1. FC Kaiserslautern – Bayern München 0:3

Der deutsche Rekordmeister gewinnt auf dem Betzenberg gegen harmlose Pfälzer durch drei Gomez-Tore verdient mit 3:0.

Bei den Bayern rotierten im Vergleich zum Sieg in Zürich Tymoschchuk und Alaba für Luiz Gustavo und Kroos in die Mannschaft, während Kurz bei Lautern dreimal tauschte nach dem Remis in Köln: Für Kirch, Fortounis und Sukuta-Pasu spielten Petsos, de Wit und Walch.

Starker Münchener Start

Die Bayern begannen mit hohem Tempo, drückten Kaiserslautern hinten rein und kamen auch zu einigen Chancen. Den Gastgebern fehlte in dieser Anfangsphase die Ordnung. Hinzu kam, dass die Bayern recht früh attackierten und sich zweikampfstärker präsentierten.

Am wichtigsten war jedoch, dass Kaiserslautern zwischen Mittelfeld und Abwehr große Probleme hatte, die Bayern konnten hier zu oft eine Überzahl kreieren und den Gegner überladen – Schweinsteiger kam aus der Tiefe, Lahm und Ribéry zogen vom Flügel in die Mitte.

Diese beiden sorgten auch auf jenem linken Flügel selbst für ordentlich Wirbel: Es wurde schnell deutlich, dass in der Abwesenheit von Robben sich das Spiel sehr auf diese linke Seite fokussieren würde. Lahm und Ribéry präsentierten sich sowohl individuell als auch gruppentaktisch gut – war der Ball auf der anderen Seite hielt Ribéry das Spiel breit, während Lahm im Zentrum stand, kam der Ball zum Franzosen behielt man diese Aufteilung bei oder tauschte.

Fast jeder Angriff lief über Ribéry – am Ende hatte er mit unglaublichen 104 Ballkontakten die meisten auf dem Platz, während Alaba auf der anderen Seite – hochgerechnet auf die komplette Spielzeit – auf 41 kommen würde.

Raum für das Pärchen Ribéry-Lahm sollten besonders Schweinsteiger und Müller schaffen. Letzterer versuchte, entweder als Spielpartner und Prellbock zu fungieren oder Gegenspieler von links wegzuziehen, während Schweinsteiger bei seinen Vorstößen auch immer wieder nach links ging, um dort zu helfen.

Kaiserslauterns Defensivkonzept

Es dauerte eine Weile, bis die „roten Teufel“ sich sortiert hatten, doch dann konnten sie mit einer guten taktischen Defensivleistung die Angriffswucht der Bayern eindämmen.

Das Interessante hieran war der Wechsel zwischen der etatmäßigen 4-1-4-1-Defensivformation und einem 4-4-1-1. Zunächst lenkte man mit letzterer Variante die Bayern im Spielaufbau auf außen. In jenem Moment wurde auf das 4-1-4-1 gewechselt, indem sich der offensive Mittelfeldspieler in die Viererreihe auf den Platz des ballfernen zentralen Mittelfeldspielers fallen ließ, welcher selbst zwischen den Linien Grenzgänger aufnehmen und die Lücken beim nun folgenden dynamischen Pressing füllen sollte, das einen Rückpass forcieren sollte und, nachdem dies geschehen war, in der eher engen Spielanlage der Münchener und ihrem langsamen Passspiel einen Nährboden fand.

Vereinfachte Darstellung des FCK-Defensivkonzepts: Der Ball wird auf außen gelenkt (erstes Bildes), woraufhin sich der ballferne Mittelfeldspieler zwischen die Linien fallen lässt, während der offensive Mittelfeldmann dessen Position übernimmt. Die beiden ballnahen Spieler der vorderen Vierreihe setzen Lahm dynamisch unter Druck und forcieren den erneuten Neuanfang eines Spielzuges (zweites Bild)

Man konnte dieses Spielchen wiederholen und dafür bedurfte es vor allem einer hohen Anzahl an Sprints – hier lagen die Pfälzer in der Statistik klar vor den Bayern. Dass diese sich stark auf die linke Seite konzentrierten, erleichterte Kaiserslautern das Verteidigen ebenfalls, da man sich besser darauf einstellen konnte. Insbesondere Ribéry wurde mindestens gedoppelt, was durch die langsame Ballzirkulation nicht aufgelöst werden konnte.

Doch aufgrund der harmonischen Verständigung mit dem gut aufgelegten und quirligen Lahm, der dank Boateng viel für die Offensive tun konnte  und der Hilfe von Müller und vor allem Schweinsteiger, welcher mit seinem Linksdrang die gegnerische Ordnung aufbrach, konnte Ribéry in einigen Momenten der Doppelung entgehen oder die Defensive geöffnet werden, so dass man zu Torchancen kam.

Der Elfmeter, der die Führung brachte (37.), entstand dagegen völlig unspektakulär, als ein langer Freistoß von Boateng in den 16er geflogen kam und den Bayern so doch noch eine Halbzeitführung bescherte.

Zweite Halbzeit

Nach der Pause zeigten sich zunächst die defensiven Vorteile der neuen Rolle Philipp Lahms: Sehr weit eingerückt steht er sich bisweilen ein wenig mit Schweinsteiger auf den Füßen, doch wenn dieser weiter vorne presst und attackiert, kann Lahm im Zentrum mit seiner Spielintelligenz Bälle antizipieren und abfangen und den Gegenangriff einleiten.

Eine Pressingsituation und ein Ballgewinn im Zentrum gingen dann auch dem zweiten Elfmeter respektive dem zweiten Treffer (55.) voraus. Spätestens danach war das Spiel für Kaiserslautern gelaufen – keine Aggressivität sowie keine Präsenz in den Zweikämpfen (55,9 % zugunsten der Bayern) zeugten davon, dass man sich aufgegeben hatte. Bayern durfte den Ball laufen lassen und nach einem Einwurf setzte sich Gomez mit seinem Dreierpack an die Spitze der Torjägerliste.

 Fazit

Nach furiosem Start der Bayern bzw. verpatzten Start Lauterns waren diese mit dem Remis gut bedient, konnten danach mit geschickter Defensivarbeit das Spiel ausgeglichen gestalten.

Doch in den entscheidenden Momenten waren die Münchener nun da, konnten sich befreien und die so kreierten Chancen in Zählbares ummünzen. Hierbei half ihnen auch ihre individuelle Klasse.

Kaiserslautern war letztlich unterlegen und konnte mit der Zweikampf- wie Passstärke des Gegners nicht mithalten – dass man sich im zweiten Durchgang nicht mehr aufbäumte, war enttäuschend, dass man nach vorne vollkommen harmlos war, erschreckend. Daran hatten auch die Bayern ihren Anteil, denen die Mittelfeldspiegelung in Lauterns 4-1-4-1 bei Ballbesitz gelegen kam zum eigenen Gegenpressing, bei dem sie dann wieder ihre individuelle Überlegenheit ausspielen konnten.

Zuletzt muss noch angemerkt werden, dass die quantitative Laufdistanz mit insgesamt unter 110 km nicht zufriedenstellend war – Mönchengladbach kam am ersten Spieltag auf fast 125 km.

Bayern spielte gut, aber nicht überragend, brauchte trotz einer sehr guten Anfangsviertelstunde und dem gelegentlichen Ausbrechen aus der Lauterer Defensivformation zwei Elfmeter und einen Einwurf für ihre Tore – die wahren Prüfsteine kommen wohl erst noch, während man sich am Betzenberg wohl auf eine schwere Saison einstellen muss.

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