Hamburgs zinnhaftes Zerstörspiel gegen Schwarzgelb

borussia dortmund0:1Hamburger SV

Des einen Leid ist des anderen Freud. Während Joe Zinnbauer den ersten Sieg als Cheftrainer des Hamburger SV feiert, bleibt sein ehemaliger Mainzer Teamkollege Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund im vierten Bundesligaspiel in Folge sieglos.

Grundformation

Beim BVB rotierte Klopp an den Stellen, wo es möglich war. Adrián Ramos rückte für Ciro Immobile in die Startelf. Erik Durm spielte für Łukasz Piszczek, Mats Hummels für Neven Subotić. Ansonsten blieb im Vergleich zum Sieg bei RSC Anderlecht in der Champions League unter der Woche alles beim Alten – ein typisches 4-2-3-1 mit zwei Stabilisatoren in Form von Sebastian Kehl und Sven Bender auf der Doppelsechs, Shinji Kagawa derweil als zentraler Anker auf der Zehnerposition.

Grundformation in der ersten Halbzeit

Grundformation in der ersten Halbzeit

Klopps Gegenüber Joe Zinnbauer nahm seinerseits kleinere Änderungen vor. Heiko Westermann kehrte von rechts in die Innenverteidigung zurück. Marcell Jansen verdrängte Zoltán Stieber auf dem linken Flügel. Auch die Hanseaten agierten im gewohnten 4-2-3-1, wobei die Flügeleinteilung etwas asymmetrischer wirkte, da Nicolai Müllers Rolle zentrumsorientierter war als jene von Jansen.

Sonniges Wetter, englischer Stil?

Eigentlich war die Dramaturgie der Partie von Beginn an recht klar. Der BVB übernahm die Kontrolle über den Ball, die Hamburger zogen sich phasenweise tief zurück und mischten diese Facetten aber auch mit aggressiverem Herausrücken aus dem Zentrum. Besonders die erste halbe Stunde war von einer Unklarheit im Spiel geprägt. Zahlreiche Zweikämpfe, Duelle um lose Bälle und physische geführte Auseinandersetzungen bestimmten das Bild. Der HSV wollte genau diese Härte in die Begegnung einbringen und zugleich dem Gegner jeglichen Rhythmus nehmen.

Jedoch ist dies gegen das aktuelle Borussia Dortmund auch nicht schwer zu bewerkstelligen. Im Gegenteil, unklare Zuspiele, schwache Passkommunikation und fehlende individuelle Überlegenheit in den direkten Duellen erschwerten es dem BVB bereits in den letzten Wochen. Auch Zinnbauers Mannschaft konnte den Aufbau der Westfalen gut bespielen. Die Hanseaten verschoben stets sehr verengend auf die Außenbahnen, nachdem die ersten Pässe dorthin geleitet wurden. Die ballfernen Flügelspieler des HSV blieben zunächst noch mannorientiert breiter positioniert, zogen aber umso tiefer die eigene Mannschaft stand, desto stärker in Richtung der Seite des Balls. Gut war dies an Jansen zu beobachten, der sich zunächst noch vor der gedachten Vertikallinie des Mittelpunktes aufhielt, aber sich dann zunehmend nach hinten an Pierre-Emerick Aubameyang orientierte. Folglich konnte Matthias Ostrzolek auf einer Abwehrlinie mit den Innenverteidigern absichern und sogar seine horizontale Position noch variieren.

Kagawa gegen alle

Warum die Gastgeber keinen anderen Weg fanden, wurde schnell deutlich. Im Spielaufbau zeigt sich Mats Hummels weiterhin noch nicht in gewohnter Form, was im Übrigen auch für so manche Szene im defensiven Stellungsspiel gilt. Sokratis wurde seinerseits als Schwachstelle ausgemacht. Der HSV lief den Griechen in der ersten Halbzeit häufiger sehr aggressiv an. Da Lewis Holtby im 4-4-2-Pressing beziehungsweise im dann progressiveren 4-2-2-2-Pressing von der Zehn nach links in Richtung rechter Innenverteidiger zog und zudem durch das Einrücken Müllers auch Lasogga häufiger horizontal nach links laufen konnte, geriet Sokratis eher in Schwierigkeiten. Insgesamt war auffällig, dass das beste Mittel von Seiten des BVB zur Befreiung und Auflösung von Spielsituationen im Übergang vom ersten zum zweiten Drittel direkte Diagonalbälle auf die offenere linke Seite waren.

In den kürzeren Passabläufen gab es selten Dreiecke, beide Sechser agierten häufiger auf einer Linie hinter dem ersten Hamburger Pressingblock. Dementsprechend gingen auch zahlreiche Bälle auf die Flügel, wo jedoch die Weiterführung des Angriffs natürlich schwerer zu bewerkstelligen ist. Einziger Lichtblick bei den Borussen blieb Shinji Kagawa. Obwohl die Hanseaten über Holtby sowie Tolgay Arslan und Valon Behrami das Zentrum sehr stark verdichteten und die vertikalen Abstände konstant eng blieben, nadelspielerte Kagawa immer wieder in den Zonen oder konnte sich gut aus der Deckung durch Drehungen mit geringem Radius befreien. Meist war Behrami direkt auf den Japaner abgestellt und konnte ihn so auch als Anspielstation situativ neutralisieren, doch trotzdem ging stets Gefahr von Kagawa aus. Währenddessen hatte Ramos Probleme als Spitze und glänzte seltener durch erfolgreiche Ballverarbeitungen sowie einige blinde Zuspiele. Ein solches leitete auch den Siegtreffer des HSV ein, als er an der Mittellinie nach rechts direkt in die Füße Jansens spielte und daraufhin Müller durch die hoch stehende Innenverteidigung durchbrechen konnte. Durm zog nicht die Notbremse, Lasogga schob hingegen zur Führung in der 35. Minute ein.

Klopp sucht die Brechstange und findet eine Raute

Ramos geht zudem immer noch ein wenig der durchschlagende Druck ab, den ein Ciro Immobile trotz seiner kleineren Defizite anbieten kann. Während der Halbzeitpause nahm Klopp den an den Adduktoren verletzten Bender vom Platz und brachte Miloš Jojić. Sogleich änderte der BVB-Trainer, dessen Team in der ersten Hälfte keinen Schuss auf das HSV-Tor abgab, die Formation, denn Jojić sowie Kevin Großkreutz agierten fortan eher auf Halbpositionen vor Solosechser Kehl, wobei Großkreutz vermehrt in seinen vorherigen Grundraum abdriftete. Insgesamt wurde das Borussen-Spiel linkslastiger, die gesamte Partie hingegen komplett einseitig. Der HSV beschränkte sich auf einige Konteraktionen, die sich vor allem durch die größer werdenden Lücken in den letzten 20 oder 25 Minuten ergaben.

Durch die Umstellung auf eine Mittelfeldraute wurde zudem Aubameyang von seinem Albtraum auf der rechten Außenbahn erlöst und konnte ins Zentrum rücken. Über Kagawa sollten dann immer wieder Pässe hinter die gegnerische Abwehr gelangen, jedoch musste der Ball erst einmal zum Japaner kommen, der immer noch Behrami an seinen Fersen kleben hatte. Zudem konnte Johan Djourou seinen Gegenspieler Ramos in den Luftzweikämpfen gut in Schach halten. Dem Kolumbianer gelangen vor allem im ersten Durchgang einige saubere Brustablagen, aber die halbhohen Zuspiele auf ihn waren nicht zwangsläufig gewinnversprechend. Die meisten Aktionen erfolgten weiterhin über Schmelzers Seite, der zum Schluss über hundert Ballkontakte und fünfzehn Flanken verbuchen konnte. Später im Verlauf wechselte Klopp noch Immobile für Großkreutz ein. Doch auch diese Brechstange funktionierte nicht mehr.

2014-10-04_Dortmund-Hamburg_HSV-Clearances

„Clearances“ des HSV – Quelle: Squawka

Fazit

Zinnbauer fährt die ersten drei Punkte ein. Zum Schluss verteidigten seine Spieler mit eisernem Willen den knappen Vorsprung und konnte über große Teile der Begegnung eine stabile Defensivleistung zeigen. Der strategische Ansatz Zinnbauers sowie die finale Umsetzung kleinerer taktischer Aspekte war keine Genieleistung. Der HSV brachte aber eine gewisse Härte ins Spiel, nutzte den ersten gravierenden Fehler Dortmunds und verteidigte im Anschluss eine Stunde lang verbissen. Doch für die aktuellen Verhältnisse der Hamburger war dieser Verlauf wie gemalt.

Zwischenzeitlich im ersten Durchgang lagen die Passquoten beider Teams so niedrig, dass nur noch jedes zweite Zuspiel ankam. Ein Angriffsrhythmus für eine aktuell kreativ limitierte Dortmunder Mannschaft ergab sich so nicht.

Und was läuft nun bei der Borussia falsch?

Natürlich ist es einfach, nun alles auf die Verletzten beim BVB abzuwälzen, da in dieser Misere hauptsächlich – bis auf Jakub Błaszczykowski – die Zentrale betroffen ist. Zudem geht der Offensive auch die Durchschlagskraft von Marco Reus, der im Halbraum auch in einer Szene aus dem Nichts eine Abwehr zerstören kann. Doch dies ist nicht alles. Seit der Kagawa-Rückkehr versucht Klopp den Japaner zu integrieren und kehrt damit einhergehend zum 4-2-3-1 zurück, damit er als Zehner spielen kann. Kleinere Ausrisse wie das 4-2-2-2 gegen Schalke 04 in der ersten Halbzeit des Revierderbys erfolgten ohne Kagawa. Sicherlich versucht Klopp während der Partien noch stärker anzupassen und wird in diesem Punkt auch zunehmend aktiver, aber eigentlich hatte sich der BVB in den vergangenen Monaten durch eine größere Variabilität an praktizierten Systemen ausgezeichnet.

Nun wird zugleich die Frage aufkommen, ob man zwei Gesichter in Bundesliga sowie Champions League jeweils zu sehen bekommt. Allerdings muss man zunächst festhalten, dass Dortmund auch erst zwei Partien in der Königsklasse bestritten hat und beispielsweise Anderlecht am vergangenen Mittwoch zu Chancen gekommen ist. Zudem lassen sich gegen derartige Gegner stets leichter offene Schlagabtausche forcieren, wodurch der BVB mit seiner Gegenpressingstärke wiederum die Oberhand gewinnen kann.

Aber was meinen denn die Leser zur aktuellen Lage bei Borussia Dortmund?

Et in Arcadia ego 6. Oktober 2014 um 15:12

Danke für den Artikel und die aufschlussreiche Diskussion. MR hatte hier ja einmal eine Art Gesetzmäßigkeit postuliert, nach welcher der BVB ca. alle halbe Hinrunde sein System anpasst und Neues probiert und damit erfolgreich ist. Vll. erleben wir das ja in zwei Wochen mit der Rückkehr von Gündogan, Reus und Micky sowie einem Hummels mit mehr Spielpraxis.

Viele Faktoren wurden hier schon angesprochen und die will ich auch gar nicht wiederholen. Leider haben sich auch genau die falschen Spieler verletzt. Verfolge den BVB diese Saison seit der Vorbereitung. Die formstärksten Spieler waren da m.E. Hofmann, Kirch, Micky und nach Bad Ragaz Aubameyang, die man neben den Grundpfeilern Hummels und Reus gebraucht hätte. Davon spielt jetzt nur Auba, der aber das Spiel nicht strukturieren kann, sondern funktionierende Abläufe um sich herum benötigt. Schaut man sich den Kader einmal an, so findet man bei kaum einem Feldspieler kein Handicap (überstandene Langzeitverletzung, benötigte Anlaufzeit da Neuzugang, Fitnessstand nach WM, Formkrise), zudem scheinen bestimmte Konstellationen wie z.B. eine Doppelsechs mit Jojic als kreativem Element nicht zu funktionieren.
Sehe die Probleme derzeit wie viele andere hier sowohl auf der Doppelsechs als auch in den Offensivabläufen, eng gekoppelt mit der Personalsituation.

Zwei Faktoren möchte ich noch hinzufügen:
a) Bezeichnend war für mich im Hamburg-Spiel auch die Schwäche bei Standards, sowohl bei eigenen als auch im Verteidigen. Zwar fiel gegen Stuttgart das Last-Minute Tor durch Halbfeldfreistoß von Schmelle, aber wie oft sehnt man sich bei Ecken und etlichen Situationen Reus oder Sahin herbei. Standards können einen immer wieder zurück ins Spiel oder in Führung bringen, was insbesondere dem BVB in dieser Situation sehr helfen würde.

b) Es hat immer etwas ausreden- und stammtischhaftes, aber da Klopp es auch schon in PKs angesprochen hat: Der Spielplan in der Bundesliga ist äußerst ungünstig. Leverkusen war der schwerstmögliche Gegner am 1. Spieltag, bei dem der Großteil des Kaders mal eben einen Monat Vorbereitung mehr hatte und wegen der CL-Quali bereits voll im Saft stand. Auch die anderen haben mit Ausnahme von Freiburg mit ihre besten Saisonleistungen gegen den BVB gezeigt. Zudem wird die Stärke im Umschalten als so groß wahrgenommen, dass man Dortmund nicht in diese Situationen kommen lässt. Viele Gegner stehen dann tief und spielen häufig den langen Ball. Hinzu kommt dann fehlendes „Spielglück“: Das hatte man etwas in der CL gegen Anderlecht, gegen die Mainzer hätte man zur Halbzeit 2:0 führen können, gegen den VFB einen Last-Minute Sieg einfahren können und im Derby wäre am Ende auch ein Unentschieden verdient gewesen. Das soll nicht über die Fehler hinwegtäuschen, kommt dann aber noch hinzu. Dortmund konnte sich nicht durch eine Schwächephase „hindurchwurschteln“, sondern ist größtmöglich bestraft worden.

Wohin man sich taktisch entwickelt, hängt m.E. stark davon ab, wie schnell und ob Gündogan wieder alte Form erreicht. Bei „normalem“ Verletztenstand hat man dann riesige Optionen und dürfte mit Kagawa, Micky und Reus auch gegen tierstehende Gegner viel weniger Probleme haben.

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Lobanowskyj 7. Oktober 2014 um 14:51

Nun ja, wenn man sich den Spielplan anschaut, ist der ja nominell nicht soo ungünstig für Dortmund gewesen, bis auf Leverkusen waren da jetzt keine Schwergewichte dabei (Schalke war/ist selbst in keiner guten Verfassung, Arsenal/Anderlecht kamen ihnen taktisch entgegen, Mainz ist selbst noch tief in der Findungsphase). Insofern hätte durchaus die Möglichkeit bestanden, einen guten Saisonstart hinzulegen. Was der Spielplan aber eigentlich offenbart ist, dass sie eben ein eklatantes Problem mit gut strukturierten Gegnern haben (siehe auch die Spiele letztes Jahr zB. gegen Gladbach). Und damit leben müssen, dass man gegen sie mittlerweile genauso motiviert spielt wie gegen Bayern. Die Giftigkeit,mit der sie früher Bayern geärgert haben, kommt jetzt von Mainz, Hamburg et al. zurück.

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M.G. 6. Oktober 2014 um 14:11

Ich stelle mir die Frage, ob Jürgen Klopp aktuell überhaupt eine andere Wahl hat als das System zu spielen in dem sich ein Kagawa noch am besten zurechtfinden kann? Immerhin hat Dortmund ansonsten nichts kreatives im Mittelfeld anzubieten.

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Koom 6. Oktober 2014 um 14:58

Ja, hat er im Grunde schon. Der Kader bietet ja auch andere Lösungen, die er vielleicht jetzt auch hernimmt. Bislang hat er versucht, so weiterzuspielen, wie es seine Mannschaft die letzten Wochen und Monate gemacht hat: Proaktiv, Gegenpressing, Umschalten. Da momentan aber die Umschaltspieler fehlen und/oder nicht fit sind, klemmt es vorne. Und weil vorne dann mehr Bälle verloren gehen und die Defensivarbeit der Offensivspieler nicht passt, klingelt es hinten mehr. Es fehlt momentan der Kreativspieler im Defensivbereich (Gündogan oder Sahin) und Immobile/Ramos machen die Bälle eben weniger gut fest als Lewandowski, Reus oder Kuba.

Kann mir vorstellen, dass Klopp zu den nächsten Bundesliga-Spielen einen anderen Ansatz wählt. Defensiver, etwas abwartender, mit mehr Ruhe. Da die Qualität vorne trotzdem vorhanden ist, nur eben anders gefüttert werden muss, wird er wohl übergangsweise einen Ansatz nehmen, der das Pressing später losgehen lässt. Würde mich nicht wundern, wenn es demnächst ein 4-4-2 mit Raute geben wird, wo die Halbpositionen auch eher defensiv besetzt werden.

Spontan würde ich dann sowas vermuten:
Piczek – Subotic – Hummels – Durm
——Jojic – Kehl – Großkreutz
—————-Kagawa
——Ramos – Aubameyang/Immobile
Der Gegner wird erst richtig ab der Mittellinie attackiert, der Ball etwas mehr durch die eigenen Reihen gegeben.

Klopp kenne ich schon von Mainzer Zeiten ganz gut so, dass er auf „Krisen“ derart reagiert und die vorige Taktik umwirft. Kann auch „offensiver“ werden, wobei das auf der Papierform ja mit 2 Stürmern „offensiver“ wäre.

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datschge 6. Oktober 2014 um 19:00

Andere Kommentatoren haben schon auf die schon derb eklatanten Passschwächen hingewiesen (hat bisschen was vom Schmidts Leverkusen, aber komplett ohne deren Direktheit). Ein Spieler im Kader, der im Mittelfeld ein großes Maß an zusätzlicher Passstärke und Ballkontrolle hinzufügen würde, wurde bereits von Klopp getestet: Mitsuru Maruoka. Dass er seit dem imo hervorragenden Kurzeinsatz im bereits entschiedenem Spiel gegen Mainz nicht mehr eingesetzt wurde, deutet für mich darauf hin, dass Klopp die Schwächen im Passspiel nicht hoch bewertet (aber allerorts wird Gündogan herbeigesehnt).

Klopp und sein Team war leider schon immer enttäuschend schwach im Matchcoaching. Die über Verletzte hinaus künstlich limitierte Spielerauswahl deutet wohl zumeist auf Spieler, die sie auch im später hoffentlich dann eingespielten System einsetzen wollen und momentan mehr Selbstvertrauen aufbauen sollen (i.e. Ciro).

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HK 6. Oktober 2014 um 13:58

Die aktuellen Probleme des BVB haben sicher sehr viel mit der Verletzungsmisere zu tun. Nicht nur mit Spielern die gerade aktuell fehlen, sondern auch denen die gerade spielen, aber nicht ihre Normalform erreichen können. Bei Hummels z.B. ist das relativ leicht nachzuvollziehen. Aber auch ein Pisczek hat nach fast einem Jahr seine Form noch nicht wiedergefunden (warum eigentlich?).
So eine Situation kann gut gehen, dazu ist die Mannschaft auch viel zu gut besetzt. Wenn dann aber nur ein paar Steinchen unglücklich ins rutschen kommen (vielleicht Leverkusens Blitztor zum Start, eine vergebene Großchance usw.) kann dann ganz schnell eine Lawine draus werden und dann heißt es „Form futsch“.
Und wenn eine Mannschaft Form oder Momentum, wie es heute so schön heißt, verloren hat, braucht man sich um taktische Details erst mal gar keine Gedanken zu machen.
Dann bin ich schnell bei den Essentials: Anbieten, annehmen, passen…

Zwei Fragen die für mich jenseits der Aktualität eher die strukturellen Probleme des BVB beschreiben:

Warum bekommt Dortmund seit zwei Jahren so viele Gegentore?
Viel ist natürlich relativ, aber gemessen an der Stärke und den Zielen des BVB ist der Befund eindeutig. Das Thema wurde von Klopp auch schon 2013 als großes Saisonziel verkündet, allerdings mit wenig Erfolg.
Offensichtlich haben keine personellen oder taktischen Maßnahmen etwas an der Situation ändern können.

Wo ist der Plan B in der Offensive?
Die Stärken des BVB in der Offensive sind ja schnell beschrieben. Aggressives Gegenpressing – schnelles Umschalten nach Balleroberung mit Turbospielern – schneller Abschluss Tor.

Irgendwann haben natürlich die Gegner das Thema auch mal ausanalyisert. So sind viele jetzt schon mal so schlau den Dortmundern einfach nicht mehr die „unendlichen Weiten“ zum Gegenstoß anzubieten. Und wenn das passiert wirken die Dortmunder, nicht immer aber doch öfter, relativ ratlos.

Für mich beschreiben diese Probleme grundlegenden Anpassungsbedarf. Hier ist Klopp, abgesehen von allfälligen taktischen Anpassungen, auch als Stratege gefordert. Passt meine Strategie noch zu meinen Zielen, meinem Status? Muss ich ggf. in der Statik meiner Mannschaft was verändern?

Hier kommt für meinen Geschmack einfach zu wenig. Die Dortmunder sind seit zwei Jahren in der Entwicklung einfach stehen geblieben, wie es ja oft bei sehr erfolgreichen Organisationen der Fall ist. Man schreibt sein Erfolgsrezept einfach in die Zukunft fort und denkt alles könnte immer so weiter gehen.

Klappt ja manchmal. Aber nicht immer.

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Lobanowskyj 6. Oktober 2014 um 14:20

Ganz meiner Meinung. Im letzten Sommer hat Klopp noch mit der Verpflichtung von Aubameyang einen noch extremeren Speedfussball ausgerufen (hat er selbst auch so verkündet). Vielleicht war es ein Fehler, den Spielstil zu ins Extrem zu treiben. Wenn’s nicht klappt, kommst du da eben ganz schlecht raus.
Mittlerweile fällt eben auch niemand mehr auf das Gerede herein a la „wir sind kein Favorit/uns reicht die CL-Quali/wir wollen junge Spieler weiterentwickeln“. Die anderen sehen Dortmund als einen Meisterschaftsfavoriten uns verhalten sich dementsprechend. Damit muss Klopp leben.
Allerdings ist ein „Plan B“ meines Erachtens auf Spitzenniveau gar nicht zu realisieren, weil innerhalb eines Periodisierungsplanes gar nicht die Zeit dafür ist. Viele kleine „Plänchen B“ sind hingegen möglich, wenn man sich eine gewisse Flexibilität in der Ausrichtung beibehält. Die hat Dortmund schon in den gespielten Systemen, aber nicht im Personal (Ausnahmen Großkreutz u.a.).
Die Gegentore haben natürlich auch mit den Verletzungen und Formschwankungen zu tun (allerdings haben anderen Clubs auch wechselnde 4er-Ketten gehabt). Hier stellt sich mir die Frage, ob es eventuell in Sachen medizinische Abteilung/Physio Nachholbedarf gibt oder das Fitnesstraining angepasst werden muss? Ist schon augenfällig, wie stark sie in den letzten 2 Jahren davon zurückgeworfen wurden.

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Lobanowskyj 6. Oktober 2014 um 13:38

Würde gerne noch anmerken, dass (wie man auch im Artikel gut sieht), mit dem 4-2-3-1 große Probleme in der vertikalen Kompaktheit bestehen. Das Problem wurde in der Vergangenheit (ähnlich wie bei Madrid letzte Saison) durch klug verteilende „Quarterbacks“ (Gündogan, Sahin,Hummels bzw. Alonso, Modric bei Real) aufgefangen. Die fehlen Dortmund halt momentan völlig. Insofern wird Klopp kurzfristig nicht am „Shinji-System“ festhalten können.
Gerade gegen Mauerfussball wird das schlaue Passspiel wichtiger als das Pressing (das freilich auch nicht funktioniert). Wenn ein HSV sich aufs Rausschlagen beschränkt (wie aus der Graphik zu sehen), kommt das Gegenpressing eben nicht zum Tragen, es entsteht kein chaotischer Moment beim Gegner, den man ausnutzen könnte. Ich werfe hier mal die Hypothese in die Diskussion, dass Dortmund in der Kaderplanung nicht ausreichend berücksichtigt hat, welches standing sie mittlerweile haben, und wie wenige Gegner sich noch zum Mitspielen verleiten lassen. Gerade mit den Eindrücken der WM (Chile, Costa Rica etc.) könnte sich ein Trend zu defensiverem Denken in der Liga abzeichnen (viele bisherige Spiele weisen in die Richtung). Zur Spielweise der Meistersaisons werden sie daher kaum zurückkehren können. Vielleicht muss sich der Umschaltstil generell weiterentwickeln. Selbst Gladbach scheint mittlerweile dominanter zu agieren und versuchts auch mal mit längeren Passfolgen.

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Todti 6. Oktober 2014 um 16:36

Ich glaube, die Problematik kann man als „philosophisches“ Problem des BVBs bzw Klopps beschreiben. Es hat sich ja über die letzten Jahre abgezeichnet, wie in der Bundesliga die meisten Teams gegen den BVB spielen und so lassen sich quasi alle Spiele/Gegner des BVBs (grob gesagt) in 2 Kategorien einteilen: die einen Mannschaften wählen den spielerischen Weg gegen uns – sei es aufgrund ihrer Qualität wie z.B. die Bayern oder aufgrund ihres Anspruchs wie z.B. Anderlecht – und die anderen zwängen uns den Spielaufbau auf – die meisten Teams der Bundesliga, so wie zuletzt der HSV. Unser Spielstil hat sich aber über die letzten Jahre nicht großartig geändert, in dem Sinne, das wir immer noch auf reaktionären Fußball ausgerichtet sind (das natürlich Weltklasse, wenn alles funktioniert). Ob man damit in die vorderste Riege des internationalen Fußballs aufsteigen kann, ist fraglich. Genauso fraglich ist allerdings auch, ob dies überhaupt das Ziel ist oder sein muss.
Nichtsdestotrotz führt das natürlich zu Problemen, wenn es mal nicht rund läuft, und es kommt mitunter zu einem selbstverstärkenden Prozess.

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Et in Arcadia ego 6. Oktober 2014 um 18:03

@Todti: Genau zur Lösung dieses Problem sind Nadelspieler wie Kagawa, Spieleröffner wie Hummels, Halbraumgötter und Standardschützen wie Reus, Tempodribbler mit gutem Fernschuss und vertikaler Denkweise wie Micky und Ballmagneten wie Gündogan im Kader. Ramos, der sowohl als Konterstürmer als auch als Abnehmer von Flanken geeignet ist sowie Immobile passen da auch ins Raster. Klopp und Buvac ist durchaus bewusst, wie die meisten Gegner in der Buli gegen den BVB antreten, einzig es fehlt die Zeit für Abläufe und durch die Verletzungen die Mittel.

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Todti 6. Oktober 2014 um 20:55

Sicherlich ist dem Coaching-Team dies bewusst, das habe ich ja nicht bestritten. Was ich meinte, ist wahrscheinlich eher mit „Herangehensweise“ als „Problem“ zu beschreiben, denn es bedarf keiner direkten „Lösung“. Veränderst du die Ausrichtung des Teams als Reaktion auf die veränderte Situation oder passt du dich „nur“ an? Nur durch den Wechsel des Personals veränderst du ja nicht die komplette Philosophie/Ausrichtung des Vereins. Es geht nicht um das Sehen der Notwendigkeit sondern um das Wollen einer grundlegenden Veränderung. Gehört zu Dominanz im Fußball die Dominanz auf dem Platz (in Sachen Ballbesitz/Spielbestimmung/…)? Kann der BVB die beste Vereinsmannschaft im Fußball sein und dabei das Spiel gegen die „kleineren“ Teams bestimmen, während man gegen die „größeren“ Teams reagiert? Und möchte er das?

Es ist letztlich eine Frage von Anspruch, Anschauung und Philosophie.

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HW 7. Oktober 2014 um 09:31

Es ist grundsätzlich möglich mit einer gespaltenen Persönlichkeit, Verzeihung: ich meine pragmatische Philosophie, anzutreten. Es gibt einige Teams, die das können, spontan fällt mir da Chelsea ein. Mourinho gibt gegen die ganz großen gerne den Under-Dog. Er ist es wahrscheinlich auch immer, aber er wählt dann auch gerne mal eine Taktik der Raum-Dominanz und nicht der Ball-Dominanz. Das wirkt dann sehr reaktiv. Der BVB kann das sicher auch. Aber die Frage ist im Moment ja nicht, wie sie gegen Bayern oder Arsenal spielen, sondern wie gegen Stuttgart und den HSV?

Bei so vielen Verletzten im Bereich Stratege oder Taktgeber, und sich sehe das Fehlen von Gündogan oder Sahin als größtes Problem an. Musste Klopp sich fragen ob er für diese Zeit ein ganz neues Konzept entwirft oder ob er versucht das vorhandene Konzept irgendwie durch zu sieben, auch wenn es im Getriebe knirscht. Da ist Zeit der entscheidend Faktor. Wie lange braucht das Team um Neues zu lernen? Wie lange braucht es das Neue dann noch? Und welche bisher geplanten Inhalte müssen dafür verschoben werden? Klopp wollte sicher viel weiter sein, ist aber aufgrund der Spiele und der Verletzten gezwungen gewisse Themen neu zu priorisieren.

Ich glaube nach vorne hat der BVB nicht das größte Problem. Eine Abschlussschwäche kann man vielleicht sogar aussitzen.
Aber gegen den Ball, was beim BVB oft Gegenpressing bedeutet aber die ganze Verteidigung betrifft, ist Dortmund nicht kompakt genug.
Wir wissen ja alle, wenn vorne gepresst wird, muss von hinten nachgerückt werden um dem Gegner keine Option zur Befreiung zu geben.
Dazu kommen dann noch Fehler und die ganze Mannschaft ist aufgrund der leichten Gegentore verunsichert.

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gs 6. Oktober 2014 um 13:03

Was mir massiv auffällt, ist die allgemeine Schwäche im Passspiel und die mangelnde Pressingresistenz bzw. Ideenlosigkeit im 1:1 -Spiel beim BVB. Ich beziehe mich da insbesondere auch auf das Spiel gegen Anderlecht; da war in meinen Augen das klare Ergebnis deutlich zu hoch, und es ist insgesamt nur gut gegangen, weil die Belgier offensiv agieren und das Spiel machen wollten, sie dieses aber mit noch mehr individuellen Schwächen als der BVB gemacht und damit die Dortmunder zu ihren Blitzangriffen eingeladen haben.

Gegen defensive Gegner tun sich die Dortmunder schon lange schwer, und derzeit bringen sie sich durch ihre teils haarstäubenden Fehler im Aufbau dann komplett auf die Verliererstraße. Mutmaßlich war das das schon immer mehr oder weniger als Problem vorhanden, aber die Fehler wurden in einer vom fitten Mats Hummels organisierten Abwehr meist ausgebügelt. Die frisch genesenen (Subotic, Hummels, Schmelzer) können das aber anscheinend noch nicht leisten.

Oder es liegt doch schlicht daran, dass die wirklich ballsicheren MIttelfeldakteure derzeit verletzt sind, und nicht adäquat ersetzt werden können. Nichts gegen Kehl, Bender oder Großkreutz – aber für one-touch Fussball sind die nicht geeignet; auch Sokratis oder Schmelzer sind da technisch einfach zu schwach.
Insofern hat Klopp gegen defensiv eingestellte Gegner im Moment wohl wenig taktische Optionen – mit hohem Ballbesitz und Dauerdruck a la Bayern zu arbeiten, verbietet sich bei dem Spielermaterial; mehrfaches auskontern wäre vorprogrammiert.

Es bleibt also nur, auf die Gesundung von Gündogan, Reus und Co. zu warten, und dann die Aufholjagd zu starten. Und nächtes Jahr Qualität ins Mittelfeld einzukaufen.

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Fabian 6. Oktober 2014 um 13:34

Da kann ich dir nur zustimmen. Ich habe auch schon gesagt, dass Dortmund momentan eigentlich eher ein Offensivproblem denn ein Defensivproblem hat, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht. Angriff ist die besten Verteidigung (5 Euro ins Phrasenschwein).
Mir faellt auf, dass bei eigenen Angriffen auch nicht mehr so gut abgesichert wird. Das Antizipieren der Umschaltsituation ist nicht mehr so gut wie vorher. Klar, es wird immer noch der Ball im Gegenpressing gejagt, aber wenn man ihn dann hat habe ich das Gefuehl, dass der klare Plan fehlt aus dieser Situation etwas zu kreieren. Reus und Lewa haben/hatten da ein toedliches Gespuer die richtigen Raeume anzusteuern, Mhiky an seinen guten Tagen kann das auch. Immobile oder Ramos haben aber da noch keinen Plan (was bestimmt noch kommen wird). Und selbst wenn der Plan klar waere, fehlen, wie du schon richtig sagtst, momentan die Spieler die es in der geforderten Praezision umsetzen koennen.
Deren Faehigkeiten fehlen auch bei geordnetem eigenen Spielaufbau. So muss man sich ein Gebolze von Hamburg aufzwingen lassen, das man frueher mindestens ins Leere hat laufen lassen, wenn nicht sogar uebel bestraft haette.
Und so spielt auch die Psychologie eine Rolle, denke ich. Da momentan vom BVB weniger Gefahr ausgestrahlt wird, wird der Gegner zu weniger Fehlern gezwungen und traut sich auch bei den eigenen Angriffen ploetzlich mehr. Vielleicht ist es ein Trugschluss, aber gerade im Spiel gegen Mainz hatte ich das Gefuehl, dass man die Mainzer geradezu stark gemacht hat, indem man sie leben liess. Ein Tick mehr Dominanz und die waeren gebrochen gewesen und haetten sich aufs Verteidigen konzentriert.

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Lobanowskyj 6. Oktober 2014 um 13:58

Aus taktisch/strategischer Sicht wäre nur die Frage, was für Einkäufe man in Zukunft tätigen könnte? Pressingresistente Ballhalter, um dominanter zu werden? Wird kaum Sinn machen, weil man bei der hohen Spezialisierung des jetzigen Kaders auf Hochgeschwindigkeitsfussball quasi 11 neue Leute für eine andere Spielweise bräuchte. Mehr Qualität in der Breite, um Gündogan etc. adäquat ersetzen zu können? Wurde ja in Ansätzen in den letzten beiden Jahren probiert. Eigentlich sind genug gute Leute da (allerdings unklar, warum Hofmann verliehen wird und Sarr keine Berücksichtigung findet). Und drei Leute für eine Position zu haben, die alle das Gleiche können, macht auch keinen Sinn.
In der Vergangenheit hat Klopp die bestmögliche Position gefunden, um die Stärken eines Spielers voll auszuschöpfen. Das scheint momentan nicht möglich zu sein. Stellt sich die Frage, obs nur an der Form liegt (wie Klopp behauptet) oder vielleicht doch so einige Spielertypen schlecht vereinbar sind. Vielleicht war man da beim Scouting manchmal zu optimistisch.

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Lobanowskyj 6. Oktober 2014 um 14:02

Vielleicht wärs kurzfristig sinnvoll, Subotic (oder Sarr!!) neben Sokratis zu stellen und Hummels auf die 6 zu holen? Aber dann muss der auch erst noch in Form kommen. Hab momentan auch ein bisschen den Eindruck, dass sich Klopps Motivationskünste ein wenig abgeschliffen haben. Es ist weniger Gier in der Mannschaft, mehr Abgeklärtheit. Aber das ist schon wieder zuviel Psychologisieren.

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Todti 6. Oktober 2014 um 16:20

Mit dem Gedanken hab ich auch schon gespielt, aber würde das Hummels nicht einiges an Qualität rauben, wenn er in der gegnerischen Formation spielt, anstatt davor? Er braucht ja schon Platz und Zeit für sein Spiel, wovon er auf der 6 weniger haben würde. Dass er aktuell noch nicht bei 100% ist, macht die Sache ja auch nicht einfacher.

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Lobanowskyj 7. Oktober 2014 um 14:15

Könnte ich mir eben als Alternative gegen tiefstehende Gegner vorstellen, da sollte Hummels dann auch auf der 6 die nötigen Freiräume haben (wenn die Gegner nicht zu Mannorientierungen greifen). Wenn der Druck zu groß wird, könnte er ja zwischen die IVs abkippen, was zusätzlich der Stabilität zugute käme. Ich glaube, mit ihm im Mittelfeldzentrum (wenn er in Form ist) würde auch das Pressing/Gegenpressing wieder koordinierter laufen (sah bisher manchmal etwas chaotisch aus), bzw. wäre nach Balleroberung jemand da, der das Auge hat, um die Bälle schnell und effektiv nach vorne zu bringen. Dafür taugen Bender und Kehl nur bedingt, und jedesmal auf die IV zurückpassen zu müssen widerspricht ja dem Dortmunder Spielverständnis.

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Todti 6. Oktober 2014 um 16:18

Es ist schon richtig, dass derzeit das Grundproblem das Fehlen von technisch starken/ballsicheren/kreativen Mittelfeldspielern – wie auch immer man sie nennen möchte – ist. Bei den aktuellen spielerischen Problemen schadet es halt, dass immer mind. 3 Spieler auf dem Feld stehen, die technisch limitiert sind (Großkreutz, Bender, Kehl, Schmelzer, Sokratis,…). Normalerweise sind genug „gute“ Fußballer auf dem Feld, wodurch dies kaschiert wird und sie ihre eigentlichen Rollen ausspielen können. Aufgrund der Verletzungen hat Klopp aber kaum Optionen (außer im Sturm) und die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf.
Diese fehlende Kreativität ist aber nichts, was man nach der Saison mit Einkäufen beheben muss, da man die Spieler ja in den eigenen Reihen hat, nur dass sie alle gleichzeitig verletzt sind – man muss sich das ja wirklich nochmal vor Augen halten: da Fehlen die eingespielten (seit mehreren Jahren im Kader stehenden) Gündogan, Sahin und Kirch auf der 6 sowie Kuba, der dort auch spielen kann, aber zusammen mit Mkhitaryan ja auch gut auf den Halbpositionen einer Raute spielen könnte, und welchen Qualität Reus einbringt, braucht man ja nicht zu erklären. Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese Situation in den nächsten Jahren nochmal auftritt? Wenn man dann nach der Saison noch Spieler dazuholt, sitzen doch 3-4 davon auf der Tribüne, zumal man davon ausgehen kann, dass Jojic wieder stärker wird und sich auch weiterentwickelt und Maruoka auch gute Ansätze gezegt hat.

Sicher lösen sich nicht alle Probleme, wenn die Verletzten zurückkommen, aber man hätte sicherlich mehr Punkte aus den letzten 4 Spielen geholt, wenn einige der angesprochenen Spieler auf dem Platz gestanden hätten.

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Lobanowskyj 7. Oktober 2014 um 14:21

Naja, die Verletztenmisere zog sich letztes Jahr durch die Viererkette, dieses Jahr durchs Mittelfeld. Da muss dann schon die Frage erlaubt sein, ob es vielleicht strukturelle Gründe für die vielen Verletzten gibt (Physio, Fitnesstraining etc.)

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Krawu 6. Oktober 2014 um 12:05

Mats auf die 6 und alles wird gut

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Axt 5. Oktober 2014 um 20:35

Chaos, wir brauchen Chaos!

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F90games 5. Oktober 2014 um 17:19

Was mich beim BVB immer wundert, ist die Schwäche bei eigenen Hereingaben in den Strafraum. Sowohl bei Flanken, als auch bei Ecken kommt nix rum, obwohl auf dem Feld mit Ramos, Hummels, Sokratis oder Subotic ja recht kopfballstarke Spieler aufgestellt sind. Die Tatsache, dass generell schon recht viele Flanken gespielt werden, ließe ja darauf schließen, dass das der Plan ist und auch mal trainiert wird aber dafür ist die Ausbeute echt ziemlich mager. Generell ist das ja ein oft benutzes Mittel, wenn man eine Defensive spielerisch nicht knacken kann. Selbst die Bayern haben letztes Jahr viele Führungstore durch Flanken von Lahm auf Mandzukic geschossen. Wieso klappt das beim BVB nicht?! Wieso fehlt da komplett die Präzision?! Viele Flanken gehen ja nichtmal in die Nähe der Mitapieler.
Oder andersrum formuliert: Wenn ich weiß, dass ich nicht flanken kann, wieso mache ich es dann trotzdem? Das sind dann nur unnötige Ballverluste…

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Schorsch 5. Oktober 2014 um 21:15

Ich weiß jetzt gar nicht, ob es tatsächlich so viele Flanken sind im aktuellen Dortmunder Spiel. Wenn ja, dann kommt es u.a. darauf an, um welche Art von Flanken es sich handelt. Wenn es sog. ‚Flanken aus dem Halbfeld‘ sind, dann geht es mit Sicherheit nicht um einen ‚Plan‘, der umgesetzt wird. Solche Flanken sind eher ein ausdruck von Ratlosigkeit, weil man sich nicht in den Strafraum kombinieren kann. Dann wären sie ein weiteres indiz für die momentane spielerische Schwäche des BVB. Flanken von Außenverteidigern z.B., die ihre Vordermann hinterlaufen und Richtung Grundlinie gehen, um dann z.B auf nachrückende Spieler zu flanken sind durchaus Konzept auch beim BVB. Wobei Schmelzers Flanken schon immer eher ‚optimierungsbedürftig‘ waren. Bei Piszczek sieht das schon anders aus. Seine Flanken bzw. Pässe sind meistens sehr präzise und genau (wenn er in form ist selbstverständlich). Klopp wollte ihm eine Erholungspause gönnen, wie der Autor es auch erwähnt. Seine Vorstöße fehlten und ich meine, er hätte früher eingewechselt werden müssen. Auch hier hat die ‚Linkslastigkeit‘ des BVB-Spiels (wie der Autor es nennt) eher das Unpräzise beim BVB gefördert. Die Passungenauigkeiten sind z.T. fatal. Ob das nun an der Verunsicherung vieler Spieler, an technischen Defiziten oder an anderen Dingen liegt kann ich mir nicht erklären.

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Tom 6. Oktober 2014 um 13:58

Schmelzer hatte angeblich 11 Flanken geschlagen, davon 3 aus dem Halbfeld. Aubameyang schlug 4 Flanken. Insgesamt gab es 20 Flanken (aus dem Halbfeld 5) davon erreichten nur 4 überhaupt ein Ziel, und das teilweise dann außerhalb vom Strafraum. Das ist dann schon pure Verzweiflung wegen fehlender Kreativität.

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HW 6. Oktober 2014 um 16:51

Ist für mich eh die Frage wie effektiv eine Flanke-Kopfball Strategie überhaupt ist. Dafür braucht es schon ein Kopfballungeheuer und wirklich durchgehend gute Flanken. Oft ist es effektiver den Ball anders in den Strafraum zu geben (flach, auf nachrückende Spieler usw.).
Klar kann man nach einer Flanke auf den zweiten Ball spekulieren. Aber in der Regel verpasst der Stürmer die Flanke oder der Kopfball ist ungefährlich.

Bei Standards ist das nochmal ein anderes Thema. Ist das aber das entscheidende Problem des BvB?

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JS 7. Oktober 2014 um 08:16

Wollte ich auch gerade posten. 1 Tor aus 20Flanken und das auch nur von det besten Stelle.

HW 7. Oktober 2014 um 09:00

Ich hab auch immer solche Statistiken im Hinterkopf, wenn es um Flanken oder Kopfballtore geht. Die besten „Flanken“ (der Big 5!) sind die von innerhalb des Strafraums. Das sagt schon sehr viel. Wenn man es kann, dann sollte man sich in den Strafraum kombinieren (und dann flach vorlegen).

Das bedeutet natürlich nicht, dass Flanke und Kopfball kein probates Mittel sein können. Aber wirklich gute Chancen hat der Stürmer nur, wenn er frei zum Kopfball kommt, und das muss der Flankengeber vorher erkennen.

In diese Statistiken fließen natürlich auch die Verlegenheitsflanken ein. Der Flügelspieler geht ja nicht immer mit Geschwindigkeit hinter die Abwehr und schlägt dann eine schöne Flanke auf den Elfmeterpunkt. Oft genug hat er sich in der Ecke isoliert und versucht den Ball nur irgendwie in eine Gefahrenzone zu schlagen, was dann mit einem Ballverlust endet. So gefährlich die Hereingabe in den Rücken der Abwehr sein kann, so einfach sollte der Flügelspieler zu verteidigen sein, wenn ich ihm erstmal gebremst habe. Spieler mit hoher individueller Klasse können sich zwar noch im 1 gegen 1 behaupten, aber 1) haben nicht alle Teams diese Spieler und 2) hilft alles was den Angriff verzögert der Abwehr.
Wenn der Flügelspieler aber in den Strafraum eindringt um die Vorlage zu geben sieht es natürlich anders aus. Die Abstände und damit Reaktionszeiten werden kleiner und aus dem Mittelfeld können Angreifer nachrücken um neue Anspielstationen zu erzeugen und bei Ballverlust das Pressing zu starten.

Lobanowskyj 6. Oktober 2014 um 12:13

Wäre noch anzumerken, dass ein Flankenspiel über die AVs nicht gerade passend fürs 4-2-3-1 ist, mit nur einem zentralen Stürmer, mal abgesehen von der Qualität der Flanken. Da brauchst du dann schon einen herausragenden wie Lewandowski, der ganz allein die Bälle trotzdem verwertet oder zumindest unter Kontrolle hält. Andererseits wäre eine fehlgeschlagene Flanke in den Strafraum ja auch ein guter Ausgangspunkt fürs Gegenpressing bzw. das Einsammeln freier Bälle, womit wir wieder bei dieser Baustelle wären: ohne Lewa, Reuss etc. fehlt da völlig die Möglichkeit, die Bälle schnell zu holen und weiterzuleiten, um die Unordnung des Moments auszunutzen.

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HW 7. Oktober 2014 um 09:07

Das hängt von den Laufwegen ab. Der Flügelstürmer von der anderen Spielfeldseite kann z. B. In den Strafraum ziehen und Ziel für Flanken werden.

Flanken sind für mich nur in zwei Situationen sinnvoll: wenn man viel Platz hat (also bei Gegenstößen über den Flügel) und wenn man ständig ein Mis-match zu den eigenen Gunsten hat (also ein klar überlegener Mittelstürmer im Kopfballspiel und ein Flankengeber der seinem Verteidiger überlegen ist).

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Schorsch 5. Oktober 2014 um 17:00

Klopp variiert in dieser Saison des öfteren das System, was in Ansätzen bereits letzte Saison zu sehen war. War seit den Meisterschaftsspielzeiten das 4-2-3-1 das BVB-System schlechthin, so ist in dieser Saison auch ein 4-4-2 mit Raute oder zwei defensiven, etwas tiefer spielenden 6ern, zu sehen. Was für mich auch absolut Sinn macht, vor allem weil die Stärken einiger neuerer Spieler so deutlich besser zur Geltung kommen. Mkhtaryan z.B. funktioniert in diesem System auf Rechts besser als im anderen als 10er. Aubameyang ist als zweite (oder hängende) Spitze in einem 4-4-2 (oder einem 4-4-1-1) deutlich effektiver als in einem 4-2-3-1 im rechten offensiven Mittelfeld. Und auch für beide neuen Stürmer scheint es mir so zu sein, dass sie als alleinige Spitze wesentlich schlechter zur Geltung kommen als in einem Zweistürmer-System. Keiner von beiden hat die Fähigkeiten eines Lewandowski oder auch eines Barrios, sodass eigentlich ein 4-2-3-1 mit einem dieser Spieler als Mittelstürmer weinger in Frage kommt mMn. Bevorzugt nun Klopp aktuell tatsächlich ein 4-2-3-1, um Kagawa im zentralen offensiven Mittelfeld spielen zu lassen (seine klar stärkste Position) und ihn so zu ‚integrieren‘? Wenn dies so sein sollte, erkauft er sich diese ‚Integration‘ nicht mit einer Schwächung anderer Spieler? In einem 4-4-2 mit Raute könnte Kagawa ebenfalls zentral hinter den Spitzen spielen. Mir ist schon klar, dass im Moment außer Kehl niemand die zentrale 6er-Position spielen kann. Aber wenn er spielfähig ist (so wie gestern), warum dann eine ‚Doppel-6‘? Sollte diese die defensive Stabilität erhöhen, dann scheint dies ein Trugschluss zu sein. die erlangt der BVB mMn erst wieder, wenn das gesamte Team die Spielweise des kollektiven Verteidigens wieder über das gesamte Spiel hinweg praktiziert. Dann fallen auch die technischen Defizite einiger Defensivspieler des BVB nicht mehr auf, die gerade auch in 1:1-Situationen z.Zt. negativ ins Gewicht fallen.

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JD 5. Oktober 2014 um 17:59

Das Klopp die Stabilität opfert, um Kagawa zu integrieren halte ich für falsch. Kagawa ist im Moment der einzige kreative und passichere Spieler, den Klopp noch hat. Das man ohne ihn nicht mehr Stabilität hat, konnte man gegen Schalke sehen. Da gab es in der ersten HZ ohne Kagawa ein grandioses Fehlpassfestival und haufenweise Chancen und Ecken für Schalke. Als Kagawa dann in der zweiten Hälfte kam, hat der BVB sofort Stabilität und Passicherheit gewonnen und konnte die Schalker dominieren, auch wenn kein Tor mehr dabei rumgekommen ist.

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Schorsch 5. Oktober 2014 um 18:28

Das mit der ‚Integration‘ bezog sich auf einen entsprechenden Passus im Artikel. Hätte ich vielleicht etwas deutlicher kennnzeichnen sollen. Der Autor führt in etwa aus, dass Klopp verstärkt wieder auf ein 4-2-3-1 setzt, um Kagawa schneller zu ‚integrieren‘. Ich persönlich halte eine aktuelle Fixierung auf dieses System für wenig förderlich, da einige Spieler in einem 4-4-2 besser zur Geltung kommen. Statt eines 4-2-3-1 mit einer ‚Doppel-6‘ könnte Klopp auch (wie schon praktiziert) ein 4-4-2 mit Raute spielen lassen, wie erwähnt. Die ‚Doppel-6‘ trägt momentan nichts zur defensiven Stabilität bei und die in einem 4-2-3-1 vielleicht besser möglichen Dreiecksbildungen sieht man aktuell beim BVB auch kaum. Will sagen: Die Rückumstellung des Systems halte ich für kontraproduktiv. Dass Kagawa z.Zt. der einzige ball- und passsichere Kreativspieler beim BVB ist, ohne den es noch viel düsterer aussehen würde z.Zt, sehe ich ganz genauso. Man stelle sich vor, was ohne Kagawa gegen Freiburg oder in Brüssel so auf dem Platz gegangen oder nicht gegangen wäre…

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jonto 5. Oktober 2014 um 15:50

Eigentlich ist der Dortmunder Kader Bombe. Aber irgendwie ist mir das gerade zu viel Brei. Alle treiben mit, keiner ist herauszuheben. Jeder ordnet sich da möglichst nahtlos in den Brei ein, statt vielleicht mit so einem gewissen (kontrollierten) Starfaktor herauszustechen, aber somit auch ein wenig Verwantwortung zu übernehmen und dadurch Last von den anderen zu nehmen. Immobile kann hier als Beispiel zählen. Der Junge ist doch eigentlich super. Aber anstatt mal (zumindest extern) sich vor die Mannschaft zu stellen mit Worten wie: „Ich will jetzt auch in der BL Torschützenkönig werden!“, zeigt er eher die Einstellung: „Ramos? Cool. Teilen wir uns den Job. Ich spiel gerne nur jedes 2. Spiel. Wer will schon Torschützenkönig werden.“ Diese ja nur bitte schön unterordnende Grundeinstellung verkörpern grade alle in Dortmund. Keiner macht den Mund auf. Nicht mal Kevin.

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HW 5. Oktober 2014 um 18:37

Naja, markante Sprüche kann theoretisch jeder. Spiele hat man damit noch nicht gewonnen.

Ich erwarte mir eher etwas von den etablierten Spielern; ausgerechnet die sind gerade im Formtief. Hummels kommt nach her Verletzung zurück und soll gleich auf dem höchsten Niveau spielen? Gleiches gilt für Subotic, Bender oder Neuzugänge wie Immobilie und Ramos? Das kann so nicht funktionieren. Und Großkreutz ist vielleicht ein markiger Typ aber kein Führungsspieler der eine Mannschaft anführt.

Die beiden einzigen, denen ich momentan diese Rolle zutraue sind Kehl und Weidenfeller. Kehl hat zwar gerade das Kapitänsamt abgegeben, sollte bei dieser Verletzungsmisere aber als Führungspersönlichkeit einspringen.
Nur muss das auch taktisch unterstützt werden. Klopp hat die Flexibilität bzgl. der Formation etwas aufgegeben. Das kann helfen wenn man sich stabilisieren will, muss dann aber auch durchgezogen werden.
Eigentlich müsste z. B. mind. ein Spielgestalter auf der 6 spielen. Das kann im Moment allenfalls Jojic. Nur der spielt nicht immer von Beginn. Oder man stellt auf 4-3-3 um um das Team stabiler zu machen. Auch Kagawa muss eigentlich immer spielen; wenn er noch nicht fit genug ist, dann muss Fitness bei ihm oberste Priorität haben. (Hat Kagawa in England nicht trainiert oder warum reichte es erst nur für ne gute Stunde?)
Solche Maßnahmen fehlen mir. Auba und auch Ramos treffen zwar (könnten noch öfter treffen), aber das Konstrukt ist nicht stabil sondern teilt sich eher in Defensive und Offensive auf.

So wie sich der BVB jetzt präsentiert kann kein Spieler Sprüche klopfen und z. B. an die Torjägerkanone denken. Man muss den Anspruch an sich selbst haben immer in der Startaufstellung zu stehen. Aber das erreicht man nur durch harte Arbeit. Ob dann Ramos und Immobilie spielen (was ist eigentlich mit dem neuen Koreaner?) oder jemand anderes, ist Nebensache. Wichtig ist die Balance im Team wieder zu finden, dann trauen sich die Spieler auch wieder gegenseitig Wunderdinge zu.

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JD 5. Oktober 2014 um 13:24

Ich würde ja gerne von euch noch mal eine etwas detailliertere Analyse zu den Problemen der Borussia hören. Der letzte Absatz in diesem Artikel ist ja doch eher recht oberflächlich und nichtssagend. Falls ihr nochmal die Zeit finden würdet, die strukturellen Probleme der Borussia im Detail zu analysieren wäre das top!

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JK 5. Oktober 2014 um 19:29

Sehe ich auch so! Würde mich sehr interessieren und der letzte Absatz ist die Überschrift nicht wert. Schade!

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CE 5. Oktober 2014 um 22:16

Vielleicht weil nur eine Diskussion angeregt werden soll…

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tdrr 5. Oktober 2014 um 02:53

Das Dortmunder System benötigt Kreativ-/Ballverteilungskraft aus dem defensiven Mittelfeld heraus. Bis auf Jojic (der, dass darf man nicht vergessen, bis vor zehn Monaten noch in der serbischen Liga kickte), sind da aber leider sämtliche Kreativkräfte, die der Dortmunder Kader für diese Position hat, verletzt — von den Stammkräften (Guendogan, Sahin, Kirch), bis zu den Aushilfskräften, die Klopp hierfür in der Vergangenheit benutzt hat (Mkhitaryan, Błaszczykowski).

Sobald die Zeit diese Wunden geheilt hat, wird es in Dortmund wieder bergauf gehen. Wobei man meines Erachtens auch nicht vergessen darf, dass Komissar Zufall beim Fußballspiel auch immer eine große Rolle spielt. Und hier hat Dortmund dann auch noch gehöriges Pech gehabt in den letzen BL-Spielen: 17:10 Torschüsse gegen den HSV, 17:11 gegen S04, 25:10 gegen den VfB, 19:9 gegen Mainz. Auch jenseits der Statistiken fällt es schwer, in diesen Spielen von verdienten Siegen für den jeweiligen Gegner (oder ggf Unentschieden) zu sprechen.

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Makaki 5. Oktober 2014 um 10:20

Ja, die Bundesliga-Spiele laufen seltsam, aber oftmals nach dem gleichen Schema, von daher möchte ich die Sache mit dem Kommissar Zufall in Anführungszeichen setzten: Auffallend ist wirklich, dass Dortmund im Schnitt 20:10 Chancen gegen Ihre Bundesliga-Gegner haben und der Ertrag recht dürftig ist. Wobei die Qualität der Chancen, im Gegensatz zu den Championsleaque-Spielen, nicht besonders hoch war; ich fand sogar dass die paar wenigen HSV Chancen deutlich gefährlicher waren, ähnlich war es auch gegen Schalke.

Ich meine auch, dass die bisherigen CL-Gegner Dortmund sehr gelegen kamen, Anderlecht ist es gewohnt, in der heimischen Liga das Spiel zu machen und ist mit dieser Spielweise von Dortmund überrannt worden- ähnlich ging es Arsenal; die bereits im letzten Jahr gegen die starken Premierleaque Mannschaften deftige Niederlagen bezogen haben.

Auffallend ist für mich auch, dass der BVB ganz selten Spiele nochmal drehen kann (gegen Stuttgart immerhin noch ein Unentschieden); liegt man einmal hinten, dann fehlt vielleicht auch schon der Glaube, dass Spiel noch gewinnen zu können. Das war in den beiden Meisterschaftsjahren ganz anders (wenn ich daran denke, wie oft man noch ein Spiel in den letzte 10 Minuten gedreht hat).

Bei aller Kritik jetzt…ich sehe Dortmund total gerne Power-Fussball spielen und in einem 1:1 Duell gegen Bayern sind Sie kreuzgefährlich.

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HW 5. Oktober 2014 um 10:24

Der Zufall kann nicht immer gegen dich laufen. Irgendwann ist das ein Trend und kein Zufall mehr.
Torschuss Statistiken sind gut und schön, sagen aber nichts über die Qualität der Chancen aus. Dass der BVB sehr viele Tore kassiert und, laut Statistik, seine Chancen nicht nutzt, kann nicht alleine mit dem Fehlen von Gündogan, Sahin und Reuss erklärt werden. So schlecht sieht die Startelf nicht aus. Tatsache ist, dass selbst viele Spieler auf dem Feld nicht in Form sind und dass der BVB sich strategisch nicht an seine momentane Schwächephase angepasst hat.

In 20 Spieltagen werden wir sehen ob die aktuelle Punkteausbeute eine Gefahr für das Erreichen der Champions League sein wird.

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tdrr 5. Oktober 2014 um 18:21

Re: Irgendwann ist der Trend kein Zufall mehr.

In den letzten vier Saisons hat Dortmund im Schnitt 65% aller BL-Spiele gewonnen. Machen wir unsere Null-Hypothese, dass Dortmund in dieser Saison genauso stark ist wie in den vergangenen vier (2x Meister, 2x Zweiter Platz). Dann sind das ca. n= 150 Spiele, jedes mit Wahrscheinlichkeit p=0.35 dass Dortmund das Spiel nicht gewinnt. Jetzt kann man damit ausrechnen, was die zu erwartende längste sieglose Serie in diesen 150 Spielen ist. Was kommt dabei raus? Mehr als 4 Spiele! Soviel zu der These, dass der Trend kein Zufall mehr sein kann.

Im übrigen argumentiere ich hier gar nicht, dass in Dortmund zur Zeit alles rosarot ist. Leider hatte ich vielleicht erwartet, dass bei einem Taktikblog die Leser eher an Analyse als an Stammtischgelaber interessiert sind.

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HW 5. Oktober 2014 um 19:27

Soll ich daraus schließen, dass nur weil etwas Möglich ist es auch passieren sollte?

Was hilft es mir zu wissen, dass der BVB mal vier Spiele am Stück nicht gewinnen muss (tolle Datenbasis: seit der ersten Meisterschaft hat sich das Team und die Gegner nur minimal verändert).
Wenn die Leistung nicht stimmt, dann ist das entscheidend. Qualität sticht Quantität. Zumindest solange alle Teams elf Spieler aufs Feld schicken. Momentan erfüllt der BVB nicht die zu erwartenden Qualitätsansprüche.

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HW 5. Oktober 2014 um 19:54

Oder mal anders gesagt. Deine Statistik ist das Resultat der letzten 4 Spielzeiten und nicht die Grundlage für die letzten vier Spielzeiten. Und die Statistik ist auch keine Erklärung für die momentanen Probleme.

Was in den Meisterschaftsjahren war, interessiert nicht. Fakt ist momentan Platz 13. Es geht ja nicht darum ob der BVB erster oder vierter ist. Ich kann mich an keine Situation in den letzten Jahren erinnern in denen die CL Quali in Gefahr war. Der BVB hat momentan kein Punktepolster mit dem sich diese Schwäche abfangen ließe. Man braucht also eine echte Aufholjagd. Die ist mit dem Kader möglich aber nicht garantiert.
Die Momentan fünf (bzw. vier) fehlenden Punkte auf Platz 4 könnten am Ende sogar für die Quali zur EL fehlen!

Der einzige Unterschied Köln oder Hertha ist, dass man weiß, dass der BVB den Kader hat bei guter Form um die ersten beiden Plätze zu spielen. Während die anderen Teams dort sehr wahrscheinlich nicht wiederfinden werden.

12 Gegentore in 7 Spielen ist nicht der Anspruch des BVB. Das war er nicht vor vier Jahren und ist es heute auch nicht. Egal was die Wahrscheinlichkeit und das Torschußverhältnis sagen.
Wichtig ist es die Probleme zu beheben anstatt zu errechnen wie Wahrscheinlich ihr auftreten war.

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Koom 4. Oktober 2014 um 23:51

Dortmund tat sich bislang ja schon immer schwer gegen tief stehende Gegner, das hat sich jetzt noch ein Stück mehr verschlimmert, da man hinten etwas anfälliger geworden ist.

Persönlich sehe ich die Probleme in fehlender Eingespieltheit: Lewandowski macht als MS die Bälle vorne sehr viel anders fest als ein Ramos oder Immobile, mit Reus und Kuba fehlen 2 Speedster mit wenig Fehlerquote und viel Defensivfleiß und man integriert Gelegenheitsspieler wie Kagawa, sowie diverse Langzeit- und Immerwiederverletzte wie Hummels, Pisczek, Kehl, Subotic (auch erst wieder seit dieser Hinrunde dabei!) usw. Es greift einfach nicht so vieles so selbstverständlich ineinander, wie es das tun müsste. Sowohl vorne wie auch hinten. Gerade das Offensivspiel: Lewandowski war dort extrem dominant, daneben Reus. Wäre jetzt nur einer der beiden weg, wäre es ja noch ok, aber jetzt herrscht dort ein Mangel an kloppgeschulter Offensive.

Ergo: Zeit wird die Wunden heilen. Für die Meisterschaft zu spät, in der CL kann man sich dank mehr mitspielenderer Gegner besser halten.

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fichtenelch 4. Oktober 2014 um 23:35

„Aber was meinen denn die Leser zur aktuellen Lage bei Borussia Dortmund?“
naja, glaube die super lösung war für das spiel jetz speziell schwierig, aber jojic statt bender oder kehl je nach möglichkeit hätte nicht geschadet.
mein eindruck ist dass man nicht so recht weiß wo man mit der aktuellen mannschaft hin will. heute war das fand ich recht gut zu sehen, destruktive doppel6, und dann – wie gesagt – muss kagawa bei ballbesitz alles auf einmal machen, was dementsprechend gut einzuschränken ist. wenn man ihm aber so viel verantwortung im ballbesitz aufbürdet, sollte man vllt gleich zu anfang noch jojic aufstellen. die königslösung wäre das nicht, weil jojic, so ist mein eindruck, auch so seine probleme mit der defensive hat, wenn er 6/8er spielt, andererseits – viel instabiler als heute dürfte es ja auch nicht mehr werden, er hin oder her.

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