Ajax macht es knapp

3:1

Enge Offensivspieler und nach außen schiebende Sechser in den Defensivstaffelungen, Fokus auf stabile Anschlussräume bei zweiten Bällen: Die Pläne der PSV gingen teilweise weniger auf, teilweise mehr. Ajax war etwas konstanter und auch deshalb in der Gesamtkonstellation leicht überlegen, rückt nun ganz nah an den Tabellenführer heran.

Mit fünf Zählern Vorsprung ging die PSV von Trainer Mark van Bommel in dieses Spitzenduell bei Ajax und Erik ten Hag. Strategisch ließen es die Gäste in dieser Konstellation schon etwas zurückhaltender angehen, aber nicht übermäßig in den strukturellen Grundlagen. Sie zogen sich gegen den Ball nicht etwa in flache und stabilitätsorientierte Defensivstaffelungen zurück, sondern versuchten sich gerade viele Konteroptionen offen zu halten.

Die Sechser verteidigen nach außen

Dafür staffelten sich die Stürmer im Mittelfeldpressing eng und gaben die ersten Wege am Flügel zunächst einmal preis. Rückte Ajax dort weiter auf, schoben letztlich häufig die jeweiligen Sechser der Gäste diagonal nach außen, versuchten die unmittelbaren Passwege in die Mitte im Deckungsschatten zu versperren und weiter zur Seite zu lenken. Da jedoch der andere Sechser ballfern recht mannorientiert etwaige Aufrückbewegungen eines nachstoßenden Ajax-Achters verteidigte, wurden die horizontalen Abstände untereinander zu groß – vor allem im linken defensiven Halbraum.

In diesen Konstellationen reichte der Deckungsschatten des ballnahen Mittelfeldmannes dann nicht mehr und konnte über kleinräumige Querpasswege geknackt werden – trotz möglicher zusätzlicher Rückzugsbewegungen von Sadilek als tiefem Zehner. Von den drei Angriffspositionen zeigte Ajax mal wieder gute, flexible Bewegungen in Dreiecksbildungen und kam zu einigen Ansätzen innerhalb der Zwischenlücken der Sechser. Gerade die unmittelbare Anfangsphase gestaltete sich sehr dynamisch, wenngleich das Führungstor letztlich zufällig zustande kam aus den Ausweichräumen, in die sich die Amsterdamer fast schon etwas zu sehr ziehen ließen.

Konterpotential kommt kaum zum Zuge

Kaum zur Geltung kamen die potentiellen Umschaltpositionierungen von Bergwijn und Lozano in den Halbräumen, die im Zuge von Ajax´ Übergängen ins Angriffsdrittel dann oft vor dem Ball verblieben. Die Kontergefahr schnitt das Gegenpressing der Gastgeber stark ab: Durch die vielseitigen, kleinräumigen Bewegungen um Tadic als mitspielenden und auch teilweise präsenten Mittelstürmer waren die Wege kurz, um nach Ballverlusten schnell nachzurücken. Zudem schoben Schöne und Frenkie de Jong sauber und kontrolliert jeweils in den jeweiligen Halbraum herüber, von wo sie wiederum guten Zugriff auf die PSV-Offensivmannen als ersten Anspieloptionen hatten.

Durch die breiteren Pressingbewegungen des ballnahen Sechsers und die entsprechend nicht so konstanten Verbindungen zwischen ihnen musste der Gast nach Balleroberung auch vor allem sehr vertikal auslösen. Die Übergänge in den Konter aus dem defensiven Mittelfeld herzustellen versuchen, war demgegenüber in der Konstellation schwieriger. Wenn sich die PSV aus dem Gegenpressing befreien konnte, resultierte das kaum in schnellen Gegenstößen, sondern geschah mehrheitlich horizontal und in der weiteren Folge dann in Form von Überleitungen in den eigenen Ballbesitz im zweiten Felddrittel.

Leicht überlegen, aber nicht dominant

Nicht nur an dieser Stelle deutete sich an, welch spielerisches und gruppentaktisches Potential der Tabellenführer zum Einsatz bringen konnte. Hatten sie außen den Ball gesichert, stellten ein oder mitunter zwei Offensivspieler zügig neue Folgeoptionen her. Insbesondere mit ihren explosiven Auftaktbewegungen konnte die PSV das recht gut ausspielen und stand Ajax´ starkem Mittelfeld daher in puncto Ballsicherheit nicht unbedingt nach. Durch die Qualität beider Mannschaften in diesem Bereich wurde es zunehmend eine Begegnung mit gut strukturierten, ruhigeren Phasen, die sich so ausgeglichenen Zuständen annäherte, die aber trotzdem Ajax in letzter Instanz ordentlich im Griff hatte.

Nun machten sich die speziellen Pressingeinbindungen der Offensivakteure aus Eindhoven gerade an diesem Punkt bemerkbar, hielten die konstant leichten gegnerischen Vorteile auch in deren stärkeren Phasen in engen Grenzen. Mochte sie auch ihre Wirkung für das Konterspiel nicht entfalten: Die Präsenz um die gegnerische Doppel-Sechs sorgte schon dafür, dass Ajax bei Rückpässen und Neuzirkulationen nicht so druckvoll deren Umsetzung starten konnte. Sie mussten häufiger den längeren Weg nehmen, die eine oder andere routinemäßige Option vermeiden, sich im Freilaufverhalten etwas anders anpassen als gegen die meisten Teams und sich in diesem gesamten Vorgehen etwas entschleunigen.

Insgesamt bedeutete das, dass Ajax zwar noch sehr kontrolliert spielte, aber nicht ganz so dominant in der Zirkulation und der Vorbereitung neuer Übergangsmomente werden konnte. Im zweiten Teil der ersten Halbzeit stellte die PSV um, indem sich Sadilek gegen den Ball frühzeitiger in tiefe Positionen orientierte und dort die Bereiche zwischen den Sechsern mit auffüllen sollte. Diese Ansätze flacher 4-3-Staffelungen nahmen Ajax etwas Schwung, verringerten aber auch die Möglichkeiten zum Zugriff in deren tiefere Mittelfeldräume. Das trug dazu bei, dass die Partie zum Pausentee hin noch etwas stabiler und gleichförmiger wurde.

Lange Bälle und Flügelüberladungen

Für das eigene Aufbauspiel vermochte die PSV ihr gruppentaktisches Potential nur selten direkt einzubinden. Sie operierten in über weite Strecken in Halbzeit eins viel mit längeren Bällen, wenn Ajax im 4-3-3-Pressing mit engerem Dreiersturm zustellte. Zielspieler für diese Momente war der sich stets in einen Halbraum absetzende Luuk de Jong. Obwohl die nominellen Flügelstürmer recht weit einrückten, verbuchten die Gäste aber kaum hochwertige Abpraller. Dafür positionierte sich das Mittelfeld etwas zu tief, die Grundstaffelung auf zweite Bälle trug also einen stabilitätsorientierten Zug mit guter Präsenz in den Anschlussbereichen und übte auch die entsprechende Wirkung aus.

Gelegentlich konnte das Team von Mark Bommel einige Duelle um die Abpraller für sich entscheiden, über Weiterleitungen Rosarios und dessen flinke Ballführung bei Mitnahmen oder die arbeitsame Einbindung des wendigen Sadilek. Solche Szenen ließen sich kaum zu direkten Offensivübergängen verarbeiten, sondern nur im zweiten Drittel sichern und für Folgeaktionen vorbereiten. Einige Ansätze ergaben sich dabei gegen Ajax´ Mannorientierungen: Wenn auf der für die langen Bälle fokussierten Seite der ballferne Sechser horizontal herüberrückte und Schöne oder van de Beek mitzog, gab es in dessen Rücken Raum für Halbraumverlagerungen, die Frenkie de Jong neben sich alleine nicht mehr kontrollieren konnte. Links versuchte die PSV das beispielsweise noch über Diagonaldribblings von Außenverteidiger Angelino mit zu bespielen.

Tendenziell zeigte sich die rechte Offensivbahn bei den Gästen etwas präsenter. Flache Eröffnungen gestalteten sich jeweils über nach außen gehende Einbindungen des ballnahen Sechsers, die meisten der folgenden Angriffsbemühungen dann als Flügelüberladung. Aus dem Sturmzentrum ließ sich Luuk de Jong oft sehr präsent als Ablage- und Weiterleitungsspieler in den entsprechenden Halbraum fallen, speziell halbrechts. Vor der Pause hatte er die meisten Pässe aller PSV-Akteure. Wenn er einen Innenverteidiger herausgezogen hatte, konnte Ajax das gegen die eher tiefe Grundstaffelung des Gegners noch gut genug zuschieben. Im Grunde genommen gestalteten sich die Strukturen in den Flügelüberladungen wie jene nach festgemachten zweiten Bällen.

Plötzliche Veränderungen

Insgesamt blieben die übergreifenden Gesamtgewichtungen noch bis in den zweiten Durchgang hinein bestehen: Beide ohne den ganz großen Durchschlag, Ajax nach dem Führungstor auch noch etwas bedachter und mit leichten, aber in diesem knappen Ausmaß recht stabilen Vorteilen. Eine wirklich größere Zäsur trat dann ein, als es in unmittelbarer Abfolge zunächst zu einem Platzverweis für Mazraoui und dann zum Ausgleich für die PSV nach einer Standardsituation kam. Daran schloss sich eine offenere Phase an: Ajax blieb zwar mit den drei Offensiven zwischen Mittelfeld und Abwehr des Gegners sehr präsent, reagierte auf die veränderte Ausgangslage aber etwas überdreht.

Die nach dem Platzverweis noch nicht wieder so klar herausgeprägten Strukturen versuchten sie mit sehr vertikalen, direkten Offensivaktionen zu bespielen, gaben durch unbalancierte Entscheidungen jedoch einige Bälle ab. Gegen den Ball hielten sich die vorderen Akteure in nicht unähnlich engen Positionen, wie es der Gegenüber aus Eindhoven bereits gezeigt hatte. So mussten Frenkie de Jong und van de Beek als neue Doppel-Sechs viel Raum in der Breite abdecken. Dagegen attackierte die PSV vermehrt mit diagonalen antreibenden Dribblings aus dem defensiven Mittelfeld nach außen, insbesondere durch Hendrix.

Über Querpässe brachten sie vom Flügel einige Male Bergwijn oder Lozano dahinter im Zentrum frei. Eine gute Maßnahme bei den Eindhovenern war es in dieser Phase, dass Erstgenannter nun oft die Mittelstürmerposition besetzte, wofür der Kapitän und Toptorjäger den Flügel stopfte. Nicht nur für punktuelle ballsichernde Aktionen in Mittelfeldlücken konnte Bergwijn sorgen. Vor allem kam er mit seinen Läufen in der veränderten Gesamtdynamik der Partie zur Geltung, indem er also nach etwaigen Kopfballweiterleitungen oder besonders in den sich häufenden Gegenkonterszenen als Option für die Tiefe bereitstand.

4-4-1-Übergang und abgestimmte Flügelverteidigung nach der Führung

Mitte der zweiten Halbzeit war die Lage für Ajax also nicht so leicht. Wie für die Gäste vor dem 1:1, gab es aber auch für die Amsterdamer einen Moment, in dem ihnen der Spielverlauf zugute kommen sollte. In dieser zwischenzeitlich etwas wilderen Phase erhielten sie einen Elfmeter, den Tadic zum 2:1 verwandelte. Danach stellte sich die Sachlage wieder anders dar: ten Hag reagierte nun mit einer wesentlich tieferen Haltung, in einem zurückgezogenen 4-2-3 und oft auch 4-4-1. Für die PSV war das unangenehm, denn nun ging es sehr stark und plötzlich um positionelle Konsequenz und Sauberkeit.

In dieser Situationen gegen einen tiefen Gegner ließen sie sich zu sehr von der Orientierung an Zuverlässigkeit in der Ausführung der Grundstruktur leiten: Die beiden Sechser bauten fast ausschließlich unmittelbar um die Defensivformation herum auf und verblieben jeweils dort. Davor bewegte sich die Dreierreihe zwar sauber durch die eigenen Grundräume, konnte ohne die Ergänzung von hinten aber wenig Dynamik zwischen den Positionen der verteidigenden Ajax-Mittelfeldreihe schaffen. Die Schlussphase überstand Ajax daher mit guter Aufteilung in der Flügelverteidigung: Wenn bei Verlagerungen der ballnahe Außenverteidiger weit herausrückte, schob der Sechser nach und der Innenverteidiger blieb konsequent zentral. Alternativ ging der Außenverteidiger quasi noch weiter nach innen ins Halbfeld des Strafraums, wenn sein Vordermann den am Flügel aufrückenden Passempfänger direkt aufnahm.

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