Mit Mühe und Uth

3:1

Schalke tut sich schwer gegen Hannovers Pressingstaffelung, aber letztlich einen kleinen Schritt aus der Krise. Ein Kernpunkt dabei: Veränderte Vorbereitungsmuster für Passwege in die Mitte.

Die Ausgangslage: Hannovers Pressing greift

Die Gäste aus Hannover entschieden sich für einen Dreiersturm gegen Schalkes drei Innenverteidiger in der Arbeit gegen den Ball. Hinter dieser engen ersten Pressinglinie konnten die Niedersachsen so auch Bentaleb als primären gegnerischen Verbindungsspieler erst einmal recht gut abschirmen. Wichtig war dann, auf dem Flügel früh genug Druck zu machen und sich nicht zu weit zurückfallen zu lassen: Ballnah pressten die Außenspieler der Hannoveraner entsprechend herausrückend auf ihre königsblauen Pendants, starteten oft etwas tiefer als die mannorientierten Sechser und schoben dann hoch über deren Höhe hinaus.

Dagegen versuchte Schalke unter anderem mit hohen Freilaufbewegungen der Achter vorzugehen: Da diese jedoch oft etwas zu früh begonnen wurden, kam es auch früher zur festlegenden Eingrenzung auf bestimmte Folgeverläufe und Optionen. Mehrmals war der zunächst zur Seite verfolgende ballnahe gegnerische Sechser schnell genug wieder im Halbraum zurück, um dort gegen einen zurückfallenden Stürmer zu unterstützen. Uth und Embolo wechselten sich dabei ab, sich tiefer im Zentrum anzubieten, durch die zunächst sehr klare Anlage dieser Aufgabenteilung konnte Hannover ein situativ mannorientiertes Nachrücken aber gut organisieren – in dieser Konstellation oft auch über Anton als Mittelmann der Abwehrzentrale.

Kam ein Pass zentral auf einen Angreifer durch, hatte Hannover zwischen jenem Herausrücken und der kompakten Sturmreihe die Möglichkeit, sich zusammenzuziehen: Mehrmals ergriffen sie diese Chance auch – durch weitgehend konsequente Rückzugsbewegung der ersten Linie und einige gruppentaktisch gute Zugriffsübergänge – und konnten so entscheidende Überzahl herstellen. Im mittleren Teil des ersten Durchgangs versuchten die Schalker Achter zunehmend, sich herauskippend außerhalb der gegnerischen Formation anzubieten und sich so Spielanteile zu verschaffen. Teilweise geschah dies jedoch gleichzeitig und bedeutete insgesamt immer die Schwierigkeit einer verringerten Präsenz in den Angriffszonen.

Schalke arbeitet sich ins Spiel

Solange Hannover ihren Ansatz in einem höheren Mittelfeldpressing spielte, hatte Schalke Probleme und kam kaum einmal sauber in wertvolle (zentralere) Räume im zweiten Drittel. Das änderte sich aber schon ein Stück weit, als sich die Gäste etwas weiter zurückzogen oder zurückziehen mussten. Eine wichtige und veränderte Ausgangsbasis bildete nun die Zone diagonal neben den Hannoveraner Stürmern, die Schalke stärker nutzen konnte: Zuvor waren die Anbindungen dorthin sofort durch das aggressive Nachschieben der gegnerischen Flügelverteidiger beengt worden.

Gegen eine etwas tiefere, ruhigere Staffelung bei den Niedersachsen hatten die Halbverteidiger nun etwas mehr Möglichkeiten in jenen Räumen. Unter diesen Voraussetzungen ergaben sich schon zwei, drei bessere Situationen für eröffnende Bälle ins Zentrum. Besonders Stambouli brachte im Laufe der Partie mehrere gute Pässe in Freiräume. Hinzu kamen bei der Mannschaft von Domenico Tedesco einige Anpassungen in der genauen Organisation im Übergangs- und Offensivspiel: Beispielsweise pendelten die Stürmern nun vermehrt horizontal an der letzten Linie und konnten mit einigen explosiven Sprints in den äußeren Halbraum von den Halbverteidigern bedient werden, durch die Schnittstellen neben den gegnerischen Sechsern.

Hauptrollen für Uth und Dribblings

Vor allem wurde nun häufiger die Ausgangslage forciert, dass sich beide Achter zu einer Seite bewegten. Das zwang Hannover in den zentralen Mannorientierungen schon einmal zu Entscheidungen. Auf der linken Seite etwa bildete sich ein typisches Muster zur Besetzung des Halbraums zwischen dem aufbauenden Nastasic und dem nochmals weiter aufrückenden Schöpf heraus: Dorthin ließ sich ab Ende der ersten Halbzeit Uth immer wieder dynamisch fallen, erhielt das Leder vom Halbverteidiger und dribbelte kurz an. So gelang es den Gastgebern, allgemein Dynamik aufzunehmen: Fossum musste herausrücken, Hannover sich anpassen, die verschiedenen Mannorientierungen übergeben werden.

In der Folge solcher Aktionen bedeutete das eine größere Chance, dass Unordnung entstünde und irgendwo im Zentrum ein Mitspieler frei würde. Auf diese Weise kam Schalke schon vor der Pause zu zwei guten Spielzügen über die Achter, in denen beide Male Uth durchlief und dann wieder in die Tiefe bedient wurde. Überhaupt: Ein gewonnenes Dribbling bot immer mal die Gelegenheit, Hannovers Grundordnung aufzureißen, um Zug nach vorne aufzunehmen und/oder Mitspieler frei zu spielen. Je nachdem, in welcher Höhe das passierte, war der Effekt eher „zirkulativ“ für Aufrückbewegungen der Kollegen oder wirklich attackierend für „klassische“ Offensivaktionen in der Vertikalen.

Zunehmend sah man bei den Schalkern im Verlaufe der Partie, dass sich die Achter im Laufe von Aufbauaktionen auseinander in die Breite bewegten, um Passwege zwischen die gegnerischen Sechser ins Zentrum zu öffnen. Die dortigen Zurückfallbewegungen der Stürmer hatten so bessere Aussichten, dass im ersten Moment ein Gegenspieler mehr gebunden sein und etwas Antrittsraum für ein Auftaktdribbling gegen die Mannorientierungen aufgehen könnte. Gerade Embolo hatte einige solcher Szenen in Halbzeit zwei – und sei es nur, dass dadurch zusätzliche Übergänge nach vorne oder mal Standardsituationen entstanden. Die Achter starteten dann erst später nach vorne, in diesen Situationen teilweise durchlaufend für die Wege in die Tiefe sorgend.

Thema Umschalten bei den Gästen

Dass die Gastgeber mehr durchs Zentrum kamen, erhöhte auch nochmal leicht ihre Stabilität – obwohl sie, speziell mit den Dribblingaktionen, gar nicht so selten auch Unterzahl in diesen Szenen hatten und gegen die Rückzugsbewegung des Hannoveraner Dreiersturms immer mal noch Bälle so verloren, wie schon zu Beginn des Spiels. Doch selbst wenn die Gäste auf diese Weise kompakt das Leder eroberten und Schalke durch etwaige Ausweichbewegungen der Achter nicht sofort ins Gegenpressing kam: Gerade aus dem Zentrum war es für die Niedersachsen schwierig, die Dreierkette der Schalker Restverteidigung zu überwinden, da sie mit ihrer flachen Ausgangsstaffelung so frontal auf diese zuspielen mussten. Generell kamen sie eigentlich nur selten zu gefährlichen Kontern, aber die vielversprechendsten Ansätze hatte es während der ersten Halbzeit am ehesten aus den Flügelzonen heraus gegeben – untypischerweise.

Auch da stand Schalke teilweise nicht ganz kompakt, mit den ballnahen Akteuren eben recht breit, mit den ballfernen Spielern tendenziell mitunter etwas hoch. Gerade durch das mannorientierte Verfolgen der Sechser konnte Hannover Präsenz dagegen setzen. Bei Ballgewinnen machten Walace und Fossum das teilweise recht geschickt, sich nochmal kurz weiter nach außen freizulaufen und so eine kleinräumige erste Aktion zu forcieren, um dann erst im Anschluss weiträumige Folgeaktionen zu bringen. Gruppentaktisch spielte Hannover das einige Male recht gefällig den Flügel herunter, mit guter Doppelpassnutzung etwa, während sich der ballferne Außenspieler konsequent für Tiefenläufe oder Halbraumverlagerungen einschaltete. Die wirklich klare Chance ergab sich gegen Schalkes Dreierkette aber letztlich nicht.

Hannover nach außen geleitet

Aus dem eigenen Ballbesitz war es die Tiefensicherung der Schalker insbesondere auch im Mittelfeld, mit der die Gäste zu kämpfen hatten. Der Knackpunkt an der Wurzel dessen lag erst einmal in der ersten Aufbaulinie, wo sich die Hannoveraner gegen die beiden gegnerischen Stürmer recht häufig zu den Außenbahnen leiten ließen. Oftmals formierten sie durch eine etwas höhere Position Antons gegenüber den Halbverteidigern eine flache Aufbauraute, spielten diese aber nicht so ganz konsequent aus. Konnte sich Hannover über längere Zirkulationspassagen zwischen den Halnverteidigern oder eine tiefe, breite Unterstützungsposition eines Außenspielers etwas Luft verschaffen, ging Schalkes Verhaltensmuster auf, situativ mit einem der Mittelfeldspieler schnell herauszupressen – im Zweifel auch mal wild.

Wenn die Gastgeber ihre beiden Stürmer jeweils zwischen die Verbindungen der Dreierkette gebracht hatten, konnte sich die Formation der Gastgeber zur Seite verschieben und dort den Raum verknappen: Die Möglichkeit, mit Flügelläufer auf Flügelläufer zu pressen, gab es auch in diese Richtung und die Achter verteidigten grob gegen die Sechser. Ein in dieser Form gelungenes Leiten aus der ersten Linie bedeutete: Hinter der Mittelfeldreihe blieb Bentaleb als weiterer Spieler zur Absicherung – eine gute und meist wirksame Grundlage für die Gastgeber. Das versuchte Schalke auch zur Geltung zu bringen, wenn Hannover sich mal hatte etwas weiter nach arbeiten und die eigenen Bemühungen ins letzte Drittel tragen können.

Frühes Verschieben gegen Rechtsfokus

In ihrer 3-4-3-Grundverteilung setzten die Gäste vorwiegend auf – nicht zu risikoreiche – Flügelangriffe und -überladungen. Situativ schalteten sich darin Fossum als nomineller Offensivspieler bzw. Walace mit seiner Athletik, wie schon in den vergangenen Partien üblich, ein. Normalerweise wechselten sie sich auf der rechten Außenbahn ab: Diese Seite stand klar im Fokus bei den Hannoveranern. Schalke fiel dagegen zügig in die Fünferkette zurück, verließ sich bei der Organisation der seitlichen Verteidigung aber nicht nur auf das Verschieben der Achter.

Durch die starke Ausprägung des Rechtsfokus konnten sie häufiger schon recht frühzeitig mit dem mannschaftlichen Block und insbesondere dem Mittelfeld dorthin rücken. Das ermöglichte es auch, dass gerade auf jener Seite der freie Bentaleb häufiger sehr weiträumig mit nach außen gehen konnte. Teilweise übernahm er dort sogar das Doppeln, während der Achter etwas höher blieb und sich stärker auf den Rückpassweg konzentrierte. Bei Hannover gefiel die ruhige Entscheidungsfindung im Ausspielen: Zwar hatten sie viele eher flache Staffelungen, so dass Schalke sich zudem beim weiten Verschieben des Mittelfelds und speziell Bentalebs nicht zu viele Sorgen ob einer Anfälligkeit im Rückraum machen musste.

Ereignisreiche zweite Halbzeit: Breitenreiters Umstellung und Tore auf beiden Seiten

Aber gelegentlich waren einige kluge, überlegte Neu-Positionierungen, etwa nach Querpässen, in Schnittstellen dabei. Dagegen zeigte Schalke sich in der unmittelbaren Strafraumverteidigung insgesamt nicht so ganz umsichtig organisiert. Beim zwischenzeitlichen Ausgleich der Gäste bildete ein zusätzliches Detail, dass nach den Auswechslungen Uth als offensiver Achter nicht mehr rechtzeitig zur Unterstützung für Schöpf in die tiefen Zonen kam. Zu diesem Zeitpunkt hatte André Breitenreiter bereits eine umgestellte Ausrichtung ins Rennen geschickt. Aus dem 3-4-3 wurde durch Weydant als zusätzlichen Stürmer eigentlich eine 4-4-2-artige Formation.

Diese tendierte aber per Asymmetrie phasenweise – zumal durch die Rollenverteilung und das Personal mit den vorigen Verhaltensmustern – ins 3-4-3 zurück: Albornoz als tieferer Linksverteidiger, Haraguchi als weit zurückfallender Linksaußen, Bebou bzw. später Muslija als höherer Rechtsaußen, die beiden nominellen Mittelstürmer leicht zu jener Seite versetzt. Gegen den Ball stellte sich das oft 4-2-3-1-haft dar, mit weiter mannorientiertem Mittelfeld und den entsprechenden Folgen, aber mehr Halbraumpräsenz durch die Dreierreihe auf Kosten geringerer direkter Pressingmöglichkeiten auf die Flügelverteidiger. Damit machte Hannover nochmals Druck, in den seitlichen Verbindungsstellen wurden sie aber in einer Szene zwischen dem herausrückenden Korb und Elez überspielt und mussten das 3:1 hinnehmen.

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