Weitgehend Spitzenqualität

2:3

Es war knapp zwischen den beiden Topteams, ein Duell mit hoher Intensität. Über die verschiedenen Phasen hinweg begleitete immer wieder das Thema der Sechsereinbindung und war somit eine Schlüsselkomponente inmitten des weitgehend ausgeglichenen Geschehens.

Wieder unterliegt Borussia Dortmund knapp im Duell mit den Münchener Bayern. Das Team von Lucien Favre spielte insgesamt gut auf und hatte einige Ansätze gegen die Mannen von Hansi Flick, in einer sehr knappen Angelegenheit setzten diese sich jedoch letztlich durch und agierten noch etwas effektiver.

Das Topspiel war ein funktionales Duell mit der erwartet hohen Intensität, in dem beide Kontrahenten immer wieder gerade noch sich gegenseitig bedrängen und potentielle Ansätze stören konnten, kurz bevor diese sich konkreter weiterentwickelten. Die Teams gestanden dem Gegenüber in dieser Konstellation wenig zu bzw. dann im Laufe der zweiten Halbzeit bei weiträumigen, aggressiven Verhaltensmustern mit nachlassender Kraft schließlich sogar doch relativ viel.

Insgesamt ähnelte die Begegnung in der Qualität und der Qualitätsdichte dem hochklassigen Aufeinandertreffen vom Ende der vergangenen Rückrunde. Diesmal prägte sich strukturell eine starke 4-4-2/4-2-3-1-Note aus. In den ähnlichen formativen Ansätzen ging es für beide Seiten viel darum, möglichst gut in günstige Breiten- und Tiefenstaffelungen nachzuschieben und mit Ball horizontale Aktionen an den verschiedenen Linien entlang zu finden.

Wenig Präsenz für Reus und für Hummels

Auch die Besetzung des neuralgischen Raumes vor der gegnerischen Kette wurde ein entscheidendes Thema, sofern sich die Positionsstruktur so funktional darstellte und daneben die Partie einen direkten und vertikalen Zug in die Tiefe entwickelte. Aus Dortmunder Sicht wurde Reus in der ersten Halbzeit fast etwas zu sehr in hohen und speziell ballfernen Bereichen geopfert, wo er hätte auf Verlagerungen und Diagonalbälle spekulieren können. Seine Nähe zur letzten Linie machte sich dafür beim 1:0 bezahlt, als er sich bei der Hereingabe kleinräumig von Boateng und Alaba weg absetzen konnte.

Insgesamt kam der Dortmunder Kapitän zunächst jedoch wenig ins Spiel. Zum einen lag das an seiner recht konstant linksseitigen Grundposition, gerade im Vergleich zum weiträumig pendelnden Müller. Die Konstellation förderte Reus´ Einbindung insofern nicht, als die Dortmunder Eröffnungen eher über halbrechts liefen bzw. mehr über Akanji als über Hummels laufen mussten. Letzteren stellten die Münchener zwar nur selten – über eine versetzte Startposition Lewandowskis – frühzeitig zu. Aber nach dem ersten Pass schalteten sie häufiger dann in die Vorbereitung des weiteren Pressingübergangs, wenn das Zuspiel von Hummels auf Akanji ging statt umgekehrt.

Zum anderen lief das Offensivspiel in den Übergangsmomente auf den Versuch von 1gegen1-Situationen außen oder direkt auf Haaland zu. Im Vergleich zu Münchener Ballbesitzmomenten fand bereits der Dortmunder Aufbau im Durchschnitt etwas tiefer statt – bloß als strategische Konsequenz daraus, dass die Gäste mehr Defensivaktionen schon im höheren Mittelfeldpressing fuhren. In der Folge stand die letzte Reihe – wie von Flick häufig präferiert – höher und für den BVB wurde früher der Versuch naheliegend, auf direktem Wege dahinter zu kommen.

Spielphasen und Konstanten

Dadurch verstärkte sich umso mehr die Neigung, die Sechser aus dem Aufbau heraus zu überspielen, zumal es anfangs ohnehin mit Ball nicht so gut gelang, diese zu integrieren. Die Positionen vor der Abwehr bildeten für beide Teams in der insgesamt recht ausgeglichenen Begegnung eine Bruchstelle, die dem Gastgeber speziell im ersten Teil der ersten Halbzeit zu schaffen machte, auch für die Bayern nicht unerheblich war und zwischenzeitlich sogar zum Zünglein an der Waage gegen die Münchener hätten werden können.

Einige entscheidende Feinheiten gingen in diesem Duell, in dem es nicht nur dem geflügelten Wort nach letztlich auf genau solche ankommt, von den Sechsern aus. Mit „entscheidend“ ist hier entscheidend im Sinne der kleinen Verschiebungen der Kräfteverhältnisse und/oder der strategischen Verteilungen in einzelnen Spielphasen gemeint, die sich manchmal in einem „spielverlaufsgerechten“ Tor niederschlagen, manchmal auch nicht. Insgesamt gesehen gruppierten sich die Treffer in dieser Begegnung unabhängig von den Phasen.

Im mittleren Teil der ersten Halbzeit ging dem BVB etwas die Präsenz ab: In vielen Bereichen bewegten sich die Teams weiter auf Augenhöhe, aber die Einbindung der Sechser im Aufbau setzte der Gastgeber nicht optimal um. Gerade sobald die Münchener die Zirkulation auf Akanji leiten und abkappen konnten, war Delaney als ballferner Mittelfeldmann aus dem Zentrum noch weit weg. Zudem tendierte gleichzeitig Witsel dafür zu sehr dazu, näher entgegenzukommen und fast noch Raum zuzumachen. Durch relativ einfaches Verschieben konnte Bayern den ballnahen Halbraum über ballnahen Flügel, Sechser und Stürmer zustellen.

Für und Wider beim direkten Spiel in die Spitze

Dementsprechend blieb für Dortmund tatsächlich vorwiegend der frühe Flugball hinter die Kette, der sicherlich ohnehin einen wesentlichen Teil des Plans bildete. Dieser führte auch zu gefährlichen Ansätzen: Sancho versuchte Raum zu öffnen, Haaland kreuzte gezielt – nach horizontalen Bewegungen zur Vorbereitung – in den Rücken des ballnahen Innenverteidigers und machte Boateng und Alaba in jedweden Laufduellen ohnehin Schwierigkeiten. Reus wiederum setzte sich ballfern ab und beschäftigte Sarr zusätzlich. So trug er dazu bei, dass die schnellen Diagonalbälle auf Reyna noch unangenehmer wurden, da Bayern bereits weiter nach innen hatte durchschieben müssen.

Daneben gab es auch Nachteile für den BVB: Zwischenzeitlich hatten sie nur wenige Zirkulationsphasen, da ein wesentlicher Anteil an Offensivaktionen schnell in der Spitze versandete. Dies trug zu einem temporären Mangel an Präsenz bei. Es kam in dieser Phase kaum dazu, dass die Borussen mal Bälle länger im Mittelfeld hielten. Zum Ende des ersten Durchgangs ergaben sich demgegenüber mehr Variationen im Übergangsspiel, vielleicht zumal durch Justierungen während der Verletzungspause Kimmichs. Bei Ballbesitz Akanjis besetzte häufiger Sancho ballnah den ersten Halbraum als kurze Option anstelle von Witsel.

Die beiden Sechser wiederum fanden durch nähere Positionierungen aneinander überhaupt eine klarere Verbindung. So wurde es situativ möglich, noch einmal neu über das Zentrum zu öffnen oder den Gegner dort zumindest stärker zu beschäftigen. Alternativ ergaben sich Aktionen über Meunier: Eine tiefere Position Sanchos bedeutete zwar weniger direkte Interaktion mit Haaland. Solche Situationen ermöglichten aber das weitere Aufrücken des Rechtsverteidigers und eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass dieser den nötigen Passwinkel erhielt, um mit dem ersten Kontakt einen scharfen Querpass nach innen zu bringen.

Bayerns Abläufe wieder schärfer – vor allem jeweils zu Beginn der Halbzeiten

Solche Zuspiele waren auch für die Bayern wichtig, insbesondere durch Hernández. Die Entstehung des Freistoß vor dem 1:1 etwa leitete dieser mit einer starken Entscheidung ein, als er für den Richtungswechsel im Dribbling das ideale Timing fand. Zudem wurde er beim situativen Dreieraufbau der Münchener gut eingebunden, also wenn sich ein Sechser zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Dieses oftmals ungeduldig oder unsauber genutzte Konzept praktizierten die Dortmunder gar nicht, die Münchener insgesamt nur selten, aber dann überdurchschnittlich effektiv: Sie zogen daraus vernünftigen Raumgewinn über den Innen- und ein passendes Aufrücken des Außenverteidigers, zumal Hernández eine gute Höhe fand.

Gerade für die starke Anfangsphase der zweiten Halbzeit spielte diese Option im variantenreichen Auftritt der Gäste eine Hauptrolle, noch mehr als eingangs im ersten Durchgang. In jener Phase hatte zunächst die Besetzung des Zwischenlinienraums zu einem wichtigen Faustpfand gehört, da in der Qualität höher als die Anbindung dorthin. Wenn die Bayern den Weg hinter die gegnerische Mittelfeldreihe fanden, dann lag das anfangs auch daran, dass beim BVB das Herausrücken gegen herausgekippte Sechserpositionen zunächst nicht sauber funktionierte.

Halblinks bewegte sich Delaney etwas wild, aber auch im anderen Halbraum gab es Probleme, weil die Pressingansätze nicht geschlossen genug im horizontalen Nachschieben gesichert waren. Einige Male überspielten die Bayern den ballnahen Sechser und ließen dann in der Fortsetzung solcher Momente die eigene Leistungsspitze aufblitzen. Insgesamt hat sich über die letzten Wochen zu Genüge angedeutet, dass zumal unter der hohen Belastung die Abläufe in Flicks Team nicht mit jener Sauberkeit umgesetzt wurden oder werden konnten wie in manchen Phasen der Vorsaison. Zu Beginn dieses Topspiels agierten die Münchener aber wieder „schärfer“ als zuletzt.

Das galt ganz allgemein, aber auch in Teilbereichen: Beispielsweise waren asymmetrische Staffelungen der Außenspieler wieder deutlicher ausgeprägt. Ein Spieler gab Breite und Tiefe, einer orientierte sich auf den Zwischenlinienraum (hauptsächlich Gnabry halblinks) und gab dort die zweite Option neben Lewandowski oder Müller. Dort entstanden einige starke Abläufe, indem die zwei Akteure ein Dreieck mit dem Passgeber oder einem nachrückenden Kollegen aufbauten. Im ballfernen Halbraum gab es mitunter weiträumige Vorstöße eines Sechsers, um weitere Präsenz vorne zu schaffen, zumal wenn Müller oder Lewandowski sich zuvor bereits im Übergangsspiel verstärkt beteiligt hatten.

Nachlässigkeiten in der Münchener Rückzugsbewegung gegen Anschlussaktionen

An dieser Stelle deutet sich eine erste Komponente eines möglichen Knackpunktes aus Bayern-Sicht an – die Rückzugsbewegung aus dem Mittelfeld. In unterschiedlichen Momenten der Partie war es hier für sie auf verschiedene Weisen mehrmals ein Spiel mit dem Feuer. Das galt nicht nur im defensiven Umschalten, wenn selbst bei Schnellangriffen ambitionierte Vorwärtsläufe von einem Sechser kamen und die Rückwege dadurch weit wurden.

Noch mehr war das Überspielen aus dem eigenen Defensivmoment ein Thema: Dortmund spielte viele frühe Tiefenpässe oder weiträumige Verlagerungen, die naturgemäß nicht nur in den zwei gegensätzlichen Extremszenarios endeten – also entweder a) einem schnellen Eindringen in den Strafraum bzw. sogar einer Abschlussposition oder b) einem Ballverlust, meist zu Neuer oder ins Aus. Zahlreiche Bälle wurden länger und drifteten nach außen weg oder rutschten so durch, dass man sie tief zwar erlaufen konnte, aber kurz auf Unterstützung warten musste. Daneben kamen noch Abpallersituationen zum Tragen.

Es kam also vor, dass Dortmund nach einem zweiten Ball kurz abbrechen musste oder dass es halbwegs im Tempo bleiben konnte. Beides war potentiell gefährlich: Vor allem Reyna mussten die Münchener mehrmals mit den Außenverteidigern im 1gegen1 verteidigen, teilweise auch Sancho oder den ausgewichenen Haaland. Sowohl in Szenen, in denen Dortmunder Individualisten auf die Kette dribbelten, als auch in solchen, in denen die Restverteidigung an den eigenen Strafraum gedrängt war und der BVB über die mitlaufenden Kollegen verlagerte, gab es in der bayerischen Rückzugsbewegung Nachlässigkeiten.

Dortmund spielstark, aber unüberlegt im Sechzehner

In der ersten Halbzeit handelte es sich mitunter tatsächlich um Nachlässigkeiten, wenn etwa nur ein Sechser zügig anschloss. Dadurch konnten die Gäste den Rückraum nach schnellen Dortmunder Vorstößen nicht so gut absichern. Boateng und Alaba waren zu riskanten Aktionen gezwungen und hatten es dadurch zudem schwieriger, Haaland zu kontrollieren. Selbst bei geschlossenem Rückzug fehlte teilweise die Rückraumsicherung, indem der ballferne Sechser manchmal zu tief absichernd zurückfiel. Die Borussen hatten durch die vielen spielstarken Individualisten und die eigene gruppentaktische Qualität stets Ideen, wenn sie an der flach gestaffelten Münchener Restverteidigung in Strafraumnähe entlang spielten.

Im Sechzehner selbst suchten sie jedoch mehrmals zu früh und hektisch den Abschluss. Die zwei besten Beispiele für die starken Ansätze wiederum bildeten aus individueller Hinsicht Guerreiros Dribbling vor der Vorlage zum 2:3 und aus (klein-)gruppentaktischer Hinsicht die Großchance von Reus nach dem doppelten Doppelpass mit dem eingewechseltem Bellingham auf kleinem Raum. Gerade jene Szene war ein Beispiel dafür, wie bei den Münchenern auch etwas Glück mithalf, um den insgesamt nicht unverdienten Sieg sicherzustellen.

Bei dem Volleyschuss von Reus kurz vor Schluss und ähnlich bei der Direktabnahme von Witsel in der ersten Halbzeit sind die problematischen Folgewirkungen der inkohärenten Rückzugsbewegung besonders konkret illustrierbar: Sofern bereits die zentralen Mittelfeldakteure nicht unterstützen konnten, fehlte einfach numerische Präsenz. Die bayerische Restverteidigung musste mit weniger Leuten verteidigen. Dies machte sich am Ende der Szene ballfern bemerkbar, wenn Dortmund – wie insbesondere bei Witsels Chance – über den reduzierten Defensivblock hinweg spielte und ballfern endgültig keine Bayern-Spieler mehr „übrig“ blieben.

Jeweils lange Rückwege nach Erhöhungen der Pressinglinie

Dass es in der Rückzugsbewegung Nachlässigkeiten gab, lässt sich in Teilen einfach konditionell erklären. Dies verstärkte sich in der zweiten Halbzeit zudem aus strukturellen Gründen: Strategisch entschieden sich die Bayern auch in jenen Phasen weiterhin relativ häufig, im Falle gegnerischer Rückpässe – ob über den Torwart oder bei tieferen Verlagerungen über die Innenverteidiger – bei vielversprechend erscheinenden Gelegenheiten zügig in die nächst höhere Pressinghöhe überzugehen. Sie wählten also den aufwendigen Weg, wo sie punktuell hätten passiver bleiben können.

Im Nachhinein zahlte sich das vielleicht aus, schließlich verhinderten die Münchener nicht zuletzt auch aufgrund dieser Investitionen gegen den Ball, dass die Borussia längere druckvolle Ballbesitzphasen entwickelt hätte. Nichtsdestotrotz waren die vielen Vorwärtswege und Rhythmuwechsel im Pressing fordernd: Dadurch brachten die Bayern sich selbst in die Lage, mit den Mittelfeldleuten immer wieder lange Rückwege gegen solche Abpraller zu haben, die Dortmund gewann und zu Aufrückmomenten machte. Der Münchener Rückzug war also in dieser Partie nicht so gut und die potentiell gefährlichste Anfälligkeit, aber blieb letztlich ungestraft.

Bayerns schwierige Phase Mitte der zweiten Halbzeit

Insgesamt schienen die Münchener etwa zwischen der 60./65. und 75. Minute am meisten mit sich zu kämpfen zu haben. In dieser Phase kamen Probleme im Aufbau dazu, wo sie sich nicht mehr so gut lösen konnten und in dieser unruhigen Lage nun auch Kimmich als ordnende Hand vermissten. Das Herauskippen der Sechser verlief mit nachlassender Kraft ungeduldiger und unsauberer, lud dadurch Dortmunder Pressing ein. Häufiger als zuvor fehlte die Anbindung zum jeweils anderen Mittelfeldkollegen, ähnlich wie es zwischenzeitlich beim BVB gewesen war. Auch die Offensivakteure stellten beim Aufbau über die Sechs weniger Optionen her und waren seltener anspielbar oder konnten es nicht mehr.

Mitte der zweiten Halbzeit mussten die Münchener häufig bereits nach zwei oder drei Pässen im Aufbau zurück auf den Innenverteidiger zirkulieren und einen der allgemein oft genutzten langen Bälle schlagen. Im Kampf um die Abpraller hielten sie aber selbst zu jenem Zeitpunkt ein solides Niveau. Wenn sie anschließend über Verlagerungen das Spiel öffnen wollten, kam ihnen in der Schlussphase zugute, dass auch Dortmund sich nicht mehr geschlossen zurückzog – und dass sie selbst weniger Spieler nach vorne brachten. Zwischenzeitlich hatten die offensiven Flügel des BVB mehrmals sehr gut ballferne Flugbälle auf den Münchener Außenverteidiger belauert – wesentlich engagierter als zu Anfang.

Einige voreilige Pässe, von Tolisso teilweise fast auf Verdacht gespielt, konnten Sancho und Co. in jener Phase abfangen. So hatten sie nicht nur die rund um das 1:2 gefährlichen Vorstöße von Hernández eindämmen, sondern Bayerns Zirkulation nachhaltiger unterbrechen können. Als die Außenverteidiger beim FCB sich zum Ende hin zurückhielten, bedeutete dies für Ballpassagen im zweiten Drittel sogar mehr Raum. Die Bayern verlagerten später vermehrt wieder auf die ballfernen Offensivspieler statt auf die Außenverteidiger. Sie wirkten dabei durch wieder konzentrierter, dass sie nur genau eine klare statt zwei eventueller Anspielstationen hatten.

Fazit

Im Grunde genommen war das Bundesliga-Topspiel nicht nur eine weitgehend ausgeglichene Angelegenheit, sondern es lieferte vor allem das, was es erwarten ließ: Eine enorme Grundqualität in vielen Bereichen und hohe Intensität, dazu etwas Pragmatismus und davon vielleicht sogar mehr als vermutet. In diesem Zusammenhang kam zumindest Adas ufbauspiel der Teams nicht immer an das hohe Vergleichslevel heran, das die beiden sonst vorgeben. Die Einbindung und das Freilaufverhalten von der Sechs waren dezent, so dass die daraus resultierenden Positionierungen etwa auf Dortmunder Seite hinter intensiv und geschlossen ausgeführten 4-4-2-Pressingmechanismen verschwanden.

Zwischen zwei ähnlichen Grundformationen passierte – wie also bei jenem Beispiel der Staffelungen auf der Sechs – in dem makro- und mannschaftstaktischen Bereich, den man häufig klassisch als „Taktik“ bezeichnet, nicht allzu viel Spektakuläres bzw. es passierte sogar überhaupt gar nicht viel: Die Grundordnungen hatten eine neutralisierende Wirkung aufeinander und so gab es stattdessen viel Verdichten, viel Nachschieben, viel Vertikalität. Das heißt: Es ging um verschiedene Kleinigkeiten und vor allem in wesentlichem Maße um gute Umsetzung. Genau in dieser Hinsicht war die Partie dann komplex.

Genau in dieser Hinsicht waren die kollektive Arbeit der Teams und die Arbeit der 22 Einzelspieler – gegen Gegner, gegen den sie bei vielen Entscheidungen und manchmal selbst bei der Ausführung einfacher Richtungswechsel eine größere Gratwanderung betrieben als sonst und vermutlich darum wussten – eine anspruchsvolle Balancefrage. Genau jene Umsetzung schließlich gelang den Dortmundern wie den Münchenern in den meisten Bereichen stark bis hervorragend, so dass im Endeffekt ein wirklich gutes Spitzenspiel stand.

Die Rede von der „Werbung für den deutschen Fußball“ hat man vielleicht schon oft gehört, aber sie ist im Grunde genommen berechtigt. Unter das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams vor einigen Monaten hätte man sie ebenso berechtigt als Fazit setzen können. In der Hinsicht ergibt sich jetzt also keine neue Erkenntnis, aber so ist es besser, als wenn man ein solches Resümee nicht treffen dürfte.

Michael Waldhauser 11. November 2020 um 14:49

Hervorragender Artikel, großes Lob für deine Beständigkeit. Bitte weitermachen!

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studdi 9. November 2020 um 10:19

Also ich möchte TR mal Danken das er hier immer noch Analysen schreibt. Ich persönlich lese die Artikel nach wie vor sehr gerne. Inhaltlich sind Sie momentan wohl das beste was man über diesen Themenbereich findet.
Und das ganze immer noch Kostenlos!
Also ich hoffe das du Weiterhin die Zeit findest immer mal wieder Analysen zu schreiben und hier Veröffentlichst.

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tobit 9. November 2020 um 20:22

Fette Zustimmung!

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kla 8. November 2020 um 09:03

wieder hart am Ausdruckskrebs

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André 8. November 2020 um 09:02

Deine Analyse gefällt mir fachlich sehr gut. Die Spielbetrachtung ist objektiv und viele taktische Feinheiten bzw. Wechselwirkungen werden beschrieben. Aber es fällt mir immer schwer deine Artikel bis zum Ende zu lesen. Das liegt daran, dass nahezu jeder Satz unnötige Worte und/oder Wortspielerein enthält (wie in folgendem Beispiel):
„Insgesamt gesehen gruppierten sich die Treffer in dieser Begegnung übrigens eher unabhängig von den jeweiligen Phasen.“
Du kannst natürlich schreiben wie du willst und fachlich werden die Artikel nicht besser und nicht schlechter. Ich denke aber, dass dich mehr Leute registrieren und deine Leserschaft wächst, wenn es dir gelingt deine Beobachtungen klar und einfach auszudrücken. Schreibst du oben anstatt ‚gruppierten‘ das die Treffer ‚fielen‘, lässt die Worte ‚gesehen‘, ‚übrigens‘ und ‚eher‘ ganz weg, dann wird der Artikel schlanker, besser nachvollziehbar und sprachlich ansprechender (weniger Ummgangssprachlich). Ich denke 1/3 bis 1/4 Textlänge kannst du in deinen Artikeln sparen. Fußballer und Wissenschaftler wollen es kurz und knapp!

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TR 8. November 2020 um 21:09

Ich habe jetzt noch einmal über den Text gelesen und mehrere Stellen verändert, vor allem viele kleine Wörtchen gestrichen, danke für den Hinweis. Es sollten jetzt keine in gravierendem Maße umständlichen Formulierungen mehr enthalten sein, hoffe ich. Vielleicht kannst du noch einmal eine Rückmeldung geben, wie dein Eindruck dazu nach der Überarbeitung ist.

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André 10. November 2020 um 08:52

Ich habe den Artikel nochmal gelesen. Er ist jetzt etwas schlanker und hat keinen Inhalt eingebüßt. Trotzdem sind deine Satzkonstruktionen immer noch zu lang. Zur besseren Verständlichkeit würde ich aus den langen Schachtelsätzen lieber 2 oft sogar 3 Sätze machen.
Beispiel:
„Das Topspiel war ein funktionales Duell mit der erwartet hohen Intensität, in dem beide Kontrahenten immer wieder gerade noch sich gegenseitig bedrängen und potentielle Ansätze stören konnten, kurz bevor diese sich konkreter weiterentwickelten.“
– anstatt erstem Komma, besser Satzende
– dann reicht es schon zu schreiben, dass beide Mannschaften viele gute Ansätze im letzten Moment unterbinden konnten
– das sich diese guten Momente anschließend weiterentwickeln können brauchst du nicht mehr erwähnen, weil es trivial ist. Heißt, die Info steckt bereits in vorher gesagtem und dem kundigen Leser ist das bereits klar.

Ich freue mich aber immer wieder über Artikel von Spielverlagerung. Die sind meiner Meinung nach viel ansprechender als die veröffentlichten Podcasts.

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