Donnerstag, 08.12.2016

Cristiano Ronaldo | in-depth-Analyse

Wie am Vortag angekündigt wollen wir uns Cristiano Ronaldo mit einer Spieleranalyse widmen. Der Portugiese gilt als einer der besten Spieler unserer Zeit und hat sich in den letzten Jahren zu einer eigenen Marke entwickelt. Besonders seine zumindest mediale Rivalität mit Lionel Messi um die vermeintliche Herrschaft als bester Fußballers der Welt hat dafür gesorgt. Sie sorgte immer wieder für Parallelen zu anderen großen sportlichen Rivalitäten. Eine Analyse zu Cristiano Ronaldo muss natürlich auch immer im Verbund mit Lionel Messi geschehen, oder?

Miniexkurs: Über die Unsinnigkeit dieses Vergleichs

Persönlich sehe ich dies nicht so. Darum will ich kurz noch klar stellen, dass dieser Beitrag ebenso wie jener zu Messi keinen Vergleich der beiden machen soll. Man kann sie zwar in einzelnen Aspekten vergleichen – und das wird in diesem Artikel und der Analyse zu Messi auch vereinzelt gemacht –, aber sollte daraus keine Grundsatzdiskussion über die jeweiligen Fähigkeiten gemacht werden.

Dazu muss zuerst gesagt werden, dass Fußball ein Teamsport ist. Solche Rivalitäten sind im Gegensatz zum Tennis (Federer gegen Nadal z.B.) oder zum Boxen (Ali gegen Frazier) selten in der Praxis wirklich gegeben. Bei beiden Akteuren spielen so viele Variable und Wechselwirkungen in ihre Leistungen hinein, dass sämtliche Vergleiche nicht stimmig sein können. Dazu kommt noch die athletische Natur einer Fußballsaison im Vergleich zu anderen Sportarten ins Spiel hinein, welche Leistungen noch schwerer vergleichen lassen.

Persönlich bin ich darum der Meinung, dass man sie nur objektiv in einzelnen Sachen miteinander vergleichen sollte. Das sollte allerdings auch nur geschehen, wenn es relevant ist. Damit meine ich zum Beispiel Aspekte wie eine Analyse der jeweiligen Schusstechniken, der taktischen Bewegungen oder Einzelmerkmalen. Diese sollen dabei helfen z.B. die jeweiligen Finten kennenzulernen und sie anwendbar zu machen. Die Messi-Analyse schlug weitestgehend in diese Kerbe; die Analyse zu Cristiano Ronaldo wird es ebenfalls tun.

Gegen Ende werden wir dann auch den gestrigen Adventskalenderartikel einbauen, der bereits so aufgebaut wurde, dass er weitestgehend eine Analyse einzelner (und eben meiner Meinung nach fehleingeschätzter) Aspekte der vielen Facetten Cristianos widergibt. Zuvor befassen wir uns aber noch mit seinem Werdegang und seiner taktischen Entwicklung.

Vom Flügeldribbler zur Tormaschine

Von 2001 bis 2003 war Cristiano noch in seiner Heimat bei Sporting Lissabon unter Vertrag. Dort spielte er meistens noch auf dem linken Flügel und hatte eine Freirolle auf dieser Seite. Nahe der Außenlinie erhielt er Pässe und hatte dann eine große Entscheidungsfreiheit in seinen Bewegungen. Immer wieder ging er ins Dribbling, orientierte sich dann zum Tor und versuchte einen Abschluss oder bewegte sich für schnelle Kombinationsmöglichkeiten in den linken Halbraum. Dies variierte er mit einzelnen Pässen zurück in die Mitte oder Flanken von der linken Grundlinie.

United im CL-Finale gegen Chelsea 2008, Grafik von PP beigesteuert (danke!)

United im CL-Finale gegen Chelsea 2008, Grafik von PP beigesteuert (danke!)

Diese Unberechenbarkeit sorgte bald dafür, dass viele Topvereine bei Sporting anklopften. Den Zuschlag erhielt jedoch Manchester United mit Sir Alex Ferguson als Trainer. Bei United wurde Cristiano Ronaldos Position und Rolle verändert; seine Spielweise änderte sich aber kaum. Dies war bisweilen etwas kontraproduktiv. Seine bisherigen Diagonalläufe aufs Tor oder in Richtung Mitte konnte er über rechts nicht ordentlich einbringen.

Oftmals ging er unpassend ins Dribbling, manövrierte sich dabei eher ins Aus als in gefährliche Zonen und hatte Probleme effektiv zu spielen. Vielfach wurde er als „One-trick-pony“ bezeichnet und sah sich in England großer Kritik ausgesetzt. Das Tempo der englischen Liga und die hohe Physis taten ihr Übriges.

Spielerisch galt Cristiano zwar auch damals schon als Riesentalent, nur konnte er es selten umsetzen. Phasenweise wurde sogar Ferguson für sein Festhalten an Cristiano kritisiert, dessen Spielweise als mitursächlich für die zwischenzeitliche Unterlegenheit in der englischen Liga gegenüber Mourinhos Chelsea und teilweise auch Wengers Arsenal gesehen wurde.

Doch in seinen sechs Jahren bei United veränderte sich Cristiano. Ab 2006 wurde er körperlich deutlich stärker, behauptete sich in den Zweikämpfen besser und passte sich auch spielerisch an den englischen Fußball an. Die Saison 2006/07 könnte als dabei als die Vollendung des dribbelnden Cristiano Ronaldo gelten.

Seine Spielweise passte sich geringfügig an, er blieb im Kern aber noch der Spieler der Jahre zuvor; nur besser und zielgerichteter. In seine Flügelläufe und Flanken brachte er eine bessere Entscheidungsfindung, wann zu flanken, bereitete dadurch mehr Tore vor. Zusätzlich suchte er mehr die Kombinationen zum Tor hin, was ebenfalls in einer erhöhten Anzahl von Toren wie Vorlagen mündete (von 16 auf 34 Scorerpunkte), obwohl er nach wie vor in einigen Partien noch sehr stark seine Schwächen zeigte.

Doch diese (beinahe-)Vollendung des dribbelnden Cristiano schien nur wie der Übergang zu einem neuen Cristiano. In den letzten zwei Jahren bei Manchester United zeigte er sich deutlich tor- und abschlussorientierter, bewegte sich stärker in die Spitze und wurde nicht zu einem Bestandteil der Offensive, sondern zu ihrem wichtigsten Zielspieler.

Schon in der Saison zuvor hatte die Entwicklung zu einem flexibleren Offensivsystem begonnen. Was in den Medien und von britischen Taktikjournalisten gerne als „4-6-0“ oder „4-2-4-0“ wurde, war meistens eine flexible Besetzung der Stürmerposition und Positionswechseln auf den Seiten. Eher war es ein asymmetrisches 4-3-3, in welchem die drei vordersten Spieler die Positionen tauschten.

2006/07 wurde dies besonders stark in jener Phase mit Louis Saha praktiziert, nach dessen Verletzung kam diese Flexibilität abhanden. In der Folgesaison wurde jedoch wieder verstärkt daran gearbeitet, als geistiger Vater dieser Idee gilt Cristianos Landsmann Carlos Queiroz, damals im Trainerstab Fergusons.

In der Saison 2007/08 kam Carlos Tevez in die Mannschaft und gab der Mannschaft nun vollends das nötige Spielermaterial für eine flexible Besetzung der Offensive. Mit Ryan Giggs oder auch Ji-Sung Park und Owen Hargreaves auf dem rechten Flügeln gab es einen Balancespieler. Giggs ist zum Beispiel hervorragend im Einrücken, bei Seitenwechseln und in puncto Pressingresistenz; er ging öfters in den rechten Halbraum, Scholes hielt sich halblinks auf und Carrick in der Zentrale gab die zentrale Absicherung und Durchlaufstation. Hargreaves und Park waren insbesondere in der Champions League die defensiveren Optionen.

Ihre Spielweise ermöglichte es Cristiano Ronaldo auf links sehr hoch zu spielen und immer wieder in die Mitte zu gehen. Dank Wayne Rooney halblinks und Tevez halbrechts gab es zwei quirlige, spielintelligente, polyvalente, defensiv- und spielerisch sehr starke Akteure, welche sowohl für Cristiano Räume öffnen und seine Position übernehmen als auch nach hinten aushelfen und selbst Torgefahr ausüben konnten.

Ein weiterer wichtiger und oft vergessener Faktor war Patrice Evra. Auf der linken Außenbahn konnte er ebenfalls mit hervorragenden Läufen nach vorne offene Räume besetzen oder Cristiano bei dessen Dribblings und Ausflügen in die Mitte absichern und unterstützen. Ferguson ließ Evra aber nicht nur hinter-, sondern auch vorderlaufen. Wenn Cristiano sich nach offenen Räumen umsah und diese nur auf dem Flügel vorfand, stellte er sich teilweise an die Außenlinie und Evra sprintete vor ihm hinter die Abwehr und zog die Mittelfeldspieler und Verteidiger in die Tiefe, was Räume für inverse Sprints ermöglichte.

Man konnte sogar sagen, Evra rannte buchstäblich Kreise um seinen portugiesischen Vordermann. Oftmals vorderlief er Cristiano, der den Ball hielt, und bewegte sich aus seiner höheren Position zur Seite an die Auslinie. Damit nahm er sich selbst zwar teilweise aus dem Spiel, konnte oft aber auch die Grundstruktur des gegnerischen Defensivspiels zerstören. Und nicht nur taktisch war Evra ein kongenialer Partner, in seiner besten Zeit war er auch einer der spielstärksten und kreativsten Linksverteidiger der letzten zwanzig Jahre.

Real 2009-10 - Grundformationen

Real 2009-10 – Grundformationen

In anderen Spielen war wiederum Evra auf links der Gegenpol zu Cristiano Ronaldo auf rechts, während Nani, Giggs oder eine defensive Optionen auf links als Balancegeber oder Raumöffner für Cristianos einrückende Bewegungen fungierten. Der Portugiese spielte dann vereinzelt auch wieder fast als klassischer Flügelstürmer oder diagonal, Anpassungen an ihn waren vor Spielbeginn überaus schwierig.

Die Gesamtheit dieser Spielweise sorgte für eine freie Positionswahl bei Cristiano. Allerdings war diese bei weitem nicht so extrem, wie es in den folgenden Jahren immer wieder hochstilisiert wurde. Es war eher ein flexibles und asymmetrisch angelegtes 4-2-3-1/4-4-2 als ein „4-6-0“ oder ähnliches. Stattdessen gibt es ein Zitat von Gary Neville, welches seine und die damalige United-Spielweise symbolisch beschreibt:

„Er jagt die Schwachen. Er wittert Blut, er wird die Schwachstelle in der Viererabwehr finden. Wenn er den Linksverteidiger in den ersten 15 Minuten nicht bekommt, wechselt er zum Rechtsverteidiger. Bekommt er den Rechtsverteidiger nicht, dann wechselt er auf den linken Innenverteidiger. Er wird jemanden in der Viererabwehr finden, der schwach ist und ungern eins-gegen-eins gegen Schnelligkeit und Kraft verteidigt.“

Es waren nur selten dynamische Positionswechsel in schnellen Angriffskombinationen oder aus dem Spielverlauf heraus, sondern eher in Zeitintervallen und Unterbrechungen, wo dann die Position auch wirklich gewechselt wurde. Fergusons Ziel war es, die jeweiligen Spielertypen so auszutauschen, dass sie im Spielverlauf die gegnerische Anpassung ideal bespielten oder zumindest individuelle Unterlegenheit auf möglichst vielen Positionen erzeugten.

Vereinzelt spielte Cristiano Ronaldo auch einfach als Mittelstürmer und hatte eine komplette Freirolle, wo die Flügelstürmer Tevez und Rooney lauteten und in einem 4-3-3 für ihn defensiv mitarbeiteten und offensiv Räume besetzten. Alleine diese vielen Änderungen und Anpassungen zeigen auch, wie sehr Ferguson es nicht nur durch die Spielerentwicklung und Veränderungen in der Mentalität schaffte Cristiano einzusetzen, sondern ihn auch taktisch hervorragend in den einzelnen Spielen einband.

In der Folgesaison 2008/09 gab es dann allerdings weniger Flexibilität und Cristiano konnte sich dadurch nicht mehr so stark entfalten. Theoretisch könnte man sagen, dass er seine beste Zeit in der Phase zwischen Ruud van Nistelrooy (bis 2005/06) und Dimitar Berbatov (ab 2008/09) dank Tevez, Rooney und defensiven Balancespielern sowie in der 06/07er-Saison auch dank Saha hatte.

Schon 2008/09 waren seine Leistungen nicht mehr ganz so konstant, was eben auch taktische Ursachen hatte. Nach dieser suboptimalen Saison wechselte Cristiano dann nach Spanien und erfüllte sich laut eigener Aussage seinen Traum: Spieler bei Real Madrid. Doch diese Rekordablösesumme sollte sich bezahlt machen. Die erste Saison verlief zwar mit ein paar Verletzungsproblemen und einer unüblichen Rolle als hängender Stürmer – mal links, mal rechts – in einer breiten und asymmetrischen 4-3-1-2/4-2-3-1-Raute problematisch, aber spätestens in der post-Pellegrini-Ära ist Cristiano hervorragend eingebunden.

Real in der Saison 12/13

Real in der Saison 12/13

Unter José Mourinho agierte Cristiano Ronaldo nun klar als Linksaußen, saß generell weniger Sperren und Verletzungen ab, zusätzlich gab es wichtige Veränderungen im Kader. Marcelo entwickelte sich hervorragend auf der Position des linken Außenverteidigers und gab eine kleine Evra-Kopie. Vorne wurde Benzema verstärkt eingebunden und agierte deutlich stärker als Zuarbeiter für Cristiano als noch in der Vorsaison oder als Gonzalo Higuain. Wichtig waren auch die Verpflichtungen von Sami Khedira und Mesut Özil.

Özil agierte als Zehner und gab hervorragende Pässe auf Cristiano in dessen Lauf, sicherte für ihn ab, wich auf die linke Seite aus und war alles in allem der perfekte Mitspieler für Cristiano auf der Zehner-Position. Khedira hingegen gab dem Spiel dafür die raumfüllenden Elemente in der Mitte, agierte als vertikaler Part neben Xabi Alonso und im Verbund damit konnte sich Real nicht nur stärker im Konterspiel ausrichten, sondern war auch bei den zweiten Bällen und darauffolgenden Schnellangriffen deutlich präsenter.

Es gab unter Mourinho zwar keine Positionswechsel wie bei Ferguson, dafür hatte Cristiano dafür auf links eine Freirolle, die er bis heute innehat. In unserer Mannschaftsanalyse der Vorsaison und den zahlreichen Spielanalysen der letzten Jahre kann mehr zu dieser Mannschaft nachgelesen werden, welche in der Saison 2011/12 ihren Höhepunkt erreichte. Wir wollen uns darum jetzt wieder stärker auf Cristianos isolierte Fähigkeiten konzentrieren. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich seine herausragende Physis.

Athletik als Waffe

Was soll man dazu schon groß sagen? Cristiano besitzt eine herausragende Sprungkraft, einen tollen Antritt, eine unfassbare Höchstgeschwindigkeit und ist dabei nicht drahtig, sondern ein echter Stier. Seine Körperproportionen treffen dabei wohl fast die Idealmaße eines Fußballers auf Weltklasseniveau. Er hat eine starke Rumpfmuskulatur, die nicht nur im oberen Teil der vorderen Bauchmuskeln stark ausgeprägt ist, sie ist auch an den unteren als auch an den seitlichen Bauchmuskeln enorm kräftig. Indizien sind dafür die über dem Hüftknochen hervorstehenden Muskeln und die extrem austrainierten Sägezahnmuskeln am Brustkorb.

Diese Muskulatur hilft nicht nur beim Stuhlgang und bei den Frauen, sondern auch im direkten Zweikampf und der generellen Unterstützung sämtlicher Funktionen beim Fußball. Die dadurch höhere Körperspannung kann Wucht hinter Kopfbälle bringen, hilft bei der Ballbehauptung und der Balance in Sprintduellen. Ähnliches trifft auch auf die Rückenmuskulatur zu, wo Cristiano ebenfalls sehr viel Masse besitzt, am klarsten erkennbar beim Latissimus Dorsi seitlich am Rücken.

Die Schulter-, Brust- und Armmuskeln sind hingegen nicht extrem, sondern genau so, dass sie beim Antritt die nötige Kraft besorgen, danach aber nicht zu viel unnützes Gewicht sind. Viel Kraft auf den ersten paar Metern bei Sprintduellen über längere Distanzen wird – besonders bei so großen Akteuren – ohne Ball mit der richtigen Armbewegung erzeugt. Auch die Oberschenkel und Waden sind sehr kräftig, wobei Letztere minimal abfallen, was aber durch den minimalen Körperfettanteil aufgefangen wird und vermutlich eher an der Muskelstruktur liegt.

Diese körperlichen Voraussetzungen ermöglichen für Cristiano eine extreme Dynamikaufnahme bei solchen Bewegungen und sofort nach eigenen Aktionen. Oftmals lässt Cristiano scharfe Bälle einfach prallen und sprintet sofort nach vorne. Der Gegner wird überlaufen, Cristiano dreht sich um ihn herum und bespielt das Loch durchgehend. Dank seiner enormen Schnelligkeit ist er auch schnell genug, um für keine Verzögerung zu sorgen, sein Mitspieler kann eigentlich meistens einen Direktpass spielen.

Mehr zu den einzelnen physischen Aspekten und ihren Auswüchsen findet sich übrigens in dieser sehenswerten Dokumentation:

Sie erklärt die Physis Cristianos besser als ich es je könnte. Ich konzentriere mich darum lieber noch kurz auf die Auswirkungen der Physis auf die Taktik.

So ist der Portugiese durch seine Athletik in einzelnen Pressingsituationen wie beispielsweise im Rückwärtspressing herausragend, insofern er sich daran beteiligt. Er kann Bälle wegspitzeln, sie in offene Räume weglegen – welche dank der aufgerückten gegnerischen Formation gegeben sind – und dann viel Raum zurücklegen. Bei besserem Ruckwärtspressing wäre er noch eine größere Kontergefahr; wenn er die Entscheidungsfindung dann hätte, siehe diese Szene:

Allerdings hilft ihm diese Dynamik nicht nur in diesen Aspekten, sondern auch bei anderen.

Von Schusstechnik, Durchsetzungskraft und dem Ziehen von Fouls

Beim Abschluss zum Beispiel kann er auch aus statischen Situationen extreme Dynamik und Kraft erzeugen. Neben Abspielen und schnellen Sprints kann er dies dank seiner Explosivität auch bei Schüssen. Gegen Porto erzielte er im Trikot Uniteds zum Beispiel ein unfassbares Tor, wo er aus dem Nichts den Ball aus der Distanz ins Tor bombte:

Cristiano kann aber nicht nur reine Kraft erzeugen, sondern dadurch auch die Flugkurve des Balles unberechenbar machen. Indem er den Ball mit seinem Mittelfuß relativ zentriert bei seiner Rückenhaltung trifft, schiebt er ihn zu Beginn nach oben, wo der Ball aber eine gerade Flugkurve annimmt. Durch das mangelnde Effet entsteht ein Flatterball, dessen Flugbahn sich noch verändern kann und schwer einzuschätzen ist. So mancher Torwart hat sich schon zum Depp gemacht, nur weil er versuchte den Ball zu berechnen. Und gleichzeitig hat sich durch die schwierige Ausübung auch Cristiano schon ein paar Mal zum Deppen gemacht, wenn der Ball in die Mauer oder weit über das Tor kam, da er ihn nicht optimal traf.

Alles in allem ist es allerdings eine große Gefahr, die dadurch ausgehen kann. Er kann aus dem Spiel heraus nach einem schnellen Schritt den Schusswinkel verändern und ist schnell genug um abzuschließen, bevor der Gegner den Schritt nachmachen und die neue Schussbahn blockieren kann. Da er so viel Schnellkraft hat, muss er keinen weiteren Schritt machen um Dynamik aufzunehmen, sondern kann sofort hart schießen. Diese Schüsse kommen für die Torhüter etwas überraschend und sind wie erwähnt schwer berechenbar; leider versucht Cristiano teilweise diese Schüsse aber zu oft einzubringen und schafft es auch nicht konstant sie effektiv umzusetzen.

Die schnellen Schritte und der Geschwindigkeitsvorteil zu Beginn helfen ihm aber auch beim Dribbling. Cristiano reicht ein bisschen Raum, um sich abzusetzen und ist danach schwer einzuholen. Er ist oftmals nur durch Fouls zu stoppen, es sei denn, er läuft sich selbst in Engen fest oder wird zu strategisch komplexeren Entscheidungen gezwungen. Bei Kontern ist dies aber selten möglich, hier kommt seine Effektivität voll zum Tragen. Gelobt werden muss seine Koordination.

Für seine Größe und seinen gegnerschlagenden Dribblingstil besitzt er tolle Fähigkeiten im Ausweichen von Grätschen im höchsten Lauf, nimmt aber bisweilen auch gerne den Körperkontakt mit um Fouls zu ziehen und einfachen Raumgewinn zu verbuchen. Auch gelbe Karten für den Gegner sind rein taktisch natürlich gerne gesehen, wenn er über 90 Minuten gegen Cristiano verteidigen muss. Das Ziehen von Fouls ist ohnehin ein großer Bestandteil seiner Spielweise.

Dank seiner Reaktionsschnelligkeit und Antrittsstärke kann er oft noch in aussichtslosen Situationen den Ball wegspitzeln oder einen Übersteiger einbauen. Dadurch erhält er deutlich mehr Fouls als langsamere Spieler oder Akteure, die eher den Körperkontakt scheuen und versuchen den Ball sauber in gänzlich offene Räume zu legen. Das Ungeschick des Portugiesen beim Anvisieren von Räumen kommt hierbei sogar positiv rüber. Denn dieser raumnutzende Dribblingstil ist nicht seines.

Cristianos Dribblingweise

Schon im Messi-Artikel habe ich vier grundsätzliche Arten von Dribblingmöglichkeiten unterschieden. Zwei davon beziehen sich auf die Räume, mit welchen man den Gegner täuschen kann, während bei den gegnerschlagenden Varianten versucht bestimmte Bewegungen beim Gegner zu erzeugen, welche man vorteilhaft mit eigenen nutzen kann. Cristiano ist ein solcher Spieler. Immer wieder versucht er schnelle Richtungswechsel, Veränderungen der Ballpositionen, kurze dynamische Antritte, Geschwindigkeitswechsel im Lauf oder nutzt ein reichhaltiges Repertoire an Finten.

Darum wollen wir einzelne Sachen, ihren Nutzen und Cristianos individualtaktische Umsetzung erklären:

Übersteiger: Die klassische Finte. Cristiano ist hierbei aber sehr intensiv, steigt nicht nur über den Ball, sondern bewegt seinen Fuß sehr schnell nahe vor den Ball und zieht ihn schnell zurück. Im Gegensatz zu anderen Übersteigern ist dieser auch im Stand nicht träge, sondern rapide. Dank dieser Schnelligkeit kann er den Übersteiger (oder mehrere davon) noch in engen Situationen einbringen, den Ball schützen und Fouls ziehen oder gegnerische Bewegungen zum Ball irritieren oder gänzlich verhindern. Dazu deutet Cristiano immer wieder einzelne Startbewegungen im Stand an und wartet auf eine Reaktion des Gegners. Gibt es keine, spielt er zurück oder startet. Gibt es eine, kann er auf diese reagieren und in eine vorteilhaftere Situation kommen.

Ruckelbewegungen mit Fuß: Hierbei sind die schnellen Bewegungen des Fußes in Ballnähe gemeint, die aber nichts an der Ballsituation ändern. Im Endeffekt funktionieren sie ähnlich wie Übersteiger. Cristiano hebt einen Fuß an und bewegt ihn hin und her, steigt über den Ball, lässt ihn in der Luft zappeln und deutet immer wieder ansatzweise Aktionen an. Der Vorteil liegt darin, dass der Gegner sich nicht traut zum Ball zu gehen, da Cristiano durch die Bewegung des Fußes bereits eine Dynamik in seiner Bewegung hat. Macht der Gegner einen kurzen langsamen Schritt, kann Cristiano den Ball sofort zurückziehen und den alten Abstand herstellen oder einen Pass spielen und hat zumindest minimal Raum geöffnet, wenn auch selten mit Effekt. Macht der Gegner aber einen schnellen Schritt, kann Cristiano diesen sofort bespielen und Dynamik ins Spiel bringen.

Teilweise sind es keine Ruckelbewegungen mit dem Fuß in der Luft, sondern auch beidbeinige und koordinativ hochwertigere Finten. Manchmal zieht er den Ball mit rechts an, steigt mit links vertikal über den rollenden Ball und zieht ihn mit links durch eine bogenartige Bewegung wieder zurück, wenn der Gegner eine passive und gut ballorientierte Reaktion zeigt. Dabei bereitet er sich bei der Sohlenberührung rechts schon mit dem linken Fuß vor und je nach Schnelligkeit des rechten Fußes kann er diese Aktionen sehr dynamisch oder abwartend und lauernd machen. Dies ist von der Ausführung her eine Mischung aus inversem Übersteiger und der Ruckelbewegung, teilweise wird sie von Cristiano auch nur mit einem Fuß ausgeführt. Ziel: Reaktion abwarten, bei passender Bewegung des Gegners die eigene Dynamik ausspielen.

Cruijff-Turn nach hinten: Ich denke, der Cruijff-Turn ist allen ein Begriff. Bei dieser Bewegung zieht man mit der Innenseite des Fußes den Ball nach hinten und dreht sich schnell. Dies wird meistens mit einer Finte, zum Beispiel einem angetäuschten Schuss oder in seltenen Fällen einer Körpertäuschung, verbunden. Cristiano hat eine eigene und dynamischere Variante dieser Bewegung. Im schnellen Lauf spielt er sich quasi den Ball mit der Innenseite diagonal selbst durch die Beine. Dabei hat er eine vorteilhafte Möglichkeit dem Ball hinterherzulaufen und kann neben sich laufende Gegenspieler aus dem Spiel nehmen. Zusätzlich dreht er sein Sichtfeld und kann sich in die Mitte orientieren, obwohl der Gegenspieler diese im Laufduell zuvor blockierte.

Schnelle Reaktion: Ha! Zugegeben, kein „Trick“ im herkömmlichen Sinne. Allerdings wirkt es sich in der Konsequenz gleich aus. Cristiano kann dank seiner Reaktion im Verbund mit seinen körperlichen Voraussetzungen überaus schnell ausweichen, den Ball wegschieben und Fouls ziehen, dazu kommen auch noch Beinschüsse oder wie wir Österreicher sagen: Gurkerl. Seine Reaktionsschnelligkeit im Verbund mit seiner Physis ist eine Waffe. Dies zeigt er auch bei der nächsten Finte.

Richtungswechsel durch Athletik: Dies ist wohl mit das beste und gleichzeitig Unauffälligste, was Cristiano Ronaldo in seinem Repertoire besitzt. Nicht nur durch den „diagonalen Cruijff-Turn“ (klingt doof, ich weiß) macht er das, er kann auch mit schnellen Bewegungen der Vorderseite seines Fußes und mit dem Seitenspann im Lauf die Richtung ändern. Durch seine starke Oberschenkelmuskulatur, seine Geschmeidigkeit und seinen Antritt kann er dann nach der Richtungsänderung schnell Fahrt aufnehmen und seinen Gegner überlaufen. Teilweise macht er das relativ extrem, manchmal bleibt er dabei fast stehen und variiert nicht nur sein Tempo während der Richtungsänderung.

Hackenpässe: Generell hat er viele solcher Pässe, teilweise macht er sie nach Pässen als direkte Weiterleitung mit einer Drehung zur anderen Seite oder auch als Abschlüsse oder Pässe im Stand. Er schafft dabei viel Kraft reinzubringen und kann die Richtung auch verändern, indem er den Ball „schiebt“; er hält ihn dabei lange am Fuß, ändert Winkel und Ballposition etwas, bevor er mehr Dynamik aufnimmt und den Ball abspielt.

Aktionsreaktionen: Auch dies ist durch seine Reaktionsschnelligkeit und Physis bedingt und wurde schon angeschnitten. Cristiano ist überaus stark beim Reagieren auf die gegnerischen Bewegungen und kann sich dann den Ball einfach daran vorbeilegen. Auch wenn seine Ballführung dabei nicht so eng ist wie bei den besten seiner Zunft, so ist sie doch überdurchschnittlich und bei sehr hoher Geschwindigkeit und einfach anzuvisierenden Räumen Weltklasse.

Dynamikänderungen: Ähnlich wie die Richtungswechsel von der Dynamik her, nur ohne wirkliche Richtungsänderung, dafür aber mit dem Bespielen des gegnerischen Laufes. Dies macht er teilweise durch abruptes Stehenbleiben und neuen Antritt, durch Geschwindigkeitswechsel im Lauf, durch kurzes Draufsteigen und Vorrollen des Balles oder eben durch Übersteiger und Verzögerungsbewegungen.

Neue Positionen einnehmen durch Raumvorteil nach abrupten Bewegungen: Im vorherigen Teil haben wir schon abruptes Stehenbleiben erwähnt. Dies nutzt Cristiano Ronaldo auch oft bei der taktischen Positionsfindung und um sich Raum zu verschaffen. Er startet kurz, bleibt stehen und dreht sich wieder in die andere Richtung, wodurch er etwas Abstand auf den Gegner erzeugen kann; kann. Es gelingt nicht immer, manchmal läuft er dann zum Gegner und hat weniger Abstand. Gelegentlich macht er das auch durch kurze Zickzackläufe.

Koordinativ hochwertige Nutzung beider Beine: Vereinzelt lässt Cristiano den Ball mit einem Fuß prallen und lenkt mit dem anderen ab oder schießt sich selbst an, um zum Beispiel Pässe zu schießen. Wieso das effektiv ist, liegt daran, dass der Gegner im Sinne der Sakkadenbewegungen den Ball nicht ordentlich verfolgen und sich Cristiano manchmal einen kleinen zeitlichen Vorteil beim Beginn von Laufduellen erspielen kann.

Elastico nach außen und einfüßiger Elastico: Der Elastico ist eine Standardfinte. Dabei wird der Ball mit der einen Seite des Fußes schnell zur Seite geschoben, danach „umkurvt“ man den Ball und spielt ihn mit der anderen Seite des gleichen Fußes zurück. Meistens wird dies mit dem Außenrist begonnen und mit dem Innenrist beziehungsweise mit der Innenseite des großen Zehen abgeschlossen. Cristiano macht das relativ schnell, auch wenn ihm die Dynamikaufnahme auf den ersten Metern durch intelligentes Vorlegen eines Ronaldinho fehlt. Bei Cristiano ist aber beachtenswert, dass er in gewisser Weise diese Bewegung auch einfüßig kopieren kann. Dabei spielt er den Ball mit dem Knöchel beziehungsweise mit dem Teil minimal diagonal darunter nach vorne und dreht dann die zuvor eingezogenen Zehen nach außen in ihre normale Stellung, wodurch er den Ball sehr schnell zur Seite spielt und auch anlupfen kann. Schwer zu verteidigen, Chance für eine sofortige Folgeaktion. Ach ja, apropos Anlupfen.

Anlupfen im Start: Ein sehr wichtiger und oft übersehener Aspekt im Dribbling ist das minimale Anlupfen des Balles auf den ersten Metern. Dies muss nicht nur wie oben spektakulär gemacht werden, sondern kann ganz subtil durch das Hochspielen des Balles um ein paar Zentimeter mit den Zehenspitzen im Lauf gemacht werden. Dies ist unangenehm für die Verteidiger, da man den Fuß hochheben muss, was schwer zu antizipieren ist, und durch das Anheben des Fußes der Weg länger und somit die Zeit kürzer wird. Bei Grätschen führt dies oft zu Fouls.

Kopfballtechnik: Bei Kopfbällen ist Cristiano, wie man weiß, hervorragend. Er ist zwar nicht in der Ballbehauptung nach langen Bällen oder bei langen Weiterleitungen gut, dafür ist er vor dem Tor beim Abnehmen von Flanken pure Weltklasse. Er kommt durch seine freien Läufe schnell von hinten, nimmt Fahrt auf und steigt sehr hoch in die Luft. Dank seiner Sprungkraft hat er einen großen Erreichbarkeitsradius, mit seiner Dynamik bringt er ungeheure Wucht dahinter. Da er oft von hinten aus der Tiefe in diese Bälle geht, erwischt er sie auch sehr oft mit der Stirn und kann sie dank dessen präzise platzieren oder auch gegen die Laufrichtung des Torwarts köpfen. Haltbar? In seinen besten Situationen nicht.

Wie wir sehen besticht Cristiano durch eine Vielzahl an Finten, auch wenn man seine Effizienz dabei in Frage stellen darf. Das ist aber an sich kein Problem. Seine größte Stärke liegt nämlich woanders.

Torgefahr und Bewegung um den Strafraum herum

Um den Strafraum herum scheinen phasenweise alle taktischen und strategischen Schwächen Cristianos zu verblassen. Dies mag daran liegen, dass am Strafraum das Spiel sich ändert. Das Tor ist nahe, die strategische Auswirkung von Pässen in bestimmten Zonen nimmt etwas ab und generell muss der Gegner in der Strafraumverteidigung etwas anders agieren. Eine Ballannahme ohne Druck an der Mittellinie ist bekanntlich nicht so gefährlich wie eine am Strafraumeck.

Cristiano versteht es wie kaum ein Zweiter im Strafraum offene Räume anzuvisieren; eine strategische Überlegung benötigt man nicht. Bei Ballannahmen ist das Sichtfeld im Idealfall zum Tor orientiert und ins Tor soll man schießen. Mehr benötigt es (oftmals) nicht aus gruppen- und mannschaftstaktischer Perspektive.

Der Portugiese kann sich in diesen engen Räumen mit ihrer einzigartigen strategischen Bedeutung sehr gut Räume selbst schaffen. Oftmals sprintet er hektisch ein paar Meter hin und her beim Angriffsabschluss dynamischer Konter und ist dank seiner individuellen Überlegenheit dazu imstande den hier oft mannorientiert spielenden Gegner wegzulocken und sich dann in das geöffnete Loch zu bewegen. Cristiano steht auch darum in zahlreichen Situationen plötzlich für Querpässe oder diagonale Pässe an den zweiten Pfosten frei und gewinnt die Laufduelle in diese Zonen.

Beim Abschluss selbst ist er unberechenbar. Dribblings sind ebenso möglich wie direkte Abschlüsse, diese wiederum können mit rechts oder links und auf den kurzen oder langen Pfosten gehen. Trotz hoher Präzision – insbesondere aus dem Lauf ins lange Eck – geschehen viele Tore einfach deswegen, weil Cristiano durch sehr schnelle Aktionen mit sehr hartem Abschluss weder Torwart noch Verteidigung die Chance auf eine effektive Reaktion gibt.

Mit seiner Athletik kann er außerdem dafür sorgen, dass solche Torraumszenen schnell entstehen. Bei Real gab es oft nach Pässen auf Özil im rechten Halbraum eine schnelle Drehung des deutschen Spielmachers, während Cristiano plötzlich von links startete. Ob der Lauf Cristianos oder der Pass Özils perfekt war, ob die richtigen Räume anvisierte oder nicht, war egal: Özil fand Cristiano, die beiden verstanden sich prächtig und zahlreiche Tore entstanden aus diesen Situationen. Die Genialität Özils im schnellen Erkennen von Dynamiken und dem kreativen Bespielen derselben waren im Verbund mit Cristianos Athletik und Abschlussstärke in solchen tornahen Situationen ungemein durchschlagskräftig, wenn der Gegner nicht die passenden Staffelungen und Defensivmechanismen hatte. Teilweise spielten dank der Klasse der beiden sogar diese keine Rolle.

Im Strafraum gibt es desweiteren keine wirklich statischen Situationen mit Ballhalten oder komplexem Kombinationsspiel; es geht um Dynamik, schnelles Bespielen und Verwerten, wo Cristiano einfach herausragend ist. Allerdings sollte man darum auch ein bisschen das Bild von seiner Position und Rolle überdenken.

Information: Ab hier beginnt der gestrige Adventskalenderbeitrag, der sich wieder stärker mit taktischen Aspekten und Cristianos Rolle befasst. Thema: Falsch eingeschätzt.

Der torgefährliche Flügelstürmer? Der seitliche Mittelstürmer!

Bei Cristiano wird immer erwähnt, dass er seine Torausbeute trotz seiner Position auf dem Flügel erreicht. Dabei werden jedoch die mannschaftlichen Wechselwirkungen übersehen. Rein taktisch und strategisch betrachtet profitiert nämlich Cristiano von dieser Position. Die Ursache ist einfach. Er spielt nicht als torgefährlicher Flügelstürmer, sondern als Mittelstürmer, der einfach auf den Flügel geschoben wurde. Wieso ist das ein Vorteil?

Cristiano kann durch seine Freirolle als Linksaußen schwerer mannorientiert verfolgt werden. Nominell müsste er vom rechten Außenverteidiger übernommen werden. Doch Cristiano kann dank eben in jeden anderen Raum rochieren, wodurch er nach eigenem Gutdünken bestimmte Zonen überladen, sich theoretisch in jeden beliebigen Angriff einschalten oder sich Auszeiten nehmen kann.

In manchen Situationen steht er dann einfach passiv an der linken Auslinie, zieht den Außenverteidiger aus seiner Position und ruht sich aus. Danach kann er wieder in seine freien Läufe übergehen; er orientiert sich in die Spitze, geht in den rechten Halbraum, positioniert sich variabel im Zwischenlinienraum oder holt sich sogar vereinzelt den Ball im Mittelfeld ab, was meistens in Distanzschüssen endet.

Entscheidungsfindung: Cristiano schießt einfach.

Entscheidungsfindung? Cristiano schießt einfach.

Diese Bewegungen sorgen dafür, dass er nicht wie ein Mittelstürmer wirkt. Er steht nicht auf dessen Position, hat offensiv deutlich andere Bewegungen und beteiligt sich deutlich öfter und früher am Spielgeschehen. Nichtsdestotrotz gibt es einige wichtige Gemeinsamkeiten. Cristianos Aktionen sind nämlich enorm strafraumfokussiert und tororientiert. Wie komme ich am frühesten in den Strafraum? Wie schließe ich am besten ab? Wie schaffe ich es, dass ich abschließe?

Cristiano Ronaldo soll sowohl nach eigenem Selbstverständnis als auch nach bewusster strategischer Ausrichtung seiner Mannschaft am Ende der Angriffskette stehen. Ein Flügelstürmer hingegen ist häufiger auch ein Zuarbeiter, der zwar gelegentlich tororientiert agiert, aber zusätzlich andere Aufgaben übernimmt. Selbst Arjen Robben oder Franck Ribéry finden hier eine Balance zwischen diesen beiden Aufgabenbereichen, ebenso wie jeder andere Flügelstürmer, ob invers, vertikal oder diagonal agierend.

Die Offensivstaffelung Reals gegen Valencia.

Die Offensivstaffelung Reals gegen Valencia.

Wirklich negativ muss man das bei Cristiano natürlich nicht sehen. Und es ist auch nicht so, dass er sich an jedem Angriff mit einem Abschluss beteiligt und nie zuarbeitet. Doch sein Zuarbeiten ist nicht strategisch und nicht wirklich geplant, sondern eher ein situatives Bespielen der Situation. Ist keine Situation zu einem Pass nach vorne oder einer Vorbereitung vorhanden, ist es bei Cristiano nie die Prämisse diese zu erzeugen, sondern sich selbst für eine solche freizulaufen und zu positionieren.

In Anbetracht seiner Fähigkeiten erscheint eine solche Ausrichtung natürlich nur allzu logisch. Allerdings sorgt sie für etwas Ausrechenbarkeit bei den Madrilenen – und hier gibt es dann Probleme. Denn Ronaldo ist keineswegs nicht nur ungewillt beziehungsweise nicht dafür geschult sowie nicht in diesem Sinne eingebunden, dass er keine Aktionen einleiten und kreieren soll; er kann es in den meisten Situationen auch nicht.

Der kreative Kombinationsfußballer? Der simple Konterspieler

Cristiano hat nämlich Probleme in der Bewertung von Situationen und ihrer Dynamik. Das klingt zwar etwas abstrus, bewahrheitet sich aber zumeist. Bei Kontern ist Cristiano beispielsweise hervorragend. Damit ist nicht nur sein Bewegungsspiel und seine Durchschlagskraft im Konterspiel gemeint, sondern auch sein Passspiel. Es wirkt deutlich zielgerichteter und präziser, wenn die Passoptionen klar erkennbar und vorgegeben sind. Außerdem scheint er davon zu profitieren, wenn er schnell reagieren muss, was er dann aber gut macht.

Eine Begründung dafür könnte beispielweise sein, dass er sich bei mehr Zeit am Ball – oder wenn er sich mehr Zeit nehmen möchte – zu sehr überlegt, was als nächstes passieren soll. Im Gegensatz zu Spielern wie Xavi kann er dies jedoch nicht mit einer weiterhin sauber bleibenden Passtechnik verbinden, aus welchen Gründen auch immer. Insbesondere bei Flanken nach Dribblings oder versuchten Pässen in die Spitze aus statischen Positionen macht er dann oft Fehlpässe oder wird ungenau.

Zu wem? Cristiano spielt den Pass an seinem Mitspieler vorbei zum Gegner.

Zu wem? Cristiano spielt den Pass an seinem Mitspieler vorbei zum Gegner.

Diese Schwäche sorgt dafür, dass er bei einer Ballbesitzmannschaft wohl weniger zu tragen kommen würde als eben bei Manchester United oder nun Real Madrid. Bei Ballbesitzmannschaften würde er den Selbstfokus suchen, ohne ihn konstant erhalten zu können. Seine Stärken würden nicht ordentlich eingebunden, seine Schwächen würden sich hingegen stärker auswirken. Die besten Spiele Reals waren darum auch, wenn sie Chaos in die Partie brachten und in diesem Chaos physisch und taktisch dominierten. Das ging unter Mourinho weitestgehend solange gut, bis sie auf den BVB trafen, der ähnlich funktioniert, dabei aber strukturierter, defensivtaktisch breiter und generell kollektiver angelegt ist.

Stand der Gegner per se tiefer und passiver, war dabei auch noch individuell ähnlich stark, hatten sie oft Probleme. Cristianos Laufwege fanden sich nicht mit Özils Pässen, er konnte auf seine Distanzschüsse reduziert werden und war nur noch eine kleinere Gefahr. Neben mangelnden Räumen für seine Bewegungen wurde eben diese mangelnde Kreativität in statischeren Situationen ersichtlich. Ähnliches gibt es bei seinen Dribblings zu sehen.

Der durchschlagskräftige Superdribbler? Die mangelnde Pressingresistenz

Wenn über Cristiano geredet wird, dann wird oft von seinen Dribbelfähigkeiten geschwärmt. Dabei hat der Portugiese hierbei gewisse Probleme. Immer wieder vertändelt er sich, geht in unpassenden Situationen ins Dribbling und visiert die falschen oder gar keine Räume an. Dadurch verheddert er sich oft in der gegnerischen Kompaktheit und kommt in unangenehme Defensivbewegungen des Gegners, aus denen er sich selten befreien kann.

Statistik 1: Erfolgsquote Dribblings mit Fouls

Statistik 1: Erfolgsquote Dribblings mit Fouls

Zur These, Cristiano sei ein ineffizienter Dribbler, habe ich eine Grafik gebastelt. Ich habe von über 50 Spielern ein bis drei Saisons ausgewertet und gerechnet, wie viele Prozent ihrer Dribblings erfolgreich waren. Dabei habe ich Fouls als „erfolgreiches Dribbling“ gewertet. Dies tat ich übrigens, um Cristiano zu helfen und mir keine Parteilichkeit anrechnen zu lassen. Sein „Driblings-zu-Fouls“ ist nämlich sehr gering (zwischen 40% und 50%, je nach Saison), während sie bei anderen sehr hoch ist (Messi und Ribéry liegen bei weit über 60% bis sogar über 70% zum Beispiel). Darum habe ich diese Statistik als Erfolg gewertet. Immerhin enden ja viele Dribblings in Fouls und diese Fouls sorgen für Ballbesitzbeibehaltung, nicht wahr?

Dennoch liegt Cristiano nicht in der Top20, die man in der obigen Grafik einsehen kann. Seine beste Saison – die aktuelle – kommt erst auf Platz 55; seine zweitbeste Saison auf Platz 59. Cristiano kommt – Stand letztes Wochenende – auf jeweils um die 55%.

Aber Halt! In diese Statistik ist ja der Wert „Stockfehler“ ebenfalls eingeflossen. Vielleicht ist Cristiano lediglich wegen Problemen durch Druck bei der Ballannahme schwächer. Immerhin hat Cristiano eine hohe Anzahl von Stockfehlern, sein „Ballverlust-zu-Stockfehler-Verhältnis“ liegt bei je nach Saison 43% bis 58%. Die Bestwerte von Spielern wie Götze, Ribéry, Messi, Iniesta und Diego liegen bei über 70%. Wie sieht es aus, wenn weiterhin Fouls als „Erfolg“ gezählt und „Stockfehler“ als Misserfolg aus der Wertung genommen werden?

Statistik 2: Erfolgsquote Dribblings mit Fouls ohne Stockfehler

Statistik 2: Erfolgsquote Dribblings mit Fouls ohne Stockfehler

Sogar hier ist Cristiano klar unterlegen und nicht in den Top20. Seine vergangene Saison mit 73% liegt aber auf einem akzeptablen 29ten Platz. Das ist sicherlich gut, aber nicht extrem gut. Auch dribbelt er gar nicht so oft, seine Dribblingzahlen in La Liga liegen weit unter Iniesta, Messi und Co. Diese Statistik soll übrigens nicht als Beweis dienen, sondern zur Untermauerung des Eindrucks.

Damit aber nicht genug. Oftmals fehlt es ihm innerhalb des Dribblings auch an der Übersicht, um das Dribbling zu beenden. Er dribbelt dann am nötigen Zeitpunkt vorbei, spielt meistens auch diesen aus und führt sein Dribbling fort. Zugegeben: Das ist auch eines der schwierigsten Sachen im Dribbling und einer der Gründe, was genau an Cristianos Nemesis Lionel Messi so beeindruckend ist. Cristiano hingegen übersieht aber eben zu oft den richtigen Moment für ein Abspiel oder für eine Richtungsänderung, zu oft dribbelt er dann zu Ende, findet sich in strategisch irrelevanten oder zumindest weniger gefährlichen Zonen und spielt dann einen einfachen Querpass.

In Relation zu seiner Dribblingzahl gibt es vermutlich (leider gibt es hierzu keine ordentlichen Statistiken) im Schnitt zu wenig Raumgewinn. Manchmal schließt er dann auch einfach aus einer unpassenden Situation ab, die er dank seiner enormen Athletik aber öfters in Tore umwandeln kann. Besonders in statischen Situationen unterschätzt er die potenzielle Dynamik der Szene, riskiert isoliert oder eingekesselt zu werden und verdribbelt sich dann.

Szene 1: Cristiano wartet den Gegner, wieso auch immer ab

Szene 1: Cristiano wartet auf den Gegner, wieso auch immer

Szene 2: Jetzt dribbelt er im Stand

Szene 2: Jetzt dribbelt er im Stand

Szene 3: Er dreht sich in den falschen Raum hinein, muss sich danach noch einmal drehen und erlaubt dem Gegner wenig Abstand auf ihn zu bekommen.

Szene 3: Er dreht sich in den falschen Raum hinein, muss sich danach noch einmal drehen und erlaubt dem Gegner wenig Abstand auf ihn zu bekommen.

Szene 4: Nun spielt er nach dieser neuerlichen Drehung unter Druck einen Fehlpass.

Szene 4: Nun spielt er nach dieser neuerlichen Drehung unter Druck einen Fehlpass.

Auch dies ist im Konterspiel anders. Hier gibt es keine statischen Situationen, sondern jede Situation ist dynamisch. Zusätzlich ist viel mehr Raum offen und nahezu jeder bespielte Raum ist potenziell gefährlich, da der Gegner mit wenigen Spielern viel Raum abdecken muss und Cristiano sowie seine Mitspieler in extrem hoher Geschwindigkeit aufrücken. Cristianos Schwächen im Andribbeln von Gegnern und dem Anvisieren von bespielbaren und relevanten Zonen im Dribbling fallen hier kaum auf.

Außerdem kommt seine Dynamik stärker ins Spiel. Durch seine Geschwindigkeit mit Ball am Fuß ist er nämlich im Konterspiel dann kein unpräziser und ineffizienter Dribbler mehr, sondern ein herausragender Konterspieler mit extremer Durchschlagskraft. Interessant ist dabei, dass es bei den statischen Aspekten um eine saubere Technik (Passspiel, Ballmitnahme) und um eine variable Ballkontrolle (präzises Berühren des Balles) geht, während die dynamischen Situationen eher koordinativ-dynamisches sind, was eher durch Training zu erreichen ist.

Cristiano beherrscht passenderweise in statischen Situationen auch ein enormes Repertoire an Dribblings, Finten und Bewegungen, setzte diese aber eher einstudiert ein, als dass er auf eine Situation angemessen reagiert. Dank seiner spielerischen Qualität und Athletik kann er sich allerdings auch dort durchsetzen.

Dennoch hat er in dieser spielerischen Eigenschaft große Schwächen und zwar in exakt jener, was wir als Pressingresistenz bezeichnen. Unter Druck und Bedrängnis ist Cristiano nämlich nicht so stark in der Ballbehauptung. Wie schon in der Analyse zum Schweden-Portugal-Playoff geschrieben, durchbricht er enge Räume lieber als darin zu kombinieren. Ihm fehlen das Verständnis und die Schrittfrequenz um in engen Räumen seine Fähigkeiten zu nutzen und innerhalb dieser Räume präzise zu manövrieren. Trotz seiner Balltechnik ist er somit nicht als Nadelspieler oder als effektiver Zielspieler einsetzbar.

Ronaldo dreht sich in den Ballverlust als Möchtegernnadelspieler, anstatt den offenen Raum vor sich selbst bei der Ballannahme anzuvisieren.

Ronaldo dreht sich in den Ballverlust als Möchtegernnadelspieler, anstatt den offenen Raum vor sich selbst bei der Ballannahme anzuvisieren.

Diese mangelnde Einsetzbarkeit ist auch ein Hauptgrund für das nächste Argument.

Der kompletteste Spieler der Welt? Der Spieler mit den vielfältigsten Anlagen der Welt

Cristiano wird oftmals auch als der kompletteste Spieler der Welt bezeichnet. Dabei ist diese Kategorisierung eher ein Merkmal dafür, dass der Kommentargeber einige wichtige Aspekte bei der Bewertung von Spielern und vom Fußball generell vergessen hat. Meistens wird diese Bewertung nämlich nach zwei Merkmalen vorgenommen: Sieht der Spieler so aus als sei er athletisch? Wirkt der Spieler technisch gut? Erfüllt er diese beiden Grundvoraussetzungen, ist die Intensität ihrer Ausprägung entscheidend.

Ein Supertechniker mit einem Körper wie ich, äh, wie Cristiano Ronaldo wird dann auch so eingeschätzt wie, äh, Cristiano Ronaldo. Okay, schlechtes Beispiel. Aber beim Portugiesen sieht man schön, dass er letztlich nur als komplettester Fußballer bezeichnet wird, weil er technisch sehr gut und körperlich extrem gut ist. Doch was ist mit den ganzen anderen Fähigkeiten?

Wie steht Cristiano zum Beispiel im Vergleich der taktisch besten Fußballer da? Ist er hier unter den besten Akteuren der Welt? Wie wird seine Leistung im Kontext mit seiner Mannschaft, den Wechselwirkungen mit seinen Mitspielern und der Einbindung seiner Rolle im mannschaftlichen Gesamtkonstrukt gesehen? Wie werden seine Aktionen unter Betrachtung der grundlegenden strategischen Bedeutungen ihrer Effektivität bewertet?

Berücksichtigt man diese Aspekte und all ihre möglichen Auswirkungen auf ein Fußballspiel, ist diese These der Komplettheit nicht mehr haltbar, zumindest nicht bei einer Hinzunahme der taktischen Dimension in die Spielerbewertung. Cristiano Ronaldo ist in der Positionsfindung nicht hervorragend, er ist beim Raumöffnen eher „try&error“ als geplant effektiv und im mannschaftlichen Kombinationsspiel limitierter als andere Akteure.

Cristiano beweist sein mangelndes Gespür für strategisch gute Läufe. Er macht sich nicht anspielbar und zerstört eine potenziell interessante Staffelung.

Cristiano zeigt mangelndes Gespür für strategisch gute Läufe. Er macht sich nicht anspielbar und zerstört eine potenziell interessante (wenn auch nicht ideale) Staffelung (z.B. inverser Lauf, dann Diagonalschnittstellenpass auf Benzema oder Rücklage gegen Zusammenziehen des Gegners).

Seine Fähigkeiten sind zwar hervorragend und extrem durchschlagskräftig, jedoch nicht in allen Situationen und Mannschaften nutzbar und er kann seine Rolle auch nicht flexibel anpassen. Übrigens muss auch hier zwischen Position und Rolle differenziert werden. Cristiano kann durchaus als Rechtsaußen, als Mittelstürmer oder hängende Spitze agieren, aber er wird auch dort weiterhin ähnlich wie als Linksaußen mit den gleichen zugrunde liegenden Prinzipien in seiner Entscheidungsfindung agieren.

Selbst wenn er seine Rolle zu einem eher klassischen oder diagonalen Flügelstürmer mit mehr Fokus auf Vorlagen ändern würde, wie er es bei Manchester United in seinen Anfangsjahren tat, ist er weiterhin ein sehr linearer und inkonstanter Spieler in seiner Entscheidungsfindung. Darum hatte er auch lange Zeit Probleme mit der Konstanz im Trikot der red devils, bis er individuell seinen Gegnern so überlegen war, dass es keine wirkliche Rolle spielte – und natürlich bis ihn Ferguson so eingebunden hatte, dass seine Schwächen kaschiert wurden.

Alles in allem ist Cristiano also nicht oder nur eingeschränkt als der kompletteste Spieler zu betrachten, zu welchem ihn die Medien erheben. Doch diesen fehlt eine tiefergehende Bewertung der jeweiligen Variationen der im Fußball relevanten Fähigkeiten. So werden die taktische Komponente und die intertaktischen Wechselwirkungen mit den beiden Mitspielern kaum berücksichtigt. Womit wir schon beim nächsten Thema wären.

Der passive Zuarbeiter? Der aktive Raumstehler

Bei Cristiano wird nämlich immer ein übergeordnetes Prinzip an seinem Selbstfokus in den taktischen Bewegungen, den Aktionen und auch an seiner mangelnden Defensivarbeit ausgemacht. Der Grundtenor scheint zu lauten: „Spieler wie Cristiano müssen sich nicht für die anderen bewegen oder nach hinten arbeiten, damit rauben sie sich die eigene Effektivität und außerdem arbeiten sie ja durch ihren Status ohnehin ihren Mitspielern zu.“

Cristiano wird von dieser Logik ausgehend nämlich vom Gegner ohnehin so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, dass er für seine Mitspieler Räume öffnet und diese dank seiner bloßen Existenz besser spielen. Diese Logik stimmt durchaus, allerdings ist sie nicht rein taktisch, sondern eher taktikpsychologisch bedingt. Viele Mannschaften richten dann ihre Aufmerksamkeit auf Cristiano aus, obwohl es eigentlich nicht notwendig wäre.

Der BVB hat dies nicht gemacht, sondern Piszczek mit großem Erfolg nach vorne marschieren lassen. Der FC Bayern praktizierte Ähnliches mit Lionel Messi im CL-Halbfinale, der – Verletzung hin oder her – keinen einzigen Ball ordentlich annehmen konnte, weil er in der bayrischen Kompaktheit so unterging. Trotzdem gab es für Iniesta, Xavi oder die Flügelstürmer keine offenen Räume deswegen. Grundlegend ist jeder Spieler durch taktische Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem man die richtigen Staffelungen, Mechanismen und Ideen kollektiv richtig umsetzt. Es sind eher taktikpsychologische und teilweise auch mediale Gründe, wieso die meisten Trainer ihnen ein erhöhtes Augenmerk zuteilwerden lassen. Dazu gibt es folgendes Zitat von Gary Neville zum Thema, wie man Cristiano Ronaldo aufhalten kann:

„Wenn du also der Rechtsverteidiger bist, dann benötigst du deinen Rechtsaußen, deinen halbrechten Mittelfeldspieler und deinen halbrechten Innenverteidiger, um dich zu unterstützen, wenn der Ball an dir vorbeikommt, damit du zwei oder drei Spieler zur Unterstützung hast.“

Diese Meinung ist durchaus erlaubt; doch heutzutage sollte im modernen Fußball und zumindest bei Spitzenmannschaften die Raumdeckung, Raumverknappung, das Verschieben und das Pressing so beherrschen, dass sämtliche Akteure in Ballbesitz von mehr als einem Spieler unter Druck gesetzt werden. Der BVB betrieb dies mit großem Aufwand erfolgreich gegen Bayerns Flügelzange.Dass dies nicht der Fall ist und man dann besonderes Augenmerk auf Spieler wie Cristiano und Messi richten möchte, sorgt für ihren Mythos.

BVB-Real, Minute 12: Cristiano durch Staffelung aus dem Spiel nehmen

BVB-Real, Minute 12: Cristiano durch Staffelung aus dem Spiel nehmen

Bringt es wirklich so viel? Insbesondere in Zeiten des modernen Offensivspiels? Es scheint zweifelhaft zu sein. Oder wieso erzielen Cristiano und Messi nach wie vor so viele und jedes Jahr noch mehr Tore, obwohl sie ja besondere Aufmerksamkeit bekommen? Eine interessante Folge dieser taktikpsychologischen Aspekte ist, dass bei beiden eine ähnliche Mentalität im Bewegungsspiel vorherrscht, wobei sie bei Messi eher erst in den vergangenen drei Spielzeiten entstanden ist.

Cristiano hingegen orientiert sich schon seit vielen Jahren daran, sich selbst zu positionieren, wie wir es schon im ersten Teil angedeutet haben. Dies bedeutet, dass er eben nicht seine Mitspieler unterstützt und ihnen Räume öffnet, sondern ihnen diese wegnimmt. Allerdings muss ich auch hier klar sagen, dass dies an sich nichts Negatives sein muss. Ein weiterer schöner Satz von Gary Neville über Cristiano Ronaldo persönlich zu dieser Thematik:

Aber er glaubte an Teamethik. Und er glaubte auch, dass es für das Team am besten wäre, wenn er der beste der Welt ist.

Diese Aussage entbehrt nicht einer gewissen Logik. Wenn ich eventuell weniger Stabilität und Ästhetik in Kauf nehmen muss, dafür aber im Normalfall über die Saison hinweg 1,2 Tore pro Spiel erhalte, ist das unter Umständen durchaus verschmerzbar. Erachtet ein Trainer spielphilosophisch die Fähigkeiten, den Nutzen und die Effektvität eines Spielers bei einer solchen Einbindung höher als bei dessen Mitspielen im Kollektiv, ist die oben angeführte Ansicht durchaus vertretbar.

Problematisch wird sie allerdings in einzelnen Partien; wenn der Gegner sich nicht auf die gewünschte Spieldynamik einlässt oder darin besser ist oder kollektiv (oder sogar individuell) ähnlich stark ist. Cristiano macht zwar dann noch seine Tore, allerdings weniger und sein Fehlen hinten wird deutlich einfacher und effektiver bestraft.

Auch seine offensiven Bewegungen können dort problematisch werden. Gegen schwächere Teams sind einzelne suboptimale Staffelungen kein Problem. Dank der Diskrepanz in der individuellen Qualität wird entweder der Ball nicht verloren oder der Gegner kann nicht effektiv kontern. Gegen stärkere Teams sieht das dann anders aus; die Konter haben eine ganz andere Dynamik und schon die Zerstörung von einer Anspielstation durch unpassende Bewegung kann zu einem Ballverlust und somit zu einem Konter führen.

Fazit

Diese Analyse soll zeigen, wie stark Cristiano ist, welche Aspekte ihn so stark machen und in welchen Eigenschaften er falsch oder schlecht eingeschätzt ist. Ich hoffe dabei, dass sie nicht zu kritisch ausgefallen ist. Man mag mir insbesondere wegen der letzten Absätze vorwerfen, ich sei überkritisch und parteiisch, aber persönlich bin ich eigentlich ein großer Sympathisant von Cristiano abseits des Platzes – vermutlich einer von wenigen. Für mich verkörpert aber nicht nur einen Modellathleten, sondern einen authentischen Vorzeigesportler, einen Ehrgeizling und einen durchaus sympathischen Zeitgenossen.

Nichts würde mir darum ferner liegen als ihn ohne Grund zu kritisieren oder ähnliches, obwohl ich das auch bei den sehr sehr sehr wenigen Spielern, die ich nicht irgendwo mag, auch aus diesen niederen Beweggründen nicht tun würde. Ich hoffe auch, dass sich die Diskussion unter dem Artikel nicht darauf erstrecken wird. Stattdessen würde ich mich über eine konstruktive Diskussion freuen.

Cristiano ist für mich nämlich einer jener Akteure, die zeigen, wie Physis und Technik auch bei auf allerhöchstem Niveau mäßigem Spielverständnis taktisch von Team und Trainern eingebunden werden können, um riesige Effekte zu erzeugen. Gleichzeitig verwaschen diese Effekte und einzelne andere Aspekte wie seine Dribblingweise das Gesamtbild über ihn. Auch José Mourinho äußerte sich beispielsweise darüber:

Du musst nach hinten arbeiten, du musst mehr Solidarität mit deinen Kollegen zeigen! Wenn ich in taktischer Hinsicht konstruktive Kritik übte, akzeptierte er das nicht.“ – José Mourinho

Dies zeigt zumindest, dass die Freirolle für Cristiano nicht gänzlich vom Trainer geplant und organisiert wurde, sondern teilweise auch einfach Cristianos Selbstbild wiedergibt. Das Zitat von Gary Neville zum „besten Spieler der Welt“ scheint ebenfalls passend zu sein.

Persönlich glaube ich, dass Real in den entscheidenden Spielen gegen ähnlich starke Gegner mehr Tore erzielen und weniger Tore erhalten würde, wenn Cristiano seine Rolle defensiv- und auch offensivtaktisch anders ausüben würde. Ich fände darum Cristiano unter einem Trainer wie Louis van Gaal ungemein interessant in einem Ballbesitzteam. Wie würde man seine Läufe planen? Wie würde er seine Position interpretieren? Würde man seine Athletik in Ballbesitzmannschaften so nutzen, dass er als Abprallstation in Schnellkombinationen dafür sorgt, dass ungemein Dynamik aufgenommen werde kann? Wie sähe das Positionsspiel aus?

Solche Aspekte würden mich interessieren. Auch Cristianos hervorragende Fähigkeiten im schnellen Attackieren von großen Räumen, welches ich in der Cristiano-gegen-Ibrahimovic-Analyse als Raumgreifen bezeichnete, würde ich in einem solchen Team gerne strategisch genutzt sehen. Die verlinkte Analyse zeigt nämlich auch die zwei Gesichter des Portugiesen.

In der ersten Partie gegen die Schweden in den Playoffs war er schwach. Er hatte viele ineffektive Aktionen, zahlreiche Ballverluste und kam mit der Kompaktheit und den situativen Mannorientierungen des Gegners gar nicht klar. Im Rückspiel konnte er dafür die Engen „durchbrechen“, sprintete in offene Räume und konnte seine Fähigkeiten im Konterspiel hervorragend einbringen. Seine Tore waren sehenswert und seine Leistung im Rückspiel konträr zum ersten Aufeinandertreffen eine Galaleistung.

Mehr Konstanz auf allerhöchstem Niveau oder in unangenehmen Spielsituationen – was ihm ja oft vorgeworfen wird – würde ich zum Beispiel aus taktischer Sicht schon sehr interessant finden. Die Fähigkeiten dazu hätte er ja. Mehr möchte ich gar nicht sagen, außer: Frohe Weihnachten! Schönes Fest! Ich hoffe, für manche ist dies ein akzeptables Weihnachtsgeschenk.

JSA 14. Dezember 2015 um 01:24

Wie seht ihr Messi Vs Ronaldo derzeit? Und wen würdet ihr stand heute als derzeit besten und wichtigsten Spieler sehen?

Antworten

victorolosaurus 14. Dezember 2015 um 10:28

Der beste und der wichtigste Spieler (für seine Mannschaft) sind mit einiger Sicherheit zwei verschiedene. Man kann sicher argumentieren, dass zB Messi einer der Kandidaten für ersteres ist, aber wie wichtig ist er? Ist nicht Zlatan für Schweden zB viel wichtiger, denn ohne ihn gewinnen die nichts, oder von mir aus Zieler für Hannover, Alex Meier für Frankfurt. Ohne Messi bleibt Barcelona eine sehr gute Mannschaft, die ~95% ihrer Spiele gewinnen wird.

Persönliche Meinung zu Messi vs Ronaldo: Messi ist Weltklasseproblemlösung und wichtig in Spielen, die sonst sehr schwer würden, Ronaldo ist vier Tore gegen Malmö

Antworten

CF 3. Januar 2014 um 10:30

Was mir bei Ronaldo auch immer wieder auffällt ich glaube es würde auch kurz im Artikel erwähnt ist das er nicht über die das strategische Gespür verfügt um für seine Mittspieler Raum zu schaffen. Z.B gegen PSG im Testspiel gestern hatte er von der Art wie er gepresst und probiert wurde zu verfolgen eigentlich eine gute Grundlage um für seine Mitspieler Räume frei zu ziehen. Seine Bewegungsmuster waren aber so unstrategisch dass es ihm gelang Raum zu schaffen. Er wählte also Bewgungsmuster die für ihn gut waren aber Spezial für das Team eher von Nachteil.

Antworten

Zagłębie rules 27. Februar 2014 um 19:01

Ronaldo traumhaft, Benzema gigantisch und Bale super. 😉

Antworten

RM 27. Februar 2014 um 19:47

Hat zwar nix mit CFs Kommentar zu tun, aber jo, Cristiano ist schon ziemlich gut und zurzeit ist er (für das Kollektiv) noch besser eingebunden. Real _aktuell_ für mich #2 in Europa.

Antworten

Zagłębie rules 27. Februar 2014 um 22:04

Waren ja zwei schöne Spiele mit deutscher Beteiligung. Schade dass da nichts gekommen ist.

Antworten

blub 27. Februar 2014 um 23:09

guckst du zdfsport.de
Dort werden die partien analysiert.

Antworten

ES 27. Februar 2014 um 20:07

Na klar, wer Schalke schlägt, muss schon traumhaft gut sein :-). Ganz bescheiden als Anfrage und ohne zu drängeln: Kommt noch was zum Spiel?

Antworten

Mike 3. Januar 2014 um 01:08

Def der Satz des JAhrzehnts:
Diese Muskulatur hilft nicht nur beim Stuhlgang und bei den Frauen, sondern auch im direkten Zweikampf und der generellen Unterstützung sämtlicher Funktionen beim Fußball.

Antworten

Sedat 27. Dezember 2013 um 20:32

Ich finde die ausgewerteten Statistiken zu den Dribblings und den Stockfehlern hochinteressant. Solche Statistiken um einzelne Spieler vergleichbar zu machen, sollten öfter kommen. In gewisser Weise ist Cristiano Ronaldo ein moderner Spieler par excellence. Physisch präsent, durch und durch professionell in der Trainingsarbeit und auf pure Effezienz ausgerichtet. Kein schlampiges Genie. Wenn es um die Frage des komplettesten Spielers geht, verengt sich eine solche Kategorisierung von vorne herein auf bestimmte Aspekte und es kann sich nur um einen kompletten Spieler in relativem Sinne handeln. CR7 kann nicht so gut halten wie ein Buffon und er kann nicht so gut verteidigen wie ein Puyol. Man könnte allenfalls behaupten, dass er der kompletteste Offensivspieler ist. Aber dem ist nicht so, da ihm die Pressingresisdenz und die taktische Überlegtheit fehlen. Der Fußball lebt von seinen Toren, von charismatischen Typen und auch von seiner Geschichte. Ausnahmespieler wie Cruyff, der keine Tormaschine war, haben das Spiel geprägt. Deshalb bin ich für ein Genie wie Maradona als besten Spieler, der das unerwartete macht, dem Spiel metaphysische Brillianz verleiht. Aber dennoch viele Scorerpunkte holt und seinem Team konstant über eine lang Saison hilft. Das Genie heutzutage wäre Iniesta, der Mann für die Scorerpunkte Cristiano Ronaldo. Und der kompletteste Offensivspieler in diesem Sinn vielleicht Messi.
Ich konnte nicht widerstehen und es ist wieder Cr7 vs Messi geworden :))

p.s. ich hatte es mal vor einem Jahr oder so angeregt: Mich würde ein Portrait über Gabriel Batistuta freuen. Nicht nur eine Biographie, sondern auch eine Analyse seiner spielerischen und taktischen Fähigkeiten. Meines Erachtens nach mischt Batigol bei der Frage, wer der beste Torjäger überhaupt war gehörig mit.

Antworten

AP 27. Dezember 2013 um 13:06

Den Ballon d’Or sollte ein Spieler erhalten, der im Mannschaftssport seinem Team den größten Mehrwert bringt.
Klar kann keiner all die Punkte aufwiegen aber wenn ich den Ballnah Artikel über Müller durchlese, dann würde ich mir spätestens jetzt
einen SV-Top 3 Ballon d’Or Artikel wünschen.

Und zwar ohne CR7.

Oder ist es eure hemliche Wahl, die sich aus den ersten 3 Spielerporträts ergibt.

Ribery, Müller, Iniesta 🙂

Antworten

RM 27. Dezember 2013 um 13:16

Bei mir wohl Lahm, Busquets, Schweinsteiger.

Antworten

splattercheffe 27. Dezember 2013 um 16:57

A wengerl subjektiv:

Lahm, Martinez, Ribery.
(Kommentar zu Lahm unnötig, Martinez hat nicht ohne Grund noch nie ein BL-Spiel verloren, Ribery war der Mann für die entscheidenden Momente. Wäre Robben nicht das erste Halbjahr verletzt gewesen, müsste er allerdings auch drin sein.)

Antworten

MR 27. Dezember 2013 um 17:02

„Martinez hat nicht ohne Grund noch nie ein BL-Spiel verloren“ das ist nicht das allerschärfste Argument, wenn Bayern in den letzten 1,5 Jahren eh nur _ein_ BL-Spiel verloren hat oder? ^^

Antworten

splattercheffe 27. Dezember 2013 um 17:12

Zugegeben…
Allerdings biege ich mir hier das Argument insofern zurecht, als ich Martinez‘ Leistung über das letzte Jahr wirklich exorbitant fand, grade wenn man die Wirkung auf das Mannschaftgefüge nimmt. Ich bin mir z. B. sicher, dass das CL-Finale ohne ihn sicher verloren gegangen wäre, auch wenn Neuer, Robben und Ribery die „sichtbareren“ Aktionen hatten.

Antworten

CF 3. Januar 2014 um 10:21

Ich finde Martínez nicht so überragend aus taktischer Sicht hatte er in der letzten Saison eher einfache Aufgaben zu erfüllen. Nichts im Vergleich zu Daniel Baier oder Neustädter.

ES 11. Januar 2014 um 00:18

Neustädter hatte ganz klar die taktisch anspruchsvollste Aufgabe: Jeremeine Jones decken!

chicago_bastard 27. Dezember 2013 um 20:44

Für mich muss es jemand vom Triple-Sieger sein, also auch Lahm oder Schweinsteiger. Wenns ein Offensivspieler sein muss, was bei diesen Wahlen ja leider so ist, dann Robben. Gab in diesem Kalenderjahr wohl keinen besseren Big Game-Performer als ihn. Ribery hingegen ist da öfter mal abgetaucht.

Antworten

MR 27. Dezember 2013 um 16:51

Bei mir wohl Lahm, Busquets und einer aus Neuer, Thiago Silva oder Gündogan.

Antworten

RM 27. Dezember 2013 um 18:30

Ah, Neuer, Thiago Silva und Ilkay hätte ich wohl auch noch als Optionen drinnen, stimmt.

Antworten

TE 27. Dezember 2013 um 21:51

Naja, der Ballon d’Or ist ein Preis für einen inviduellen Spieler. Finde es da schwierig, einen Spieler nicht zu berücksichtigen, der in diesem Kalenderjahr 69 Tore erzielt hat, und das nicht in der Bezirksliga Ostwestfalen, sondern in CL und La Liga.

Sagen wir es so: Bei mir wäre es dieses Jahr die Reihenfolge wohl Lahm, Ribery, Cristiano. Letzterer wäre persönlich nicht meine erste Wahl, aber ich würde niemanden vorwerfen, er hätte keine Ahnung, wenn er ihn wählt. Zumal ich aber ohnehin individuelle Preise im Fußball und Auszeichnungen am Jahresende für absolut sinnfrei erachte, zählt meine Stimme nicht 😉

Antworten

AP 28. Dezember 2013 um 00:10

Ja, Lahm ist wohl echt die Nummer 1.
Ich bin auch der Meinung, Einzelpreise haben im Mannschaftssport nichts verloren. Hoffe die Welt ist in 1-2 Jahren aber wieder soweit, dass auch ein Lahm, ein Neuer, so eine Wahl gewinnen kann. Frage mich nur, ob es solchen Mannschaftsspielern überhaupt so wichtig ist, wie CR7 z.B. diesen Preis zu erhalten.

Antworten

Goalimpact 29. Dezember 2013 um 20:34

Vielleicht nicht, aber es wäre wichtig für den Sport, wenn man auch über die mannschaftsdienliche Schiene den Preis gewinnen kann.

Antworten

Zagłębie rules 29. Dezember 2013 um 21:53

Was für eine Diskussion 😉 Der Spieler der den Preis gewinnt kann selbstverständlich ein Verteidiger sein. Cannavaro hat immerhin 2006 den Titel geholt. Und für die Torhüter gibt es doch einen eigenen Pokal
🙂

Antworten

AP 29. Dezember 2013 um 22:33

Es hat ja auch keiner was anderes behauptet…

Sagt man, es muss einer aus der Siegermannschaft der CL sein, dann wird es Ribery, Robben, Götze oder so.

Frage mich was die ganzen Experten (Trainer+Kapitäne) für Kriterien an den Tag für sich legen. Gerade diese sollten doch die Lahm’s dieser Welt unter die Top 3 voten.

Für mich gibts nur einen Ausweg aus diesem Dilemma 🙂

Ein eigener SV Ballon d’Or, halt mit anderem Namen oder so.
Dann kann RM ja direkt nach der Preisverleihung ein Interview mit Lahm oder auch Busquets führen.

🙂

CH 10. Januar 2014 um 23:17

Sehe ich auch so. Lahm wäre die natürliche Wahl.

Aber CR7 würde ich dieses Jahr Ribery und Messi vorziehen.

Es gibt aktuell wohl kaum einen Spieler, der sich über einen längeren Zeitraum dermaßen konsequent und zielstrebig verbessert und so überragende Individualstatistiken hat.

Ich fürchte aber er wird erst nach Jahre nach seinem Karriereende sein verdientes Denkmal bekommen …

Antworten

RM 10. Januar 2014 um 23:42

Ich glaube aber, dass CR dieses Jahr den Ballon D’Or erhalten wird.

Antworten

CH 13. Januar 2014 um 10:28

Ich meine weniger den Goldenen Ball als echte Anerkennung – unbeeindruckt vom popkulturellen Marketinggehabe und optischen Petitessen.


Strafraumautist 26. Dezember 2013 um 23:42

Auch Bales Stärke ist doch der Konter? Vielleicht hat Real ihn ja gekauft, um eine Taktik beibehalten zu können, die sich an Ronaldos Stärken anpasst, ohne sich dabei von ihm abhängig zu machen.

Antworten

Isco 27. Dezember 2013 um 00:00

Nein, man hat mMn für ein ballbesitzorientirtes System eingekauft und dann noch den besten Spieler der PL Saison 2012/13 dazu.
Die Taktik hat sich ja im Vergleich zu letzter Saison enorm geändert, auch weil Bale statt Mourinhos „Balancespieler“ Di Maria spielt.

Antworten

Strafraumautist 27. Dezember 2013 um 02:51

Ist hier ot, aber ich würde mich freuen, wenn der Einsteiger Guide fortgesetzt würde. Begriffe wie balancespieler habe ich noch nicht verstanden.

Antworten

Isco 27. Dezember 2013 um 12:06

Balancespieler ist für mich ein sehr weit gefasster Begriff, der sich ja schon fast selbst erklärt: Ein Spieler, der aufgrund von taktischen/individuellen Besonderheiten ein Ungleichgewicht ausgleichen soll.
Was ich oben gemeint habe ist folgenes: Unter Mourinho gab es – ausgelöst durch Ronaldos „Zocken“ (Einnehmen einer höheren Position, um in Umschaltmomenten einen Vorteil zu haben) – eine gewisste Asymmetrie. Die kann man sich ungefähr so vorstellen, als würde man sich die standardmäßige 4-2-3-1 Aufstellung aufzeichnen und sie dann leicht nach rechts drehen. Dadurch muss ua. ein Di Maria praktisch die ganze rechte Seite übernehmen und schafft dadurch für eine Balance im Spiel.
Diese Saison spielt jedoch (sollte er fit sein) dort ein Gareth Bale, den man von der Positionierung eher mit Ronaldo vergleichen kann.
Wieso diese beiden von den defensiven Aufgaben freigestellt werden, bleibt Ancelottis Geheimnis, zumal dieses „Zocken“ praktisch nie aufgeht, weil Real Madrid diese Saison deutlich dominanter auftritt und den Gegner weiter zurückdrückt, wodurch sich kaum Konterchancen für die Madrider ergeben.

Antworten

CF 26. Dezember 2013 um 14:38

Ein gutes Beispiel dafür das Ronaldo falsch eingeschätz wird, ist das Januzaj schon mit ihm verglichen wird. Januzaj ist von den physischen Attributen zwar ein ähnlicher Spielertyp, aber taktisch verhält er sich ganz anders. Die Medien machen wie bei bei diesem Vergleich auch, oft den Fehler das taktische Können oder die Bewgungsmuster der einzelnen Spieler nicht zu vergleichen. Das führt dan zu solchen komsichen Einschätzungen bestimmter Spieler.

Antworten

Zagłębie rules 27. Dezember 2013 um 08:59

Die Logik erschließt sich mir nicht ganz. Ist doch dann eher so dass Januszaj falsch eingeschätzt wird 😉 Wie er sich taktisch verhält konnte man in den Youtube Videos nicht so gut erkennen. Er nutzt aber die ganze Breite des Spielfelds und wirkt etwas weniger dynamisch, dafür aber mehr überlegt als Cristiano. Er hat eigentlich alle Attribute eines 10ers.

Antworten

GH 26. Dezember 2013 um 13:59

Mich würde mal interessieren, wie er sich in der Rayo Vallecano Chaos-Taktik zurecht finden würde, weil CR7 ja im Chaos-Spiel ziemlich gut ist.
Hättet ihr ne Vermutung?

Antworten

AM 26. Dezember 2013 um 11:32

Starker bis lässiger Artikel, danke.

Es wäre mitunter hilfreich, würdest du an entsprechender Stelle auch einen Link zum Messi-Artikel setzen.

Viele Grüße und weiterhin frohe Weihnachten.

Antworten

SirVivaljunior 26. Dezember 2013 um 10:38

Ich fands klasse, dass Du die Athletik und den Trickreichtum Ronaldos in die taktische Analye einbezogen hast! Tolles Weihnachtsgeschenk!

Antworten

splattercheffe 26. Dezember 2013 um 18:00

Wegweisender, überirdischer Artikel, großer Dank dafür.
Besonders toll die Passagen zu den Dribblingweisen, die mir die Augen bezüglich Ronaldo nochmal mehr geöffnet haben.
Ich glaube, keiner kann gewisse Sympathien oder Antipathien gegenüber manchen Spielern gänzlich von sich weisen, umso beeindruckender ist hier die sachliche Aufarbeitung seiner Stärken und Schwächen. Hatten wir hier schon die in-depth-Analyse zu Ribery? Grad hinsichtlich der angesprochenen Weltfußballer-Wahl (die, wie wir wahrscheinlich alle vermuten, eher politische Aussagekraft und Prägung haben wird denn sportliche).
Jedenfalls: immer, wenn ich in Zukunft von Christianos affigem Gehabe vor Freistößen angenervt bin, werde ich mich runterdimmen und nochmal diesen Artikel lesen, damit ich auch weiter seine unbestreitbar großartigen Fähigkeiten (wenngleich eben nicht kompletten) zugestehen kann.

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Foxtrott 26. Dezember 2013 um 22:01

Heh, schön zusammengefasst, da schließe ich mich an 😉
Zu Deinem „Jedenfalls“: Bei mir reicht es meist mich zu erinnern, wie hoch er immer von neuen Spielern bei Real als absoluter Kumpeltyp gelobt wird, der bereit ist fast alles zu tun um einem Mitspieler beim Training und ‚Manschaftsfindung‘ zu unterstützen…

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Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 22:51

@ Foxtrott

Letzteres meinte ich auch mit Qualitäten abseits des Platzes. Er ist auf jeden Fall bereit seinen Anspruch auch durch besondere Trainigsleistungen zu untermauern.

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B 26. Dezember 2013 um 01:10

An CR7 find ich etwas schade, dass er zu wenig aus seiner tollen Schusstechnik macht. Entweder werden seine Schüsse Traumtore oder er jagt sie in den 2.Stock.

Kommt dann mal ein CR7s-Schuß aufs Tor ohne direkt rein zu gehen, so ist er meist so fest, dass ein vom TW – nach vorne oder zur Seite – abgewehrter Ball zu weit weg springt, um als Abstauber umgesetzt zu werden. Da lob ich mir Toni Kroos, der zwar weniger Traumtore schießt, allerdings Schüsse meist so abgibt, dass sie für Abpraller und Abstauber taugen.

Bei Freistößen ist außerdem CR7s Ruf ein genialer Freistoßschütze zu sein, fast schon hinderlich. Die Torhüter gehen bei seinen Freistößen sehr häufig auf „Nummer sicher“. Sie versuchen die Bälle selten zu fangen, sondern klären lieber zur Ecke.

Nichtsdestoweniger ein toller Spieler.

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Zagłębie rules 25. Dezember 2013 um 20:01

@ SP

Ich denke man kann das über die Saison gesehen vermutlich verneinen kann. Bedeutet ich glaube nicht, dass das Zocken auf Dauer eine dauerhafte Verbesserung der Quote bringt. 1,2 Tore pro Spiel wären ja aufaddiert 45 Tore. Ich schätze dass der Mehrwert maximal bei 15 Toren Plus irgendwo liegt. Und das auch nur in Spielen gegen schwächere Teams wo es vermutlich eh keine Rolle spielt. Gegen den BVB ist es ja in die Hose gegangen, und auch in dem einen oder anderen Classico. Das Problem ist dass man zwar die Gegemtore auszählen kann, aber bei den erzielten wird es schon schwieriger. Weil da hätte es ja durchaus sein können das ein anderer Spielzug auch zum Erfolg führte.

@ R.Mandril

Aus dem Kontext schließe ich mal dass es nicht ironisch gemeint sein kann.
Erst Hirn einschalten dann posten. 😛

Der Trainer von Atletico ist Diego Simeone 😉

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SP 25. Dezember 2013 um 23:24

Stimme mit deiner Meinung überein, außer, dass das Auszählen der Gegentore auch nicht exakt funktioniert. Woher will man wissen, ob das Gegentor nicht auch ohne das Zocken gefallen wäre? Ist aber eigentlich egal und sowieso nur das übliche Was-währe, wenn-Spielchen.

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RM 25. Dezember 2013 um 23:26

Goalimpact eventuell? Da ist Cristiano übrigens der beste Spieler aller Zeiten in der Datenbank, soweit ich weiß. Ist auch passend, das Ergebnis heftig positiv beeinflussen in Mehrzahl der Spiele kann er ja. Frage mich, ob Goalimpact da noch genaueres sagen kann(?).

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Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 02:18

Goalimpact gibt den Wert des Spielers an den dieser für die Mannschaft hat, wenn er auf dem Platz steht, dabei wird die erzielte Tordifferenz gemessen die das Team erzielt. Hierbei spielt es keine Rolle ob der Spieler selbst Tore erzielt und ob die Tore nach Fehlern oder durchdachten Spielzügen entstehen, ebenso spielt die angewendete Taktik keine Rolle.

http://www.goalimpact.com/2013/12/top-50-football-players-december-2013.html

Da aber Cristiano ganz vorne steht (Aktuelle Nr 2 ist Phillip Lahm) scheint es schon so zu sein dass die Taktik von Ronaldo langfristig mit zu einer verbesserten Teamleistung beiträgt. Warum Messi allerdings so deutlich abfällt seit seiner Verletzung erschließt sich mir nicht ganz. Im Vergleich dazu konnte Schweinsteiger seine Position trotz Verletzung verbessern, was mir eigentlich unlogisch erscheint, da Barca ähnlich erfolgreich spielt auch von den Ergebnissen wie zuvor. Bayern hat jedoch seit Schweinsteigers Verletzung ein deutliches Leistungshoch. 18:1 Tore in den letzten 5 Spielen. Demnach müßte Schweinsteiger leicht abfallen.

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Demetrios 26. Dezember 2013 um 04:50

Du kannst nicht einfach die GI-Werte von letztem und diesem Monat vergleichen und Korrelationen in den Ergebnissen der Mannschaften der entsprechenden Spieler suchen, weil zwischen der alten und der neuen Liste der Algorithmus geändert wurde, oder besser gesagt, nun durch die Alterskurve korrigiert wurde. Die Änderung des GI zwischen November und Dezember ist also nicht nur von den Ergebnissen, sondern eben auch von der Änderung der Berechnung abhängig.

Der GI eines Spielers ist von allen anderen GIs abhängig. Ein hoher Sieg Bayerns gegen eine schwache Mannschaft (d.h. die Spieler dieser Mannschaft haben einen geringen GI) kann unter Umständen eben weniger bringen als ein knapper Sieg von Barcelona gegen Mannschaften, die annähernd gleichwertig sind. Es ist also einfacher für eine gute Mannschaft, gegen schlechte Teams gut zu spielen, als umgekehrt.

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Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 07:30

Deine Erklärung deckt sich ja im wesentlichen mit meiner Annahme.
Das ist aber keine ausreichende Erklärung warum Messi so stark abfällt nach nur 5 Spielen. Wenn überhaupt dürfte er erst nach einer längeren Pause minimal abfallen unter der Vorraussetzung dass sein Team weitehin erfolgreich spielt. Könnte das bedeuten dass Barca von Messi nicht so abhängig ist wie allgemein angenommen und Real umso abhängiger von CR7? Das erklärt dann aber aber auch nicht den guten Wert von Schweinsteiger.

Goalimpact 26. Dezember 2013 um 11:12

Wie Demetrios richtig erläutert hat, fiel Messis Wert hauptsächlich wegen der Änderung des Algorithmus. Seine Krankheit ist nur indirekt relevant und wird den Wert nur beeinflussen, wenn Barca in seiner Abwesenheit besser oder schlechter als erwartet abschneidet. Der Einfluss einzelner Spiele ist aber in jedem Fall gering, da die Ergebnisse stark zufallsgetrieben sind. Der Sxcore kommt über die Masse.

RM 26. Dezember 2013 um 08:55

„Da aber Cristiano ganz vorne steht (Aktuelle Nr 2 ist Phillip Lahm) scheint es schon so zu sein dass die Taktik von Ronaldo langfristig mit zu einer verbesserten Teamleistung beiträgt.“

Auch das habe ich nicht bezweifelt. Es ist in gewisser Weise das „Cesc-Syndrom“. Und auch zu Messi gibt es eine Erklärung.

Antworten

Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 09:50

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen 😉
Auf die Erklärung für Messis Abschneiden werde ich hoffentlich nicht bis zum Adventskalender 2014 warten müssen. Auch wenns OT ist. 😛
Ich steh nämlich da irgendwie auf dem Schlauch.

Könnte es sein dass bei Ronaldo diese Annahme jetzt allein darauf zurückzuführen ist, das CR im Vergleich zu einem x- beliebigen Stürmer beim Zocken durchschnittlich weniger Fehler macht und zudem die erfolgreichen Aktionen öfter mit einem Tor abschließt?

Josef 26. Dezember 2013 um 14:21

Was ist denn das „Cesc-Syndrom“?

RM 26. Dezember 2013 um 15:56

„Auf die Erklärung für Messis Abschneiden werde ich hoffentlich nicht bis zum Adventskalender 2014 warten müssen.“:
Änderung des Algorithmus (zuvor gleich auf, trotz Reals größerer TD in letzten paar Saisons und unten aufgeführtem Punkt zu CR), passende Änderungen im Kader möglich, Barcelonas Überlegenheit ohne Messi durch einfach mögliche Anpassungen dank der taktischen Spielertypen und Ballbesitz als zusätzliche Stabilitätsgarantie.

„Könnte es sein dass bei Ronaldo diese Annahme jetzt allein darauf zurückzuführen ist, das CR im Vergleich zu einem x- beliebigen Stürmer beim Zocken durchschnittlich weniger Fehler macht und zudem die erfolgreichen Aktionen öfter mit einem Tor abschließt?“
Meinst du, dass er der effektivste Akteur beim Zocken ist? Würde ich womöglich sogar unterschreiben.

CRs Wert ist sicherlich auch dadurch zu erklären, dass er kaum ersetzt werden kann in dieser Rolle, da sie ja speziell auf ihn zugeschnitten und er ein sehr spezieller Spieler ist.

Cesc-Syndrom: Vorteilhafter Effekt gegen schwächere Gegner, insbesondere in Bezug auf das Ergebnis bzw. eigenen Torerfolg, nachteiliger Effekt gegen stärkere Gegner, insbesondere in Bezug auf Spielgeschehen und gegn. Torerfolg. Sowohl Cesc als auch CR, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, erzeugen mMn gegen schwächere Gegner mit ihrer jeweiligen Spielweise einen positiven Effekt, gegen stärkere Gegner aber einen negativen. Und da beide bei Teams spielen, die fast immer gegen schwächere Gegner agieren, überwiegen die Vorteile in fast jeder Partie.

Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 15:10

Was wurde denn am Algorithmus geändert, dass es so eine massive Auswirkung hat? Und warum wird das dann nur bei einzelnen Spielern greifen?

Antworten

Goalimpact 26. Dezember 2013 um 16:38

Zuvor wurde angenommen, dass sich der Wert über die gesamte Karriere hinweg nicht ändert. Jetzt wird ein typisches Altersprofil für die Spielstärke angenommen. Siehe

http://www.goalimpact.com/2013/12/the-football-aging-curve.html

Goalimpact 26. Dezember 2013 um 11:22

Ganz starker Artikel!

Ja. Christiano ist der aktuell beste Spieler nach Goalimpact. Wenn sein spekulieren eine taktische Schwäche darstellt, die nur gegen wenige Teams ausgenutzt wird, so kann er trotzdem einen hohen Score haben, wenn er dies in den andere Spielen mehr als kompensiert. Sein Einfluss auf die Tordifferenz war über alle Spiele gemittelt überaus positiv. Das heißt aber nicht, dass es in jedem einzelnen Spiel so war. Vielleicht war sein Einfluss in den Halbfinals gegen Dortmund weniger positiv. Vom Ergebnis hat Dortmund die 180 Minuten aber nur mit einem Tor gewonnen. Ronaldos zocken war da also nicht katastrophal für die Tordifferenz, hat aber sicher zu einer hohen Torsumme geführt.

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Zagłębie rules 26. Dezember 2013 um 23:02

@ Goalimpact

Ist für mich nicht plausibel, denn für die tatsächlich abgerufene Leistung spielt das Alter doch keine Rolle. Es gibt Profis die sind mit 35 fitter und auch besser als mancher Endzwanziger. Es sei denn ihr wollt die mögliche Spielstärke in der Zukunft bestimmen. Für die Gegenwart und Vergangenheit kann es ja nichts ausmachen. Und Messi ist ja erst 26. Heißt das er bekommt einen Malus weil er z.B jünger als Ronaldo ist?

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Bayern-Fan 27. Dezember 2013 um 00:04

Es handelt sich um eine statistische Komponente, und natürlich kann man kritisieren, dass Alter eine Rolle spielt.

Im Übrigen handelt es sich bei Deinem „Es gibt Profis die sind mit 35 fitter und auch besser als mancher Endzwanziger“ um einen klassischen Logikfehler: https://yourlogicalfallacyis.com/anecdotal

Goalimpact 27. Dezember 2013 um 00:06

„für die tatsächlich abgerufene Leistung spielt das Alter doch keine Rolle“

Diese These lässt sich mit Blick auf die Daten nicht halten. Es ist ganz klar so, dass ein Spieler typischerweise ihr Leistungsmaximum zwischen 25 und 30 haben. Klar gibt es auch 35jährige mit Topleistungen, aber selbst die waren mit 30 meist noch besser.

Messi ist mit 26 auf dem Höhepunkt der gemessenen Leistungskurve. CR7 ist schon darüber hinweg und wird bald deutlich an Leistungsvermögen einbüßen. Aber trotzdem wird er noch ein paar Jahre Weltklasse sein.

Zagłębie rules 27. Dezember 2013 um 09:27

@ BayernFan

Ein Logikfehler wäre es wenn ich daraus folgern würde alle 35 jährigen sind besser als Endzwanziger.

Die Frage ist doch was soll die Tabelle abbilden? Misst man den „Besten“ auf dem Peak seiner Leistungen wird Messi vermutlich für sehr lange uneinholbar bleiben. Über die Dauer seiner Karriere ist aber Ronaldo nicht zu unrecht ganz oben, denn er zeigt Top Leistungen jetzt schon seit Beginn seiner Karriere, hatte bisher nur zwei schwächere Saisons.

@ Goalimpact

Liege ich richtig mit folgender Annahme?
Unterstellt, Ronaldo würde heute seine Karriere beenden und Messi noch die nächsten zwei Jahre auf dem bekannten Top Niveau spielen, wäre es dann so dass er dann von den Punkten zu CR aufschließen würde wenn nicht sogar vorbeiziehen könnte?
Anders gefragt: zieht Ronaldo seinen derzeitigen Vorsprung aus der Tatsache dass er seinen Alterspeak bereits überschritten hat?

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Goalimpact 27. Dezember 2013 um 10:51

So ungefähr, weil Ronaldo schon jenseits des Peaks ist, wird sein Wert wahrscheinlich weiter fallen. theoretisch könnte er auch steigen, aber dafür bedurfte es auch für sein Niveau außergewöhnlich gute Ergebnisse. Messi hat die Spitzenleistungszeit gerade erst erreicht. Bei weiterhin guter Leistung kann er sich einfacher in neue Höhen schrauben.

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R.Mandril 25. Dezember 2013 um 19:12

Überbewerteter Übersteiger-King und Weitschuss-aus-35-Metern-anstatt-simplen-Pass-zu-Spielen-Meister. Auch der berühmte Freistoß 10 Meter über das Tor gehört zu seinen Spezialitäten.
Naja, ist halt bitter, wenn halb Barcelona besser ist, als er. Ich mache es mir einfach gemütlich und sehe schön zu, wie Ancelotti, der geniale Taktiker, Atletico als Madrids Spitzenklub etabliert.

Antworten

Nomis 25. Dezember 2013 um 19:00

Sehr guter Artikel, vielen Dank dafür!
Was mir etwas zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass Ronaldo bei ManUnited hauptsächlich auf dem rechten Flügel agiert hat, insbesondere in der Saison 07/08, in der er herausragend gespielt hat.
Gibt es hierfür einen Grund und ist er eurer Meinung nach links oder rechts besser aufgehoben ?

Antworten

RM 25. Dezember 2013 um 19:11

Naja, sage ja, dass er zuvor fast nur rechts spielte und dass später variiert und auch im Spiel angepasst wurde. Wusste nicht, dass das die Leute für wichtig erachten 🙂 und in großen Spielen war er dann oft links.

Hängt davon ab, wie man ihn einbindet. Ich finde ihn links besser aufgehoben.

Antworten

Fabian 25. Dezember 2013 um 16:21

Ein großartiger Artikel, vielen Dank!

Einen Satz habe ich aber nicht verstanden:
„Wenn ich eventuell weniger Stabilität und Ästhetik in Kauf nehmen muss, dafür aber im Normalfall über die Saison hinweg 1,2 Tore pro Spiel erhalte, ist das unter Umständen durchaus verschmerzbar.“
Steckt da ein Fehler drin und sollte 1 bis 2 Tore weniger heißen? Wenn nicht, wäre weniger Stabilität und pro Spiel 2 Gegentore zu bekommen, auf diesem Niveau nicht eine Sache die unbedingt bekämpft werden müsste? Das würde ja auch bedeuten, dass die eigene Mannschaft pro Spiel 3 Tore schießen mûsste.

Fröhliche Weihnachten an das ganze Team!

Antworten

SP 25. Dezember 2013 um 17:33

Nein, der Satz passt so, denke ich, das erhalten bedeutet hier aber nicht Gegentore zu erhalten, sondern eigene Tore zu schießen. Damit ist gemeint, dass durch Ronaldos zocken zwar in der Defensive etwas die Stabilität fehlt, er aber bei gelungener Abwehr in einer guten Situation für Konter ist und dadurch Tore entstehen. Es gibt also mehr Gegentore durch die mangelnde Stabilität und mehr eigene Tore durch die Konter. Die Frage ist nur, ob man durch das Zocken mehr Tore erzielen kann, als man ohne das Zocken weniger an Gegentoren erhalten hätte.

Antworten

Fabian 25. Dezember 2013 um 20:03

Das ergibt mehr Sinn

Antworten

onztwo 25. Dezember 2013 um 11:53

WOW. Eine sehr faire Analye, hätte ich mir von einem Barca Fan nicht erwartet 😛
Haha Scherz, wirklich eine der besten Spieleranalysen, die wahrscheinlich existiert.
Vorallem bin ich froh, dass du sein Kopfballspiel erwähnt hast, welches man bei Real Madrid viel mehr nutzen sollte meiner Meinung nach.
Frohe Weinachten!

Antworten

RM 25. Dezember 2013 um 13:54

Hallo,

danke für das Lob! 🙂 Dir auch frohe Weihnachten.

P.S.: Bin kein Barcelona-Fan.

Antworten

*Er 25. Dezember 2013 um 11:27

„Man konnte sogar sagen, Evra rannte buchstäblich Kreise um seinen portugiesischen Vordermann. Oftmals vorderlief er Cristiano, der den Ball hielt, und bewegte sich aus seiner höheren Position zur Seite an die Auslinie.“

Meinst du, dass Guardiola sich dieses vorderlaufen abgeschaut hat und es mittlerweile perfektioniert hat mit Alaba und Ribery?

Antworten

RM 25. Dezember 2013 um 13:54

Das Vorderlaufen gibt es seit Unzeiten. Bayern tat es schon unter Heynckes, der BVB unter Klopp. 🙂

Antworten

Zagłębie rules 25. Dezember 2013 um 11:04

Chapeau; gefällt mir sehr gut, nichts auszusetzen. 🙂

Jedoch fällt meinem geschulten Auge eine klitzekleine Unstimmigkeit auf. Im ersten Teil schreibst du “ Trotz seiner Balltechnik ist er somit nicht als Nadelspieler oder als effektiver Zielspieler einsetzbar.“ und im zweiten Teil jedoch : “ …..und wurde nicht zu einem Bestandteil der Offensive, sondern zu ihrem wichtigsten Zielspieler.“ Ja was jetzt?
Und würdest du mir zustimmen wenn ich behaupte dass es ManU insgesamt etwas besser gelang und mit mehr Variabilität, seine zugegebenermaßen vorhandenen Defizite zu kompensieren?
Bleibt jetzt nur noch die Frage wie Messi seine schlechteren athletischen Fähigkeiten beim Stuhlgang wieder wett macht. Durch bessere Taktik? 😛

Antworten

RM 25. Dezember 2013 um 11:07

Ach, das sind zwei unterschiedliche Sachen. „Target man“ vs „Spieler, auf den das Spiel ausgerichtet ist“. Also ein Zielspieler, auf den lange Bälle oder scharfe Pässe zur Ballbehauptung kommen beim ersten Teil und der primäre Abschlussspieler beim zweiten Teil.

Ne, würde ich wohl auch unterschreiben, ja. Und ich fand, dass er da auch mehr nach hinten tat (und zwar situativ gut) bis zur 08er-Saison.

Antworten

Zagłębie rules 25. Dezember 2013 um 11:22

Sorry, den letzten Satz konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

Allerdings; wer sich an Weihachten so eine Arbeit auflastet der verdient extra Lob 🙂 Insgesamt würde ich sagen dass dies von allen gelesenen die informativste, umfangreichste und m.E beste Analyse ist.
Aber natürlich ist dir jetzt auch klar dass du den Massstab für folgende Analysen recht hoch gehängt hast. Oder soll das eine einmalige Huldigung für den Besten der Welt sein, sozusagen die Laudatio zur Wahl des Ballon d`Or? 😉

Antworten

RM 25. Dezember 2013 um 13:55

Hehe, danke für das Lob! 🙂

Ja, wir haben ja „Porträts“, „Analysen“ und „in-depth-Analysen“ bei Spielern; jene von Messi erachte ich nicht als schwächer. Persönlich mag ich es solche Spieler zu analysieren und der Vorrat, den sie einem geben, ist ja schier unerschöpflich.

Antworten

SP 25. Dezember 2013 um 15:21

Ich bin zu der Analyse von Messi leider noch nicht gekommen, aber wenn du sagst, dass die nicht schwächer ist, muss ich sie mir wohl unbedingt mal durchlesen. Diese Analyse ist nach meiner Meinung nämlich beinahe perfekt und war wohl tatsächlich so ziemlich das tollste Weihnachtsgeschenk, das ich dieses Jahr bekommen habe. Vielen, vielen Dank also auch von mir.

Antworten

SCP-Poker 25. Dezember 2013 um 10:45

Sehr informativ. Ich finde, dass du sehr objektiv argumentiert und bewertet, weshalb du dir nichts vorwerfen lassen musst. Super Weihnachtsgeschenk. 🙂

Antworten

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