Türchen 18: Julian Brandt

Wo andere mal wieder die Bahn verpassen, sitzt der Technik-Raumdeuter schon längst im Zug zum Tor.


Julian Brandt ist der Spieler, für den scheinbar der Begriff „GoalImpact“ erfunden wurde. Der Begriff beschreibt irgendwie die Spielweise des Offensivallrounders, der so einen phänomenalen, permanenten Zug zum Tor hat. Brandt ist ein Spieler, der das Spiel verändern kann – und zwar mit jeder Aktion. Einer, der das Spiel an sich reißen kann.

Gamechanger

In vielen Partien kam der junge Brandt auf den Platz und das Spiel änderte sich sofort merklich. Häufig wechselte Roger Schmidt ihn bei einem schlechten Ergebnis ein und das Ergebnis wurde noch ein gutes. Das schlägt sich in seinem statistischen GoalImpact nieder, der Brandt schon in ganz jungen Jahren als künftigen Weltklasse-Spieler prognostizierte. Diese Prognose schraubt Brandt aber permanent nach oben und übertrifft die Erwartungen der Statistik an ihn immer wieder.

Aktuell ist er auf dem Level von Neymar; die Prognose sagt, dass er mal so effektiv wird wie Messi. Der GoalImpact ist keine perfekte, treffsichere Statistik und gibt nicht eins zu eins die Leistung eines Spielers wieder (daher auch „so effektiv“ und nicht „so gut wie Messi“). Aber es ist ein objektives Instrument. Es zeigt vorurteilsfrei: Wenn Brandt auf dem Platz steht, erzielt seine Mannschaft viel bessere Ergebnisse als ohne ihn.

Der Technik-Raumdeuter

Brandt ist ein überaus komplett veranlagter Offensivspieler. Zukunftsweisend ist, wie gut er das Spiel mit Ball und das Spiel ohne Ball verbindet. Könnte er nicht dribbeln, er wäre immer noch ein hervorragender, torgefährlicher Angreifer, man würde ihn vielleicht mit Thomas Müller vergleichen. Wäre er nicht so schnell und torgefährlich, wäre er immer noch ein hervorragender Kombinationsspieler und Engendribbler.

Brandt kann man in den Lauf und in den Fuß anspielen. Das klingt banaler als es ist. Über wenige Spieler kann man das auf diesem Niveau so uneingeschränkt sagen. Er fokussiert beide Varianten, je nach Notwendigkeit: Er fordert viele Bälle in Zwischenräumen, er geht oft in die Tiefe. Er macht auch viele raumschaffende, unterstützende Bewegungen; nicht so viele wie Müller zwar, aber es ist besser für die Mannschaft, wenn Brandt selber viele Ballkontakte hat.

Beispielhafte Brandt-Aktion: Er erkennt, dass er keine Mitspieler in Torrichtung hat, bricht also ab. Dann erkennt er den Raum und startet in die Tiefe. Als er den Ball nicht bekommt, fällt er zurück in den Zwischenraum, bietet sich für den Doppelpass an und steckt den Ball dann durch die Schnittstelle. Der Abwehrblock ist geknackt.

Brandt ist deshalb ein Spielertyp der Zukunft, denn derartige komplette Offensivspieler mit einem sehr guten Verständnis von Ball, von Bewegung und von den taktischen Zusammenhängen auf dem Feld werden in Zukunft häufiger werden und wichtiger. Daher reiht sich Brandt auch in andere Spieler dieses Kalenders ein: Mbappe, Pulisic, Mkhitaryan und gewissermaßen auch Arp verbinden ebenfalls Spiel mit und ohne Ball außergewöhnlich gut.

Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Tororientiert

Was Brandt noch einmal abhebt und ihm ein eigenes Kalendertürchen verschafft, ist sein massiver Zug zum Tor. Brandt hat einen Fokus auf Durchschlagskraft aus allen Räumen heraus. Wo viele Spieler bis kurz vor dem Strafraum auf Sicherheit spielen und darauf schauen, keine Fehler zu begehen, versucht Brandt immer direkt am Gegner vorbeizukommen, Raumgewinn zu erzielen, in Richtung Tor vorzustoßen, möglichst schnell, mit möglichst wenig Umwegen. Seine Spielweise hätte eine spielerische Naivität, wäre er nicht so brillant gut darin.

Man nehme allein seine Ballmitnahme: Es gibt vielleicht keinen Spieler in der Fußballgeschichte, der so viel Effekt, so viel Gefahr mit dem ersten Kontakt erzeugen konnte. Immer wieder verzögert er den Kontakt mit kleinen Schritten, baut vorher schon Körperfinten ein, um sofort am Gegenspieler vorbeizuziehen. Er positioniert sich zwischen Gegenspielern, um mit dem ersten Kontakt in die Lücke zwischen ihnen zu starten. Er sprintet im optimalen Tempo, um den Ball ohne Tempoverlust mitzunehmen und dann direkt sein Tempo noch zu verschärfen. Er bringt sich in Positionen, um mit dem ersten Kontakt direkt in gefährliche Räume weiterzuspielen.

Überraschungseffekt

Im Fußball generell und besonders in der Enge vor dem Strafraum ist es entscheidend – für Offensive und Defensive – die Handlungsoptionen des Ballführenden richtig einzuschätzen. Die Offensive muss gemäß dieser Handlungsoptionen Laufwege und Positionen wählen. (Ein häufiger Fehler ist, etwa dass Spieler für Pässe starten, die der Ballführende in dem Moment gar nicht ausführen kann.) Die Defensive muss diese Handlungsoptionen natürlich verteidigen. Je besser man den Gegenspieler lesen kann, umso schwerer ist man zu überraschen, umso leichter kommt man an ihn ran und kann den Ball holen.

Julian Brandts Aktionen sind beinahe unmöglich zu lesen, aus drei Gründen: Zunächst hat er schlichtweg ein riesengroßes Repertoire an Aktionen. Er beherrscht alle möglichen Arten von kurzen Pässen, mit beiden Füßen, mit allen Teilen des Fußes, kann diese aus unterschiedlichen Dreh- und Dribbelbewegungen heraus spielen, in alle Richtungen. Gleiches gilt für seine Ballannahmen, für die er sich oft unorthodox zum Ball positioniert. Er lässt etwa den Ball erst hinter sich entlang laufen und dreht sich dann mit Außenrist in ihn herein.

Er kann etliche dieser Dinge, die zwar im einzelnen meist unspektakulär sind, doch die ihm Möglichkeiten bieten, in unterschiedlichen Momenten, unterschiedliche Richtungen einzuschlagen – tausend simple Lösungen für eine schwierige Situation. Dadurch kann er wahnsinnig oft, den berüchtigten „Überraschungseffekt“ erzeugen.

In alle Richtungen

Zudem hat er – besonders in Abspielaktionen – eine unheimlich schnelle, feine Koordination. Beispielsweise lässt er den Ball manchmal vom einen auf den anderen Fuß prallen und spielt ihn dann sofort ab; beide Kontakte wirken wie ein einzelner. Die Abfolge der Kontakte, die Veränderung der Bewegungen brauchen bei ihm enorm wenig Zeit; viel weniger Zeit als der Gegner braucht, um seine Balance oder Körperposition anzupassen. Ball und Füße sind immer schneller als der Körper, bei Brandt sind sie besonders schnell.

Zuletzt ist er sehr geschickt darin, sich möglichst viele Optionen möglichst lange offen zu halten. Das tut er zum einen, indem er sich mit seinen unorthodoxen Ballannahmen Freiheiten schafft. Zum anderen bewegt er sich mit hervorragendem Timing durch Räume und sucht dabei Kontakt zu seinen Mitspielern. So muss der Gegner nicht nur seine zahlreichen individuellen Optionen verteidigen, sondern auch noch eine hohe Anzahl von Pass- und Dribbeloptionen.

Lösungsfinder statt Risikodribbler

Seine Mitspieler haben es zwar dadurch theoretisch auch schwerer, seine Aktion vorherzusehen, aber das ist wiederum nicht schlimm, weil Brandt – plump gesagt – sowieso immer das richtige macht. Dadurch, dass er jederzeit in alle Richtungen spielen kann und seine Orientierung und Wahrnehmung dabei so stark ist, trifft er hervorragende Entscheidungen und kann sich an sehr viele mögliche Laufwege anpassen. Er hat quasi fast alle Handlungsoptionen, von daher kann sich der Mitspieler bewegen wie er will.

Letzteres ist übrigens ein wichtiger Unterschied zu anderen sehr schnellen und/oder spektakulären Technikern. Wenn man ein bestimmtes Repertoire von besonders schwierigen Aktionen hat, kann man damit den Gegenspieler überraschen und punktuell Durchschlagskraft erzeugen, doch es bedeutet nicht gleichzeitig, dass man auch die richtige Aktion für jede Situation verfügbar hat. Deshalb sind viele Techniker, gerade im jüngeren Alter, recht fehleranfällig und inkonstant.

Brandt ist diesen Spielern voraus und konnte deshalb auch in jungem Alter schon auf Profiniveau herausragen. Er versucht nicht, bestimmte Lösungen durchzudrücken, sondern er sondiert die Situation und sucht in dieser nach der richtigen Lösung. Und zwar immer nach der Lösung, die am wahrscheinlichsten zum Tor führen wird.

Die durchschlagskräftigste Option

Es ist diese Mischung, die Brandt zu einem Vorbild für Spieler der Zukunft macht, für das Spiel der Zukunft: Nicht auf Sicherheit fokussiert, nicht auf Risiko fokussiert, sondern darauf immer die bestmögliche Lösung zu finden. Er ist ein kreativer Perfektionst – oder ein perfektionistischer Kreativkopf, schwer zu sagen.

Brandt beherrscht diesen Widerspruch, weil er das Spiel so gut versteht. Er weiß, was er tun muss, um Optionen zu erzeugen. So findet er Lösungen, die sich nicht sofort erschließen, die aber trotzdem die beste Lösung sein können. Man könnte sagen, er „erzwinge“ Lösungen, aber das würde darüber hinwegtäuschen, wie logisch und harmonisch diese Aktionen sind.

Er beherrscht es beispielsweise beinahe in Perfektion, Gegenspieler auf sich zu ziehen und dadurch Raum für Mitspieler zu schaffen. Er bewegt sich im richtigen Abstand zum Gegenspieler, um ihn zum Pressing einzuladen, ohne wirklich unter Druck zu geraten. Er weiß vorher, dass er unter Druck geraten wird und spielt dann direkt davor, im letzten Moment ab. So hat sein Mitspieler den maximalen Raum. Dadurch kann er auch in engen Situationen Zeit am Ball generieren und macht damit Verlagerungen überflüssig, so kann seine ganze Mannschaft direkter zum Tor spielen. Er überträgt seine tororientierte Spielweise auf seine Mitspieler.

Auch fintiert er immer wieder und schafft Gegnerbewegungen, um dann gegen diese zu spielen. Seine Fähigkeit, ständig in unterschiedliche Richtungen zu spielen, ist hier wohl Huhn und Ei: Er hat früh verstanden, wie er auf diese Weise eine Defensive manipulieren kann und hat deshalb diese ganzen richtungswechselnden Aktionen im Repertoire und andersherum.

Finalisierender Flügelläufer

Im Defensivspiel ist Brandt auch eher nach vorne orientiert, auf Balleroberungen aus dem Lauf. Seine Rückzugsbewegung oder auch Kopfballduelle sind zuweilen noch lasch. Dennoch spielte er dieses Jahr auch schon als rechter Flügelläufer und quasi Teil einer Fünferkette: mehrfach in der der Nationalmannschaft in einer S-Formation, zuletzt auch wegen einer roten Karte gegen den BVB in einem 3-4-2-System.

Australien gegen Deutschland vom 19.06.2017 (Analyse hinter dem Bild)

Perspektivisch ist das eine Rolle, in der er viele Stärken nicht einbringen kann, vor allem spielt er primär in nur eine Richtung. Wie schon bei Pulisic besprochen, könnte das aber beim Überangebot von Offensivspielern in der Nationalmannschaft eine Möglichkeit sein, seine Fähigkeiten zumindest teilweise einzubinden, um insgesamt noch mehr Durchschlagskraft zu erzeugen. (Ergibt halt mehr Sinn, als ihn zusammen mit Özil, Götze, Gündogan, Kroos, Reus, Stindl, Draxler, Goretzka und Khedira in den Halbraum zu stopfen.)

Dort ist er weniger der Auslöser und Ankurbler von Spielzügen, sondern eher der Nutznießer längerer Ballpassagen. Er wird dann angespielt, wenn sich der Raum auf der Seite öffnet, um dann aus dem verfügbaren Raum Kapital zu schlagen, sprich: zur Grundlinie gehen, Hereingaben spielen. Auch wenn er das sonst seltener macht ist er wegen Tempo, Technik, Timing und Übersicht sehr gut darin, sicherlich auch besser als die meisten Außenverteidiger im Spitzenfußball.

Insofern ist auch diese Rolle eine interessante Verwendung seiner Fähigkeiten. Gegen bestimmte Gegner könnte er wohl auch horizontal das Spiel ankurbeln wie im Falle Mkhitaryan schon besprochen. Wenn Gegner etwa 4-3-2-1 spielen könnte sein diagonales/horizontales Andribbeln in diesen Tannenbaum für viel Unordnung sorgen. Auch dafür hat er die notwendigen Fähigkeiten.

Julian-Brandt-Fußball

Alle Jahre wieder pfeiffen die Spatzen von den Dächern, dass der Fußball defensiver wird. Dass alle verteidigen können, dass sich alle hinten reinstellen. Ich denk mir immer, dass das eigentlich immer so ist und die Leute einfach vergessen, was es früher für ätzende, unattraktive Spiele gab, weil am Ende nur das bisschen Spektakel, nur die Highlights hängen bleiben. Machen wir uns nix vor: Fußballspiele sind normalerweise zu einem großen Teil beschissen anzuschauen.

Wenn Brandt auf dem Platz steht, sorgt aber zumindest einer von 20 Feldspielern dafür, dass Dinge passieren, die Spaß machen. So oft überrascht er, so oft kommt er an Gegenspielern vorbei und erzeugt aufregende Situationen. Es ist Fußball wie er immer sein sollte.

Ich habe die Hoffnung, dass der Sport sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zunehmend dorthin entwickeln wird. Zum einen wegen taktischer Entwicklungen, einer besseren Jugendförderung und dem Aussterben technisch schwacher Spieler in der Breite. Zum anderen, weil ich glaube, dass die jungen Fußballer immer besser begreifen, wie man Defensiven knackt. Wie man aus einer Situation einen Effekt herausholt, wie Kreativität eigentlich funktioniert. Denn es gibt immer mehr Vorbilder, die zeigen, wie es geht, und immer mehr Videomaterial von diesen.

Julian Brandt ist eines dieser Vorbilder. Einer der zeigt, wie man gut Fußball spielt.

Torsten 10. Januar 2018 um 17:08

Der Leverkusener gehört schon jetzt zum Besten, was die deutsche Offensive zu bieten hat. Er besitzt einfach die Fähigkeit in jeder Spielphase eine Torchance zu kreieren. Sein erster Kontakt ist herausragend, wodurch er nach dem Anspiel immer sofort in der Lage ist, seine Aktionen zu starten. Seine koordinativen Fähigkeiten erlauben es ihm im Dribbling stets den Kopf oben zu halten und nach Lösungen zu suchen. Engen kann er ebenso bespielen wie weite Räume im Umschaltspiel. Brandts Tempo erlaubt es ihm Konter schnell zu Ende zu spielen und ebenso im höchsten Tempo das „Engendribbling“ zu suchen. Brandts Kreativität gepaart mit seinem Gespür für gegnerisches Verschiebeverhalten machen ihn zu einem sehr kompletten Offensivallrounder. Brandt kann im Prinzip all das, was ein Weltklassespieler können muss. Er ist variabel auf beiden Seiten einsetzbar, wenngleich er auf der linken Außenbahn stärker eingebunden ist. Der Leverkusener hat hier schlichtweg eine bessere Ausgangsposition im linken Halbraum, von der er meist diagonal agieren kann. Will also heißen, dass seine Körperposition durch sein starkes rechtes Bein ohnehin schon leicht diagonal nach innen gedreht ist, wodurch es den Gegnern in der Regel schwerer fällt, ihn festzunageln. Sein Gespür für den offenen Raum, seine Wahrnehmung der fünf Grundfaktoren des Fußballspiels (Raum, Zeit, Gegenspieler, Mitspieler, Ball) sind schon jetzt außergewöhnlich. Er schafft es so oft seine Mitspieler wunderbar getimet in Szene zu setzen, sodass sie häufig nur einen Kontakt brauchen, um abzuschließen. Eine Stärke, die vor allem bei Dennis Bergkamp zu sehen war. Vielleicht ist Brandt in gewisser Weise eine Reinkarnation Bergkamps, nur eben als Außenspieler. Mitreißend und Spektakulär, aber vor allem immer eines: zielgerichtet. Und damit ganz klar – mein Wunsch für die Ribery-Nachfolge!

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MM 19. Dezember 2017 um 20:50

In vielen eurer Spieleranalysen kann ich eigene Beobachtungen mit den beschriebenen Qualitäten teilen. In diesem Artikel ist dies jedoch stellenweise genau das Gegenteil. So habe ich Julian Brandt bisher zwar als sehr feinen Techniker wahrgenommen, der jedoch aus meiner Sicht wesentlich über sein Tempo kommt und gerade deshalb in dem vertikalen Spiel Leverkusens sehr gut aufgehoben ist. Ein Satz ist mir deshalb direkt ins Auge gestochen:

„Man nehme allein seine Ballmitnahme: Es gibt vielleicht keinen Spieler in der Fußballgeschichte, der so viel Effekt, so viel Gefahr mit dem ersten Kontakt erzeugen konnte.“
Trotz seiner technischen Fähigkeiten bin ich der Meinung, dass gerade dieser erste Kontakt häufig zu unsauber ist und ein wesentlicher Faktor seiner (noch) inkonstanten Leistungen sind. In der Bundesliga fallen mir schlagartig Spieler ein, welche in meiner Wahrnehmung einen deutlich besseren first touch haben (Yunus Malli, Thiago, Leon Goretzka) und diesen effektiver nutzen als Brandt. Dies bezieht sich bei Thiago und Goretzka nicht zwingend in Nähe zum Tor, allerdings bedeuten deren erste Bewegungen häufig einen erheblichen Raumgewinn, was eine Destabilisierung der Struktur des Gegners zur Folge hat.

Als Stärke sehe ich bei Brandt hingegen eher, dass er alle Offensivpositionen ohne großartigen Qualitätsverlust bekleiden kann. So kann er in Leverkusens vertikalem temporeichen Spiel, in dem sich häufig Räume für Tempoläufe ergeben, sowohl auf den Flügeln als auch als Bindeglied zwischen Stürmer und Zentrum fungieren und ist in der Lage sich durch Abkappen ins Zentrum in das Passpiel einzubinden. In diesem Zusammenhang bin ich gespannt, welche Rolle er in einem ballbesitzorientierterem Team nehmen könnte. Ob seine Qualitäten dort zur gleichen Geltung kommen könnten, bezweilfe ich auch aufgrund seiner Auftritte in der Nationalmannschaft, bei denen er teils fahrig und technisch unsauber agierte.

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MR 20. Dezember 2017 um 01:38

Das bezieht sich auch nicht auf die Sauberkeit des ersten Kontakts, sondern auf Timing und Richtung der ersten Aktion. Von der Sauberkeit ist Thiago natürlich besser, Goretzka hat da auch viele gute Sachen, ich würd ihn aber nicht auf Augenhöhe mit Brandt sehen. Brandt verliert in manchen Phasen Bälle und ist generell in puncto Sauberkeit etwas inkonstant: Manchmal absolut überragend, manchmal bisschen schlampig. Er kann sich aber sehr häufig mit dem ersten Kontakt durchsetzen, das macht Thiago mE nicht so oft.

In der Nationalmannschaft fand ich ihn bisher auch eher schwach, was aber mE recht normale Anpassungsschwierigkeiten sind angesichts von Alter und stilistischer Differenzen zwischen dem N11-Fußball und dem von Roger Schmidt. Das hat aber mE mehr mit Rhythmusgewohnheiten zu tun, nicht mit fehlender Fähigkeit.

Letzte Worte: https://streamable.com/5zbm6

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Ein Zuschauer 20. Dezember 2017 um 15:32

Wie findest du eigentlich den first-touch von Harit? (Sorry für OT)

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MR 20. Dezember 2017 um 17:21

Ist mir noch nicht besonders aufgefallen, hab aber noch nicht viel von ihm gesehen. Denke, seine Beweglichkeit und Dribbelfähigkeiten sind aber die weitaus wichtigeren Aspekte.

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Ein Zuschauer 21. Dezember 2017 um 14:49

First-touch ist vielleicht der falsche BEgriff. ich finde aber, dass es immer so wirkt als hätte er eine sehr gute Orientierung im Moment der Ballannahme und würde es dann meist sehr gut schaffen, sich schnell Raum zu öffnen oder Dynamik zu schaffen. Wobei seine Dribblingfähigkeiten und seine Beweglichkeit das auch so effektiv machen. Mag aber auch, wann er den Ball einfach gleich wieder prallen lässt bzw. schnell weiterleitet.

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felixander 19. Dezember 2017 um 14:35

Beim Confed-Cup konnte man schon sehen, was Brandt kann. Dort war es allerdings oftmals auch absurd, wie er zwischen brillant und beknackt hin und her geschwankt ist. Er hat da manchmal sehr kontrolliert die komplette Abwehr zerlegt, um dann den Gegner den Ball in den Fuß zu spielen. Wenn er das abstellt, kann er der Welt zeigen, dass er besser als Götze ist. 😉

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Mario 19. Dezember 2017 um 08:49

Brandt wird ja immer wieder Unkonstanz vorgeworfen, seine Scorer treten ja auch sehr gehäuft auf. Liegt da ein ähnlicher Effekt zugrunde wie bei Mkhitaryan?

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tobit 19. Dezember 2017 um 11:10

Schwer zu sagen. Auf mich wirkt er nicht so sensibel wie der Armenier, sondern einfach nur jugendlich unkonstant. Er wirkt auf mich dann manchmal unkonzentriert und kann dann seine Ideen nicht mehr durchbringen oder trifft schlechtere Entscheidungen als sonst – geht zu oft ins Dribbling oder hält den Ball zu lange. Interessant finde ich, dass er eher in erfolgreichen Zeiten den Fokus verliert um dann auf der Talsohle das Ruder rumzureißen für sein Team – was ein bisschen gegen meine These der altersbedingten Inkonstanz spricht und eher für ein generelles Problem.

Um das abschließend zu beurteilen habe ich aber von Brandt zu wenig gesehen und gehört.

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Mario 19. Dezember 2017 um 12:52

Ich meinte eigentlich eher den taktischen Hintergrund wie im Mkhitaryan-Artikel – er versucht, konstruktive Lösungen zu finden, die von der ganzen Mannschaft nicht effektiv genutzt werden können, wenn die Mannschaft nicht in Form ist … Es ist einfach eine Augenweide, Brandt zuzusehen und es wäre schön, dieses Argument ähnlich entkräften zu können wie bei Mkhitaryan.

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MR 19. Dezember 2017 um 13:05

https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4frontaler_Cortex

„Die Reifung des präfrontalen Cortex dauert länger als bei anderen Hirnstrukturen und ist erst im frühen Erwachsenenalter zwischen 18 und 22 Jahren abgeschlossen.“

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Josef 18. Dezember 2017 um 23:38

Ode an Brandt!
Wahnsinn. Poesie. Diesen Artikel hübsch gebunden und ich verschenkte ihn an Weihnachten zu Dutzenden.
Danke!

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moris1610 18. Dezember 2017 um 22:59

Brandt bei Bayern unter Tuchel. Hach. Man wird ja wohl noch träumen dürfen… Toller Spieler.
Fitter Ribery ist mittlerweile ne ganze Klasse schlechter als ein fitter Robben was beide ja eh schon eher selten sind. Ribery ist langsamer und kann Spiele auch nicht mehr alleine entscheiden. Ribery vllt 30 min von der Bank oder in unwichtigen Bundesligaspielen gegen schwache Gegner aber erste Wahl schon lange nicht mehr. Robben ist immer noch ne Bank. Coman hat mich positiv überrascht mit seiner Entwicklung. Brandt würde ich sehr gerne bei Bayern sehen.
Da ich schon länger kein großer Fan von Vidal mehr bin müsste sich Bayern eigentlich auch Goretzka sichern, vor allem wenn er gratis ist. Thiago ist verletzungsanfällig, Rudy aktuell im Formtief auch wenn er schon gezeigt hat wie er gut sein kann. Bei Vidal gibts fast nur Platzverweis oder Tore schießen. Als potentzieller Stürmer Nr. 3 in den letzen 15 min mit Wagner und Lewandowski braucht man ihn auch nicht. Wenn ein gutes Angebot kommt würde ich ihn im Sommer abgeben. Als 6er langsam, risikoreich und fehlerbehaftet im Passspiel und schlecht im Pressing. Bei Ribery könnte ich auch mit einem Verkauf im Sommer leben wenn man einen guten Ersatz bzw Perspektiven hat. Fällt natürlich emotionaler aus und hat nen ordentlichen Abschied verdient, da er 2007 den Anfang einer Ära geprägt hat.

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OceanBeach 18. Dezember 2017 um 23:20

Wenn Ribery doch nur einsehen würde, dass er zentral immer noch sehr wertvoll sein könnte..aber auf dem Flügel ist seine Zeit leider vorbei.

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tobit 18. Dezember 2017 um 22:20

„Man nehme allein seine Ballmitnahme: Es gibt vielleicht keinen Spieler in der Fußballgeschichte, der so viel Effekt, so viel Gefahr mit dem ersten Kontakt erzeugen konnte.“
Bergkamp? Okay, vielleicht war der nicht so direkt gefährlich, aber der Effekt seiner Ballannahmen war gigantisch (wenn auch in einer anderen Zeit mit viel mehr Zeit und Raum).

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MR 18. Dezember 2017 um 23:10

Das waren doch Ausnahmesituationen bei Bergkamp, der hat nicht permanent mit der Ballmitnahme Durchschlagskraft erzielt, sondern in vereinzelten schwierigen Situationen den Gegner durch die technische Sauberkeit überrascht.

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tobit 18. Dezember 2017 um 23:25

Bergkamp war halt viel weniger Tororientiert (alter Schönspieler – kein Wunder, dass der heute schon fast vergessen ist) als Brandt und hat in langsameren Zeiten gespielt. Er selbst wollte immer totale Kontrolle und hatte die Zeit, zwei oder drei Kontakte von der Annahme bis zum Abspiel zu machen. Wenn er dann mal den perfekten Weg zum Tor gesehen hat, hat er ihn eigentlich auch bespielt – Brandt spielt halt auch oft den nicht ganz perfekten Spielzug bestmöglich aus (das konnte oder wollte Bergkamp nicht).
Um da aber eine wirklich gute Aussage zu treffen, habe ich ihn in zu wenigen „normalen“ Spielen gesehen.

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Bernhard 18. Dezember 2017 um 22:07

Vielen Dank, MR!
Nun wurde mein Mailbag-Wunsch erfüllt. 🙂

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