Union Berlin unter Jens Keller

Als Jens Kellers Zeit als Trainer von Schalke 04 im Oktober 2014 endete, stand es nicht besonders gut um die Reputation des Trainers, vor allem nicht unter taktikaffinen Beobachtern. Keller wurde vorgeworfen, nicht in der Lage gewesen zu sein, aus den Gelsenkirchenern mehr als nur eine effektive, flügellastige Kontermannschaft zu machen; vielversprechendes Spielermaterial nicht optimal genutzt zu haben; und dass jemals Jermaine Jones aufgestellt wurde.

Es dauerte anderthalb Jahre, bis Keller wieder einen Trainerposten annahm – zur laufenden Saison beim ambitionierten Zweitligisten Union Berlin, begleitet vom dänischen Co-Trainer Henrik Pedersen. Wie sieht nun der Fußball aus, den Union unter Keller spielt? Hebt er sich vom nicht übermäßig spektakulären Rest der zweiten Liga ab? Hat Keller sich weiterentwickelt? Und welches Potential liegt in der Mannschaft aus Köpenick?

Prinzipien

Seit seiner ersten Pressekonferenz bei Union betont Keller immer wieder, dass konsequentes Pressing und Gegenpressing die Elemente sind, auf die er sich mit seiner Union-Mannschaft konzentrieren möchte. Dieser Fokus ist im Auftreten der Mannschaft bisher tatsächlich zu sehen, wenn auch in manchen Bereichen nur in Ansätzen, denn eine kohärente Struktur fehlt noch – das gilt vor allem für das Gegenpressing.

Auch die Probleme, die mit dieser Ausrichtung – soweit sie bisher umgesetzt wird – einhergehen, sind unverkennbar: in Spielen gegen Mannschaften, die Union den Ball und die Initiative überlassen, sah der aktuelle Tabellenfünfte (zunehmend) schlecht aus. So fiel ohne zwingendes Ballbesitzspiel die offensive Produktivität gegen Würzburg, Kaiserslautern oder Heidenheim weit ab – Gegner, gegen die Unions Pressing ebenfalls keinen Zugriff fand.

Demgegenüber stehen stärkere Partien gegen die Aufstiegsaspiranten Hannover, Braunschweig und Stuttgart, in denen beide Seiten auf aktives und aggressives Spiel gegen den Ball setzten, und der Spielrhythmus Union die ungeordneten Situationen anbot, die selbst zu kreieren man sich anderenfalls schwertat. Ist bereits Dynamik im Spiel, verfügt die Mannschaft über genug individuelle Qualität und gruppentaktische Mechanismen, sie auszunutzen.

Für diese Schwierigkeiten in verschiedenen Konstellationen ist ein und dieselbe Schwäche – oder noch nicht hinreichend ausgebaute Stärke – verantwortlich: der Ballbesitzaspekt einer Gegenpressingstrategie. Weil Unions Angriffsspiel auf Vertikalität und Schnellangriffe ausgerichtet ist, fehlen stabile Mechanismen im eigenen Ballbesitzspiel, mit denen man sich auch gegen tiefer stehende Gegner in zentrale offensive Räume kombinieren könnte. Weil Union keinen durch enge Staffelungen abgesicherten Ballbesitz in diesen Zonen hat, ereignen sich auch keine produktiven Ballverluste die Gegenpressingsituation mit wertvollen Ballgewinnen auslösen könnten.

Trotzdem ist die Vorgabe, mit Gegenpressing auf Ballverluste zu reagieren, unverkennbar und wird recht konsequent umgesetzt. Das spielmachende Potential ist dabei zwar begrenzt, doch auf Zweitliganiveau reichen einigermaßen geschickte und konsequente Bewegungen der Stürmer – vor allem Quaner und Redondo – zu manchen Ballgewinnen in unmittelbarer Tornähe, die gegen 1860 München, St. Pauli oder Bielefeld auch zu Treffern führten. Diese Situationen kamen vor allem im 4-3-3-Pressing mit großen Abständen zwischen Mittelfeld und Sturmreihe zu Stande.

Systeme

Zur Umsetzung seiner Leitlinie setzte Keller zunächst vor allem auf ein 4-3-3 mit einem (im Aufbau zurückfallenden) Sechser und zwei Achtern, die etwa auf gleicher Höhe agierten. Diese Positionen wurden in der ersten Phase der Saison fast durchgängig mit Stephan Fürstner beziehungsweise Felix Kroos und Damir Kreilach besetzt. Die Rolle der Außenstürmer wandelte sich etwas mit der Besetzung des Sturmzentrums, wo auf Grund von Verletzungen beider Spieler zu unterschiedlichen Zeiten sowohl Neuzugang Philip Hosiner als auch der in der vergangenen Saison marginalisierte Collin Quaner zu Einsätzen kamen.

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Unions Standardaufstellung und Formation in der ersten Saisonphase.

Obwohl der Österreicher und der Deutsch-Ghanae sehr unterschiedliche Spielertypen sind, und ihre Positionen verschieden interpretieren, erfüllen beide Stürmer im 4-3-3 (prinzipiell) die Aufgabe, den Zehnerraum ins Offensivspiel einzubinden. Quaner leistete seinen Beitrag meist als Ziel für durch lange Anspiele, wobei es den anschließenden zweiten Bällen in schwächeren Phasen an Genauigkeit und Abnehmern fehlte. Dagegen versteht es Hosiner gut, sich aus der vordersten Linie etwas fallen zu lassen und dann Läufe in die Spitze anzubieten. Besonders auffällig sind seine oft als Außenrist-Flick gespielten, nach vorn gerichteten Ablagen, mit denen er ein- und nachrückenden Außenstürmer einbezieht.

Die erste wesentliche formative Umstellung nahmen Jens Keller und sein Trainerteam am neunten Spieltag für das erste Spitzenspiel der Saison, zuhause gegen Absteiger Hannover, vor. Überraschend spielte Steven Skrzybski an der Spitze einer Raute auf der 10. Das 24-jährige Eigengewächs Unions wurde zwar in der Vorbereitung einige Male in ähnlicher Rolle eingesetzt, doch in den Pflichtspielen bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich nicht angedeutet, dass diese Versuche positiv bewertet wurden.

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Unions Raute, die seit der Partie gegen Hannover im Wechsel mit dem 433 gespielt wird.

Trotz eines 2:1-Sieges gegen Hannover zeigte die Partie, die trotzdem einer der Höhepunkte der Hinrunde Unions war, die (konventionellen) Probleme, die Berliner mit der Raute hatte. Gerade in Gegenpressingsituationen verschoben die Achter radikal auf eine Seite (häufiger die eigene linke), und ließen die ballferne Flanke, auf der im Vergleich zum 4-3-3 ohnehin die Außenstürmer fehlten, verwaisen. Daraus entstand eine Reihe hochgefährlicher Angriffe für Hannover, von denen allerdings (wie der xG Verlauf von 11tegen11 zeigt) viele nicht in Schüsse und erst recht nicht Tore umgesetzt werden konnten.

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Der Expected Goals Graph – vom exzellenten Statistikblog 11tegen11. Wir sehen, dass bis zu Unions Doppelschlag wenig zwischen den Mannschaften lag und dass Hannover – trotz Problemen, Chancen auszuspielen – nur knapp weniger Gelegenheiten als Union produzierte.

Die fehlende Absicherung auf den Flügeln war allerdings nicht neu, und hatte etwa schon beim 4:4 gegen Bielefeld auch im 4-3-3 zu großen Defensivproblemen geführt. Von der Raute ausgehend war aber auch das Pressing enger als zuvor im 4-3-3 und verschärfte die Situation. Die Spitzen (Hosiner und Kenny Prince Redondo) liefen Hannovers Innenverteidiger recht frontal an. Hinter ihnen stand Union massiv und die Mittelfeldspieler rückten aggressiv weit auf. Gelang es den Köpenickern also, das Aufbauspiel Hannovers in diesen Korridor zu leiten, kam man zu vielversprechenden Ballgewinnen mit anschließenden vertikalen Kombinationsmöglichkeiten. Umspielte Hannover das Pressing jedoch, stand vor allem Unions rechte Seite extrem offen.

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Unions (in rot) enge Pressingformation gegen Hannover

Weil Union in diesem Spiel in wichtigen Hinsichten Glück hatte, können weder das Ergebnis, noch positive Leistungsdaten, die sich wie xG Modelle auf abgegebene Schüsse beziehen, Zweifel an Unions strategischer Ausrichtung hier ganz ausräumen – Zweifel, die sich letztlich darauf richten, ob sich die Mannschaft von Jens Keller berechtigte Hoffnungen machen kann, sich bis zum Schluss im Rennen um den Aufstieg zu halten.

Problem 1: Ballbesitz

Die angesprochenen Probleme im Ballbesitz bestehen, obwohl die zu Kombinationen nötigen Fähigkeiten in der Mannschaft durchaus vorhanden sind: die Innenverteidigung besteht aus dem im Passspiel limitiertem, aber zuverlässigem Toni Leistner, und Roberto Puncec, dessen Spiel noch präziser und kreativer ist (aber oft davon eingeschränkt, als Rechtsfuß innen-links eingesetzt zu werden), während das Mittelfeld aus Fürstner/Daube, Felix Kroos und Damir Kreilach im Ligavergleich hohe individuelle Qualität aufweist. Unterstützt werden die drei zentralen Spieler außerdem von den hoch aufrückenden Außenverteidigern, unter denen sich vor allem auf links der dänische Neuzugang Kristian Pedersen – auch mit Dribblings in den offensiven Halbräumen – sehr positiv hervortun konnte.

Genutzt werden Kurzpassstafetten von Union aber fast nur, um sich nach Ballgewinnen aus Engen zu befreien, und nicht als gesuchtes, konstruktives Mittel des eigenen Offensivspiels. Statistiken unterstreichen diese Beschreibung: Union hat zwar den drittmeisten Ballbesitz der Liga (53,8%), aber nur die neuntbeste Passerfolgsquote (72,6%). Die Mannschaft bekommt den Ball in vielen Spielen, da sie als Favorit gilt und Gegner abwartend agieren; die eigene Spielanlage ist aber nicht auf sicheren Ballbesitz ausgelegt.

Das eklatanteste Beispiel für einen Mangel an strukturiertem Aufbau- und Kombinationsspiel lieferte das Spiel in Kaiserslautern, als Union besonders stark darauf bestand, in Ballbesitz eine Dreierkette aus den Innenverteidigern und dem sich in die Mitte oder nach links fallen lassenden Fürstner zu bilden.

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Diese Graphik, ebenfalls von 11tegen11, repräsentiert die Pässe zwischen Union Spieler – je dicker der Strich, desto mehr Pässe. Das beschriebene Muster ist klar, genauso wie das dadurch entstehende Problem. Kein Offensivspieler hatte Präsenz, und vor allem fehlte es vollkommen an Verbindung zwischen ihnen, insbesondere der nicht vorhandene Link zwischen Kroos und Kreilach ist skandalös.

Gegen ein abwartendes 4-3-3 Mittelfeldpressing der Pfälzer hatte man so erhebliche Mühe, die Achter im Zwischenlinienraum anzuspielen. Und selbst wenn Pässe auf Kreilach oder Kroos gespielt wurden, fanden beide sich voneinander isoliert, sodass Angriffe früh auf die Flügel gelenkt wurden. Ohnehin waren langsam oder schwer zu verarbeitende hohe Diagonalbälle von Fürstner auf die Außenverteidiger ein häufiges Element, dessen Effektivität noch zusätzlich darunter litt, dass Puncec als rechter Flügelverteidiger in unpassender Position spielen musste. Um die Außenverteidiger zu unterstützen, ließen sich die Flügelstürmer in dieser Partie weit zurückfallen, fanden so aber keinen Bezug zu den gefährlichen Räumen, während Quaner im Sturmzentrum isoliert war.

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Union (in weiß) konnte die erste Pressinglinie Lauterns selten produktiv überspielen.

Ein Symptom dafür, dass kombinatives Ballbesitzspiel nicht zu den Prioritäten Kellers für seine Union Mannschaft gehört, ist, welch kleine Rolle Eroll Zejnullahu in dieser Saison spielt. Nachdem der 22-Jährige sich unter Sascha Lewandowski in der letzten Saison einen Stammplatz erspielt hatte, kam er in der Liga-Hinrunde nie länger als eine Halbzeit und nur einmal länger als 45 Minuten zum Einsatz.

Nur im Pokal durfte Zejnullahu ein ganzes Spiel machen, und das paradoxerweise in der Partie, in der Union mit den geringsten Spielanteilen rechnen konnte – beim BVB in Dortmund. Dort konnte er seine Qualitäten als pressingresistenter und kreativer Dribbler und Passgeber allerdings auch in einer auf Konter lauernden Mannschaft zeigen und war maßgeblich daran beteiligt, dass Union aus seinen Umschaltmomenten recht viel offensives Kapital schlagen konnte und wenige empfindliche Ballverluste im Gegenpressing zu verzeichnen hatte.

Zejnullahus Lage könnte sich in den kommenden Monaten allerdings durch eine Verletzung verändern: Union muss auf Dennis Daube verzichten, der sich in einer Aktion, in der er einen Strafstoß verursachte, eine schwere Schulterverletzung zuzog. Damit könnte Zejnullahu zumindest zur ersten Option für ein spielstärker besetztes Mittelfeld werden.

Mechanismen

Sollte es Union doch gelingen, sich in der Spitzengruppe der 2. Liga zu halten, hätte das viel mit einer der zentralen Stärken der Mannschaft zu tun: der Endverteidigung im Strafraum, vor allem gegen Flügelangriffe und direktes, vertikales Spiel. Der physisch und besonders im Kopfball sehr starke Toni Leistner ist ein entscheidender Faktor, das umsichtige Spiel von Sechser Stephan Fürstner, der nach gewonnen Kopfballduellen zweite Bälle sichert, ein anderer. Die Qualität liegt hier also eher in individuellen Fähigkeiten und Charakteristiken, die relativ unabhängig von Systemen sind.

Das gilt auch für Details im Ausspielen von Angriffen über die Flügel, bei denen in dieser Saison durchweg das Bemühen sichtbar war, Dribblings in den Strafraum und Rücklagen gegenüber klassischen Flanken vorzuziehen. Vor allem in Spielen mit Raute fiel diese Aufgabe den Außenverteidigern zu, die aber auch im 4-3-3 regelmäßig mit Ball ins Angriffsdrittel kamen. Trimmel spielt dabei häufiger etwas höher als Pedersen, was vor allem daran liegt, dass in den Spielen, in denen Skrzybski nicht auf dem rechten Flügel, sondern an der Spitze des Mittelfelds spielt, die Offensivreihe etwas asymmetrisch besetzt und auf den linken Flügel verschoben ist.

Gerade im Kontext der Formationswechsel ist dagegen die Rolle von Damir Kreilach interessant. Der Kroate, der 2013 von seinem Stammverein HJK Rijeka nach Berlin kam, spielt in dieser Saison in einer etwas zurückgezogeneren Rolle als in der letzten Spielzeit, in der er oft sogar als verkappter Stürmer agierte. Obwohl Kreilach weiterhin relativ häufig in Abschlusssituationen kommt (1,9 Schüsse aus dem Spiel/90min) und mitunter effektive Aktionen im Zehnerraum hat (wie die Torvorbereitung gegen Fürth), teilt er sich diese Aufgaben stärker als bisher mit Felix Kroos, wenn Union im 4-3-3 spielt.

Die Raute hingegen ist der Versuch, Steven Skrzybski statt des rechten Flügels diese Räume bespielen zu lassen. Die Ergebnisse – Skrzybski gelangen in vier Spielen im zentralen offensiven Mittelfeld 2 Tore und keine Vorlage, während er in elf Spielen auf dem Flügel je vier mal traf und auflegte – stellen die Effektivität dieser Maßnahme in Frage (wobei zugegebenermaßen die Bewertungsgrundlage dünn ist). Das Problem lag dabei allerdings häufiger darin, den Ball zu Skrzybski zu bringen, als in dessen Verwertung von Situationen. Neben diesen bereits angesprochenen Problemen Unions im Ballbesitz waren natürlich auch die jeweiligen Gegner in ihrer Herangehensweise bestimmend für die Möglichkeiten, die sie eröffneten. Hannes Wolfs Stuttgarter etwa verengten mit einem sehr aggressiven 4-1-4-1 die Räume in der Hälfte Unions und forcierten Mannorientierungen – Union entzog sich diesem Druck eher über die Flügel (und vor allem den schnellen und in der geschickt Räume findenden Simon Hedlund).

Fazit

Union Berlin ist unter Jens Keller eine kompetente Zweitligamannschaft, die über genug individuelle Qualität verfügt, um die Aufstiegsplätze zu spielen. Die taktische Ausrichtung der Mannschaft ist nicht gerade extravagant, passt aber immerhin zu vielen der Spieler, die regelmäßig zu Einsätzen kommen.

Die Optionen gerade in der Offensive sind allerdings auch durch Verletzungen beschränkt: Maxi Thiel, der auch im Wintertrainingslager fehlen wird, oder Raffael Korte, die das Angriffsspiel eventuell variabler hätten gestalten können, waren auf Grund langer Zwangspausen keine Option.

Obwohl auch Rechts- und Innenverteidiger Benjamin Kessel für fast die komplette Hinrunde ausfiel, betrafen diese Verletzungen eher die offensiven Mannschaftsteile. Dort liegt auch systematisch das größere Potential für Verbesserungen (die auch defensive Wechselwirkungen hätten).

Diese Diagnose widerspricht allerdings dem Konsens über die Charakteristik der Mannschaft, der unter anderem durch recht verbreitete Wahrnehmungsverzerrungen beeinflusst wird. Denn die Bewertung des Offensivspiels einer Mannschaft auf Grundlage subjektiver Eindrücke ist schwierig. Ein Problem dabei ist, zwischen Szenarien zu entscheiden, in denen nicht genug Torschüsse produziert werden, weil es an vielversprechenden Angriffssituationen mangelt; und solchen, in denen das Problem ist, dass Schüsse nicht effektiv genug verwertet werden. Gerade wenn ersteres der Fall ist liegt es nahe, sich an die wenigen, gescheiterten Versuche zu erinnern – und den gegensätzlichen Fall zu diagnostizieren. Auch deshalb klagen Fans aller Vereine über die unterdurchschnittliche Chancenverwertung ihres Teams.

Das galt auch für die Hindrunde Unions, in der das tatsächliche Problem öfter in mangelnder Erschließung für die offensive wichtiger Zonen lag. Wenn sich die Mannschaft von Jens Keller in diesem Aspekt verbessert, gehört sie zu den ersten Herausforderern für den Aufstieg in die Bundesliga.

Dass der Verein genau das anstrebt, ist auch die Nachricht, die mit einem spektakulären Wintertransfer gesendet wird: Sebastian Polter, der  aus Mainz ausgeliehen 2014/15 in 29 Spielen 14 Tore für Union schoss und anschließend zu Queens Park Rangers wechselte, kehrt aus London nach Europa zurück und wurde fest verpflichtet. Damit einher geht auch eine Entscheidung, das direkte Element im Angriffsspiel zu forcieren, statt zu versuchen, ein komplexeres Ballbesitzspiel zu entwickeln. Mit mehr individueller Qualität im Sturmzentrum wird sich Union in dieser Disziplin mit Polter wohl tatsächlich verbessern, verzichtet aber gleichzeitig darauf, eine Strategie zu verfolgen, mit der eventuell ein noch höheres Niveau hätte erreicht werden können. Der Grund dafür dürfte genau in diesem ‚eventuell‘ liegen – wobei aber abzuwarten bleibt, wie entwicklungsfähig die Mannschaft gerade im Erfolgsfall sein wird.

Daniel Roßbach schreibt normalerweise über Union auf eiserneketten.de

mrb 12. Januar 2017 um 22:09

Freut mich, auf spielverlagerung was über EISERN UNION zu lesen.
„30 Meter zum Quadrat…“ Wer möchte, der stimme mit ein.

Eine Erwiderung zu Toni Leistners Passqualitäten:
1. In Düwels ersten Spielen ist mir Leistner durch seine guten Vertikalpässe aufgefallen. Der kann damit das gegnerische Mittelfeld durchschneiden. Ich glaube, dass er damals in der 3-er-Kette halbrechts gespielt hat (?). Aber die sind weniger geworden.

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dr 13. Januar 2017 um 11:44

Dem habe ich glaube ich nicht widersprochen – Leistner ist auf jeden Fall kompetent und hat auch hin und wieder etwas weiter öffnende Pässe im Programm, aber die waren eben vor allem in dieser Saison eher selten – da war die Frequenz bei Puncec höher. Leistner ist fußballerisch tatsächlich besser als man denken könnte.

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dr 12. Januar 2017 um 13:18

Das stimmt zwar (sorry, hin und wieder kommt man beim spiegeln durcheinander und schleifen sich Dinge ein). Aber erstens changieren sie auch (sieht man in whoscored heatmaps ganz gut), und der größere Unterschied ist, dass Kreilach vertikaler pendelt und Kroos horizontal.

Antworten

Musiclover 12. Januar 2017 um 11:12

Vielen Dank für diese hervorragende Analyse. Kann ich alles so unterschreiben. Was mich allerdings schon die ganze Saison wundert: auf deinen Taktikgrafiken verwechselst du immer die Positionen von Kroos und Kreilach. Kroos spielt immer den rechten Achter und Kreilach den linken. Vielleicht lässt sich das zukünftig verbessern. 😉

Eisern

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dr 12. Januar 2017 um 13:20

Das stimmt zwar (sorry, hin und wieder kommt man beim spiegeln durcheinander und schleifen sich Dinge ein). Aber erstens changieren sie auch (sieht man in whoscored heatmaps ganz gut), und der größere Unterschied ist, dass Kreilach vertikaler pendelt und Kroos horizontal.

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Musiclover 12. Januar 2017 um 15:49

Welche Daten werden bei whoscored (danke für den Tipp) eigentlich verwendet? Ich schaue mir meist die Opta-Daten (Heatmap) an. Scheint da gewisse Unterschiede zu geben!? Kroos hat meiner Meinung nach zuletzt übrigens häufiger den defensiveren Part der Acht bzw. nach Auswechslungen sogar komplett den Sechser gegeben. Muss ich aber noch mal genauer nachschauen – hatte das nur grad so im Hinterkopf.

P.S.: Wie kommt es eigentlich, dass du jetzt auf dieser Plattform hier schreibst? Wird man häufiger hier von dir lesen können?

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Dr 12. Januar 2017 um 16:51

Whoscored verwertet auch nur (ich glaube: opta) Daten weiter. Bei den heatmaps könnten sich Unterschiede dadurch ergeben, was man an Aktionen dafür heranzieht. Bei ws sind das nur ballkontakte.

Der Artikel steht hier, weil er hierher passt. Ob sich das öfter ergibt, mal schauen.

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