Shakhtar Donetsk und Europas coolstes 4-2-3-1

Fernab der Heimat wieder im Rampenlicht: Ostukrainischer Club mit brasilianischen Spielern unter portugiesischem Trainer.


Ungewöhnliche Symbiose von Verein und Trainer

Paulo Fonseca ohne Zorro-Kostüm (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Paulo Fonseca machte ein Auftritt als Zorro berühmt. Dabei ist der 44-jährige gar kein Schauspieler, sondern Fußballtrainer beim ukrainischen Meister Shakhtar Donetsk. Die große Bühne war für ihn auch nicht unbedingt vorgezeichnet: Mit 15 Erstliga-Spielen in Portugal zählte er beileibe nicht zum Kreis öffentlich relevanter Personen. Das sollte sich auch nicht ändern, als er 2005 im Alter von 32 Jahren seine Trainerkarriere begann.

Nach einigen Lehrjahren abseits der tatsächlich beachteten Vereine, ging es 2013 schließlich zum großen FC Porto, wo er allerdings nach nicht einmal einem Jahr wieder entlassen wurde. 11 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Benfica waren schlichtweg zu viel für die Ansprüche jenes Vereins, der sich zuvor in 9 von 11 Saisons den Meistertitel sichern konnte.

Nach einem erneuten Abstecher zu Paços Ferreira fand Fonseca schließlich sein Glück bei Sporting Braga. In der Liga stand am Ende ein guter vierter Platz, auch im Ligapokal war erst im Halbfinale gegen Benfica Schluss. Den unbestrittenen Höhepunkt stellte jedoch der Titelgewinn im nationalen Pokal dar, wo im Finale ausgerechnet der FC Porto nach Elfmeterschießen bezwungen werden konnte.

In der Europa League hatte man wiederum im Viertelfinale keinerlei Chance und verlor in der Addition mit 1:6. Doch irgendetwas musste dem Gegner dennoch gefallen haben, denn er stellte Paulo Fonseca 2016 als neuen Cheftrainer ein. Bei Shakhtar Donetsk trat er das Erbe von Mircea Lucescu an, der den Verein in seiner 12 Jahre andauernden Amtszeit wie kein Zweiter geprägt hatte.

Bekannt wurde die Mannschaft aus der Ostukraine vor allem durch die Verpflichtung zahlreicher südamerikanischer, vorzugsweise brasilianischer, Spieler. Dank der großzügigen Hilfe des Milliardärs Rinat Akhmetov spielte dabei Geld keine große Rolle und ließ Douglas Costa und Co auch den strengen Winter vergessen. Erst wenn die tatsächlichen Spitzenklubs aus westlicheren Gebieten Europas kamen und neben finanziellen Aspekten eben auch noch jede Menge Prestige mitbrachten, verkaufte man die Spieler wieder für stattliche Summen. Davon konnte man sich eben ein paar neue Südamerikaner leisten, für die Donetsk ein ideales Sprungbrett zu sein schien.

Doch vor geschichtlichen Wendungen ist eben auch der reichste Fußballverein nicht gefeit: Als 2014 der Krieg in der Ukraine ausbrach, flüchtete der Verein im wahrsten Sinne des Wortes. Heimspiele wurden fortan in Lviv ausgetragen, was dort, fernab der ursprünglichen Heimat ganz im Westen des Landes, keinen so recht interessierte. Die Spieler, die schon da waren, konnten zwar trotz der Krise gehalten werden. Doch viele Neuzugänge waren nicht mehr zu verzeichnen und wenn, dann fand man sie sprichwörtlich eher vor der eigenen Haustür. Ein gezwungener Strategiewechsel bahnte sich an.

Dieser konnte wiederum durch den zeitgleichen Zerfall des ähnlich operierenden Vereins Metalist Kharkiv ein Stück weit abgebremst werden. Schrittweise übernahm man nicht nur die Star-Spieler des damaligen Ligarivalen in seinen Kader, sondern trägt seit der Auflösung von Metalist 2016 auch seine Heimspiele in dessen ehemaligen Stadion aus. Damit wird sowohl das eigene Vakuum als auch jenes der zweitgrößten ukrainischen Stadt ein Stück weit gefüllt.

Just zu diesem Zeitpunkt trat dann auch Paulo Fonseca auf die Bühne, um gleich einmal in der Europa League gegen die Young Boys Bern auszuscheiden. In der Liga lief es hingegen etwas besser: Shakhtar verlor in 32 Spielen nur zwei Mal und wurde mit 13 Punkten Vorsprung auf Dynamo Kiev Meister. Durch ein 1:0 gegen den Rivalen aus der Hauptstadt sicherte man sich im Anschluss dann auch noch den ukrainischen Pokal und somit das Double.

Wichtiger noch: Shakhtar qualifizierte sich dadurch nach einjähriger Pause wieder für die Gruppenphase der Champions League. Dort wurde man sogleich in die fußballerisch wohl attraktivste Gruppe mit Manchester City, Napoli und Feyenoord gelost. Für Außenstehende schien ein Weiterkommen derart unwahrscheinlich, dass Fonseca seinen Spielern versprach, sich als Zorro zu verkleiden, falls dies doch gelingen sollte.

Also saß er dann am Nikolaustag nach dem Heimsieg gegen Manchester City mit schwarzer Maske bei der Pressekonferenz und die Kameras waren plötzlich auf den in der portugiesischen Kolonie Mosambik geborenen Trainer gerichtet. Er witzelte entsprechend aufgelockert mit den anwesenden Journalisten, sprach von einem „idealen Spiel“ seiner Mannschaft.

Spieler gewinnen Spiele, Kader gewinnen Meisterschaften

Zu einem idealen Spiel gehört der ideale Einsatz von Spielern. In dieser Hinsicht rotiert Paulo Fonseca äußerst wenig. Lediglich Sperren zwangen ihn wenige Male dazu, seine Startelf zu verändern. Ansonsten gibt es nur sehr selten Verletzungen zu beklagen, was vermutlich nicht zuletzt der typisch portugiesischen taktischen Periodisierung zuzuschreiben ist. Oder wie Raymond Verheijen es ausdrückt: „Always play with your strongest team!“.

Goalimpact-Chart von Andriy Pyatov

In diesem stärksten Team hütet der ukrainische Nationalspieler Andriy Pyatov das Tor. Der mittlerweile 33-Jährige hat nicht nur einen ziemlich hohen Goalimpact, sondern ist auch tatsächlich ein weitestgehend unterschätzter Torhüter. In gewissen Aspekten ist er die leicht fehlerhafte Vorgängerversion von Manchester Citys Ederson. Teilweise spielt er sensationelle lange Bälle, teilweise nutzt er auch unter Druck kurze Passoptionen. Zudem spielt er auch gegen den Ball ziemlich aktiv mit und besticht mit guten Reflexen.

Was seine öffentliche Wahrnehmung verzerrt, sind allerdings immer mal wieder auftretende Schnitzer und Unsauberkeiten, welche gemeinsam mit der eher wenig grazilen, eines Bären nicht unähnlichen, Statur eine gewisse Tollpatschigkeit ausstrahlen, die faktisch aber gar nicht so häufig zum Tragen kommt.

Vor ihm verteidigt zum einen ein weiterer Liebling des Goalimpacts, Yaroslav Rakitskiy, 28 Jahre alt, ebenfalls ukrainischer Nationalspieler. Der vielleicht verrückteste Passspieler, den es auf der Innenverteidigerposition gibt. Er kann lange Bälle spielen, die mit erfolgreichen Hail Marys im American Football vergleichbar sind, aber ebenso Laserpässe zwischen die Linien anbringen. Insgesamt ist er in Ballbesitz überaus aktiv eingebunden und agiert auch gegen den Ball stabil.

Goalimpact-Chart von Yaroslav Rakitskiy

Letzteres gilt auch für Nebenmann Ivan Ordets, der zwar in Ballbesitz deutlich weniger spektakulär ist, sich dafür aber im Pressing mittels Vorwärtsverteidigen häufiger aktiv einschaltet. Mit 1,94m Körpergröße zählt er zwar nicht zu den schnellsten Spielern, ist aber weder wirklich langsam noch unbeweglich. Mit dem Georgier Davit Khocholava steht zudem noch ein ähnlich solider Ersatzmann zur Verfügung.

Die Position des rechten Außenverteidigers ist bei Shakhtar traditionell an Alt-Star und Kapitän Dario Srna vergeben. Er glänzt vor allem durch einen starken rechten Fuß und spektakuläre Hereingaben. Doch aktuell muss er eine Dopingsperre absitzen, deren mögliches Ende das Thema von Gerichtsverhandlungen ist.

In 5 der 6 Champions League-Gruppenspiele kam stattdessen Bogdan Butko zum Einsatz, der im Vergleich deutlich abfällt. Er füllt seine Rolle allenfalls auf klassische Art und Weise solide und zurückhaltend aus, wirkt bei Drucksituationen mit sowie gegen den Ball jedoch auf internationalem Niveau durchaus einmal überfordert.

Anders verhält es sich mit dem Brasilianer Ismaily auf der gegenüberliegenden Seite, die der 28-Jährige unermüdlich bearbeitet. Er erinnert dabei teilweise ziemlich an Faouzi Ghoulam von Napoli. Mit enormer Athletik prescht er häufig in freie Räume nach vorne und bringt seine Läufe gerne auch diagonal in Richtung Zentrum an. Dabei kann Ismaily sich mitunter auch alleine gegen mehrere Spieler der anderen Mannschaft durchsetzen.

Wichtigster Spieler im zentralen Mittelfeld ist der heftig von Manchester City umworbene Fred, ebenfalls ein Brasilianer, der mit 24 zu den jüngeren Spielern im Team von Paulo Fonseca gehört. Er besticht zunächst durch ein ungeheuerliches Laufpensum, das es ihm erlaubt sowohl mit als auch gegen den Ball große Räume abzudecken. Doch er nutzt diese athletischen Fähigkeiten nicht rein für vorwärtsgerichtete Aktionen, bei denen er sich früh in die Spitze orientiert.

Goalimpact-Chart von Fred

Ganz im Gegenteil variiert Fred seine Rolle oftmals ziemlich geschickt und agiert phasenweise auch als Ankerspieler. Aus dieser Position fällt ebenso wie in Umschaltmomenten sein hervorragendes vertikales Passspiel auf, bei dem er die zur Verfügung stehenden Optionen schnell und erfolgsstabil abwägt. Gleichzeitig kann Fred sich häufig gut aus Drucksituationen lösen. Die Pressingresistenz leidet lediglich dann einmal, wenn er in solchen Momenten doch überdreht und so technische Fehler auftreten.

Das passende Gegenstück zu ihm heißt Taras Stepanenko, der ebenfalls in seinem Profil ziemlich flexibel ist, aber auf deutlich unspektakulärere Art und Weise sowie mit schwächerem Passspiel. Das erlaubt es ihm allerdings, hervorragend auf das Verhalten seiner Nebenleute, allen voran eben Fred, zu reagieren. Sowohl mit als auch gegen den Ball bedeutet dies häufiger eine leicht zurückgezogene Rolle für ihn, die aber in passenden Momenten auch immer wieder durch vorwärtsgerichtete Aktionen durchbrochen wird.

Vor der Doppelsechs darf sich dann schließlich die brasilianische Offensivmaschine austoben, die von drei starken Kombinationsdribblern gebildet wird. Zum einem Benard, 25 Jahre, zumeist auf links oder zentral agierend, der sich gut in die Kombinationsstruktur einfügt und von allen dreien am ehesten zu wühlenden und manchmal auch wirren Aktionen neigt.

Marlos, 29 Jahre, ist hingegen trotz grau melierter Haare der geschmeidigste Dribbler unter ihnen und findet auch gegen mehrere Gegenspieler konstant gute Lösungen, wenngleich seine Positionierungen durchweg etwas simpler angelegt sind als bei den anderen beiden.

Taison, 30 Jahre, ist das letzte Mitglied des Trios, und häufig auch das umtriebigste. Aus zentraler Position lässt er sich mitunter als zusätzlicher defensiver Mittelfeldspieler zurückfallen oder weicht weit nach links aus, wenn er nicht sogar schon von dieser Position aus startet. Diese aktive Interpretation gibt ihm als Unterstützungsspieler eine prominente Rolle im Kombinationsspiel.

Neben den dreien gibt es noch den 21-jährigen Ukrainer Kovalenko, der sich so bewegt, als wolle er gerne beim Spiel der Südamerikaner mitmachen, doch meistens daran scheitert, weil er nicht wirklich schlecht, aber eben auch kein bisschen spektakulär ist.

Anders verhält es sich da schon mit Facundo Ferrerya, 26 Jahre, aus Argentinien. Er verkörpert zwar etwas gänzlich anderes als Bernard, Marlos und Taison, passt aber als Mittelstürmer hervorragend zu ihnen. Denn er spielt unheimlich effektive und gute, teils wirklich anspruchsvolle Ablagen und kann zudem auch noch bei Bedarf ausweichen. Außerdem glänzt er mit herausragendem Rückwärtspressing und ist somit ein Angreifer, den die meisten Trainer wohl gerne in ihren Reihen hätten.

Mittelfeldpressing ist Trumpf

Organisation ist ein Wort, das Paulo Fonseca mag. Diesen Eindruck wird man zumindest nicht los, wenn er selbst als Zorro verkleidet davon spricht, dass seine Mannschaft sowohl defensiv als auch offensiv gut organisiert war, was eben seine Vorstellung von einem „idealen Spiel“ zu sein scheint.

Der erste Eindruck verfestigt sich erst recht, wenn man einen Blick auf das Pressing von Shakhtar Donetsk wirft. Aus der grundsätzlichen 4-2-3-1-Struktur wird in der Regel eher so etwas wie ein 4-2-2-2, wobei das Mittelfeld sich häufig auch komplett flach staffelt.

So wird das Zentrum von allen Seiten umstellt. Pässe auf dort befindliche Spieler werden vor allem durch Herausrücken von Fred, aber auch durch Rückwärtspressing von Taison und Ferrerya verteidigt.
Marlos lässt sich häufiger als Bernard eher passiv seitlich zurückfallen, während Ismaily eher dazu neigt, aggressiv zum Flügel hin zu verteidigen.

Stepanenko rückt je nach Position des Balles durchaus auch einmal selbst heraus, füllt ansonsten aber vor allem die entstehenden Lücken. So kann er sich beispielsweise auch in die Viererkette zurückfallen lassen – vor allem als Reaktion auf das Herausrücken von Außen- oder Innenverteidigern.

Schematische Darstellung der Grundstaffelung im Pressing

Vor allem Pässe in den Raum vor der Abwehr werden so aggressiv verteidigt. Die Mannschaft zieht sich infolge entsprechender Zuspiele noch enger zusammen und kreiert situativ enorm kompakte Staffelungen, aus denen es für den Gegner kaum einen Ausweg gibt. Die nicht unmittelbar beteiligten Kettenspieler schieben in solchen Momenten ebenfalls mit nach vorne und stellen mögliche vertikale Anspieloptionen ins Abseits. Zum Balancieren des Herausrückens kann neben einem der Sechser beispielsweise auch der entsprechende Flügelspieler sich etwas fallen lassen.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Überhaupt bieten sich durch die Ausrichtung vielfältige Pressingmöglichkeiten im Zentrum. Durch das häufig aggressive Vorschieben von Fred bilden sich situativ immer wieder einmal Staffelungen im 4-3-2-1, das zur Ballseite hin verschoben ist. Im Rückspiel gegen Feyenoord wurde dieses auch vermehrt in zentraler Position gebildet.

Ferreyra belauert mögliche Rückpässen, während Fred unmittelbar Druck auf den Ballführenden ausübt und Taison die direkte Anspieloption ins Zentrum bei einem entsprechenden Zuspiel attackieren kann. So bildet sich ein Dreieck, das blitzschnell zuschnappen kann und durch die Staffelung auch direkt Kombinationsmöglichkeiten für einen schnellen Angriffsvortrag nach Ballgewinn bietet.

Zudem kann Taison nun aus leicht tieferer Position entsprechend anstelle von Fred ins Mittelfeldband schieben, falls dies nach einer Spielverlagerung oder einem erfolgreichen Spiel durch den ballnahen Halbraum nötig werden sollte. Hier würde dann durch die Ausrichtung auch unmittelbar ein Rückwärtspressing von Taison gefordert werden.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Dieses Rückwärtspressing wird auch für den Einsatz von anderen systematischen Pressingfallen noch entscheidender genutzt. Beispielsweise werden vertikale Passwege im Halbraum bewusst offen gelassen. Infolge eines entsprechenden Passes presst dann entweder der Sechser oder der Außenspieler so, dass nur noch ein Rückpass in den Sechserraum nötig ist.

Gleichzeitig stellen die im unmittelbaren Umkreis befindlichen Spieler mögliche weitere Passoptionen zu, indem sie beispielsweise die vertikale Fortsetzung in den Halbraum oder das Spiel in den Zehnerraum mithilfe ihres Deckungsschattens verhindern. Ferreyra geht beim Zuspiel zum Sechser direkt ins Rückwärtspressing, während der ballnächste Spieler, der in Richtung des gegnerischen Tores orientiert ist, ihn unterstützt.

Dieser kann dann entweder als zweiter Spieler den Ball vom Sechser gewinnen oder eben unmittelbar für einen Konter durchlaufen. Letzteres gilt insbesondere auch für Taison sowie den ballfernen Flügelspieler (meist Marlos) in lauernder Position. So steht Shakhtar nicht bloß stabil, sondern kreiert aus der Pressingstaffelung unmittelbar eigene Angriffe. Aus genau solchen Positionen kann dann Fred beispielsweise auch seine hervorragenden vertikalen Zuspiele hinter die Kette anbringen oder bei Verzögerung des Angriffs noch den nachstoßenden Ismaily auf außen mitnehmen.

Beispiel vom 5. Spieltag gegen Napoli, 21.11.2017

Doch Shakhtar kann nicht nur im Zentrum für Ballgewinne sorgen, sondern ist sich gleichzeitig auch der potentiell offenen Räume auf außen bewusst, die so kurzerhand zur Pressingfalle werden. Dies passiert vorzugsweise auf der rechten Seite, wo Fred besonders weit mit nach außen schiebt. Auch Stepanenko rückt mit nach, um gleichzeitig das Zentrum abzusichern.

Insbesondere Zuspiele auf ausweichende Achter oder Zehner können so effektiv verteidigt werden, zumal Ordets dann auch noch helfend nach vorne stoßen kann und der Passempfänger mit Blickfeld nach außen agieren muss. Shakhtar bildet dann eine engmaschige Sichel um ihn herum, die den Gegner entweder ins Aus drängt oder direkt für einen Ballgewinn sorgt.

Für einen solchen positioniert sich der ballferne Flügelspieler wiederum etwas höher, um direkt Präsenz bei einem Konter zu erzeugen. Gleichzeitig bleibt auch entweder Ferreyra oder Taison in zockender Position, während der jeweils andere für überraschende Rückpässe oder Abpraller bereitsteht und so im Zweifelsfall wiederum mittels Rückwärtspressing die Balljagd fortsetzen kann.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Zum Repertoire, aus dem je nach Situation und Spiel gewählt wird, zählt es allerdings auch, das Zuspiel in den Halbraum mit zwei Spielern eng zuzustellen und den Gegner so auf den Flügel zu lenken, wo man idealerweise ein 2 gegen 1 herstellt.

Gleichzeitig verstellt einer der beiden vorderen Spieler mit seinem Deckungsschatten ein Zuspiel ins Zentrum. Sollte ein solches für den jeweils ballführenden Innenverteidiger oder zentralen Mittelfeldspieler durch ein leichtes Verändern der Position nach außen hin dennoch möglich sein, so sind die beiden Sechser ebenfalls bereit, den Passempfänger unter Druck zu setzen.

Insbesondere Fred zeigt dabei immer wieder koordinativ beeindruckende Momente, bei denen er sich eigentlich schon sehr frühzeitig auf eine Option festlegt. Erkennt er während der Ausführung des Zuspiels, dass doch der andere Gegenspieler gefunden werden soll, ändert er schnell die Richtung und kann noch überraschend Zugriff herstellen. Eine Art der Defensivfinte, die fast schon eine individuelle Pressingfalle sein kann.

Beispiel vom 5. Spieltag gegen Napoli, 21.11.2017

Je nach Spielverlauf oder Stärke des jeweiligen Gegners geht Shakhtar situativ auch ins Angriffspressing über, bei dem sie insgesamt deutlich mannorientierter agieren, aber dem Gegner bestimmte Möglichkeiten öffnen und andere verschließen, sodass ein gewisses Lenken stattfindet.

Hierzu wird beispielsweise der ballführende Innenverteidiger von außen nach innen angelaufen, sodass ein Spiel zum Außenverteidiger nicht möglich ist. Wird außerdem noch der Vertikalpass ins Mittelfeld zugestellt, bleibt nur ein Zuspiel zurück zum Torhüter. Zu diesem läuft der pressende Spieler dann durch, während der im Zentrum verbliebene Stürmer oder Zehner die Passwege in den Sechserraum im Blick behält.

So verlagert der Gegner das Spiel vorhersehbar auf die andere Seite, wo der ursprünglich ballferne Flügelspieler sehr klar einen Zeitpunkt finden kann, um auf die Körperposition des Torhüters zu reagieren und den Passempfänger entsprechend anzulaufen. Die anderen Spieler, etwa der Außenverteidiger oder einer der Sechser, rücken im situativen 4-1-3-2 entsprechend mit nach, um weitere Anspielmöglichkeiten zuzustellen.

Beispiel vom 3. Spieltag gegen Feyenoord, 17.10.2017

Stärken, die zu Schwächen werden

Das höhere Pressing fällt im Vergleich zum Prunkstück, dem Mittelfeldpressing, jedoch teils deutlich ab. Alleine, da die ansonsten so herausragende Kompaktheit kaum hergestellt werden kann, wenn man im Angriffspressing auf der gesamten Hälfte verteidigen muss. Viele der Abläufe sind aber eben implizit darauf angewiesen, dass die Mannschaft eng beieinandersteht. Solche Situationen müsste man in der gegnerischen Hälfte auf etwas andere Art und Weise erzeugen als beim tieferen Pressing.

Schon dort kann beispielsweise das etwas zu forsche Herausrücken von Fred ausgenutzt werden, wenn dieser mannorientiert eine zurückfallende Bewegung kurzzeitig verfolgt und Marlos gleichzeitig eher darauf bedacht ist, den Flügelspieler in seinem Deckungsschatten zu behalten. Dann versperren die beiden eben nicht das Spiel durch den Halbraum, was schon bei vergleichsweise geringen Abständen gegen spielstarke Gegner problematisch werden kann.

Einerseits kann so kurzzeitig ein 2 gegen 1 gegen Butko erstellt werden, falls dieser nicht herausrückt. Falls er dies tut, muss sein Timing und vor allem die Richtung des Anlaufens gut genug sein, um einen Pass zum Flügel und einen direkten Durchbruch zu verhindern. Das gelingt ihm auch durchaus einmal, aber eher in geplanten Pressingsituationen.

Andererseits reagiert Fred dann eben doch recht schnell auf derlei minimale Fehler und kann sie schnell mithilfe seiner Intensität ausgleichen. Dadurch wird aber möglicherweise der zuvor gedeckte Gegenspieler für einen direkten Rückpass vom Flügel freigespielt und kann wiederum auf die andere Seite verlagern, wo der Gegner dynamisch durchbrechen könnte. Diese Verlagerungen verteidigt Shakhtar zwar recht gut. Bei größeren Abständen im höheren Anlaufen würde aber bereits das erste Szenario auf der ballnahen Seite sich deutlich problematischer darstellen.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Was an Kompaktheit in anderen Momenten mitunter fehlt, das wird in Szenen, bei denen der Ball sich etwas entfernt vom Strafraum am Flügel befindet, übertrieben. Dies kann ebenso offensichtlich negative Auswirkungen haben, welche von allen Gegnern ein ums andere Mal zumindest so ausgenutzt werden konnten, dass gefährliche Szenen in Strafraumnähe entstanden.

Die Viererkette versucht auch ballfern so hoch wie möglich und so eng am Mittelfeld wie möglich zu stehen. Bringt der Gegner nun im ballnahen Halbraum Tiefenläufe an, neigt aber der jeweilige Innenverteidiger dazu, diese zu verfolgen, weil er sich keineswegs auf Abseitssituationen verlassen kann. Die Läufe beginnen ja schließlich noch 10-15 Meter entfernt von der Viererkette.

Dadurch steht er kurzzeitig tiefer als der Rest der Kette. Wird nun nicht ausreichend Druck auf den Ball ausgeübt, kann ein einfacher Pass hinter die Abwehrreihe auf einen zentral zeitlich leicht versetzt startenden Spieler (normalerweise den Mittelstürmer) das gesamte Pressing aushebeln.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Gelangt der Ball allerdings einmal in die Nähe des Strafraums von Shakhtar, so lässt sich zumindest der hintere Teil der Mannschaft recht schnell zurückfallen, während einzelne Spieler in zockenden Positionen verweilen. Fred schiebt erneut weit mit zum Flügel. Stepanenko muss abwägen, ob er dies in Tornähe ebenfalls tun kann oder doch lieber das Zentrum sichern sollte.

Dadurch lässt er entweder eine lokale Überzahl seitlich an der Strafraumgrenze zu oder aber der Rückraum bleibt offen für entsprechende Pässe des Gegners aus diesen seitlichen Zonen. Auf solche können die Spieler in tieferen Positionen dann häufig nicht mehr so entscheidend herausrücken und auch das Rückwärtspressing greift am eigenen Strafraum nur bedingt.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Die etwas vorgezogene Position des ballfernen Flügelspielers wird zudem dahingehend in Strafraumnähe zum Problem, dass Shakhtar so eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Halbraumverlagerungen aufweist. Auch Läufe in den Strafraum aus tieferer Position werden nicht konsequent verfolgt, weshalb Chipbälle zum zweiten Pfosten ebenfalls effektiv sein können. Die Tiefensicherung der Viererkette lässt hier wiederum zu wünschen übrig.

Beispiel vom 3. Spieltag gegen Feyenoord, 17.10.2017

Flexibler Zentrumsfokus

Shakhtar wäre ein deutlich weniger interessantes Team, wenn es nur gegen den Ball das ein oder andere besondere oder gut umgesetzte Element zu bieten hätte. Die Mannschaft von Paulo Fonseca zeigt auch mit dem Ball vielerlei gute Ansätze, beginnend bei der grundsätzlichen Struktur.

Basis hierfür ist ein 4-2-3-1, das eben nicht wie üblich eher als 4-4-1-1 interpretiert wird, bei dem die Flügelspieler zwar durchaus einrücken, aber eben maßgeblich und vordergründig in Relation zu den Außenverteidigern, während Zehner und Stürmer vor allem miteinander interagieren. Vielmehr ist es so, dass Shakhtar mit 3 Zehnern im offensiven Mittelfeld agiert, die sich unmittelbar zwischen den Linien positionieren.

Von dort aus können sie zwar durchaus zum Flügel ausweichen, aber niemals ohne den Raum zwischen den Linien unbesetzt zu lassen. Für das tatsächliche Halten der Breite sind die Außenverteidiger zuständig. Auch positionieren sich Stürmer und Zehner durchaus in Relation zueinander, sodass sie sich nicht auf derselben Passlinie befinden. Doch Ferreyra bleibt klar in anderer Rolle als Taison, ist maßgebliche Ausweichoption und reagiert letztlich auf das Verhalten aller drei Zehner.

Weiter hinten ist zudem auffällig, dass die beiden Sechser häufig sehr eng beieinander agieren und die Innenverteidiger dafür weiter auffächern. So entsteht ein nach oben hin engeres Trapez, situativ wird fast schon eine flache Viererreihe gebildet, in der die Innenverteidiger die äußeren Positionen bekleiden.

Dadurch blockieren die Sechser nicht den direkten Passweg auf die äußeren Mittelfeldspieler und können selbst zum zentralen Anlocken eingebunden werden, um eben jene Passwege noch zu weiten. Gleichzeitig erlaubt die Nähe zueinander auch schnelle Interaktionen miteinander, die wiederum dazu führen können, dass man selbst Kontakt zu Ferreyra oder einem der Spieler hinter ihm sucht oder alternativ auf den Flügel ausweicht.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Doch Shakhtar ist nicht nur auf diese eine Staffelung im Aufbau festgelegt. Sie erlaubt es als Ausgangspunkt vielmehr, flexibel andere Anordnungen zu bilden, um entweder einen speziellen Matchplan umzusetzen oder eben auf die konkreten Aktionen des Gegners zu reagieren.

Ein ums andere Mal bildet das Team von Paulo Fonseca so ein angedeutetes 3-Raute-3, wobei die Außenverteidiger meist nicht extrem weit vorschieben. Stepanenko lässt sich endgültig zwischen die Innenverteidiger fallen. Fred hält davor die Sechserposition. Die äußeren Mittelfeldspieler werden zu Achtern.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Dieses 3-Raute-3 bietet zudem fließende Übergänge ins 3-2-4-1, was maßgeblich mit der Rolle des Zehners zusammenhängt. Taison (und manchmal auch Bernard) lässt sich von dieser Position aus häufig zurückfallen, während Fred im Gegenzug höher bleibt und zusätzlich noch die Seite mit Stepanenko fließend tauschen kann, der sich wiederum zurückfallen lässt.

Beispiel vom 4. Spieltag gegen Feyenoord, 01.11.2017

Solche flexiblen Aufbaustaffelungen werden gleichzeitig dafür genutzt, um den Gegner eher in äußeren Zonen anzulocken und von dort wiederum ins Zentrum zu gelangen. Dazu lässt sich dann beispielsweise ballnah der äußere Mittelfeldspieler zurückfallen, um eine lose Raute zu bilden, über die man im Zweifelsfall auch noch auf der gleichen Seite durchspielen könnte bei guter Präsenz im Falle des Ballverlustes. Das kann noch dadurch unterstützt werden, dass Ferreyra nach außen ausweicht.

Das gleichzeitige Zurückfallen eines Sechsers lenkt zudem ein gewisses Augenmerk des Gegners darauf, Rückpässe zu diesem zu verhindern. 3 Spieler halten zentral demgegenüber die Positionen, während der ballferne Außenverteidiger hochschiebt. So bieten sich bei ballnahmen Fokus genug ballferne Optionen, was die Entscheidungsfindung für den Gegner zusätzlich erschwert.

Stellt man den Sechser zu, verschlechtert sich der Zugriff auf die Zehner. Stellt man alle drei direkt zu, bleibt der ballferne Außenverteidiger frei. Orientiert man sich zu früh zu ihm, kriegt wiederum einer der drei anderen Spielern mehr Raum. Legt man sein Augenmerk insgesamt zu sehr auf die ballfernen Räume, spielt Shakhtar einfach über den Flügel nach vorne, auf dem sie sich gerade schon befinden.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Von ukrainischen Glanzlichtern und Ausweichoptionen

Dieser Aspekt kann beispielsweise vom eingangs schon vorgestellten Yaroslav Rakitskiy ausgenutzt werden, wobei ihm zugutekommt, dass er mit beiden Füßen präzise Pässe anbringen kann. So ballen sich mitunter viele Spieler in seinem Umkreis um den Sechserraum herum. Der Gegner stellt diese zu, was Rakitskiy allerdings nicht weiter stört.

Der Ukrainer spielt ohnehin lieber weiträumige Bälle und kann so tief aus einem Halbraum beispielsweise auf den ballfernen Flügel verlagern oder fast noch spektakulärer, am eigenen Strafraum flach von Halbraum zu Halbraum spielen, wofür sich zum Beispiel wiederum Taison weiträumig zurückfallen lässt. Weiterhin halten zwei der offensiven Mittelfeldspieler das Zentrum besetzt.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Würde der Gegner sich also nun wiederum früh darauf festlegen, eine Verlagerung verhindern zu wollen, so öffnet sich der Weg zwischen die Linien für Rakitskiy und er kann beispielsweise direkt zu Bernard spielen.

Ähnliche Pässe kann auch Andriy Pyatov von Zeit zu Zeit anbringen, wobei hier das Phänomen des Anlockens noch mal mehr auf die vertikale Ebene übertragen wird, wofür wiederum die Rauten- oder 2-2-Struktur von Innenverteidigern und defensiven Mittelfeldspielern Wichtigkeit erlangt. Sie geben dem Torhüter ausreichend Möglichkeiten, um das Spiel flach fortsetzen können, worauf sich Gegner häufig einstellen, indem sie genau diese Pässe verhindern.

Dadurch können aber wiederum die 3 Spieler, die sich weiter vorne zentral positioniert halten, ins Spiel gebracht werden, wenn sich schon eine kleine Lücke auftut. Nachdem einer von ihnen den Ball erhält, können sie unmittelbar miteinander interagieren. Ein typisches Muster ist es beispielsweise, dass Marlos den Ball annimmt, leicht nach innen dribbelt und Bernard sich währenddessen im Rücken des Gegenspielers nach hinten bewegt, um einen idealen Winkel für einen Diagonalpass zu ihm herzustellen.

Diesen erhält er dann in offener Stellung und kann wiederum mit Blick zum Tor in den offenen Raum dribbeln. Die anderen höher positionieren Spielern vergrößern diesen Vorteil noch, indem sie unmittelbar (diagonal) die Tiefe attackieren und etwaige Gegenspieler oder den gesamten Abwehrverbund mitziehen.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Das tiefe Anlocken des Gegners im Zentrum wird von Pyatov andererseits dann wiederum auch für Bälle zum Flügel genutzt. Er bringt diese zwar nicht immer absolut sauber an, spielt aber auch nie völlig katastrophale Pässe. Aus so einer Ausgangsposition ist es für den Gegner jedoch etwas einfach, direkt Zugriff auf Ismaily oder Butko zu erzeugen.

Dies wird entweder dadurch verhindert, dass den beiden eine schnelle Weiterleitungsmöglichkeit in den Raum hinter den gegnerischen Außenverteidiger gegeben wird oder indem sich einer der 4 Aufbauspieler nach hinten absetzt und so für einen Rückpass bereitsteht. Shakhtar scheut sich beim Fokus auf vertikales Spiel zwischen die Linien keineswegs, auch mehrfach in Folge einen Rückpass anzubringen und damit zunächst den Ball in den eigenen Reihen zu halten, ehe der passende Moment aufkommt.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Wird der Druck in Ballnähe dann irgendwann einmal zu groß und man kann weder kontrolliert verlagern noch herauskombinieren, so gibt es immer noch die Möglichkeit, das Spiel anderweitig auf die nächste Ebene zu bringen: Ein langer Ball auf Facundo Ferreyra.

Dieser positioniert sich so, dass er eben genau diese Ausweichoption sein kann und verfügt über ausreichende Fähigkeiten, um auch gegen einen oder mehrere Gegenspieler gute Ablagen oder Weiterleitungen ausführen zu können.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Vom Zwischenlinienraum zum Flügel. Oder: Warum kombinative Dribbler so mächtig sind

Das Spiel zwischen die Linien dient jedoch nicht ausschließlich dazu, um auch wirklich zentral nach vorne zu gelangen. So ist es allgemein ein typisches Mittel, mit dem Spiel zwischen die Linien eigentlich einen freien Spieler auf außen zu kreieren.

Dieser kann dann, wie eher im Falle Ismailys direkt selbst vorstoßen und ins Dribbling gehen oder dafür sorgen, dass der Ball wiederum zurück ins Zentrum gelangt, etwa diagonal zum Stürmer oder horizontal zu einem weiteren (ballentfernten) freien Spieler zwischen den Linien.

Im Vergleich zum Spieler, der den Ball vertikal dort erhält, hat der Teamkamerad auf außen den Vorteil, dass er besser in Richtung des Feldes positioniert ist und somit einen Überblick über die Situation hat. Seine Orientierung beginnt schon frühzeitig, praktisch mit dem Pass in den Zwischenlinienraum. Dadurch kann er sich ziemlich früh auf eine Spielfortsetzung festlegen.

Außerdem wird durch die Kombination nach dem Muster „steil-außen-innen“ stetig der Orientierungspunkt des Gegners verändert, der sich bei der Verfolgung des Balles quasi einmal im (Halb-)Kreis drehen muss, sofern er sich in der Nähe befindet.

Beispiel vom 1. Spieltag gegen Napoli, 13.09.2017

Hier offenbart sich ein weiteres entscheidendes Element von Shakhtar: Die drei offensiven Mittelfeldspieler haben ihre Stärken zwar zweifellos im Kombinationsspiel, sind aber eben doch allesamt eigentlich (Flügel-)Dribbler. Dadurch weichen sie gerne auch in breitere Positionen aus und können ein kurzzeitiges 1 gegen 1 oder 1 gegen 2 problemlos lösen. So kann das diagonale Spiel durch das Zentrum auch dafür genutzt werden, um in Tornähe von einer Seite auf die andere durchzukombinieren und dort kurzzeitig eine vorteilhafte Lage zu schaffen.

Das Zentrum dient somit als „Umschlagplatz“ des Spiels. Auf der rechten Seite wird dann vornehmlich Marlos gesucht, der sich gerne schon mal selbst etwas breiter positioniert. Butko kommt dann nachstoßend hinzu und die beiden können kurzzeitig einen dynamischen Vorteil kreieren.

Beispiel vom 3. Spieltag gegen Feyenoord, 17.10.2017

Auf der linken Seite laufen die Kombinationen demgegenüber eher im Dreieck ab. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Ismaily eben ein deutlich vielseitigerer und kreativerer Spieler ist als Butko. Andererseits zieht es aber auch den Zehner vermehrt mit auf diese Seite. Da Ferreyra anderweitig Spieler binden kann, werden vor allem schnelle Kombinationen in den Raum zwischen Außen- und Innenverteidiger möglich.

Für eventuelle Flanken erzeugt Shakhtar dann eine gute Präsenz im Strafraum. Die ballfernen Spieler rücken mit ein, Fred sprintet häufig noch von weiter hinten mit dazu. Das erlaubt es der Mannschaft von Paulo Fonseca in diesen Bereichen auch, situativ ins Gegenpressing zu gehen. Dieses ist aber insgesamt einer der schwächsten Aspekte seines Teams. Vor allem Fred und Stepanenko zeigen sich zwar ziemlich aktiv nach Ballverlusten, aber die anderen Offensivakteure sind im Gegensatz dazu doch nur inkonstant beteiligt.

Individuell jagt der ein oder andere Spieler schon durchaus dem Ball nach und der Gegner hat es keineswegs leicht, sich zu befreien, da die Offensivstaffelung von Shakhtar an sich ja stets ziemlich engmaschig ist. Doch der Fokus liegt spürbar darauf, schnell in die Defensivordnung zurückzukehren anstatt den Gegner tatsächlich einzuschnüren. Das passt zwar gewissermaßen zur Maxime von Fonseca, geht aber auch mit verschenkten Potentialen einher.

Beispiel vom 2. Spieltag gegen Manchester City, 26.09.2017

Fazit: Der Höhepunkt als Sprungbrett

Schaut man sich die Gesamtlage bei Shakhtar Donetsk realistisch an, so findet man eine Mannschaft vor, die praktisch auf der Höhe ihres Schaffens agiert. Die Schlüsselspieler sind alle entweder um die 30 Jahre alt oder stehen wie im Falle von Fred vor einem Wechsel auf das nächsthöhere Level.

Selbiges könnte auch für den Trainer gelten: Paulo Fonsecas Vertrag läuft zum Saisonende aus. Eine Verlängerung ist aufgrund der Gesamtsituation unwahrscheinlich, zumal die guten Auftritte in der Champions League bereits das Interesse größerer Klubs geweckt haben.

Ein überaus passender Kandidat wäre er beispielsweise für Atlético Madrid, falls sich die Ära Simeone tatsächlich dem Ende zuneigen sollte. Fonseca bringt einerseits gegen den Ball vieles mit, was so ähnlich bereits praktiziert wird, würde jedoch das Repertoire in Ballbesitz noch mal deutlich erweitern. Dafür wäre er, der kein typischer Positionsspieltrainer ist, aber Organisation als Basis für alle Spielphasen sieht, ideal. Zudem gäbe es natürlich auch entsprechende Spieler bei Atlético, mit denen man etwas Ähnliches wie bei Shakhtar anstellen könnte.

Seine aktuelle Mannschaft hat allerdings auch noch Chancen, in der Champions League die ein oder andere Runde zu überstehen. Weder die Roma noch andere Gegner, die danach kommen könnten, sollten das Team aus der Ostukraine unterschätzen. Nur weil Shakhtar nicht das klassische Bild einer international erfolgreichen Mannschaft abgibt, heißt das noch lange nicht, dass Shakhtar keinen Erfolg haben kann.

HT 21. Februar 2018 um 22:43

Vielen Dank, habe dank eures sehr ausführlichen und informativen Artikels ein kleines Sümmchen auf Shakhtar heute gewettet und einen netten Gewinn gemacht.

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tobit 19. Februar 2018 um 20:26

Zwei Anmerkungen:
1. Ihr hattet immer ein „mit ZAHL Kommentaren“ hinter den Kategorien unter dem Titel. Das ist bei mir seit ein paar Tagen verschwunden. Auch unten die Schaltfläche zum Ausklappen der Kommentare ist seitdem „beschädigt“.
2. Ich finde es ästhetischer, wenn die Abbildungen dieselbe Breite haben wie der Text. Gerade wenn immer nur kurze Absätze zwischen den Grafiken sind, erleichtert mir das das Lesen ungemein. Bei einigen Abbildungen fehlt mir auch die detaillierte Beschreibung (statt „Beispiel vom DATUM“), da sie im Fließtext nur allgemein behandelt werden.

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CHR4 19. Februar 2018 um 23:24

Punkt 1. bei mir dito

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CHR4 21. Februar 2018 um 04:28

PS: statt 5, sehe ich auch nur noch die 3 neuesten Kommentare in der Spalte rechts – zusammen mit den fehlenden Kommentar-Zählern, macht das das Verfolgen der Diskussionen schon fast unmöglich 🙁 – ständig unter den Artikeln die Kommentare komplett durchzuscrollen ist definitiv zu aufwändig

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CE 21. Februar 2018 um 09:35

Rechts werden nur die aktivsten und gerade aktiven Kommentarbereiche angezeigt. Im Moment sind das drei.

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CHR4 21. Februar 2018 um 15:13

Danke für die Info. Hatte mich schon gewundert, dass es heute wieder 4 sind … 😉

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Koom 21. Februar 2018 um 09:29

Dito auch bei mir.

Tippe ein wenig auf Performance/Last-Gründe, weswegen man das erst mal deaktiviert hat. Vermutlich zu viele Besucher, zu kleiner Server (oder zu kleiner Hostingvertrag). 😉

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CE 21. Februar 2018 um 09:34

Falsch getippt.

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Koom 21. Februar 2018 um 15:38

Also einfach nur kaputt?

Meine Vermutungen waren auch nicht böse gemeint. Ich hab größtes Verständnis für solche Probleme. 🙂

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Cali 19. Februar 2018 um 17:55

Schön, dass so eine Granate wie Rakitskiy endlich die Würdigung erhält, die ihm zusteht. Sicherlich einer der aufbaustärksten Innenverteidiger weit und breit. Der dreht zwar seit ein paar Jahren seine Runden, aber so richtig aufgefallen ist es mir bei der EURO 2016 gegen die DFB-Elf.

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tobit 19. Februar 2018 um 11:06

Könntest du dir Fonseca in Dortmund vorstellen? Ich glaube, dass das sehr gut passen könnte, schätze aber die Anziehungskraft Atleticos (wo ich aber noch nicht wirklich an einen Abschied Simeones glaube) oder der englischen Premier League (Chelsea dürfte zur neuen Saison einen Conte-Nachfolger suchen) auf ihn deutlich höher ein. Aktuell scheint man in der Führungsriege auch großen Gefallen an der Person Peter Stöger gefunden zu haben, sodass er (die CL-Qualifikation vorrausgesetzt) gute Chancen auf eine Weiterbeschäftigung haben dürfte.

Taktisch bietet der Dortmunder Kader offensiv einen etwas anderen Fokus mit einigen klaren Dribblern (Sancho, Pulisic, leider auch Yarmolenko) – die aber durchaus auch kombinatives Potential haben – und einigen klaren Lauf- oder Kombinationsspielern. Dafür sind die meisten im Gegenpressing individuell ziemlich gut.
Defensiv dürfte ein Fokus auf Kompaktheit und einzelne aggressive Momente ganz gut zum Kader passen. Der Spielaufbau müsste aber wohl deutlich anders geleistet werden, da weder die IV noch Bürki echte Spezialisten für längere Bälle sind. Man müsste also eine andere „Ausweichroute“ zum flachen, zentralen Aufbau finden (da auch aktuell kein perfekter Ablagenspieler für die nächste Saison im Kader ist).
Was im Kader eindeutig fehlt (und wohl auch weiter fehlen wird) ist ein zweiter Sechser, der sowohl defensiv als auch offensiv diese Position um Weigl herum interpretieren kann. Dahoud hätte das Potential dafür, bringt aktuell aber nichts davon auf den Platz. Castro und Kagawa finde ich für diese Rolle ziemlich unpassend, da sie offensiv deutlich stärker sind und nicht die positionelle Klarheit und Disziplin haben, konstant so tief zu spielen. Offensiv müssten sie sich aber gegen Götze und die nominellen Flügelspieler behaupten, was angesichts der großen Zahl an Offensivspielern wenig sinnvoll erscheint. Man müsste also fast schon beide abgeben um Platz für jemanden wie Lo Celso, Torreira oder Jorginho zu schaffen. Sahin fehlt für eine solche Rolle die Orientierung und Dynamik, auch wenn er vom Mindset her ganz passend sein könnte (außerdem sollte man sich im Sommer von einigen altgedienten Spielern trennen um die Kaderhierarchie neu zu ordnen).

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Daniel 19. Februar 2018 um 12:06

„Aktuell scheint man in der Führungsriege auch großen Gefallen an der Person Peter Stöger gefunden zu haben“
Weiß nicht, des kann auch Taktik sein. Dass sich Aki nicht in der momentanen Situation hinstellt und sagt „Der ist im Sommer auf jeden Fall weg“ sollte klar sein. Persönlich find ich das bisher recht wenig überzeugend unter Stöger, was Strukturen auf dem Platz (vor allem im Aufbauspiel, aber auch in der Defensive) angeht.

Wenn Simeone geht, wäre glaub ich vor allem er interessant, oder nicht? Und wenn Conte wie du sagst nächste Saison nicht mehr Trainer in Chelsea ist auch er (sowohl für Bayern als auch für Dortmund, der ist einer der wenigen, die mit Bayerns Mittelfeld ganz gut arbeiten könnten). Conte fand ich bei Juve und in Italien sehr gut…läufts bei Chelsea nicht so gut oder wie kommst du drauf, dass er im Sommer gehen muss?

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tobit 19. Februar 2018 um 15:34

Conte will glaube ich eher zurück nach Italien. Ich meine, dass es da mal Medienberichte über „Heimweh“ gab. Dass er im Sommer ersetzt wird, halte ich für sehr wahrscheinlich, da es wohl mit dem Management des Klubs schon den ein oder anderen Streit gegeben hat. Prinzipiell interessant wäre er für den BVB und die Bayern (die werden aber wohl einen deutschsprachigen Trainer holen und eher keinen weiteren Italiener) schon, die aber eher nicht für ihn.

Simeone hätte im Sommer wohl „nur“ zwei echte Optionen. Inter oder Chelsea. Zu Arsenal und PSG passt er nicht wirklich (bzw. der Kader nicht so richtig zu ihm), Real geht ihm gegen die Ehre (das würde er nicht machen), An Bayern und Dortmund hat er denke ich (aus verschiedenen Gründen) kein Interesse. Daher wird er denke ich noch bleiben und evtl. tatsächlich erst mit Vertragsablauf wechseln.

Die Zusammenarbeit mit Stöger wurde von Watzke zuletzt als ähnlich zu der mit Klopp beschrieben – das will schon was heißen. Gleichzeitig wurde aber auch wieder das Mindestziel CL-Quali bestätigt und Trainer und Kader in die Pflicht genommen.
Dass das taktisch bisher nicht gerade überzeugend und auch nur mit einigem Dusel (und einem zeitweise glänzend aufgelegtem Bürki) ergebnistechnisch so gut war, darf man dabei sicherlich nicht aus dem Blick verlieren. Ob das die Verantwortlichen letztlich interessiert, wenn man trotzdem gewinnt, bezweifle ich mal ganz stark. Solange es persönlich zwischen Trainer, Team und Verantwortlichen passt und die Ergebnisse halbwegs konstant und im Rahmen liegen, wird man den Trainer kaum wechseln. Das traue ich Stöger durchaus zu – eine Weiterentwicklung, die man (wie 2014 nach den Klopp-Jahren) früher oder später braucht, aber nicht.

Nagelsmann wird im Sommer wohl keine Freigabe bekommen. Da sind die Aussagen aller Verantwortlichen zu klar auf eine Aktivierung der Ausstiegsklausel 2019 ausgerichtet.

Wie es bei Favre aussieht, weiß ich nicht. Das könnte, wenn man sich frühzeitig(er als letztes Mal) darum bemüht, klappen. Taktisch fände ich ihn auch durchaus interessant. Mit Reus, Philipp, Isak und einem neuen Stürmer (z.B. Ben Yedder) könnte man sehr gut die „schwimmende Doppelneun“ wiederbeleben, die die schnellen Außen (gerade Schürrle könnte davon profitieren) einsetzt. Defensiv könnte eine passive Ausrichtung zumindest für eine ordentliche Grundstabilität sorgen, die wohl (angesichts der immer noch vorhandenen individuellen Klasse) ausreichen würde. Ob man mit Favre aber auf persönlicher Ebene wirklich „glücklich“ wird, darf durchaus bezweifelt werden.

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Koom 19. Februar 2018 um 15:59

Auf Twitter hat Goalimpact glaube ich passend gesagt: Es ist ja schön, dass Stöger noch nicht verloren hat in der Liga, aber mit dem Kader ist „nicht verlieren“ eigentlich ein bisserl wenig.

Stöger hat die Hektik rausgenommen und mehr Defensive verordnet. Den Rest regelt dann halt auch die individuelle Klasse. Sowas reicht vermutlich schon für sichere CL-Teilnahme, aber das ist dann auch wirklich praktisch anspruchsloses Kriechen vor den Bayern.

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Daniel 19. Februar 2018 um 16:45

Seh das genauso wie Koom. Der BVB hat bisher unter Stöger gespielt gegen Mainz (16.), Hoffenheim (9.) , Wolfsburg (14.), Hertha (11.), Freiburg (12.), Köln (18.), HSV (17.) und Gladbach (10.). Mit Ausnahme von Stuttgart (13.) und Werder Bremen (15.) hat man in 8 Spielen also die komplette untere Tabellenhälfte abgeklappert, dafür nur Hoffenheim aus der oberen Hälfte (und auch die sind in der oberen Hälfte momentan ganz unten). Gemessen daran sind fünf Siege und drei Unentschieden bei 13:6 Toren mit Dortmunds Kader jetzt nichts, wofür man den Trainer feiern müsste.
Von dem gleichen Effekt hat doch schon Bosz profititert-der hat in der Hinrunde aus diesen sechs Spielen 16 Punkte bei 19:1 Toren geholt, Stöger 12 Punkte bei 11:6 Toren. Das einfache Auftaktprogramm wird insofern zurückschlagen, dass der BVB wohl von allen Buli-Teams das schwerste Restprogramm hat…in den verbliebenen elf Spielen muss der BVB noch gegen die komplette Top-8 exklusive ihnen selbst ran. Auch ein Last-Minute 3:2 über den Tabellenachten der Serie A ist jetzt kein Grund zur Ekstase. Ja, ich weiß, Ergebnisse sind nicht alles. Aber wenn ich den BVB gesehen hab fand ich nicht, dass die Spielweise deutlich bessere Ergebnisse hergibt.

„Die Zusammenarbeit mit Stöger wurde von Watzke zuletzt als ähnlich zu der mit Klopp beschrieben – das will schon was heißen.“
Seufz…typischer Aki eben. Vielleicht ist Stöger in ein paar Monaten dann schon wieder der letzte. Er sollte mal ein bissl seine öffentlichen Aussagen zurückfahren, er haut immer krasse Statements raus, die dann nicht selten in der Realität keinen Bestand haben. In dem Fall würde wohl ein bisschen weniger schwarz/weiß gut tun. Die beiden arbeiten jetzt 2 Monate zusammen, haben noch keine richtige Kaderplanung gemeinsam erlebt und noch keine wirkliche Krise. Nach so kurzer Zeit war mit Tuchel auch noch alles supi 😉

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tobit 19. Februar 2018 um 20:15

Bin bezüglich Stöger völlig eurer Meinung. Die richtige Wahl, um kurzfristig zu stabilisieren und die Minimalziele erreichbar zu halten – aber langfristig nicht der Richtige für den (schon wieder) anstehenden Umbruch und die spielerische Weiterentwicklung.

@koom:
Ärgern kann man die Bayern eh nur wenn alles passt und die selbst schwächeln. Ob dann im Sommer (oder irgendwann) die Weichen so perfekt gestellt werden, bezweifle ich aktuell – es sind schlicht zu viele Baustellen (Trainer, Teamhierarchie, RV, ZM, ST, evtl. IV, je nach Experte auch TW, evtl. 2019 auch Sportdirektor) aufgelaufen. Außerdem werden sich die Bayern nicht zwei Saisons in Folge eine solche Blöße geben (es bliebe also nur, den Rekord als bester Zweiter aller Zeiten anzugreifen).
Nur die individuelle Klasse reicht aktuell sicherlich nicht mehr für die CL-Quali, auch wenn es jetzt vier sichere Plätze gibt. Dafür ist dem Kader zuviel „gewisses Etwas“ entzogen worden. Dieses gewisse Etwas im Spielerbereich kann der BVB auch fast nie (einzige Ausnahme war Dembélé) einkaufen, sondern muss es entwickeln. Zeitweise kann man das über das gewisse Etwas auf der Trainerbank kompensieren, was aktuell Leverkusen und Schalke in einzelnen Spielen/Situationen gelingt. Beim BVB war man viele Jahre an das gewisse Etwas auf der Trainerbank (Klopp 09-14, Tuchel 15/16) gewöhnt, so dass man auch mal auf die Entwicklung der Spieler (Gündogan, Lewy, Mkhi, …) warten oder sich eine schwache Transferentscheidung leisten konnte ohne abzurutschen.

Daniel 20. Februar 2018 um 14:49

„Außerdem werden sich die Bayern nicht zwei Saisons in Folge eine solche Blöße geben…“

Welche Blöße geben sich die Bayern denn bisher in dieser Saison?

Koom 20. Februar 2018 um 15:46

Den „nicht so guten“ Saisonstart, den ein Team hätte ausnutzen können.

Nächste Saison könnte sich aber wieder die Gelegenheit bieten: Wieder ein neuer Trainer, Robbery wird immer noch nicht jünger – IMO wieder eine Gelegenheit für ein ambitioniertes Team, vielleicht vom Start weg da zu sein und den Vorsprung zu halten.

Aber da fehlt mir der Glaube. Da sehe ich allerhöchstens Leipzig, die aus dieser Saison einiges lernen und teilweise aufrüsten werden. Dortmund ist ja zufrieden in der devoten Bücklingsrolle als Luxus-Talente-Ausbilder und Schalke ist erst mal noch Schalke.

tobit 20. Februar 2018 um 15:48

DIe Blöße mitten in der Saison den Trainer zu wechseln um keine offene Spielerrevolte zu riskieren. Es ist zwar mittlerweile fast vergessen, aber unter Ancelotti war bei Bayern nicht alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ und die Leistungen waren noch uninspirierter als jetzt. Oder meinetwegen auch die Blöße, in der Offensive zeitweise mit Tolisso und James als Flügelspielern und nur Wriedt auf der Bank agieren zu müssen (weil, mit Ausfällen von Ribery und Robben kann man ja gar nicht rechnen).

Ehrlich gesagt: Man kann die Bayern nichtmal angreifen, wenn sie schwächeln und alles perfekt läuft. Die haben in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 86 Punkte geholt, sind aktuell auf Kurs 87 Punkte, trotz schwacher (zumindest deutlich schwächer als unter Pep) Spielanlage. Die besten Punktzahlen eines anderen Teams waren 81 (das war Klopps „Rekord für die Ewigkeit“ 2012 – das hätte danach nur noch einmal zum Titel gereicht) und 78 von Dortmund. Seit 2006 haben sonst nur Werder und der VfB überhaupt 70 Punkte erreicht, in den letzten zehn Jahren niemand außer den großen Zwei.

Daniel 20. Februar 2018 um 16:29

„DIe Blöße mitten in der Saison den Trainer zu wechseln um keine offene Spielerrevolte zu riskieren. Es ist zwar mittlerweile fast vergessen, aber unter Ancelotti war bei Bayern nicht alles „Friede-Freude-Eierkuchen“ und die Leistungen waren noch uninspirierter als jetzt.“
Ich hab es nicht vergessen und gehörte damals zu den größten Kritikern Ancelottis auf dieser Seite. Aber als Blöße würde ich das nicht bezeichnen. Es kann immer passieren, dass es mit einem Trainer nicht (mehr) funktioniert. Egal wer das Amt nächste Saison führt, bei wirklich jedem gibt es dieses Risiko. Bei einigen Kandidaten wäre es kleiner als bei anderen, aber ganz ausmerzen lässt es sich nicht.

„Oder meinetwegen auch die Blöße, in der Offensive zeitweise mit Tolisso und James als Flügelspielern und nur Wriedt auf der Bank agieren zu müssen (weil, mit Ausfällen von Ribery und Robben kann man ja gar nicht rechnen).“
Wer weiß…ich bin sehr gespannt, was diese Transferperiode offensiv bringen wird. Um deutlich besser aufgestellt zu sein als jetzt bräuchte es bei der momentanen Marktlage entweder ein Megaschnäppchen (fraglich ob man sowas findet) oder eine Pulverisierung des Transferrekords (fraglich ob man sowas will). Die vereinsinternen Widerstände dagegen, zum einen die Mondpreise mitzugehen und zum anderen den „Vereinslegenden“ einen oder zwei teure Neuzugänge vor die Nase zu setzen schätze ich noch immer groß ein. Find es schwierig zu prophezeien, was gemacht wird-schon weil man ziemlich wenig über die wahre Machtkonstellation hinter den Kulissen weiß (Wer kann sich im Zweifelsfall eher durchsetzen, Hoeneß oder Rummenigge? Ist Brazzo wirklich die Marionette, die viele externe in ihm sehen? Und wenn nicht-wofür steht er? Wer wird Trainer und welche Vorstellungen hat er?) Wenn man Ribéry hält und Gnabry plus noch irgendeinen Mitläufer holt seh ich uns nicht stärker aufgestellt als jetzt, eher im Gegenteil.
Das Thema Verletzungen begleitet Bayern schon seit Jahren, da war die Hinrunde kein Einzelfall. Und nächste Saison kommen Goretzka und Gnabry…beide sind nicht eben berühmt für ihre Verletzungsresistenz, ebenso wenig wie Coman. Das Thema wird Bayerns Offensive wohl erhalten bleiben.

@koom
„Nächste Saison könnte sich aber wieder die Gelegenheit bieten: Wieder ein neuer Trainer, Robbery wird immer noch nicht jünger…“
Seh ich auch so. Ich seh uns nächste Saison nicht besser als diese, womöglich schlechter. Das erwarte ich auch gar nicht. Beispiel: Wenn Vidal verkauft wird und man auf seiner Position auf Goretzka und Tolisso setzt ist das langfristig gut, aber nächste Saison ist das wohl erstmal ne Schwächung. Auch die frisch eingekauften Offensivspieler werden mit einer gewissen Anlaufzeit besser. Wenns gut läuft ist es aber die Basis für eine Steigerung in den dann kommenden zwei Jahren, ehe der nächste (dann noch härtere) Umbruch nach Neuer, Hummels, Boa, Martinez, Müller und Lewy ansteht. Und dann gibt´s auch wieder sehr realistische Titelchancen für die anderen Klubs.

Daniel 19. Februar 2018 um 12:07

Wobei die offensichtlichen Optionen Nagelsmann und Favre für mich immer noch das wahrscheinlichste sind. Fände die auch beide recht passend

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Palazzo 19. Februar 2018 um 10:23

Danke , Danke und nochmal Danke .

Gerne würde ich etwas mehr über Fred erfahren und zu seinem möglichen Wechsel zu M – City .Auch ein Vergleich mit Weigl von Dortmund und die Variante Fred statt Weigl oder Fred und Weigl zu City wär sehr intressant .

Antworten

tobit 19. Februar 2018 um 11:23

Fred wirkt auf mich (habe nur ganz wenig, hauptsächlich Videoschnipsel, gesehen) deutlich „offensiver“ und weiträumiger als Weigl. Ich würde ihn eher weniger als Solosechser sehen, sondern mehr als Zwischenspieler wie Gündogan sehen. Könnte ihn mir evtl. auch als „falschen“ LV vorstellen, da er sowohl ein starker Spielmacher als auch sehr dynamisch ist.

Weigl und Fred zusammen könnte, denke ich, ziemlich gut passen. Weigl hält die Tiefe und kippt gelegentlich zwischen (oder auch mal neben) die IV, Fred wuselt drumherum und trägt den Ball aus dem Sechserraum nach vorne.

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tobit 19. Februar 2018 um 19:47

Klassisch im 4-3-3: http://lineupbuilder.com/?sk=g0w32
Da könnte man Fred auch statt de Bruyne, Silva oder (mit Abstrichen) Weigl/Fernandinho im Mittelfeld bringen.

Mal ein bisschen rumgesponnen: http://lineupbuilder.com/?sk=g0wy5
Maximale Flexibilität und Pressingresistenz im Zentrum flankiert von Physis und Tempo an den Rändern. Da könnte man evtl. einen Flügel auch defensiver besetzen, ist dann aber „langweiliger“. Denkbar wäre da auch Weigl (angenommen er ginge zu City) als andribbelnder Halbverteidiger.

Antworten

Palazzo 19. Februar 2018 um 23:14

Glaubst Du, City holt beide ?über Fred hab ich seit Dezember nichts mehr gelesen .Die Sun hat heute wieder ein etwas größeren Artikel über Weigl gebracht da City zwei MF verlieren wird.

Antworten

Palazzo 20. Februar 2018 um 08:38

Von Laporte hällst Du wohl nicht viel . 😉

Antworten

tobit 20. Februar 2018 um 10:32

Laporte habe ich nie gesehen, kann ihn überhaupt nicht einschätzen. Die anderen IV habe ich schon ein paar Mal gesehen und hab sie deswegen erstmal hingeschrieben.
Was ist der denn für ein Spielertyp? Eher einer für die zentrale, defensive Position von Kompany (wo ein bisschen mehr Tempo und konstante Fitness guttun würde), eher vorstoßend wie Stones oder irgendwas flexibles dazwischen wie Otamendi (der mittlerweile echt stark am Ball geworden ist, hat mich sehr positiv überrascht)?

Ich denke nicht, dass Weigl 2018 bei City landet. Fred bietet halt viel mehr Möglichkeiten (außer Stürmer und IV kann der fast alle Positionen mindestens situativ ausfüllen) und spielt eine deutlich stärkere Saison als der junge Deutsche. Dazu hat City auch noch ein paar Talente fürs Mittelfeld verliehen (ist da vielleicht ein passender Sechser dabei?) und einige andere (Danilo, Yaya, Gündogan) können die Sechs ganz ordentlich bis sehr gut spielen.
Holt man Fred kann man (mindestens) zwei aus Delph, Yaya und Zinchenko abgeben, da er deren Positionsbereich besetzt und Mendy als „linearer“ LV zurückkommt. Ob es dazu letztlich kommt, hängt von sehr vielen Faktoren ab, die Aussagen der Vergangenheit waren aber schon ziemlich deutlich in diese Richtung.

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Mananski 20. Februar 2018 um 13:11

Laporte ist technisch der stärkste der IVs von City, seine Spieleröffnung ist sehr sauber, dazu ist er Linksfuß. Er kann gut mit dem Ball am Fuß ins Mittelfeld vorstoßen und dabei immer genaue Diagonalbälle auf den anderen Flügel spielen. Im 1vs1 Verteidigen ist er sehr stark, ähnlich wie Hummels. Er ist auch genügend robust, um gegen große Stürmer zu verteidigen. Und er spielt so gut wie nie Foul.
Auch starkes Commitment von ihm, dass er so lange in Bilbao geblieben ist, er war bestimmt drei Jahre der mit Abstand beste Spieler dort und hätte schon längst wohin er wollte wechseln können.

Palazzo 21. Februar 2018 um 12:56

Hab mal gelesen , das Guardiola , Laporte zu Bayern holen wollte .Er hat wohl darauf verzichtet, als Ihm klar war das er nicht verlängert , wahrscheinlich Nov. oder Dez 2013 😉
BtW. Hab schon lange nicht mehr von „Schorsch “ gelesen , weiß jemand genaueres?

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tobit 21. Februar 2018 um 14:17

Schorsch hat doch immer mal längere Phasen, wo er nicht da ist. Dafür hat er dann mal Phasen, wo er sehr viel Inhalt bringt.

Die Laporte-Gerüchte gab es mal – aber bekommen hätte er ihn doch eh nicht, weil den damals noch keiner von den „Oberen“ kannte und man sich wohl nicht schon wieder mit Bilbao hätte auseinandersetzen wollen. Pep hat das Problem ja dann in der zweiten Saison mit Alaba „gelöst“, der mir seitdem leider als LV (oder noch offensiver) noch weniger gefällt als vorher. Außerdem gab es das Profil aufbaustarker Linksfuß schon mit Badstuber, der dann wohl früher hinauskomplimentiert worden wäre – ob das den Bossen wirklich gefallen hätte?
Für die Altersstruktur wäre es auf jeden Fall sehr vorteilhaft gewesen, wenn man sich die (ziemlich teuren) IV-Verpflichtungen in den Jahren danach ansieht. Mindestens Hummels wäre dann wohl nicht gekommen (wäre ja auch taktisch wohl ziemlich redundant gewesen), da er (oder die Bosse) diesen Konkurrenzkampf nicht gewollt hätten.

Palazzo 22. Februar 2018 um 16:55

Danke zur Info über Schorsch .
Jetzt hat Pep ja seinen Laporte ,und de Bruyne und Gündogan und Sane nur Neymar fehlt., 4 von 5 ist so schlecht nicht .
Alaba stagniert, auch meiner Meinung nach in den letzten zwei drei Jahren das lag bestimmt auch an Ancellotti aber ich glaube, das er durch seine zwei langwierigen Verletzungen viel verloren hat .Hätte Ihn gerne länger im Mittelfeld ( neben Lahm ) gesehen .

tobit 22. Februar 2018 um 18:03

Im Mittelfeld will ich Alaba nur situativ vorstoßend oder durchlaufend sehen. Er ist halt kein „360°-Spieler“, sondern profitiert (finde ich) enorm von klaren Begrenzungen seines Spielfeldbereichs und vorgegebenen Spielrichtungen. Am besten finde ich ihn, wenn er aus der Tiefe (als spät nachstoßender LV oder als Halbraumlibero) mit seiner Vertikalität anschieben kann und im Anschluss fürs Gegenpressing bereitsteht. In diesen Bereichen ist er taktisch und strategisch ziemlich gut, trifft fast immer die richtige Entscheidung (was ihm im Mittelfeld immer wieder abgeht) und kann sich auch mal eher simpel (manchmal ist er da fast schon plump) freilaufen ohne sofort aus dem Spiel zu sein. Dazu fallen in diesen Bereichen seine technischen Unsauberkeiten viel weniger auf.

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