Starke Duellanten und zwei Messi-Tore

3:0

Valverde und Klopp bringen sehr spezifische Pläne gerade in den Staffelungs- und Bewegungsmustern. Barca aktualisiert sich noch etwas häufiger. Die Gäste nähern sich in der zweiten Halbzeit immer mehr einem Ausgleich an, ehe zwei späte Treffer den Kurs dieser Halbfinalpaarung ändern.

Als Jürgen Klopp noch bei Borussia Dortmund tätig war, sorgten diverse Auslosungen beim Kollegen MR für Enttäuschung, kam doch in dieser gesamten Zeit keine Begegnung des BVB mit dem FC Barcelona zustande, im Besonderen natürlich mit Guardiolas Barcelona, aber auch allgemein. In diesem Sinne bedeutete das Champions-League-Halbfinale, das sich nun im Camp Nou abspielte, eine verspätete, wenngleich etwas abgeschwächte Premiere: Erstmal traf eine Klopp-Mannschaft auf Busquets und Messi (wenn auch nicht zusätzlich auf Xavi und Iniesta). Beide Teams brachten ihre bekannten Stärken auf den Platz, diese prallten aber nicht in ihren gewohnten Verteilungen aufeinander, sondern fanden Ausübung in Form angepasster Kanalisierungen.

Vorwärtsbewegungen der Sechser, flexible Flügelspielerarbeit

Bei Barca übernahm Vidal für den fehlenden Arthur nicht genau dessen Position, sondern kam auf der rechten Seite zum Zuge. Dadurch konnte Messi direkt zentral agieren, vor allem eben gegen den Ball, wo sich also ein 4-4-2 ergab. Als Allrounder auf außen sollte Vidal viel mit nach innen und nach hinten verteidigen. Vor diesem Hintergrund agierten die beiden Sechser weit herausrückend: Sowohl Rakitic als auch Busquets schoben in höheren Pressingphasen weit nach vorne und stellten Fabinho und Keita zu.

Dafür wurde im ersten Teil der ersten Halbzeit auch konstant die Seitenaufteilung getauscht, mit Rakitic halblinks und etwas höher. Die beiden Sechser sorgten für Präsenz gegen die ersten gegnerischen Aufbauoptionen, dahinter boten die Kollegen Tiefensicherung am Flügel und Unterstützung im Rücken der anderen Akteure, denn Coutinho beispielsweise hatte noch den verbliebenen Achter der Gäste im unmittelbaren Zugriffsradius.

Defensivformation Barca, Offensivformation Liverpool

Auch nachdem Liverpool zu ersten Aufrückmomenten gekommen und Barca auf Mittelfeldpressinghöhe übergegangen war, machten die Katalanen von dieser Systematik Gebrauch. Im weiteren Verlauf der Partie wurde dieses Szenario quantitativ häufiger, generell war es auch noch etwas wertvoller für Barca. Das 4-4-2 mit erhöhten Zentrumsspielern funktionierte aus verschiedenen Gründen: Über die höhere Positionierung und entsprechende Körperwinkel lässt sich der Gegner oft erst einmal etwas nach außen leiten. Für die Verteidigung des Halbraums sind die Voraussetzungen durch diagonales Herausrücken des ballnahen Spielers aus der vorgeschobenen Grundstaffelung ebenfalls recht günstig.

Nur kann genau der erste Moment dieses Übergangs bei dynamischen Folgeaktionen für Anfälligkeit sorgen. In gewisser Weise wurde das vor allem für die höheren Pressingphasen zu einem Knackpunkt in dem Moment, in dem die zunächst etwas tieferen Außenspieler sich doch wieder nach vorne verschieben mussten, um ballnah Druck auf die erste Reihe zu erzeugen. Dahinter würde wiederum der eigene Außenverteidiger mindestens für die Grundkompaktheit zum Nachschieben gezwungen oder auch konkret eine etwaige Ausweichbewegung eines gegnerischen Achters aufnehmen.

Diese Situationen nutzte Liverpool für aggressive, scharfe Vorwärtspässe am Flügel. So konnten Bälle gegen die laufende Bewegung in die Schnittstellen gebracht werden, wo Salah und Mané in die Tiefe starteten. In der entsprechenden Konstellation kam dieses sehr einfache Mittel gut zur Geltung und rief einige Laufduelle der Angreifer gegen die Innenverteidiger hervor, aus denen sich in Durchgang eins manch brenzlige Momente ergaben. Überhaupt gestalteten sich zunächst im hohen Zustellen Barcas vorgeschobene Positionierungen aus dem Mittelfeld fast als etwas zu offensiv: Trotz untereinander prinzipiell guter Aufteilung bedeuteten in die Zwischenlücken gehobene Bälle generell kleinere Probleme, teilweise auch zentral.

Beim Mittelfeldpressing gab es sehr gute Momente: Der jeweilige Flügelspieler kann einen höheren Sechser in tieferer Position entsprechend ab, hat einerseits schnell Zugriff auf den unmittelbaren Raum hinter dem Deckungsschatten und andererseits zum Flügel. Überhaupt können die seitlichen Akteure also vergleichsweise schnell gegen Verlagerungen eingreifen. Sie sorgen für zusätzliche Präsenz, wo Außen- und oft auch der folgende Innenverteidiger sonst alleine weiträumige Aktionen umsetzen müssen. Vor allem schützt ihre Position den offenen Sechserraum von außen aus und deckt die Anbindung für horizontale Anschlusspässe nach Seitenwechseln dorthin ab, die quer in diesen eindringen könnten. Im Grunde genommen hat man eine Kombination von zwei diagonal nach außen und dahinter zwei gegenläufig dazu nach innen verteidigenden Spielern.

Klopps Pressingplan

Auch Klopps Team hatte spezifische Herangehensweisen. Prinzipiell hätte die flache, enge Dreierreihe die gegnerische Doppel-Sechs in ihren Schnittstund belauert und dann noch vielseitigen Zugriff weiter nach vorne gehabt. Dahinter blieben gleichzeitig zwei Folgespieler, um bei Bedarf sofort mannorientiert nachrücken zu können. Aus dem Sturmzentrum konzentrierte sich Wijnaldum leicht linksseitig noch einmal stärker auf Busquets, der sich tendenziell etwas zentraler hielt und zumindest in seiner Einbindung im Halbraum blockiert werden sollte. So prägte sich schnell die Konstellation heraus, dass er tiefer zurückging, fast zwischen den Innenverteidigern.

Defensivformation Liverpool, Offensivformation Barca

Auf den Flügeln rückten Sergi Roberto und Jordi Alba weit auf, Vidal spielte bei eigenem Ballbesitz dann im Zentrum als zusätzlicher Akteur und besetzte den rechten Achterraum. Der Aufbau lief im weiteren Übergang vor allem über Rakitic, der halblinks etwas tiefer zurückfiel und viel Präsenz an sich riss. Führte er dort den Ball, ließ Liverpool schließlich immer häufiger Fabinho von der zentralen Sechserposition dort hinterher knapp hinter die Lücke zwischen Wijnaldum und Salah herausschieben.

Die beiden Achter der Gäste orientierten sich dazu asymmetrisch: Der halblinke Akteur hatte noch Vidal in seinem Umkreis, bewegte sich in dessen Nähe, achtete aber auch auf den typischen Halbraum von Messi und hielt sich normalerweise letztlich in etwa in der Verbindung zwischen den beiden. Demgegenüber agierte sein Kollege auf halbrechts insgesamt breiter und verteidigte mehr mit zum Flügel: Er sollte bei öffnenden Pässen auf die offensiven Läufe Jordi Albas verschieben oder optional mögliche Rückstöße von Coutinho mit übernehmen. In Folge der Präsenz Rakitic´ gingen viele Aktionen auch aus dem nahe gelegenen linken Halbraum aus.

Insgesamt formierte Liverpool also eine klare, konstant abrufbare Grundstruktur. Von halblinks zog Barca aus der Rakitic-Präsenz heraus teilweise etwas zu früh weiter auf jene Seite. Die Wijnaldum-Position zwischen den Flügelstürmern trug ebenso dazu bei. Phasenweise lief das Spiel auch zu weit weg von Messi, der stattdessen halblinks punktuell mehr Präsenz zu erzwingen versuchte. Bei den frühzeitigen Eröffnungen konnte Liverpool aber mit dem rechten Achter – zuvor quasi der breite Absicherungsspieler des Mittelfelds – gut dorthin nachschieben. Dadurch musste man nicht die Kettenstaffelung auflösen, um Druck zu machen und gleichzeitig Coutinho unter Bewachung zu halten.

Dieser zog in solchen Konstellationen oft kleinräumig zum Ball und bemühte sich Jordi Alba schnell zu unterstützen. Konkret versuchte er bei kurzen Freilaufbewegungen sich kurz zurück nach hinten zu bewegen. Allerdings hatte er noch seinen direkten Gegenspieler jeweils eng bei sich und war in diesen Mustern leichter zu verfolgen, so dass er letztlich eher entgegen der eigentlichen Spieldynamik schräg vom Tor weg zur Seitenlinie abdriftete und ihm von Liverpool der Raum abgeschnitten werden konnte. Vor dem Hintergrund der erst einmal eher etwas niedrigeren Offensivpräsenz wirkte sich das aus: Diese Überzahlbildungen gegen Coutinho bei Anschlusspässen vom Flügel brachten den Gästen einige Balleroberungen und in vielen Phasen auch ihre Präsenz.

Phasen und Anpassungen

Nachdem Liverpool in den ersten Phasen der Partie viel Offensivpräsenz gehabt hatte, konnten sie nicht zuletzt die kleinen Wundpunkte der katalanischen Angriffspressingmomente später weniger gut nutzen. Die Keita-Auswechslung bildete dafür nur einen Faktor: In jenem Halbraum verlor Liverpool etwas Pressingresistenz, die in einzelnen kritischen Situationen den einen oder anderen Ball mehr durchgebracht hatte, während auf der anderen Seite über das intuitive Bewegungsspiel Milners die Bereiche um Coutinho herum anfangs noch etwas passender gefüllt worden waren. Gleichzeitig gingen von den Katalanen einige Modifikationen des frühen Zustellens aus.

Beispielsweise schoben sie sich mannschaftlich etwas höher statt beide Sechser so weit vorne zu positionieren: Häufiger gab es nun 4-1-3-2-hafte Logiken mit tieferem Busquets. Dafür rückten vor allem Vidal und in dessen Gefolge auch Sergi Roberto weiter heraus, so dass der Rechtsverteidiger das optionale Aufnehmen ausweichender Läufe des ballnahen gegnerischen Achters zum Flügel besser umsetzen konnte. Der Innenverteidiger sicherte dahinter weiträumiger, spielte also ohnehin schon breiter: Dagegen hatten die Auslösungsmomente für die Tiefenpässe auf die Stürmer keinen so klaren Ansatzpunkt in der Dynamik. Ein tieferer Sechser wiederum bedeutete mehr Präsenz nahe an der letzten Reihe.

Auch im zweiten Teil der zweiten Halbzeit kamen bei den Katalanen gute Pressinganpassungen zum Einsatz, um auf eine stärkere Phase des Gegners zu reagieren. Das galt nur bedingt für die 4-2-0-3-1-hafteren Variationen mit tieferem Messi gegen Fabinho und klareren situativen Mannorientierungen durch das Mittelfeld, weil das gegen horizontale Zirkulation letztlich doch nicht konstant aufrechtzuerhalten war. Einen guten Zug markierte vor allem die Formierung in Rautenanordnungen, für die Rakitic zentral sehr weit durch schob und häufig Messi auch die halblinke Position bekleidete, wenn er auf dieser als ballnaher Zone weniger Raum abzudecken hatte.

Mit einem Zehner hinter den Angreifern ließ sich sehr kompakt die erste Aufbaureihe zustellen, wogegen Liverpool auch mal mehr Präsenz zurückziehen musste. Von den Halbpositionen hatten Vidal und Sergi Roberto etwa zwischen Achtern und Außenverteidigern noch genug Kontakt zur Seite und staffelten sich hinter Messi asymmetrisch. Der Wechsel Vidals auf die linke Außenbahn bedeutete zumindest bei Ballbesitz insofern einen kleinen Vorteil, dass er aus tieferer Grundposition startete als Coutinho und daher bei Anschlussaktionen nach Verlagerungen auf Jordi Alba die Isolationsgefahr nicht ganz so unmittelbar bestand, vielmehr sich leichtere Rückpassmöglichkeiten zur Auflösung ergaben. Wie Barca unmittelbar nach dem 2:0 bei eigenem Ballbesitz auf intensivierte lockende Tiefenpräsenz zentral vor der gegnerischen Pressingreihe wechselte, stellte eine andere beeindruckende Reaktion dar.

Bis eigentlich zu diesem zweiten Treffer hatten die Gäste der Partie immer mehr den eigenen Stempel aufdrücken können und sich beharrlich dem Ausgleich angenähert. Wichtig war vor allem, dass sie Barca häufiger zurückdrängten, zumal in der Folge außerdem flache Staffelungen in deren Defensive zunahmen und langfristig das Gegenpressing erleichtert wurde. Gegen die erste Linie dribbelten die Innenverteidiger bei Liverpool nach dem Pausentee wesentlich aggressiver in die Räume zwischen bzw. um Messi und Suárez an. Auch spielte gerade Matip vermehrt offensiv angesetzte und zumeist gut gewählte Vertikalbälle bei Möglichkeit.

Durch das Andribbeln konnten die „Reds“ einigen Raumgewinn in erster Instanz erzielen, dann Verlagerungen besser anbringen und so am Flügel das Leder weiter nach vorne tragen. Diese stabileren Wege ins Angriffsdrittel bildeten die Grundlage für ihre starke Phase. Unter anderem gelangen ihnen darin auch erstmals regelmäßige Abschlüsse, nachdem Barcas Mittelfeld nach hinten gedrängt worden war und sich beim Spiel entlang des Rückraum insbesondere die diagonal absetzenden Bewegungen der Achter einbringen ließen. Einige Möglichkeiten waren da für die Gäste, blieben aber ungenutzt. Langsam kam Barca wieder besser zurück, durch sauberere Umsetzung im Mittelfeldpressing und jene Anpassungen in höheren Momenten, schließlich gekrönt mit den zwei späten Toren.

Fazit

In besonders guter Erinnerung dürfte Klopp dieses erste Aufeinandertreffen, in dem er sich und sein Team also nun auf Messi und Busquets vorbereiten musste, nicht behalten. Prinzipiell begegneten seine Mannen den Katalanen nicht schlecht, konnten deren zwei Schlüsselspieler verhältnismäßig gut eindämmen. Messis bevorzugte Bereiche wurden oft aufmerksam abgeschirmt, auch nach Rückzug in tiefere 4-5-1-Staffelungen über einen oft etwas tieferen linken Achter.

Gelangen doch etwaige Einbindungen und Ballaktionen des Argentiniers im Zwischenlinienraum zur Tempoaufnahme, reagierte Liverpool mit scharfer Rückzugsbewegung und traf viele passende Entscheidungen, die Messi in diesen unangenehmen Konstellationen vergleichsweise gut abzubremsen vermochten. Als gute Umschaltmannschaft wiederum stellten sie sich Barcas Zentrumsspiel um Busquets entgegen und hatten ihre Momente bei Duellen um zweite Bälle.

Was letztlich aber ungünstig war: In dem Maße, in dem sie über ihre Qualitäten den Einfluss dieser beiden Einzelkönner vielleicht stärker beschränken konnten als viele andere Mannschaften, wirkte das auch umgekehrt, konnten diese auch jene Qualitäten eindämmen und ließen diese weniger zur Geltung kommen. Besonders galt das im Falle Busquets´: Auch wenn er gegen Liverpool nicht so klar und stabil dominieren konnte, war seine Raumkontrolle enorm wichtig dafür, dass die Gäste nach Ballgewinnen oder losen Bällen nicht so sauber in mögliche Konter hinein kamen.

Insgesamt waren die „Reds“ nicht weit weg und im zweiten Durchgang sägten sie so lange und hartnäckig am Tor, dass nicht viel fehlte, bis es gefallen wäre. Aber stattdessen passierte Klopps Mannen letztlich etwas, das auch Guardiolas Bayern einmal im Camp Nou erleben mussten: Zwei späte Tore verschlechterten die Ausgangslage für das Rückspiel erheblich. Bei jenen beiden Treffern, die sich nicht unbedingt angedeutet hatten, spielten ausgerechnet die zwei herausragenden Figuren Barcas wiederum die Hauptrollen: Busquets beim einleitenden Pass gegen einen Moment suboptimaler Orientierungen vor dem 2:0, Messi gerade mit dem Freistoß zum 3:0.

CHR4 8. Mai 2019 um 01:25

zum 4:0 in Anfield nach überraschend ausgeführtem Eckball:

Was für eine herrliche Finte beim Eckball! Wuawawiwa! – Endlich! Nachdem ich mir seit der WM 2014 bessere und vor allem innovativere, kreativere Standards vor allem in wichtigen Spielen gewünscht habe: so ein geiles Ding! Die wussten überhaupt nicht wie ihnen geschieht, bis der Ball einschlug.
Bitte lieber Liverpooler tut kund, wer sich diese Variante ausgedacht hat, und tragt ihn auf Händen!

Herrlich! Made my day! (und das obwohl mir völlig egal war, wer weiterkommt, aber allein dafür hat Pool den Finaleinzug verdient)

PS: und für alle, die nur nen kurzen Ausschnitt gesehen haben und denken, das wäre nur eine „schnell“ ausgeführte Ecke gewesen:
– Alexander-Arnold steht zur Ecke bereit.
– Shaqiri ist ca. 9 Meter davon entfernt als evt. Anspielstation für eine kurz ausgeführte Variante
– Alexander-Arnold geht auf Shaqiri zu, dieser geht langsam richtig Eckfahne. Es sieht aus, als sollte doch Shaqiri schießen und die Ausführung frühestens in einer halben Minute statttfinden.
– Barca „nutzt die Zeit“, um die Abwehr neu zu ordnen. Keiner beachtet mehr Alexander-Arnold, der sich vom Ball langsam entfernt.
– Shaqiri, beobachtet über die Schulter, das langsame Davonschleichen von Origi Richtung 5m-Raum.
– Als Origi realtiv frei 7m vor dem Tor steht (Pique zieht gerade an der 5m-Raum-Linie nochmal die Stutzen zurecht, ter Stegen 1m dahinter ordnet noch seine Vorderleute), ist Shaqiri noch ca. 7m von der Fahne weg und dreht den Kopf zu Alexander-Arnold.
– Dieser hat ebenfalls das Davonschleichen von Origi beobachtet und schaltet von „langsam vom bereitliegenden Ball weg“ auf „sehr schnell zum Ball zurück“ um.
– Da er erst 2m vom Ball weg war, ist er so schnell wieder am Ball, dass praktisch kein Barca-Spieler das überhaupt mitbekommt. Wenn überhaupt einer nach außen schaut, dann sind die Augen auf dem vermeindlichen Eckballschützen Shaqiri gerichtet, der, immer noch 7m von der Fahne entfernt, langsam weiter auf diese zugeht … und damit jedem, der hauptsächlich auf ihn achtet, suggeriert, dass der Eckball noch auf sich warten lässt.
– scharfe Hereingabe von Alexander-Arnold auf Origi, (Shaqiri ist immer noch 6m von der Eckfahne weg), der einzige der das sieht ist Alba
– ter Stegen und Pique merken erst, als der Ball am Eck vom 5m-Raum ist, was los ist.
– Origi schießt direkt aus 5,5m zwischen beiden hindurch (im Strafraum sind zu diesem Zeitpunkt genau 2 Reds und 9 Barca-Spieler)

Hanibal vom A-Team würde sagen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“

Antworten

kalleleo 8. Mai 2019 um 11:32

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es einstudiert war. Dafuer muessen zu viele Gegenspieler gleichzeitig pennen, so eine Szene kommt nur einmal in zehn Spielen. D.h. Trainingszeit speziell dafuer einzuplanen scheint mir keine so gute Idee.

In dem Spiel gestern hat Liverpool rechts hinten ziemlich oft schlecht ausgesehen und von da kamen oft Baelle in die Mitte aber irgendwie wollte Barca gestern kein Abschluss gelingen. Der Druck, den Liverpool in der ersten Viertelstunde aufgebaut hat war beeindruckend. Dagegen dann noch von hinten raus spielen zu wollen ist schon hart.

Antworten

pablo 8. Mai 2019 um 12:14

@Chr4: Klopp hat ja gesagt dass sie dieses Jahr mehr Augenmerk auf Standards gelegt haben. Statistik untermauert das 😉
Ich hab das schon vor der Wm gesagt. Verteidigen können mittlerweile viele Teams ziemlich gut und wenige gehen gerne den offenen Schlagabtausch ein. Das ist für jedes Team, gar für man City, schon sehr schwierig geworden regelmäßig hochkarätige Chancen zu kreiren und geichzeitig keinen doofen Konter zu fangen.
Also brauch ich ne Alternative und die heisst Standards. Selbst wenn die Erfolgsquote etwas geringer ist. Aber die Gefahr während ich ne Ecke oder Freistoß raus hole gleichzeitig in nen Konter zu laufen ist schon eindeutig geringer (wird dann wohl der next step, noch besseres Umschalten nach Standard-Verteidigung 😀 ) … Erst Recht natürlich während dem Standard.
mMn hat Pool hier die absolut richtigen Schlüsse gezogen und auch den Mut bewiesen nicht immer super ansehnlich zu spielen, sondern den eigenen Möglichkeiten nach das Beste raus zu holen. Über das Pressing muss man nicht weiter reden. Wie man gegeb Barca dann in Minute 90 noch so hoch anläuft, krank. Und immer vertikal die AUsrichtung, die sind immer schon nen Meter weiter als der Gegenspieler (natürlich nicht in allen Spielen 😉 … und ich fand das sehr kompakt gestern, das war schon beeindruckend.

@Kalleleo: Also spätestens in HZ 2 war hinten rechts dicht bei Pool. Was TAA in Hz 2 abgerufen hat im 1vs1 war stark, wobei man auch sagen muss das Alba verdammt schwach war. Wie der Rest auch.

Kann man jetzt diskutieren was Taktik, was Strategie, was Mentalität und was Glück war … Und da das hier ne Taktikseite ist bin ich auf die Auflösung aus der Sicht gespannt 😉

Antworten

Koom 8. Mai 2019 um 13:09

Ich glaube auch nicht, dass der Freistoß einstudiert war. Aber er konnte nur entstehen, weil da eine Mannschaft war, die sowas von wach in jedem Moment war, dass sie so eine Situation wahrnehmen konnte. Während Barca auch ein Stück weit „abgeschaltet“ in dieses Spiel ging und in manchen Situation einfach nur nach Schema F spielte (im englischen „going through the motions“). Die waren nicht wirklich da, die hatten ihre Stellungspläne im Kopf und die eintrainierten Positionen, aber sie waren nicht in diesem Augenblick da. Origi und Arnold hingegen waren wach.

„Eintrainiert“ also eher in Sachen Willens- und Wahrnehmungsschulung, aber nicht der konkrete Vorgang.

Antworten

CHR4 8. Mai 2019 um 12:49

@ kalleleo: Ich stimme dir zu, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass mindestens 10 erfahrene Spieler einer Mannschaft in der 79. Minute eines CL-Halbfinals gleichzeitig pennen.
Meine Erklärung dafür (siehe oben): Sie wurden alle zu einer falschen Annahme verleitet: Eckball wird erst ausgeführt, wenn Shaqiri bereit steht.
Das ganze erinnert mich an diese Szene aus dem College-Football:
https://www.youtube.com/watch?v=Ln3RWKyUouQ

Und das schöne daran: Es braucht weder viel Zeit, sowas einzustudieren, noch werden die Spieler hier körperlich stark belastet (7 Spieler stehen außerhalb des Strafraums, 1 steht am Elfemeterpunkt, 3 gehen max. 5 Meter, zwei davon machen zwei, drei schnelle Schritte + 1 Schuß.)
Man muss halt auf so eine Idee kommen … aber wer das als Profi nicht in seinen Zeitplan unterbringt …

Müller erklärt in diesem Video sehr schön, dass es darum geht, die Aufmerksamkeit, des Gegners zu steuern (es soll ja heute noch Leute geben, die denken, er wäre wirklich aus Versehen ausgerutscht …):
https://www.youtube.com/watch?v=ZL88F75Z4nk

Antworten

FAB 9. Mai 2019 um 16:45

Naja, Liverpool hat vermutlich nicht genau dieses Eckballszenario einstudiert, aber trotzdem scheinen Standards einiges an Raum in der Trainingszeit beim FC Liverpool einzunehmen. Und je mehr trainiert wird, desto flexibler werden die Spieler dann auch in der Lösungsfindung für den Ernstfall. Insofern ist ein solcher Eckball nicht einstudiert aber schon irgendwie vorbereitet.
Allerdings, welches Problem hat denn der FC Barcelona mittlerweile in den CL Auswärtsspielen:
Paris 0-4, Juve 0-3, Rom 0-3 und jetzt Liverpool 0-4 !!!
Davon abgesehen hat die totale Dominanz der Premier League nun doch etwas früher eingesetzt als zuvor (zumindest von mir) angenommen. Mit Sicherheit werden sich auch heute abend die beiden Engländer durchsetzen, dann hätten wir 4 englische Finalisten. Also die total Dominanz des englischen Fussballs.
Das letzte rein englische CL Finale gab es 2008. Damals war der Fussball in einer ähnlichen Situation. Allerdings wurde danach ein gewisser Pep Guardiola Trainer vom FC Barcelona, hat dann im CL Finale Man U vorgeführt und plötzlich wurden die Regeln des Fussballs erstmal wieder komplett neu umgeschrieben.
Allerdings erscheint mir diesmal die Übermacht der Premier League nochmal größer als damals und ich sehe nirgendwo eine Mannschaft mit dem Potential vom FC Barcelona aus der Saison 08/09 um Guardiola und dem damals 21 jährigen Messi.

Antworten

AG 12. Mai 2019 um 08:04

PSG und Mbappé? 😉

Antworten

tobit 13. Mai 2019 um 10:40

Wenn Barca damals nur Messi gewesen wäre, könnte man darauf vielleicht spekulieren. Barca war damals aber auch Puyol, Xavi und Iniesta auf (oder kurz vor) dem Höhepunkt ihrer Karriere. Außerdem ist Guardiola nochmal ein anderes Kaliber als Tuchel und Mbappé hat längst keine so exponierte Rolle wie sie Messi damals und heute hat(te).

Immerhin scheint sich PSG jetzt endlich mal ein Mittelfeld zuzulegen. Ander Herrera dürfte fix sein, um Guerreiro gibt es auch Gerüchte – das ist dann zusammen mit Verratti und Paredes (und zur Not auch noch Marquinhos und Dani Alves) schon eine feine Mischung. Vor allem sind das abgesehen von Paredes auch noch alles dynamische und flexible Spielertypen, mit denen Tuchel fast jede Staffelung ohne Wechsel oder Qualitätsverlust spielen lassen kann.

Hat jemand was zu Rabiot gehört? Landet der im Sommer bei einem der großen Vereine oder macht er den (selben Fehler wie) Meyer und verschwindet im PL-Mittelmaß?

Antworten

AG 13. Mai 2019 um 20:17

War auch nicht so ganz ernst gemeint. Trotzdem ist das Projekt PSG natürlich vor allem vorne toll besetzt. Drücken wir Tuchel mal die Daumen, dass sein Image beim Club durch den schlechten Lauf nach dem CL-Aus zu viele Kratzer bekommen hat, und dass er einige Spieler verpflichten kann. Wie du schon sagst, im Mittelfeld könnten sie 😉 Zu Rabiot finde ich auch nur wilde Gerüchte, scheint noch nicht ausgemacht zu sein.

tobit 13. Mai 2019 um 21:49

Dortmund scheint ja einen Topspieler für die Zentrale zu suchen. Wenn da nicht die ganzen Geschichten um seine angeblichen Stammplatz-Garantie- und Gehalts-Forderungen wären, würde ich den sofort nehmen. Das scheint viele (zahlungskräftige) Vereine abzuschrecken.
Zusammen mit Witsel könnte das ein Alptraum für viele Gegner (und angesichts der Frisuren so manchen Kommentator) werden, da beide in Topform unheimlich komplette und sehr vielseitige Spielmacher sind ohne dabei defensiv zu große Lücken zu lassen.

Tuchel scheint großen Rückhalt beim Scheich zu haben, steht aber schon von Beginn an mit Sportdirektor Henrique auf Kriegsfuß, der bei der Trainerwahl wohl überstimmt wurde. Nächstes Jahr darf man sich dann aber wohl nicht wieder im Achtelfinale verabschieden, egal wie gut die Performance bis dahin ist und wer alles verletzt fehlt.


CHR4 7. Mai 2019 um 02:56

Hallo zusammen, mal ein Hilferuf in die Runde von mir:

Könnt ihr mir Alternativen zu Whoscored empfehlen?
Ich würde mir gerne mal was anderes anschauen, da mich derzeit einige Sachen dort stören, z.B. das im Team- und Spieler-Ranking nur die 5-Top-Ligen berücksichtigt werden, was natürlich teils schon Sinn macht, aber man aufpassen muss, dass z.B. Spieler von Ajax nicht „unterm Radar fliegen“ …

Kennt ihr ähnliche Seiten?

PS: Ich verfolge die Diskussionen hier noch, allerdings ist es nach wie vor so, dass ich den Fußballkonsum aus verschiedenen Gründen immer noch zurückgefahren hab. (Zuviel Zersplitterung der Senderechte, fallendes Niveau der Bundesliga …)

Antworten

pablo 3. Mai 2019 um 16:00

Fand noch irgendwer dass die Mauer beim Freistoß zu weit mittig stand und dementsprechend die Ecke auch geöffnet hat? Kann sein dass der Ball auch über die Mauer gekommen wäre, aber der ging ja echt nicht mehr als 30-40cm neben Gomez vorbei.

Und ansonsten sinds einfach Messi, Ter Stegen und Glück. Glück weil Keita raus musste und Hendo noch nicht so ganz angekommen war als die Flanke rein lief. Glück weil das Foul vorm Freistoß nun wahrlich nicht gepfiffen werden muss (wo soll Fabinho denn hin, der kann sich ja nicht auflösen). Glück weil kein Firmino auf dem Platz stand … Weil der Schiri nicht die Eier hatte nem Suarez auch mal zeitiger Gelb zu zeigen … Das Zeitspiel von Barca Liverpool schon irgendwann um den Rhytmus gebracht hat … Also da haben Barca schon unglaublich viel Sachen in die Hände gespielt.

Barca hätte das Spiel so oder so sicherlich gewonnen, dafür sind sie offensiv einfach zu stark, aber 2:1 (3:1 oder 3:2) wäre immernoch ne ganz andere Ausgangslage … Schade drum.

Übrigens finde ich Allison etwas overrated, der Junge verursacht regelmäßig Herzkasper, die Unhaltbaren holt er nicht und beim Freistoß sah die Mauer mies gestellt aus.
Van Dijk täte irgendwie mal ne Pause gut, da ist seit Wochen schon ein wenig an Präsenz flöten gegangen. Das erste halbe Jahr war er derjenige der überhaupt Liverpool in die jetzige Position gehoben hat mMn (also als durchgängige Konstante, nicht allein natürlich), aber die letzten Wochen merkt man schon dass das Kraft und Nerven gekostet hat.

Antworten

nrg 5. Mai 2019 um 13:03

Dass die Mauer sehr mittig stand war auch mein erstes Gefühl nach dem Freistoss.. sah für mich aus als ob da ein Mann gefehlt hat..

Antworten

Geco 5. Mai 2019 um 20:49

Die Mauer stand definitiv zu mittig und das hat Messi natürlich bewusst ausgenutzt. Entweder muss man sie nach außen verschieben oder ein zusätzlichlichet Mann muss außen stehen.
Didi Hamann hätte übrigens die Mauer weggelassen. Bei mindestens 28, eher 30 m Torentfernung eine zumindest nicht sinnlose These. Ohne Mauer hätte Allison mittig stehen können und den Ball besser sehen können, aber natürlich hätten Leute wie Rakitic, aber auch Messi ihn mit einem harten Schuss überwinden können.

Antworten

August Bebel 3. Mai 2019 um 15:53

Hat Arthur gefehlt oder nicht vielmehr einfach auf der Bank gesessen? Vidal hat meines Erachtens ein super Spiel gemacht. Warum auf der anderen Seite Wijnaldum im Sturm gespielt hat, verstehe ich nicht. Ist Firmino angeschlagen gewesen?
Ich fand auch, dass Liverpool den vergleichsweise engagiert wirkenden Messi eigentlich lange gut im Griff hatte, aber am Ende hat er dann doch wieder zwei Tore geschossen.

Antworten

tobit 3. Mai 2019 um 21:54

Firmino hat sich im (vor?)letzten Spiel eine Muskelverletzung zugezogen und konnte nicht starten, saß aber meine ich auf der Bank.

Antworten

kalleleo 3. Mai 2019 um 15:36

Ich habe Barca diese Saison nicht viel gesehen aber es ist schon krass wie brutal schwer diese Mannschaft ueber die 90 MInuten zu verteidigen ist. Bei Liverpool hatte ich dieses Gefuehl etwas weniger, die haben irgendwie nicht so oft gefahrlich gewirkt. Sind zwar wie im Artikel beschrieben oft gut auf Aussen nach vorne gekommen aber im Anschluss daran hatte Liverpool Schwierigkeiten, gefaehrliche Paesse ins Zentrum zu bringen. Irgendwie war Wijnaldum offensiv kaum zu sehen, hab ich das nur verpasst oder war er kaum anspielbar?

Antworten

August Bebel 3. Mai 2019 um 16:04

Die Daten vom kicker weisen für Wijnaldum 31 Ballkontakte aus, das ist recht wenig. Mir ist auch keine Aktion von ihm im Gedächtnis geblieben.
Ich fand Salah noch am aktivsten, der hat Alba und Lenglet Probleme bereitet. Allerdings hat er dann die dickste Chance vergeben.

Antworten

pablo 3. Mai 2019 um 16:14

Das war das beste Spiel von Salah diese Saison, keine Ahnung obs am schlechten Lenglet oder Alba lag. Aber er hat die Bälle auch mal am Mann vorbei gebracht … War enorm präsent … in der 2 HZ etwas weniger aber erste war mMn bockstark von ihm. Hat dann einfach nur n Tor gefehlt.

Wijnaldum gings Klopp um seine defensiven Fähigkeiten. Nach vorn ist da nicht soviel passiert, aber denke er kann die ANforderugen die defensiv an einen Firmino gestellt werden noch am besten umsetzen. Und mMn hat das defensiv ja auch ganz gut geklappt.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*