RB Leipzig: Das Bullenprinzip

RB Leipzig erregt viel Aufmerksamkeit in Fußball-Deutschland. Die Sachsen werden im kommenden Jahr in der 1. Bundesliga antreten. Das ist für Spielverlagerung die perfekte Gelegenheit, um auf die Saison der Roten Bullen zurückzublicken.

Im Mittelpunkt soll vor allem der zweite Teil der Spielzeit stehen. RBL machte unter Trainer Ralf Rangnick nach dem Start eine positive Entwicklung durch, kam allerdings zum Ende hin ein wenig ins Straucheln. Da Leipzig in der Rückrunde nicht auf einer durchgängigen Erfolgswelle ritt, ist dieser Text als eine Art Problemanalyse zu verstehen. Mit Hinblick auf die kommenden Unternehmungen im Oberhaus des deutschen Fußballs gibt es noch an vielen Stellen Verbesserungsbedarf, wenngleich der Grundstein von Rangnick gelegt wurde.

Natürlich sticht die Qualität des Kaders in der 2. Bundesliga heraus. RBL ist aufgrund der vorhandenen finanziellen Mittel und dank der langfristigen Perspektive des Projekts attraktiv für viele Spieler. Dabei verpflichtete die sportliche Leitung allerdings nicht nur Akteure, die bereits auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit angelangt waren, sondern es wurden auch einige Kicker unter Vertrag genommen, die lediglich über großes Potenzial verfügen, das aber noch weiterentwickelt werden muss.

Der dänische Nationalstürmer Yussuf Poulsen ist wohl der bekannteste dieser Riege. Mit Joshua Kimmich verlor man jedoch bereits ein solches Juwel im Sommer 2015. Er kehrte zum VfB Stuttgart, seinem Stammverein, zurück und ging anschließend zu Bayern München, wo er insbesondere mit Auftritten als Innenverteidiger von sich reden machte. Kimmich stand stellvertretend für die Kaderpolitik Leipzigs.

Er stammte nicht unmittelbar aus der Jugend des Clubs, aber wurde als junger Spieler nach Sachsen geholt. Sicherlich sollte es künftig auch einheimische Talente geben, die den Sprung schaffen, aber Jugendarbeit wird – wie bei den meisten Profivereinen – nicht als regionale Angelegenheit verstanden. Das machte RBL auch deutlich mit Verpflichtungen von Spielern wie Vitaly Janelt (vormals Hamburger SV) oder Ken Gipson (vormals VfB Stuttgart). Letzterer kam bereits in der Profimannschaft zum Einsatz, hat aber auf der Rechtsverteidigerposition einen weiteren jungen Akteur vor sich: Lukas Klostermann. Jener kam schon 2014 vom VfL Bochum.

In der vergangenen Saison verpflichtete RBL: Péter Gulácsi (Red Bull Salzburg), Willy Orban (1. FC Kaiserslautern), Atınç Nukan (Beşiktaş), Marcel Halstenberg (FC St. Pauli), Stefan Ilsanker, Nils Quaschner (beide Red Bull Salzburg) und Davie Selke (Werder Bremen). Von Leihgeschäften kehrten zudem Massimo Bruno und Marcel Sabitzer aus Salzburg zurück. Lediglich Gulácsi und Ilsanker sind älter als 23 Jahre. Die grundsätzliche Ausrichtung der Transferpolitik wird schnell deutlich.

Hinzu kommt eine Kontinuität hinsichtlich der Spielphilosophie, die sich von der ersten Mannschaft bis in die Jugendteams durchzieht. Die U17 oder U19 spielen zu großen Teilen wie eine Kopie von Rangnicks Truppe, wodurch eine wünschenswert große Durchlässigkeit geschaffen wird. Zieht man noch in Betracht, dass der Schwesterclub aus Salzburg ebenso dem RB-Konzept folgt beziehungsweise einst unter Trainer Roger Schmidt sogar diese Philosophie in der europäischen Wahrnehmung einen Platz verschaffte, wird die übergreifende Strategie umso deutlicher.

Grundformation

2016-05-09_Leipzig_GrundformationDem RB-Prinzip folgend spielt Leipzig in aller Regel in einer 4-4-2/4-4-1-1- oder 4-2-2-2-Grundordnung. Über die Saison hinweg gab es zumeist Anpassungen, die sich an der personellen Besetzung der einzelnen Positionen festmachen ließen.

Beispielsweise existiert eine Variante mit einer Spitze (Poulsen oder Selke) und einem Schattenstürmer (Sabitzer). Alternativ können Selke und Poulsen auch zusammen in der Spitze agieren. Dann wird das Spiel stärker auf ihre Physis ausgerichtet, während die beiden nominellen Flügelspieler – oder, gemäß der Roger-Schmidt-Denkweise, die beiden Zehner – Verbindungen zum Rest des Teams mit Hilfe eingerückter Positionierungen aufbauen können. Andernfalls kann Sabitzer als Verbindungsstürmer fungieren, wenngleich die verengte der Offensivreihe hinter der Sturmspitze ein grundlegendes Element der RBL-Offensive darstellt.

Dominik Kaiser pendelt in der Rückrunde zwischen seiner eher angestammten Sechserposition und einer Rolle als verkappter Rechtsaußen. Mit ihm im zentralen Mittelfeld gibt es eine klare Defensiv-Offensivaufteilung zwischen den beiden Sechsern, wie etwa zuletzt beim Zusammenspiel zwischen Kaiser und Ilsanker zu erkennen war, als Letzterer sich bei Ballbesitz tiefer positionierte. Arbeitet Ilsanker wiederum mit Diego Demme in der Zentrale zusammen, kann es vorkommen, dass sich beide bei Vorstößen abwechseln.

Kaiser seinerseits wechselt auf der rechten Seite zwischen Breitengeber und zweitem Zehner. Er unterscheidet sich von seiner Spielanlage von den anderen Offensivakteuren. Die Diskrepanz wird gerade deutlich, da Emil Forsberg auf dem anderen Flügel agiert. Der 24-Jährige ist stärker auf seine Dribblings fokussiert und sucht hierbei vermehrt die Möglichkeit durchzubrechen.

2016-04-25_Goalimpact-Torhüter

Torhüter (alle Daten von Goalimpact.com)

2016-04-25_Goalimpact-Innenverteidiger

Innenverteidiger

2016-04-25_Goalimpact-Außenverteidiger

Außenverteidiger

2016-04-25_Goalimpact-zentrales-Mittelfeld

zentrales Mittelfeld

2016-04-25_Goalimpact-offensives-Mittelfeld

offensives Mittelfeld

2016-04-25_Goalimpact-Mittelstürmer

Mittelstürmer

Ausgangslage in der Liga – strategische Konsequenzen

Bei jedem Spiel stehen die Leipziger vor der großen Herausforderung, den metaphorischen Durchbruch zu erzielen. Aufgrund ihrer individuellen Klasse und ihrer Stellung innerhalb der Liga wird RBL zumeist in die spielmachende Rolle gedrückt. Doch anhand ihrer Strukturen und Verhaltensmuster im Spielaufbau wird schnell deutlich, dass sie sich in dieser Position nicht unbedingt wohl fühlen.

Lediglich in den Auswärtspartien bei Eintracht Braunschweig, beim VfL Bochum, beim Karlsruher SC, bei Greuther Fürth und bei Fortuna Düsseldorf lag der Ballbesitz unter 50 Prozent. (Daten von Bundesliga.de, Stand: 15.05.2016)

Können die Leipziger jedoch auf die proaktive Dynamik eines Gegners reagieren und für Umschaltmomente sorgen, sind sie in ihrem Element. Im besten Fall erzielen sie rasch eine Führung und ändern die Rollenverteilungen innerhalb einer Partie.

Interessanterweise geriet RBL zuletzt einige Male selbst früh in Rückstand. Sie konnten das Ergebnis hier und da noch biegen, brauchten aber viel Geduld. Kassieren sie hingegen spät im Spiel den gegnerischen Führungstreffer, tut sich ein Problem auf, dass sie bisher noch nicht zu lösen vermochten. Denn dann rücken zu schnell zu viele Akteure in die vorderste Linie, während die Aufbaureihe ebenso hoch positioniert ist und der Aktionsraum sich arg verkleinert. Nun fehlt es an der notwendigen Tempoentwicklung, um gefährliche Toraktionen zu kreieren.

Die genannte Grundkonstellation in RBL-Partien einbeziehend ergeben sich bei den Leipzigern einige strategische Eckpunkte:

  • schnelles Überbrücken von Räumen
  • keine Angst vor Ballverlusten
  • körperbetontes Spiel im Mittelfeld
  • intensives Pressing in variierender Spielfeldhöhe

Gestaltung der Offensive

Beginnen wir beim Spielaufbau der Leipziger. Hierbei sind repetitive Muster erkennbar, die Charakteristika der Mannschaft unterstreichen. Insgesamt tragen die beiden Innenverteidiger selten zu einer strukturierten Spieleröffnung über flache Pässe bei. Beide rücken nach außen – ungefähr auf die Breite der kurzen Strafraumseiten – und schlagen oftmals einen langen Ball nach vorn.

Gelegentlich wird der Ballführende rasch angelaufen und weiß sich gar nicht anders zu helfen, als das Spielgerät nach vorn zu schlagen. Es mangelt der Innenverteidigung ein Stück weit an Pressingresistenz oder der entsprechenden Unterstützung aus dem Mittelfeld. Sie lassen sich häufig schnell nach außen treiben und sind somit anfällig für gegnerische Bogenläufe von innen in Richtung des Flügels.

Hin und wieder kippt ein Sechser, insbesondere Ilsanker, nach hinten, aber normalerweise positionieren sich beide Sechser hinter der ersten Pressinglinie. Erhält ein Sechser den Ball in dieser Zone, schiebt sein Nebenmann nach, wenngleich die Angriffsreihe bereits überladen ist.

2016-03-02_Leipzig-Heidenheim_Spielaufbau

Gegen Heidenheim: Ein Sechser fiel zurück und erhielt ein kurzes Zuspiel, während sein Nebenmann nach vorn stieß.

Die Positionierung der Außenverteidiger variiert. Wird ein langer Schlag in der frühen Phase des Spielaufbaus planmäßig ausgeführt, schieben sie zügig nach vorn. Es gibt jedoch ebenso Szenen, in denen der ballferne Außenverteidiger zunächst tief positioniert bleibt und erst in der zweiten Phase aufrückt. Dies war vor einigen Wochen vor allem zu erkennen, als RBL vermehrt Angriffe über die eigene linke Seite vorantrieb, während der Rechtsverteidiger nahezu auf Höhe der beiden zentralen Abwehrspieler blieb.

Apropos Rechtsverteidiger: Mit Kaiser als Rechtsaußen wird die Außenbahn des Öfteren geöffnet, weil der 27-Jährige in die Mitte geht und seinen Bewacher mitzieht. Mit anderen Spielertypen auf jener Position ergeben sich eher Dopplungen, die mit recht klassischen Bewegungen wie etwa dem Hinterlaufen des Außenverteidigers ausgeführt werden. Kaisers Einrücken eröffnet vor allem interessante Optionen, wenn sich Leipzig bei Angriffen auf die linke Seite konzentriert, wo ein recht konventionelles Linksverteidiger-Linksaußen-Pärchen aufgeboten wird. Kaiser öffnet mit seinen Bewegungen die ballferne Seite, die dann mit einem Verlagerungsball angepeilt werden kann. Aufgrund des zunächst passiven Verhaltens des Rechtsverteidigers können diese Seitenwechsel einen Überraschungseffekt mit sich bringen.

2016-04-02_Leipzig-Bochum_ballferne-Seite

Gegen Bochum: Kaiser schob nach innen und öffnete die Außenbahn für Klostermann, der zunächst an der Mittellinie positioniert war und den aufgerückten Linksaußen des Gegners bewachte.

2016-02-19_Leipzig-Union_ballferne-Staffelung

Gegen Union: Halstenberg hält sich mit einem Vorstoß zurück, sodass die Optionen für Forsberg am Ball limitiert sind.

Seitliche Verlagerungsbälle auf die offenere ballferne Seite sind ebenso ein Mittel, dass die Sechser im Spielaufbau nutzen, um sich vor einer drohenden Umklammerung zu retten oder da ihnen kurze Anspieloptionen fehlen.

Ein Problem, das immer wieder deutlich wird, besteht in der mangelnden Dreiecksbildung bei RBL. Ihre Flachpassangriffe sind von einer gewissen Fülle an Zwangsentscheidungen geprägt. Der Ballführende besitzt zumeist nur eine sichere Passoption, die aber nicht immer die passende ist, um den Spielzug weiterzuentwickeln. Die Folge sind entweder vorhersehbare Angriffe oder riskante Vertikalpässe, die zu Ballverlusten führen können, während sich nur wenige Leipziger hinter dem Ball befinden.

2016-04-29_Leipzig-Bielefeld_Spielaufbau-Szenen

Gegen Bielefeld: Die Optionen im Spielaufbau waren limitiert. Ein präzises Vertikalzuspiel ermöglichte Raumgewinn und das Vorstoßen ins Offensivdrittel. Anschließend wurde jedoch simpel auf den Flügel verlagert. (Animation)

Im Verlauf von Angriffen ist es folglich keine Besonderheit, dass irgendwann eine kurze oder mittellange Verlagerung auf einen freien Außenbahnspieler erfolgt. Kommt der Pass zumindest aus der Mitte, gibt es die Möglichkeit, den kurzzeitigen Freiraum für eine Beschleunigungsphase zu nutzen.

2016-04-15_Leipzig-Sandhausen_Raumaufteilung

Gegen Sandhausen: Wieder hielten sich viele Spieler ganz vorn auf. Der für den Rechtsverteidiger geöffnete Raum wurde mit einem Verlagerungsball genutzt.

Problematischer sind unterdessen lasch gespielte Flügelangriffe, bei denen der Ball lediglich drucklos die Außenbahn entlang oder in den Halbraum gelobbt wird. Ähnlich verhält es sich bei einigen Flanken, die zu früh beziehungsweise aus dem Halbfeld in den Sechzehner geschlagen werden und oftmals geblockt werden oder im Rücken der Angreifer landen.

2016-04-11_Düsseldorf-Leipzig_Ballverlust

Gegen Düsseldorf: In dieser Szene wurde der Ball nur zu einem eng gedeckten Spieler gelupft, der mit diesem Zuspiel wenig anfangen konnte. Unnötig verlor Leipzig den Ball.

Diese Angriffe sind leichter als etwaige diagonale Kombinationen zu verteidigen. Durchbrüche nach simplen Flügelangriffen werden hauptsächlich über Flachpass-One-Touch-Kombinationen kreiert. Gerade gegen passive und manndeckende Gegner können Anspiele auf ausweichende Stürmer zum Herausrücken eines gegnerischen Verteidigers führen, wodurch wiederum eine kurze Ablage und ein anschließender Pass in die geöffnete Zone in der gegnerischen Viererkette möglich sind.

Lösen wir uns einmal von den Spielzügen, die als zentrales Element eine Reihe an Flachpässen oder gelupften Zuspielen haben, dann sind es vor allem lange Bälle, die Leipzigs Angriffsspiel prägen. Dabei schwankt der Grad der Vorbereitung dieser Schläge. Hin und wieder sind die Spieler der Angriffsreihe noch nicht so gestaffelt, dass sie entweder Kopfballverlängerungen verwerten oder effektiv um zweite Bälle mitkämpfen können.

2016-04-11_Düsseldorf-Leipzig_langer-Ball

Gegen Düsseldorf: Gulácsi wurde angelaufen und schlug den Ball in die Zone der Doppelspitze.

Hinzu kommt, dass Torhüter Gulácsi, der nach der Verletzung Fabio Coltortis zeitweilig zum Einsatz kam, den Ball zum Teil im hohen Bogen nach vorn schlägt. Selke und Poulsen bieten Stärke in Luftduellen – und sie positionieren sich meist eng hinter- oder nebeneinander, wenn sie als Doppelspitze auf dem Rasen stehen. Aber selbst diese beiden Angreifer haben Schwierigkeiten aufgrund der Bogenbälle Druck bei Weiterleitungen zu erzeugen. Coltortis Abstöße sind hingegen hilfreicher, um zum Beispiel einen Flügelraum anzupeilen und Zweikämpfe zu forcieren.

2016-05-08_Leipzig-Karlsruhe_Abstoß

Gegen Karlsruhe: Abschlag von Coltorti

Interessanterweise zieht sich ein Fokus auf raumüberbrückende Zuspiele über das komplette Spielfeld durch. Die laschen Vertikalbälle auf den Flügeln wurden ebenso wie die Schläge von ganz hinten bereits angesprochen. Zusätzlich werden in der mittleren Phase von Angriffen manchmal halbhohe Verlagerungen aus der Mitte in Richtung eines Flügelstürmers, der sich am Rand der gegnerischen Viererkette positioniert, gespielt. Auch hier ergibt sich kein wirklicher Fluss.

Effektiver sind die Leipziger, wenn es ihnen gelingt, die situative Dynamik eines Spielzugs aufrechtzuerhalten. Mit schnellen Aufbaupässen können sie einen Schnellangriff einleiten. In den höheren Spielfeldzonen müssen sie jedoch clevere kurze Ablagen nach Steilpässen in die Spitze oder in die hohen Flügelzonen nutzen. Das Prinzip des Raumgewinns über das Pass-Ablage-Pass-Schema scheint in diesem Fall angebracht, weil es den Rhythmus und die Intensität hochhält. Ähnliches gilt für schnelle Doppelpässe und Direktkombinationen, die jene individuelle Qualität der Offensivakteure verdeutlichen.

Das Ablagen- und Vertikalpassspiel ist ein effektives Mittel gegen Mannorientierungen, während eine träge Drehung des Ballempfängers um seinen jeweiligen Gegenspieler zu einer Verzögerung der gesamten Aktion führen würde. Dabei bevorzugen die Leipziger doch Intensität und eine stets hohe Spieldynamik, auf diese sie am besten reagieren.

(Daten von Bundesliga.de, Stand: 15.05.2016)

Anpassungen gegen Manndeckung

Das Verteidigungsprinzip Mann-gegen-Mann ist in der 2. Bundesliga weit verbreitet. Für eine Mannschaft wie RB Leipzig, die häufig aus dem offenen Aufbau heraus einen Angriff starten muss, stellt sich unweigerlich die Frage, wie sie die Manndeckungsschemen aushebeln kann.

Rangnick kann dabei auf einen simplen wie wirkungsvollen Kniff zurückgreifen. Die Formation mit der Doppelspitze Poulsen und Selke bietet hierbei Optionen gegen mannorientierte Verteidigungen. Entsprechende Anpassungen gab es beispielsweise zur Halbzeitpause gegen Bochum oder auch nach 45 Minuten gegen Düsseldorf. Im Duell mit den Rheinländern ging Poulsen kurz nach der Pause auf die rechte Seite und brachte eine Hereingabe auf den eingewechselten Selke.

Insbesondere wenn sich beide Angreifer breit positionieren und sich die beiden Flügelstürmer in einem 4-2-2-2 hinter ihnen aufhalten oder in die Mitte rücken, gibt es bei vielen Teams Zuordnungsprobleme. Kaiser oder ein anderer Sechser kann entsprechend vorstoßen und eine Raute bilden, die kleinräumige Kombinationen erleichtert.

Dies sind positive Ansätze im Ballbesitzspiel, die es jedoch auszubauen gilt. Denn RBL tut sich grundsätzlich immer noch schwer, eine effektive Staffelung zu kreieren, die ihnen Erfolgsstabilität bei eigenem Ballbesitz bietet.

Nicht selten steht das zweite Band zu flach und es mangelt an vertikaler Staffelung. Oder zu viele Spieler rücken zu früh in die Spitze, wodurch lediglich schwer anspielbare Zonen überladen werden, anstatt mehrere Dreiecke von hinten nach vorn zu bilden. Durch die Überladung der vordersten Linie werden automatisch mannorientierte Verteidigungen zusammengezogen, was den Kampf um Abpraller und lose Bälle erschwert.

Das (verzögerte) Nachstoßen aus dem zentralen Mittelfeld und über die Außenbahnen ist ein Ansatz, um zweite Bälle zu erobern und die Dynamik von mehreren kurz aufeinanderfolgenden Umschaltmomenten gegebenenfalls zu nutzen – oder schlichtweg den Ballbesitz in der Nähe des gegnerischen Strafraums zu sichern. Allerdings stehen die Angreifer meist sehr gleichmäßig in der Horizontalen verteilt. Ohne gezielte Überladung einer Seite bleibt es schwierig, den potenziellen gegnerischen Ballführenden per Gegenpressing unter Druck zu setzen. Der Grundgedanke ist klar erkennbar, aber es gibt noch Mängel in der Ausführung.

Gerade wenn Leipzig unbedingt einen Treffer braucht, kann dies zuweilen frustrierend sein. Sie sind hin und wieder auf individuelle Geistesblitze, improvisierte Kombinationen oder ihre Stärke bei offensiven Standards angewiesen. Bei Eckbällen beispielsweise gibt es Schemen, die schon das eine oder andere Tor einbrachten.

2016-03-02_Leipzig-Heidenheim_Eckball

Gegen Heidenheim: Ein exemplarischer Eckball von RBL

Projekt Poulsen

Nicht nur bei ruhenden Bällen ist Poulsen ein maßgeblicher Fokuspunkt. Er ist generell eine immens wichtige Komponente im Offensivspiel von RBL. Der Däne hat eine interessante Entwicklung in den vergangenen Monaten durchgemacht. Noch zu Saisonbeginn neigte er zu oft zu eigensinnigen Dribblings, ohne jedoch die Geschmeidigkeit eines Forsberg zu besitzen.

Poulsen wirkte damals noch wie ein physisch imposanter Stürmer, der mit dem Kopf durch die Wand wollte und dabei jedoch nur den Angriffsfluss seiner Mannschaft zunichtemachte. Nicht selten endeten seine Dribblings damit, dass er auf seinen Gegenspieler prallte und der Ball schlussendlich verloren ging. Da er bisweilen zusammen mit Selke in der Spitze aufgeboten wird, ist es für die Leipziger erfreulich, dass Poulsen mittlerweile bei Aktionen auf den Flügeln, das Spielgerät schneller an einen Mitspieler weiterleitet.

Hinter der Verpflichtung von Selke im Sommer 2015 stand insofern ein Fragezeichen, da der Ex-Bremer ebenso wie Poulsen ein tororientierter Angreifer ist. Doch Poulsens Lernprozess macht den Dänen zu einem kompletteren Stürmer. Er kann auf die Außenbahn ausweichen und seine Kollegen im Angriff bedienen.

Poulsen bleibt trotzdem eine wichtige Waffe im Offensivzentrum, da er mit seinem Körper den Ball für einige Augenblicke halten kann, um anschließend Ablagen auf Sabitzer oder Forsberg zu spielen, und somit das Konterspiel der Leipziger verbessert. Die Komplettierung oder zumindest die Ergänzung der Hauptelemente seines Spiels stellt einen wichtigen Schritt für Leipzigs Offensive dar. Im Gegensatz zu den Anfangsmonaten der Saison operieren die Sachsen nun nicht mehr mit einem rohen Talent, das man viele Fehler zugestehen muss, sondern sie besitzen einen Mittelstürmer, der neben seiner Durchschlagskraft im Strafraum auch konstant zur erfolgreichen Gestaltung von Spielzügen beitragen kann.

Verstärkte Defensivabsicherung

Gegen den Ball arbeitet Poulsen in vorderster Front als Teil einer den Statistiken zufolge stabilen Defensive. In der laufenden Saison kassierte Leipzig 31 Gegentore und ließ pro Partie 9,2 gegnerische Schüsse zu. Nimmt man allein die Gegentreffer, ist RBL das defensivstärkste Team der Liga.

(Daten von Bundesliga.de, Stand: 15.05.2016)

Allerdings offenbaren die Roten Bullen gelegentliche eine defensive Anfälligkeit, sofern ihr Pressing nicht greift. Sie dominieren nicht in jeder Szene die Eins-gegen-Eins-Situationen im eigenen Defensivdrittel, obwohl ihre mannorientierte Spielweise aufgrund der individuellen Qualität zumeist aufgeht. Zusätzlich vernachlässigen sie gelegentlich den Raum vor der eigenen Innenverteidigung.

Die Sechser stoßen im Pressing meistens nach vorn, um die vordere Linie zu unterstützen, generieren allerdings nicht immer Zugriff und verfügen über keine Rückfallstrategie – sprich, es gibt anscheinend keinen Trigger, womit ihr Aufrücken abgebrochen wird und sie den Rückzug antreten. Auch beim Übergang von Flügel- auf Zentrumsverteidigung sind leichte Lücken und Positionierungsfehler erkennbar.

Gegen Union: Leipzig in der typischen 4-2-4-Verteidigungsformation mit mannorientierter Ausrichtung hinter der ersten Linie.

Spielt der Gegner steil einen Stürmer an, der sich aus dem Angriffszentrum etwas nach hinten fallen lässt, geht ein Leipziger Verteidiger mannorientiert mit, statt kontraintuitiv in der letzten Linie zu bleiben und die Schnittstellen zu verdichten. Folglich können kurze Ablagenpässe eines Stürmers dazu führen, dass die Situation geöffnet wird. Der nächste Ballempfänger steht mit dem Blick zum Leipziger Tor vor der Abwehr von RBL, kann auf die Bewegungen seines Verfolgers reagieren und die Räume überblicken. Er erhält gegebenenfalls einen optimalen Pass- und Blickwinkel auf das partiell geöffnete Zentrum.

2016-05-09_Leipzig-Zwischenlinienraum

Ein theoretisches Beispiel für Leipzigs Anfälligkeit, wenn sie zu stark aufrücken und einen langen Ball nur unzureichend verteidigen können.

Zuweilen vernachlässigt Leipzig die Absicherung des Abwehrzentrums. Selbst bei vorhersehbaren langen Bällen stehen die beiden Innenverteidiger teilweise in Gleichzahl gegen den Sturm des gegnerischen Teams. Auch bei lang geschlagenen Freistößen kann dies der Fall sein, wie etwa beim Gegentor im Spiel in Nürnberg deutlich wurde. Hierbei standen mehrere Spieler unbeteiligt im toten Raum, während der Passempfänger wenig Druck in seiner Umgebung verspürte.

2016-03-20_Nürnberg-Leipzig_Freistoß-Verteidigung

Gegen Nürnberg: Vor einem Gegentor war Leipzig nicht präsent genug im Raum vor der Viererkette. Eine Weiterleitung genügte, um die Verteidigung von RBL in Schwierigkeiten zu bringen.

Interessanterweise deutete sich zuletzt eine Änderung der Defensivstaffelung an, als sich Ilsanker zum Beispiel im Heimspiel gegen Sandhausen defensiv wie offensiv nah vor den Innenverteidigern positionierte. Ähnlich war es zuletzt beim Aufstiegsspiel gegen den Karlsruher SC. Ilsanker stand bei den Innenverteidigern und deutete dem ballnahen Abwehrakteur per Handzeichen an, dass dieser weiter nach außen rücken sollte, um beim Flügelangriff oder Einwurf eine Anspielstation im Rückraum zu offerieren. Ebenso hielten sich beide Sechser bei der Verteidigung eines langsamen gegnerischen Spielzugs nur wenige Meter vor der Viererkette auf.

2016-04-15_Leipzig-Sandhausen_Aufbau-Staffelung

Gegen Sandhausen: Leipzig hatte bei eigenem Rückstand gegen das unangenehme 4-3-3-0 des Gegners große Probleme. Ilsanker ließ sich vor oder zwischen die Innenverteidiger zurückfallen.

2016-05-08_Leipzig-Karlsruhe_Absicherung

Gegen Karlsruhe: RBL war mit drei Akteuren vor der Abwehrreihe präsent, wenn der KSC recht langsam den eigenen Angriff aufbaute.

Timing im Pressing

Nachdem der Aufstieg in die 1. Bundesliga feststand, ließ Co-Trainer Achim Beierlorzer in wenigen Worten die Leistung Revue passieren. Er bezeichnete das Spiel gegen den Ball als „Stärke der ganzen Saison“ und sprach zudem davon, diese Komponente auch zukünftig weiter voranzubringen und in der Offensive davon zu profitieren.

Leipzig kämpfte allerdings des Öfteren mit dem Problem, dass viele Zweitligateams unpressbar sind. Hohes Pressing ist eine der Hauptkomponenten im Spiel von RBL. Allerdings schlagen Gegner zum Teil derart schnell den Ball nach vorn, ohne Ambitionen einen geordneten Spielaufbau zu zeigen, dass Leipzigs Pressing überhaupt nicht greifen kann.

Hinzu kommt, dass Rangnicks Team in manchen Partien dazu neigt, etwas zu plump vorzugehen. In diesen Fällen fehlt es an herausrückenden Bewegungen, da RBL beispielsweise schon beim Abstoß des Torhüters oder vorm ersten Aufbaupass die tiefen Passoptionen des Gegners zustellt, aber beispielsweise die Flügelzonen offen lässt. Ein Team, das sowieso relativ ambitionslos in der Spieleröffnung operiert, wird damit automatisch zu halblangen oder langen Pässen getrieben, während Leipzig die möglichen Anspielzonen nur teilweise sichert.

2016-04-02_Leipzig-Bochum_Pressing

Gegen Bochum: Leipzig stellte frühzeitig die kurzen Anspielstation des Torhüters zu, war aber auf den Außenbahn offen. Die beiden Außenverteidiger von RBL waren bereits gebunden.

Viel effektiver ist das Pressing der Leipziger, wenn sie auf einen seitlichen Initialpass warten (hier eine Szene im Video), der dann wiederum als Trigger dient, damit sich die erste Pressinglinie ballnah zusammenzieht und gleichzeitig die zweite Reihe in kompakter Staffelung die Räume zuschieben kann beziehungsweise die Anspielstationen zustellt, um ungenaue Schläge des Gegners zu erzwingen.

2016-03-02_Leipzig-Heidenheim_Pressing-Szenen

Gegen Heidenheim: Die Leipziger warteten, bis der horizontale Pass erfolgte. Anschließend wurde sehr schnell Druck auf dem Flügel ausgeübt. (Animation)

Zuletzt zeigte sich RBL jedoch noch flexibler im Pressing, da sie in manchen Situationen abwartender vorgingen. Gegen Kaiserslautern zum Beispiel (hier eine Szene im Video) attackierte die erste Linie nicht unvermittelt die Aufbauspieler, sondern verschob lediglich mit Ball und zeigte zudem gute Mechanismen bei der Umformung der ersten Reihe sowie der Übergabe von Gegenspielern.

2016-04-25_Kaiserslautern-Leipzig_Pressing-Szenen

Gegen Kaiserslautern: Leipzig verschob mit den Bewegungen des Balles und wechselte fluid von Vierer- auf Dreierreihe und zurück. (Animation)

Gegen den Karlsruher SC und dessen Aufbaureihe mit Torwart reagierten sie ähnlich. Die Leipziger konnten hierbei keine Eins-zu-Eins-Zuteilung ausspielen und konzentrierten sich auf die Blockade der offensichtlichen Passwege sowie eine flexible Bewachung von mehreren Anspielstationen hinter der ersten Pressinglinie.

2016-05-08_Leipzig-Karlsruhe_Pressing-Torwartkette

Gegen Karlsruhe: Gegen die Torwartkette des KSC gab es eine abgewandelte Zuteilung. Auf der linken Seite positionierten sich beide Leipziger zwischen den Gegenspielern, um flexibel zugreifen zu können.

Derartige Szenen ermöglichen einen besseren Blick auf die grundsätzliche Qualität der Leipziger Pressingmechanismen, weil die Konstanz der Abläufe getestet wird – im Vergleich zu den ansonsten kurzen Sequenzen, die aufgrund des schnellen Bolzens des Gegners rasch beendet werden.

Umschaltmomente als zentrales Ziel

Die Leipziger variieren ihr offensives Umschaltspiel nach Ballgewinnen. Fangen sie das Spielgerät erst sehr tief ab, erfolgt oftmals ein kurzer Rückpass auf die Innenverteidiger, um das Spiel neu aufzubauen. In diesen Momenten geht RBL wie eine dominante Spitzenmannschaft vor, die nicht um jeden Preis und kopflos den Umschaltangriff sucht.

Die besten Szenen entwickeln sich für die Roten Bullen nach Ballgewinnen um die Mittellinie herum, weil so einerseits die Distanz bis zum gegnerischen Tor überschaubar ist und sie andererseits ihre vier Angreifer schnell ins Spiel einbinden können. Viel beruht hierbei auf den Improvisationsfähigkeiten von Poulsen, Forsberg und Co. Die Kombinationen folgen nicht unbedingt einem bestimmten Muster, sind aber zumindest mit Tempo gespielt.

Problematischer ist derweil das Ausspielen von Kontern. Leipzig bricht nicht selten mit drei oder vier Stürmern durch und rennt auf die Restverteidigung des Gegners zu. Allerdings erscheinen die Laufwege der Spieler, die sich als Anspielstationen seitlich anbieten, zu flach, wodurch Gegner selbst in Unterzahl noch die Möglichkeit haben, die Passwege zu blockieren.

Erfolgsversprechender sind folglich schnelle Ballgewinne am gegnerischen Strafraum, nachdem der Ball zuvor nach vorn geschlagen wurde. Ähnlich wie bei den Umschaltangriffen von der Mittellinie aus, die durch die Pressingmechanismen gegen den offenen Spielaufbau des Gegners erzeugt werden, könnte auch Leipzigs Gegenpressing eine Waffe sein. RBL verfügt zumindest über die individuelle Qualität im Gegenpressing und alle Akteure sind gewillt, nach Ballverlusten direkt wieder zu attackieren.

Allerdings ist diese Effizienz bisher nur in Ansätzen zu erkennen. Beispielsweise bei Ballverlusten auf den Flügeln im Verlauf von langsamen Ballbesitzphasen bewegen sich zwei bis drei Leipziger zum Ball, können aber den Gegenspieler nur festmachen, sofern die Seitenlinie als zusätzlicher Verteidiger greift und der ballführende Akteur keine Zeit für eine kurze Ausholbewegung hat. Andernfalls schlagen die Gegner den Ball schnell über den Flügel.

Der Wille, den Ball zügig zurückzuerobern, kann derweil die Konteranfälligkeit der Leipziger erhöhen. Beide Außenverteidiger befinden sich in letzter Phase eines Angriffs, der nicht als Schnellangriff gespielt wird, am oder im Sechzehnmeterraum. Folglich sind die Flügelzonen hinter ihnen anfällig, sofern kein Zugriff auf den Ball besteht.

Ähnlich verhält es sich, wenn sich Leipzig am Flügel festdribbelt. Beim Gegentreffer in der Partie gegen Heidenheim zum Beispiel gelangte der Ball über einen Abpraller hinter die vordere Linie von RBL. Vier Akteure waren damit aus dem Spiel. Ein simpler langer Ball über die Außenbahn kreierte eine Eins-gegen-Eins-Situation im defensiven Flügelraum, während das Zentrum weitestgehend offen war und nur ungeordnet verteidigt werden konnte. Ein Pass in den Rückraum ermöglichte schlussendlich den Treffer.

2016-03-02_Leipzig-Heidenheim_Gegentor

Gegen Heidenheim: Vorm Gegentreffer gelangte der Ball hinter die vier Angreifer Leipzigs.

Unvorbereitetes Gegenpressing

Es wurde bereits angedeutet: Pressing wie Gegenpressing sind in der 2. Bundesliga grundsätzlich schwierig anzuwenden, weil viele Defensivreihen sehr rasch den Ball bolzen oder auch nur einige Meter aus der Gefahrenzone befördern, wenn sie gegen ein Top-Team wie Leipzig spielen. RBL selbst braucht jedoch meist einen Moment, bevor sie Zugriff im Gegenpressing durch eine Verschiebung zum Ball erzeugen können. Da fliegt das Spielgerät meist schon zurück zu den Innenverteidigern der Sachsen.

Sie kommen dadurch direkt wieder in Ballbesitz, aber es gibt nicht den gewünschten Gegenpressingeffekt, da sie erneut den Angriff von hinten starten müssen. Im schlechtesten Fall wiederholen sie den Vorgang und schlagen die Kugel erneut in Richtung der Abseitsgrenze.

Leipzigs Schwäche im Ballbesitzspiel wirkt sich unmittelbar auf ihre Gefährlichkeit im Gegenpressing aus. Aus der Tiefe spielen sie ohne große Vorbereitung und damit ohne Überladung bestimmter Zonen lange Bälle zur vorderen Linie. Die gegnerischen Abwehrspieler verspüren folglich keinen Druck im Rücken und die Gegenpressingbewegungen Leipzigs erfolgen nur in eine Richtung.

2016-05-09_Leipzig-Gegenpressing

Theoretisches Beispiel: Der lange Ball landet, wie in vielen Fällen, beim Gegner. Aufgrund der flachen Staffelung, gibt es keine Möglichkeit, unmittelbar Druck auf den neuen Ballführenden auszuüben.

Ihr Gegenpressing hätte mehr Potenzial, würden sie den Zwischenlinienraum oder das (nicht vorhandene) zweite Band anspielen und eine gestaffelte Raumbesetzung nutzen. Sie könnten den gegnerischen Ballführenden so von mehreren Seiten einkreisen. Mit einer flachen Angriffsreihe an der Abseitsgrenze sind ihre Optionen hingegen sehr limitiert.

Der Grundsatz, dass normalerweise ein zumindest passables Ballbesitzspiel die Grundlage für wirksames Gegenpressing darstellt, wird hierbei deutlich.

Nächster Schritt

Bereits bevor die Gerüchte um die Verpflichtung von Ralph Hasenhüttl als neuen Cheftrainer für die kommende Saison heiß wurden, hatte ich einige Gedankenspiele vorgenommen und mich gefragt, welche aktuelle Mannschaft eine Art Weiterentwicklung zum System Leipzigs darstellen könnte.

Bayer Leverkusen spielt, aufgrund der konzeptionellen Verwandtschaft wenig überraschend, ähnlich wie Leipzig. Der FC Augsburg geht strategisch flexibler vor und ist nicht zwangsläufig auf hohes Pressing ausgerichtet. Aber der FC Ingolstadt, Hasenhüttls bisherige Arbeitsstätte, offeriert eine interessante Alternative zu RBL, ohne dabei das bestehende System in seinen Grundsätzen aufzugeben.

Der FCI agiert im Pressing normalerweise aus einer 4-3-3-Grundordnung heraus. Gegen eine Torwartkette oder eine Aufbaureihe mit abgekipptem Sechser stehen die Oberbayern folglich in Gleichzahl. Das Dreiermittelfeld manndeckt unterdessen die Anspielstation hinter dem ersten Block. Nach einem Pass auf den Flügel lösen sich die Mittelfeldakteure jedoch davon. Der ballnahe Achter schiebt zum Spielgerät. Der ballferne Achter schiebt in den Rücken der pressenden Mitspieler, während sich der ballferne Flügelangreifer nach hinten fallen lässt.

2016-04-30_Ingolstadt_Pressing-Szenen

So sieht Ingolstadts erste Pressingphase im 4-3-3/4-1-4-1 aus. (Animation)

Der Vorteil dieser Spielweise gegenüber dem RBL-System liegt darin begründet, dass die Ingolstädter bis zu jener Phase in der sie den Gegner schon auf eine Seite gelenkt haben und dorthin nachrücken können, aus einer kompakten Defensivordnung heraus agieren können. Zur Verteidigung langer Bälle im gegnerischen Aufbau haben die Ingolstädter deshalb genug Spieler im Zentrum. Erkauft wird dieser Vorteil mit einer höheren Laufleistung und insgesamt mehr und längeren intensiven Läufen in der zweiten Phase des Pressings. Leipzig deutete 4-3-3-Ansätze bereits mit dem erwähnten Zurückfallen des ballfernen Flügelspielers an. Aber die Roten Bullen rücken trotzdem situativ noch zu ungestüm mit vier Akteuren auf einer Linie nach vorn.

Interessant wären etwaige Rautenansätze, die Hasenhüttl in der Rückrunde bei Ingolstadt ausprobierte. Poulsen und Forsberg als breite Spitzen mit Sabitzer, der zwischen Spitze und Zehnerposition pendelt, in der Mitte. Auch aus dieser Formation könnten sich einige Umformungen ergeben, die das Pressingspiel Leipzigs unvorhersehbarer machen würden.

In jedem Fall ist Hasenhüttl mit Hinblick auf die Arbeit gegen den Ball, die laut Aussage der handelnden Personen weiterhin der Fokuspunkt des Systems darstellen soll, ein interessanter Trainer, der den geplanten Rückzug Rangnicks vom Trainerstuhl kompensieren kann und im besten Fall für die Leipziger die Mannschaft sogar weiterentwickelt.

Personeller Nachbesserungsbedarf

Für dieses Unterfangen wird RBL sicherlich auf dem Transfermarkt tätig. In Anbetracht des aktuellen Kaders und in der Annahme, dass kein Schlüsselspieler den Club im Sommer verlässt, gibt es einige wenige Kaderstellen, die einer Aufbesserung bedürfen.

Leipzig verfügt über drei qualitativ hochwertige Innenverteidiger. Mit Marvin Compper besitzt das Team einen erfahrenen Abwehrakteur, der Nukan und Orban zur Seite gestellt werden kann. Trotzdem ist es wohl notwendig, noch einen pressingresistenten und folglich aufbaustarken Innenverteidiger als Ergänzung hinzuzufügen. Klostermann, der theoretisch von der Rechtsverteidigerposition nach innen rücken könnte, ist hierfür nicht hundertprozentig geeignet. Somit müsste RBL auf dem Transfermarkt tätig werden. Gegen die zum Teil pressingstarken Bundesligamannschaften wäre es von Vorteil, den Variantenreichtum im Spielaufbau zu erhöhen.

Darüber hinaus könnte die Riege der Sechser Verstärkung gebrauchen. Ilsanker konnte noch nicht sein volles Potenzial abrufen, aber er besitzt auf alle Fälle die Voraussetzungen, um als defensiver Part im zentralen Mittelfeld auch in der 1. Bundesliga zu bestehen. Bei Diego Demme und Rani Khedira bestehen schon eher Zweifel. Gerade Letzterer konnte in der Spielgestaltung nicht immer überzeugen. Kaiser kann hier sicherlich Abhilfe schaffen, aber ein weiterer spielstarker Sechser würde Leipzig gut zu Gesicht stehen – und abhängig von der angedachten Grundordnung und dem dazugehörigen System bräuchten so womöglich sogar zwei weitere Akteure, um die Positionen ausreichend zu besetzen. Vielleicht werden sie in Salzburg fündig.

Hinsichtlich der Stammbesetzung in Leipzigs Offensive gibt es keinen Grund, eine personelle Verbesserung zu fordern. Neben Poulsen und Selke stehen der ehemalige Rostocker Nils Quaschner und der oftmals verletzte, aber nicht minder talentierte US-Amerikaner Terrence Boyd unter Vertrag. Hinter dem nominellen Mittelstürmer sind die Startelfpositionen auch vergeben. Womöglich tut sich auf der rechten Seite eine Lücke auf, sollte Kaiser ins Mittelfeldzentrum zurückrutschen. Und in diesem Kontext wird ein Problem offensichtlich. Leipzig besitzt mit Massimo Bruno eigentlich nur eine ernsthafte Alternative. Also sollte es in jedem Fall Nachbesserungen geben und wenn es nur zur Verstärkung der Kaderbreite geschieht.

Fazit

Kurz nachdem RB Leipzig den Aufstieg in die 1. Bundesliga, das ersehnte Ziel des Clubs, unter Dach und Fach brachte, klingt dieser Text womöglich unangebracht, weil er schlichtweg einen negativen Grundtenor transportiert.

Doch das Anspruchsdenken der Sachsen ist groß und folglich sollte auch die Fehleranalyse umso intensiver und kritischer vonstattengehen. Einige positive Facetten des Leipziger Spiels wurden nur ansatzweise angerissen, wobei ihr situatives Kombinationsspiel sowie das Aufzeigen ihrer Qualität in vielen Bereichen ein Genuss sein kann.

Da aber die Ausrichtung von RBL sehr deutlich auch öffentlich kommuniziert wird, macht es die Bewertung um einiges einfacher, weil sehr deutlich die Schwachstellen in wichtigen Aspekten des Spiels auszumachen sind.

Die sportliche Führung hat nichtsdestotrotz einen wichtigen Grundstein gelegt. Rangnick verfeinerte in dieser Saison das kollektivtaktische Zusammenspiel. Sein Nachfolger ist nun gefragt, den nächsten Schritt für Mannschaft und Club einzuleiten.

Philipp Wolfe 17. Mai 2016 um 21:53

Leider OT: Wird denn wieder eine EM-Vorschau erscheinen und falls ja, wann ungefähr? Die beiden letzten Turnierausgaben waren wirklich großartig!

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TobiT 18. Mai 2016 um 08:55

Das wäre klasse!
Kommt noch was zum letzten Spieltag in den Topligen?

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Izi 12. Mai 2016 um 23:17

Toller Artikel, dessen Grundtenor ich teile: Leipzig ist schon gut und macht viele Dinge richtig, ist aber nicht so stark, wie se die Tabelle aussehen lässt…

P.S. Die Torwartkette des KSC finde ich ja höchst interessant! Machten die das öfter? Gibt’s dazu evtl. einen Artikel?

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CE 13. Mai 2016 um 06:56

Dies wurde vor allem zur Einbindung von René Vollath genutzt, der in der Rückrunde Dirk Orlishausen ersetzt und am Ball recht versiert ist.

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Todti 12. Mai 2016 um 17:31

Ich verstehe schon, dass der Artikel die Kritik am und Ausbaufähigkeit des Systems in den Vordergrund stellt, aber nach dem Lesen ist mir nicht wirklich klar, wie Leipzig denn so erfolgreich sein konnte. Ist es tatsächlich so “einfach“, dass man mit solidem Pressing, ausbaufähigem Gegenpressing und individueller Qualität durchkommt? (Ok CE erklärt es ja am Ende ein wenig.)

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CST 11. Mai 2016 um 16:20

Ihr habt einige sehr, sehr interessante Artikel auf spielverlagerung.com (Bologna, Juventus’ controlled offense)! Werden diese Artikel auf deutsch veröffentlicht? Ich tue mich schwer, einen Taktik-Artikel auf englisch zu lesen…

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CE 11. Mai 2016 um 18:02

Im Moment erfolgt das leider nur sporadisch.

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wewew87 11. Mai 2016 um 16:01

Mochts amoi a sanches analyse 😉

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Lars 11. Mai 2016 um 11:29

„Gegen Union: Leipzig in der typischen 4-2-4-Verteidigungsformation mit mannorientierter Ausrichtung hinter der ersten Linie.“

Bin mir nicht sicher, ob es den Tatsachen entsprach, aber in der entsprechenden Grafik ist Union nur zu zehnt.

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CE 11. Mai 2016 um 13:22

Eigentlich nicht. Es kann sein, dass zu dem Zeitpunkt gerade ein Spieler auf dem Feld fehlte und ich das deshalb übernahm, aber ich bessere das mal aus. Besten Dank, Lars. 🙂

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Koom 11. Mai 2016 um 10:48

Persönlich bin ich mittlerweile immer ein wenig kritisch gegenüber reinen Umschaltteams eingestellt. Ich finde, dass man sich – da fast alle Mannschaften in der BL Umschaltteams sind – da einen Vorteil nimmt und ein Duell auf individueller Klasse / Tagesform / Glück herbeibeschwört. Klar, macht man das Umschalten besser und ist die Klasse höher, dann gewinnt man auch öfter (siehe Mainz) – aber scheitert dann trotzdem gegen Offensivverweigerer (wie Frankfurt).

RBLs individuelle Qualität erscheint mir durch die Bank recht gut zu sein. Behält man das Umschaltspiel bei, dann wird man in der 1. Saison keine Abstiegssorgen haben. Siehe Ingolsstadt, die mit IMO dem schwächeren Kader am Ende der Saison sogar schon fast ans internationale Geschäft vorgestossen sind.

Wer stabil ins internationale Geschäft kommen will, muss aber mehr drauf haben als nur Umschaltfußball oder die eigene Qualität so hoch halten (+nach 2 Saisons den Kader immer erneuern), dass sich keine Nachlässigkeiten einbimsen. Als Beispiel würde ich dafür Leverkusen und Mainz nennen. Beide spielen eigentlich seit Jahren eine Umschaltfußballvariante, wechseln den Kader aber (meist unfreiwillig) durch, spielen ihr Ding aber so konstant runter, dass sie in einer Kurzzeit-„Ewigen Tabelle“ in den Top 5 sicher stehen. Kurz- und mittelfristig sollte das wohl auch das Ziel von RBL werden.

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felixander 10. Mai 2016 um 20:29

Traut sich denn jemand eine Prognose für die kommende Saison zu?
Wird es einen gemächlichen Aufbau geben wie bei Ingolstadt und alles ist mit relativ souveränem Nicht-Abstieg zufrieden?
Oder will man gleich spektakulär einschlagen, wie es damals Hoffenheim gelungen ist? Die Ambition in Leipzig ist ja langfristig sicherlich dauerhaft Top3, oder? Der finanzielle Hntergrund dafür wäre vermutlich vorhanden.

Alles in allem finde ich das Projekt spannend, weil in viel Wissen und Infrastruktur investiert wird und nicht allein in Transfers. Für die meines Wissens nach recht fußballverrückte Region um Leipzig dürfte es auch ziemlich großartig sein, in der BuLi ranzudürfen.

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Goalimpact 11. Mai 2016 um 22:01

Von einer Champions-League-Qualifikation sind sie noch ein gutes Stück entfernt. Mit dem Abstieg sollten sie aber nichts zu tun haben und mit Glück wäre eine Europa-League-Quali drin. Dafür müsste der Kader aber noch verstärkt werden und es muss gut laufen.

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MFR 10. Mai 2016 um 18:21

Sehr gute Analyse!
Deiner Kritik kann ich voll und ganz zustimmen. Vor allem die unpassenden Staffelungen in vorderster Linie haben mich beim Zuschauen regelrecht genervt. Rangnicks Strategie finde ich prinzipiell nicht schlecht, die taktische Umsetzung allerdings nicht immer passend. Letztlich hat RB seine individuelle Qualität mit dieser Strategie gut durchgedrückt. Aber da ist noch viel ungenutztes taktisches Potential vorhanden (z.B. Gegneranpassungen gab es kaum). Dazu kommt noch das Weiterentwicklungspotential fast aller Einzelspieler. Und ein neuer sehr passender Trainer (mit sehr passenden Spielern für seine 4-3-3-Variante). Das könnte nächste Saison eine weiteren Qualitätssprung geben.

Am Besten hat mir RB in dieser Saison gefallen, wenn man 4-3-3-artig formiert war (zugegeben, sehr selten). Da hatte man gute kontrollierte Ballbesitzphasen. Demme und Kaiser hatten damit auf den Halbpositionen sehr passende Rollen. Sabitzer konnte mit seiner Dynamik aus dem Halbraum bzw. von außen gut eingebunden werden.

Den GI von Ilsanker kann ich subjektiv kaum nachvollziehen. Wahrscheinlich ist seine Zweikampfstärke bei den vielen hohen Bällen und bei den Gegenpressingaktionen im Zentrum entscheidend. Mit Ball ist er doch eher eine Schwachstelle.

Demme wiederum hat bei mir subjektiv einen viel besseren Eindruck hinterlassen. Pressingressistent, guter Verbindungsspieler, viele Ballgewinne im Gegenpressing durch seine Dynamik, einige gute Keypässe, wichtig für die Balance.

Ich vermute, dass man sich auf der RV-Position verbessern wird. Klostermanns Idealrolle war das unter Rangnick eher nicht. Im ZM gibt es sicherlich auch dringend Bedarf, da fehlen die Alternativen. Beim Torwart bin ich gespannt. Ein Torwart, den man besser in den Spielaufbau integrieren kann, wäre vermutlich sinnvoll. Obwohl Gulacsi auch noch Entwicklungspotential hat…

Ich bin gespannt auf die Personalplanung und auf das Konzept von Hasenhüttl!

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CE 10. Mai 2016 um 18:34

Besten Dank. Ich sehe Demme nicht so negativ und halte ihn in der Bundesliga für einen Allrounder, der immer in die Mannschaft rutschen kann. Quasi der passende 12. Mann. Ilsanker hat mich erst in der Schlussphase der Saison überzeugt. Sollte sich Leipzig in die Ingolstadt-Richtung entwickeln, könnte er die Roger-Rolle übernehmen und somit den absichernden Sechser geben. Klostermann ist ein sehr guter Athlet, was auch zum Beispiel Neururer in Bochum betonte. Deshalb sehe ich im System schon eine Zukunft für ihn in der Außenverteidigung. Im Zentrum wäre es für Leipzig wünschenswert, wenn ein zusätzlicher spielstarker Innenverteidiger käme.

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MFR 10. Mai 2016 um 22:00

…stimmt, Klostermann ist ein guter Athlet. Etwas „hüftsteif“ zwar, dafür sehr schnell. Aber nach meiner Wahrnehmung hatte er doch ab und an technische Probleme im Kombinationsspiel, wenn RB die rechte Seite mit Kaiser+Demme+Sabitzer+Klostermann überladen hat. Da hat er oft Tempo im Passspiel rausnehmen müssen oder der Ball ging „one touch“ zum Gegner bzw. ins Aus.
Wie siehst Du die Einbindung von Sabitzer? Ich war doch etwas enttäuscht von ihm. Nach meiner Wahrnehmung war er nicht richtig eingebunden bzw. hatte eine unpassende Rolle. Auf jeden Fall ist er mir nicht gerade durch kluges Positionsspiel aufgefallen. Er hatte einige Aktionen, wo er Mitspieler ziemlich hektisch per Handzeichen den Laufweg gezeigt hat, um den Pass dann dorthin zu spielen zu können (der Pass bestimmt den Laufweg???)… Klar, er hatte einige Assists und Tore, aber die hat er vermutlich eher seiner enormen Handlungsschnelligkeit zu verdanken, als einer guten Einbindung. Vielleicht kann ihn Hasenhüttl passender einbinden bzw. ihm ein gutes taktisches Gerüst mitgeben…

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CE 11. Mai 2016 um 08:19

Sabitzer kann nicht so stark zur Geltung kommen, wenn er unablässig an der Abseitsgrenze beziehungsweise direkt vor den gegnerischen Innenverteidigern steht, was in einigen Partien jedoch der Fall war. Eigentlich ist Sabitzer ein guter Zwischenraumdribbler, der Engen kreieren und wieder auflösen kann.

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TobiT 10. Mai 2016 um 18:06

Zu den GI-Diagrammen:
Generell finde ich die Diagramme gut, sie veranschaulichen einige Personalentscheidungen (Talent vor individueller Qualität).
Ich nehme an, dass der Punkt den aktuellen Peak-GI angibt. Dann fände ich es aussagekräftiger, die gestrichelte Linie entlang des „Modell-GoalImpacts“ (gibt es den überhaupt?) durch den Peak laufen zu lassen, statt waagerecht. Auch hätte ich auf der Zeitachse nicht das Alter eingetragen, sondern die Saisons. Damit hätte man – glaube ich – den aktuellen und prognostizierten Leistungsstand noch besser vergleichen können.
Wie gesagt – Kritik auf höchstem Niveau, und vielleicht auch nur persönliche Vorliebe.

Auch den Rest des Artikels finde ich sehr gelungen. Die Grafiken der Spielsituationen zeigen sehr schön Vor- und Nachteile der RB-Philosophie.

Es wird interessant, ob Hasenhüttl der richtige Mann zur richtigen Zeit wird. Durch den Aufstieg sehe ich RB noch nicht gezwungen ein ausgefeiltes Ballbesitz-Konzept zu entwickeln, da sie in Liga 1 erstmal als Herausforderer agieren können. Also ist der Pressingtrainer Hasenhüttl wahrscheinlich die – vorerst – richtige Wahl.

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CE 10. Mai 2016 um 18:10

Die Grafiken hat unser Autor TW erstellt. Er wird deine Anmerkung sicherlich lesen.

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TobiT 10. Mai 2016 um 18:22

Danke für die schnelle Antwort

OT: kannst du sagen, warum das Forum online ist, man sich aber nicht einloggen kann?

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CE 10. Mai 2016 um 18:38

Nein, aber ich habe es weitergegeben.

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TW 10. Juli 2016 um 14:53

Vielen Dank für die Anmerkungen. Du hast Recht, die Punkte stellen den Peak-GI dar, der mit 26 Jahren erreicht wird. Die Idee mit der Alterskurve ist klasse. Leider ist der Verlauf bzw. die Gleichung hinter der Kurve nicht öffentlich, so dass ich diese nicht exakt reproduzieren kann. Durch die waagerechte Verlängerung ist zumindest der aktuelle GI-Wert besser abzulesen.
Ich persönlich bevorzuge das Alter auf der x-Achse. Der Zweck der Grafik ist hauptsächlich der Vergleich der Spieler und über das Alter kann die Entwicklung der Spieler besser verglichen werden.

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tobit 11. Juli 2016 um 10:57

Wenn die Kurve geheim ist, habt ihr natürlich keine Chance.
Man kann so halt das Talent besser erkennen, dafür ist es etwas mühselig die aktuelle Leistungsstärke zu vergleichen.

Was hältst du von den bisherigen Sommereinkäufen?

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Danox 10. Mai 2016 um 17:42

Anfangs der Saison setzte Rangnick noch verstärkt auf das 4-2-2-2 a la Roger Schmidt. Im Laufe der Spielzeit nutzte er diese Grundformation kaum noch, nominierte meist ein 4-2-3-1 mit Sabitzer als 10er bzw. hängende Spitze!
Weiß diesbezüglich jemand etwas Näheres?

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CE 10. Mai 2016 um 18:05

Die Übergänge sind sowieso sehr fließend. Auch mit Sabitzer in der Spitze gab es zum Beispiel 4-2-2-2-Anordnungen. In den ersten beiden Partien funktionierte das Zusammenspiel zwischen und die Einbindung von Selke und Poulsen nicht optimal. In den angesprochenen Blogeinträgen bei mir wird es angerissen.

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manne 10. Mai 2016 um 15:41

Super Analyse, vielen Dank dafür!
Habe diese Saison wegen dem SC Freiburg die 2. Liga relativ intensiv verfolgt und finde den „negativen Grundtenor“ wie du selbst schreibst sehr zutreffend. Zwar wurde mit dem am Ende ungefährdeten Aufstieg trotz starker Konkurrenz (Nürnberg) das Saisonziel erreicht. Leipzig ist für meinen Geschmack aber (zu) selten so dominant und überlegen aufgetreten, wie man es vielleicht hätte erwarten können. Am Ende haben das Pressingsystem und die Defensivstrukturen (Ergebnis: nur 31 GT) in Kombination mit der individuellen Klasse offensiv den Ausschlag für den Erfolg gegeben.
Das ist sicher taktisch mehr und innovativer als das, was viele 1. und 2.-Ligamannschaften machen, mir persönlich fehlt aber (ähnlich wie bei Roger Schmidt in Leverkusen) ein besseres Offensivkonzept im Sinne von Strukturen, die auch gegen tief stehende Gegner und an Tagen, an denen individuell nicht so viel zusammenläuft, regelmäßige Torchancen generieren. An dem Punkt verstehe ich ehrlich gesagt auch die ‚Rangnick-Schule‘ nicht bzw. mir ist nicht klar, warum man bei mehreren Teams solche strukturellen Defizite im Gesamtsystem nicht behebt (klingt hart und ist sicher jammern auf hohem Niveau, würde aber sowohl bei Leipzig als auch in Leverkusen mMn noch ein paar Prozentpunkte rausholen). Die Grundantwort auf alle Fragen sowohl scheint mir immer nur Pressing zu sein, und ich glaub das ist ab einem bestimmten Niveau zu wenig. Ein positives Gegenbeispiel wäre Dortmund in diesem Jahr, die auf der Basis von verschiedenen ‚Pressingarten‘ (Zitat Tuchel „Wir haben das reaktive Element als Basis unseres Spiels total angenommen“) auch ein Positionsspiel spielen oder zumindest Elemente des Positionsspiels eingebaut haben, um strukturell und damit unabhängig von der Tagesform tiefstehende Gegner zu knacken. Muss also alles kein Widerspruch sein.

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TobiT 10. Mai 2016 um 18:20

Zu den Strukturproblemen in Ballbesitz:
Das sieht man bei sehr vielen intensiv und/oder taktisch anspruchsvoll pressenden Teams (Atletico, Klopps BVB, Leverkusen, RB, Ingolstadt). Ein solches Pressing scheint weite Teile der Trainingszeit zu vereinnahmen, sodass weniger Zeit in andere Dinge investiert werden kann. Da aber Regeneration bei der Intensität umso wichtiger wird, bleibt wenig Training für konzeptionelles Ballbesitzspiel.

Zum Dortmunder Pressing:
Ich finde das Dortmunder Pressing für BuLi-Verhältnisse ziemlich unintensiv/passiv. Das liegt für mich in weiten Teilen an Aubameyang, der sich im Pressing fast nur auf Speed verlässt. Mit Ramos sah das Pressing meist kollektiver und intensiver aus, besonders wenn er von Beginn an ran durfte. Da sich Auba im Pressingverhalten kaum verbessert, dafür aber seine Annahmen und Abspiele (viel) sauberer werden, schließe ich ganz kühn, dass Tuchel weniger Zeit in ausgefeiltes Pressing investiert.

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CE 10. Mai 2016 um 15:05

Wer an Teamanalysen interessiert ist, der kann auch gerne unsere englischsprachige Seite besuchen. Aktuell haben wir dort eine Analyse zu Leicester City (von mir) und eine zu Napoli (von Judah). Ein Porträt zu Empoli wird in Kürze erscheinen.

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