TEs Bundesliga-Check: Der Anton-Shuffle

Tobias Escher knöpft sich in seinem Bundesliga Check die Bayern vor (womöglich zum letzten Mal). Und er erläutert den Taktik-Kniff der Woche, der von 96-Coach Andre Breitenreiter stammt.

Es tut mir Leid. Eigentlich war diese Kolumne einmal angedacht, um die Breite der Bundesliga abzudecken; nicht immer nur Bayern, BVB, Leipzig, sondern auch einmal die taktischen Kniffe der anderen Bundesligisten in den Fokus zu stellen. Ich muss nun schon zum zweiten Mal in dieser Saison davon abweichen und über die Bayern reden.

Tut mir Leid, aber das muss sein. Weil bei den Bayern momentan eine Schlacht tobt. (Nein, das ist kein Game-of-Thrones-Spoiler, auch wenn Uli Hoeneß sich sicher gut machen würde in der Rolle des Night King.) Es ist die große Frage: Wie gut spielen die Bayern wirklich? Macht es überhaupt irgendwas aus, wie gut sie spielen, wenn sie eh jede Partie gewinnen – und sei es durch zwei Geniestreiche von Robert Lewandowski?

Um kurz zu verdeutlichen, warum Taktikfreunde wie ich die Bayern aktuell kritisch sehen, habe ich mir eine exemplarische Szene aus dem Spiel gegen Bremen herausgesucht.

Szene aus dem Spiel Bayern gegen Werder. Vidal befindet sich noch hinter dem Ball, würde sich aber neben Thiago einreihen.

Szene aus dem Spiel Bayern gegen Werder. Vidal befindet sich noch hinter dem Ball, würde sich aber neben Thiago einreihen.

Wir sehen: Fünf Spieler auf einer Linie. Ribery auf dem gegenüberliegenden Flügel etwas höher. Mit Lewandowski ein einziger Mann in der vordersten Linie. Tolisso und Thiago blockieren sich gegenseitig. Robben hat hier zwei Möglichkeiten: Ins Dribbling gehen. Oder den Querpass spielen.

Diese Szenen gab es gegen Bremen zuhauf. Bayern verschafft sich derzeit keine taktischen Vorteile über ein starkes Ballbesitzspiel oder eine auch nur ansatzweise gute Offensivstaffelung. Ein Gegner, der nichts Anderes tut, als im 5-3-2 am eigenen Strafraum zu verharren und sämtliche Spieler ins eigene Drittel bringt, macht den Bayern so große Probleme – und zwar nicht, weil der Gegner so schwach ist, sondern weil die offensive Staffelung nicht stimmt. Zu viele Spieler auf einer Linie, zu wenige Spieler in der Tiefe. Da hilft es wenig, dass der taktische Kniff, die Außenverteidiger diagonal ins Zentrum ziehen zu lassen (siehe Alabas Position), durchaus interessant ist.

Das ist der Unterschied zwischen den Bayern 2012-2016 und den aktuellen Bayern: Sie verlassen sich gegen derart defensive Gegner auf ihre individuelle Klasse. Und das funktioniert ja auch, wie man am Wochenende wieder sehen konnte. Niemand wird bezweifeln, dass der Sieg der Bayern am Ende verdient war.

Und doch bleiben angesichts des „Wie?“ viele Fragezeichen. Das eine Fragezeichen habe ich vergangene Woche bereits angedeutet: Konzentrieren sich die Bayern auf die Champions League und wagen daher eine neue strategische Ausrichtung? Gegen Bremen waren die Verbesserungen eher gegen den Ball, im Gegenpressing und in der Rückwärtsbewegung, zu finden. Und was passiert, wenn die Bayern auf einen Gegner mit einem stärkeren Defensivplan treffen, der sich nicht nur am eigenen Strafraum verbarrikadiert? Vielleicht erfahren wir das in zwei Wochen, wenn die Bayern nach Hoffenheim reisen.

Eins weiß ich jedoch mittlerweile: Als Taktikfuchs kann man sich die Bayern-Spiele im Zweifel sparen. Viel zu entdecken gibt es dort nicht.

Hannovers Anton-Shuffle

Hannovers Defensivordnung gegen den Ball. In einem 3-4-3 spiegelten sie Schalkes Formation und schufen überall auf dem Platz Mannorientierungen.

Hannovers Defensivordnung gegen Schalke. In einem 3-4-3 spiegelten sie Schalkes Formation und schufen überall auf dem Platz Mannorientierungen.

Den „Anton-Shuffle“ taufte Kollege Constantin Eckner den taktischen Schachzug, den Andre Breitenreiter am Wochenende angewandt hat. Er ließ Waldemar Anton eine Mischung aus zentralem Innenverteidiger einer Dreierkette und Sechser spielen. Diese Rolle ist eigentlich nicht unüblich. Stammleser dieser Seite kennen diesen Kniff unter dem Begriff „abkippende Sechs“: Bei Ballbesitz lässt sich der Sechser fallen und gestaltet das Spiel aus der Tiefe, gegen den Ball ordnet er sich ins Mittelfeld ein.

Der Clou: Bei Anton war es genau andersrum. Hatte der Gegner den Ball, ließ er sich in die Abwehr fallen. Hannover verteidigte in einem 5-2-3/3-4-3. Gewann Hannover selbst den Ball, rückte Anton ins Mittelfeld vor. Hannover griff in einem 4-3-3 an.

Die Idee hinter diesem Kniff war es, gegen den Ball Schalkes Formation zu spiegeln. Diese agieren unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco in einem 3-4-3. Die offensive Dreierreihe steht dabei äußerst eng. Mit einer ebenfalls engen Dreierkette deckte Hannover die Schalker Angriffsreihe aus dem Spiel. Auch sonst auf dem Spielfeld erzeugte man allerorts Mannorientierungen, über die man mit einem hohen Pressing den Zugriff suchte. Dies funktionierte sehr gut, Schalke erlangte keine Kontrolle über das Spiel.

Hannovers Defensivordnung gegen Schalke: Anton schob vor ins Mittelfeld, Hannover agierte im 4-3-3. Über die Flügel umspielten sie Schalkes enge Dreierreihe.

Hannovers Defensivordnung gegen Schalke: Anton schob vor ins Mittelfeld, Hannover agierte im 4-3-3. Über die Flügel umspielten sie Schalkes enge Dreierreihe.

Warum aber schob Anton im Ballbesitz vor? Wenn man die Formation des Gegners einfach spiegelt, hat dies einen kleinen Haken: Nicht nur man selbst, sondern auch der Gegner kann einfach den Gegner mannorientiert decken. Überall auf dem Feld entstünden Eins-gegen-Eins-Duelle, offensiv wie defensiv. Die Mannschaft mit den besseren Spielern hat hier meist den Vorteil – in diesem Fall wohl Schalke. Breitenreiter wollte wohl vermeiden, dass dies geschieht.

Daher rückte Anton ins Mittelfeld, Hannover baute mit einer Viererkette auf. Die Außenverteidiger blieben tief. Hannover hatte also in der ersten Linie einen Mann Überzahl, den sie auch ausspielten. Sie taten genau das, was Schalke von ihnen wollte: Sie eröffneten das Spiel über die Flügel. Dort konnten sie aber ganz gut die Seite herunterspielen, weil die Achter die Flügelangriffe als dritter Mann unterstützten. Dies war möglich, weil Anton das Zentrum absicherte.

Hannover erspielte sich in dieser taktischen Gemengelage zwar wenige Chancen; Flügelangriffe sind meist wenig erfolgsversprechend, gerade wenn ein Abnehmer im Strafraum fehlt. Aber sie verloren den Ball erst in der gegnerischen Hälfte, dort, wo es ihnen wenig wehtat. Sie schalteten schnell auf ihr defensives 5-2-3/3-4-3 um und nahmen ihre Mannorientierungen auf. Schalke kam nicht voran.

Tedesco wirkte nach rund 35 Minuten diesen Mannorientierungen entgegen, indem er Harit ins zentrale Mittelfeld beorderte und somit auf ein 5-3-2 umstellte. Hannover konterte und verteidigte so, dass sie ihre Mannorientierungen weiter ausführen konnten. Am Ende ging ihr Plan auf: Eine Balleroberung weit in der gegnerischen Hälfte genügte, um den Siegtreffer zu erzielen.

Auch wenn Breitenreiter sicher nicht für offensives Spektakel steht, muss man ihm lassen: Defensiv hat er häufig gute Einfälle. Dieser war einer davon.

Und nun zur Werbung

Abschließend ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Heute um 17 Uhr startet auf Rocket Beans TV die Sendung Bohndesliga in eine neue Saison. Mit mir in einer erweiterten Nebenrolle als Taktikexperte. Schaltet gerne mal rein. Wer etwas zu spät kommt, verpasst nichts – auf YouTube lässt sich Rocketbeans um bis zu zwei Stunden zurückspulen und auch per Abruf sollte die Sendung recht schnell zur Verfügung stehen.

DB 1. September 2017 um 19:11

Sorry, mal ’ne blöde Frage @TE: Die zweite Illustration mit dem vorgerückten Anton soll entgegen des mutmaßlichen Tippfehlers die *Offensiv*ordnung darstellen, gell? (Ist wohl allen außer mir klar, bin nur irritiert und unter akutem Koffeinmangel)

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tobit 2. September 2017 um 21:45

Ja soll es. War mir beim Lesen auch überhaupt nicht aufgefallen, dass da nochmal Defensivordnung stand.

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Yilde 30. August 2017 um 15:03

Habe mir das Bayernspiel nur im Nachhinein im Schnelldurchlauf angesehen. Die Rolle Vidals im Spiel mit Ball wirkt schon sehr schwach. Nicht nur bringt er keinerlei Struktur, beschneidet sich Rollentechnisch im Spielaufbau stark mit Tolisso und geht extrem zaghaft nach vorne (war das eine Anweisung vom Trainer, um so die Konterunterbindung zu garantieren?), ich fand gefühlt auch sehr auffällig, wie wenig Unterstützung er Alaba und Ribery gegeben hat. Thiago schien mir völlig in der Luft in der Anfangsphase, bis er sich zunehmend fallen ließ, dadurch zwar Spielanteile bekam aber nun diese wie im Artikel gezeigte ultraflache Staffelung entstand. Wäre hier ein Thomas Müller anstatt eines der Flügelspieler nicht von Anfang an Sinnvoll? Mit seinen Bewegungen in den Zehnerraum und seiner Vertikalität, sowie den Raumschaffenden läufen könnte man zumindest Thiago´s stärken besser einbringen und vielleicht auch situationsbedingt aus der Strukturlosigkeit für Gefahr sorgen.

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Flo Kno 29. August 2017 um 09:37

Interessant, die Beobachtung zu Breitenreiter: „Defensiv hat er häufig gute Einfälle. Dieser war einer davon.“

Bisher waren mir Breitenreiters Mannschaften nie als besonders defensivstark aufgefallen, das gilt sowohl für Schalke 2016 als auch Paderborn davor. Paderborn hatte auch in der Aufstiegssaison überdurchschnittlich viele Gegentreffer und die schlechteste Tordifferenz der Spitzengruppe. Ähnliches Bild auf Schalke vor zwei Jahren.

Vielleicht hat er sich da aber auch weiterentwickelt, das soll man ja nicht ausschließen.

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koom 29. August 2017 um 10:33

„Defensiv gute Einfälle“ muss ja nicht direkt defensivstark bedeuten. Wenn das Spielermaterial bspw. einfach deutlich schlechter ist, aber die Grundidee der Verteidigung gut, dann kann man das ja honorieren und feststellen. Jeder muss halt mit dem Material arbeiten, das er so hat.

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LJ 29. August 2017 um 15:23

Das Spielermaterial in der (zentralen) Defensive ist aber seit Jahren der vielleicht stärkste Teil des Schalker Kaders – und Breitenreiter hat es damals ‚geschafft‘, mit außerordentlich schlechten Staffelungen im defensiven Mittelfeld ständig Angriffe durch die Zentrale zuzulassen. Da ich Hannover letzte Saison nicht verfolgt habe, war ich daher extrem überrascht über die gelungene Defensivleistung in diesem Spiel.

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Koom 30. August 2017 um 15:16

Hat vielleicht auch etwas mit den Herangehensweisen an die jeweiligen Spiele zu tun. Als Underdog, der nur einen Punkt haben will, kannst du 90 Minuten einfach tief stehen und kontern. Das trifft auf Paderborn wie auf Hannover sehr gut zu. Schalke hingegen will gerne in die Top4 der Bundesliga, trifft dabei auf viele Gegner, die ihrerseits gegen Schalke mit einem Punkt gut leben können. Ergo kannst du weder so tief und konsequent defensiv stehen, sondern musst nach und nach mehr aufmachen und vorne mehr riskieren.

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TE 31. August 2017 um 18:18

Defensiv stabil trifft es wohl eher. Bei Breitenreiter stand immer die defensive Stabilität gepaart mit einer klaren Ordnung im Fokus. Das Offensivspiel soll eher daraus entwickelt werden, aber auch nicht zu risikohaft ausgeführt werden – Stabilität in allen Spielphasen scheint ihm wichtig zu sein. Und sooo schlecht sind seine Werte gar nicht. Auf Schalke gab es einige deftige Drei-Tore-Niederlagen, aber in 14 von 44 Spielen blieben sie ohne Gegentor, in weiteren dreizehn kassierten sie einen Gegentreffer. Da gibt es Trainer mit weit schlechteren Werten. Wenn es klappt, klappt es halt gut – und wenn es nicht klappt, fehlt oft die Idee, um mehr Durchschlagskraft zu entwickeln. Geht dann oft nur über Risiko und dann wird’s bestraft. Deshalb bin ich auch noch etwas skeptisch, was Hannovers weiteren Saisonweg angeht – denn offensiv war bislang wenig zu erkennen.

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CHR4 29. August 2017 um 00:47

„Gegen Bremen waren die Verbesserungen eher gegen den Ball, im Gegenpressing und in der Rückwärtsbewegung, zu finden. Und was passiert, wenn die Bayern auf einen Gegner mit einem stärkeren Defensivplan treffen, der sich nicht nur am eigenen Strafraum verbarrikadiert? Vielleicht erfahren wir das in zwei Wochen, wenn die Bayern nach Hoffenheim reisen.“

genau das war von CA ja auch nach dem Spiel gegen LEV angekündigt worden: dass das Defensiv-Verhalten verbessert werden muss … also wird wohl daran vorangig gearbeitet worden sein seitdem … immmerhin, wobei ich da sehr vorsichtig bin, denn bei 76% Ballbesitz würde ich das „gegen den Ball“ nur als sehr kleine Stichprobe bewerten …

möchte derzeit sicher nicht Trainer der Münchner sein, nach dem Vorbereitungs-FAIL muss jetzt massiv aufgearbeitet werden, was liegen geblieben ist – von daher durchaus ein Lichtblick, dass sich das Defensiv-Verhalten etwas verbessert hat

dass man sich auf so tiefstehende Gegner vorne auf die individuellen Geniestreiche verlässt, ist wie FAB schon geschrieben hat auch schon länger so – aber wann soll man denn bitte diesen Sommer komplexe Abläufe automatisiert haben?? – im Flieger per VR-Brille? (wäre das nicht mal ne Idee für Taktiktraining 😀 😉 – auf ans Entwicklen … – also sowas wie FIFA als Multiplayer mit Ego-3D-VR-Perspektive … wär das nicht auch mal ne neue Spielvariante? 😀 – mehr ich drüber nachdenke, desto besser gefällt mir das – hätte den Vorteil, dass Taktiktraining auch bei körperlicher Erschöpfung oder Verletzung zusätzlich sehr realitätsnah möglich wäre)

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Euler 28. August 2017 um 20:55

Habe das nicht mehr genau im Kopf, aber die Österreicherinnen haben bei der EM mit einer ähnlichen Idee für die 6er Rolle agiert. In diesem Fall hat die 6erin (wie gendert man das eigentlich richtig?) sich nur in die Abwehr zurückfallen lassen, wenn das Team tief verteidigt hat, dadurch ist dann ein 5-4-1 mit zwei eng stehenden Ketten vor dem eigenen Strafraum entstanden. Wurde höher verteidigt, war die Grundformation glaube ich ein 4-4-2.

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Klugshitter 28. August 2017 um 17:49

Ich weiss, das klingt wieder oberlehrerhaft, aber das muss leider sein:

Für „Anton-Shuffle“ gab es früher einen Begriff, es hiess „Libero“. Es gibt gerade in Deutschland einige Spieler, die sich auf diesem Gebiet sehr verdient gemacht haben. Ich darf Franz Beckenbauer als einen dieser „Liberi“ (Mehrzahl von Libero) nennen, aber noch in einer 4-Spieler-Verteidigung, der es sogar im Welt-Fussball zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat.

Später hat es einige andere gegeben, die das gleiche in einer 3-Spieler-Verteidigung versucht haben. Hier darf ich den Namen Matthias Sammer ins Spiel bringen, der auch gar nicht sooo unbekannt war.

Ja liebe Leute, Fussball wurde nicht von Pep Guardiola erfunden. Auch im Zeitalter des Schwarz-Weiss-Fernsehens wurde Fussball gespielt, und das gar nicht einmal so schlecht. Man müsste sich halt damit beschäftigen.

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Ancelottis Augenbraue 28. August 2017 um 20:11

„Autor des Buchs „Vom Libero zur Doppelsechs“ über die Geschichte der Fußballtaktik in Deutschland. „

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IchBinNichtFranzBeckenbauer 28. August 2017 um 20:33

Was für ein arroganter Quatsch, als ob die Autoren dieser Seite nicht wüssten, was ein Libero ist.

Dieser war jedoch ein freier Mann in einem Manndeckungssystem, der zumeist HINTER den anderen Abwehrspielern agiert hat. Das ist nicht das gleiche wie ein Spieler, der zwischen zwei Positionen in der Abwehrkette (!) und vor der Abwehr wechselt.

Wenn man nicht in der Lage ist, solche entscheidenden Details zu erkennen, dann sollte man seinen Beitrag nicht mit „man müsste sich halt damit beschäftigen“ beenden.

Und doch, der Fußball zu Zeiten des Liberos war schlecht. Zumindest taktisch. Wäre ich Franz Beckenbauer, würde ich noch anmerken, dass das individuelle Niveau manchmal auf jeden Fall beeindruckend war. Aber der bin ich nicht, weshalb ich unterstreichen möchte, dass schlichtweg die Organisationen der Teams auf einem viel schlechteren, ineffizienterem Niveau waren als mittlerweile.

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HK 28. August 2017 um 22:12

Die Analogie zu einem Libero war auch das erste das mir dazu einfiel.

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The Soulcollector 28. August 2017 um 22:32

Wenn man Spieler mit dem klassischen Libero vergleichen will, dann würden sich moderne Innenverteidiger wie Hummels oder Lucio deutlich besser eignen. Ein Libero war ja kein Manndecker sondern hat den Raum hinter der Abwehr gesichert. Moderne IVs sind auch Raumdecker und agieren dann bei Ballbesitz kreativ und teilweise vorstoßend/offensiv.

Anton hat aber ganz klassisch Manndeckung gespielt und wenn die Mannschaft den Ball hatte, dann hat er sich wenig bis gar nicht am Spielaufbau beteiligt sondern ebenfalls abgesichert. Das ist eine Rolle die meilenweit von einem Libero a´la Beckenbauer weg ist.

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HK 29. August 2017 um 13:09

Ok, danke für die Ergänzung. Ich habe das Spiel nicht gesehen.
Hummels und Lucio haben jetzt für mich auch nicht so viel gemein. Und nicht jeder Libero (bei weitem nicht jeder) hat wie Beckenbauer gespielt.

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TE 31. August 2017 um 18:12

Antons Rolle war alles, nur kein Libero. Libero bedeutet übersetzt nicht umsonst freier Mann. Das war er ja nicht. Er war – wenn man klassische Begriffe verwenden möchte – ein Manndecker, der im Ballbesitz vorrückte. Zumal das sehr schwer nur mit dem Fußball von früher vergleichbar ist, weil das moderne Pressing die Spielerrollen, gerade der Verteidiger, massiv durcheinandergewirbelt hat.

Danke übrigens für die Erinnerung, dass der Fußball nicht von Guardiola erfunden wurde. Das hätte ich als Autor eines Buchs über die deutsche Taktikgeschichte fast vergessen. (Entschuldigung, aber so viel Arroganz muss sein dürfen, wenn man solch ein oberlehrerhaftes und dazu auch noch falsches Feedback erhält.)

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No Pirlo, no Party 6. September 2017 um 00:48

Im Grunde war Anton ziemlich genau ein Anti-Libero.

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JF11 28. August 2017 um 17:02

Gab es den „Anton Shuffle“ in der Form nicht auch schon bei Barca mit Busquets kurzzeitig zwischen 2011-2014 irgendwann?

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rodeoclown 2. September 2017 um 17:29

Ja, aber in einer 3er Kette die Busquets dann aufgefüllt hat. So richtig hat das aber nie funktioniert wenn man ehrlich ist. Man verschenkt ja auch seine Raumgewinnungsfähigkeiten damit und zwingt ihn auf der anderen Seite in Sprintduelle. Guardiola hat das in irgendeinem Sommertestspiel auch mal mit Höjberg versucht, ging damals aber schief und wurde dann nicht mehr wirklich verfolgt. Ich glaub das war sogar das 3:0 gegen RB Salzburg.
Ein Spieler dem die Rolle übrigens sehr zusagen könnte ist Max Christiansen.

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mb 28. August 2017 um 15:53

bei allem respekt von carlo ancelotti, aber er ist der falsche trainer zur falschen zeit. für mich einer der größten fehler der bayern veranwortlichen, dass nach pep nicht ein trainer verpflichtet worden ist, der schon umbrüche erfolgreich vollzogen hat. man wäre auch mit einer mannschaft mit götze (natürlich nicht die schuld von ca), sanches, coman oder kimmich oder auch müller in wichtigeren rollen die ergebnisse der vorsaison erreicht (meister, pokal hf, cl vf) und die mannschaft auf die nächsten jahre aufbauen können..

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koom 28. August 2017 um 16:50

In Sachen Umbruch gehe ich d’accord. Die Bayern verpassen gerade eine Gelegenheit, ihre Zukunft vorzubereiten. Die entscheidenden Spieler des Kaders sind überaltert (Flügel) und taktisch wird nicht darum herumgearbeitet. Wobei SV.de ja die Theorie aufwirft, dass man vielleicht auf mehr Konter/Umschaltfußball gerade setzt. Der Kader würde das ja definitiv hergeben, aber es wirkt noch unstrukturiert.

Ich denke, CA ist als Trainer auch ein Auslaufmodell. Er agiert sehr unkreativ, setzt auf Eigenverantwortung und individuelle Klasse, was aber bei den Bayern international nicht mehr ausreicht (und sowieso nur selten SO gut war, dass das ausgereicht hätte). Für Liga und Pokal wird es meistens reichen. Und zusätzlich kommt noch meine böswillige Lieblingstheorie, dass er als Nachfolger Guardiolas kam, der der Mannschaft taktisch viel „Eigenverantwortung“ genommen hat und das dafür durch (durchaus gute) Ablaufpläne ersetzt hat. Jetzt, wo diese Pläne aber nicht mehr gebimst werden, haben die Spieler Probleme, sich intuitiv zurechtzufinden. Vielleicht auch, weil sie die klaren Strukturen als angenehm und sicher empfunden haben. Objektiv hatte man ja so ziemlich jedes Spiel kontrolliert unter Guardiola.

Persönlich denke ich, dass den Bayern die Spielweise unter den ersten Magath-Jahren mit am besten gestanden hat. Oder natürlich das letzte Jahr unter Heynckes. Bei beiden agierte man stets sehr opportunistisch. Hat man den Ball, dann spielt man damit. Will der Gegner den Ball haben, lässt man ihm den und kontert hart und schnörkellos. Aus meiner Sicht eine Spielweise wie bei Atletico und für mich haben die Bayern international immer diesen Charme. Kein Ballett, aber wenn es drauf ankommt unglaublich schwer zu bezwingender Gegner der das „besondere“ abrufen kann.

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Daniel 28. August 2017 um 20:44

Es ist ziemlich offensichtlich, dass Carlo den Gaul Robbery reiten will, bis er tot umfällt. Ancelotti ist kein Trainer, der langfristig arbeitet und wahrscheinlich ist ihm klar, dass er in drei Jahren hier nicht mehr Trainer sein wird. Bis dahin will er den maximal möglichen Erfolg mitnehmen und da nicht womöglich Abstriche durch Entscheidungen hinnehmen, die sich vielleicht erst in einigen Jahren amortisieren. Der Verein sollte hier schnellstmöglich reagieren, jeder Tag unter diesem Trainer macht den bevorstehenden Umbruch umso härter. Wer weiß wie lange Tuchel noch auf dem Markt sein wird. Und der CL-Titel ist diese Saison ohnehin eine komplette Illusion, egal mit welchem Trainer.

„Der Kader würde das ja definitiv hergeben…“
Find ich gar nicht unbedingt. Wenn du als Umschaltmannschaft Erfolg haben willst, brauchst du auf dem Feld mindestens zwei extrem schnelle Offensivspieler. Der FCB hat aber mit Coman und Robben im ganzen Kader nur zwei Spieler dieser Art und bei keinem davon ist klar, inwiefern er diese Saison auf höchstem Niveau schon bzw noch den Unterschied machen kann. Müller, James und Ribéry sind alle mehr oder weniger wertlos in einem Kontersystem und selbst als Back-up eigentlich nur bedingt brauchbar.

„Persönlich denke ich, dass den Bayern die Spielweise unter den ersten Magath-Jahren mit am besten gestanden hat…und für mich haben die Bayern international immer diesen Charme. Kein Ballett, aber wenn es drauf ankommt unglaublich schwer zu bezwingender Gegner der das „besondere“ abrufen kann.“
Unter Magath war der FC Bayern international alles andere als ein schwer zu bezwingender Gegner. Abgesehen von einem glücklichen Erfolg gegen Arsenal ist der FCB unter Magath zuverlässig am ersten guten Gegner gescheitert. Teilweise sogar in Form einer richtigen Abreibung, wie beim in Addition 2:5 gegen Milan.

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Koom 28. August 2017 um 21:55

Schon klar. Ich meinte auch eher nur den grundsätzlichen Charakter. Unter Heynckes in der Triple-Saison war das sehr ähnlich von der Idee.

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Dr. Acula 28. August 2017 um 15:46

dein beruf wird dich wohl wieder und wieder dazu zwingen, bayern spiele zu sehen.. ich als ex-bayern-fan habe die tolle möglichkeit entdeckt, tatsächlich interessante spiele anzuschauen.

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felixander 28. August 2017 um 15:31

Müller scheint ja auch nicht zufrieden zu sein mit Carlos Arbeit. Deshalb mal ne ganz andere Frage: Bei welchem europäischen Top-Team würde sich Müller derzeit wohl fühlen? Ich persönlich sehe ihn ja irgendwie bei Atletico.

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tobit 28. August 2017 um 16:49

Atletico braucht ihn aber auch nicht. Die haben Griezmann als HS (den ich klar stärker sehe als Müller) und auf den Flügeln entweder Tempodribbler (Carrasco, Gaitan, Correa) oder verkappte ZMs (Koke, Saul). Wenn Juve sich auf den Flügeln nicht so massiv verstärkt hätte, wäre da vielleicht ein Plätzchen für ihn gewesen (wer Mandzukic auf dem Flügel einbinden kann, schafft das auch mit Müller). Evtl hätte er auch zu Real passen können statt Benzema. Sich viel durch die offensiven Räume bewegen, von den IV wegen Ronaldo eher Mal übersehen werden und drei herausragende Spielmacher (mit Marcelo sogar vier) hinter sich – klingt nach optimalen Bedingungen fürs „Müllern“. Bei Chelsea könnte ich ihn mir noch als rechten HS vorstellen, da Morata ja bisher nicht als überragender Scorer aufgefallen ist. Ansonsten sieht das (auch wegen seines Monstervertrags) ziemlich mau aus.

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felixander 28. August 2017 um 16:59

Danke für die Antwort.
Juve hatte ich auch noch im Hinterkopf, Chelsea und Real finde ich überraschend. Aber spricht das nicht gegen den „Top-Spieler Müller“, dass die Reihe an Mannschaften, in die er passen würde, sehr endlich ist?

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koom 28. August 2017 um 17:16

Nicht unbedingt. Er ist ein Spielertyp, der im Idealfalle etwas chaotisch ist. Im Grunde kann er vermutlich jedem Verein weiterhelfen, wenn man ihn nicht zu sehr in ein taktisches Gerüst einzwängt. Könnte ihn mir bspw, auch bei Barca problemlos vorstellen, über links kommend. Würde da aus meiner Sicht ähnliches einbringen wie Neymar, natürlich schon anders. Arsenal wäre auch sehr geil (Özil!), aber da ist die Frage, ob das ein „Topteam“ ist. 😉

Also ums mal zusammenzufassen: Nahezu bedingungslos auf Müller setzen. Nicht zu sehr in ein taktisches Gerüst zwängen. Ideal: Kreative Paßspieler im Mittelfeld als Zulieferer haben.

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felixander 28. August 2017 um 17:30

Ich glaube halt, bei den meisten Top-Mannschaften hast du dasselbe Problem wie bei Bayern: Du müsstest für Müller einen Dribbler/stärkeren Individualisten auf die Bank setzen. Und das willst du vielleicht einfach nicht, weil du da noch eher weißt, was du bekommst.

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HK 28. August 2017 um 17:34

„Nahezu bedingungslos auf Müller setzen.“
Das formuliert das Problem. Wenn du Müller nicht sein spezifisches Biotop schaffst wird das kritisch mit ihm. Und welcher internationale Topklub wird sein Spielsystem an Müller ausrichten?
Für Messi, Ronaldo? Klar, aber Müller?

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koom 28. August 2017 um 17:59

Ich finde nicht, dass man speziell für ihn was anpassen muss. Defensiv ist er fleissig und gründlich idR, offensiv halt idealerweise anarchisch. Letzteres muss man eben nutzen. Ein bisserl das Problem ist auch, dass Müller (in seiner Heynckes-Form) nicht direkt greifbar war. Er ist kein Dribbler, kein Paßspieler, kein Abschlusspieler. Er macht Dinge und es fallen Tore mit ihm und durch ihn.

Wenn du hingegen jetzt einen – sagen wir mal – Coman einsetzt, dann weisst du, dass du da nen schnelle Dribbler hast. Nicht mehr und nicht weniger. Willst du also möglichst viel kontrollieren, wirst du eher einen Coman hinstellen. Willst du Tore, wirst du Müller einsetzen, auch wenn du nicht genau weißt, wie das funktioniert.

tobit 29. August 2017 um 12:17

Real hat halt auch noch Bale, den ich gerne Mal statt Benzema neben Ronaldo sehen würde. Der bringt einfach spielerisch und physisch noch etwas mehr mit als Müller und könnte da auch besser scoren als Benzema aktuell.

Generell spricht das nicht gegen Müller. Nicht jeder Weltklassespieler passt in jede Weltklassemannschaft. Man müsste halt Mal im März/April über sowas nachdenken, da jetzt einfach schon viel passiert ist, was bestimmte Vereine ausschließt. Barca hat Dembele geholt und will noch Coutinho, Arsenal hat Lacazette geholt, United hat Lukaku und Ibrahimovic geholt (und ist auch auf den Außen mit guten Shootern besetzt), Atletico darf nicht, Chelsea hat Morata geholt und Costa nicht verkauft, Liverpool hat Salah geholt, City hat Silva geholt und keinen nennenswerten Offensivabgang, Real hat Asensio, Bale, Benzema und Ronaldo (trotz Morata-Abgang bestens besetzt).
Einige Topvereine können sich auch Müller schlicht nicht leisten – der BVB (Mal eben das doppelte von Reus ist nicht darstellbar), Liverpool (braucht noch Zeit, das Gefüge derart nach oben zu fahren), Atletico (generell am finanziellen Anschlag unterwegs), Arsenal (will erstmal mit Özil und Sanchez verlängern, ziert sich da aber auch bei diesen Summen) würden sich dafür massiv strecken müssen – und von der Ablöse ist da noch nicht Mal die Rede gewesen.
Außerdem wollen die Bayern ihn aktuell wohl kaum abgeben, wenn man sich Mal die Verletzungs-, Alters- und Vertragssituation in der Offensive anschaut.

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FAB 28. August 2017 um 14:58

„Wir sehen: Fünf Spieler auf einer Linie.“
Das ist ja schon sehr lange das Problem bei den Bayern aus dem Spiel heraus. Hat meiner Meinung auch mit dem Spielstil von Thiago und Vidal zu tun, die ich deshalb Vermeidungsspieler nenne.
Üblicherweise hat Bayern irgendwann die Grundintensität und das Tempo im Spiel erhöhen können, z.B. durch schnelle Verlagerungen oder durch gute individuelle Aktionen, wodurch die geordnete Struktur des gegnerischen zentralen Mittelfelds zerbrochen wurde. Nur dann, wenn der Gegner Lücken in diesen höheren Zonen entstehen lässt, positioniert sich z.B. Thiago darin und kommt auch mal in die Nähe des gegnerischen Tores. Aber in ihren individuellen Offensivaktionen sind Thiago und Vidal kaum strukturbrechend.

In dieser Saison könnte es den Bayern also zunehmend schwer fallen, die Intensität so zu erhöhen, beim Gespann Alaba / Ribery ist das Tempo immer niedriger, Lahm fehlt durch seine „anlockenden“ Aktionen (Kimmich spielt da deutlicher weniger „raumschaffend“), ob Robben nochmal zu der Topform aus der vergangenen Saison kommt ist sehr fraglich, auch der unterschätzte Xabi Alonso fehlt mit seinen gewinnbringenden Verlagerungen!
Fazit: Lewandowski wird nicht jedes Mal den Bann in der 72. aus Heiterem Himmel brechen können.

Bayern wird sich langsam in den Arsch beißen, je länger sie versuchen den Umbruch hinauszögern, desto teurer wird er und nicht mehr nur einen 100 Mio Transfer verschlingen über den die Bayern jetzt noch lachen können, sondern 2-3, weil dann selbst Spieler wie Keita und Pulisic für solche Summen gehandelt werden.
Davon abgesehen bezweifle ich, dass Tolisso sich wirklich langfristig durchsetzen wird. Ich denke die Bayern brauchen auf der 6 eher einen sehr positionstreuen Spieler, weshalb ich dort auf Dauer eher Rudy sehe. Das Puzzle für Ancelotti wird dann aber sein, wie mit dem vorhandenen Spielermaterial die Dynamik im offensiven Mittelfeld erhöht werden kann.

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koom 28. August 2017 um 14:25

Kurz und bündig. Passt.

Bei Hannover ist es aus meiner Sicht auch so, dass da vieles zusammenpasst. Aufsteiger, Underdog, passionierter Umschalttrainer und aus meiner Sicht ist Umschaltfußball eh H96-DNA, seit Rangnick und Slomka. Dazu passte auch zweimal die Aussenseiterrolle bei Mainz auswärts und Schalke zuhause.

Wie lange das letztlich anhält und funktioniert wird man sehen. Aber das sind schon mal 6 Punkte gegen den Abstieg,

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