Was macht Eintracht Frankfurt stark?

Abgänge und Trainerwechsel können Eintracht Frankfurt nicht vom Weg abbringen. Was sind die Schlüssel zum Erfolg für die Hessen? Und warum sticht gerade Filip Kostić so heraus? Das analysiere ich in meinem neuesten Video.

Mattes 3. November 2019 um 19:04

Obwohl ich dieses Blog schon eine ganze Weile lese, weiß ich nicht, ob ich mich hier fundiert äußern kann, aber ich versuche es mal.

Die Dreierkette hinten spielt gegen offensiv auf Außen ausgerichtete Mannschaften immer ziemlich weit außen und hoch bei eigenem Ballbesitz. Dadurch wird einerseits die Möglichkeit des weiten Passes in die Halbräume zu den Stürmern gegeben, zum anderen auf die Außen. Kommt der Gegner auf den Außen in Ballbesitz, steht der IV eigentlich schon richtig, um einen Vorstoß über seinen Flügel zu unterbinden. Unterstützt wird er ggf durch einen nach außen rückenden 6er. Der andere (oder der 8er, je nach Aufstellung) versucht die Mitte zuzumachen. Gefährlich wirds eigentlich nur durch einen direkten langen Pass des Gegners direkt in die Halbräume. Der dauert aber, durch die hohe Positionierung der IVs, meistens lange genug, um den Torwart den Ball abfangen zu lassen.
Spielt der Gegner auf die andere Seite, gibt es genug Zeit um die Defensivkette im Falle eines nach innen ziehens wieder auszurichten.

Bei Ballbesitz Teams, die gerne durch die Mitte spielen, stehen die IVs auch enger zusammen, und einer der Außen bzw. einer der 6er lässt sich zurückfallen. Dadurch hat man immer mindestens 4 Spieler im Verteidigungsverbund und kann in der Regel einen Angriff erfolgreich verteidigen.

Im Vergleich zu letzer Saison wird viel mehr über das Mittelfeld agiert, d.h. dass meistens riskante Pässe vom vorderen Mittelfeldspieler kommen, oder einfach selbst in den Zweikampf geht. Dadurch wird im Optimalfall noch ein Verteidiger/6er gebunden, der dann beim Absichern des Stürmers fehlt. Mit den sattelfesten Mittelfeldspielern Sow und Rode und teilweise Kohr ist das schon mehrfach erfolgreich gewesen.

Im Detail ist mir aufgefallen, dass viele Frankfurter Spieler das ‚Hineinstellen‘ sehr gut beherrschen, was ich bei anderen Teams nicht so oft zu sehen bekomme. Das heißt der gegnerische Spieler im Ballbesitz wird durch einen großen Schritt direkt vor ihn vom Ball abgedrängt.

PS: ich bin Frankfurt Fan und deshalb analysiere ich natürlich auch gerne die taktischen Maßnahmen von Adi und Co.

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mananski 29. Oktober 2019 um 22:01

Ich finde das System der EIntracht ist sehr krass und außergewöhnlich. Es gibt wohl keine Mannschaft, die so eine weit aufgefächerte Dreierkette im Spielaufbau hat, und wo die Wingbacks so offensiv ausgerichtet sind. Erstmal finde ich das sehr cool, weil es wirklich ein Alleinstellungsmerkmal ist, allerdings geht es manchmal vielleicht sogar etwas zu weit. Ich weiß nicht, ob es so optimal ist, wenn Abraham oder HInteregger permanent an der Seitenlinie kleben. Bei Ballverlusten und schnellem Umschalten des Gegners ist so oft die Mitte sehr frei und wird von Hasebe und Fernandes gecovert, die ich lieber nicht ganz hinten im Laufduell haben möchte, auch wenn sie das sehr gut machen. Öfters mal ist auch die Kette beim Durchschieben zu kurz, sodass am Ende eines gut ausgespieten Angriffs des Gegners hinten Stürmer sehr frei sein können. Mich wundert (und freut) es, dass das System so gut funktioniert. Ich hätte damit gerechnet, dass da öfters höhere Niederlagen wie gegen Leverkusen letzte Saison herauskommen. Der Schlüssel ist wohl die Intensität, in der die Eintracht tatsächlich unübertroffen ist, und die unkonventionelle Spielweise, auf die die meisten Gegner keine rechte Antwort wissen. Das Aufbauspiel bringt durch die Anzahl der einbezogenen Spieler nämlich relativ konstant sehr gute Möglichkeiten für Flankenläufe und Hereingaben, die durch die vielen Mittelstürmer gut verwertet werden.

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tobit 30. Oktober 2019 um 16:59

Das System funktioniert für meine Begriffe so gut, weil der Gegner eben den Ball nicht in der Nähe der 3er-Kette gewinnt sondern erstmal durchs Mittelfeld durchkommen muss um jemanden in ein Laufduell mit Hasebe zu bekommen. Die Zeit reicht dann oft aus um die 3er-Kette wieder zu verengen – oder das Gegenpressing greift. Mit Rode, Kohr und Co. hat man aber im Mittelfeld auch sehr klar die Gegenpressingqualität verstärkt. Das wäre ohne die Abgänge der „Büffelherde“ ohne gleichwertigen Ersatz (denn das sind Dost, Paciencia und Joveljic nicht) nicht möglich gewesen, schon gar nicht in der jetzt bestehenden Breite. Und ohne diese Breite wäre die Gegenpressingintensität wohl kaum über die ganze Saison zu halten.

Hinteregger finde ich in dieser sehr breiten Rolle verdammt gut aufgehoben. Er agiert als IV immer sehr vorwärtsorientiert, was aus einer zentraleren Position wesentlich schwerer einzubinden ist, da er mit dem Rücken zum Tor nicht so stark ist, dass er auch mal als verkappter Sechser (wie Vogt unter Nagelsmann) agieren könnte. Dieses Problem hat er außen nicht und er hat auch noch mehr Zeit und Raum für seine Pässe in die Tiefe oder ein kurzes Dribbling gegen die gegnerische Verschieberichtung. Wenn er mal den Ball verliert, hat der Gegner zudem von außen nicht direkt ein 1vs1 mit dem Torwart sondern Hasebe oder ein zurückgefallener Mittelfeldspieler können noch eingreifen.

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Koom 31. Oktober 2019 um 12:57

Frankfurts Defensive hat dann quasi ein paar Seiten aus Guardiolas Defensive-Playbook genommen: Im Sturm und Mittelfeld alles so zu Tode hetzen, dass die wenigen Abwehrspieler hinten nur noch die Reste abpflücken müssen. Und da braucht es dann spielintelligente Spieler mit guter Antizipation und es funktioniert.

Durch die breite Dreierkette gibts ja noch andere Vorteile: Du hast bei unerwarteten Durchbrüchen auf allen Seiten schon mal einen Mann stehen, der dann früh agieren kann. Steht die Dreierkette enger, muss der jeweilige HV rausrücken.

Erfordert viel Mut hinten und saubere, engagierte Arbeit vorne. Lohnt sich aber, weil du mehr und mehr Leute in die Offensive schicken kannst. Hütter ist schon irgendwie ne geile Sau.

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