Spielanteile indirekt vorteilhaft

2:1

Mit guten Grundanlagen machen sich die beiden Erstliga-Absteiger im Unterhaus auf den Weg. Im direkten Duell sammelt sich nicht zuletzt über die Vielzahl an Ballkontaktzeiten ein leichter Vorsprung für die Stuttgarter.

Zwei Bundesliga-Absteiger zum Auftaktspiel der Zweitligasaison und beide prinzipiell mit dem Motto gestartet, einen Neuanfang vorzunehmen: Dementsprechend standen auch jeweils zwei neue Trainer an der Seitenlinie, beim Personal wiederum gab es viele Kontinuitäten mit bekannten Gesichtern. In den Details und Feinheiten der Ausführung offenbarten die Mannschaften noch Baustellen, aber für den frühen Zeitpunkt zeigten sich die Gebilde schon recht stimmig. So ergab sich auch eine über weite Strecken auf gutem Niveau geführte Begegnung, in der die Teams vor allem in der Konterabsicherung einen guten Eindruck machten und darin bereits viel Ausgewogenheit erreichten.

Hinsichtlich der Wechselwirkungen untereinander war die Partie ein Beispiel, wie über Ballbesitz und Spielanteile sich schleichend eine wirksame Überlegenheit anstauen kann, die sich kaum klar und konkret manifestiert, aber für stetige Annäherung in die torgefährlichen Bereiche sorgt und so gleichzeitig den Gegner nur wenig zum Spielen kommen lässt. Das gelang den Stuttgartern in mehreren Phasen, insbesondere im ersten Teil der ersten Halbzeit sehr nachhaltig.

Stuttgarts Aufbaubildungen

Bei der Mannschaft von Tim Walter gab es – trotz mancher Störfaktoren – kaum mal größere Gefahr von Zugriffsverlusten, stellte sich also eine grundlegende Solidität im Einklang mit dem Gesamtgewicht der Partie ein, obwohl das Team eigentlich sogar einen recht radikalen Ansatz verfolgte. Abwechselnd schob entweder einer der Innenverteidiger im Aufbau ins Mittelfeld vor und ein Außenverteidiger kippte nach hinten in die erste Aufbaulinie hinein oder aber einer von diesen begab sich aus aufgerückter Position nach innen in Richtung Sechser- oder Achterraum.

Stuttgart im Aufbau, Defensivformation Hannover

Dadurch entstanden verschiedene Dreierketten bzw. Rautenbildungen bei Ballbesitz, in die sich oft auch Kobel versetzt einschaltete und sich dann mal längerfristig außerhalb seines Strafraums positionierte. In dieser Rotation wurden die einzelnen Reihen also immer wieder unterschiedlich besetzt und Hannover gezwungen, zu reagieren. Wie sich die Einzelspieler des VfB in dieser Systematik bewegten, mit welchem Timing die Außenverteidiger nach innen gingen und wie sie sich dabei orientierten, funktionierte insgesamt zwar noch nicht so sauber.

In manchen Momenten passte die Abstimmung nicht so gut, wenn ein Spieler schon die folgende Rückzugsbewegung startete, der zuvor tiefer eingerückte Mitspieler aber noch gar nicht wieder auf solche Folgeaktionen vorbereitet war und dann improvisiert in einen mäßigen Nebenraum ausweichen musste, um sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Aber die Ansätze machten bereits einen guten Eindruck, gerade das Freilaufverhalten des jeweils höheren Innenverteidigers gestaltete sich schon recht konsequent bis hinter die erste gegnerische Reihe, um dort auch mal für horizontale Pässe von außen anspielbar zu werden. Ansonsten diente ein aufgerückt positionierter Abwehrspieler als kurze Anspielstation im Mittelfeld, die im weiteren Verlauf von dort Zuspiele wieder prallen ließ.

Raumöffnen am Flügel in und gegen Grundflexibilität

Vor allem konnten sich die Stuttgarter Spieler durch die Rochaden um die ersten Linien leichter ruhige Auftaktmomente dort verschaffen, einfacher nach vorne aufdrehen und auch ihre genauen Startzonen und damit Winkel ins Spielfeld hinein feiner anpassen – dies war es, worauf Hannover eben reagieren musste. Aus ihrem 4-3-3 und auch dank dieser Struktur hielten sich die Gäste recht gut dagegen, ließen sich vor allem nicht zu weit nach vorne aus der Ordnung locken. Gerade die Mittelfeldreihe hatte über viele Phasen recht ausgewogene Bewegungen – abgesehen von manchen zu weitgehenden Vorstößen Haraguchis, gerade gegen Rückzugsbewegungen von Kempf durch den Halbraum – und einige gute Momente im Übergeben der Gegenspieler.

Weitergehend lag eine Idee des Stuttgarter Aufbaus darin, durch das tiefe Hereinkippen der Außenverteidiger die gegnerischen Flügelspieler herauszuziehen und so deren Abstände nach hinten zu vergrößern. Grundsätzlich standen die Mannen von Mirko Slomka in der passiven, flachen Dreierreihe vorne zunächst einmal kompakt, schräg dahinter ergab sich in dieser Konstellation aber tatsächlich etwas Platz. Dafür suchten beim VfB die Achter immer wieder die Flügel und boten sich dort breit an. Das gab ihnen diagonal hinter den gegnerischen Außenstürmern die Möglichkeit, über die Seite anzudribbeln und so Aktionen einzuleiten.

Alternativ konnte das den jeweiligen gegnerischen Außenverteidiger zum weiten Herausrücken provozieren und in der Folge dann zu größeren Schnittstellen der Abwehr führen, in die sich die Stürmer oder Didavi ausweichend bewegen würden. So fanden die Schwaben zu einigen guten Ansätzen. Später gelang es Hannover schon etwas besser dagegen zu halten, indem der Achter im Pressing ballnah noch weiter zur Seite arbeitete und die Außenverteidiger auch mal tiefer und enger blieben. Vorteilhaft für den VfB waren wiederum die Folgewirkungen der aufgerückten Positionierungen der Innenverteidiger, hier dann für spätere Einbindungen.

Anspiele in die Ausweichzonen ambivalent

Ambivalent gestaltete sich in diesem Zusammenhang die Rolle von Karazor, der im Zuge eben jener höheren Raumbesetzungen der Abwehrspieler häufig übergangen wurde und sich dann oft erst einmal die richtigen Räume suchen musste. So durfte er sich als Reaktion nicht zu weit nach vorne ziehen, im Hinblick auf die Verbindungen von den seitlichen Positionierungen der breiten Achter zurück in die Mitte. Diese gestalteten sich insgesamt noch etwas wechselhaft bei den Stuttgartern, da nicht nur die Halbspieler, sondern auch Didavi zu vielen ausweichenden Läufen neigten und diese Menge an entsprechenden Bewegungen mitunter die Konstanz in den Staffelungen für die Folgemomente schwächte.

Gerade nach gelungenen Einleitungen von Ballstafetten waren die seitlichen Bewegungen für die späteren Übergänge sehr hilfreich, indem der ballferne Achter bei Verlagerungen fast wie ein eigentlicher Flügelstürmer hoch neben der Abwehrkette auftauchen konnte. Allerdings bestand im zweiten Drittel demgegenüber die Gefahr, dass der ballnahe Akteur nach dem Ballfordern in breiter Position in dem zur Seitenlinie begrenzten Raum in Isolation geraten würde. In dem Moment, in dem das nach außen gerichtete und die Kompaktheit der Grundstellung im Zentrum verlassene Freilaufen nicht sauber genug ergänzt wurde, drohten Unterzahlsituationen mit Blickrichtung nach hinten.

Bei Hannover startete links defensiv Prib teilweise etwas breiter, um Ascacibar unter Druck zu setzen. Teilweise war dann Stenzel noch sehr weit innen, Muslija zog sich zügig zurück und konnte schräg von vorne gegen den Stuttgarter Achter doppeln. Mit der Zeit funktionierte die Ausführung solcher breiten Einbindungen der Halbspieler am geöffneten Flügel beim VfB weniger gut: Gelegentlich versuchten die Spieler diesen Mechanismus auch umzusetzen, wenn es die Situation eigentlich nicht wirklich hergab. Überhaupt wurden die Einbindungen aus dem Mittelfeld heraus später ungeduldiger: Einige Akteure ließen sich schon früher zurückfallen, bevor die erste gegnerische Defensivlinie entsprechend weiter nach innen geschoben worden war, und forderten mitunter zu tief die Bälle.

Aufenthaltszeiten im Offensivbereich

Einige Male holte sich auch selbst Didavi das Leder außerhalb der Formation ab, wenngleich er sich dafür in die übliche Rotation eingliederte. Prinzipiell verlief sich das Stuttgarter Spieler in der letzten Phase des ersten Durchgangs etwas häufiger. In diesen Zusammenhängen wurden beim VfB dann auch zunehmend Flugbälle von Kobel in seitliche Ausweichzonen gespielt, zumal wenn Tiefenbewegungen aus dem Mittelfeld dort Raum geöffnet hatten: Einerseits zeigte sich in entsprechenden Freilauf- wie auch Passentscheidungen etwas mehr Ungeduld. Andererseits schienen diese Zuspiele zu einem gewissen Grad bewusste, aber recht ambitionierte und in erster Instanz schwierig zu verarbeitendes Maßnahmen für die Momente darzustellen, in denen die eigentlichen Abläufe weniger gut in Schwung kamen.

Im Grunde genommen war auch dies ein Beispiel dafür, dass es bei den Stuttgartern vielfach eigentlich gar nicht so besonders lange Ballbesitzphasen, sondern dass sie viele solcher Ballbesitzzeiten hatten, und oft auch in recht hohen Zonen. Selbst nach den nicht optimalen längeren Eröffnungen konnten sie bei Ausbällen weiter hochschieben oder bei ins Feld zurück springenden Abprallern über wuchtiges Aufrückverhalten einige zweite Bälle festmachen – und dann die nächste Welle starten.

Bei jenen Aufrückbewegungen, die erfolgreich ins Angriffsdrittel gelangten, hatten sie viel und aus der Raute sehr flexibel angelegten Zug in die ballfernen Zonen hinein. Damit waren sie bei Klärungen zur Seite recht präsent. Das beschäftigte Hannover hinten regelmäßig und zwang gegen die schnellen Übergänge oft dazu, zumindest erst einmal die weiteren Wege bis ins Abwehrdrittel zurück zu machen, selbst wenn dort konkrete Gefahrensituationen oft noch vermieden wurden. Über die Vielzahl solcher Ansätze wurde Hannover letztlich häufig nach hinten gedrückt und Stuttgart kam regelmäßig zu längeren Aufenthaltsphasen im Offensivdrittel.

Hannover gewinnt Aufrückmomente

Hannover mit Ball, Stuttgart ohne Ball, oft auf die gegnerische linke Seite lenkend

Etwa ab Mitte der ersten Halbzeit erkannte Hannover aber zunehmend, dass sie diese Situationen von Passivität nicht zuletzt mit mehr eigenem Ballbesitz zu bekämpfen versuchen könnten. Gegen das frühe mannorientierte Pressing aus der Rautenformation der Schwaben hatten sie sich zunächst nur selten zu lösen vermocht. Didavi rückte aus seiner Deckung immer wieder mit in die erste Pressingreihe auf, vorne leitete der VfB häufiger auf die linke gegnerische Seite und Ascacibar schob dort sehr intensiv heraus. Die verbleibenden beiden Mittelfeldspieler konnten sich dann lose an den Hannoveraner Achtern orientieren, aber auch die Verteidiger agierten zusätzlich recht vorwärtsgerichtet.

Ein kleiner möglicher Knackpunkt für die Schwaben bedeutete der Raum horizontal hinter Didavi, denn die erste Reihe blieb beim weiteren Verschieben nach außen öfters noch recht hoch. Prinzipiell gingen von Bakalorz in jenem Bereich einige gute Bewegungen aus, um sich dort zu befreien. Letztlich versperrte der VfB aber auch die Querpasswege im direkten ballnahen Zuschieben recht gut und so ergaben sich nur vereinzelt entsprechende Einbindungen. In Verbindung mit einem anderen Element gelangte Hannover im Verlaufe der ersten Halbzeit trotzdem besser ins Spiel. Kleine Anpassungen betrafen die Bewegungsmuster der Achter:

Nicht nur formierte sich in der ersten Aufbauphase auch mal Prib tiefer neben Bakalorz, mehr als eine verschobene Doppel-Sechs. Vor allem unternahmen beide Akteure von den Halbpositionen im zweiten Drittel viele horizontale und diagonale Läufe nach außen, meist etwa schräg im Rücken der jeweiligen gegnerischen Halbspieler. Da sich gleichzeitig die nominellen Flügelstürmer der Gäste in der vordersten Linie sehr hoch orientierten, banden sie die grundsätzlich mannorientierten Außenverteidiger eng an der Kette.

In der eigentlich vertikal angelegten Grundhaltung gegen den Ball rissen dadurch einige Male die Übergänge zwischen Mittelfeld- und Abwehrreihe beim VfB ab: Gerade beim seitlichen Verschieben und auch gegen (Halbraum-)Verlagerungen sank hinter dem Herausrücken der Achter der konsequente Anschluss des Nachschiebens ab. In jene Zwischenzonen setzten sich wiederum Hannovers Achter ab, um den Ball nach vorne zu tragen. Zwar bedeutete das normalerweise keine direkten Wege zum Tor, aber es nahm aus Sicht der Niedersachsen zunächst einmal Druck heraus und sorgte für einfachere Aufrückmomente.

Ansätze und Veränderungen

Durch die prinzipiell flexible Anlage der Bewegungen bildete sich darin vermehrt der Ausgangspunkt für weitere Spielzüge, wenn die ballnahen VfB-Akteure gruppentaktisch zu ambitioniert und isoliert in die Zugriffssuche gingen und dann überspielt wurden. Bei Hannover verharrten die Flügelstürmer in etwaigen Folgemomenten nicht bloß in der vordersten Linie und auch Bakalorz schaltete sich einige Male diagonal aufrückend ein, wenn die Ausweichbewegungen seiner Kollegen übermäßig flache Staffelungen hervorzurufen drohten. Die beiden Treffer für die Stuttgarter fielen eigentlich mitten in der besten Hannoveraner Phase, insbesondere das 1:0, das wiederum andererseits ein Beispiel für das Potential des VfB im Gegenpressing über offensives Nachrückverhalten zumal aus der Raute darstellte.

Dass Hannover in späteren Abschnitten der Begegnung die vielversprechenden Ansätze ihrer guten Phase nicht mehr wirklich wiederholen sollte, hatte sich in Form gewisser Problempunkte schon zu jener Zeit selbst angedeutet. Beispielsweise tendierten die Gäste im weiteren Aufrückverhalten dazu, die Verbindungen zwischen den beiden Halbräumen zu grobmaschig zu verlieren. Dieses Thema stand im Folgenden in enger Wechselwirkung mit Anpassungen auf beiden Seiten wie auch mit den weiteren strategischen und rhythmusbezogenen Entwicklungen.

Unter anderem setzte Stuttgart das Pressing nun insgesamt etwas tiefer an. Zudem kappte Didavi beim Verschieben häufiger wieder zurück auf den Sechser, presste teilweise auch bis zum Flügel durch. Dadurch wurden die vertikalen Abstände wieder kleiner, auch die Stürmer investierten mehr in raumstopfende Rückwärtswege und Tiefenpositonierungen auf den Außenbahnen. Auch gegen ballnahe Grundkompaktheit kam Hannover aber prinzipiell schon noch zum Ballvortrag. Den Hintergrund dafür bildete die Einbindung der Flügelstürmer: Diese variierten hohe und dann nun breitere Positionierungen mit sehr weiten Zurückfallbewegungen in den äußeren Halbräumen.

Flügelspiel, Aufrückverhalten und Konter nehmen zu

Vereinzelt kam Hannover so zu etwas Raum außerhalb der gegnerischen Formation, um simpel den Flügel entlang zu spielen. Etwas häufiger waren Aufrückaktionen über Verlagerungen, ausgelöst über die Unterstützung der offensiven Außenspieler aus der gegnerischen Kompaktheit heraus. Gerade Muslija auf links konnte einige Bälle, auch in lokaler Unterzahl, kurz festmachen und dann gegen die Raute das Spiel zur Seite öffnen. In beiden Fällen resultierten Aufrückmomente am Flügel für Hannover. Gerade bei der ersten Konstellation wurden sie aber früh nach außen und damit vom Tor weg gedrängt.

Insbesondere hier half zwar der jeweils ballnahe Achter umtriebig und engagiert, das reichte aber nicht für Überladungen und diese so seitlich ausgerichteten Bewegungsmuster zogen die Anbindungen an das restliche Mittelfeld in Mitleidenschaft. Insgesamt taten sich die Gäste aus gruppentaktischen Ausgangslagen auf Außen daher schwer, wieder nach innen zu kommen und letztlich Durchschlagskraft zu generieren. Auch ansonsten wirkten die häufigen Aufrückwege über die Flügel nicht unbedingt förderlich für Hannover: Dieser Gesamtkontext führte im Lauf des zweiten Durchgangs, zumal bei Rückstand, zu insgesamt offensiverem Aufrückverhalten. Auf den Außenverteidigerpositionen, aber auch mannschaftlich schoben die Gäste weiter vor.

Das führte nach dem Seitenwechsel zu mehr Kontermöglichkeiten für die Stuttgarter, die gerade mit den Stürmern aus der Raute mehrmals vielversprechend neben die Restverteidigung kamen. Auch auf diese Weise spielten sich die Schwaben in der zweiten Halbzeit das klare Übergewicht bei den Abschlüssen heraus. Wichtig in diesem Zusammenhang war noch, dass der VfB im selben Moment nicht gleichzeitig seine Ballbesitzphasen einstellte. Auch wenn gerade das abwechselnde Vorrücken der Innenverteidiger nicht mehr so durchgängig und sauber umgesetzt wurde: Die Mannen von Tim Walter suchten sich zwischendurch immer wieder ihre Phasen, das Leder laufen zu lassen.

Stuttgart vernachlässigt Ballbesitz nicht

So beruhigten sie nicht nur die Partie, sondern konnten in der eigenen Ausrichtung auch die Grundstatik des ersten Durchgangs halten. Das galt für Hälfte zwei insgesamt, nicht erst seit des Platzverweis etwa 20 Minuten nach Wiederbeginn, der sie in Überzahl brachte. Auf diesen Einschnitt musste Hannover reagieren: Ein asymmetrisches 4-3-2 schien sich kurz anzudeuten und wäre eine Variante gewesen, letztlich wollte es Slomka aber mit einem 4-2-3 versuchen. Das ermöglichte es, die Struktur der ersten Defensivlinie beizubehalten.

Zunächst zeigten die Hannoveraner bei den Bewegungen gegen den Ball auch wiederum gute Ansätze, bald ließen sich die Außenspieler aber immer tiefer zurückfallen. Das hing auch mit einer geschickten Anpassung Walters zusammen: Beim VfB war zu diesem Zeitpunkt bereits mit Klement ein zusätzlicher Mittelfeldspieler für Al Gaddioui in die Partie gekommen, so dass weitere Rochaden um die Spitze herum möglich wurden. Im vorderen Bereich wurde die Angriffslinie nun sehr breit und eigentlich konstant mit zwei hohen, seitlichen Breitegebern besetzt, um die Abwehrreihe der Niedersachsen hinten zu binden und deren Präsenz zu schwächen.

Auf diese gute Maßnahme reagierten die Gäste also nicht optimal, wenn die Außenspieler sich dagegen entsprechend zu weit zurückzogen. Bei Hannover entstanden zunehmend flache Staffelungen, die den Druckaufbau und schnelle Ballbesitzübergänge und/oder Vorwärtswege aus der Defensivordnung erschwerten. Stuttgart bekam das Spielgeschehen insgesamt mehr in die eigene Hand und verlagerte den Schwerpunkt wieder weiter nach vorne. Auch sie ließen sich jedoch zu sehr von den Gegebenheiten leiten und drifteten nach außen ab: Nach der Einwechslung von Klement wirkten die neuen Rollenzuteilungen nicht ganz so eindeutig.

Von den vielen potentiellen Zentrumsakteuren gingen insgesamt zahlreiche flexible Ausweichbewegungen aus, die teilweise zu sehr in ballferne Zonen oder „neben“ die letzte gegnerische Linie drängten. Stuttgart verlagerte viel, kam oft gefährlich an den Strafraum, aber blockierte sich gerade bei der Raumbesetzung für die Seitenwechsel und die Läufe hinter die Kette vereinzelt sogar selbst. Sie improvisierten oft noch gut zu kleinen Kombinationsansätzen, durch die Ansammlung von Optionen außen wurde das Spiel aber stärker vom Tor weggedrückt und es ergaben sich so letztlich keine ganz klaren Abschlusspositionen mehr. Zumindest kamen sie auch in diesen Phasen noch dazu, auch in höheren Zonen nochmal verlagern zu können. Das ging den Gästen etwas ab, die viele ihrer Szenen dann oft direkter zu Ende spielen mussten.

Abschließende ungewöhnliche Umstellung geht nicht wirklich auf

Hannover gegen den Ball nach der Einwechslung von Korb (vorne tauschten Duksch und Weydandt häufiger), Phase ca. 71. bis 86. Minute

Unorthodox gestaltete sich schließlich die nächste Anpassung der Hannoveraner: Slomka hatte es bereits mit einem asymmetrischen Aufrückverhalten für die Ballbesitzmomente versucht, indem der Linksverteidiger sich früh sehr hoch positionierte und Jung recht tief und eng blieb. Das war allerdings kaum zur Geltung gekommen, da die meisten Eröffnungen nun früh in die Spitze gingen – entweder gegen situativ wieder aggressivere Zwischenphasen im Stuttgarter Pressing oder bzw. vor allem als zunehmende Folge der Einwechslung von Duksch, der als zweiter nomineller Stürmer für eine weitere Anspielstation in der Spitze sorgen konnte.

Nun nahm Slomka noch eine weitere Änderung vor: Er brachte Korb für Maina auf rechts, zunächst einmal im Mittelfeldbereich. Zumindest gegen den Ball wurde daraus letztlich nicht die mögliche Dreier- bzw. Fünferkette. Stattdessen verteidigte Korb schon eher knapp vor der letzten Linie, von seiner Startposition sogar im Wesentlichen ähnlich der problematischen Positionierungen Mainas, aber phasenweise etwas enger und vor allem anders eingebunden. Er startete zunächst in tiefen Bereichen, rückte im Laufe der gegnerischen Zirkulation dann aber heraus und lief letztlich zumeist gegen Aufrückbewegungen eines Innen- oder tiefer gebliebenen Außenverteidigers an, oft mit diagonalen Bewegungen von außen leicht nach innen.

Dadurch erhöhte sich im Laufe der Aktion die eigene Präsenz zur Mitte hin, während ein ballnaher gegnerischer Breitengeber in der letzten Linie bestmöglich dadurch im Deckungsschatten bleiben würde. In diesem Ablauf deuteten sich einige Ansätze an, aber letztlich funktionierte er doch nicht so richtig: Die weitere Organisation zum Mittelfeld hin gestaltete sich nicht klar und sauber genug. In der Asymmetrie wurde die eigentliche Kern-Viererkette weitgehend hinten gehalten anstatt von dort weiterer Präsenz zu „gewinnen“ versuchen, die dann noch nach vorne hätte transferiert werden können. Der Halbraum neben Korb bzw. die dortige Schnittstelle nach innen ließen sich in dieser Ausführung nicht gut genug schließen, so dass Stuttgart über jene Route mehrfach am Herausrücken des rechten Außenbahnakteurs vorbeikam und ins Mittelfeld gelangte.

Schlussworte

Diese Entwicklungen bildeten die letzte größere Wegmarke in einer Abfolge vieler Veränderungen der zweiten Halbzeit, in der die verschiedenen Phasen schnell hin- und her wechselten – zwischen mehreren kleinen Umstellungen der Trainer und vielen Verschiebungen in den strategischen Konstellationen. Aus jenem Verlauf mit den unterschiedlichen Rück- und Folgewirkungen zog der verregnete zweite Durchgang seinen besonderen Reiz, auch wenn er sich nicht mehr so fußballerisch-gefällig zeigte. In dieser Hinsicht hinterließen beide Mannschaften bereits am ersten Spieltag einige Lichtblicke. Sie machten damit deutlich, dass es für sie in dieser Saison auf die Wege führen könnte, die man ihnen im Vorhinein zugeschrieben hat.

Daniel 28. Dezember 2019 um 12:27

Tja…und nun ist Walter beim VfB auch schon wieder Geschichte. Ich würd jetzt gern sagen, das mich das überrascht, aber leider ist dem nicht so. Das Experiment Walter nach Stuttgart hat mich leider von Anfang an erinnert an Experimente wie Wolf beim VfB, Titz beim HSV oder vor allem Anfang in Köln. Trainer ohne großen Namen, die im Jugendbereich oder einem kleinen Verein mit einer aktiven und unkonventionellen Spielweise überzeugt haben. Große chaotische, sich selbst überschätzende Vereine wie Stuttgart, Köln, HSV sind aber leider für derartige Trainer wohl noch ungeeigneter als die echten Branchenführer wie Bayern oder Dortmund, bei denen zwar die Erwartungshaltung nochmal größer ist, aber es auch ein eingespieltes Gerüst gibt. Selbst Spitzentrainer wie Streich oder Klopp wären bei diesen Vereinen gescheitert, die sind nämlich beide auch mal abgestiegen. Wahrscheinlich ist ein solider, sachlicher Trainer wie Hecking beim HSV oder Stöger in Köln, der (im Fall von Hecking) einen großen Namen hat und zwar nicht sonderlich innovativ, aber sehr sauber in der Umsetzung ist, für derartige Vereine wirklich am besten. Bruno Labbadia könnte eine solche Option für Stuttgart sein, Zsolt Löw würde es wohl ergehen wie seinen Vorgängern. Das Trainerkarussel wird immer verrückter…Anfang wird als Zweitligameister gefeuert und jetzt Walter punktgleich mit dem direkten Aufstiegsplatz. Den Vogel abgeschossen hat aber der 1.FC Saarbrücken: was macht man, wenn man in der RL Südwest mit vier Punkten Vorsprung Tabellenführer ist und im DFB-Pokal nach Siegen über Zweitligist Regensburg und Bundesligist Köln sensationell im Achtelfinale steht? Genau: man feuert Trainer Dirk Lottner. Nachfolger wird Lukas Kwasniok, dessen überragende Referenz darin besteht, bei Carl Zeiss Jena auf dem letzten Tabellenplatz einen Negativrekord aufgestellt hat. Haha

Für den Kader kann man die jetzigen Verantwortlichen nur eingeschränkt verantwortlich machen, schließlich hatten sie erst eine Transferphase. Hitzlsperger jedoch hat jetzt nach nichtmal einem Jahr im Amt schon seinen dritten Trainer verschlissen. Noch schlimmer: wirklich zu stören scheint es ihn nicht. „Wir müssen akzeptieren, dass es auf dem Trainerposten in den seltensten Fällen Kontinuität gibt.“ Der vermeintliche Superscout Mislintat wiederum spielt nicht zum ersten Mal eine fragwürdige Rolle bei einer mindestens fragwürdigen Trainerentlassung.

Bei Licht betrachtet wundert es mich wenig, dass der VfB nicht problemlos zum Aufstieg durchmarschiert. Stuttgarts Kader mangelt es zwar nicht an schillernden Namen, aber insbesondere die Altersstruktur überzeugt mich gar nicht. Es gibt Altstars, die durch Alter (Gomez, Castro) oder Verletzungen (Badstuber, Didavi) aber weit von ihrem Niveau vergangener Tage entfernt sind, und jede Menge Talente im Alter von 23 oder jünger, die aber-wie das bei sehr jungen Spielern üblich ist-in ihrer Leistung noch sehr wechselhaft sind (Silas, Gonzalez, Mangala, Sosa, Phillips, Ascacibar, Karazor, mit Einschränkungen auch Stenzel und Kobel). Die wenigen Spieler, die auf dem Zenit ihres Könnens sind, sind ausnahmslos erst im Sommer verpflichtet worden, müssen sich noch zurecht finden und fallen deshalb als Stützpfeiler auch aus (Al Ghaddioui, Kaminski, Klement, Endo). Solche Kader neigen fast immer dazu, in der Öffentlichkeit überschätzt zu werden, weil Fans und Medien nur auf die Namen blicken. Aber ein 34-jähriger Gomez ist halt nicht mehr sooo viel besser als viele Zweitligaspieler wie man meinen könnte, wenn man nur auf Vergangenes schaut. Beispiel für Kader mit ähnlicher Altersstruktur sind Uerdingen (Altstars wie Lukimya, Maroh, Konrad, Großkreutz, Bittroff, Dorda, Matuschyk, Daube, Kirchhoff+paar Talente wie Evina) und Bremen (Pizarro, Moisander, Gebre Selassie, Bartels, Langkamp, Sahin, Bargfrede, Toprak+ Talente wie Rashica, die Eggesteins, Friedl oder Sargent, aber an „Mittelbau“ eigentlich nur Klaassen, Osako und die Neuzugänge Füllkrug und Bittencourt).

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tobit 28. Dezember 2019 um 18:26

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass diese Trainer sich intern Feinde machen. Anders lässt sich das Verhalten der Verantworlichen für mich nicht mehr erklären. Wer einen Namen als „normaler“ Trainer und/oder Ex-Spieler hat, kommt da viel besser an und bekommt viel mehr „Misserfolgs-Kredit“ als die „fachfremden“ Aufsteiger. Das ist sogar ein globales Phänomen, wenn man sich mal Sarris Abgänge von Chelsea und Napoli ansieht.

Kwasniok spielt(e?) doch auch so einen schrägen Hipster-Fußball. Erinnere mich da an ein paar Artikel hier aus seiner Zeit als Interimstrainer beim KSC(?). Warum man da aber den offensichtlich erfolgreichen Coach überhaupt entlassen hat, ist mir auch schleierhaft.

Beim VfB genauso. Ich habe jetzt nicht sooo viele Spiele gesehen, aber das taktische Level war durchweg hoch – erst recht im Vergleich mit dem der Gegner. Nicht jede taktische Idee war erfolgreich (Ascacibar als Tiefenläufer war interessant – aber mehr auch nicht). Da ich sehr offensichtlich ein Fan von Walter bin, ist das was ich hier absondere natürlich alles mit Vorsicht zu genießen.
Jetzt kommt da wieder irgendein schon tausendmal entlassener aber etablierter Name, der erstmal das spielerische Gerüst umreißt um „die Defensive zu stabilisieren“. Man schafft mit Ach und Krach den Aufstieg, der Punkte-Schnitt liegt aber unter dem von Walter. Dann bekommt der „Feuerwehrmann“ (der eigentlich keinen Brand zu löschen hatte) einen neuen, langfristigen Vertrag und der Vorstand Europapokal-Ambitionen. Nach 10 Spieltagen und Tabellenplatz 14-18 wird der dann entlassen und man holt entweder den nächsten Feuerwehrmann oder das nächste „Taktik-Hipster-Experiment“ a la Wolf oder Walter. Am Ende der Saison hat man wieder drei Trainer durch und geht in die zweite Liga, mal schauen ob Kiel dann wieder einen Trainer zu verkaufen hat.
Man muss aber auch einfach mal festhalten, dass die individuelle Klasse der zweiten Liga in den letzten Jahren wirklich explodiert ist. Ein Kader mit Erstliga-Kosten ist halt nicht mehr garantiert besser. Und beim VfB sind es jetzt auch nicht so viele Spieler, die man zwingend in der ersten Liga verorten würde. Hauptsächlich sind das Didavi, Kempf, Kobel und Ascacibar. Keiner von denen stand wirklich durchgängig zur Verfügung, sei es wegen Verletzungen oder Wechsel-Drama. Alle anderen sind wie du richtig sagst entweder verletzungs-/altersgeplagt, junge Talente oder klare Zweitligaspieler (besonders die Sommerneuzugänge).

Mislintat scheint ein recht unangenehmer Zeitgenosse zu sein, dem die Dortmunder Erfolge mit Klopp zu Kopf gestiegen sind. Ich bin mir sicher, dass er ein absolut herausragender Scout ist – aber halt nicht mehr. Dieses „Ikarus-Syndrom“ vereint ihn mit einem seiner Vorgänger in Stuttgart. Michael Reschke hat auch im „hohen Alter“ seine Nische im Scouting verlassen und sich dabei beim VfB klar übernommen.

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Daniel 29. Dezember 2019 um 13:01

Wenn diese Trainer sich intern Feinde gemacht hätten würde man das doch als Verein nach draußen kommunizieren, schon um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. So war es ja auch bei Tuchels Ende beim BVB, noch Monate später sind die Verantwortlichen medial auf den (vermeintlichen oder tatsächlichen) charakterlichen Defiziten Tuchels herumgeritten. So sehr, dass es schon wie ziemlich schlechter Stil wirkte. Aber eben auch, weil sie wussten, dass die Entlassung mit dieser sportlichen Bilanz andernfalls Fragen aufwirft. In Saarbrücken, Köln oder Stuttgart jedoch ist davon keine Rede. Explizit wird darin die Entwicklung der letzten Spiele als Grund genannt. Die Bereitschaft, mit einem Trainer auch mal durch eines der unvermeidlichen Täler einer Entwicklung zu gehen, ist bei den genannten Vereinen offensichtlich gleich Null. Durch solche Entlassungen erhöht man natürlich auch den im Aufstiegskampf ohnehin schon großen Druck auf alle Beteiligten nochmal beträchtlich. Wenn Saarbrücken den Aufstieg jetzt tatsächlich noch verspielt wäre das unter normalen Umständen eher eine Randnotiz am Ende der Saison und vor der EM. Unter diesen Umständen aber würden sie damit zur Lachnummer werden.

Ich kann nicht viel zu Kwasniok sagen und will ihn auch bestimmt nicht schlecht reden. Für die Entwicklung in Jena war er bestimmt nicht der Alleinschuldige. Ich meinte nur, dass es ziemlich bizarr ist, ihn ohne weitere Erklärung zum hoffnungsfrohen Nachfolger eines erfolgreichen Trainers hochzujazzen, nachdem er grad den schlechtesten Saisonstart der Drittligageschichte hingelegt hat. Nebenbei gesagt würd mich auch mal interessieren, wie viel Geld Köln, Stuttgart und der HSV in den letzten paar Jahren an Abfindungen und Gehaltfortzahlungen für bereits gefeuerte Trainer zum Fenster rausgeworfen haben

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tobit 29. Dezember 2019 um 13:35

Diese Vereine sind ja bereit mit Trainern durch Täler zu gehen – wenn sie Ex-Profis oder etablierte Namen sind. Zumindest ist bei denen die Toleranz für schlechte Ergebnisse (oder schlechte Spiele mit glücklichen Ergebnissen) viel höher.
Dass diese Traditions-Chaos-Klubs allgemein wenig Geduld mit Trainern haben, will ich auch nicht bestreiten. Die Beweislage ist da erdrückend. Stuttgart sucht jetzt den neunzehnten(?) Trainer seit der Meisterschaft 2007. Hamburg hat gefühlt noch mehr Coaches verschlissen. Mein Punkt ist, dass sie mit den Hipstern NOCH WENIGER Geduld haben. Vielleicht war „Feinde machen“ etwas übertrieben, aber da muss es intern irgendwas geben, was die schneller den Job kostet als andere Trainer.

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Koom 1. Januar 2020 um 14:31

Vermutung: Die Hipster wollen sich nicht reinreden lassen. Was ist denn ein großes Problem der Traditionsklubs? Viele Leute, die mitreden wollen. Innerhalb wie außerhalb des Vereins. Da mischt der Präsident mit, Sportmanager, Großsponsor, Vereinsarzt – jeder hat ne Meinung zur Taktik und Aufstellung. Und der Trainer ist Überzeugungstäter und lässt sich nicht reinreden. Und hat dann binnen weniger Monate den halben Verein gegen sich. Mit Tuchel ist da das gleiche passiert. Wenn man nicht unbedingt die absurden Sympathiewerte und -fähigkeiten wie Klopp hat, wird das immer so geschehen.

Gegenbeispiel: In Mainz lässt man den Trainer machen. Auch wenns weh tut. Klopp wie Tuchel haben mal 5-7 Spiele in Serie verloren dort. Trotzdem wurde nie über ihren Posten diskutiert. Weil man manchmal Leuten Zeit geben muss, Dinge neu zu strukturieren.

Auch die angepriesenen Dortmunder haben diese Fähigkeit nicht. Klopp haben sie bei der ersten großen Misserfolgsserie entlassen (jaja, einvernehmlich blabla). Und danach sich permanent nach einem neuen Klopp gesehnt und nicht mehr gefunden.

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studdi 2. Januar 2020 um 10:57

Denke ein Problem was solche nicht ex-Profis als Trainer haben ist auch das Sie die Spieler Kabine und das Um,fled des Vereines wohl nicht immer kennen und etwas unterschätzen. Ich glaube da gibt’s auch viele intriegen Intern. Denke das Spieler auch durchaus gegen einen Trainer spielen können bzw. wissen ob und wie sie bei einem Vorgesetzten erwas negatives sagen damit etwas passiert, gerade wenn es um Ihre Zukunft geht (evtl Vertragsverlängerung etc.) Denke da haben ex-Profis dann doch mehr Erfahrung und ein besseres gespür dafür wie man eine Kabine im griff hat bzw mit wem man sich gut halten muss. Ist dann vl einfach eine Sache von Erfahrung oder eben eventuell auch eine Sache von Anpassungen das manche Trainer dann doch eher an Ihrem Job hängen und Eingeständinisse machen und andere dann radikal Ihr ding durchziehen.

kalleleo 2. Januar 2020 um 11:28

Ich denke bei vielen der Chaos-Traditionsklubs ist einfach das Managment und Drumherum nicht professionell genug um eigene Befindlichkeiten im Namen des Erfolgs zurückzustellen oder produktive Kompromisse zu entwickeln.
Das gibt es auch in vielen Unternehmen der normalen Wirtschaft, dass sich eine Unternehmenskultur gebildet hat in der entweder entscheidende Posten mit den falschen Leuten bestzt sind oder es insgesamt keinen Willen gibt, selbstkritisch an der eigenen Verbesserung zu arbeiten oder beides. Solche Unternehmen haben in der Regel Schwierigkeiten, gutes Personal zu halten, weil keiner Bock hat sich das lange anzutun.
Zurück zum Profifussball: Wenn jetzt also ein neuer Trainer mit neuen Methoden kommt, die das eingesessene Vereinspersonal zwingen, sich im Dienste des Erfolges umzustellen, dann klappt das nur wenn eine professionelle sprich lernfähige Vereinsstruktur existiert. Bei vielen Traditionsklubs sitzen aber Altgediente, Glücksritter und andere nicht ausreichend „professionelle“ auf entscheidenden Posten. Das gibt den Klubs Charakter, aber macht sie weniger erfolgsstabil. Da geht es dann vom Meistertitel oder Europapokal ganz fix in die zweite Liga und die Trainer werden nicht unbedingt nach objektivem Maßstab bewertet.


tobit 9. Dezember 2019 um 23:23

Ich hab mir mal das Montagsspiel gegen Nürnberg angeschaut. Das ist strukturell und im Bewegungsspiel schon echt großes Kino, das der VfB da abliefert.

Vor der Pause im 4-3-2-1 enorm dominant aber bis auf die zwei zurückgepfiffenen Tore von Endo und Gomez nicht so wirklich durchschlagskräftig.
Nach dem frühen Rückstand mussten sie sich natürlich erstmal schütteln, kamen dann aber durch die viel in Bewegung befindlichen Förster und Didavi zu einigen guten Ansätzen über halbrechts, dort fehlte aber ein wirklicher Tiefen- und Breitengeber um die Abwehr der sehr defensiven Nürnberger ernsthaft durchbrechen zu können. Stenzel war zu oft tief und eng vor der Abwehr, wurde dort aber auch gebraucht. Der nach außen ziehende Castro traute sich zu selten wirklich in die Tiefe, so dass da viel an Einzelaktionen von Didavi oder Förster ohne besondere Unterstützung hing.
Links passte die Koordination zwischen Sosa und Ascacibar kaum mal und auch die Anbindung an den Rest des Teams war recht dürftig. Der bissige Argentinier suchte oft die Tiefe über diagonale Rochaden nach außen während Sosa recht unbeteiligt breit blieb. Die öfter mal von Philipps auf Ascacibar geschlagenen Diagonalbälle hinter die Abwehr blieben ebenfalls erfolglos, wurden aber auch in eher komischen Situationen gespielt. Einzig über Rückstöße eines Zehners im linken Halbraum wurde es hier mal interessant.

Zur Pause blieb dann Didavi in der Kabine, Walter stellte auf 4-4-1-1/4-1-4-1 mit Sosa und Silas als klar breiten Flügelstürmern um und plötzlich ging die Mitte auf. Der VfB erarbeitet sich Chance um Chance und belohnt sich dann auch mit den Toren. Gerade der jetzt zentraler spielende Ascacibar und die sehr aktive Rolle des zum Linksverteidiger umfunktionierten Castro belebten das Spiel über die jetzt viel dominantere linke Seite. Dieser Ballung an kombinations- und gegenpressingstarken Akteuren hatte die durch die konstanten Breitengeber gestreckte Nürnberger Abwehr wenig entgegenzusetzen. Auch Gomez wirkte durch die Nähe zu Förster befreiter, musste im Zentrum seltener den Ball ablegen oder halten und kam so endlich zu seinem zweiten Saisontor in typischer Gomez-Manier.

Zu den neuerdings von Jens Keller trainierten Nürnbergern gibt es wenig zu sagen. Im 4-5-1 kamen sie kaum mal ins Pressing gegen den sich permanent umformenden Stuttgarter Spielaufbau und konnten bei Kontern den Ball nur selten lange genug halten um ihn über die Mittellinie zu bringen. In der zweiten Hälfte wurde RA Schleusener (später ersetzt durch Kerk) immer mehr zum zweiten RV, was aber nicht gerade sauber umgesetzt wurde und damit gegen die sehr variantenreichen Angriffe der Stuttgarter keine Wirkung hatte. Immerhin haben sie ihr erstes Tor unter dem neuen Trainer erzielen können.

Alles in allem ein sehr kurzweiliges Spiel, nach dem sich der VfB auch wieder ins Rennen um die Aufstiegsplätze einschaltet.

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tobit 9. Dezember 2019 um 23:29

Formation erste Halbzeit: http://lineupbuilder.com/?sk=v1mx9
Formation zweite Halbzeit: http://lineupbuilder.com/?sk=v1my0
Was ich noch vergessen hatte: Wataru Endo mit einer sehr balancierten Leistung auf der Sechs. In der ersten Halbzeit mit vielen guten Bewegungen um Räume für die vorstoßenden Stenzel und Badstuber zu öffnen. Nach der Pause in der Doppelsechs auch im Offensivspiel mutiger. Generell sehr starkes Passspiel mit guter Abwägung zwischen Sicherheit und Vertikalität. Auch in der Antizipation gegen den Ball mit guten Momenten.

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tobit 2. August 2019 um 11:15

Walter ist so langsam echt reif für die Bundesliga. Wenn er es mit Stuttgart nicht schafft, findet sich bestimmt ein Erstligist, der sie von ihm erlöst. Hat bisher auf jedem Level in kürzester Zeit einen sehr klaren und eigenwilligen Spielstil eingeführt und damit Erfolg gehabt. Augsburg, Mainz oder Köln dürften auch mit seiner „Sprunghaftigkeit“ wenig Probleme haben, wenn er ihnen ein erfolgreiches Jahr verspricht.

Jetzt stellt euch diesen Stil Mal mit Weigl als vorstoßendem IV vor *träum

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