Weinzierls kleine Anpassungen verzweifeln an Kölner Mauern

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Neben ihren zielstrebigen Flügelangriffen versucht es der FC Augsburg mit verschiedenen Aufrückbewegungen und frühzeitigen langen Zuspielen samt Ablagen. Doch weder gegen das 4-4-2 noch das 5-4-1 des 1.FC Köln finden sie den entscheidenden Durchbruch.

Die Aufstellungen der Kontrahenten boten nur wenige Überraschungen: In der typischen Augsburger 4-1-4-1/4-4-2/4-3-3-Ausrichtung mit den hinteren Akteuren als Prunkstück entschied sich Markus Weinzierl im Mittelfeld für Feulner und Altintop anstelle von Hojbjerg. Auf rechts erhielt Esswein seinen Einsatz, so dass Bobadilla diesmal zentral auflief. In der Rückrunde ist bei den Kölnern das 4-4-2 mit der Doppel-Sechs aus Vogt und Lehmann immer klarer zum Stammsystem geworden. Peter Stöger vertraute für diese Begegnung ein weiteres Mal auf seine bevorzugte Variante – auch was das zuletzt gesetzte Sturmduo aus Osako und Ujah anging.

Keine Durchschlagskraft trotz des Plans mit langen Bällen

fca-köln-2015In einem chancenarmen Spiel zweier Mannschaften, von denen das Heimteam noch um die Europa League spielte, hatten beide Seiten gewisse Probleme mit der Durchschlagskraft. Das war nicht unbedingt großartig überraschend, da bei ihnen Defensivstabilität (Köln) bzw. Kontrolle (Augsburg) generell weiterentwickelt sind als die offensive Kreativität. Die Augsburger waren erwartungsgemäß die aktivere Mannschaft und wussten die erste Kölner Pressinglinie im – bis auf einzelne höhere Pressingphasen meist abwartenden – 4-4-2, die vertikal nicht immer so kompakt agierten, wie man es schon von ihnen gesehen hat, auch einige Male zu überwinden. Dafür bildeten sie verschiedene asymmetrische Dreierketten durch den zurückfallenden Baier, der sich phasenweise sogar wie der halblinke Innenverteidiger bewegte. Unter diesen Umständen versuchten die Augsburger in der Zirkulation die beiden gegnerischen Stürmer auf Baier zu locken, der die Zuspiele beispielsweise schnell diagonal vor sich auf den aufrückenden Klavan weiterleitete.

Zwischen Baier und dem hochstehenden Baba hatte der Este dann größere Räume vor sich, da Lehmann und Vogt bei den Kölnern abwartend tief blieben. Etwas seltener gab es dies spiegelverkehrt auch auf halbrechts. Nachdem Klavan – oder mal Hong – das Leder bis an die beiden Viererketten der Geißböcke herangetragen hatte, fehlte es den Augsburgern jedoch an entscheidenden Ideen, die saubere Offensivgefahr hätten beschwören können.Ihre Außenstürmer agierten in der Rollenverteilung eher simpel und rückten meist nur innerhalb der letzten Linie ein, was Augsburg gegen die solide und diszipliniert verteidigenden Kölner aber nicht bedient bekam. So blieb häufig nur der typische Flankenfokus, wo aber die vorstoßenden Aktionen von Baba durch die hohe Aufmerksamkeit, Grundabstimmung und seitliche Stabilität der Kölner Mechanismen aufgefangen wurden. Einige Male konnten sie Feulner oder Bobadilla mit ausweichenden Bewegungen vor Verhaegh ins Spiel bringen, aber kamen diese Ansätze ebenso wenig durch.

Zentral dagegen wussten sie den halbrechten Achter kaum ins Spiel zu bringen, was noch stärker für Altintop galt, der zwischen den gegnerischen Sechsern wenig Einbindung fand. Entsprechend verbuchten die Mannen von Markus Weinzierl nur eine geringe Zahl an Chancen. Eine kleine Ausnahme lag in einer weiteren offensiven Alternativroute, die der Augsburger Trainer anscheinend ganz spezifisch ausgegeben hatte. Die Hausherren spielten aus der Kontrolle in den hinteren Linien immer wieder zahlreiche lange Bälle direkt an den gegnerischen Strafraum heran und wollten damit den beweglichen und durchsetzungsstarken Bobadilla in etwas isoliertere Situationen  gegen die Innenverteidiger der Kölner bringen, in denen diese mannschaftlich noch nicht so nachgeschoben hatten. In dieser Strategie lag ein weiterer wichtiger Grund für die teilweise enorm zentralen Bewegungen der Außenstürmer in hohen Zonen: Esswein und Werner versuchten im Rückraum Ablagen ihres Angriffskollegen zu erhalten und dann direkte Abschlüsse von der Strafraumkante zu wagen. Das sorgte auch für etwas Wirkung und brachte dem FCA, unter anderem, in Person von Werner seine ein, zwei besten Chancen vor der Pause.

Stöger reagiert mit 5-4-1-Umstellung

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Augsburgs offensive Versuche gegen Kölns 5-4-1 in den letzten 20 Minuten

Weil dieses Mittel also potentiell mal gefährlich war, stellte Peter Stöger schon nach 55 Minuten um: Nun zementierten die Gäste ihre tiefe Defensivpräsenz durch die Einwechslung von Mavraj für Ujah, was die Umstellung auf ein 5-4-1 bedeutete. Nicht nur gegen die langen Zuspiele, sondern auch gegen Seitenwechsel und längere Diagonalbälle der Augsburger sorgte dies für zusätzliche Sicherheit, für deren Außenstürmer etwaige Schnittstellen nun dicht waren. Der verlorene Angreifer in vorderster Front war für die Rheinländer zu verschmerzen, da sie dort zuvor ohnehin kaum Zugriff gehabt hatten. Weinzierl wechselte in der zweiten Halbzeit ebenfalls und sorgte schließlich für eine Doppel-Sechs aus Baier und Hojbjerg, von denen Letzterer immer häufiger in die Lücke zwischen Hong und dem offensiver werdenden Verhaegh rückte. Die nun von ihnen fokussierten Diagonaleröffnungen wollte Kölns Mittelfeldlinie durch vielseitige Herausrückbewegungen unterbinden.

Vor allem die gute Abstimmung wusste dabei zu gefallen: Gegen die Augsburger Mittelfeldmotoren rückten häufig die eigenen Sechser etwas vor und die Kollegen passten sich zusammenziehend an, während beispielsweise aufrückende Bewegungen Klavans oft vom vorschiebenden Rechtsaußen attackiert wurden. Situativ geschah dies auch auf der gegenüberliegenden Seite mit dem in den Halbraum schiebenden Gerhardt, hinter dem Hector einige Male ohnehin etwas höher und leicht asymmetrisch agierte. Insgesamt hatte dies den Effekt, dass die Mitte für die Augsburger verschlossen war und die Aufbauakteure meist nach außen eröffnen mussten. Im Zentrum hatten sie ohnehin nur den später als Zehner eingewechselten Ji vor sich, der zwar zurückfallend mal kleinere Lücken hinter den Kölner Herausrückbewegungen erschloss, von Augsburg aber kaum eingebunden wurde oder werden konnte.

Über den Flügel gelang den Fuggerstädtern jedoch nur das Aufrücken, da sie gegen das Kölner 5-4-1 kaum mal wieder in die Mitte zurückfanden. Wenn die Außen hoch einrückten, konnten diese selbst nicht als Verbindungsgeber durch die Halbräume auftreten, weshalb die Passwege zu ihnen oft versperrt waren. Zwischendurch hatten sie auch gegen diese stärkere letzte Linie der Gäste noch zu viele längere Pässe in ihrem Spiel. In der Endphase gab es kleinere Augsburger Ansätze, als die Flügelspieler längere Diagonalsprints zeigten, damit die Mannorientierungen der Halb- und Außenverteidiger ansatzweise aufreißen und etwas Raum für die sich zueinander orientierenden beiden Sturmkollegen schaffen konnten. Gerade wenn mal Hojbjerg nachstoßend unterstützte und die kleineren Diagonallücken zu den gegnerischen Sechsern anlief, gab es etwas Unruhe. Letztlich war auch das aber nicht gut genug für den entscheidenden Siegtreffer, so dass die wenig ambitionierten Gäste ihr angestrebtes 0:0 erreichten.

Köln über weite Strecken sehr harmlos

Über die gesamte Spielzeit hinweg hatten die Kölner kaum Szenen in der Offensive verbuchen können – auch vor der Umstellung, in der ersten Halbzeit. Gegen die meist im 4-4-2 verteidigenden Augsburger hatten sie in der ersten Linie etwas Ruhe und nutzten die typisch weiträumige Bewegungsausrichtung ihrer Sechser auch, um kontrolliert um die beiden Spitzen der Hausherren herumzuspielen. Viel weiter nach vorne ging es aus diesen Freiheiten für die insgesamt risikolos auftretende Mannschaft von Stöger dann allerdings nicht. Ihre hohe Doppelspitze fand – oft bedient auch nach langen Bällen – gegen die starke Augsburger Viererkette und die situativ geschickt von hinten nachpressend doppelnden Sechser kaum ins Spiel, zumal sie eher über den Bereich von Klavan und Baier kamen. Die Flügelspieler versuchten zwar flexibel zu agieren und immer mal verschiedene Asymmetrien herzustellen, doch war dies von den leichten kombinativen und zentrumspräsenten Verbesserungen der Vorwochen weit entfernt.

Einer von ihnen agierte meist zu breit für konstante Verbindungen, während der leicht einrückende Akteur – meist halblinks – sich bei diesen Bewegungen zwischen den Linien etwas zu unbewusst in der Ausführung verhielt und daher einige Male von den eingerückten Positionierungen der Augsburger Flügel verdeckt wurde. So gab es insgesamt nur wenige Annäherungen der Kölner an Hitz´ Kasten. Spätestens mit dem 5-4-1 fehlte ihnen letztlich komplett die Präsenz vorne – ob für die Möglichkeit höherer Pressingphasen oder bei Kontern, die Augsburgs stabile Anlage um die Sechser schon zuvor im Griff hatte und denen nun jegliche Unterstützung abging. Entsprechend kam Stögers Team nur auf eine Handvoll Abschlussversuche, von denen zwei Drittel aus Standardsituationen resultierten und allein ein Weitschuss Vogts in der Schlussphase nach einem Konter nach einer Standardsituation aufs Tor ging, ohne Gefahr auszustrahlen.

Fazit

Auch wenn es einige interessante Aspekte wie Weinzierls Plan mit der speziellen Nutzung der langen Bälle oder die Interpretation der Kölner 5-4-1-Umstellung gab, war das Grundmuster der Partie doch zu erwarten. Im Kampf um die europäischen Tickets dominierte Augsburg mit ihrer guten Grundausrichtung, fand letztlich aber mit ihrer eher flügelorientierten Spielweise keinen entscheidenden Durchbruch. Ihren verschiedenen Varianten war gemein, dass sie alle zu sehr die Weiträumigkeit betonten. Die Gäste aus dem Rheinland hatten im gesicherten Mittelfeld der Liga wenige Ambitionen und konnten mit einem Zähler leben. Das zeigten sie auch in ihrer Ausrichtung, die sich erneut stark über ihr – diesmal aber im 4-4-2 nicht immer ganz so konsequentes – Pressing und ihre Stabilität definierte, nach vorne aus dem sicheren Aufbau aber praktisch nie wirklich gefährlich wurde. So war das 0:0 keinesfalls ein unpassendes Ergebnis, wenngleich ein knapper Augsburger Sieg ebenfalls möglich gewesen wäre.

rennec 6. Mai 2015 um 15:00

@Burrinho, gibts da auch Fakten zu, oder haust du nur mal einen raus!!! Beim FC entwickelt sich, seit Peter Stöger da ist, einiges! Ich weiss gar nicht, warum sich ein Aufsteiger permanent für Unentschieden auswärts entschuldigen muss! Sieht ja nun so aus, als würden wir nicht absteigen … 🙂

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buchling 4. Mai 2015 um 23:27

Passender Bericht. Am TV selbst hatte ich nur die Diagnonalbälle Augsburgs als Variante bewusst wahrgenommen.

Eine Bitte: In den Darstellungen empfinde ich es als etwas verwirrend, dass sowohl die Augsburger als auch die Kölner Spielernamen in rot geschrieben sind, Vielleicht kann man die unterschiedlich einfärben?

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AugustBebel 4. Mai 2015 um 16:08

Zwischen Mavrajs Ein- und Breckos Auswechselung hatte ich beim FC eher ein 5-3-2 mit Risse als zweiter Spitze gesehen. Meines Erachtens nach wurde es erst ab der 71. ein 5-4-1. Es hat mich gewundert, dass Stöger Ujah und nicht Osako rausgeholt hat, weil Ujah doch eher als Adressat für lange Bälle geeignet ist. (Mal davon abgesehen, dass ich die Umstellung auf Fünferkette ohnehin für übertrieben vorsichtig hielt.)

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loswollos 4. Mai 2015 um 15:08

15 Unentschieden, davon glaube ich 8 mal 0:0, keine richtige Klatsche kassiert (sieht man mal vom Spiel gegen 04 ab). Klingt nicht sexy, aber defensiv stehen die Aufsteiger aus Köln richtig gut. Wenn sich nächstes Jahr im kreativen Offensivbereich noch (personell) was tut und die kommenden Abgänge gut kompensiert werden, könnte sich da etwas spannendes entwickeln. Und vielleicht etwas weniger vorhersehbares…

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Burrinho 4. Mai 2015 um 18:38

Wird sich halt nix entwickeln. Ziemlich sicherer Abstiegskandidat für mich im nächsten Jahr.

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