Hertha BSC Berlin – 1. FC Köln 3:0

Hertha BSC Berlin konnte das Topspiel am Samstagabend gegen den 1. FC Köln überzeugend mit 3:0 gewinnen. Dabei nutzten die Berliner eine Kölner Schwachstelle auf der rechten Abwehrseite zur frühen 2:0-Führung.

Babbel liegt mit seinen  personellen Wechseln goldrichtig

Grundaufstellungen

Hertha-Coach Babbel änderte seine Startelf (notgedrungen) auf drei Positionen: Für den gesperrten Lell startete Janker als Rechtsverteidiger, Lasogga ersetzte den ebenfalls gesperrten Ramos im Sturmzentrum, dazu entschied sich der Trainer mit Änis Ben-Hatira anstelle von Tunay Torun anzufangen, der zwei Tage mit dem Training aussetzen musste und anscheinend nicht komplett fit war.

Bei den Gästen änderte Trainer Solbakken erstmals in der Saison seine Startformation im Vergleich zur Vorwoche nicht, dazu gab es nach dem souveränen 2:0-Sieg gegen Hoffenheim auch keinen Grund.

Hertha-Trainer Babbel lag mit seinen Personalentscheidungen durchweg richtig, vor allem Lasogga und der dribbelstarke Ben-Hatira sorgten für die offensiven Akzente bei den Gastgebern. Die beiden ersten Tore wurden jeweils durch starke Aktionen Ben-Hatiras vorbereitet und von Lasogga verwandelt.

Hertha findet die Schwachstellen bei Köln

Beide Teams spielten in den erwarteten Formationen. Im Vorfeld der Partie hatte der Berliner Trainerstab offenbar gute Arbeit geleistet und die Schwächen der Kölner treffend analysiert. Als Schwachstelle waren dabei wohl die beiden Außenverteidiger ausgemacht worden. Eichner wurde im Spielaufbau von Ebert bewusst offen gelassen, nachdem der linke Verteidiger angespielt wurde dann aber aggressiv angelaufen und so häufig zu einem unkontrollierten Abspiel gezwungen.

Die andere Schwachstelle des FC befand auf der Position des Rechtsverteidigers. Der beim Heimsieg gegen Hoffenheim noch ordentliche Andrezinho war gegen Ben-Hatira hoffnungslos überfordert und bekam den dribbelstarken Außenspieler in der ersten Hälfte zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Die Hertha nutzte Solbakkens Konzept gegen ihn, indem sie es am wundesten Punkt angriff: Auf den Außen wird nicht gedoppelt, da die Innenverteidiger das Zentrum kompakt halten sollen und die defensiven Mittelfeldspieler nicht jeden Angriff herausrücken können – auch wenn das die Optimalsituation wäre.

Solbakken vertraut den Fähigkeiten seiner Außenverteidiger und schickt diese in 1-gegen-1-Situationen, womit man gegen dribbelstarke Außen naturgemäß ein hohes Risiko eingeht. Ben-Hatira verstand es dabei außerordentlich gut, den Ball direkt nach vorne mitzunehmen und extrem schnell ins direkte Duell zu kommen, bevor ein defensiver Mittelfeldspieler Andrezinho helfen konnte.

So konnten über die linke Angriffsseite die ersten beiden Tore mustergültig vorbereitet werden. In einer weiteren Situation noch vor dem Führungstreffer wurde ein von Kobiashvili vorbereitetes Tor wegen eines sich um Zentimeter im Toraus befindenden Balles zurecht nicht gegeben. Bis zum nächsten Spieltag sollte der Kölner Trainerstab eine Lösung für die Schwachstelle rechts hinten finden, ansonsten drohen an den nächsten Spieltagen ähnliche Probleme.

Fehlendes Mittelfeldpressing bricht Köln das Genick

Verglichen mit dem 2:0-Sieg über Hoffenheim zeigte der 1. FC Köln ein vollkommen anderes Gesicht. Das hatte vor allem damit zutun, dass die von Solbakken bevorzugte Art der Verteidigung nicht annähernd umgesetzt wurde. Man erlaubte es dem Gegner ungestört Pässe auf die defensiven Mittelfeldspieler zu spielen und baute auf diese keinen echten Druck auf. So konnten Niemeyer und Ottl den Spielaufbau in die Hand nehmen, obwohl sie schon häufiger gezeigt hatten, dass sie damit Probleme bekommen sobald sie unter Druck gesetzt werden.

Der FC schenkte so das Mittelfeld geradezu fahrlässig her, die in den beiden letzten Spielen so geringen Abstände zwischen Mittelfeld und Sturm waren fahrlässig groß, die Abwehrkette stand für diese Art der Verteidigung viel zu tief. Auf diese Weise ließ man ungewöhnlich große Räume zwischen den Ketten offen, in denen sich Raffael sowie Ottl und Niemeyer gut bewegten und so für Zuordnungsprobleme in der Kölner Hintermannschaft sorgten. Zusätzlich geschwächt wurde die Kompaktheit durch die schlampige Defensivarbeit einzelner Akteure, wodurch Köln häufig keine zwei Viererketten sondern lediglich eine 4-3-Anordnung zur Verfügung hatte, wodurch man defensiv zusätzlich anfällig war.

Alles in allem muss konstatiert werden, dass der FC in der Bundesliga nur eine Chance hat, wenn man das von Solbakken eingeführte Konzept bedingungslos und ohne Ausnahme ausführt. Eine Schwachstelle im Team ist kaum zu kompensieren, genauso wenig wie ein nicht mitarbeitender Spieler. Gut ausgeführt wird das Konzept des Norwegers jedem Gegner Probleme bereiten, schlecht ausgeführt wird jeder Gegner in der Bundesliga dem FC gefährlich werden.

Fazit

Ein starker Aufsteiger zeigte den Kölnern klar die Grenzen auf und unterstrich die eigene Stärke. Ohne große taktische Brillanz, aber mit starken Einzelspielern und einer guten Gegneranalyse konnte man die in den Vorwochen hochgelobten Kölner auseinander nehmen und schon zur Pause völlig verdient mit 3:0 führen.

Der 1. FC Köln zeigte eine gemessen an den Vorwochen enttäuschende Leistung, defensiv präsentierte man sich fehlerhaft und unprofessionell, offensiv einfallslos. Es zeigte sich, dass die Offensivtaktik noch nicht zufriedenstellend funktioniert und man zu sehr von Lukas Podolski abhängig is. Defensiv kann man diese Partie wohl als Ausrutscher werten, es ist zu hoffen, dass man schon gegen Hannover an die Leistungen der letzten beiden Spieltage anknüpfen kann und diesen Auftritt vergessen lässt. Außerdem ist es nun die Aufgabe des Trainers das Spiel mit Ball zu forcieren, denn auch in Berlin zeigte sich die Schwäche der Kölner im Spielaufbau und das fehlende Angriffsmuster.

ob 2. Oktober 2011 um 21:10

Kleine Anmerkung: Der Verein heisst Hertha BSC ( Berliner Sport-Club ) und das Berlin wurde nur für die internationalen Wettbewerbe während des letzten Jahrzehnts angefügt. Im Deutschen ist das allerdings unnötig, es redet ja auch niemand vom HSV Hamburg…

Was die Analyse angeht, sehe ich aber praktisch alle Punkte genauso. Der FC ist eine reine Kontermannschaft und gegen Babbels Hertha muss man vor allem auf die Spieler in der Mittelfeldzentrale pressen, das war ja auch schon in der letzten Saison so, als Niemeyer dort in der Hinrunde meist alleine spielte. Das ist dann womöglich der Nachteil eines ausländischen Trainers, die Zweitligisten hatten das schon früh begriffen und seit dem Aachen-Spiel umgesetzt, dadurch kam es dann zur zeitweiligen Krise der Hertha, bis das Trainerteam auf 4-4-2 umstellte.

Jetzt in der ersten Liga ist das gleiche Muster erkennbar. Der Grossteil des Spielaufbaus läuft über Andreas Ottl. Auf den pressen und man hat Hertha im Griff. Die Kölner mit ihrer reinen Raumdeckung haben das verfehlt und deswegen auch verdient verloren.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*