Was läuft aktuell schief bei Bayern München?

Nach dem 2:2 beim FC Augsburg versuche ich in einem neuen Video eine kurze Problemanalyse zum deutschen Rekordmeister. Offensiv wie defensiv hängt bei Bayern München vieles vom Mittelfeldzentrum ab.

CHR4 30. Oktober 2019 um 01:36

Hallo lieber Constantin (CE),
im Artikel „die Misere von Bayern München“ wird zu Anfang ein Interview erwähnt. Wann genau und wo fand das statt? (Sender, Radio, Presse? Datum?) Kann man sich das noch irgendwo anschauen? Ich wäre sehr interessiert mir das im Orginal mal anzuhören/schauen …

Liebe Grüße,
CHR4

PS: Leider kann ich nicht unter dem Artikel direkt kommentieren. Scheint ausnahmsweise nicht zu funktionieren.

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CE 30. Oktober 2019 um 07:00

Eigentlich müsstest du auch unter dem Artikel kommentieren können. Das ist merkwürdig. Ich habe den Text im Artikel selbst nun verlinkt. Das stammt von einer Pressekonferenz am Montag: https://www.kicker.de/761299/artikel/kovacs_km_h_vergleich_mit_liverpool

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CHR4 31. Oktober 2019 um 04:28

Vielen Dank für die Verlinkung!

– Kommentieren geht jetzt auch wieder unter dem Artikel. Hatte das Problem bisher auch noch nie … keine Ahnung woran es lag …

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Carsten 23. Oktober 2019 um 16:04

Hallo. Mich würde interessieren was ihr als community von Coutinho haltet. Letztes Jahr 4 Vorlagen in einer gesamten Barcelona Saison sehe ich schon eher schwach.

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tobit 23. Oktober 2019 um 18:51

Coutinho ist ein schwieriger Spielertyp.

Wenn man ihn ins 1vs1 an der Strafraumkante bekommt, hat er was von Robben. Geile Schusstechnik, schwer zu verteidigende Bewegungen, Auge für den richtigen Moment.
Wenn er das Spiel etwas mehr vor sich hat, hat er was von Özil. Unfassbar tödliche Pässe, die mit irsinniger Präzision ankommen und gut zu verarbeiten sind.
Wenn man ihn im kleinstmöglichen Raum anspielt, hat er was von Neymar. Er befreit sich nicht wie Messi oder Iniesta mit ein, zwei simplen Bewegungen, sondern spielt (bewusst?) komplex und „ästhetisch“ kreativ.

Das gilt leider alles nur, wenn er gut in Form ist, während der zweite Absatz immer gilt.

Gleichzeitig hat er aber Schwächen, die eine Einbindung in ein Kollektiv sehr schwierig machen. Er hat nicht Özils Zurückhaltung, mal nicht aus jeder Situation den tödlichen Pass zu spielen, nicht Robbens Geschwindigkeit um aus dem 1vs1 auch effektiv zur Grundlinie gehen zu können und nicht Neymars absurde Kombination von Geschwindigkeit, Technik und ästhetischer Vision um den gewonnenen Raum optimal zu nutzen. Dazu kommt noch seine defensive Schwäche und die Tendenz, nach außen zu wandern.
Er ist also für einen wirklichen Flügelspieler zu langsam, für einen Mittelfeldspieler zu offensiv und als falsche Neun hätte er glaube ich Probleme mit der strategischen Auswahl der Räume in die er zurückfällt. Außerdem neigt er beim Spiel über rechts zu einem sehr passiven Spiel auf seiner linken Seite, wodurch er kaum mal als Verlagerungsoption im Raum anspielbar ist.

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studdi 22. Oktober 2019 um 10:13

Ich verstehe nicht so ganz wieso sich nach Guardiola kein Bayern Trainer getraut hat mit falschen AV zu spielen. Der Kader ist doch immer noch wie dafür gemacht. Mit Kimmich Alaba und Tolisso evtl als AV. Auch könnte man so Coutinho und Müller zusammen auf der 8 Spielen lassen. Gegen Stärkere Gegner dann evtl Martinez auf der 6 und im Aufbau könnte er sich in eine 3er Kette fallen lassen was seine fehlende Presingresistenz etwas Kaschiert…

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tobit 22. Oktober 2019 um 17:59

Weil Ancelotti die Mannschaft erstmal vom „Ketten-Guardiola“ (Zitat: Mehmet Scholl) befreien musste und Don Jupp (der Javi-Flüsterer) auch ohne eine ordentliche Struktur im Mittelfeld hinbekommen hat. Kovac hat es am Anfang dieser Saison (2.Spieltag?) mit Alaba mal kurz probiert, will aber grundsätzlich eher doppelt (oder dreifach) besetzte Flügel um Coman und Gnabry beim Durchbruch zu unterstützen. Die beiden brauchen aber auch einfach mehr offensive Unterstützung als Ribery und Robben – oder halt einen geringeren Fokus auf Flügelspiel, dann bekommt Hoeneß aber wohl endgültig zu viel und erklärt nicht nur Süles Saison für beendet.

Tolisso würde ich da nicht als passenden AV ansehen, gerade mit Müller und Coutinho davor. Da müsste er viel zu tief und zu präsent aufbauen. Das liegt ihm aber mal so gar nicht (man erinnere sich an seine Spiele als Kimmich-Absicherer). Er steht da viel eher mit Müller (und Goretzka) im Konkurrenzkampf um den Läuferposten in der Doppelzehn und hätte da für mich ziemlich gute Chancen auf den Stammplatz.
Außerdem hat man mit Bernat und Rafinha zwei dafür sehr ordentliche Backups abgegeben und durch dynamische IV ersetzt. Theoretisch würde ich die Rolle auch Thiago zutrauen, dafür müsste er aber zu seiner defensiven Form/Arbeitsrate vergangener Tage zurückfinden und als Sechser ersetzbar sein. So ist Pavard dort der beste Backup, der aber auch so schon genug Spielzeit in der IV bekommen wird.

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Koom 31. Oktober 2019 um 12:49

> Ich verstehe nicht so ganz wieso sich nach Guardiola kein Bayern Trainer getraut hat mit falschen AV zu spielen

Fairerweise: Guardiola hat die Variante ja noch selbst bei den Bayern wieder rausgenommen. kA ob er sie bei ManCity wieder reaktiviert hat. Persönlich fand ich die Idee sehr cool und auch absolut folgerichtig, nachdem AVs im Schnitt ein sehr ähnliches Profil wie (Guardiolas) Sechser haben.

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Horst 21. Oktober 2019 um 23:28

Ich finde das gerade einen unpassenden Zeitpunkt um auf Kovac einzuschlagen. Denn trotz der sieben Torschüsse von Augsburg, habe ich am Samstag einen sehr dominanten und diesmal auch zielstrebigen FC Bayern gesehen. Das sah meines Erachtens mit Ball gut aus und es sah auch gut aus, weil man (Ausnahme die Anfangsphase, in der scheinbar gar nichts zu stimmen schien) fast pausenlos den Ball hatte.
Ich habe ein Spiel gesehen in dem Bayern, schon bevor Augsburg sich in den letzten 15 Minuten komplett geöffnet hat, die Entscheidung herbeiführen musste. Nicht einfach nur verpasste Torgelegenheiten, sondern eine Mehrzahl von Chancen, die unabhängig vom Verwerter in der Regel mit 70/80 Prozent erfolgreich abgeschlossen werden (müssen).
Dieses Phänomen hat jedoch auch schon seine Wiederholungen diese Saison erfahren und sollte daher nicht komplett unachtsam als reines Unglück abgestempelt werden. Man tut sich schwer Spiele zu schließen (außer gegen Tottenham, wo man im Ballbesitz einfach die Luft aus Gegner, Stadion und Spiel lassen konnte) und lässt immer wieder Reife und Struktur vermissen um Ruhe in ein solches Spiel zu bringen.

Trotzdem ist mein Fazit nach diesem Spiel: Guter Auftritt. Gegen eine weitestgehend nicht mitspielende Mannschaft viele Lösungen gefunden und das Spiel bis auf die letzten 5 Minuten (und natürlich die ersten acht bis zwölf) ruhig gehalten und konzentriert „heruntergespielt“ (was sich nach diesem Ende natürlich lächerlich liest).
Ich sehe also tatsächlich eine Entwicklung. Vorwiegend natürlich in den Linien über die Außen von Kimmich und Gnabry und (diesmal begrenzt) auch von Alaba und Coman. Man muss zugeben, das dieses Spiel in der Zentrale einfach auch individuell ein sehr überschaubares von Coutinho und Thiago war.

Doch was ein berechtigter Vorwurf bleibt, ist natürlich der Mangel an Struktur und Ordnung im Spiel gegen den Ball. Und das hat natürlich Systematik. Und ist natürlich nicht unabhängig von der Raumaufteilung im Spiel mit Ball. Wenn das Zentrum mit Ball unbesetzt ist, dann kann auf diesen Raum auch schwerlich Druck aufgebaut werden, im Spiel gegen den Ball.

Nur hat dies nichts mit dem späten Gegentor zu tun.

Und als Randnotiz:
Ich habe das Gefühl es werden momentan eben auch viele Thesenromane geschrieben. Kovac kann nichts, dann versucht man in jedem Fehler irgendetwas zu sehen, was diese Annahme stützt und erklärt alles zu seiner Verantwortung.

Das 2:2 fällt meines Erachtens einerseits aufgrund eines dummen Ausrutschers von Lucas. Sieht furchtbar aus, passiert aber. Und dann vorwiegend durch Fehler von Spielern, keine systematischen, sondern wenn dann durch eine mangelnde Einstellung. Denn Finnbogason wird von Pavard (und Kimmich) eigentlich zugestellt, da sollte eigentlich kein Ball durchkommen, aber im Strafraum stehen drei weitere gänzlich ungedeckte Spieler in Abschlussposition. Man spielt in der 90. Minute beim Stand von 2:1 fünf gegen drei im eigenen Strafraum. Egal ob einer Ausrutscht oder mal ein Ball am Fünfer durchkommt, das ist nicht unglücklich, sondern inkompetent. Aber nicht von Kovac, sondern vor allem von fünf Leuten, die gerade mal am Bildrand dem Schauspiel zuschauen können. Müller sprintet nach seiner vergebenen Torchance gerade noch zurück (auch zu spät), aber Goretzka, Thiago und Coman sind scheinbar schon in der Kabine.

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tobit 21. Oktober 2019 um 16:07

Bayern hat ja sogar eine ganze Menge potentiell herausragender Abwehrspieler, wenn man den Begriff etwas weiter fasst. Davies und Gnabry als offensive Wingbacks, Alaba und Kimmich für alles, die fünf IV und dann noch Tolisso, der auch schonmal RV gespielt hat. Daraus könnte man sogar eine bundesligataugliche Mannschaft aufstellen. Im Weltfussball kann das so glaube ich nur Dortmund noch auf einem halbwegs vertretbaren Niveau.
Bayern: http://lineupbuilder.com/?sk=hy7ly9
BVB: http://lineupbuilder.com/?sk=hy7lx5
Problem ist halt, dass die Hälfte dieser Spieler hauptsächlich woanders spielt (Gnabry, Tolisso, Kimmich) oder spielen soll (Davies, Martinez), Boateng eigentlich gar nicht mehr bei Bayern spielen sollte, Süle lange ausfällt und Lucas auch nicht gerade verletzungsunanfällig ist. Bleiben Alaba und Pavard als primär eingeplante und konstant verfügbare Abwehrspieler übrig.

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Daniel 21. Oktober 2019 um 21:16

In der Beziehung starke Defensivspieler seh ich quantitativ weder Bayern noch Dortmund auf Augenhöhe mit RB Leipzig.
http://lineupbuilder.com/?sk=hy7m31
Und da hab ich Leute wie Saracchi, Haidara, Adams oder Poulsen (für mich gegen den Ball momentan der beste Stürmer der Buli) noch gar nicht mit eingerechnet. Vielleicht sollte Leipzig mal mit Bayern oder Dortmund Trainer (oder Mannschaft) tauschen. Nagelsmann will positionsorientierten Offensivfußball spielen und hat großteils Defensivspieler und Konterstürmer im Kader. Kovac und mit Einschränkungen auch Favre haben das umgekehrte Problem.

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tobit 22. Oktober 2019 um 17:40

Rein defensiv bin ich da voll bei dir. Da hat Leipzig eine Breite, wie kaum ein anderes Team.

Nur war das überhaupt nicht der Fokus meines Gedankenspiels. Mir ging es darum, dass die aktuell fitten Defensivspieler und -backups der Bayern in großer Zahl für andere Positionen eingeplant sind und man jetzt bei einem einzigen Ausfall schon fast gar nicht mehr rotieren kann.
Dann fiel mir auf, dass Favre ja zuletzt einen AV recht erfolgreich weiter nach vorne gezogen hat und so mancher Mittelfeldspieler zuletzt mehr in der Abwehr gespielt hat als die eigentlich dort vorgesehenen Spieler.

Die bei dir als Offensivspieler eingeteilten Laimer und Klostermann sind das dann nun wirklich nicht. Und Sabitzer ist weder ein Verteidiger noch ein Neuner. Auch Demme hat zuletzt 2015 in der zweiten Liga als Wingback agiert. Das lasse ich aber mal gelten weil ich ja auch Tolisso und Larsen zum Auffüllen der Teams ganz vorne gebraucht habe.

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Daniel 21. Oktober 2019 um 15:10

Das fehlende Angriffsspiel durch die Mitte sieht Kovac selbst wohl gar nicht als Problem an. Das gab es (mit wenigen Ausnahmen) seine ganze Zeit in München hindurch und wird sich mit diesem Trainer deshalb auch nicht ändern. Auch in der starken Phase letzte Hinrunde war das nur geringfügig besser als derzeit.

Die fehlende defensive Dominanz ist hingegen (mit der Chancenverwertung) das einzige Problem, das Kovac auch selbst anspricht und somit offensichtlich erkannt hat. Sicher auch, weil es (im Gegensatz zu schwachem Ballbesitzspiel) ein Kovac-untypisches Phänomen ist, das aber bereits vor genau einem Jahr in der „Herbstkrise“ zu sehen war. Damals wechselte Kovac danach zurück zu einer Doppelsechs und stellte für den Rest der Saison beinahe jegliche Rotation ein. Daraufhin hat sich die Mannschaft defensiv spürbar stabilisiert, was in der Rückrunde die Basis für den (national) erfolgreichen Saisonabschluss mit dem Double wurde, bei dem aber auch viel der Probleme nur notdürftig überpinselt waren. Mal sehen, ob er das jetzt wieder hinkriegt. Die schwere Verletzung Süles und die angreifbare Gesundheit von Lucas sind da sicherlich keine Hilfe…

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Koom 21. Oktober 2019 um 17:28

Ich glaube, grundsätzlich passt das auch inhaltlich auf dem Platz. Zumindest für die Bundesliga. Kovac hat durchaus Recht, wenn er sagt, dass man Augsburg mit 4-5 Toren distanzieren hätte können müssen.

Die Probleme liegen aus meiner Sicht bei den Spielern. Wobei ich vorrausschicken will, dass Kovac als Trainer (und somit auch Motivator, Lehrer, Taktiker etc.) die Probleme in den Griff bekommen müsste. Aber ähnlich wie die N11 hat auch er das Problem, dass im Kader zu wenig „Spielertrainer“ sind, die bestimmte Bereiche kontrollieren.

Lewandowski macht das IMO vorne sehr gut. Kernkompetenz Tore, ist aber generell engagiert unterwegs. Danach wirds eher düster. Die drei Offensiven (Coman, Coutinho, Gnabry) dahinter geben keine Halt in allen Spiellagen. Sie gestalten die Offensive, das machen sie auch gut, aber defensiv helfen sie sehr schlecht bzw. unstrukturiert. Das ganze noch gepaart mit Kimmich, der, egal ob als RV oder DM auch primär offensiv denkt, sorgt das für absurden Druck auf die restlichen Spieler hinten.

Generell hat der Bayern- wie auch der N11-Kader unheimlich viele offensiv denkende Spieler. Wenn der Gegner dann mal nicht wie das Kaninchen vor der Schlange stirbt, wird dann aber in den kritischen Momenten nicht zugepackt. Es ist vermutlich kein Zufall, dass beide Mannschaften Probleme haben, wenn der Gegner sich wehrt.

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Daniel 21. Oktober 2019 um 22:02

Wenn Kovac das gesagt hat redet er (mal wieder) Unsinn. Bayern war ca. 0,9 expG besser als Augsburg, nix 4-5 Tore. Vergebene Chancen gehören zu diesem Sport dazu. Bayern hat halt jetzt das Pech, was man davor Glück hatte. Kovacs Milchmädchenrechnungen, mit denen er den Verlust jeder Spielkultur unter seiner Leitung zu kaschieren versucht, nerven mich schon länger. „Wir hatten vier Chancen, also hätten wir Augsburg mit vier Toren schlagen müssen.“ Totaler Quatsch ist das. Spiele wie in Tottenham, wo man genausoviele Tore erzielt wie man Chancen herausspielt, waren, sind und werden im Fußball immer die komplette Ausnahme sein. Bayern hatte gegen Hoffenheim und Augsburg das Pech, das man davor in Tottenham oder Schalke an Glück hatte. Und das sag ich als Bayernfan. Erschreckend ist nicht, dass Chancen vergeben werden, das passiert jedem Spieler in jeder Mannschaft unter jedem Trainer. Erschreckend ist nichtmal, dass hinten manchmal entscheidende Zweikämpfe verloren werden. Erschreckend ist, dass Kombinationen und Zusammenspiel durchs Zentrum fast vollständig zum Erliegen gekommen sind.

Kovacs Spieler sind im Kern die gleichen, mit denen seine Vorgänger jahrelang den Rest der Liga mit 10+x Punkten abgehängt haben und in der CL mindestens ins HF gekommen sind. Vor anderthalb Jahren hatte Jupp Heynckes mit dieser Mannschaft den damaligen Seriensieger Real Madrid am Rand des Ausscheidens. Völlig unplausibel, dass plötzlich mit Kovacs Amtsantritt die Spieler alle schlecht geworden sind. Der Kader ist auf einigen Positionen zu dünn (Mittelstürmer, spielgestaltender Sechser, Außenverteidiger), aber qualitativ noch immer extrem hochwertig. Aber im bisherigen Saisonverlauf ist die geringe Kadergröße ja noch gar nicht zum Tragen gekommen, da Verletzungen bisher nur problemlos ersetzbare Spieler betrafen (mit Ausnahme der aber sehr kurzen Alaba-Verletzung, die großteils auf eine Länderspielpause fiel). Und selbst mit diesem kleinen Kader kann Kovac (wie schon letzte Saison) nicht umgehen. Lass Heynckes oder Guardiola diese Mannschaft jetzt übernehmen und wenn sich Dortmund und/oder Leipzig nicht massiv steigern reden wir-sofern sich kein Schlüsselspieler verletzt-zur Winterpause schon wieder über sieben Punkte Vorsprung.

„Es ist vermutlich kein Zufall, dass beide Mannschaften Probleme haben, wenn der Gegner sich wehrt.“
Binsenweisheit. Natürlich hat man Probleme, wenn der Gegner sich wehrt, wann auch sonst? Wenn der Gegner sich nicht wehrt hab ich auch keine Probleme, logisch.

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Koom 22. Oktober 2019 um 10:38

> Binsenweisheit. Natürlich hat man Probleme, wenn der Gegner sich wehrt, wann auch sonst? Wenn der Gegner sich nicht wehrt hab ich auch keine Probleme, logisch.

Ja. Aber man kann damit zurechtkommen oder eben nicht. Bayern und vor allem N11 heutzutage kommen relativ schlecht damit zurecht, sind sehr passiv bei solchen Änderungen – wenn man böse will: Sie machen etwas Dienst nach Vorschrift (oder ignorieren die alternativen Dienstpläne, wenn der Gegner eben was anderes macht als erwartet).

> Kovacs Spieler sind im Kern die gleichen, mit denen seine Vorgänger jahrelang den Rest der Liga mit 10+x Punkten abgehängt haben und in der CL mindestens ins HF gekommen sind.

Minus Robben. Minus Ribery. Minus Hummels. Auch Minus Lahm. Der Rest ist weitgehend vorhanden, aber wird nur noch sporadisch verwendet (Müller, Boateng). Ganz so einfach kann man das nicht machen. Coman und Gnabry sind beides gute Spieler, aber andere Spieler als eben Robben und Ribery (bspw.). IMO mit weniger konkretem Einfluss auf das Gesamtspiel. Beide agieren weniger als „Offensivführer“, sondern sind mehr Offensivmitspieler.

Nichtsdestotrotz sind wir uns im Kern einig. Mit meiner Aussage im Posting vorher ging es mir nicht darum, Kovac komplett in Schutz zu nehmen. Als Trainer hat er den größten Einfluss, aber er ist nicht alleine schuld. Und ja, natürlich steht er als Trainer in der Pflicht, die Spieler einzunorden. Er müsste Kimmich auch mal etwas Defensivdenke beibringen. Müller, dass er auch Wege nach hinten gehen muss. Thiago, dass er nicht nur ein Schönwetterfußballer sein darf, sondern auch mal in den dreckigen Spielen präsent sein muss. Usw.

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Daniel 31. Oktober 2019 um 14:36

@ Koom
„Sie machen etwas Dienst nach Vorschrift (oder ignorieren die alternativen Dienstpläne, wenn der Gegner eben was anderes macht als erwartet).“
Oder aber es gibt keine „alternativen Dienstpläne“. Dass Löw im Ingame-Coaching Schwächen hat zieht sich durch seine Amtszeit, das ist nichts Neues. Dass das jetzt, da die Mannschaft so schwach ist wie nie zuvor, stärker ins Gewicht fällt, ist denklogisch klar. Je schlechter du bist, desto öfter gelingt es dem Gegner deinen Plan A zu zerstören, desto öfter bist du auf einen Alternativplan angewiesen. Kovac seinerseits hat schon ganz offen gesagt, dass er von Ingame-Coaching nichts hält.
Zu den Spielern: Lahm war ja schon in der letzten Heynckes-Saison nicht mehr da und hatte auch davor immer mehr Probleme mit der Geschwindigkeit. Robben und Ribéry haben ja schon die letzten Jahre immer kleinere Rollen gespielt, zumindest Gnabry bewegt sich mittlerweile schon auf dem Niveau, dass Robbéry in der Ancelotti-Zeit und am Ende der Guardiola-Ära hatten. Hummels wurde ja auf Kovacs Wunsch verkauft, Boateng und Müller unter seiner Federführung demontiert.
Kimmichs Problem ist find ich nicht die „Defensivdenke“, eher die Gedankenschnelligkeit, die er offensiv hat. Plakatives Beispiel das 1:0 für Augsburg. Kimmich steht einen Meter hinter der restlichen Abwehrkette und hebt das Abseits auf. Das hat nichts mit Bereitschaft zu tun, mehr was damit, defensive Situationen zu erfassen und zu lesen. Das kann Kimmich im Mittelfeld und in Offensivräumen hervorragend, dort ist er extrem handlungsschnell und clever. Deswegen find ich ihn als Achter deutlich stärker denn als RV, wo er aber leider relativ alternativlos ist. Zu Thiago hab ich schon unter dem anderen Artikel was geschrieben, der ist halt kein Schönwetterfußballer, sondern auch in defensiven Attributen einer der besten der Liga.

@tobit
Sorry, hatte deinen Kommentar falsch verstanden. Dachte, es geht dir allgemein um gegen den Ball starke Spieler im Kader.

@Carsten
Wie tobit schon sagt, Coutinho ist ein potenziell extrem geiler Spieler, der dafür aber ein sehr spezielles Umfeld braucht. Vor allem braucht er genügend Spieler in seiner Umgebung, mit denen er interagieren kann. In isolierten Situationen ist er deutlich schwächer als die meisten anderen Weltklassespieler. Bezüglich seiner Zukunft bei Kovacs Bayern bin ich sehr skeptisch, da er noch mehr als James jene Defizite hat, die diesem einen Durchbruch unter Kovac verwehrt haben. James war Kovac ja zu defensivschwach, das ist Coutinho denk ich noch deutlich mehr. Für einen möglichen Nachfolger könnte er aber ein großes Geschenk sein, falls dieser auf eine bessere Besetzung der Mitte und des Zehnerraums sowie ein konsequenteres und höheres Pressing setzt.

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Koom 31. Oktober 2019 um 15:21

Hm, naja, ich halte nichts davon, die Spieler kleinzureden. Lahm hat von Karrierebeginn bis Karriereende eine wahnsinnige Konstanz und war definitiv nicht auf Geschwindigkeit angewiesen. Gnabry trifft zwar ganz nice, aber Einfluss aufs Spiel selbst hat er nicht mal im Ansatz wie Ribery oder Robben. Was ok ist, die beiden waren alte Haudegen. Gnabry kann da noch hinkommen. Also aus meiner Sicht: Der Kader ist schon ein anderer. Ob das jetzt von Kovac kommt oder von außen ist dabei relativ egal. Die genannten Spieler waren alles massiv wichtige Eckpfeiler unter Guardiola. Die sind nicht mehr da.

Bei Kimmich meinen wir möglicherweise das gleiche: Kimmichs Offensivdenke ist sehr gut. Exzellentes Timing, gutes Auge und Technik. In der Defensive fehlt das. Da agiert er … hm… ich würd mal sagen: rein körperlich. Er regelt dort nichts mit Auge, Technik oder Timing, sondern hektisch und „direkt“. Und die Momente, wo er was anderes versucht, wird er extrem passiv und lässt Flanken und Schüsse durch. Stand momentan hat Kimmich nichts auf der 6 verloren und als AV braucht er jemanden vor und hinter sich, die gut mithelfen.

Und Thiago… ich weiss, dass er ein wunderbarer Fußballer ist und kaum Schwächen hat. Aber er entzieht sich gerne dem Spiel und nutzt diese Talente nicht. Was hilft mir denn der geilste Spieler, wenn der nur hin und wieder alles abruft? Messlatte in Spielkonstanz ist für mich jemand wie Lahm, der in seiner ganzen Karriere keine handvoll schlechter Spiele hatte. Da ist Thiago sehr weit entfernt von. Selbst unter Guardiola ist er gern mal abgetaucht, unter „simpleren“ Trainern ist seine Ausfallquote noch höher.

Das ist auch in Ordnung. Er ist kein „starker“ Charakter, der unter allen Bedingungen alles abrufen kann (wie bspw. Lewandowski), sondern eher ein Mitläufer, der Anleitung und Führung braucht. Die gibt es momentan bei den Bayern nicht.

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Daniel 31. Oktober 2019 um 15:50

Bezüglich Kimmich meinen wir scheinbar tatsächlich das Gleiche. Hatte Defensivdenken so aufgefasst, dass du meinst, dass er generell zu wenig auf die Defensive achtet, also quasi die Defensivarbeit vernachlässigt. Dein jetziger Kommentar trifft ziemlich genau was ich meine, war wohl ein Missverständnis.

Thema Konstanz: da ist Lahm aber tatsächlich der Goldstandard, den zu meinen Lebzeiten kein anderer Feldspieler in dieser Form erreicht hat, selbst Messi nicht. Damit kann sich Thiago nicht messen, das stimmt. Aber Vergleiche mit Lahm sind unfair, da schneidet ja jeder schlecht ab 😉 Aber im Vergleich zu einem „normalen“ Weltklassefußballer ist Thiago nicht sonderlich unkonstant. Kann mich z.B. nicht erinnern, Thiago in den letzten Jahren mal so schwach gesehen zu haben wie Kroos und Gündogan bei der WM. Oder auch Schweinsteiger wird mittlerweile ziemlich gehypt (nachdem er als „Chefchen“ verspottet wurde, bis er CL-Sieger und Weltmeister wurde), obwohl er eigentlich nur vier Jahre lang ein wesentlicher Bestandteil der Mannschaft war und selbst in dieser Zeit nie total konstant war (wurde bspw vom BVB ziemlich überrannt in der Anfangsphase des CL-Finals 2013, da haben ihn Martinez und Neuer gerettet). In der momentanen Bayernmannschaft ist Thiago einer der konstantesten Spieler mit Lewandowski, Neuer, Alaba und Kimmich. Alle anderen haben öfter mal Schwächephasen bis hin zum Totalausfall drin, was aber auch an der teilweise abenteuerlichen Einbindung mancher Spieler liegt.

Koom 31. Oktober 2019 um 17:02

Bei Thiago werden wir uns vermutlich nicht ganz einig. Da hat er allein in den letzten 3 Monaten zu viele Spiele drin gehabt, in denen er komplett abgetaucht ist. Der Vergleich mit Schweinsteiger ist da aber auch nicht schlecht, auch der war nicht in jeder Lage und Situation da, sondern brauchte einen Prellbock an seiner Seite (mal Martinez, mal Lahm).

Thiago wird wohl auch darunter leiden, dass die aktuelle Bayern-Elf ziemlich chaotische Zeiten erlebt. Und er ist eben kein Spieler, der das sortiert und trotzdem glänzt. Ich fand schon, dass Schweinsteiger im Vergleich das besser konnte, ist aber sehr müssig, da der ne Menge exzellenter Trainer (und Mitspieler) bei sich hatte.

CHR4 1. November 2019 um 14:53

@Daniel:

„Kovac seinerseits hat schon ganz offen gesagt, dass er von Ingame-Coaching nichts hält.“

Hi Daniel, hast du noch im Kopf, wann und wo? ein Link wäre natürlich super, ich such aber auch gerne danach, wenn ich ein paar Anhaltspunkte habe …
würde mich freuen, wenn du mir da weiterhelfen könntest

Antworten

Daniel 1. November 2019 um 19:48

Puh, du stellst Fragen. Ich kann mich an die Aussage gut erinnern, aber weiß nicht mehr den genauen Wortlaut, deswegen kann ich sie nicht einfach suchen. Wenn ich in google Niko Kovac Ingamecoaching suche, find ich nur Kommentare Dritter, in denen Kovacs Ingamecoaching kritisiert wird. Zumal ich auch gar nicht weiß, ob er dieses Wort wirklich gesagt oder nur umschrieben hat. Ich würde schätzen, das war in der letzten Herbstkrise, also ca vor einem Jahr, aber genau weiß ichs nicht. Tut mir leid.

CHR4 2. November 2019 um 02:38

Trotzdem Danke! kann verstehen, dass das nach einem Jahr schwierig ist – dachte das war auch erst vor kurzem … ich schau, ob ich dazu noch was finde … „letztes Jahr + Herbstkrise“ grenzt es ja immerhin etwas ein

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