Schubert mannorientiert, Pep desorientiert

Der Gegner spielt mit Dreierkette, die Bayern nicht. Das Ergebnis kann man daran allein nicht festmachen. Letztlich war eine in der entscheidenden Spielphase bessere Ausrichtung des Dreiermittelfelds hauptursächlich für den Gladbacher Sieg.

War Pep Guardiola aufgrund der engen Personallage in seinen personellen und formativen Variationsmöglichkeiten ein wenig eingeschränkt, so dass er vom Grundprinzip – Boateng aber durchgehend in der Innenverteidigung – eine ähnliche Spielweise wie gegen Hertha aufzog, sorgte ausgerechnet der bisher so 4-4-2(-0)-lastige André Schubert für eine überraschende Umstellung: Gladbach begann mit Dreierkette. Es handelte sich dabei um eine prinzipiell 3-1-4-2/3-5-2-artige Formation, die zunächst mutig ausgelegt und in der Anfangsphase mit hohem Zustellen verbunden wurde.

Schuberts Defensivkonzept mit Mannorientierungen

bmg-fcb-2015Vorne bewegten sich die beiden Angreifer in die Nähe der Münchener Innenverteidiger, dahinter konnte das Dreiermittelfeld gegen die bayerische 4-3-3-Anordnung immer wieder situative oder konstantere Mannorientierungen aufnehmen, die sich verschiedenartig gestalteten und generell prägend werden sollten. Ging der Ball zum Flügel, rückte der dortige Außenspieler der Borussia attackierend heraus, während sein Pendant sich ballfern etwas zurückziehen und im Ausgleich dieser Pendelbewegung situativ zur Viererkette auffüllen konnte. Das Mittelfeld schob in dieser Situation derweil sehr weit mit herüber und praktizierte diese Raumverengung zwischenzeitlich fast zu riskant.

Situative Viererkettentendenzen waren nicht nur durch die Flügel, sondern auch die Rolle von Xhaka möglich. Der Gladbacher Kapitän bewegte sich weiträumig, etwas wechselhaft und fiel häufig absichernd in die letzte Linie zurück. Manchmal sicherte er damit das mannorientierte Herausrücken eines Verteidigers ab, manchmal war es aber auch unabhängig davon und etwas unpassend. Überhaupt prägten viele, teils mit Abstand vorsichtige, Mannorientierungen das Bild, mit denen sich die Hausherren teilweise über das ganze Feld am Gegner ausrichteten. Im Mittelfeld konnten die Zuordnungen nach der Rückzugsbewegung nach vorne rutschen – Achter gegen Achter, Stindl übernahm Xabi Alonso und 3-1-4-2 wurde 3-5-1-1-haft.

Tiefer Ballbesitz und Durchbruchsansätze des Bayern-Sturms

Die Münchener mussten das Leder letztlich lange hinten herum laufen und teilweise Neuer im Strafraum ballhaltend stehen lassen. Gelegentlich konnten sie mal Freiräume mit halblangen Lupferpässen bedienen – wenn Korb zu aggressiv vorrückte und Rafinha Coman bedienen konnte oder sich mal einer der Mittelfeldakteure im Rücken der Achter befreite und gleichzeitig Xhaka zu tief zurückfiel. Auch die rechte Münchener Seite tat sich hier am Anfang einige Male hervor, da Lewandowski mit sehr konsequenten Ausweichbewegungen Müller unterstützte und vereinzelt die Gladbacher Restverteidigung überladen konnte. Hier verbuchten die Münchener einige gefährliche Durchbruchsansätze.

Über weite Strecken ließ sich vor allem der Pole ballfordernd in die Tiefe, häufig nach halbrechts fallen, während Müller ihm als Raumblocker diente. In diesen Fällen gestaltete sich die Wirksamkeit aber sehr wechselhaft, da Xhaka in den freien Momenten ohne Mannorientierung (oder statt dieser) seinerseits gelegentlich dann Lewandowskis Bewegungen verfolgte und die von diesem anvisierten Lücken mannorientiert zugelaufen werden konnten. Auf der anderen Seite wurden im Münchener Angriff, wie zu erwarten, die Dribblings von Kinsgley Coman fokussiert, der sich durch die vielen klaren Gladbacher Zuordnungen oft im Duell mit Elvedi wiederfand.

In diesem Bereich wurde es einige Male gefährlich, wenn das Herausrücken der Gladbacher Flügelverteidiger überspielt werden konnte. In den allerersten Minuten waren die Mannorientierungen der Fohlen diesbezüglich noch gar nicht so stark. Vereinzelt konnten die Münchener, speziell nach kleineren Verlagerungen, Pässe auf Rafinha und anschließende Rückablagen zum Locken für Korbs Herausrücken nutzen. Wenn sich Xabi Alonso dann – wie in jenen vereinzelten Szenen – schnell anbot und umgehend einen Pass in die Lücken anbringen konnte, durfte Coman mit Tempo Raum attackieren. Insgesamt machte der Münchener Sechser das aber zu inkonstant, während Javi Martínez recht hoch spielte.

Der Rekordmeister mit mehr Chancen

Überhaupt war dieser anfangs nur wenig in die Zirkulation und generell in die Aktionen bis zum zweiten Drittel eingebunden. Dadurch hatten die Münchener keine optimale Verbindungspräsenz, was Gladbachs Spielweise in der Anfangsphase zusätzlich in die Karten spielte. Mit der Zeit wurde das besser – aber kaum mal richtig gut – und trug als Faktor dazu bei, dass der FCB gefährlicher wurde. Nach der Anfangsviertelstunde schob sich das Geschehen stärker in die Gladbacher Hälfte, die Münchener gewannen an Kontrolle und das alles war auch mit bedingt durch die nun konsequenteren Mannorientierungen. So pendelte sich die Partie in die dadurch vorgegebenen Zuordnungsstrukturen ein.

Dadurch wurde Gladbach jedoch keinesfalls simpel, sondern gab die Mannorientierungen im Rückwärtsgang stets auf und konnte den hinteren Spielern oft noch gute Unterstützung geben. Manchmal kam Coman ins 1gegen1, aber manchmal nur in Unterzahl. Dennoch: Die größere Tornähe und die zwar lose, aber vermehrte Klarheit in den passiven Mannorientierungen taten den Münchenern gut. Zudem wurde das Mittelfeldspiel etwas harmonischer und es gab mehr Passvariationen, beispielsweise durch eingestreute Halbraumdirektbälle auf Müller und Coman. Unter all diesen Umständen konnten die Münchener ihre gruppentaktischen Qualitäten besser einbringen und die Szenen immer etwas effektiver machen.

Über die ansonsten nicht so präsente halbrechte Seite demonstrierten sie dies bei einem starken Überladungsspielzug in der 17. Minute. Hier passte die Aufteilung zwischen dem antreibenden Einrücken Lahms in der Dynamik, Vidals Unterstützen sowie Müller, hier fanden sie den Moment, um Gladbach den Zugriff zu rauben. Davon ausgehend konnten sie die Szene cool ausspielen. Das war das ansehnlichste Beispiel für eine Reihe guter Möglichkeiten, die sich in der verbleibenden Zeit der ersten halben Stunde ergaben und die die Gladbacher nur mit großem Glück überstanden. Trotzdem war dieser Abschnitt überzeichnet und wirkte wie ein klarer Bruch, den es so aber gar nicht gegeben hatte.

Über Coman oder Ballgewinne

Trotz der angesprochenen kleinen Veränderungen war der (Leistungs-)Unterschied zur unmittelbaren Anfangsphase – also nicht so sehr bezogen auf stilistisch-strategische Punkte wie die tiefere Spielweise Gladbachs oder Abstufungen wie die klareren Mannorientierungen – gar nicht so groß. So blieb beispielsweise auch das Zentrum der Hausherren in dieser gefährlichsten Bayern-Phase eigentlich weitgehend dicht, da sie dort oft präsenter waren. Wenn sich die Zuordnungen nach hinten verschoben, indem Stindl sich nahe Xabi Alonso bewegte und Xhaka tief hinter den Kollegen sicherte, hatten die Gladbacher viel Personal in diesen Bereichen und häufig einen nominell überzähligen Spieler.

Bei den Münchenern wirkte sich demgegenüber die teils hohe Rolle von Javi Martínez ebenso aus wie die insgesamt nicht so günstige personelle Konstellation im Feldzentrum. Kombinativ-spielerisch war jene Besetzung nicht so stark. Zwar konnten die Bayern den Ball nun besser laufen lassen, beispielsweise dank der Anordnung mit den eingeschobenen Außenverteidigern, aber sich von dort gar nicht so oft durchspielen. Gerade halblinks waren sie etwas zu sehr auf direkte Pässe hinter die Abwehr fokussiert und die verbindende Struktur zur letzten Linie zu instabil.  Die Münchener Ansätze entstanden eher halbrechts – wie bei jener großen Chance Lewandowskis in der 17. Minute – oder außen.

Hier ging es über seitliche Durchbrüche in Person von Coman. Nach Verlagerungen oder schnellen Flügelattacken konnte er einige Male im Raum hinter Korb ins Dribbling gegen Elvedi gelangen, wenn Gladbachs Rückwärtsbewegung diesen nicht schnell genug zu unterstützen wusste. Diese Route war also ein wichtiger Chancenlieferant, aber ansonsten muss man sagen, dass ein Großteil der Münchener Möglichkeiten nicht aus dem weiterhin nicht ganz optimalen Aufbau bzw. den Ballbesitzphasen entstand, sondern im Anschluss an Ballgewinne. Beispielsweise handelte es sich bei der einen Müller-Chance um das Produkt einer gescheiterten Gladbacher Aufbauaktion.

Massive Aufbauschwierigkeiten zu Beginn

Hatte die Borussia den Ball, fächerten sie aus der Dreierkette in der Tiefe zu einer Raute um, indem Christensen – ansonsten für Überladungen etwas nach links rückend – zentral vorschob, Sommer den anderen Endpunkt bildete und die Halbverteidiger sich an den Strafraumecken aufreihten. Über weite Strecken hatten sie trotz dieser konsequenten Verteilung aber große Probleme mit den verschobenen 4-3-3-Pressingstaffelungen der Bayern, die darin mittlerweile sehr gut abgestimmt sind. Die diagonalen Aufrückbewegungen der Sturmreihe funktionieren gut, die genauen Staffelungen innerhalb des Mittelfelds sind sehr sauber umgesetzt, zum Ball gedreht und sichern die Positionierungen untereinander ab.

Dagegen kam Gladbach vor der Pause fast gar nicht zu kontrollierten Szenen und musste einige lange Bälle schlagen, trotz eines versuchten Linksfokus. Bauten sie etwas höher aus der Dreierlinie auf, fiel Xhaka zu oft weit zurück und sorgte damit für suboptimal verteilte, flache viererreihenartige-Gebilde. Die Verbindungen nach vorne durchs Mittelfeld hindurch waren daher teilweise nur von Dahoud gegeben, der punktuell mal gute Ballsicherungen und Dribblings lieferte. Vor allem die Flügelverteidiger schoben zunächst im Aufbau zu früh nach vorne, fehlten für die Verbindung und machten Lahm und Rafinha das Verteidigen leicht. Für Johnsons Positionsfindung galt prinzipiell Ähnliches.

Mit besserer Flügeleinbindung freigeschwommen

Zwischen Raffaels Abschluss zu Beginn und der 29. Minute passierte nichts in Richtung von Neuers Tor. In der Viertelstunde vor der Halbzeit begann sich das zu ändern, wobei die Gladbacher insbesondere zu Beginn dieser Zwischenphase gefährlich wirkten. Zum einen rückten sie im Pressing aus dem Mittelfeld wieder mutiger heraus und fokussierten das Lauern auf Xabi Alonso verstärkt – ein guter Fokus, prinzipiell schon anfangs. Bei guter Vorbereitung konnten sie den teils allein gelassenen Spanier isolieren und Ballgewinne verbuchen, die zu einer wichtigen Quelle für ihre Offensivszenen wurden. Auch die im Halbraum bisweilen riskanteren Direktpässen der Bayern führten bisweilen dazu.

Zum anderen verbesserte sich die Einbindung der Flügelspieler. Das bezog sich sowohl auf das Herausrücken gegen den Ball als auch auf die Bewegungen nach vorne. Defensiv vereinfachten in diesem Fall die Mannorientierungen bisweilen die Orientierung und umgekehrt sanken die Szenen, in denen ein etwas unkoordiniertes Herausrücken dynamisch bestraft wurde, indem man es einfach vermied. Das stützte auch den erstgenannten Faktor. Für die Angriffe aus dem Aufbau machte sich bezahlt, dass Korb und gerade Wendt situativ immer mal zurückfielen, um die Bälle im seitlichen Kanal zwischen den bayerischen Außenverteidigern und den höher zustellenden Flügelstürmern zu fordern.

Einige Male mussten Lahm und Rafinha weit und unangenehm herausrücken. Auch wenn das nicht immer direkt ausgespielt oder sauber genutzt werden konnte, ergaben sich doch entweder mal unorganisiertere Bayernstaffelungen oder situativ offene Mittelfeldszenen. Dadurch konnte Gladbach einfacher nach vorne kommen und hatte bessere Ausgangsszenen, um ihre derzeit gute gruppentaktische Qualität effektiver ins Feld zu werfen, ebenso wie ihr Linksfokus nun zur Geltung kam. Waren diese Situationen erst einmal da, konnten sie das breite Aufrücken der Flügel neben der Bayern-Formation dann für den weiteren Übergang in die Spitze erneut nutzen und sich mit Verlagerungen in Strafraumnähe spielen.

Gegensätzliche Mittelfeldentwicklungen entscheiden

Schon hier deutete sich bei den Ansätzen im Ausspielen an, was nach dem Seitenwechsel in größerem Ausmaß ein entscheidender Faktor werden sollte: die Unterstützungsqualität im Mittelfeld. In den Dynamiken rückten die Gladbacher oft etwas besser nach, sind generell sehr zentrumspräsent bei Aktionen von eigentlich raumüberbrückender Natur. Vor der Halbzeit spielte Gladbach die durch Verlagerungen Richtung Korb und Wendt entstehenden Szenen oft noch sehr simpel aus: mit schnellen Flanken in teilweise – durch Dahouds Nachstöße und Johnsons Läufe sowie den ballfernen Kollegen – zwar präsente, aber flache und unstrukturierte Staffelungen aus.

Nur vereinzelt entwickelten sich mal improvisierte Kombinationsansätze über Raffael, Stindl und teilweise Dahoud an der letzten Linie. Später schoben sie immer wieder seitlich gut zum Ball, Johnson wich situativ links zum Flügel aus, Wendt schaltete sich konsequenter diagonal und antreibend ein, Stindl attackierte situativ mal bestimmte Zonen halblinks. Sie überluden die Flügel, um dann in die Mitte zu ziehen, oder stellten flexible Kleingruppenüberzahlen in Lücken her, die sich bei Bayern bei Kontern oder nach offenen, umkämpften Szenen zwischen den Mannschaftsteilen ergaben. Die Rolle von Javi Martínez im Umschalten war zu hoch angelegt und raubte den Bayern die etwas wackelige Kohärenz.

Während die Münchener an Präsenz und Konsequenz im Mittelfeld einbüßten, steigerte sich Gladbach genau in diesem Punkt. In der entscheidenden Phase Mitte des zweiten Durchgangs hatten sie somit letztlich das ballorientiertere und entsprechend in einem teils herum wogenden Match das zugriffsstärkere Trio im Feldzentrum. Da dann auch noch perfekte Chancenverwertung, etwas Glück bei der Entstehung des 2:0 und die schnelle Abfolge zum dritten Tor hinzukamen, zog der Gastgeber entscheidend davon. Bei diesem letzten Treffer der Borussen sah man das starke gruppentaktische Verhalten in den bei Bayern aufgehenden Zwischenlöchern.

Zudem spielten sie nach einer kleinräumigen Einleitungsaktion klug den entscheidenden Wechselpass zum Halbraum in die Tiefe auf den durchstoßenden Johnson. Das Loch hatten die zurückfallenden Angreifer gegen Benatia gerissen, während sich Boateng ungeschickt mannorientiert verhielt statt nachzuschieben. Das erste Tor brachte ein schneller Überladungsvortrag halblinks, gut eingeleitet von Wendt, etwas glücklich. Die Korb-Chance vor dem 2:0 war Raffaels Hacke und der Dreierkette zu verdanken. Das, was Gladbach bei eigenem Ballbesitz in der ersten Halbzeit so gefehlt hatte, mangelte im entscheidenden Moment den Bayern und wurde sogar zu dem Punkt, mit dem sich die Gastgeber abhoben.

Gladbacher Asymmetrie und Guardiolas Umstellungen

Während all dieser Entwicklungen in der zweiten Halbzeit blieb es bei jener 3-1-4-2-haften Grundformation mit ihren verschiedenen kleinen Anpassungen, wie sie schon zu Beginn vorhanden gewesen waren. Zunehmend sah man aber Xhakas situatives Zurückfallen und klarere Asymmetrien zwischen den Außen, die sich gerade in der Phase zwischen dem ersten und dem zweiten Tor fast schon als eine Mischformation einpendelten. Vielleicht auch deshalb versuchte Guardiola in den ersten Minuten nach der Rode-Einwechslung mit einem asymmetrischen 4-3-3/4-2-3-1-Hybrid dagegen zu halten und die Übergänge zwischen den Reihen zu attackieren.

Das wurde aber sehr unstrukturiert umgesetzt und letztlich nach einiger Zeit dann doch wieder aufgegeben. In der Endphase versuchten es die Münchener mit verschiedenen Besetzungen innerhalb des Mittelfelds. Anfangs spielte beispielsweise mal Vidal als tiefster Sechser, doch die Positionsabstimmung mit Javi Martínez war nicht ideal und die Abstände zwischen ihnen etwas zu eng. Am besten funktionierte später noch die Variante mit hohem Vidal, der aggressiv vorstieß und pendelnd in verschiedenen Räumen supportete. Dass man sich zu oft in Flügelunterzahlen festlief, konnte damit aufgebrochen werden und führte zum hervorragend gespielten Anschlusstreffer, reichte aber nicht für mehr.

Zu viel Zeit hatte man in den schwächeren Phasen zuvor verloren, als der Flügelfokus suboptimal umgesetzt worden war und die positionelle Raumaufteilung auf dem Feld ungewöhnlich strukturlos wirkte. Weil die Außenverteidiger meist zu zurückhaltend blieben, fehlte es – in Verbindung mit den anfänglichen Unbestimmtheiten in der Mittelfeldverteilung – vorne an der durchgehend druckvollen Präsenz. Teilweise musste das Aufrücken zu früh über die Flügel erfolgen oder mit längeren Bällen geregelt werden. Letztere wurden über die gesamte  Endphase etwas zu häufig genutzt, waren gegen die Gladbacher Fünferkette aber ebenso wenig optimal wie die versuchten Grundliniendribblings.

Fazit

Eigentlich ist es einfach, ein Fazit zu dieser Partie zu schreiben, aber irgendwie auch nicht.  Vor der Pause hatte Bayern das Spiel lange im Griff und viele Chancen, während Gladbachs Aufbauversuche hängenblieben. Letztlich stellten die Hausherren die Weichen auf Sieg, als sie sich im Gesamtzugriff und in Offensivpunkten für die Nutzung dessen steigerten: Mittelfeldkohärenz, Flügelläufereinbindung, Seitenüberladungen.

Mehr soll eigentlich gar nicht gesagt werden, um sich nicht in „Ja, aber“-Formulierungen zu verlaufen. Zum Spiel insgesamt ist zusammenzufassen: Es war auch Glück bei diesem Sieg der Fohlen dabei, aber nicht nur. Zur Bewertung aus Bayern-Sicht kann man vieles anführen, aber gravierend neue Erkenntnisse hat diese Niederlage nun nicht gebracht. Aus Gladbacher Sicht kann man vor allem die zweite Halbzeit als beeindruckend bezeichnen.

Aus der Perspektive der Allgemeinheit bietet das Gladbacher Vorgehen Lehren, wie man konstruktiv punkten kann (es hätte nicht zwangsläufig dazu kommen müssen) gegen Bayern. Damit soll nichts gegen die tiefstehenden 5-4-1-Muster der letzten Wochen gesagt sein. Diese Spielweisen selbst negativ zu beurteilen, ist nicht angebracht. Sie sind nicht bedenklich – sondern Meinungen, die sie zur einzig denkbaren Lösung machen. Vielmehr also: Dass man für die genannte Erkenntnis dieser Partie diese Partie bräuchte, um sich sicher zu sein, dass es geht, sollte eigentlich nicht sein. Damit ist die Erkenntnis selbst angreifbar und hinfällig. Der Bundesliga-Versuch, gegen Bayern zu gewinnen: Gladbachs zweite Halbzeit war ein Beispiel, wie es gehen kann, nicht, dass es geht.

Koom 16. Dezember 2015 um 11:16

Und der Fluch der guten Tat scheint wohl direkt zuzuschlagen: Gleich mal 3 wichtige Spiele in Folge nach dem Bayernsieg verloren.

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Lars 7. Dezember 2015 um 20:56

Gute Zusammenfassung. Ich bleibe aber dabei, dass Bayern von der 10-35 Minute teilweise überragend gespielt hat. Gerade über Coman lief eine ganze Menge richtig. Und „normal“ machen die Bayenr aus ihren dicken Chancen auch ihre Tore. Und dann ist das Gejammer wieder groß, dass die Bayern alles wegballern. Es sah da zu keiner Zeit auch nur annähernd danach aus, als wenn die Gladbacher auch nur einmal gefährlich werden. Das wird aktuell nirgends erwähnt!!!

Wer die Chancen aber nicht nutzt…….

Zweite Halbzeit verteilt. Keiner war wirklich besser. Aber hier nutzt BMG die erste Chance überragend.

Was ich dann nicht verstehe ist, dass die Bayern vollkommen aufmachen, die Ordnung flöten geht und man es soooo früh auf biegen und brechen versuchen muss?! Völlig unnötig und dann kommt so ein Ergebnis gegen „gnadenlos effektive“ Gladbacher halt zu stande.

Sport frei 🙂

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Ron 7. Dezember 2015 um 22:05

Bayern hatte sein Übergewicht von der 10-26 Minute. Danach fand sich Gladbach besser zurecht und verteidigte vor Allem Comans Durchbrüche wesentlich besser. Diese waren, wie im Artikel richtig beschrieben, die Hauptursache für die Chancen der Bayern. Bis zur Pause gab es dann keine gefährliche Aktion von Bayern mehr, Gladbach hingegen kam wieder bis in den 16er der Bayern (wenn auch ungefährlich).

Diese Annäherung ans Bayern-Tor gab der Gladbacher Mannschaft anscheinen das Zutrauen es weiter im vor der Pause gespielten System zu probieren. Das Ergebnis: 3:0 innerhalb von 14 Minuten. Danach wurde die Partie von Gladbach verwaltet.

Jede Mannschaft hatte eine absolute Dominanzphase, die ca. 15 Minuten dauerte. Die eine Mannschaft schoss ihre Tore, die andere nicht. Die Gladbacher Angriffe machten auf mich allerdings den strukturierteren Eindruck. Zumindest bin ich von Bayern anderes gewohnt als die (stellenweise unsauberen) Flanken von Coman als hauptsächliches Mittel.

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Lars 7. Dezember 2015 um 22:37

Coman ist leider noch kein Ribery, Costa oder teils Robben… :/
Aber die Chancenverwertung war schon echt mies. Aber da lag bei der Aufstellung auch die gesamte „Last“ bei Müller und Lewa.
Frage: Wie findet ihr Vidal im Bayern-System? Ich persönlich sehe ihn noch als absoluten Schwachpunkt… 😡 Auch das war gegen BMG auffällig – mal wieder.

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blub 7. Dezember 2015 um 22:53

Ich hab wenig von dem Spiel gesehen(~15min je HZ), aber er hat 9(!) keypässe geschafft, das ist mehr als alle anderen Bayernspieler zusammen. Der kann nicht alles falsch gemacht haben.
Das die Synergien bei diesem Mittelfeldtrio eher haarig waren, war leicht ersichtlich, aber das kann man schwer an vidal festmachen. Mit Xabi und Martinez hat man nicht grade die filigransten Ballstreichler beisammen. Ich finde: Wer nicht auf Kimmich setzt ist selber schuld 🙂

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Matthäus 9. Dezember 2015 um 18:38

ganz genau, verstehe nicht warum Guardiola ihn jetzt wo Thiago verletzt ist nicht bringt, es wäre jetzt die Chance für die entscheidende Phase im März eine Alternative zu haben, dann ist er im März wieder verletzt und das Gejammer ist groß

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karl-ton 7. Dezember 2015 um 22:08

„Was ich dann nicht verstehe ist, dass die Bayern vollkommen aufmachen, die Ordnung flöten geht und man es soooo früh auf biegen und brechen versuchen muss?“

Die Bayern sind ganz schlechte Verlierer. Fällt mir immer wieder auf, wenn ich Spiele von ihnen sehe, die ihnen aus der Hand gleiten. Ich habe da immer sehr den Eindruck, dass sie nicht wirklich dran gewöhnt sind im Rückstand zu sein oder spiele nicht wirklich kontrollieren zu können. Wie sollten sie denn auch? Kommt je nur sehr, sehr selten vor. Man kann ähnliches bei Barcelona oder Real auch beobachten.

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Ron 7. Dezember 2015 um 23:07

Bayern verliert sehr, sehr selten die Ordnung und Kontrolle. Wenn das doch mal geschieht, dann kann es zumindest in jüngerer Vergangenheit in kurzer Zeit mehrere Gegentore hageln. Ist durchaus möglich, dass man solche Phasen einfach nicht (mehr) gewohnt ist. Lahm äußerte zumindest eine entsprechende Vermutung – und komplett falsch liegt er mit seinen Bemerkungen meistens nicht.

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Jiiihaaaaa 9. Dezember 2015 um 17:36

Die Bayern haben einfach nicht damit gerechnet das in der BuLi eine Mannschaft auf das 2. und 3. Tor geht.
Die Erwartungshaltung das sich Gladbach hinten rein stellt und den Vorsprung versucht über die Zeit zu retten um wenigstens das Unentschieden zu sichern wurde nicht erfüllt;)

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gs 7. Dezember 2015 um 17:31

Ist doch schon lange zu erwarten, wenn nicht überfällig gewesen, dass Bayern auch mal wieder ein Spiel verliert. Und es ist doch erfreulich zu sehen, dass es nicht etwa einer der Mannschaften gelungen ist, die nur auf „Strafraum blockieren und vorne auf den lieben Gott hoffen“ gesetzt haben, sondern mir Gladbach einer technisch starken jungen Truppe, die selbst mit einer sehr mutigen, offensiven und aggresiven Taktik und Spielweise den Bayern durchaus verdient den Zahn gezogen haben. Keine Dusel-, sondern wunderbar herausgespielte Tore.

Man muss das nicht relativieren, sollte aber schon erwähnen, dass ein Bayern-Mittelfeld aus Xabi Alonso, Martinez und Vidal sicher nicht die kreativste und pressing-resistenteste Besetzung war … mit Alaba, Thiago, Götze, Ribery usw. hätte es BMG ungleich schwerer gehabt, in Halbzeit II die Initiative so klar zu übernehmen.

Aber, wie gesagt, so eine Niederlage gegen eine gute und offensiv spielende Mannschaft kann man auch als (latenter) Bayernfan akzeptieren. So wie es ja auch Pep getan hat 🙂

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Preben 6. Dezember 2015 um 23:11

Sehr schöne Analyse, allerdings wird mir (hier nur in Ansätzen, aber z.Teil in den Kommentaren und in vielen Medienberichten) bei der Bewertung des Spiels doch zu sehr der Fokus darauf gelegt, dass die Bayern geschwächt waren und eben nicht ihren besten Tag hatten. Dass es vor allem der Gegner war, der an diesem Tag dafür gesorgt hat, geht dann etwas unter. Schließlich hatten die Bayern auch diesmal in der ersten Halbzeit für gut 20 Minuten schon in ihr gewohntes Spiel gefunden, ein Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Gladbach überstand diese Phase mit Glück, das ist richtig. Doch mit zunehmender Spielzeit gelang es Borussia mit großer Laufleistung (ich glaube, Borussia lief mit 122 Kilometern sieben mehr als die Bayern), den Gegner erfolgreich von guten Abschlüssen in Tornähe wegzuhalten und nach und nach selbst „dominanter“ aufzutreten (sofern man das gegen die Bayern kann). Borussia gelang vor allem das, was bei vielen sehr defensiv ausgerichteten Gegnern kaum gelang und gelingen kann – dass man die Bayern an ihrer schwächsten Stelle überrumpelt, den hoch stehenden Verteidigern, die bei intelligenten Pässen in die Tiefe viele Räume preisgeben (wie beim 3:0). Normalerweise sorgt der Druck, mit dem die so hoch stehende Bayern-Mannschaft den Gegner schon in seiner eigenen Hälfte erdrosselt dafür, dass Neuer nichts zu tun bekommt. Ich habe nicht viele Bayern-Spiele gesehen (nur Zusammenschnitte), aber solche Angriffe, wie sie Gladbach gefahren hat, habe ich bisher ganz selten gegen die Bayern gesehen. Und auch wenn es natürlich viel zu hoch gewesen wäre, die Bayern hätten in ihrer schwächsten Phase auch durchaus 4 oder 5 Tore kriegen können. Dass das Spiel wahrscheinlich anders gelaufen wäre, wenn die Münchner in Führung gegangen wären, ist mir natürlich auch klar. Und noch ein nicht unwichtiger Nebenaspekt: Von den Bayern-Bezwingern waren in der Startelf zwei 19 und einer (Elvedi) 18 Jahre alt. Ihre Bundesligaerfahrung vor dem Bayern-Spiel: Elvedi (3 Spiele, davon keins über 90 Minuten, genauer gesagt insgesamt 17 Minuten Bundesliga vor diesem Spiel), Dahoud (14), Christensen (11) .

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HK 6. Dezember 2015 um 13:14

Schön, vielleicht die beste TR-Analyse die ich bisher gelesen habe (oder an die ich mich erinnere).
Vor allem das Fazit ist ausgesprochen stark.

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AA 6. Dezember 2015 um 11:44

Auch ich sehe es wie TR: In der ersten Halbzeit hatte Gladbach sehr viel Glück, wobei den Bayern die letzte Konsequent und vielleicht das Quäntchen Glück gefehlt hat. Die drei besten Torschüsse von Müller, Lewy und Coman waren einfach zu unplatziert.
Die Umstellungen von Gladbach waren in der zweiten Halbzeit für Pep einfach zu dynamisch und bedingt durch Personalmangel etc. stockte das Spiel der Bayern extrem. Boateng lief grundsätzlich nicht rund und Vidal wirkte leider das gesamte Spiel über wie ein Fremdkörper. Lediglich seine Freistöße waren besser als die von Alonso.
Martinez wurde von Gladbach sehr gut aus dem Spiel genommen und Coman durfte aus meiner Sicht zu selten mit Müller und Lewy die Positionen wechseln. Das darf Costa eher mal machen.

Der Sieg der Gladbacher geht absolut in Ordnung, da sie auch bis zum Schluss den Willen gezeigt haben, was den Bayern letztendlich in diesem Spiel gefehlt hat.

Was mich persönlich interessieren würde: wie sehr sieht man bei Gladbach die Handschrift von Schubert bzw. wie viel Favre noch übrig ist. Ich sehe mir die Spiele von Gladbach nicht an, aber ich glaube nicht daran, dass Schubert in so kurzer Zeit alles perfekt macht. Ich ziehe auf jeden Fall meinen Hut vor seiner Leistung, da er aus einer sehr verunsicherten Mannschaft (warum, ist mir allerdings immer noch nicht klar), eine wieder voll funktionsfähige Truppe gemacht hat. Und wenn dann Wille und Glück zusammenkommen, kann man eben auch mal die Bayern zumindest in der zweiten Halbzeit wieder erden!

Eine weitere Frage zu Favre:
Letzte Woche wurde ja wieder viel über Pep spekuliert und ich habe mich gefragt, ob Favre nicht auch möglicher Nachfolger wäre. Bei Hertha habe ich ihn überhaupt nicht gemocht. Bei Gladbach war er viel sympatischer.
War nicht auch angeblich mal Madrid an ihm interessiert?

Das Spiel hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht!

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Daniel 6. Dezember 2015 um 12:26

In meinen Augen muss man spätestens nach dem gestrigen Spiel sagen, dass Gladbach eindeutig die Handschrift von Schubert trägt und der Einfluss von Favre nur noch wenig da ist. Favres Stärke war ja das perfekt einstudierte raumorientierte 4-4-2, von dem er eigentlich nie abwich. Gegnerspezifische Umstellungen waren seine Sache nicht, er lebte davon, dass seine Mannschaft ein System perfekt beherrschte. Dass Gladbach auf eine Mannorientierung und eine Dreierkette baut zeigt, dass Schubert sich nicht damit begnügt, Favres Arbeit fortzusetzen. Richtig gute Trainer können eben auch in kurzer Zeit eine signifikante Verbesserung erreichen. Das beste Beispiel dafür ist Favre selbst, der Gladbach einst auf dem letzten Platz übernahm und zum nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt führte.

Ich war zunächst auch der Meinung, dass Schubert vor allem von der Vorarbeit Favres profitiert. Aber Gladbach ist mittlerweile zu lange und zu konstant stark, als dass das noch zieht. Natürlich profitiert er von der Qualität des Kaders und in gewisser Weise von dem Fundament, dass sein Vorgänger gelegt hat und natürlich war bei dem Sieg über Bayern Glück dabei. Aber auch Pep hat von van Gaal und Heynckes profitiert und Arsenal hat nicht weniger Glück gegen Bayern gebraucht als Gladbach. Trotzdem muss man ihre Arbeit (und auch die von Schubert) einfach anerkennen.

Ich mag Favre und halte ihn neben Guardiola, Klopp und Tuchel für den besten Bundesligatrainer der letzte Jahre. Allerdings bin ich nicht davon überzeugt ob seine Spielidee zum FC Bayern passt. Das wäre im Vergleich zu Guardiola schon eine extreme Veränderung, ich bin mir nicht sicher, ob das gut wäre.

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Michael Meyer 6. Dezember 2015 um 13:30

Auch ein Favre hat gelegentlich Teilaspekte der Spielweise dem Gegner angepasst, gerade auch in Spielen gegen Bayern, aber im Kern war er natürlich ein 4-4-2 Trainer. Schubert muss darauf achten, dass er die Balance bzgl. der Defensive nicht verliert. Zuletzt hatten z.B. Hannover, Sevilla und jetzt die Bayern in der ersten Halbzeit deutlich zuviele hochkarätige Torchancen. Wenn er diese Art von „Spektakel“ abstellen kann, (also sein Glück nicht überstrapaziert) und Gladbach etwas weniger vom Verletzungspech verfolgt wird, könnte sich die laufende Saison weiter sehr erfreulich gestalten.

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Michael Meyer 6. Dezember 2015 um 10:09

Die Dreierkette selbst ist sicher kein Patentrezept, um die Bayern in Verdrückung zu bringen, aber ein etwas allgemeineres Prinzip, das auch mit anderen Grundformationen umsetzbar ist, läßt sich vielleicht ableiten: Verdichtung des Zentrums und Mannorientierungen gegen Bayerns Aufbauspiel. Dessen ungeachtet wird es interessant sein zu sehen, ob Schubert den Ansatz mit der Dreierkette weiter verfolgen bzw. weiter entwickeln wird.

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Koom 6. Dezember 2015 um 16:53

Richtige Schlüsse, aber: Dann auch weiterhin den Flügelfokus der Bayern einigermaßen im Griff halten. Eine starke Innenverteidigung und Torhüter sind da natürlich Gold wert, Torchancen der Bayern kann man nicht vermeiden.

Schöner Spielbericht, speziell das Fazit.

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H3rby 6. Dezember 2015 um 02:48

War Gladbach wirklich so stark oder Bayern einfach gelangweilt von der Liga?

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Dieter 6. Dezember 2015 um 15:15

Mein Gott die Bayern sind auch nur Menschen. Wer seine Chancen nicht Nutz verliert das Spiel. Dies ist eine Alte Fußballer Weisheit . Für die Liga ist es doch gut ?? Sonst schreien Dich alle die Bundesliga ist langweilig . Mein Faxit ist wen Bayern nur jedes 15 Spiel verliert dann werden Sie auch Meister !!!!

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Matthes 7. Dezember 2015 um 01:11

jedes 17. ! 😉

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