Türchen 15: Guti

Am Ende bestritt Guti 500 Spiele für Real Madrid und war dabei an mehr als 150 Toren beteiligt. Am Ende wurde Guti mit Real Madrid fünf Mal spanischer Meister und gewann drei Mal die Champions League. Am Ende stand Guti aber nie selbst in einem Champions League Finale auf dem Platz – und eine große Karriere mit der spanischen Nationalmannschaft blieb ihm ebenfalls versagt. Was macht Guti also in diesem Adventskalender?

Die Karriere von José María Gutiérrez Hernández begann 1984 in der Ausbildungsakademie Real Madrids. In La Fábrica durchlief Guti alle Jugendmannschaften und debütierte 1995 in der ersten Mannschaft der Königlichen. Erst 25 Jahre später verließ er Real in Richtung Türkei, wo er bei Besiktas Istanbul seine Karriere als Spieler ausklingen ließ und heute als Co-Trainer wirkt. In seiner Zeit bei Real Madrid lief Guti neben Spielern wie Zidane, Figo, Raul oder David Beckham auf. Alle diese Namen sind in der deutschen Öffentlichkeit untrennbar mit den Erfolgen und dem Mythos Real Madrids verbunden. Der Name Guti ist es hingegen nicht.

Ein zentraler Mittfeldspieler im Schatten der ganz Großen

Nach der Jahrtausendwende kam Guti zumeist im zentralen offensiven Mittelfeld und sogar im Sturmzentrum zum Einsatz. In La Liga gelangen ihm in der Saison 2000/2001 dadurch vierzehn Treffer und fünf Torvorlagen in nur 32 Spielen. Die meisten seiner Spiele für Real Madrid bestritt Guti aber im zentralen Mittelfeld. In dieser Rolle kam er auch in der Saison 2005/2006 im Heimspiel gegen den FC Sevilla (der übrigens mit einem gewissen Dani Alves antrat) zum Einsatz. Die Partie gegen den FC Sevilla war dabei ein Spiel, das irgendwie zu Gutis Karriere zu passen scheint. In der sechsten Minute gelang dem Kapitän mit einem technisch perfekten Hüftdrehstoß nach Hereingabe von Zinedine Zidane zwar der schnelle Führungstreffer für die Königlichen. Beim 4:2-Sieg steuerte aber eben jener Zinedine Zidane noch drei weitere Treffer bei (von denen Guti das zweite Tor sehenswert per Hacke vorbereitete) und war damit natürlich der Mann des Spiels.

Führungstreffer Reals durch Guti

Vertikale Rolle und freie Bewegungen im Übergangsspiel / Herausrückende Bewegungen gegen den Ball und im defensiven Umschaltmoment

Sevilla nutzte in dieser Partie eine 4-4-2-Grundordnung im Spiel gegen den Ball. Meist agierte man daraus in einem tiefen Mittelfeldpressing, wobei die beiden Stürmer vorrangig die Mitte zustellten und wenig aktiv anliefen.

Aufstellung Real Madrid mit Offensivmustern und defensive Grundordnung FC Sevilla

Guti bewegte sich in der 4-2-3-1-Grundordnung Reals, aus der Madrid vornehmlich die linke Seite überlud, im Aufbauspiel häufig neben die beiden Stürmer des FC Sevilla und versuchte das Spiel aus dem linken defensiven Halbraum heraus nach vorne zu tragen. Baute Real das Spiel hingegen über die rechte Seite auf, rückte Guti schnell nach vorne (oder kippte nur situativ zurück), um den Zwischenlinienraum zu besetzen und das Spiel im Zentrum in der Tiefe zu öffnen. Dorthin rückte er auch, wenn Zidane sich von der Zehnerposition zurückfallen ließ, um den Aufbau zu unterstützen. Guti bekleidete zwar nominell die Position des linken Sechsers, interpretierte diese Rolle aber spätestens ab dem Übergangsspiel relativ frei, was auch daher rührte, dass der Spanier in eine Box-to-Box-Rolle eingebunden war, während sein Gegenüber Gravesen auf der rechten Sechserposition vornehmlich den defensiven Umschaltmoment in Bezug auf die Restverteidigung absichern sollte. Gutis starke Leistung im Spiel mit Ball resultierte zum einen aus der souveränen Erfüllung seiner Funktion als tiefer Aufbauspieler und Unterstützer der weiträumigen Ballzirkulation. Zum anderen aus der Tatsache, dass er viele Situationen in denen er den Ball unter direktem Gegnerdruck erhielt, trotz seiner insgesamt vertikalen Spielweise erfolgsstabil über sicheres Aufdrehen oder kurze Dribblings nach vorne anbinden konnte.

Seine hohen Positionierungen konnte Guti häufig dazu nutzen, direkt ins Gegenpressing (eher ins Nachsetzen – das was Real nämlich machte hatte keinen mannschaftstaktischen Unterbau) zu gehen. In diesem Kontext interessant: Guti rückte dabei auch häufig nach vorne, wenn er schlechte Möglichkeiten hatte den Ball zu erobern oder sogar Gefahr lief vom ballführenden Gegner ausgespielt zu werden. Er tat dies vornehmlich dann, wenn Real in der Restverteidigung eine klare Überzahl hatte, die man ausspielen wollte, um den Gegner dazu zu zwingen bzw. dazu zu verleiten das Spiel schnell in die Tiefe zu tragen. Dies hatte dann häufig die Folge, dass Sevillas Stürmer isoliert vom Rest der Mannschaft waren. Auch im Spiel gegen den Ball war es Guti, der in der Regel als erster aus der Grundordnung heraus auf einzelne gegnerische Spieler im Zentrum herausrückte und Zidane damit von Laufarbeit befreite.

Den Gegenspieler binden

Ein nicht unwesentlicher Faktor in der Auslegung der Mittefeldrolle Gutis waren sicherlich die Möglichkeiten, die sich dadurch für den Support von Zidane ergaben. Zum einen diente Guti dem Franzosen häufig als kurze Ablage- und Kombinationsstation vor Spielverlagerungen, wenn der Franzose durch Dribblings Gegenspieler zu binden versuchte. Andererseits band Guti durch seine Positionierungen in der Tiefe oder durch seine Läufe in die Tiefe immer wieder Gegenspieler und öffnete Zidane so Räume.

Vorbereitung des zweiten Treffers von Zinedine Zidane zum zwischenzeitlichen 3:1 per Hacke

Fazit

Über weite Strecken seiner Karriere war Guti als Spieler vor allem eines: unspektakulär. Und am Ende fehlte ihm wohl doch auch die ganz große Klasse, um über Jahre in der absoluten Weltspitze mitspielen zu können. Am Ende gehört Guti aber sicherlich zu jenen meist leicht unterschätzten Akteuren, die unspektakuläre, schwierige Dinge erfolgsstabil durchführen können und deren herausragende Qualitäten oftmals nicht so sehr auffallen. Deshalb taucht Gutis Leistung gegen den FC Sevilla zurecht in diesen Kalender auf.

blub 17. Dezember 2018 um 02:07

Ich hab Guti immer als guten SPieler gesehen der keine Spektakulären Aktionen brauchte und immer irgendwo zwiaschen Solide und sehr gut machte.
In einer bedingungslos volatilen Mannschaft eine echt wichtige Eigenschaft.

Antworten

Ralf 16. Dezember 2018 um 21:51

Hat Ramos damols schon IV gespielt? Dachte das wäre 2010 Mourinos Idee gewesen

Antworten

tobit 17. Dezember 2018 um 14:28

Ramos hat in der Saison 05/06 tatsächlich nur als IV oder Sechser gespielt. War seine erste echte Saison bei den Profis, davor nur mit sehr wenigen, kürzeren Einsätzen auf verschiedenen defensiven Positionen.
06/07 war er eine Art Springer zwischen IV und RV. Danach erstmal hauptsächlich außen aber eigentlich immer auch mit ein paar Spielen im Zentrum. War/ist halt neben seiner jeweiligen Stammposition auch Universalbackup (bzw. bester Spieler) auf allen anderen Defensivpositionen.

Antworten

Timo H. 15. Dezember 2018 um 10:49

Danke für dieses tolle Portät über einen fantastischen Spieler.
Erfolgsstabilität? Das was Götze lange auszeichnet/ausgezeichnet hat(?)

Antworten

tobit 16. Dezember 2018 um 21:07

Die Positionierung in diesem Spiel erinnert mich auch an Götze unter Tuchel. Aus der Tiefe in den Zwischenlinienraum damit sich einer der Offensiven den Ball tief holen kann. Und dann anspielbar, aufmerksam und eben konstant.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*