Allegri besiegt Pochettino in 4 Minuten

1:2

Doch dafür brauchte es einiges an Anlaufzeit in einem Spiel mit interessanten Wechselwirkungen, das in mehreren Phasen verlief.


Phase 1: Vorteil Pochettino

Beide Teams begannen dabei in altbekannten Ausrichtungen. Bei den Gastgebern aus Nord-London gab es grundsätzliche das übliche 4-2-3-1 zu sehen. Hugo Lloris hütete das Tor hinter der etablierten Viererkette aus Trippier, Sanchez, Vertonghen und Davies. Dier und Dembélé agierten davor in einer Doppelsechs. Die offensive Dreierreihe, bestehend aus Eriksen, Alli und Son war aufgrund der eingerückten Rolle des Dänen wie in vorherigen Spielen etwas nach links verschoben. Dies konnte unter anderem durch das charakteristische Ausweichen von Stürmerstar Kane kompensiert werden.

Bei Juventus gab es demgegenüber eine Mischung aus Dreier- und Viererkette zu sehen. Barzagli füllte eine Zwischenrolle aus Halb- und Außenverteidiger aus. Neben ihm spielten Benatia und Chiellini. Alex Sandro agierte auf links wiederum in einer Mischrolle aus Außenverteidiger und Flügelläufer. Auf rechts positionierte sich Douglas Costa wiederum höher als dies bei einer tatsächlichen Dreierkette für den Flügelläufer der Fall gewesen wäre. Im Mittelfeld nahm eindeutig Pjanic den tiefsten Part ein. Als Achter standen ihm die beiden Box-to-Box-Spieler Khedira und Matuidi zur Seite. Dybala startete hinter Higuain, der einzigen Spitze.

Die Partie begann beidseitig mit hohem Anlaufen, wodurch zunächst relativ viele lange Bälle geschlagen wurden. Das ist ohnehin ein Merkmal der Tottenham Hotspur: Zu Spielbeginn versuchen sie mithilfe dieses Mittels häufig entweder unmittelbar (wie etwa gegen Manchester United in der Liga) dank hoher Offensivpräsenz einen Treffer zu erzielen oder andernfalls den gegnerischen Rhythmus zu brechen bis die Intensität nachlässt und die Mannschaft von Mauricio Pochettino mittels ihres ansehnlichen Kombinationsspiels die Kontrolle über das Spiel an sich reißt. Der Gegner soll in jedem Fall in die eigene Hälfte zurückgedrängt werden.

Doch Juventus suchte wiederum, dies zu verhindern und stellte den Aufbau der Gastgeber zu. Dabei griffen sie auf teils sehr klare Mannorientierungen zurück. Dybala und Higuain gingen auf die beiden Innenverteidiger, wobei der erste Pass häufig noch zugelassen wurde. Costa deckte Davies und rückte erst ballfern weiter ins Zentrum oder nach hinten. Khedira verfolgte Dembele, während Matuidi selbiges bei Dier tat – auch bei etwaigen zurückfallenden Bewegungen der beiden. Benatia und Chiellini erzeugten unterdessen eine Überzahl gegen Kane.

Dies hatte einerseits zur Folge, dass Barzagli in unvorteilhafte 1 gegen 1-Duelle mit dem an der letzten Linie breit positionierten Son gezwungen wurde. Hier hatte er einen klaren Geschwindigkeitsnachteil, was zu einer Reihe von gefährlichen Aktionen führte. Douglas Costa konnte nur im tieferen Pressing unterstützten. Ansonsten befand er sich aufgrund seiner Deckungsaufgaben zu weit vom 36-jährigen entfernt.

Der Sechserraum von Juventus stand andererseits relativ offen und die Spurs konnten eine gute Präsenz für zweite Bälle nach Klärungsaktionen oder Ablagen von Kane erzeugen. Pjanic verfolgte zunächst ebenfalls eher Alli, hielt anschließend jedoch seine Position klarer und behielt ihn dabei weiterhin im Auge. Die Zuordnung auf Eriksen blieb etwas unklar. Chiellini konnte zwar auf ihn herausrücken, was jedoch nach Bällen zu Kane nicht möglich war, da er hinter Benatia absichern musste, in dessen Richtung sich der englische Mittelstürmer hierfür eher orientierte. Kane konnte aber auch teils weit nach rechts in den Raum hinter Alex Sandro ausweichen. Dann musste Chiellini ihn wiederum aufnehmen.

Auch Alex Sandro konnte sich nicht rein auf das Bewachen Eriksens beschränken, da Trippier ohne direkten Gegenspieler blieb und je nach Situation entweder vom Brasilianer aus tieferer Position oder eben Matuidi aus höherer Position angelaufen wurde. Der ehemalige PSG-Spieler war so seinerseits daran gehindert, im Sechserraum mit abzusichern.

Schematische Darstellung des hohen Pressings von Juventus Turin.

Das Freilassen Trippiers war vermutlich jedoch kein Zufall. Er konnte eigentlich nur mit hohen Zuspielen erreicht werden, die sich allgemein recht lange in der Luft befinden. Dies gibt dem jeweils anlaufenden Spieler Zeit, ihn unter Druck zu setzen und weitere Optionen abzuschneiden. Bloße Anspiele auf Trippier hätten dementsprechend nicht ausgereicht, um Juventus zu überwinden. Es wären möglicherweise sogar vielversprechende Ballgewinne für den italienischen Meister möglich gewesen.

Erst das Zurückfallen von Eriksen wurde an dieser Stelle wie auch andernorts gegen die mannorientierte Spielweise zum entscheidenden Kniff. Er löste dadurch eine Kettenreaktion aus: Matuidi schob auf den sinnvollerweise tiefer positionierten Trippier heraus, Pjanic musste somit Eriksen folgen. Dier schob im selben Moment etwas höher. Khedira war aufgrund seiner vorherigen Orientierung auf Dembele noch gebunden und konnte erst zu spät reagieren.

Sanchez konnte einen Pass zwischen die Linien anbringen. Ein direktes Weiterspielen auf die offene ballferne Seite konnte zwar noch verhindert werden, doch Tottenham konnte in den freien Räumen seine Dynamik ausspielen. Eriksen stieß umgehend nach, Kane fand ihn im Halbraum. Währenddessen war Trippier am Flügel mit aufgerückt und kam nach gescheitertem Versuch Allis an den Ball.

Seine Flanke zum zweiten Pfosten fand Son, während Barzagli noch im Abwehrzentrum beschäftigt war. Der Koreaner verwandelte unkonventionell zum 1:0. Nicht nur in dieser Szene beeindruckten die Gastgeber mit schneller und numerisch starker Strafraumbesetzung bei gleichzeitig guter Absicherung für Abpraller, die gerne für Distanzschüsse genutzt werden – Eriksen zeichnet sich beispielsweise als Spezialist für diese aus.

Die Entstehung des zwischenzeitlichen 1:0 mit Eriksens Zurückfallen in der Hauptrolle und Son ballfern mit später entscheidender Nebenrolle.

Im eigenen hohen Pressing griff Tottenham ebenfalls auf Mannorientierungen zurück. Deren Zweck ist es im System von Mauricio Pochettino jedoch zumeist nicht, jedes Anspiel komplett zu verhindern, sondern vielmehr einen Gegenspieler direkt im Zugriffsbereich zu haben und diesen bei der Ballannahme aggressiv zu stören. Hierzu schieben dann auch die Mitspieler nach, um den Raum zu verengen, anstatt in der jeweiligen Mannorientierung zu verharren.

Baute Juventus in einer Dreierkette auf, so lief Son Barzagli unmittelbar an, während Kane Zuspiele auf die andere Seite zustellte. Durch die jeweiligen Deckungen der anderen Spieler ergab sich so ein 4-Raute-2 als Reaktion auf den 3-Raute-3-haften Aufbau der alten Dame. Schob Barzagli jedoch etwas höher, so blieb Son seinerseits tiefer, um ihn bei der Ballannahme anzulaufen. Die Staffelung entsprach wiederum einem 4-2-3-1.

Ein besonders guter Zugriffsmoment entstand häufig, wenn Barzagli aus zurückgezogener Position in Richtung von Douglas Costa spielte. Die Distanz für diesen Pass war enorm groß und Davies hatte gemeinsam mit den Nebenleuten eine Menge Zeit, um entsprechend zuzustellen. Auch die aus Bayern-Tagen bekannten Dribblingfähigkeiten des Brasilianers stießen in klarer Unterzahl an ihre Grenzen. Alternativ griff Juventus früh zu langen Bällen, die wenig Effekt hatten.

Tottenhams Pressing gegen Juventus‘ Aufbau in 3-Raute-3-hafter Staffelung. Blass eingefärbt: Aufbau mit höherem Benatia und Sons Reaktion darauf.

Phase 2: Der Weg zum 4-2-3-1 ist der Weg zum Sieg

Nach und nach wurde jedoch die Kehrseite des Pressings der Gastgeber ersichtlich: Der jeweilige Gegenspieler muss jeweils mit hoher Intensität angelaufen werden, ansonsten bekommt er zu viel Zeit für eine Entscheidung. Im Laufe des Spiels kann diese Herangehensweise kaum konstant aufrechterhalten werden. Tottenham zieht sich weiter zurück und wird darüber hinaus passiver im Zugriffsverhalten.

Dies wurde umso mehr zum Schwachpunkt, da Juventus bereits in der dominanteren Phase von Tottenham den ein oder anderen Ansatz hatte, der im weiteren Spielverlauf kontinuierlich auch mithilfe von kleinen taktischen Anpassungen weiterentwickelt wurde. Zum einen seien hier die Überladungen auf der rechten Seite genannt. Sowohl Khedira als auch Dybala bewegten sich bereits in der ersten Halbzeit zur Seitenlinie heraus, während Costa diagonal nach innen zog. Davies folgte ihm dabei oder verzichtete entsprechend darauf, unmittelbar am Flügel anzulaufen. So generierte der italienische Meister des Öfteren freie Spieler. Die Spurs schoben jedoch noch recht intensiv zu.

Gleichzeitig agierten auf links Sandro und Matuidi als Pärchen, wobei letzterer auch immer wieder herauskippte. Auch hier konnte Dybala vereinzelt unterstützen. Vielmehr ging es allerdings darum, den direkten Pass zu Higuain zu finden und mit entsprechenden Bewegungen wiederum Douglas Costa auf der rechten Seite zu isolieren.

Mit zunehmender Spielzeit fanden sich dafür größere Räume, da Tottenhams Vierermittelfeld zunehmend inkohärent agierte und Alli sich um Pjanic kümmerte. Gleichzeitig stieß Matuidi vermehrt in die Tiefe vor, während Khedira sich gerade in der zweiten Halbzeit auf rechts im Aufbauspiel tiefer hielt. Er attackierte erst im weiteren Angriffsverlauf den Strafraum für Flanken.

Direktes Zuspiel auf Higuain samt Tiefenlauf von Dybala, um Douglas Costa ballfern zu isolieren.

Im tieferen Pressing agierte Juventus bis auf einzelne Ausnahmen mit tieferem Douglas Costa bereits grundsätzlich in einem 4-4-1-1/4-4-2 und war somit strukturell nicht weit von einem 4-2-3-1 entfernt. Dieser Trend wurde in Bezug auf das Ballbesitzspiel durch die Umstellungen noch verstärkt. Personell wurde in der 60. Minute zunächst Asamoah für Matuidi eingewechselt. Alex Sandro rückte ins Mittelfeld vor. Die Achter-Rolle in Ballbesitz wurde somit endgültig zu der eines (eingerückten) Flügelspielers, wodurch auch die Pärchenbildung aus der ersten Halbzeit nun auf höhere Zonen übertragen wurde.

Nur eine Minute später kam Lichtsteiner für Benatia. Barzagli wurde zum Innenverteidiger, Lichtsteiner agierte nun mit und gegen den Ball als Außenverteidiger. Somit baute Juventus eine klare Struktur auf, in der Dybala den wichtigsten Part innehatte. Als Zehner pendelte er von einer Seite zur anderen, um Überladungen zu erzeugen. Higuain band die Innenverteidiger, während auch die Außenverteidiger der Spurs auf beiden Seiten direkte Gegenspieler in ihrem Umkreis hatten.

Das 1:1 entstand nach einer Überladung auf rechts. Das 1:2 fiel nachdem eine Überladung auf links aufgelöst wurde und der Ball zurück auf Chiellini ging. Dieser konnte ungestört auf Higuain passen, der wiederum Dybala fand, welcher noch von der Überladung „übrig geblieben“ war und hinter die Kette startete. Davies hob ballfern das Abseits auf, indem er bei Douglas Costa blieb. Das war übrigens nicht das erste Mal an diesem Abend – in einer ähnlichen Szene in der ersten Halbzeit hatten die restlichen Spieler Tottenhams schlichtweg besser Zugriff erzeugen können und die Läufe von Juventus passten zusätzlich nicht optimal.

Rollenverteilung im 4-2-3-1, als Juventus in 4 Minuten zwei Tore schoss. Dybala überall.

Schlussphase und Schlusswort

In Folge des Rückstands reagierten die Gastgeber jedoch keineswegs überstürzt wie man es vielleicht hätte erwarten können. Juventus zog sich hingegen nach einigen Minuten des höheren Anlaufens im nunmehr auch hier klaren 4-4-1-1 an den eigenen Strafraum zurück, was wiederum absolut erwartbar war. Später kam noch Sturaro als Lückenfüller hinzu, der ein 4-1-4-1/4-5-1 erzeugen konnte.

Durch Abkippen von Dier fanden die Spurs zunächst eine gewisse Stabilität in der ersten Linie und ließen den Ball zirkulieren. Eriksen ließ sich antreibend tiefer zurückfallen. Nach Auswechslung von Dier bildete er mit Dembele zusammen die Doppelsechs. Lamela kam in die Partie. Spätestens mit dessen Einwechslung überlud Tottenham das Zentrum und ließ pro Seite nur einen Spieler breit.

Sie nutzten diese Staffelung, gerade nach der späten Hinzunahme Llorentes für Alli, zwar durchaus für Flanken. Diese wurden jedoch keineswegs blind geschlagen, sondern standen im Kontext von Kombinationen und Dribblings, die beispielsweise Räume am zweiten Pfosten schafften oder zu Gegenpressingmomenten führten, in deren Folge es wiederum offene Räume in oder außerhalb des Strafraums gab. Für ein Tor reichte es jedoch nicht mehr.

Die gefühlt teils klare Überlegenheit der Engländer blieb somit ergebnismäßig aber auch in Hinblick auf die Expected Goals (1,8 zu 1,5 in diesem Spiel, 3,4 zu 2,5 + 2 Elfmeter insgesamt) ein Trugschluss, wenngleich ein Weiterkommen durchaus verdient gewesen wäre. Die temporeiche Spielweise, das explosive Besetzen des Strafraums sowie die vielen Schüsse aus mittleren Distanzen lassen manchen Angriffen mitunter vielversprechender aussehen als er es tatsächlich ist. Juventus kreierte demgegenüber eben eher wenige Abschlüsse, die dafür qualitativ hochwertig waren.

Etwas übertrieben dargestellt könnte man in der Gesamtbetrachtung davon sprechen, dass der Taktiker Allegri den Strategen Pochettino eindrucksvoll geschlagen hat. Der Plan A des Argentiniers, die typische Herangehensweise, fruchtete etwa bis zur Halbzeit nahezu vollkommen, ehe sein Gegenüber, dessen spezifischer Plan wiederum zunächst nicht optimal funktionierte, geschickt auf Verschleißerscheinungen beim Gegner reagierte.

Hätte er einfach von Beginn an in einem 4-2-3-1 wie am Ende spielen lassen sollen? Stellt man sich ein solches gegen den Auftritt Tottenhams in der Anfangsphase vor, so kann man dies nur verneinen. Die recht klare Rollenverteilung hätte mit der mannorientierten Verteidigungsweise trotz Freirolle Dybalas nahezu ideal verteidigt werden können.

Das ist die Kunst des In-Game-Coachings: Den passenden Moment für eine Ausrichtung zu finden. Was zu Beginn sinnlos erscheinen mag, kann in einem anderen Kontext spielentscheidend werden. Das hat in erster Linie nichts mit Befindlichkeiten oder individuellen Vorlieben zu tun, sondern mit dem Geschehen auf dem Platz. Hier findet man womöglich am ehesten den Unterschied zwischen einem Amateur und einem Profi. Massimiliano Allegri zeigte jedenfalls seinerseits gegen einen hervorragend eingestellten Gegner, dass er aktuell auf der großen europäischen Bühne einer der versiertesten Trainer ist.

aqqapulqqo 18. März 2018 um 22:03

Der Zug hierzu ist zwar längst abgefahren, aber dennoch:

Normalerweise könnte ich hier mehr schreiben, aber dafür bin ich leider zu spät.
Nur eins: allegri hat zwar durch taktische Kniffe das Spiel gedreht, aber wenn alles normal läuft, führt Tottenham 4:0 und die Sache ist gegessen.
Tottenham war Juventus in allen Belangen überlegen, abgesehen von Umstellungen und neuen Zuordnungen und von mir aus weiteren Dingen, geht das Spiel einfach aus wie es nicht ausgehen darf.
Juventus hat keinerlei Verdienst weitergekommen zu sein und ich verstehe nicht warum das im Artikel keine Erwähnung findet.
Tottenham hat 180 Minuten Fußball gespielt und würde dafür von Chelsea 2.0 bestraft.
Selten so gekotzt nach einem Spiel, aber auch selten so irritiert von einem Artikel.

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CHR4 20. März 2018 um 04:06

da hier zur Zeit wenig los ist, bist du eigentlich nicht unbedingt zu spät 😉

verstehe dich sehr gut! doch wenn dein Herz für Tottenham schlägt, tröste dich andersherum damit, dass du häufig tollen Fußball zu sehen bekommst, während viele andere Teams eher Defensiv-Fetischisten sind und deren Fans sich das dann reinziehen dürfen … 😉

nach dem ExpGoal-Graph hatte Tottenham 3 größere (von denen sie eine gemacht haben) und viele kleinere/nicht so zwingende Chancen – Juve hatte nur zwei große (beide verwandelt) und nur wenige kleine Chancen – bis zu den Toren und danach war Tottenham bei den gewichteten Chancen vorne, wobei da der größte Anteil aus dem guten Plan der 1. Halbzeit resultierte (trotzdem war das 1:0 zur Pause auch in der Höhe den Chancen entsprechend ok)
nach expGoal wäre wohl ein 1:1 „gerecht“ (evt. auch 2:1 für die Spurs) gewesen

https://mobile.twitter.com/11tegen11/status/971504420235218946

aber so ist das Sport – nicht nur im Fußball:
Formel 1: du kannst dir Runde für Runde ein paar Zehntel herausfahren (womit man dann schon ziemlich deutlich überlegen ist) und mit einem Fahrfehler alles wieder zu nichte machen – auch da gibt es Situationen, wo es enger ist und der Gegner dich in den Fehler treibt, aber auch berühmte Situationen, wo der Führende ohne Gegnerdruck in der Konzentration nachlässt (berühmtestes Beispiel ist wohl Sennas Unfall in Monaco 1988 als er mit 50 sec Vorsprung auf seinen Teamkollegen Prost in runde 67 von 78 durch einen Fahrfehler ausschied – dass er das Jahr davor und die 5 Jahre danach diese Rennen gewann und in diesem Jahr Weltmeister wurde, zeigt, dass sowas auch dem Besten passieren kann)

aber für eine längere Diskussion zum Thema „ExpGoal, viele kleinere Chancen, Abschlußstärke“ usw. bist du hier (zumindest für mich) wohl ca. 4 Jahre zu spät, da wurde das hier sehr ausführlich diskutiert

PS: heute heißt es ja immer so schön: wir haben uns nicht belohnt – früher war vorm Tor beim Abschluß nicht cool oder nicht treffsicher genug … (Genauigkeit bei der letzten (und vorletzten) Aktion vorm Tor und Nervenstärke unter Wettkampfdruck gehören zum Spiel halt dazu)
PPS: wenn du von Chelsea 2.0 sprichst: Wie ging es nach dem „Finale dahoam“ weiter für Bayern und Chelsea in den nächsten Jahren? – das sollte dir doch Mut für die Zukunft machen „Twelve months – ohne moment – all different!“

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Apfel 22. März 2018 um 08:12

Wow, das ist voll der umfangreiche und aufmunternde Beitrag von dir, CHR4.
Obwohl ich nicht mal Fan von Tottenham bin, hat dein Beitrag meine Laune verbessert 🙂

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CHR4 30. März 2018 um 22:58

@ aqqapulqqo
@ Apfel

zum Thema “ „häßlicher“ vs. „schöner“ Fußball “ bin über folgenden alten Artikel hier im Archiv gestolpert, der euch interessieren dürfte (Inter 2010, Chelsea 2012 vs. Barcelona usw.)
Danke, freut mich zu hören, dass sich die Laune verbessert hat 🙂 und frohe Ostern!

https://spielverlagerung.de/2012/04/25/fusball-ist-krieg-eine-gegendarstellung/

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August Bebel 12. März 2018 um 19:50

Higuain beeindruckt gerade, was angesichts von Dybalas Topform vielleicht ein bisschen untergeht. Sowohl gegen Tottenham als auch jetzt am Wochenende gegen Udine hat Higuain den Ball stark abgeschirmt und perfekt zu Dybala durchgesteckt. Ich glaube, in der Hinsicht (mit dem Rücken zum Tor) wird Higuain schon mal unterschätzt.

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CHR4 10. März 2018 um 00:53

der Beruf des Trainers gleicht in der Virtuosität dem eines Musikers – man muss wissen, wann man welchen Ton spielt (und dazu wie laut und mit welcher Klangfarbe) – alle möglichen Töne zu kennen reicht halt nicht …

herrlich, wenn solche virtuosen Matchpläne aufgehen und traurig, wenn mangels Einblick und Verstämdnis dann von „unverdient“ und „Glück“ gesprochen wird

PS: gefallen muss mir der Fußball von Juve ja trotzdem nicht 😉 – aber diese Weiterkommen gönne ich ihnen

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Timo 9. März 2018 um 06:40

Nach der tollen Homestory über René Maric gestern im Sportteil der Süddeutschen Zeitung , müsstet ihr RM eigentlich mal überreden, das Spiel von RB Salzburg gegen den BVB selbst zu analysieren. 😉

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CHR4 10. März 2018 um 00:30

das wär genial! 😀 – aber kann natürlich nur NACH dem Rückspiel kommen und auch nur die BVB-Seite betrachten …

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