Der „falsche“ Außenverteidiger

Erst vor ein paar Tagen haben wir den inflationären Umgang mit „falschen Positionen“ beklagt, heute legen wir nach: mit den „falschen Außenverteidigern“. Denn besser kann man die Rolle der Außenverteidiger von Bayern München nicht beschreiben.

Innovationen sind selten im Fußball, doch sie gibt es. Ein Grund, wieso viele die Fußballtaktik als „zyklisch“ bezeichnen, ist wohl die mangelnde Kreativität, weswegen oft im „try-and-error-Verfahren“ auf alte und teilbewährte Praktiken und Taktiken zurückgegriffen wird. Aber manchmal sind Innovationen möglich, obwohl es schon so viele alte Sachen gab. Aktuell darf man bei den Bayern (und ansatzweise dem FC Barcelona) solch eine Innovation bewundern.

Diese spielen nämlich seit Neuestem mit „falschen Außenverteidigern“. Den inflationären Begriff „falsch“ haben wir jüngst diskutiert, in diesem Fall ist er aber passend. Man könnte sie auch pendelnde, zentrale, hineinkippende (der wohl passendste Begriff) oder innere Außenverteidiger nennen, gleichzeitig gibt es noch potenzielle Nutzungen, die es noch nicht gibt, aber geben könnte.

Einrückende Außenverteidiger wäre ebenfalls eine Option, aber würde wohl besser zu Außenverteidiger passen, die sich Richtung Mitte bewegen, wenn sie ballfern stehen, um besser absichern zu können. Dies wird u.a. vom BVB praktiziert, dazu kommt aber noch ein eigener Artikel.

Widmen wir uns lieber den taktischen Hintergründen der falschen Außenverteidiger.

Guardiolas Überzahlfußball und die falsche Zwei statt der falschen Neun

Bayerns neuer Trainer ist bekannt dafür, dass er Lionel Messi beim FC Barcelona als Mittelstürmer aufstellte, aber ihn anwies diese Position zu verlassen, sie verwaisen zu lassen und sich ins Mittelfeld zurückfallen zu lassen. Guardiola selbst erklärte dies bei einem Gastvortrag in einer südamerikanischen Universität, wo er sagte, man wolle damit das gegnerische Team vor Probleme stellen.

Diese müssten bei einem zurückfallenden Stürmer diesen entweder mit einem Innenverteidiger verfolgen und dadurch Räume öffnen oder eben auf ihrer Position bleiben und dafür eine Unterzahl in der so wichtigen Mittelfeldzone in Kauf nehmen. Bei den Bayern hat Guardiola aktuell durch die vielen Verletzungen keinen solchen Stürmertypen zur Verfügung und/oder möchte nicht damit spielen.

Dennoch werden in der Mitte Überzahlen hergestellt, nämlich durch die Außenverteidiger. Interessant ist hierbei, dass die Grundgedanken, Konsequenzen und Effekte bei einem in die Mitte ziehenden Außenverteidiger im Aufbauspiel jenen sehr ähnlich sind, die es bei einem Mittelstürmer Typus Messi gibt.

Bei der tiefen spielmachenden Neun können die Innenverteidiger nicht nach vorne rücken oder nur ein paar Meter, da sie durch die aktuell vorherrschende Taktiklehre auf ihre Position und einen gewissen Raum gebunden sind. Es gab bereits Partien, wo Messi sich auf Höhe Iniesta fallen ließ, bis dorthin verfolgt wurde, und dann einfach noch weiter zurückfiel, bis vor das gegnerische Mittelfeld. Spätestens dann verlor er seinen Manndecker und es entstand eine Überzahl.

Bei den Außenverteidigern verhält es sich ähnlich. In den meisten Systemen verfolgen die Außenspieler ihren jeweiligen Gegenüber mannorientiert. Der Außenverteidiger verfolgt den gegnerischen Flügelstürmer, der Flügelstürmer verfolgt den gegnerischen Außenverteidiger. Wenn der gegnerische Außenspieler in die Mitte rückt, übergibt man ihn entweder an einen Mitspieler oder – deutlich öfter – in den Raum.

Gegen City, Minute 13. Die Bayern verschoben zuvor sehr ballorientiert, Rafinha hatte den Ball und spielte einen langen Seitenwechsel auf Dante. Schon dort war Alaba eingerückt und Ribéry blieb breit. In dieser Szene behalten sie dies bei, Navas presst Dante, doch Alaba bietet sich gut an und erhält den Ball. Er verlagert dann wieder auf Robben - City darf herumsprinten.

Gegen City, Minute 13.
Die Bayern verschoben zuvor sehr ballorientiert, Rafinha hatte den Ball und spielte einen langen Seitenwechsel auf Dante. Schon dort war Alaba eingerückt und Ribéry blieb breit. In dieser Szene behalten sie dies bei, Navas presst Dante, doch Alaba bietet sich gut an und erhält den Ball. Er verlagert dann wieder auf Robben – City darf hinterherlaufen.

Die Dortmunder haben zum Beispiel die Läufe der Münchener Außenstürmer Robben und Ribéry nach hinten geleitet und/oder durch die eigene Kompaktheit isoliert. Bei einem ohne Ball in die Mitte pendelnden Außenverteidiger ist dies wesentlich schwieriger. Von ihm geht keine unmittelbare Gefahr aus, außerdem kann er sich ohne Ball deutlich einfacher und präziser freilaufen. Selbst wenn der Außenverteidiger mannorientiert verfolgt wird, kann er sich anspielbar machen. Dabei lässt er den Ball einfach zu den zentralen Mittelfeldspielern in die Deckungsschatten der gegnerischen Stürmer prallen, welche mit dieser Spielweise umspielt werden sollen.

Und auch wenn der Außenverteidiger gut manngedeckt wird und nicht freisteht, gibt es dennoch einen positiven Effekt: Der Flügelstürmer kann direkt angespielt wird, es wird viel Raum überwunden und die gegnerische Formation ist offen. Da der Flügelstürmer, bei den Bayern Ribéry und Robben/Shaqiri, bei einem im Halbraum stehenden Außenverteidiger meistens sehr breit und hoch steht, ist er entweder anspielbar oder er öffnet Räume in der Viererkette der gegnerischen Abwehr. Eine win-win-Situation.

Schöne Szene. Alabas enge und zurückhaltende Positionierung sorgt für Verwirren bei Bittencourt und öffnet Räume für Kroos auf der Acht. Bei klassischen Außenverteidigern, dem Dogma des Breitegebens und auch einem 4-2-3-1 sind solche Szenen fast unmöglich.

Schöne Szene: Alabas enge und zurückhaltende Positionierung sorgt für Verwirren bei Bittencourt und öffnet Räume für Kroos auf der Acht. Bei klassischen Außenverteidigern, dem Dogma des Breitegebens und auch einem 4-2-3-1 sind solche Szenen fast unmöglich.

Wie genau funktioniert dieses Freilaufen aber?

Wichtig ist natürlich, dass der Zeitpunkt und die Situation richtig erkannt wird. Der Trainer kann nicht das Spiel anhalten und ihnen mitteilen, sie sollen doch jetzt bitte einrücken, aber er kann ihnen vor dem Spiel Richtlinien geben. Fakt ist nämlich, dass ein dauerndes Einrücken nicht möglich ist. Dann könnte der Gegner mit einem 4-2-2-2 agieren, in welchem er ein Quadrat in der Mitte und zwei breite Stürmer im Pressing hätte. Die Überlegenheit in der Mitte wäre nicht mehr vorhanden, die Breite im Aufbauspiel wäre ebenfalls zerstört.

Die Spieler müssen erkennen, wann sie wie einrücken können. Ein Beispiel: Wenn der Gegner presst, die Seiten zustellt, aber noch keinen Zugriff auf die Innenverteidiger oder gar die Sechser hat, kann man einrücken und sich in den Schnittstellen anbieten, je nach Situation vor oder hinter dem gegnerischen Mittelfeld.

Das Dogma der „Breite im Spiel“ wird somit situativ aufgelöst und dürfte das Bahnbrechendste an dieser Veränderung sein. Breite im Spiel gilt eigentlich als ein Muss; wie soll man sich sonst Raum schaffen? Heutzutage sind die Fußballer aber technisch und taktisch so gut, dass die Breite nicht immer bzw. immer seltener benötigt wird. Langfristig könnte gar der Trend dahingehen, dass nicht situativ die Breite aufgegeben wird, sondern nur noch situativ hergestellt wird.

Bei Guardiola wird dieses situative „Enge geben“ bereits praktiziert, es gibt zwei große Varianten.

Die erste ist das Hereinkippen hinter das gegnerische Mittelfeld, was gemacht wird, wenn Lahm abkippt und die beiden Achter in der Mitte verbleiben. Die beiden Achter werden vom Gegner zugestellt und sind kaum anspielbar. Dann bewegen sie sich nach hinten und kommen tiefer. Entweder sie werden nun frei oder sie öffnen den Zwischenlinienraum, in welchen sich die Außenverteidiger freilaufen können. Sie stehen dann im Zwischenlinienraum und bieten sich für Schnittstellenpässe an. Kommt ein solcher Pass, muss das gegnerische Mittelfeld rückwärtspressen und die Außenverteidiger spielen zu den Achtern zurück.

Emre Can verfolgt Rafinha mannorientiert, aber Schweinsteiger erkennt dies und geht auf den Flügel, Shaqiri zog in die Mitte. Can bleibt stehen, Rafinha geht weiter und spielt auf Lahm, der dann dank Alabas aufrücken auf Ribéry verlagern kann. Donati muss herausrücken.

Emre Can verfolgt Rafinha mannorientiert, aber Schweinsteiger erkennt dies und geht auf den Flügel. Shaqiri zieht in die Mitte. Can bleibt stehen, Rafinha geht weiter und spielt auf Lahm, der dann dank Alabas aufrücken auf Ribéry verlagern kann. Donati muss herausrücken und öffnet eine Lücke.

Gegen sehr tiefstehende Gegner ist dies ebenfalls eine Variante, um die Mitte flexibel zu besetzen und in die Zwischenlinienräume zu kommen.

Hier öffnet Alaba Ribéry ein weiteres Mal, dieses Mal für Dante. Alaba sprintet nach vorne, Spahic muss extrem viel Raum covern, wenn Donati herausrückt. Mit drei Pässen findet sich  Bayern bzw. Alaba plötzlich in Strafraumnähe wieder.

Hier öffnet Alaba Ribéry ein weiteres Mal, dieses Mal für Dante. Alaba sprintet nach vorne, Spahic muss extrem viel Raum covern, wenn Donati herausrückt. Mit drei Pässen findet sich Bayern bzw. Alaba plötzlich in Strafraumnähe wieder.

Eine andere Möglichkeit ist das Hereinkippen vor das gegnerische Mittelfeld. Wenn die Innenverteidiger isoliert werden oder auch die Dreierkette (inklusive des abgekippten Sechsers also), können die Achter nach vorne statt nach hinten rücken und die gegnerische Mittelfeldreihe zurückschieben. Die Außenverteidiger haben dann genug Raum, um in der Mitte den Ball anzunehmen und sich Anspieloptionen zu suchen und darauf zu warten, dass sie attackiert werden. Wenn dies geschieht, werden die Achter im offensiven Mittelfeld frei. Alternativ können sie auch einfach einen indirekten Seitenwechsel vollführen.

Gegen City rückte Alaba auch in hoher Position in die Mitte: hier zieht er Navas mit, Richards wagt sich nicht an Navas, seinem nominellen Vordermann, vorbei und City steht in einer fehlerhaften Fünferkette da. Ribéry und Robben können kombinieren, diese Szene stammt aus der Drangphase der Münchner - und sie war eine Ursache derselben.

Gegen City rückte Alaba auch in hoher Position in die Mitte: hier zieht er Navas mit, Richards wagt sich nicht an Navas, seinem nominellen Vordermann, vorbei und City steht in einer fehlerhaften Fünferkette da. Ribéry und Robben können kombinieren, diese Szene stammt aus der Drangphase der Münchner – und sie war eine Ursache derselben.

Vor- und Nachteile?

Nun, die Vorteile wurden bereits angeschnitten. Es gibt eine größere Flexibilität und mehr Anspieloptionen im Aufbauspiel, teilweise können bei stark manndeckenden Gegnern – wie es Leverkusen teilweise gespielt hat – die Flügelstürmer dadurch freigespielt und sehr einfach viel Raumgewinn verbucht werden. Im Idealfall wird die Mitte überladen und es kann mit ein oder zwei Pässe eine Ebene in der Ballzirkulation gewonnen werden, ohne direkt mit den Spielern eine Ebene nachrücken zu müssen.

Auch das „Vorderlaufen“ kann einfacher praktiziert werden. Bei den Bayern wurde dies schon in der Vorsaison ein paar Mal praktiziert. Alaba lief nicht hinter Ribéry in die Spitze, sondern vor ihm, während dieser auf den Flügel ging. Sie erhöhten dadurch die Flexibilität in der Offensive, waren schwerer zu decken, öffneten Räume in der gegnerischen Viererkette, die dann Alaba anlief und nahe am Sechzehner zu gefährlichen Flanken und teilweise sogar Abschlüsse kam.

Hier noch ein Paradebeispel für das Hereinkippen. Alaba löst sich von Farfan und geht in die Mitte. Geht Farfan mit, kann Dante Ribéry anspielen. Das geschieht nicht, Alaba spielt auf Schweinsteiger, der - wie auch Rafinha - extrem frei steht. Kroos macht das Mittelfeld tief, Pressing der Schalker somit mit zwei Läufen und zwei Pässen überwunden.

Hier noch ein Paradebeispel für das Hereinkippen. Alaba löst sich von Farfan und geht in die Mitte. Geht Farfan mit, kann Dante Ribéry anspielen. Das geschieht nicht, Alaba spielt auf Schweinsteiger, der – wie auch Rafinha – extrem frei steht. Kroos macht das Mittelfeld tief, Pressing der Schalker somit mit zwei Läufen und zwei Pässen überwunden.

Dieses Vorderlaufen kann nun noch einfacher und dynamischer gespielt werden. Alaba bleibt nach seinen Pässe oft weiter in der Mitte und kann dann situativ in die Spitze starten, weil Ribéry das Spiel extrem breit macht. Zudem überläuft Alaba ihn nicht im Sprint, sondern wartet in der Mitte auf den richtigen Moment, bis er die Unterstützung durch die Achter und den Mittelstürmer hat. Seine Entscheidungsfindung ist einfacher und vielfältiger; zuvor musste er aus einer breiten Position diagonal zum Sechzehner starten, jetzt kann er den gleichen Laufweg z.B. auch spiegelverkehrt machen oder die gleichen Effekte mit einem vertikalen Lauf erzielen.

Was Vorteile hat, muss aber auch Nachteile haben – doch diese halten sich in Grenzen. Der größte Nachteil ist natürlich die Komplexität der Umsetzung und die benötigten Spieler dafür. Laufen sich die Spieler zu spät oder zu früh frei, können sie nicht angespielt werden. Bewegen sich die Achter oder Sechser falsch, stimmt die Absicherung und die räumliche Aufteilung nicht. Können die Innenverteidiger oder die Sechser keinen präzisen Pass (unter Bedrängnis) spielen, läuft ein gefährlicher Konter mit offenen Flügeln bzw. breiten Schnittstellen.

Hierbei muss man auch die Intelligenz der bayrischen Achter, die Aufopferungsbereitschaft der Flügelstürmer und natürlich die herausragende Präzision im Positionsspiel von Alaba, Rafinha und Lahm loben. Auch Dante und ganz besonders Boateng, der bei dieser Spielweise oft breit auffächert, gefährliche Situationen für die hineingekippten Außenverteidiger antizipiert und sich dann teilweise gar mit Vertikalläufen am Flügel anbietet.

Exemplarische Szene: Gegner presst im 4-3-3 mit einem AS-IV-Pärchen. Er möchte damit den Außenverteidiger im Deckungsschatten haben und maximalen Druck erzeugen. Der hereinkippende Außenverteidiger schiebt in die Mitte und stellt Überzahl her, der LZM öffnet ihm den Raum. Interessanter Aspekt: Unter Pep sind es die Bayern, die auf diese Art und Weise oft pressen. Ob Pep gegen sich selbst Schach spielt?

Exemplarische Szene: Gegner presst im 4-3-3 mit einem AS-IV-Pärchen. Er möchte damit den Außenverteidiger im Deckungsschatten haben und maximalen Druck erzeugen. Der hereinkippende Außenverteidiger schiebt in die Mitte und stellt Überzahl her, der LZM öffnet ihm den Raum. Interessanter Aspekt: Unter Pep sind es die Bayern, die auf diese Art und Weise oft pressen. Ob Pep gegen sich selbst Schach spielt?

Die größten Probleme entstehen dennoch im defensiven Umschaltmoment nach Ballverlusten, hier wären weite Räume offen und viele Spieler stehen auf für sie möglicherweise unpassenden Positionen. Durch die hohe Kompaktheit in der Mitte kann allerdings sofort ein Gegenpressing praktiziert werden. Je höher der Ballverlust stattfindet, umso effektiver ist diese Spielweise und umso besser abgesichert ist sie. Zwecks Absicherung wird diese Spielweise aber auch etwas asymmetrisch angelegt, Alaba kippt höher hinein, Rafinha etwas tiefer.

Fazit

Obgleich sich dieser Artikel auf die Bayern konzentrierte, ist diese Spielweise nicht exklusiv auf sie beschränkt und der Beitrag soll die theoretischen Aspekte erläutern. Die Bayern dienen eher zur präzisen Beschreibung, die unsere Leser auch im Kopf haben; und ein anderes Beispiel mit Erinnerungsfaktor gibt es leider nicht. Einen durchaus lesenswerten Artikel auf Englisch zu diesem Thema gibt’s auch, hier geht es gar fast nur um Alaba.

Alles in allem ist diese Nutzung der Außenverteidiger hochinteressant und wohl bislang in der Fußballgeschichte nicht (auf diese Art und Weise) vorgekommen. Sie zeigt auch den Trend, verstärkt Engen im Kombinationsspiel zu schaffen und diese zu bespielen. Dadurch werden anderswo Räume erzeugt, während man sich in den engen Situationen auf die technische Stärke der eigenen Spieler verlässt. In einer Zeit, in welcher selbst der Außenverteidigerersatz und ein 21jähriger Österreicher Nadelspielerfähigkeiten und herausragende taktische Intelligenz mitbringen, kann man das schon machen.

Viel interessanter ist aber, wie das Dogma des durchgehenden Breitegebens ansatzweise aufgelöst wird und dies Vorteile mit sich bringt, um die spielstrategisch wichtigste Zone (die Mitte) nun nicht durch Spieler aus den Enden der Vertikale weiter zu stärken (aufrückende Innenverteidiger oder zurückfallende Mittelstürmer sowie viele Mittelfeldspieler), sondern das Einzugsgebiet auf die Horizontale und defensive Diagonale zu erweitern.

Zusätzlich können bestimmte Aspekte in orthodoxen taktischen Systemen sehr effektiv bespielt werden und zeigen, dass oftmals weder „alte“ (Manndeckung z.B.) noch „neue“ (Raumdeckung und Kompaktheit z.B.) Lösungen allgemeingültige Hilfsmittel gegen neue Spielweisen und Bewegungen darstellen. Wie lange die Fußballwelt wohl noch aus eckigen Formationen besteht?

wombat 15. Oktober 2014 um 08:22

nur ein kleiner tipp für den ersten absatz: es heißt meines wissens „trial and error“

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Joseph Brant 9. Dezember 2013 um 09:57

Der Begriff „falscher“ Außenverteidiger ist m.E sehr irritierend. Er impliziert dass das eine Erfindung von Guardiola sei was es aber definitiv nicht ist. Diesen Spielertyp gab es schon immer, schon vor Kaltz oder der Era Lobanowsky. Was sich geändert hat ist das Anforderungsprofil dieses Spielertyps. Den klassischen „eindimensionalen“ Außenstürmer a la Libuda oder Abramczik gibt es nicht mehr. Vielseitigeren Typen a la Götze oder Robben dominieren heute. Dass das gerade bei Bayern München die sich wie keine zweite Mmannschaft in Deutschland über den Ballbesitz definiert besonders auffällt dürfte wohl auch niemanden verwundern.

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RM 9. Dezember 2013 um 12:08

Wir haben diese Frage bereits ausführlich diskutiert. Welcher historische Außenverteidiger rückte konstant im Aufbauspiel ohne Ball im Fuß auf die Sechserposition und ließ dabei situativ den Flügel in diesem Band verwaisen? Ich suche noch immer nach Namen, weil ich dann einen kleinen Artikel darüber machen könnte.

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Theodor 16. Oktober 2013 um 19:20

Kleine Frage noch zu den AVs bei den Bayern:

Wie sehr ihr die Backup-Situation links eigentlich?
Rechts ist man ja mit Lahm u. Rafinha sehr gut aufgestellt.
Doch was, wenn Alaba ausfällt?
Ist es D.Contento zuzutrauen, diese Position (gegen stärkere Gegner) auszufüllen?
Oder gäbe es allfällige (realistische) Alternativen?

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geco87 16. Oktober 2013 um 21:11

Erstmal halte ich Contento für einen sehr soliden Spieler, der Alaba auch gegen starke Gegner nicht 1:1, aber passabel ersetzen dürfte. Ansonsten wäre Shaqiri denkbar, der aber im Defensivverhalten ein kleines Risiko darstellen könnte. Pep hat ihn aber im Zusammenhang mit linkem AV aber mal genannt. Wenn alle stricke reißen, wären auch Lahm und Dante denkbar, deren Laufwege aber wohl weniger vertikal wären als Alabas.

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datschge 17. Oktober 2013 um 19:58

Gute zum Artikel passenden Frage.

MMn ist das System nicht revolutionär, sondern eine evolutionäre Konsequenz von Lahms individueller Spielweise, von der Alaba viel gelernt hat. Unter Heynckes hatte der Gedanke an Absicherung Priorität, der systematischen Umsetzung stand die im Artikel beschriebene Kontergefahr durch die offenen Flügel und rießigen Schnittstellen im Weg. Guardiola als Verfechter der Totalen Offensive lässt sich von solchen defensiven Nachteilen nicht beirren und versucht diese situativ abzusichern. Das sah lang genug vielen Beobachtern riskant genug aus, dass sich diese gleich Heynckes System zurückwünschten.

Zurück zur Frage: Stabilisiert hat sich das jetzt mit der Achse Alaba, Lahm und Rafinha. In meinen Augen ist hierbei besonders Lahms Einsatz im Zentrum entscheidend. Alaba, Lahm und Rafinha sind untereinander von Spielertypus die ähnlichsten Spieler im Kader, und während Alaba eine starke offensive und Rafinha eine starke defensive Antizipation hat, vereint Lahm beides und kann somit auch aus dem Zentrum heraus auf Außen entstehende defensive Lücken antizipieren und absichern („Zentraler AV“?). Den potenziellen Ersatzspielern auch für die Mitte traue ich dies nicht zu (Kirchhoffs Einwechslung dahin gegen Man City z.B. ist ja krachend gescheitert). Guardiolas Aufgabe ist es jetzt, dieses System soweit zu normalisieren, dass es nicht mehr so stark von den genannten Einzelspielern abhängig ist.

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Achter 15. Oktober 2013 um 12:26

Offtopic: Da im Supermarkt langsam schon wieder Weihnachtszeugs auftaucht: Der Weihnachtskalender letztes Jahr war super, den will ich wieder 🙂 Kalender! Kalender!
Bitte nicht zu fordernd verstehen, aber ihr setzt euch die Standards selbst zu hoch 😉

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André 15. Oktober 2013 um 09:22

Ich muss HW beipflichten, dass ihr momentan dazu neigt das Spiel zu sehr zu verkomplizieren. Auch ich denke, dass Guardiola einfach wieder nach einer Möglichkeit gesucht hat ein 3-4-3 zu schaffen. Seine spezielle Gabe ist, dass er dies immer ans Spielermaterial anpassen kann. Bei Barca schob Alves auf die Stürmerposition vor, Messi spielte den offensiven 10er und ein AS besetzte dann die Spitze. Und dies geschah natürlich nicht immer so statisch, sondern wurde durch abgestimmte Wechsel unter den Spielern dynamisiert. Guardiolas Mannschaften spielen dann nach Ballverlust Pressing in der 3-4-3 Ordnung und wenn es dem Gegner gelingt sich zu befreien dann spielt man eine 4-3-3 Grundordnung, da es so besser gelingt die Breite in der Defensive zu verteidigen. So einfach ist Fußball und alle anderen Wechselwirkungen passieren individuell und sind abhängig von der Qualität jedes einzelnen Spielers. Ach ja, bei Bayern spielt Lahm quasi den offensiven Libero, Dante und Boateng spielen so breit wie früher die Manndecker, Schweinsteiger kippt meist auf die 6, die Außenverteidiger kontrollieren das Spiel (so wie früher bei Ajax Seedorf und Davids) und sorgen für die richtige Balance und Kroos rückt auf die 10. Alle anderen Positionswechsel sind auf diese Ausrichtung abgestimmt – Ribéry, Robben, Mandzukic besetzen die Offensivpositionen, können aber auch Positionswechsel mit den Mittelfeldspielern abstimmen.

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HW 14. Oktober 2013 um 20:49

Bin leider nicht früher dazu gekommen den Link rauszusuchen. Musste bei falschen Außenverteidigern aber gleich an die auf der Außenbahn verteidigenden zentralen Mittelfeldspieler von Ajax denken.
http://timhi.wordpress.com/2010/09/14/ajax-1995/

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Koom 13. Oktober 2013 um 22:31

Etwas noch zum Gedankenspiel mit den Aussenverteidigern, die zu DMs werden:

Ich halte Franz Beckenbauer für unterschätzt. Ich denke, er versteht wesentlich mehr vom Fußball, auch inhaltlich, als man landläufig (matthäusesk) meinen würde. Mir fällt da nämlich zu diesen AVs nämlich einer seiner Lieblingssätze ein:

„In der Mitte steht das Tor“

Passt dazu in jeder Hinsicht gut. Offensiv wie defensiv. Was helfen mir Aussenverteidiger in der Defensive? Nicht jeder Angriff kommt über Außen, aber jeder Angriff landet am Ende in der Mitte.

Ist nicht tiefgründig, aber eben irgendwo schon sehr wahr.

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Maturin 14. Oktober 2013 um 15:13

Ich habe leider nicht sehr viel Bayern gesehen diese Saison, und glaube euch daher zu 100% wenn ihr sagt, dass es eine neue Spielweise ist, hätte aber gerne gewusst, wo die konkreten Unterschiede zu z.B. Bielsas Chile von 2010 liegen?

Bielsa hat bei Chile die Außenstürmer sehr breit spielen lassen und die Außenverteidiger haben ständig diagonal Vorderlaufen. Ich vermute der unterschied liegt in der tieferen und ehr horizontal unterstützenden Bewegung?

Generell finde ich das Konzept auch hin Hinblick auf die Möglichkeiten die es für das Team als ganzes schafft sehr interessant:

1. Breitere Aussenstürmer können variabler agieren (Kombinativ im Zentrum, Flankenlauf, Raumöffnend) und es wird für die Viererkette schwerer dagegen zu agieren, da die Breite viel intelligenter gewählt werden muss.

2. Es wird leichter eine hohe Pressingintensität über das ganze Spiel zu halten. Die Wege der AV sind kürzer und mit weniger Sprints zu erledigen.

3. In der offensiven Formation hat man entweder direkten Zugriff im Zentrum oder leitet den Gegner auf den Flügel wo man ihn isolieren kann. Selbst beim schnellsten Gegenzug ist der AV nicht auf höhe der gegnerischen Eckfahne isoliert.

Ich denke das man die defensiven Schwachpunkte sehr gut verkraften kann, da es für den Gegner deutlich schwieriger ist einen Konter über den Flügel zum Tor zu bringen, als mit einer schnellen Kombination durchs Zentrum.

Den Satz, dass Pep mit sich selbst Schach spielt kann ich so nur unterschreiben, das macht ihn denke ich als Trainer aus und so stark im reagieren während des Spiels. Er überlegt wie der Gegner auf seine Taktik reagiert und hat schon seine nächste Reaktion parat.

Im übrigen würde ich mich über einen „Blick über den Tellerrand“ zu Newell’s Old Boys freuen. Da ist der Bielsa einfluss stark zu erkennen und das Pressing ist wahnsinn im Vergleich zum Rest der argentinischen Liga!

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MikeBerg 11. Oktober 2013 um 23:45

Nicht böse sein, aber diese Tendenz, immer diese „Innovationen sind selten im Fußball, doch sie gibt es“ anzubringen, um dann ein „neues, eigenes“ Wissen öffentlich zu glorifizieren, nervt schon gewaltig.

Das, was hier als „seit Neuestem mit ‚falschen Außenverteidigern'“ gepriesen wird, hat schon Uruguay in ihren glorreichen Jahren zwischen 1924 und 1930 gespielt, in Persona Andrade und Gestido. Auch Djalma Santos und Nílton Santos interpretierten ihre Aussenpositionen „modern“ und zogen häufig in die Mitte, um die Aussenstürmer frei zu spielen bzw. ihnen als Anspielstation zu dienen.

Und wenn Euch das zu sehr Old School ist, dann verweise ich auf Spieler wie Ruud Krol und Paul Breitner, die besser als jeder heutige Spieler die Position der intelligenten, flexiblen, mannschaftsdienlichen wie individuellen Aussenverteidiger gespielt haben, und gegen die wirklich keine Mann- oder Raumdeckung geholfen haben.

Bei allem Respekt: Was die Niederländer mannschaftstaktisch in 1974 gespielt haben (hier sei verwiesen auf die Dreieckbildungen Krol – Neeskens – Van Hanegen und Suurbier – Neeskens – Jansen, die je nach Spielbewegung mit Hilfe der Aussenstürmer Rensenbrink und Rep sowie – dem besten Instinktfussballer aller Zeiten – Cruyff in asymmetrische Kreise und Ellipsen übergingen), dagegen spielt Bayern bzw. Alaba und Rafinha reinsten Schulfussball.

PS: Ich bin Bayern-Fan.

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RM 12. Oktober 2013 um 00:14

Das, was hier als “seit Neuestem mit ‘falschen Außenverteidigern’” gepriesen wird, hat schon Uruguay in ihren glorreichen Jahren zwischen 1924 und 1930 gespielt, in Persona Andrade und Gestido. Auch Djalma Santos und Nílton Santos interpretierten ihre Aussenpositionen “modern” und zogen häufig in die Mitte, um die Aussenstürmer frei zu spielen bzw. ihnen als Anspielstation zu dienen.
Uruguay agierte im 2-3-5, das ist von den Bewegungsmechanismen etwas ganz anderes. Breitner sehe ich diesbezüglich auch skeptisch, der ging eher improvisiert mit Ball am Fuß und bewegte sich sehr frei in seinem Bewegungsspiel, kam über die Antizipation. Das als geplante Variante im Aufbauspiel zu sehen und auch als inverse Läufe ohne Ball, um sich anspielbereit zu machen, würde ich nicht unterschreiben. Krol ähnlich, wobei ich das eher so sehe wie bei Breitner oben und eine generelle Fluidität bei denen ausmachen würde, die sich aber nicht so geplant auf den oberen Aspekt und die Auflösung der Breite bezog. Außerdem praktizierten die das in den 70ern ja nicht in die Engen bewusst hinein, sondern in offene Formationen weniger kompakter Gegner, also eine andere Motivation und taktische Wechselwirkungen. Aber ja, die Niederländer 1974 waren schon extrem toll, guter Punkt, das könnte man vielleicht als Grundidee dieser Spielweise sehen. Muss ich mir nochmal genauer ansehen und vergleichen. 🙂

Ach ja, wo ist denn die Spielweise von Guardiolas Team mein „eigenes, neues Wissen“?

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Tank 12. Oktober 2013 um 00:38

Das sehe ich ähnlich wie RM.

Zu Holland ’74 kann ich das nicht abschließend bewerten, aber ich guck mich grade so durch alle Spiele der Ajax-Mannschaft der frühen 70er, die so zu finden sind. Und da spielen die Außenverteidiger, meistens sind es Krol und Suurbier, keinesfalls im hier diskutierten Sinne „falsch“. Klar gehen die im Aufbauspiel auch mal in die Halbräume, aber das läuft alles nicht so kontrolliert und strukturiert ab, wie das aktuell bei den Bayern zu sehen ist. Und das sage ich, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, als massiver Fan der total football-Tradition.

Das ist halt so eine Krux der taktischen Bewertung im historischen Rahmen. Klar haben schon mal Außenverteidiger so gestanden, wie jetzt Alaba und Rafinha. In den letzten 100 Jahren wurde so viel Fußball gespielt, dass so ziemlich jede denkbare Kombination auf dem Feld schon mal zu sehen war. Aber manches wurde erst neuerdings wirklich als bewusstes Mittel geplant eingesetzt.

Gegenpressing ist für mich das schönste Beispiel. Schon immer gab es Spieler, die einem verlorenen Ball aggressiv nachgegangen sind. Und schon immer haben Mitspieler versucht dabei zu helfen. Aber das wirklich als bewusstes Mittel durchzuziehen, das war bis vor kurzem eher ungewöhnlich. Erst in der Gegenwart wurde Gegenpressing flächendeckend zum stilprägenden Mittel.

Für den geneigten Analysten ergeben sich da schnell Unschärfen. Ab wann kann man von echten Innovationen sprechen? Grade bei älterem Material wird das schwierig. Unscharfe und teils verwackelte schwarz-weiß Bilder, kaum komplette Spielvideos und – vielleicht am schlimmsten! – der früher oft sehr kleine Bildausschnitt erschweren die Analyse ungemein.

Ich wäre deshalb sehr vorsichtig mit so Aussagen wie: das „hat schon Uruguay in ihren glorreichen Jahren zwischen 1924 und 1930 gespielt“.

Mein Kommentar ist nicht bös gemeint. Ich hoffe du, als jemand der sich offensichtlich auch für die historische Entwicklung des Fußballs und seiner Taktik interessiert, kannst sie nachvollziehen.

Antworten

RM 12. Oktober 2013 um 00:43

Apropos, Tank, gingen die eigentlich „quer“ in die Halbräume? Die praktizierten das doch sehr situativ und insbesondere diagonal in offene Räume, im letzten Drittel auch rein spielzugsbezogen, oder? Krol halt etwas öfter ohne Ball, Suurbier (und Breitner besonders) mit Ball am Fuß, also eher Diagonalläufe à la Alaba und Lahm im Vorjahr. Und bei den Niederländern war es ja auch im Rahmen dieser Positionswechsel, also nicht positionsverwaisend, mal vom Motiv und Konsequenzen (freie Räume anvisieren und Breite auflösen vs. variable Breitengeber und Rollentausch).

Zu Nilton und Djalma frage ich mal TR, unseren Brasilienexperten.

Gegenpressing wiederum könnte ich gar verstehen, wenn man es als Erfindung der 70er bewertet. Dieses rein ballorientierte Gegenpressing gab es mWn unter Happel, Zebec und Michels bereits. Flächendeckend natürlich nicht, das gibt’s erst jetzt (… in ein paar Ligen bzw. in Deutschland).

Nachtrag; TR antwortete mit Folgendem – „Nilton und Djalma standen paar mal eng, aber nicht so wie Alaba und Lahm, eher gar tief. Der ultra-offensive Nilton ist eh weitgehender Mythos. Djalma bewgte sich situativ in Halbräume, Aufbau lief häufig über längere Zuspiele aus letzter Linie oder Zagallo-Pelé-Didi-Dreieck.

Es gab und gibt sicher von der Grundposition breitere Außenverteidiger, als die beiden, aber sie gingen dann auch meistens eher nur veritkal nach vorne und fanden sich eben tendenziell im Halbraum. Das war aber nur situativ und wechselhaft, nicht konstant. Sie rückten ein bisschen auf, um eine zusätzliche Passoption zu sein, aber die gesamte Situation war damals noch von den Abläufen anders, generell im Fußball und bei den Gegnern.

Manchmal wichen sie natürlich auch etwas seitlich auf, das konnte alles vorkommen. Die waren ziemlich intelligent und eher eng für ihre Positionen damals, gingen situativ in die Halbräume, hielten sich aber gerne an der Kette. Und so offensiv wie immer beschrieben, waren sie nicht.

So wie ich es sehe, gingen diese also – wie vermutet – für die Sechser in sehr große offene Räume gegnerischer 4-2-4-Formationen (o.ä.) und boten einfach eine „normale“ Anspielstation, außerdem eben vor der Dogmatisierung der Breite, die ja in der Zeit der Raumverknappung entstand. Kann man das so konstatieren? Tank?

(Schreit nach eigenem Artikel. Wer könnte noch in Frage kommen für diese Rolle? Facchetti?)

Antworten

Tank 12. Oktober 2013 um 01:09

Ohne jetzt andauernd drauf geachtet zu haben und eingerechnet die Analyse-Schwierigkeiten, die ich ja grad genannt habe: Habe ich auch so in Erinnerung. Krol und Suurbier waren in ihrem Offensivspiel, wie du weißt, ja eh sehr variabel. Hinterlaufen, Vorderlaufen, Passstation im Halbraum-Rückraum, diagonal in die Mitte, diagonal zum Fernschuss ansetzen (hier primär Krol) – sie waren die typisch variablen Außenverteidiger einer krass variablen Mannschaft.

Inwiefern ihr Platz als Breitengeber immer von jemand anders übernommen wurde ist grade bei den Diagonalläufen nur schwer zu rekonstruieren. Da verschwindet ihre Ausgangsposition nämlich sehr schnell aus dem Fokus der Kamera. Manchmal kann man später erschließen, ob ihre Position übernommen wurde, oft muss die Frage aber auch offen bleiben. Da haben wir dieses doofe Problem des kleinen Bildausschnitts… Nach allem was man so hört, tippe ich aber drauf.

Aber was TR zu Brasilien sagt, gilt teilweise auch für Ajax. Auch deren Spielaufbau wurde keinesfalls durchgehend über kurze Pässe vom ersten, über das zweite ins dritte Spielfelddrittel geführt. Da wurde auch ordentlich viel mit langen Bällen oder, noch abartiger, mit one-touch-Kombinationen aus mehreren (mittel)langen Bällen gearbeitet. Super risikoreich das Ganze. Aber wenn man dem Rest der Welt in Sachen Pressing und Gegenpressing mal mindestens 30 Jahre voraus ist, kann man sowas halt bringen. Ballverluste bügelt man da halt schnell wieder aus.

Wenn ich jedem Fußballtaktikinteressiertem übrigens ein hochinteressantes Ajax-Spiel empfehlen darf, dann das Weltpokal-Spiel gegen Independiente 1972. Taktisch was ganz interessantes. Leider nicht vollständig zu finden, aber ausreichend, um sich ein Bild zu machen.

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RM 12. Oktober 2013 um 01:22

Link zum Spiel.

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Tank 12. Oktober 2013 um 01:34

Nur eins noch: Den „Pythagoras in boots“ „Instinktfußballer“ nennen, geht aber gar nicht! 😛

Nur weil der Mann über eine Menge Fußballinstinkt verfügt, ist er doch noch kein Instinktfußballer…

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AP 11. Oktober 2013 um 20:34

Ist es nicht Peps Idee gewesen, wie verhindere ich Konter? Diese werden wie er sagte, in der Buli schneller gespielt. Zieht die AV in den 6er Bereich und stellt fest, dass es auch grosse Vorteile hat bei Ballbesitz. Mag ihn mal einer fragen, was seine Intuition war… Hab das bei ihm bereits in der Vorbereitung mir abgeschaut.

Hab das aber nur gg den Ball bei meiner Mannschaft spielen lassen, funktioniert. Die Dominanz in der Mitte macht uns zu defensivstärksten Mannschaft. Mit Ball muss die Breite durch die AV im Amateurbereich aber immer sein… Nur mal so

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wombat 11. Oktober 2013 um 17:15

zum „kippen“
unter kippen verstehe ich eine bewegung, bei dem sich die höhe von etwas ändert.
(dominostein o.ä..)
abkippender 6er finde ich noch gut, weil der spieler ja nach der kippbewegung eine linie weiter hinten zu finden ist.
wenn jemand nach innen kippte, wäre er weiter hinten zu finden, im falle des av auf torwarthöhe. da finde ich einrücken besser, weil er auf einer höhe verschiebt.
was ich meine:
nach hinten: kippen(seitlich oder vertikal)
zur seite: einrücken oder verschieben (nach außen)
nach vorn:?

das kommt meinem sprachverständnis am nächsten.

ansonsten: prima beitrag, prima kommentare.

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RM 11. Oktober 2013 um 20:03

Naja, die Höhe verändert sich ja auch beim Herauskippen (Sechser) oder beim Hereinkippen (AV); nur nicht horizontal, sondern vertikal, auch hier verändert er seine Zuordnung zu einer bestimmten Linie. Einrücken und Verschieben sind ja – beim DFB – schon als Grundbewegungen ohne Ball bei gegn. Ballbesitz definiert.

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wombat 11. Oktober 2013 um 22:02

longum est.
ich hab nur vom sprachverständnis geschrieben, hab aber keine ahnung von der dfb-nomenklatur, was nötig wäre.

anerkannt ist: weiter vorn: hoch
weiter hinten: tief
eine kippbewegung verbinde ich mit (um) kippen, also einem tieferen schwerpunkt nach der bewegung.
daher meine assoziatiation zu tief, weiter hinten.

was ich meine : da wird ein begriff, nämlich der des kippens, mit verschiedenen bewegungsrichtungen überfrachtet, was ihn unpräzise macht.

sehe ich als laie das richtig?

bei ballbesitz:
abkippen gilt
1) 1) zm zwischen die iv
1)2) zm neben die iv
2) av richtung zm
(wie würde man einen av (oder iv) nennen, der, während der torwart einen ausflug macht, das tor sichert? (natürlich nur, wenn es ein stilmittel, also einstudiert wäre)

ohne ballbesitz:
verschieben usw. : hast du mir bereits erklärt. danke.

mir geht es um die bewegungen bei ballbesitz:
da sollte man anhand des gewählten wortes genau wissen, ob sich der jeweilige spieler rein horizontal oder horizontal-höher oder horizontal-tiefer oder vertikal-tiefer bewegt. richtung außen und innen mal außen (innen) vor.

ich weiß schon… zu verkopft und zu wenig ahnung vom fußball

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RM 11. Oktober 2013 um 22:25

Keine Ahnung vom Fußball? Haha, nein, ganz im Gegenteil. Ich finde die Denkweise ja lässig, verstehe deinen Punkt auch. Tut mir Leid, wenn meine Antwort irgendwie oberlehrerhaft war oder so.

Also ich würde das Kippen einfach als „Bewegung eines Spielers bei Ballbesitz seiner Mannschaft von einer Linie in die andere, ob horizontal oder vertikal“ beschreiben. Etwas kann ja in alle Richtungen umkippen, nach vorne oder zur Seite. In dem Fall fällt ja nichts um, also kippt es nur noch. Das Spiel kann auch kippen. Vielleicht sehen wir beide nur die Konnotation von Kippen anders? Tief sehe ich eigentlich auch unterschiedlich irgendwie. In die Tiefe spielen heißt ja auch nach vorne und vertikal zu spielen.

Hmm. Wenn ich mir die unterschiedlichen „Kippbewegungen“ ansehe, finde ich sie aber wieder einleuchtend.

„Ab“kippen habe ich als nach hinten abkippen. Der Mittelstürmer ins defensive Mittelfeld, der Sechser zwischen die Innenverteidiger, etc.
„Heraus“kippen wäre dann für mich die gleiche Kippbewegung, nur horizontal (nach innen nach außen, links oder rechts) statt vertikal (nach hinten), aber beides ist kippend. Die Kippen ja alle zwischen etwas anderes bzw. in einen Raum rein.
„Herein“kippen wäre dann eben beim Außenverteidiger zu finden, von außen nach innen, seitenunabhängig.

Frage – und der Grund, wieso ich deine Frage so schön und treffend finde -:Was ist das Kippen nach vorne? „Auf“…rücken. Aufkippen klingt für viele wohl blöd. Könnten wir aber etablieren, fände ich eigentlich lässig.
„Fabregas ist eine aufkippende Zehn.“
Passt irgendwie. Wobei ich eh meistens „Vorstoß“ nutze, glaube ich.

Darum kann ich deinen Punkt bzw. Ansatz verstehen, aber letztlich können wir uns auch nicht gegen die DFB-Definitionen wären, Einrücken bedeutet mWn das nach innen gehen von der ballfernen Seite; wohl sogar unabhängig vom Ballbesitz. Verschieben ist das generelle Verschieben zum Ball hin bzw. mit der Formation. Und das finde ich irgendwie auch vom Gefühl her sehr passend, wobei das vl. auch nur wegen der Gewöhnung an diese Nutzung ist. Hmm. 🙂

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wombat 12. Oktober 2013 um 15:43

@empfand ich nicht oberlehrerhaft. das danke war echt.

und tiefer meinte ich auf die verteidigungslinie bezogen, nicht auf die streckung des spielfeldes. auch zu überladen, nebenbei.

eine mannschaft kann sehr tief stehen, im extremfall alle 11 auf der torlinie.
und macht das spiel tief, wenn der sinnvoll offensivste an der gegnerischen grundlinie sich bewegt(abseits außen vor).

hab mal was von flann o#brien gelesen, wo er die eigenarten der irischen sprache schildert, da ging es um ein wort das xerlei bedeuten kann, u.a. vermittels einer luftpumpe aufgeblasene hasenköttel. das ist mir leider nur im gedächtnis geblieben.

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AP 11. Oktober 2013 um 22:34

Ist es mit kreuzen besser gedeutet?

Irgendwo entsteht bildlich gesehen ein Kreuz, wenn Alaba und Rafinha in der Vorwärtsbewegung erst nach Innen gehen und anschliessend wieder nach Außen.

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RM 11. Oktober 2013 um 23:25

Kreuzen bezeichnet doch ebenfalls einen Standardspielzug in der österr. und dt. Trainingslehre?

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AP 11. Oktober 2013 um 23:47

Ich kenne es auch nur von den beiden Stürmern, die kreuzen… Aber das ist alt oder? Hab das so bewusst seit Jahren nicht mehr gesehen. War doch ein mittel um lästige manndecker los zu werden.

JA 12. Oktober 2013 um 13:37

Das kreuzen bezeichnet einen Standardspielzug aus der Trainingslehre. Früher vielleicht eher für die „Verwirrung der Manndecker genutzt, allerdings heute genauso genutzt. Übergeben Übernehmen stellt ja gerade IV vor Probleme. (Beispiel: 10er führt den Ball im Zentrum, die Doppelspitze kreuzt. Einer vor den IV, der zweit hinter einem IV(wenn man von einer Tiefenstaffelung ausgeht). Genauso wird das kreuzen als mittel beim „einlaufen“ bei Flanken genutzt.

AP 12. Oktober 2013 um 15:21

Na-Ja. Das meine ich ja. Das dieses Kreuzen imA nicht mehr so häufig vorkommt, weil die IV einfach übergeben und kaum ein Team mit 2 Spitzen spielt. Das Kreuzen im 16er kostet zu viel Zeit.

Fabian 14. Oktober 2013 um 17:28

Auch wenn mein Kommentar wahrscheinlich in den Tiefen der Diskussion verlorengeht 😉

Ich bin froh, dass ich nicht der einzige bin, der bei diesem „Kippen“ ein blödes Gefühl hat, weil es gegen die (eingebildete) Gravitation auf dem Feld abläuft.

Bei einer Landkarte redet man ja auch (fälschlicherweise) von oben und unten. Man fährt „runter“ in den Süden und „hoch“ in den Norden. Das Fußballfeld als Landkarte der Taktik hat sein Unten daher auch beim eigenen Tor und das Oben bei dem des Gegners.

Und wie schon gesagt, „Hoch“kippen oder „Quer“kippen (was Hereinkippen ja irgendwie ist) kann man als erdgebundener Fußballlaie nicht so schön visualisieren. Wer sich aber in solchen taktikkundigen Höhen wie ihr aufhält, der ist wahrscheinlich an keinerlei Gravitation in der Visualisierung mehr gebunden, daher sei euch verziehen 🙂

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Pex 11. Oktober 2013 um 15:25

Ich denke, dass Dogma vom breiten Flügelspiel ist bereits mit Barcelona unter Pep aufgehoben worden, nicht erst mit Bayern. Stichwort: Tiki Taka, aber dazu komme ich noch gleich.
ZUunächst einmal zu den „falschen 2ern“. Mir ist aufgefallen, dass Pep’s Idee des falschen 2ers bereits in der Vorbereitung bzw Anfang der Saison entsprungen ist, als Bayern bei Kontern mit dem einzigen 6er anfällig war. Ich konnte beobachten, dass Lahm als Aussenverteidiger (einer der wenigen Spiele, die er als AV gemacht hat) nach innen gerückt ist, um bei möglichem Ballverlust das Zentrum dicht zu halten und so das Problem der Anfälligkeit des 4-1-4-1 System auf der 6er Position zu lösen (auch weil er zuvor (und dann auch wieder später) auf der 6 geglänzt hat). Alaba, der ja auch ein halber 6er ist (spielt dies ja bei Österreich) scheint auch prädestiniert zu sein, um diese Interpretation des LV auszuführen.
Zudem hat sich Alaba ja auch schon beschwert, er sei ja eigentlich ZM und nicht AV. Es schient wirklich als könnte es Pep mit dieser Art spielen zu lassen, jedem Recht machen. Zudem kann Rafinha diese Rolle (für viele überraschend) dank seiner Passsicherheit auch mehr als solide spielen und ist Antrittstark (wie auch Alaba bzw Lahm, sodass Konter über Flügel unterbunden werden können, wo die Schwachstelle des Systems ist [Beispiel: Lahm gegen den schnellen Jesus Navas um die 70.Minute herum] .
Kommen wir nun zu meiner These im 1. Satz: Pep hat bei Barcelona auch schon stark durch das Zentrum spielen lassen. Wirklich jeder Angriff ging über die Zentralen Xavi, Iniest, Busquets. Sogar Messi wurde von Aussen in die Mitte gesetzt, der sich dann auch noch fallen lässt. Die Aussenspieler haben (fast ausschliesslich) dazu gedient, die angepassten Gegner, die sich stark ins Zentrum fallen ließen, auseinanderzuziehen. Die Aufgabe der Flügelspieler war weniger, als Anspielstation zu dienen, als viel mehr den Gegner breit zu machen, um so Platz für die großartigen 4 in der Mitte zu schaffen. Sogar klassiche Mittelstürmer wurden oft auf die Aussen gestellt, um so den Drang in die Mitte zu erhöhen (Ibra, Villa, Sanchez, Etoó (?))Das selbe Prinzip kann man bei Bayern sehen, ausser, dass die Aussenspieler deutlichere Anspielstationen sind als bei Barca (Ribery,Robben). Tiki Taka unterliegt, wie ja fast jeder weiss, dem Kurzpass-Prinzip und der Dreiecksbildung. Naturgemäß kann man bei Ballbesitz in der Mitte mehr Dreiecke blden als auf den Aussen. Da Bayern aber in der letzten Saison sehr stark über die Außen gekommen ist und auch dieses Jahr dort wieder ihre Stärken hat (wobei das Zentrum auch zu den stärken gehört), veruscht Pep das Tiki Taka und die Stärken des Bayernspiels zu kombinieren (auf einer fantastischen Weise). Gleichzeitig versucht er die Schwächen zu minimieren (Stichwort Konteranfälligkeit).
Toller Artikel, aber das Dogma des Flügelspiels ist dank des Tiki Takas schon längst aufgehoben

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RM 11. Oktober 2013 um 15:51

„das Dogma des Flügelspiels ist dank des Tiki Takas schon längst aufgehoben“
Aber darum ging es ja nicht, das ist ein anderes Dogma bzw. war eigentlich nie eines (außer vl. bei ein paar Knallköppen in England). Eher um das Dogma des Breitegebens zum Raumschaffens; das wurde bei Barcelona ja durchaus praktiziert, die Außenverteidiger und/oder die Flügelspieler standen immer auf Ballhöhe sehr breit, zumindest ballnah.

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Otto 11. Oktober 2013 um 12:25

Hat Bayer Leverkusen letzte Saison nicht ähnlich auf der rechten Seite gespielt? Carvajal ist auch häufig nach Innen eingerückt.

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RM 11. Oktober 2013 um 14:39

Nein, das war eher ein Vorderlaufen. Carvajal fand sich dann zwar im offensiven Halbraum wieder, aber das war eine andere Spieldynamik.

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Lobanowskyj 11. Oktober 2013 um 09:38

Sehr schöner Artikel. Wenn man es mal im größeren historischen Rahmen sieht, kommen wir wohl allmählich an einen Punkt, wo Sacchis Defensivkonzept der Raumverknappung zum ersten Mal überwunden bzw. weiterentwickelt wird: es zeichnet sich eine Tendenz zur OFFENSIVEN Raumverknappung ab. Nicht nur bei Bayern, auch bei anderen technisch starken Teams in den letzten Monaten. Wobei die Idee, die eigene Position in für den Gegner überraschende Räume zu erweitern, um ihn vor das Dilemma „Verfolgen oder Position halten“ zu stellen, ja nicht neu ist. Auch da sieht man Peps geistige Nähe zum Ajax-Konzept. Sehr schön gegen Leverkusen zu sehen, wo Can, Sam, u.a. immer wieder verwirrt im Nirgendwo stehen blieben, weil ihre Gegenspieler sich zu weit von ihrer Position entfernt hatten. Das ist dann auch ein Stück weit eine Reaktion auf die verstärkt aufkommende Mannorientierung der letzten Jahre (die ja speziell auf den Außen zum Standard wurde).
RM, zu deinem Vorschlag eines 4-2-2-2: Wenn ich dich richtig verstehe, würden die breiten Stürmer auf die breiten IV pressen und das Quadrat im Zentrum situativ auf die „falschen AV“ oder die 8er/6er. Kommt da nicht das gleiche Dilemma zustande? Wenn das Zentrum dicht gemacht wird (Überzahl gegen die 3 ZM), sind AV/AS frei; wird auf die AV gepresst, entsteht dahinter eine 2 gg. 3 Unterzahl der 6er gegen die 3 ZM. Scheint mir auch bei permanent einrückenden AV nicht sehr sinnvoll. Oder habe ich dich falsch verstanden?

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Lobanowskyj 11. Oktober 2013 um 09:48

edit: würde als Gegenkonzept gegen die falschen AV vorschlagen, die eigenen AV viel stärker ins Mittelfeld/Zentrum zu ziehen, um die bayrische Überzahl dort auszugleichen. Also quasi eine völlige Auflösung der Viererkette bei eigenem Pressing. Dazu müsste aber die gesamte Mannschaft dem Druck wiederstehen, sich Stück für Stück nach hinten drängen zu lassen (DAS Grundproblem der Gegner von Guardiola-Teams). Riskant und extrem, aber vielleicht sehen wir das demnächst ja mal von einem verrückten Trainer, was meint ihr?
(leider können wir Rayo nicht in die Bundesliga holen, oder?)

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ayounes 11. Oktober 2013 um 08:14

Sehr sehr guter Artikel, seit dem ich hier lese achte ich viel mehr auf die Bewegungen der Spieler (danke 😉 ). Den Bewegungsablauf der Av ist mir auch aufgefallen (mein alter Jugendtrainer lies erst 3331 spielen und wechselte dann bei Gegenerischen Ballbesitz je nach Situation auf 4231 (Ballferner ldm rückt auf av Position) oder bei großer Dominanz auf 5311). Natürlich hatten wir nicht annähernd die Qualität und Abstimmung in den Aktionen wie Bayern, konnten aber viele „stärkere“ Gegner besiegen.
Den einzige was dem Artikel meiner Meinung noch fehlt, ist wie Ihr als Gegner reagieren würdet und welche Spieler man dafür bräuchte. Näturlich wäre das reine Spekulation, ob das klappen würde. Aber eine Antwort würde locker für einen neuen Artikel reichen, ist vielleicht sowas geplant?

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Brick 11. Oktober 2013 um 02:28

Ist es nicht viel mehr so, dass Bayern mit zwei „falschen“ zentralen Mittelfeldspielern in einem 3-3-4 oder 3-3-1-3 aufläuft? Wobei der linke und der rechte zentrale Mittelfeldspieler situativ 3,4 mal pro Spiel ihre Position verweisen lassen und sich neben die Innenverteidiger fallen lassen um defensiv ein 4-1-4-1 zu bilden und der Libero in den Zwischenraum zwischen Abwehr- und Mittelfeldreihe vorrückt?

Doppelt „falscher“ Post IMO 1. wird das Wort „falsch“ verwendet und 2. geht ihr von der „falschen“ Aufstellung aus, denn dieses 4-1-4-1 von dem alle reden hab ich nicht wirklich oft zu Gesicht bekommen in letzter Zeit.

Ansonsten aber sehr gute Beschreibung der nach hinten herauskippenden Mittelfeldspieler. 😉

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RM 11. Oktober 2013 um 11:12

Nein. Die Defensiv- und Grundformation zählt und sie sind nach wie vor öfter auf dem Flügel, auch offensiv, zu finden, als im Zentrum.

Wie sieht das 3-3-1-3/3-3-4 denn aus? Lahm als Libero, Kroos als ZM und Schweinsteiger als hängender Stürmer? Ist situativ in der Offensivformation so; aber auch hier sind die Außenverteidiger ja Außenverteidiger, haben nur mehr Platz, um reinzuschieben, was ich eigentlich auch im Artikel erwähnen wollte; wenn’s fehlt, muss ich ergänzen, dachte, die Grafiken sprechen für sich.

Und bei einem herauskippenden Mittelfeldspieler sieht die Bewegung anders aus. Vergleich dazu natürlich Schweinsteigers Herauskippen oder auch Gündogans und Sahins.

Und wieso verwende ich das Wort „falsch“ falsch?

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Brick 11. Oktober 2013 um 16:57

Ich hatte aber gedacht, dass mich das mit dem „doppelt falscher Post“ verraten würde. Ich hatte das nicht 100 % ernst gemeint. Nichtsdestotrotz, die Aufstellung im 3-3-4 ist nichts von mir Erfundenes, man könnte sagen sie ist die die „Standardspielaufbauformation“. Wenn Schweinsteiger und Kroos spielen, dann ist Schweinsteiger der Spieler zwischen den Außenverteidigern und Kroos geht nach in die Spitze. Z.B.:

http://spielverlagerung.de/wp-content/uploads/2013/10/tiefes-Hereinkippen.png
Mit Müller:
http://spielverlagerung.de/wp-content/uploads/2013/09/fcb-wob-2013-sch%C3%A4fer.png

Gegen Freiburg war interessant weil zwar alle Positionen im 3-3-4 besetzt waren, aber sieh selbst: http://spielverlagerung.de/wp-content/uploads/2013/08/freiburg-bayern-2013-offensivhz2.png

Also, das was ich geschrieben hatte war nicht ganz ernst gemeint es war aber auch nicht frei erfunden. Diese Aufstellung sieht man wirklich in jedem Spiel (gelegentlich auch als 3-4-3) und sie ist nicht situativ, sonst würde im letzten Bild gegen Freiburg nicht jeder Spieler wissen wo er zu stehen hat, wenn Contento in die Spitze geht. Ein kategorisches „Nein“ ist da schon etwas hart, denke ich, denn man kann das wirklich so sehen, wie ich das geschrieben hatte, denn man kann das schon als „Grundformation“ betrachten.

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RM 11. Oktober 2013 um 21:02

Das war schon klar, aber das meine ich ja: Das ist die Offensivformation, die ich ja auch in den Grafiken in diesem Artikel selbst benutze und gezeichnet habe. Und situativ heißt ja nicht improvisiert.

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Brick 12. Oktober 2013 um 01:33

Ja, das hatte ich mir schon gedacht, dass du das selbst gezeichnet hast. Irgendwie war ich von den Fragen irritiert.

Bei situativ bin ich nicht ganz bei dir. Es ist IMO die wichtigste Formation im Spielaufbau und der Grund, warum Dante am Anfang mal so angschnauzt wurde, weil er den Ball sauber zu Alaba gespielt hat, anstatt zu Ribery. Das hat mich damals total irritiert. Heute macht es natürlich Sinn, weil Alaba dann Zeit hat in den Raum zu laufen. Sobald der Ball gespielt ist wechselt Bayern ja dann oft aufs 3-3-4.

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RM 12. Oktober 2013 um 10:59

Naja, Lahm steht ja manchmal auch vorne herum und kippt nicht ab, manchmal spielt Rafinha deutlich tiefer als Alaba, manchmal ist es ein 3-3-1-3, manchmal ein 3-3-3-1, manchmal ein 3-3-4 und durch die unterschiedlichen Kippbewegungen und das Anpassen an den Gegner würde ich es eben als „situativ“ bezeichnen, wobei die Formation ja ohnehin relativ egal ist.

Waren die Pässe von Dante auf Ribéry nicht deswegen erwünscht, weil es dann ein anderes Sichtfeld in der Folgeaktion war? Höhere Ballzirkulation als Konsequenz?


Theodor 11. Oktober 2013 um 01:31

Wie ich das sehe, entwickelt sich Alaba langsam in Richtung eines „spielmachenden Außenverteidigers“.
Ich denke, Guardiola hat ein hervorragendes Gespür dafür, in welche Richtung er Alaba manövrieren kann, damit dieser sich optimal weiterentwickelt.

Einerseits hat Alaba eine unglaubliche spielerische Intelligenz gepaart mit einer ruhigen Abgeklärtheit, die man kaum findet (ich hätte mir für das Leverkusen-Spiel mit zunehmender Dauer des Spiels seinen Ruhepuls gewünscht).
Andererseits ist es – so denke ich – auch klar, daß er im Mittelfeld noch nicht im Stande ist, jene Rolle einzunehmen, von der er eventuell träumt; für ganz vorne fehlt ihm einerseits der Torinstinkt; für die Spielmacher oder aber Sechser-Position ganz einfach die Routine.
So wie er jetzt spielt, kann er aber sein Talent für die verschiedenen angesprochenen Mittelfeldbereiche anwenden u. so sukzessive auf ein höheres Niveau bringen. Gleichzeitig denke ich, hat sich auch sein defensives (Stellungs-) Spiel deutlich geändert.

Ich kann mich noch gut an die Saison 2011/12 erinnern, als Heynckes am 25. Spieltag dazu überging, Alaba links hinten zu bringen (obschon dies natürlich van Gaals ursprüngliche Idee war…). Das Spiel endete 7:1 gegen Hoffenheim; und ich sagte an jenem Tag zu einem alten Freund (und Bayern-Fan) : „wart’s ab, damit beginnt eine neue Ära im Bayern-Spiel!“
Und obwohl Alaba ursprünglich teils noch ziemlich unerfahren wirkte, so denke ich heute wirklich, daß diese Symbiose des dynamischen Duos Rib&Alaba den ausschlaggebenden Unterschied zum Bayern-Team davor ausmachte…

Mit Guardiola hat er jetzt einen Trainer, der ihn in die Weltklasse bringen kann, auch deshalb hoffe ich, daß Alaba bei den Bayern verlängert.

Im übrigen muß ich indes auch gestehen, daß ich ein wesentlich besseres Bild von Rafinha habe, als sehr viele andere(auch berufsmässigen Kommentatoren und Sportreportern) …
Manchmal denke ich, er wird einfach ungerecht behandelt; für die meisten Spieler gibt es Bonuspunkte bzw. „relativierende Aspekte“: der eine ist noch sehr jung, der andere schon sehr alt; der eine war lange verletzt, der andere ist immer noch leicht verletzt; der eine hat schon viel für die Bayern geleistet; beim anderen muß man berücksichtigen, daß er neu beim Verein ist.
Nur Rafinha kriegt keinen dieser Boni; jeder Fehler wird ihm angerechnet, seine Stärken wiederum regelmäßig übersehen.
Ich möchte mal behaupten, daß seine Stärken so oft übersehen werden, weil sie dermaßen intelligent eingesetzt sind, daß sie überhaupt nicht auffallen. Die wenigsten Reporter können sich ausrechnen, wie so manche Situation ausgegangen wäre (bzw. wie sie sich weiterentwickelt hätte), wenn sich Rafinha anders verhalten hätte. Für mich ist er auf alle Fälle ein riesiger Gewinner der aktuellen Spielzeit.

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splattercheffe 11. Oktober 2013 um 14:40

Stimme Theodor grade bezüglich Rafinha total zu, der kommt bei den „üblichen verdächtigen“ Medien viel zu schlecht weg. Nicht umsonst hat ihn Guardiola als „super, super Spieler“ explizit erwähnt/gelobt. Er erreicht vielleicht nicht ganz die offensive Klasse von Alaba links (wobei der auch Ribery als Haupt-Partner seiner Seite hat) und vielleicht wird bald Lahm seine Rolle einnehmen, der, wie wir ja mittlerweile auch wissen, sowieso alles auf Weltklasse-Niveau spielen kann.
Trotzdem hätte ich ihm vor dieser Saison die taktische Reife nicht zugetraut, mit der, wie hier schon mehrfach festgestellt und ja von RM analysiert wurde, diese Position bespielt werden muss.

Interessant finde ich auch die Ansätze, wie man solch eine wirklich innovative Taktik bekämpfen könnte, und frage mich, ob der ein oder andere Trainer der zukünftigen oder potentiellen Bayern-Gegner schon Pläne schmiedet. Die Leverkusener „Lösung“ kann’s ja wohl nicht sein…

Im Endeffekt und im Gesamten kommt es mir so vor, als würde Guardiola wirklich alle Beteiligten seines Teams zu Mittelfeldspielern machen und damit die Ansätze des „totaalvoetbal“ zu einer Art Vollendung bringen. (Wurde glaube ich hier auch schon mal in einem früheren Artikel ausgeführt.) Jeder kann alles.

Die Gefahren und Nachteile dieser Philosophie wurden angesprochen; mir fällt bei diesen, aber auch schon bei den Vorteilen immer wieder die Rolle von Manuel Neuer auf, der zum einen ständig in der Lage ist, den richtigen ersten/zweiten Ball zu spielen, zum anderen bei Ballverlusten/Kontern eine extrem anspruchsvolle Rolle grade beim Positionsspiel hat, wenn er tiefe Pässe des Gegners ablaufen muss etwa. Beim Gegentor in Leverkusen haben ihm viele eine Mitschuld gegeben, die ich nach wie vor nicht erkennen kann, eigentlich fast im Gegenteil (die Flanke hätten die meisten Torhüter sogar ganz unterlaufen, was automatisch zum Tor geführt hätte; den Schuss wehrt er sogar noch gut, wenngleich unglücklich, ab).

Klar ist, dass einer wie Guardiola höchste Qualität auf allen Positionen braucht, um so spielen zu lassen. Und da wir jetzt die Außenverteidiger-Rolle durchhaben, würde ich mich freuen, wenn hier bald ein Artikel über die Rolle der Torhüter kommt (die ja im Falle Neuer kaum mehr als solche bezeichnet werden können – sie sind bestenfalls AUCH Torhüter, meist aber Feldspieler). Kann man übrigens Fabien Barthez als frühen Vorläufer von Manuel Neuer bezeichnen, oder ist Neuer wirklich gemäß seines Namens ein VÖLLIG NEUER TYP?

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Sepp Herberger 11. Oktober 2013 um 15:38

Zum Torhüter: Beim WFV gibt es in der Jugendfußballausbildung seit Jahren nicht mehr den Begriff Torhüter sondern Torspieler, der genau so agieren soll, wie es Neuer derzeit praktiziert. Insofern also nichts neues.

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BigK 11. Oktober 2013 um 01:10

Toller Artikel! Vielen Dank! Im Zuge der ganzen Lahm auf der Sechs Diskussionen lässt mich der Artikel weiter glauben, dass Lahm wieder zum AV zurückkehrt. Der Part den Rafinha aktuell spielt ist doch wie gemalt für Lahm. Dieses pendeln zwischen den Positionen erfordert anscheinend sehr viel Spielintelligenz. Ausserdem denke ich, dass Lahm in der Position (neben Martínez auf der Sechs) noch mehr zur Stabilität bei Kontern beitragen könnte. Was denkt ihr?

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Kroosartig 11. Oktober 2013 um 00:43

Sehr guter Beitrag, bei dem ich das Gefühl habe, dass Guardiolas Gedankengänge sehr gut nachgezeichnet werden.
Was mir bei Bayern darüberhinaus noch gefällt ist, dass Ribery nicht nur dieser klassische Breitengeber ist, sondern dass er auch Möglichkeiten findet bzw. ihm Möglichkeiten geschaffen werden immer noch den ganzen Platz zu beackern. So kann er immer noch den rechten Flügel überladen, ins Zentrum gehen, sodass seine Kreativität nicht eingeschränkt wird.

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fluxkompensator 11. Oktober 2013 um 00:38

der „deckungsschatten“ brachte mich im artikel auf eine etwas einfachere fährte: in der doku „trainer!“ (vielleicht hat sie jemand gesehen) wird ausschnittsweise das training von heidenheim gezeigt (mir ist der name des coachs gerade entfallen), dabei trainieren sie eine pressingvariante. der trainer unterbricht und brüllt einen das spiel aufbauenden verteidiger an, man müsse endlich einmal an den punkt kommen, dass man sich aus dem deckungsschatten hinausbewege.

im grunde (achtung: blasphemie!) ist dieses einkippen des av doch nichts anderes, als dem deckungsschatten des veteidigenden as zu entfliehen – nur eben auf mutige art und weise. ich meine, der deckungsschatten als stilmittel ist ja in seiner bedeutung enorm, die problematik zu lösen, wird also auch ein anliegen vieler trainer sein: warum es bisher an effizienten umsetzungen dagegen mangelte, mag vielerlei gründe haben: qualität der spieler, mangel an weiterführender ideen zu den spieltaktischen mechanismen (qualität der trainer?) oder die strategische ausrichtung ist eine andere und einige trainer wollen nicht unbedingt das gegenpressing so vorbereiten.

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om 11. Oktober 2013 um 00:38

was sind denn eckige formationen? bzw. was wären dann im umkehrschluss runde?

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Jose Mourinho 11. Oktober 2013 um 12:15

Ich glaube hiermit ist eine Formation ohne Linien und Ketten bzw. vorgegebenen Raeume gemeint. Allerdings nur eine Vermutung…

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Hans 11. Oktober 2013 um 00:04

Zuerst einmal danke für den Artikel, er war wie immer bei euch sehr interessant und anschaulich.
Ich bin hier zwar noch nicht lange dabei und kenne mich deshalb taktisch nicht so gut aus, aber das folgende ist meine Ansicht zu den falschen Außenverteidigern.
Die Einführung der falschen Außenverteidiger sehe ich bei Bayern auf jeden Fall positiv, dort spielen aber auch die richtigen Spieler, um es umzusetzen. Ich bezweifle, dass man bei mittelmäßigen Bundesligamanschaften dazu in der Lage währe.
Ich sehe bei Bayern dadurch, dass sie kaum Fehler machen eigentlich nur ein wirkliches Problem, das dadurch entsteht. Bei einem Ballverlust sind auf den Flügeln sehr große freie Räume vorhanden. Wenn also der gegnerischen Mannschaft es gelingt, das Pressing zu überspielen und in diesen freien Raum vorzudringen sind meist die Innenverteidiger gezwungen, nach außen zu gehen, um die Flanke zu verhindern. Da diese dann im Zentrum fehlen, müssen die anderen Spieler auf die Position der Innenverteidiger zurückweichen und bei einer gelungenen Flanke kommt es daher zu eher ungünstigen Kopfballduellen. (Ist denke ich beim Gegentor gegen Leverkusen zu beobachten: Dante rückt nach links außen, als Rafinha zurückkommt geht er ins Zentrum und muss ins Kopfballduell gegen Kießling)
Das ist für mich auch der Hauptunterschied zur falschen neun. Wenn der Raum des Stürmers verweist ist, ist das bei Ballverlust nicht so problematisch, wie wenn die positionen der Außenverteidiger verweist sind.

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Adebar Storch 13. Oktober 2013 um 10:38

Denke dass da Pep mittelfristig Martínez einsetzen kann um deine Schwäche besser ausgleichen zu können. Würde dem Spiel nach vorne eventuell ein Stück Durchschlagskraft nehmen, aber gegen starke Flügel mit starken Kopfballspieler hinten Stabilität geben.
Pep kann denke ich nicht nur Schach auf dem Feld spielen, sondern fast schon durch die Anzahl von verschiedenen Mittelfeldspielern statt mit Bauern sofort mit zusätzlichen Damen spielen. Bleibt abzuwarten ob er immer die Damen findet. (Pointe: man beachte eventuellen zickenkrieg)

Antworten

Hans Hinterwurstler 10. Oktober 2013 um 23:52

Bei abseits.at gabs vor paar Tagen eine Analyse zu Bayerns Außenverteidigern. Absolut Lesenswert!

http://www.abseits.at/fusball-international/deutschland/bayerns-spielaufbau-und-die-rolle-der-aussenverteidiger/

Antworten

Tery Whenett 10. Oktober 2013 um 23:47

Danke für die gute Darstellung. Bei „Ob Pep gegen sich selbst Schach spielt?“ musste ich kurz lachen – was ein Gedanke 😀

Ich finde es ohnehin ziemlich erstaunlich, wie sehr Schach mittlerweile den Fußball beeinflusst – vor allem das dieser Paradigmentransfer auch noch erfolgreich ist…

Gab dazu mal einen ziemlich erhellenden Blog bei Spox:
http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/Rasenschach-I,190191.html

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RM 10. Oktober 2013 um 23:54

Ja, den Blog kennen wir, ist sehr zu empfehlen. Wir werden dazu auch noch was machen, denke ich. 🙂

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TE 10. Oktober 2013 um 23:40

Ich möchte hier noch einmal öffentlich meinen Unmut über den Begriff „falsche Außenverteidiger“ kundtun. Hineinkippende oder einrückende Außenverteidiger finde ich viel schöner, weil präziser. Ein „falscher Außenverteidiger“ könnte im Grunde genommen auch Dani Alves sein, schließlich verlässt dieser seine Position dauerhaft, ohne dass jemand absichert. Es wäre mir zu ungenau, die Rolle von Alves und die von Alaba unter derselben Etikette „falscher Außenverteidiger“ laufen zu lassen.

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RM 10. Oktober 2013 um 23:54

Dani Alves ist aber der Einzige, der dies tut und so extrem spielt. Ansonsten sind es situative Vorstöße – und selbst bei ihm sind sie es, er steht ja nicht dauernd im letzten Drittel herum, sh. Unterschied zwischen seiner Spielweise als AV und als AS im 3-3-4/3-4-3 – und sie kehren immer wieder kurzzeitig auf ihre Position zurück. Bei den hineinkippenden AV ist das was anderes, Alaba und Rafinha stehen durchaus länger dort und sind dabei spielzugsbefreit. Könnte man als dritte Voraussetzung nehmen, die vierte wäre dann der zusammengeschobene Spielraum. Übrigens wäre eine Analyse zu Alves‘ Art von Vorstößen, ihrer Reichweite und wie oft er wie hoch wie lange blieb bei vielen Spielen durchaus ausreichend für eine eigene Analyse, was ich als Argument PRO Falschheit als Begriff sehe.

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AP 11. Oktober 2013 um 10:33

Und ich hatte die Hoffnung das wir von dem Wort „falsch“ wegkommen…

🙂

Ich finde den Gedanken, hineinkippender/einrückender/reinkippender AV durch SV in die Fussballwelt eingebracht, einfach cooler, als über den falschen AV in den Medien was zu hören…

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TE 11. Oktober 2013 um 11:55

Ich habe auch nicht behauptet, dass Alves immer einen falschen Außenverteidiger spielt, aber in manchen Partien treffen die von dir genannten Merkmale alle zu (außer dem vierten, den du jetzt einfach aus dem Hut zauberst 😉 ). Entkräftet meine Kritik aber auch nicht wirklich, da „falscher Außenverteidiger“ nun einmal nicht eindeutig ist. Theoretisch wäre denkbar, dass ein „falscher Außenverteidiger auch nach vorne oder nach hinten oder auf die Auswechselbank ausweicht. Finde den konkreteren Begriff „hineinkippender Außenverteidiger“ für Alaba besser, da präziser.

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Adebar Storch 13. Oktober 2013 um 10:22

Entschuldigt dass ich mich in die Diskussion einmische, aber warum nicht zentrumsorientierter AV oder situativer ZentrumsAV?

Schöner Artikel noch im Anschluss.
Vielleicht wäre noch eine Ergänzung Richtung umschaltspiel und gegenpressing interessan, wie das gegen welche Formation umgesetzt wird.
Bis die Tage

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HW 14. Oktober 2013 um 21:07

Ach warum nicht 5 verschiedene Begriffe erfinden, dann versteht niemand mehr was hier geredet wird. „Falsche Neun“ wird schon oft falsch benutzt, aber jetzt noch „einkippen“ usw.
Die Inflation der Adjektive ist das Problem.
Nutzt Verben!!! Das sollten auch Kommentatoren machen. Weg von Superlativen, hin zur Beschreibung der Situation.

Falsch: Alaba spielt den falschen Außenverteidiger.

Richtig: Alaba rückt von außen ein.

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TE 15. Oktober 2013 um 11:47

In einem fließenden Text würde ich auch schreiben, Alaba rückt von außen ein. Aber hier geht es ja um eine offizielle Definition bzw. den Namen eines taktischen Phänomens. Man kann im Taktiklexikon keinen Punkt „XY rückt von Außen ein“ machen.

HW 15. Oktober 2013 um 11:54

War auch nicht mein Anspruch. Es wird nur immer Unterschiede zwischen Sprache im wissenschaftlichen Bereich oder von „Systemspezialisten“ und dem „gemeinen Volk“ geben. Außerdem ist kein Begriff perfekt, warum also die Haarspalterei?


blub 10. Oktober 2013 um 23:35

Exzellentes Werk. Allgemein muss man sagen das das wohl mit einer 1-2 stellung im Mittelfeld sehr viel besser geht, weil man damit den Raum in den hereingekippt wird von vorneherein viel freier macht. Und zum Glück hat Bayern grade 2 AV die auch hervorragende DMs abgeben.

Pep spielt gegen sich selbst schach, stllen wir uns vor Du müsstest gegen Pep Schach spielen. Vorschläge wie man dadagegen spielts löst?

Eine minimale Kritik am letzten bild: muss nicht der LZM nach vorne schieben anstatt nach rechts um seinen gegenspieler besser mitzuziehen? Wenn er nicht mitgeht ist ja auch langer Ball auf MS + Gegenpressing ne Option.

Und ist in der Stellung der AV über „Bande (LZM)“ nicht eh schon anspielbar, wenn der LZM direkt auf außen klatschen lässt?

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RM 10. Oktober 2013 um 23:51

Ich ging davon aus, dass er dem Außenverteidiger Raum nach vorne öffnen will, gab’s bei Bayern übrigens beides schon, und der gegnerische Achter so steht, dass er ihn seitlich näher zum Ball anläuft, also einen Abpraller abfälschen würde. Müsste auch so angedeutet sein. Bei einem Lauf in die Tiefe wird auch das Übernehmen fes AV bzw. Übergeben in den Raum einfacher. Ist gegnerabhängiger.

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Fabian 10. Oktober 2013 um 23:10

Noooo, jetzt hat er es doch Kippen genannt… 😛

Nein, mal im Ernst, das passt schon. Und das Argument gegen das Einrücken als Begriff stimmt auch.

Ich werde beim nächsten Spiel noch genauer hinschauen, mit dem Wissen aus dem Artikel im Hinterkopf, wann diese falschen Außenverteidiger hineinkippen. Das finde ich schon sehr faszinierend, das sowas so oft fast instinktiv richtig gemacht wird. Dabei stecken sicher Stunden von Training, Üben und Korrigieren dahinter, bis solche „neuen“ und unorthodoxen Bewegungen sitzen. Ähnlich faszinierend, wie das gegenpressinggerechte Aufbauspiel in der Offensive. Dafür braucht es halt auch die richtigen Spieler, die solche Revolutionen mit ihrem Gespür für Räume und Formationen erst gelingen lassen. Erst dann kann sich die breitere Masse das in ein paar Jahren abgucken, aber bis dahin ist es schon wieder veraltet und es wird die neue Revolution geben 🙂

Dank Spielverlagerung bekomme ich jede Woche mehr Respekt für die (Intelligenz-)Leistung der Profis.

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Ruudie 10. Oktober 2013 um 22:51

Wow, bester/wichtigster Artikel der laufenden Saison, GROSSES DANKE!!!

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scharf 11. Oktober 2013 um 15:41

Kann man nur zustimmen!
Einfach zu verstehen, gute Beispiele, klasse Analyse, super ausgeführt weiter so!!!

Ich glaube ich bin nicht der Einzige der sich über einen Beitrag freuen würde, wie der BVB diese einrückenden Alabas und Rafinhas stoppen wird…

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