kopf. Anzufügen bleibt auch, dass auf beiden Seiten die Außenverteidiger extrem ballunsicher erscheinen und nur wenige Pässe spielen, die nicht 100%ig ankommen.
Und mit dieser Verunsicherung gehen sie scheinbar auch weniger offensiv an ihre Position, weswegen alle vier vermutlich viel zu viel Zeit zwischen Strafraum und Mittellinie verbracht haben, anstatt in der Offensive Gegner zu binden und Lücken zu reissen. Gerade die Rostocker (Schyrba / Pelzer) hätten hier zwingender sein müssen.

Ansonsten bleibt zu sagen: Da landet mal wieder eine Seite in meinen Favoriten! 😉

PS: Die Rostocker mögen die von euch genutzte Kogge nicht. Und da ich einer von ihnen bin, musste ich mich ebenfalls fast übergeben, als ich sie sah. Die von euch genutzte ist die von unserem verhassten und gott-sei-dank inzwischen entlassenen Marketingchef Ralf Gawlack eingeführte und sieht ganz anders (und wesentlich hässlicher aus) als unser Original.
Die „neue alte“ Kogge, die dem Original -an dem Hansa aber leider keine Rechte mehr hat- am nächsten kommt findet ihr auf der Homepage des Vereins oder zB hier:
www[punkt]sporturn[punkt]com/images/logos/216//FC_Hansa_Rostock.png

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Kroos39 9. August 2011 um 15:40

Wie gestaltet ihr eigentlich diese Grafiken? Mithilfe von Powerpoint oder gibt es dafür ein extra Programm?

Antworten

RM 9. August 2011 um 16:07

Die Grafiken erstellen wir mithilfe von Inkscape, einem kostenlosen und sehr empfehlenswerten Programm. Andere Dinge wie Statistiken oder Diagramme erstellen wir mit den jeweiligen Programmen von Microsoft Office.

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Kroos39 9. August 2011 um 16:25

Vielen Dank!

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Charlie_Murphy 9. August 2011 um 15:19

Dem ist absolut aber auch rein gar nichts mehr hinzuzufügen! Kompliment für diese prägnante und vollkommen zutreffende Analyse! Besonders die aufmerksamen Beobachtungen über Hansas Außenverteidiger und defensiven Mittelfeldspieler sind zu 100% zutreffend. Darf man fragen wie oft sich dafür der Autor das Spiel angeschaut hat/anschauen musste?
Grüße von Ostsee

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RM 9. August 2011 um 16:26

Ein großes Danke für dieses Kompliment, das macht Mut für weitere Analysen!

Das Spiel als ganzes habe ich mir einmal angesehen, ein paar Szenen mehrmals.

Sportlichen Gruß!

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firedo 9. August 2011 um 15:01

Ich freue mich, auchmal wieder was über Hansa zu lesen.

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