Facetten der Bayern-Schlappe

5:1

Einige aspektorientierte Einordnungen zur deutlichen Niederlage der Münchener bei Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt ist so ziemlich die letzte Bundesliga-Mannschaft, gegen die man ein Unterzahl-Szenario in Kauf nehmen wollen würde. Das liegt an der enormen Grundintensität der Hessen, durch die sich das Spiel der Mannen von Adi Hüter auszeichnet. Hinzu kommt, dass man auslösende Dribblings, um die vielen Frankfurter Mannorientierungen zu attackieren, schwieriger vorbereiten kann. Besonders stark wirkt sich mit einem Mann weniger aber die weiträumige Anlage der Eintracht im Bewegungsspiel aus. Nach nicht einmal zehn Minuten gerieten die zuletzt von Krisengerede begleiteten Bayern in genau diese unangenehme Situation – und sollten sie nicht mehr kompensieren können.

Einordnung Grundausrichtung: Gute Ideen kommen kaum zum Tragen

Vom ursprünglichen Plan, den sich Niko Kovac für seine Mannschaft zurecht gelegt hatte, ließ sich in der kurzen Zeit bis zu Boatengs Platzverweis gar nicht so viel sehen: Den wenigen Andeutungen nach schienen die wesentlichen Elemente eigentlich sinnvoll angelegt. Da die Münchener enge Deckungen der vorderen gegnerischen Mittelfeldspieler im Pressing auf die eigene Doppel-Sechs erwarten konnten, ließ sich Lewandowski häufig in den Zehnerraum fallen, um zusätzlich die Lücken neben dem tiefsten Zentrumsspieler anzuvisieren. Bei seinen Rückstößen zeigte der Pole einige gute Bogenläufe.

Gerade wenn er sich ballnah im Halbraum das Leder tiefer abholte, versuchte er es im Anschluss häufig mit Dribblings auf den jeweiligen Flügel. Links verband sich das gut mit gegenläufigen Bewegungen von Gnabry, der Abraham – als Halbverteidiger in für Frankfurt typisch raumgreifender Manier agierend – aus jenem Bereich wegziehen sollte. Bei ihren Ansätzen hatten die Münchener allerdings zu viele ungeduldige Momente in der Offensive: Sie ließen immer mal wieder Räume ungenutzt, in die sie den Ball noch hätten mitnehmen können, und sich stattdessen zu früh zum attackierenden, entscheidenden Zuspiel in die Tiefe hinreißen.

Das verband sich mit dem Thema Absicherung zu einem unangenehmen Gemisch: Dass im Zuge eines insgesamt offensiven Aufrückverhaltens auch situativ beide Außenverteidiger sehr weiträumig mit ins letzte Drittel gingen, war nicht zwangsweise problematisch, allerdings geschah es einige Male auch dann, wenn es für das eigentliche Angriffsspiel in jenem Moment gar nicht direkt nötig gewesen wäre. Deshalb stellte sich dieses Phänomen zumindest als eine generelle Problematik dar: Für die konkrete Begegnung bedeutete es gegen die individuellen läuferischen und athletischen Qualitäten der Frankfurter Flügelläufer ein Risiko.

Speziell für die reine Angriffssituation vor dem Konter, aus dem der Platzverweis resultierte und in dem die Innenverteidiger letztlich im 2gegen2 verteidigen mussten, kann man über die Abwägungen und Entscheidungen im Aufrückverhalten streiten und prinzipiell darin einen Knackpunkt identifizieren. Selbst nach dem Platzverweis ließen sich bei den Gästen weiterhin verschiedene Lichtblicke festhalten: Im 4-4-1 gegen den Ball beispielsweise hatten die Münchener einige gute Phasen – wenn auch keine Konstanz – beim Zuschieben zur ballnahen Seite, indem die Doppel-Sechs kompakter und sauberer nachrückte, teilweise in versetzter Staffelung zu den vorderen Mittelfeldakteuren. Dies bedeutete ein ansehnliches Kontrastprogramm zu den zuletzt recht simpel organisierten Mannorientierungen.

Einordnung Gegner: Frankfurts Charakteristik

Umgekehrt fanden sich auch im Spiel der Frankfurter viele gute Elemente. Zu jeder Kritik an der Heftigkeit der Münchener Niederlage und dem Ausmaß einer wie krisenhaft auch immer gearteten Krise des Titelverteidigers gehört das Lob für den starken Auftritt der Gastgeber. Das Team von Adi Hütter definiert sich nicht allein über die reine Intensität, die in eine zur raumgreifenden Spielweise und zum Personal passende Grundformation gegossen wird. Außerdem setzt es viele Details um. Allein schon in den ersten Reihen der Arbeit gegen den Ball war dies beispielsweise zu sehen – bereits vor der numerischen Überzahl: Der jeweils ballferne Achter kam im Pressing zu einer passenden Abwägung, wie weit er sich von seinen nominellen Gegenspieler lösen sollte und wie weit er im ballseitigen Verschieben nach innen diagonal hinter seinen Mitspieler einkippen konnte.

Wenn der Verbund der Hessen sich auf eine Seite schob, hielten sich aber die beiden Stürmer vorne vergleichsweise breiter gestaffelt: Die Lücke dazwischen ließen sie durch die situativen ballnahen Mannorientierungen aus den hinteren Reihen auffüllen. Wichtig bei diesen breiteren Positionierungen des ballfernen Angreifers war, nicht in zu hoher Position zu verbleiben. Aufgrund einer letztlich insgesamt guten Umsetzung erschwerte diese Spielweise hier Verlagerungen innerhalb der ersten Linie und schränkte auch den Bewegungsspielraum für die Münchener Mittelfeldmannen im ballfernen Halbraum zusätzlich ein.

Einordnung 10gegen11: Ambivalente Neuausrichtung

Grundformationen nach der Roten Karte

Es war eine mutige und nicht unbedingt eine falsche Entscheidung von Kovac, auf eine frühe Einwechslung eines neuen Defensivspielers in Reaktion auf den Platzverweis zu verzichten. In einem 4-2-3/4-4-1 ließ er fortan Kimmich die rechte Position in der Viererkette besetzen und zog Coutinho im zentralen Mittelfeld weiter zurück. Schnell zeigten die Bayern spielerisch einige Ansätze auf dem Weg nach vorne. Beim Aufbau über einen Innenverteidiger bewegte sich der ballnahe Mittelfeldmann rasch zu seinem Mitspieler hin und versuchte kleinräumig zu unterstützen, jedoch fast etwas zu ambitioniert, so dass er eher einen Gegner mitzog und somit Raum zulief.

Oftmals wurden solche Wege jedoch mit tiefen Verlagerungen auf den ballfernen Außenverteidiger verbunden. Das gegenläufige Freilaufverhalten aus dem Mittelfeld erschwerte in der Vorbereitung den Frankfurtern die Geschlossenheit im Verschieben und wirkte letztlich so doch noch raumöffnend. Möglicherweise waren dies intendierte, gewissermaßen lockende Abläufe, eventuell aber auch – gerade in der Phase unmittelbar nach der Roten Karte und dann wiederum direkt nach dem ersten Gegentor – Nebeneffekte des Bemühens, in den ersten Aufbaulinien die Partie zu beruhigen.

Nicht optimal stellte sich bei den Münchenern in dieser Phase die Verteilung in der Offensive dar. Grundsätzlich bot sich eine Kombination aus zwei beweglich driftenden und einem hoch am Flügel verbleibenden Akteur als eine gute Mischung an. In der genauen Umsetzung über weite Teile der ersten Halbzeit wirkte es jedoch nicht so förderlich, dass fast durchgehend die Rolle des Breitengebers nur bei Müller auf rechts lag. Demgegenüber hatten Gnabry und Lewandowski weiterhin viele – für sich genommen – gute Bewegungsmuster, besonders ins Mittelfeld hinein und nach halblinks. Zusätzliche Anschlussläufe nach halbrechts in die Spitze gab es zur Ergänzung von Müller allerdings kaum.

Wenn dieser nach Verlagerungen den Ball erhielt, hatte er meistens nur Kimmich als einzige Anspielstation für mögliche 2gegen2-Situationen. Gegen das raumgreifende Herausrücken der Verteidiger im Frankfurter Stil erhielt er schnell unmittelbaren Druck, konnte in diesen großräumigen, instabil angebundenen Konstellationen seine athletischen Nachteile – gerade auch bei kleinen Ungenauigkeiten und Abprallern – nicht mehr kompensieren. Nun hätte genau das zwar auch gedroht, wenn Müller einer der flexibel rochierenden Spieler gewesen und in Laufduelle mit den Abwehrspielern der Eintracht geschickt worden wäre – vielleicht sogar noch mehr. Tatsächlich forderten Gnabry und Lewandowski oft Bälle ins 1gegen1.

Aber gerade mit klugen ausweichenden Läufen gegen die in der tiefsten Absicherung vergleichsweise individuelle Organisation der Hessen hätte der Bewegungsstürmer Müller eine gute Ergänzung sein und womöglich nochmal wichtige Räume reißen können. Zum Ende der ersten Halbzeit wurden die Bayern stärker, als es einige kleine Anpassungen in den vorderen Bereichen gab: Beispielsweise spielte Lewandowski häufiger über die linke Seite. In dieser Phase rückten Gnabry und Müller vermehrt ins Zentrum ein, für Letztgenannten schob auf dem Flügel dann Kimmich früher und höher vor. So gestaltete sich das Verhalten aus der Viererkette leicht asymmetrisch, mit entsprechenden Vorrückbewegungen schließlich zudem von Pavard.

Gerade dieser Aspekt wiederum stand gleichzeitig in Wechselwirkung mit Veränderungen auf Frankfurter Seite. Die Schlussphase der ersten Halbzeit war jene Zeit, als die Eintracht – mit einer 2:0-Führung im Rücken – sich weiter zurückzog: Damit unterblieb das ballnah weiträumige Herausrücken des Flügelläufers im Pressing im Rahmen der pendelnden Viererkette zugunsten einer tieferen, konstant gehaltenen Grundposition. Bayern durfte erst einmal weiter aufrücken: Rechts konnte also Kimmich im Aufbau früher ankurbeln und Eröffnungen nach vorne spielen bzw. Pavard nun eben andribbeln, wenn Kimmich sich direkt hoch positionierte.

Darauf reagierten die Bayern-Spieler insgesamt gut: Beispielsweise startete Davies – gerade nach Verlagerungen – mehrfach starke Auftaktdribblings diagonal in den Halbraum. Er trieb das Leder zunächst einmal vorwärts, solange noch ein freier Raum vorhanden war, und danach schließlich häufig auf einen enger gedeckten Mitspieler zu, um so 2gegen1-Situationen herzustellen. Mit dem Ausspielen solcher Momente konnte die aufgenommene Dynamik dadurch oftmals in eine Folgeaktion überführt werden.

Einordnung Strategie: Die Schwierigkeit der Defensivarbeit und -balance

Angesichts der Münchener Versuche, auch in Unterzahl möglichst viel Initiative auszuüben, war es für Frankfurt wichtig, eigene längere Ballbesitzphasen zu forcieren und so diesem Unterfangen entgegen zu treten. In diesem Zusammenhang erkannten die Mittelfeldspieler der Gastgeber die Räume vor tieferen Defensivstaffelungen des gegnerischen 4-4-1 und ließen sich abwechselnd in die Zonen seitlich neben Lewandowski fallen. Bereits zuvor – und situativ auch in späteren Phasen – hatte es im Aufbau einige verschobene Viererkettenanordnungen aus den drei Abwehrspielern und dem Sechser gegeben, in denen Abraham besonders weit aufrückte – beinahe wie ein echter Außenverteidiger.

Bei dem flexiblen Herauskippen der Zentrumsspieler musste die Eintracht gelegentlich nur aufpassen, nicht zu viel Präsenz zu verschenken, wenn sich mehrere Akteure gleichzeitig aus der gegnerischen Defensivformation herauszogen. Zwischenzeitlich eröffneten sie aus der eigenen Überzahl mit unsauberen Verteilungen der Spieler untereinander. Andererseits spielten sie einige dieser Szenen wiederum auch sehr geduldig aus – mit gutem Timing für den Übergang nach vorne zu einem passenden Zeitpunkt, wenn die positionellen Verschiebungen aus dem Aufbau unsaubere gegnerische Reaktionen auslösten und das Münchener Mittelfeld nur noch improvisiert besetzt war.

In ihren stärksten Szenen schienen die Frankfurter fast zu locken, so gehörte etwa das 2:0 zu ihren besten Offensivaktionen: Coutinho musste dort das Zentrum letztlich alleine zusammenhalten gegen die Halbraumverlagerung auf Rode, der aus entfernter Startposition gut mit in die Szene integriert wurde. Die folgenden Aktionen mit der Einbindung der Stürmer im Zusammenspiel und den Anschlussbewegungen waren gruppentaktisch sehr stark – und damit auch das Produkt einer gerade besonders gelungenen Umsetzung einer guten Dynamikmannschaft.

Auf lange Sicht wurde die nominell und personell für die Konstellation einer Unterzahl offensive Besetzung der Münchener eine brenzlige Angelegenheit: Mit Thiago als Sechser und Coutinho als unterstützendem Mittelfeldakteur konnte die Rückzugsbewegung schnell mal ein Spiel mit dem Feuer darstellen. Gerade nach Flügelangriffen und insbesondere dann in der zweiten Halbzeit kamen Coutinho und auch Müller kaum mehr dazu, bei Pässen gegen das Rückwärtslaufen der Kette zurück an die Strafraumkante von oben zu schließen.

Vorne gab es nach dem Seitenwechsel einige vielversprechende Pressingansätze durch asymmetrische Staffelungen, doch auch über deren konsequenter Ausführung hing psychologisch stets die schwierig zu balancierende Gefahr, dass ein einmaliges (Teil-)Überspielen sofort enorm verlängerte Wege in die Folgeaktion bedeuten würde. Ein einzelner Moment des Scheiterns eines ambitionierten Versuchs gegen den Ball warf diesen Ansatz schnell in reine Schadensbegrenzung zurück. In diesem Zusammenhang musste Kovac irgendwann zwangsläufig reagieren und einen zusätzlichen zentralen Mittelfeldmann für mehr Präsenz bringen, um nicht vollständig an Zugriff zu verlieren – wenn auch als nominellen Defensivwechsel bei Rückstand.

Schluss

Auch dem FC Bayern kann es passieren, mal ein (Bundesliga-)Spiel mit 1:5 zu verlieren. Das deutliche Ergebnis resultierte in dieser Begegnung aus einer speziellen Konstellation, in der mehrere ungünstige Umstände zusammenkamen – wenn man sich in einer problematischen Gesamtsituation befindet, wenn man gegen einen starken, furiosen Gegner spielen muss, wenn man sehr früh in Unterzahl gerät. Gerade der letzte Faktor ist ein essentieller Kontext für den Verlauf und die Einordnung der Begegnung, wie das übrigens Hannes Wolf – als einer von wenigen – sehr nachdrücklich bei sky geschildert hat.

Fraglos lag bei den Münchenern in den vergangenen Wochen einiges im Argen, wogegen sich bei diesem Gastspiel in Frankfurt zu Teilen sogar Lichtblicke und neue Ansätze andeuteten (Anschlussaktionen nach Verlagerungen beispielsweise; balltreibende Aktionen im Übergang weniger über Coutinhos Position fokussiert als in manch voriger Begegnung; die verschiedenen Variationen gegen den Ball). Dementsprechend könnte man etwaige Krisendiskussionen begründen. Aber es geht in der aktuellen Lage beim Meister im Kern um die Gesamtsituation, nicht um das Einzelspiel als ein wegen der Deutlichkeit des Ergebnisses vermeintlich „schwerwiegenderes“ Debakel.

Diese Partie war nicht das Musterbeispiel einer generellen Krise, nicht der legitime Funke für eine maßgebliche Verfärbung des Bildes zum Schlechteren. Deshalb ist es hinsichtlich der Personalie Kovac auch gewissermaßen schade, dass gerade sie einen Schnitt nach sich zieht, selbst wenn eine nicht unwesentliche Initiative zu dieser Entwicklung wohl auch vom Trainer selbst ausgegangen sein sollte.

Hubert 5. November 2019 um 21:55

Kein Wort zur „kreativen“ Aufstellung der Defensive? Alaba als IV, Pavard als RV? Gibt es hier einen Erklärungsansatz?

Antworten

tobit 6. November 2019 um 18:04

Erklärung: Kimmich soll ins Mittelfeld und Martinez nicht auf den Platz (ob diese Idee weiterhin Bestand hat, bleibt abzuwarten). Damit stellt sich die 4er-Kette ohne Einsatz von Jugendspielern von alleine auf:
1) RV: Davies ist sehr jung, gelernter Offensivspieler und Linksfuß. Gnabry braucht es in der Offensive. Damit ist Pavard der einzig mögliche RV.
2) IV: Pavard braucht es rechts. Süle und Lucas sind verletzt. Damit ist Alaba der einzig mögliche Partner für Boateng.
3) LV: Alaba braucht es innen. Lucas ist verletzt. Damit ist Davies der einzig mögliche LV.

Flick setzt jetzt natürlich erstmal auf Populismus und schickt Thiago und Coutinho auf die Bank. Mal schauen, ob er die volle Hoeneß-Aufstellung mit Doppelsechs Javi/Goretzka hinter Müller als „Zehner“ wählt oder doch auf ein bisschen Spielmachertum im Zentrum setzt und Javi in die IV verbannt. Ich werde mir das Gegurke gleich jedenfalls nicht angucken.

Antworten

Kangmo 6. November 2019 um 23:53

Warum stehen Müller und Goretzka für Populismus aber Thiago und Coutinho nicht? Gerade auf Coutinho ist man doch stolz?

Antworten

tobit 7. November 2019 um 15:18

Es ist Populismus, weil Thiago und Coutinho die objektiv stärkeren Spieler sind. Es ist Populismus, weil man gegen einen aller Wahrscheinlichkeit nach defensiv eingestellten und mit dem 0:0 zufriedenen Gegner mit Technik und individueller Durchsetzungsfähigkeit mehr anfangen kann als mit Physischer Stärke und schierem Laufaufwand. Es ist Populismus, weil „Der Deutsche“ und Hoeneß Arbeit und Kampf mehr schätzen als Technik und Finesse. Es ist Populismus, weil deutsche Spieler unabhängig von der Qualifikation vorgezogen werden (war wahrscheinlich nicht Flicks Intention, kann man aber so interpretieren und wird so manchem Fussballfan gefallen).

Klar ist man stolz auf Coutinho. Hoeneß hat aber etwas andere Ansichten (ist halt Populist) und zieht sich sehr klar Müller und Martinez allen anderen Mittelfeldspielern vor, weil sie eben Triple-Sieger sind, für „Arbeit“ stehen und dem Verein immer treu geblieben sind.

Antworten

Koom 7. November 2019 um 15:50

Fairerweise: Für eine Mannschaft, die zuletzt gegen fast jeden Gegner 2 Tore kassiert hat, kann es Sinn machen, dass man verstärkt Spieler zur Stabilisierung bringt. Thiago und Coutinho sind das definitiv nicht. Kimmich und Goretzka auch nicht zwingend, aber die rennen beide wenigstens nach hinten zum Flicken (no pun intended), was die anderen beiden eher nicht machen.

Als kurzfristige Maßnahme IMO populistisch, aber tatsächlich sehr sinnvoll. Auf Dauer ist es natürlich sinnvoller, auch wieder mehr offensive/technische Klasse einzubringen. Aber dazu muss die Gesamtdefensivarbeit erheblich besser werden.

Antworten

tobit 7. November 2019 um 17:27

Ein Thiago der nicht von den AV, Müller und Coutinho völlig alleingelassen wird, ist defensiv der beste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Aber ja, wenn man ständig zwei Tore kassiert, macht es Sinn, die Balance etwas Richtung Defensive zu verschieben. In einer solchen defensiveren Ausrichtung braucht es Thiago dann umso mehr. Einerseits, weil er seine defensiven Qualitäten da dann ausspielen kann. Und andererseits, weil man sonst eben offensiv nichts mehr zustande bringt. Und in fast jedem Fall ist ein 2:2 wertvoller als ein 0:0.

Ich stimme dir ja absolut zu, dass Thiago neben einem echten Sechser a la Weigl noch viel besser wäre. Den hat Bayern aber (zum Glück für den Rest der Liga) nicht im Kader. Martinez kann das in bestimmten Spielen sein, wenn man ihn aus dem direkten Gegnerdruck raushalten kann. Und angesichts der Qualität und Quantität auf den Positionen davor (und dem Mangel dahinter), macht es oft einfach mehr Sinn, auf Tolisso (den balanciertesten der Zehner) zu setzen und Martinez und Thiago nicht nebeneinander zu überspielen. Den Einfluss einer überspielten aber nicht ersetzbaren Doppelsechs hat man letztes Jahr in Dortmund gesehen.

Koom 7. November 2019 um 21:03

> Ein Thiago der nicht von den AV, Müller und Coutinho völlig alleingelassen wird, ist defensiv der beste Mittelfeldspieler der Bundesliga.

Sagen wir: „ist defensiv der beste _offensive_ Mittelfeldspieler“. Damit kann ich mich anfreunden. Aber ist so oder so nur Ansichtssache. 😉

Koom 7. November 2019 um 10:24

Martinez als IV wird vermutlich erst mal „müssen“, weil die Verletztenliste hinten doch sehr drückt.

Und ob Flick die Zeit bekommt, was anderes zu machen, ist eher fraglich. Kann mir vorstellen, dass – wenn das Spiel gegen Dortmund gut ausgeht – Flick bis Jahresende weitermachen darf und dann der neue (Mourinho) kommt.

Und wegen Thiago: Wenn kein Guardiola-Style-Trainer kommt (und Tuchel hat abgesagt), dann sollte Thiago auch keinen Solo-Sechser spielen. Dafür ist er nicht geeignet. Und man könnte böswilligerweise sagen, dass er selbst unter Guardiola durchaus ein Schwachpunkt ist, wenn er das so spielen muss. Thiago geht für das Defensivspiel die Präsenz ab.

Antworten

tobit 7. November 2019 um 13:14

Thiago ist halt immernoch der beste Solosechser, den Bayern hat – um nicht zu sagen, der einzige. Kimmich+Thiago ist keine gute Doppelsechs. Martinez+Thiago schon eher. Wird halt eher schwierig, da man sowohl Martinez als auch Kimmich immer wieder in der Abwehr brauchen wird, wenn man nicht ewig mit denselben vier durchspielen will (was das Verletzungsrisiko massiv erhöht). Da weder Tolisso noch Goretzka wirklich toll in einer Doppelsechs sind, läuft es entweder auf Solosechser Thiago oder tatsächlich Einsätze für Cuisance hinaus.

Ob es wirklich bis zum Winter dauert, bezweifle ich aktuell. Dafür sind die Aussagen aktuell zu konkret. Sowohl die Absagen der Gebundenen als auch die Entscheidungsankündigung von Wenger. Übergang bis zum Sommer mit Wenger und dann Ten Hag scheint mir aktuell das wahrscheinlichste Szenario zu sein.

Antworten

Daniel 7. November 2019 um 14:15

Was tobit sagt. Wenn kein Thiago, dann auch keine Solosechs. Alle anderen Kandidaten sind ihm in allen Bereichen deutlich unterlegen. Wobei man das Defizit im Grunde auch auf Mittelfeldspieler erweitern könnte. Die einzigen Mittelfeldspieler auf CL-Niveau im Trikot des FCB sind Thiago, Kimmich und Cuisance. Alaba könnte das vielleicht auch, aber den braucht man in der Viererkette noch dringender als Kimmich. Ansonsten gibts einen Innenverteidiger und zwei Schattenstürmer, die im Mittelfeld mehr schlecht als recht aushelfen können. Wobei ich gar nicht unbedingt sagen würde, dass Thiago+Kimmich als Doppelsechs nicht funktionieren kann. Denk mit einer klaren Arbeitsaufteilung würd das schon klappen. Thiago tief im Sechserraum und Kimmich halbrechts als vorstoßender Box-to-Box-Spieler als Gegengewicht zum halblinken Zehner Coutinho.

Gestern fand ichs eigentlich ganz gut. Bayern hat es souverän und unaufgeregt runtergespielt ohne komisch chaotische Phasen wie unter Kovac drinzuhaben, mit denen man auch die harmlosesten Gegner aufgebaut hat. Das Vorwärtsverteidigen und defensive Umschalten war deutlich konsequenter und geschlossener als zuletzt. Grad die defensive Mitarbeit der Offensivspieler hat sich verbessert. Erstmals seit Wochen hat ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass Bayern droht, die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Bezüglich der Aufbauformation und der Positionsfindung in der Offensive hat sich natürlich noch nicht viel getan, aber Flick hatte auch erst eine richtige Trainingseinheit. Erstmals beurteilen könnte man ihn erst nach der Länderspielpause…wenn er dann nicht eh schon wieder Vize ist.

@Koom
Meines Wissens nach ist Mourinho kein Thema. Und das auch völlig zurecht, und da red ich noch nichtmal von spieltaktischen Erwägungen. Mit Hoeneß und Mourinho wären dann die zwei größten Egos des Fußballs vereint, das kann ja nur schiefgehen. Stell dir mal Mou vor, wenn Hoeneß wie neulich bei Kovac nach einem schlechten Spiel neunmalklug verkündet, dass sich die Abwehr von allein stabilisiert, wenn der dämliche Trainer nur endlich wieder Martinez aufstellt. Unter Hoeneß Trainer zu sein war noch nie ganz leicht und seit seiner Haft ist er noch viel schwieriger geworden. Die einzige Chance, das länger zu schaffen, ist eine guter persönlicher Draht und viel Duldsamkeit. Und Duldsamkeit hat Mou nunmal gar nicht. Ten Haag im Sommer war wohl schon länger die vor allem von KHR favorisierte Lösung, nur dass lange die Hoffnung war, dass sich Kovac bis zum Sommer noch halten kann. Jetzt ist bis Sommer mit Wenger und dann ten Haag deutlich am wahrscheinlichsten und in meinen Augen auch das sinnvollste.

Antworten

Koom 7. November 2019 um 15:23

Hoeneß ist in ein paar Tagen offiziell Geschichte (das er inoffiziell vom Tegernsee dann immer noch mitregieren wird, sollte aber auch klar sein). Das widerspricht also Mourinho nicht. Zudem wird sich Hoeneß wagen, einem Mourinho so reinzulabern. Der ist dafür viel zu bißig.

Und Rummenigge sehe ich durchaus als jemanden, der Mourinho gut finden dürfte: Weltmann, klare Kante, Erfolgsmensch. Wenger wäre im Vergleich dazu die Hoeneß – Lösung: Weltmännisch, ganz klar, aber kein Erfolgsmensch. Mehr Genußmensch, kultiviert. Ich kann mir den nicht als (langfristige) Lösung für die Bayern vorstellen. Auch Arsenal ging zuletzt drunter und drüber. Sportlich hat sich Wenger IMO schlichtweg überholt. Als Übergangslösung wäre das aber durchaus machbar, nachdem Hitzfeld und Heynckes nicht mehr machbar sind. 😉

> Wenn kein Thiago, dann auch keine Solosechs. Alle anderen Kandidaten sind ihm in allen Bereichen deutlich unterlegen.

Das hängt davon ab, was du spielen lassen willst. Fairerweise: Martinez ist auch nicht mehr der CL 2013-Martinez, insofern stimmt die Aussage. Vom jeweiligen Peak ausgehend finde ich aber Martinez den wesentlich stärkeren Solo-Sechser als Thiago, der – sorry – für mich 8er oder verkappter 10er ist. Liegt aber auch daran, wie ich einen Sechser gerne haben möchte. Da ist Spielaufbau wichtig, wichtiger ist aber, dass derjenige offensiv wie defensiv den Sechserraum vor der Abwehr besetzt. Wenn der links und rechts daneben rumschwirrt, ist es kein Sechser.

Diese Sechser-Varianten kann man spielen, wenn man ein wahnsinnig gutes Gegenpressing spielt – aber selbst dann bist du angreifbar. Böse Menschen können Guardiola als Beweis aufführen, dem dann letztlich in den engen Spielen der Erfolg verwehrt blieb. Oder du hast alternativ einen Box-8er neben dir, der eben auch nach hinten gut aufpasst. Also nicht der Müller-8er (was eine Quatscherfindung), der im Grunde nur ein noch tieferer Halbstürmer ist, sondern eher ein Prime-Khedira (der aber zuletzt bei der WM auch sich nur als Mittelstürmer sah). Kimmich hat das auch (noch) nicht drauf. Martinez aktuell kann das durchaus noch, aber da muss das Gegenpressing vorne mithelfen. Bei den Gnabrys und Comans, die dem Gegenstoß nur hinterherschauen, ist das aber auch nichts.

Generell haben die Bayern, aber auch die Nationalelf, sehr verlernt, auch Defensivdenke im Spiel zu haben. Nicht nur den nächsten oder übernächsten Paß nach vorne, sondern auch mal Antizipation im Defensivspiel, frühes Zustellen. Das Verwenden die Sechser-Granaten Kroos und Thiago eigentlich nur, um sich möglichst weit weg vom Gegenstoß aufzuhalten, so dass andere die negative Kritik kassieren.

Antworten

CHR4 9. November 2019 um 01:22

ich zitiere nochmal das Zitat … 😉

> Wenn kein Thiago, dann auch keine Solosechs. Alle anderen Kandidaten sind ihm in allen Bereichen deutlich unterlegen.

und möchte in den Raum werfen:
„Wenn keinen BUSQUETS im Kader du hast, deine Taktik nicht auf Solosechs begründet sein soll.“

mehr noch: ich würde idealerweise noch XAVI hinzufügen und voraussetzen, dass das Positionsspiel der gesamten Mannschaft so gut ist, dass das Gegenpressing fast perfekt funktioniert

zumindest, wenn wir hier von einer Solosechs im 4-1-4-1 reden …

mir fällt trotz langem Nachdenken außer Busquets absolut keiner einer, bei dem ich ein sicheres Gefühl für die Defensive im 4-1-4-1 hätte (und nein! defintiv nicht Alonso)

Rodri traue ich das zukünftig am ehesten zu, deshalb hätte ich gern im Sommer da einen anderen Wechsel gesehen, aber wenn ich ehrlich bin braucht Pep so einen Spieler eben doch noch mehr

um zum FC Bayern zurückzukommen:
meine Präferenz in den TOP-Spielen für Doppelsechs Thiago+Martinez und Kimmich auf RV, Thiago+Kimmich und Pavard als RV wäre die nächstbeste Variante, die aber dann eingespielt sein muss bis zum Frühjahr …

PS: Was man von Oliver Kahn zum Thema Trainersuche hört, sind endlich mal wieder die richtigen Fragen und Gedanken … das macht Hoffnung für die mittelfristige Zukunft des FC Bayern.

tobit 9. November 2019 um 11:25

Solosechser gibt es schon einige. Klar wird so schnell niemand an Prime-Busquets rankommen, aber er ist definitv nicht der einzige, der das spielen kann. Mir würden da spontan Rodri, Frenkie, Weigl, Jorginho, Pjanic, Matic, Thiago, Fabinho und Fernandinho einfallen. Und das sind nur die, die das in den letzten paar Jahren auf dem höchsten Niveau gespielt haben. Dann gibt’s noch die zweite Reihe um Gündogan, Rudy, Badelj, Baier, Roca, Baumgartlinger und Co., wo ich wenn sie das gespielt haben davon sehr angetan war.

An Rodri waren die Bayern ja auch dran, da kann ich aber seine Entscheidung für Guardiola auch sehr gut nachvollziehen. Da hat er einfach ein viel besseres Umfeld für sein Spiel, einen der besten Trainer der Welt (der seine Muttersprache spricht) und wird auch nicht weniger verdienen. Insgesamt waren für diese Position im Sommer aber so viele Spieler auf dem Markt, dass man sich da nicht derart auf Rodri hätte versteifen müssen um einen guten Fang zu machen. Diese „Wunschspieler oder nix“ Mentalität hat den Bayern in den letzten Jahren ziemlich geschadet.

Für die Topspiele würde ich wohl auch auf Thiago+Martinez setzen. Aber das ist halt keine dauerhaft nutzbare Variante aufgrund der fehlenden Breite in diesem Bereich.

tobit 7. November 2019 um 15:29

Weitgehende Zustimmung. Auch zum Thema linksfüßiger IV und Sonderfall Hummels.

Aber: Was du da als funktionierende Doppelsechs Kimmich+Thiago beschreibst, läuft in den allermeisten Fällen auf einen Solosechser Thiago hinaus.

Und: Ob Cuisance, der sich bei Gladbach mit überzogenen Stammplatzforderungen ohne jede Basis ins Abseits manövriert hat, wirklich CL-reifer als Tolisso und Goretzka ist, bezweifle ich auch. Der hat noch keine einzige CL- oder EL-Minute gespielt, hat keine 1500 Bundesligaminuten auf dem Buckel und hat schon vor seinem Stammplatzanspruch bei Gladbach (nach weniger als 300 Minuten Spielzeit in der Vorsaison) schon nicht unbedingt als einfacher Charakter gegolten. Taktisch ist er auf jeden Fall ein guter Backup für Thiago, Kimmich und Coutinho aber rein individuell ist da noch deutlich Luft dazwischen.

Antworten

Daniel 7. November 2019 um 17:06

@tobit
Du hast völlig Recht bezüglich Cuisance. Ich wollte Coutinho schreiben und hab mich vertippt…warum klingen die Namen auch so ähnlich 😉

@koom
Martinez war doch eigentlich nie eine Solo-Sechs. Länger gespielt hat er die Sechs nur in der 2013er-Saison und da sehr klar als Teil einer Doppelsechs mit Schweinsteiger. Das könnte ich mir auch diesmal wieder vorstellen mit Thiago in der Schweinsteiger-Rolle. Wenn ich Interimslösung wäre wäre das meine vorläufig erste Option. Martinez als Solosechs hat glaub ich noch nie jemand versucht und wär auch zum Scheitern verurteilt.
Thema Hoeneß: in einer Rolle, in der er die Trainerfrage zu diskutieren hat, ist er eigentlich schon seit einem halben Jahrzehnt Geschichte, aber das kümmert ihn halt nicht. Ob Manager, Präsident oder einfaches Aufsichtsratsmitglied, er passt das Amt seinem Charakter an und nicht seinen Charakter dem Amt. Das kann man gut finden („der lässt sich nicht verbiegen“) oder schlecht, aber in jedem Fall ist es so. Selbst wenn er kein Amt mehr haben würde würden sich genug Journalisten finden, die Uli nach einem misslungenen Spiel ein Mikrofon unter die Nase halten…und danach nochmehr, die seine Aussagen dankbar aufgreifen. Und das ist ja auch irgendwo verständlich, weil niemand sonst beim FCB so vernetzt ist und so eine große Basis hat-auch nach der Kritik der letzten Jahre. Er tritt nicht mehr an, um sich selbst ein relativ schlechtes Ergebnis zu ersparen…aber relativ schlechtes Ergebnis heißt wahrscheinlich was zwischen 70 und 80%. Wenn Uli etwas haben will hätte weiterhin niemand eine Chance, ihn in einer Kampfabstimmung auf einer Bayern-JHV zu schlagen. Deinen Glauben, dass sich Hoeneß aus Angst vor Mourinhos scharfer Rhetorik zurückhalten könnte teile ich nicht. In der Vergangenheit hat ihn das fast eher noch mehr angestachelt.
Dass Rummenigge und Mourinho ganz gut passen könnten glaub ich auch. KHR ist zwar auch sehr machtbewusst, aber im Gegensatz zu Hoeneß beschränkt er sich auf seinen Vorstandsjob und lässt seinen leitenden Angestellten Entscheidungsspielraum.

Thema Wenger: dadurch, dass er nie in Deutschland gearbeitet hat, weiß ich ziemlich wenig über ihn. Aber als Dauerlösung käme er ja allein schon durch sein Alter nicht in Frage. Mit ganz wenigen Ausnahmen haben Trainer bei Topklubs eine gewisse Halbwertszeit und die hat Wenger sehr weit überschritten, das würde er bei Bayern mit Sicherheit nicht. Und Thema drunter und drüber: solange Wenger bei Arsenal war war Arsenal jedes Jahr wieder Stammgast in der KO-Phase der CL. Da gings dann relativ schnell raus und im Internet wurde dann sein Kopf gefordert, weil er nicht das rausholt, was angeblich in der Mannschaft drin ist. Jetzt ist Wenger weg…aber wo ist eigentlich der Aufwärtstrend? Seitdem ist Arsenal noch mehr in der Versenkung verschwunden. Also sieht mir eher danach aus, dass Wenger da bis zum Schluss das Maximum rausgeholt hat und einfach die Erwartungshaltung übertrieben war. Und wenn ich auf die Transfers schau ist das auch kein Wunder…City, Liverpool, United und Chelsea ham einfach ein (teilweise deutlich) größeres Portmonnaie. Wenn Heynckes nicht machbar ist ist er mein Favorit als Übergangslösung. Spricht mit Deutsch, Englisch und Französisch die drei für einen Bayerntrainer wichtigsten Sprachen fließend, steht für Ballbesitzfußball, hat mega viel Erfahrung und ist wegen seines Alters wahrscheinlich auch mit einem Vertrag mit kurzer Laufzeit zufrieden. Was will man bei einem Interimstrainer mehr?

Antworten

AG 8. November 2019 um 10:25

Kurz zu Wenger: die letzten zwei Saisons hat er auch nur die Europa League erreicht, und die taktischen Schwächen wurden auch hier das ein oder andere Mal angesprochen. Besonders gab es Schwächen in der Defensive, die sich im aktuellen Kader genauso finden. Daran Schuld ist nicht nur der Kader, gab ja durchaus einige Investitionen darein. Es fehlt halt eine vernünftige Planung, die Lücken zu schließen, statt zig Millionen weiter in die Offensive zu stecken. Außerdem haben Özil und Mkhitaryan teure Vertragsverlängerungen kurz vor Karriereende bekommen, woraufhin der Trainer sie nicht mehr (viel) aufgestellt hat. Das hieß es auch gelegentlich auf Pressekonferenzen, dass deshalb nicht so viel ausgegeben werden kann. Und am Schluss bleibt noch zu sagen, dass Unai Emery vielleicht auch nicht die glücklichste Wahl als Trainer war, trotz sehr glücklichen Starts (jedenfalls von Ergebnissen vs. xG her).

Daniel 7. November 2019 um 14:41

Alaba ist Linksfuß, was für einen halblinken IV ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Pässe mit links haben einen anderen Spin als solche mit rechts und wenn der LIV mit rechts einen Vorwärtspass spielt dreht sich der Ball unangenehm zur Seitenlinie hin, was die Verarbeitung schwieriger macht. Zudem kann ein inverser IV auch leichter unter Druck gesetzt werden, da das Anlaufen meist eher aus dem Zentrum durch einen mehr oder minder zentralen Stürmer erfolgt. Da kann sich ein richtigfüßiger IV relativ problemlos Richtung Außenlinie absetzen und hat jederzeit den Körper zwischen Gegner und Ball, wohingegen ein falschfüßiger Spieler dann von der Ballseite aus angelaufen wird. Aus dem gleichen Grund beförderte einst Louis van Gaal den Linksfuß Holger Badstuber von der zweiten Mannschaft zum Stammspieler der ersten, da er ansonsten nur Rechtsfüße hatte. Fast jeder rechtsfüßige IV spielt halblinks ein paar Prozentpunkte schwächer als halbrechts. Große Ausnahme ist Mats Hummels, der jahrelang halblinks spielte und sich perfekt an diese Umgebung angepasst hat. Eben deshalb hat Hummels auch den Außenristpass zur Kunstform erhoben…ein Außenristpass mit rechts hat einen ähnlichen Spin wie ein Innenseitenpass mit links (nur meist stärker, was aber sogar eher gut ist).
Zudem ist man in der Führungsspitze des FCB im Sommer zu der Erkenntnis gekommen, dass man von den über 1,90 großen, etwas schwerfälligen „Schlachtschiffen“ in der IV (Hummels, Boateng, Martinez, Süle) nach Möglichkeit nur noch einen in der IV haben möchte und daneben einen kleineren und wendigeren Spielertyp will. Diese beiden Überlegungen (Linksfuß und wendig) lagen dem Hernandez-Transfer zugrunde. In Hernandez Abwesenheit ist Alaba der deutlich ähnlichste Spieler im Kader. Grad gegen Piräus und Dortmund macht das Sinn, da beide offensiv ziemlich klein besetzt sind. Gegen Alcacer, Götze, Reus, Brandt und Sancho ist die Gefahr am Boden deutlich größer als in der Luft und Alaba der ideale Mann, um diese Spieler individuell zu verteidigen.
Erschwerend hinzu kommt, dass wohl gewünscht ist, Kimmich ins Mittelfeld zu ziehen…dann ist Pavard der einzig verbleibende denkbare RV und steht folglich innen nicht zur Verfügung. Zudem gibt es im Umfeld große Sehnsucht danach, dass sich mal wieder ein junger Spieler durchsetzt…und dafür siehts bei Davies momentan klar am besten aus. Verbessern kann er sich nur über Spielzeit, und da hat er auf LV derzeit deutlich bessere Chancen als offensiv, wo an Gnabry, Coman und Müller nur schwer ein Vorbeikommen für ihn ist.

Antworten

csp 7. November 2019 um 20:01

Wenn die Personaldecke in der Verteidigung so dünn ist, bietet sich da nicht eine 3er Kette an?

Antworten

tobit 8. November 2019 um 01:14

Die allermeisten „3er-Ketten“ haben drei IV und zwei AV – also ein Verteidiger mehr als die gewöhnliche 4er-Kette.
Man könnte jetzt natürlich Gnabry (der hat das unter Nagelsmann zumindest schonmal ziemlich ordentlich gespielt) als nominellen Wingback nach rechts stellen, Davies links mehr Freiheiten geben und dann mit Alaba-Boateng-Pavard dahinter spielen. Um das aber wirklich als 3er-Kette umzusetzen, bräuchte Bayern einen taktisch starken Trainer mit offensiver Spielphilosophie der auch noch die Angreifer von sehr aktiver Abwehrarbeit überzeugt. Den sehe ich gerade nicht am Markt verfügbar.
Außerdem müsste man da gerade die Wingbacks öfter mal rotieren, wofür dann mit Alaba und Kimmich aber nur zwei absolute Stammspieler (die auch mal Pausen brauchen) zur Verfügung stehen. Da kann man besser einen IV mal außen in einer 4er-Kette bringen statt sich die wohl athletisch forderndste Position im aktuellen Fussball ins Haus zu holen.

Antworten

csp 8. November 2019 um 11:22

Danke

Antworten

Koom 5. November 2019 um 15:12

Für einen Bayern-Artikel irgendwie wenig Rückmeldung soweit. Alle im Schock?

Kovacs Anpassungen waren sinnig, aber die Mannschaft betreibt bestenfalls Dienst nach Vorschrift. Thiago – nach wie vor – glänzt nur in Spielen, in denen es läuft. Wenn es darum geht, mal dagegenzuhalten und ein Spiel zu drehen, ist er eindeutig der Falsche. Und die ganze Aufstellung erscheint bislang sehr als Schönwetterspieler: Coman, Gnabry, Coutinho, Thiago – wenn es Druck auf die eigene Defensive gibt, was durch deren schlampiges Offensivspiel natürlich verstärkt passiert, dann sind extremer Ballast.

Das ist auch ein Problem des Trainers und in seinem Verantwortungsbereich, bedeutet aber nichtsdestotrotz, dass die Bayern in der Kaderplanung auch nach ein paar formstabilen Spielern suchen müssen, die einfach immer ihr Ding machen. Stichwort Lewandowski.

Antworten

Daniel 6. November 2019 um 02:16

Naja, die Diskussionen sind ja schon unter den letzten Artikeln erfolgt. Tatsächlich find ich das Frankfurt-Spiel einigermaßen ungeeignet, daran die prinzipiellen Probleme zu erkennen. So paradox es klingen mag, aber dieses Duell mit der Eintracht war eigentlich eher ein Schritt nach vorn. Der Tiefpunkt war zuvor das Spiel gegen Bochum, in dem der FCB tatsächlich das Kunststück vollbrachte, gegen einen Abstiegskandidaten der zweiten Liga fußballerisch eindeutig unterlegen zu sein und nur mit Glück weiterzukommen. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass die Kovac-Zeit gerade auf ihre finale Klatsche zusteuert so wie Ancelotti in Paris oder Klinsmann in Wolfsburg und Barcelona. Die Frage war eigentlich nur, ob es diese abschließende Implosion schon in Frankfurt oder erst in Dortmund geben würde. Ich hab 3:1 für Frankfurt getippt und war zumindest in der ersten HZ eigentlich eher positiv überrascht. In einem anderen zeitlichen Zusammenhang hätte man das nämlich auch unter „blöd gelaufen“ einsortieren können. Guardiola hat schließlich auch mal 1:4 in Wolfsburg verloren und war dabei noch nichtmal in Unterzahl. Kovacs Anpassungen waren in der Tat stimmig und sinnvoll. Gegen den Ball waren sie das meistens in seiner Amtszeit.

Morgen Heimspiel, Champions League, ein Gegner, der qualitativ maximal im unteren Drittel der BL einzuordnen wäre…ich rechne ehrlich gesagt mit einem Spiel der Marke Trainerwechseleffekt und einem Sieg mit mindestens vier Toren Vorsprung. Und zwar fast egal, was Flick macht. Das Spiel in Dortmund kann irgendwie in jede Richtung kippen find ich. Weder ein hoher Sieg für eins der beiden Teams noch irgendwas dazwischen würde mich so wirklich überraschen.
Vor der anstehenden Trainersuche müssen dann erst mal die zukünftigen Zuständigkeiten geklärt werden. Der nur mühsam unterdrückte Machtkampf ist seit Hoeneß Rückkehr die Wurzel allen Übels und der Grund für die erschreckende Entwicklung. Es darf sich nicht wiederholen, dass wie bei Kovac und Ancelotti einer der Granden relativ offen nicht hinter dem Trainer steht. Kovac und Ancelotti waren beide nicht die optimale Wahl und haben beide (schwere) Fehler gemacht, dennoch waren auch beide nicht die Hauptverantwortlichen für den Abwärtstrend, da sie gegen Fehlentscheidungen und mangelnde Unterstützung einer zerrissenen Führungsschicht ankämpfen mussten. Dass sich Hoeneß künftig raushält wär zwar schön, allein mir fehlt der Glaube. Schon in seinem Präsidentenamt hätte er eigentlich zurückhaltender agieren müssen. Entsprechend muss man ihn auch jetzt zurate ziehen, so wenig mir das gefällt. Auch Kahn muss gehört werden, da der neue Trainer bereits unter ihm arbeiten wird. Es muss zusammen akribisch herausgearbeitet werden, welche Kriterien der Neue erfüllen soll und dann gezielt abgearbeitet werden, welche Personen am besten geeignet sind. In diesem Prozess sollten Diskretion und Sorgfalt auf jeden Fall vor Schnelligkeit gehen. Die vergangene Suchphase ist praktisch die Blaupause, wie es nicht laufen darf. Permanente Wasserstandsmeldungen in Boulevardmedien, wer angefragt wurde und warum nicht kommt, denen dann letztlich ein von vornherein beschädigter Schnellschuss folgt, um die Kritiker zu besänftigen. Wenn der bestpassendste Kandidat dann erst in der Winter- oder gar Sommerpause zu haben ist (was ziemlich wahrscheinlich ist) dann ist das halt so, auch wenn dem vielleicht die diesjährige Meisterschaft zum Opfer fallen sollte. Immens wichtig wäre ein guter Start von Flick, damit dieser der Führungsriege Zeit für die Trainersuche geben kann. Falls es mit Flick gar nicht klappt kann man die Saison mit einem erfahrenen Trainer a la Heynckes, Wenger oder van Gaal (leider unrealistisch, weil Hoeneß) zu Ende bringen, der die Mannschaft spielerisch wieder auf ein solides Niveau bringt und dann funktionierend übergibt. Der neue Trainer könnte dann ab Sommer mit einem Kader starten, in dem die momentanen Unwuchten im Zentrum, auf AV und in der Offensive beseitigt wurden. Als zeitliches Ziel der Entwicklung bietet sich das Champions League Finale 2022 in München an.

Antworten

FAB 6. November 2019 um 09:09

Bayern ist derzeit weniger ein Fall für ein Taktikblog, als vielmehr für die Boulevardmedien. So gesehen hat Daniel alles sehr gut beschrieben.
Die wesentliche Arbeit von Flick wird sein, auf der 6 einen Fixpunkt zu schaffen (Martinez oder doch Kimmich?, mit Thiago ist man hier leider gescheitert) und einfach wieder variabler auf den Halbpositionen zu sein (im Prinzip wie es CC irgendwo anders schon beschrieben hat). Das könnte dann sogar relativ schnell zum Erfolg führen. Ein klarer Sieg gegen Piräus ist wahrscheinlich, ob es schon gegen den nun euphorisierten BVB, mit seinem offenbar „gedopten“ Favre reicht, wird man sehen. Dürfte aber tatsächlich ein sehr interessantes Spitzenspiel werden, mit absolut offenem Ausgang.

Antworten

CHR4 6. November 2019 um 12:31

Schock? – war beschäftigt mit Feiern und dann den Kater danach auszukurieren 😉
nein, Spaß beiseite Erleichterung trifft es eher

Die Niederlage hätte wegen mir auch schon in Bochum kommen können, wobei es so natürlich noch verkraftbarer ist (im Pokal weiter dabei und die Bundesliga ist ja durch dieses eine Spiel auch nicht verloren).

kann mich aber wiedermal nur Daniel anschließen …
Kovac hat sicher sein Bestes gegeben, aber anschauen wollte ich mir das Ergebnis die letzte Zeit kaum noch …
Irgendwo hat jemand geschrieben „meine Freundin ist traurig! sie fand es gut, dass ich die letzte Zeit so wenig Fußball geschaut habe …“
Es bleibt trotzdem abzuwarten, wie es jetzt weitergeht und ob sich perspektivisch die wichtigen Sachen zum besseren wenden …
– gibt es eine klare Spielphilosophie (incl. Plan B)?
– wird ein passender Trainer gefunden?
– was passiert mittelfristig auf der 6
– wie geht es auf den Außenbahnen weiter (hinten und vorne)?
– wie ist der mittelfristige Plan im 10er-Raum?

auf der 10 ist die Frage, ob Coutinho wirklich länger bleibt
auf den offensiven Außen ist Perisic auch keine langfristige Lösung, Coman und Gnabry sind dann wieder zu wenig …
hinten ist mir der Kader zu klein, obwohl man da investiert hatte …
usw.
viele Baustelle sehe ich momentan eher kurzfristig überbrückt, das kann noch eine passable Saison werden, dafür ist der Kader gut genug, nur halt auf Kante genäht

bis 2022 ist noch sehr viel Arbeit zu erledigen und ich hoffe, dass es nicht so weitergeht wie in letzter Zeit …

aktueller Stand ist doch nur, dass man endlich
(ein (Herbstkrise 2018, Rotations-ja/nein-Farce) oder
eineinhalb (Verpflichtung Kovac) oder
zwei (Nichtklarmachen von Tuchel)
Jahre zu spät)
gemerkt hat, dass man auf einem Irrweg war –
die Suche nach dem dem neuen/hoffentlich richtigen Weg hat begonnen, ein großen Schritt in die richtige Richtung muss erst noch getan werden! und bis 2022 braucht es davon einige

Antworten

Ernie Berenbroek 4. November 2019 um 15:41

Ich hätte es für logischer gehalten wenn Kovacs nach der roten Karte von Boateng sofort der fysisch starke Javi Martinez eingebracht hätte, so daß Kimmich als sechser im defensiven Mittelfeld geblieben wäre.

Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Hubert Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*