City gegen United | das Manchester-Derby in der in-depth-Analyse

Ein vorentscheidendes Spiel in der englischen Meisterschaft. Wie in Deutschland und Spanien trafen zwei unterschiedliche Philosophien, wenn auch teilweise anders gemischt, aufeinander. Im el Clásico spielte eine dominante und ballbesitzorientierte Mannschaft als Meister gegen den Erzrivalen aus Madrid. Diese besitzen eine ähnliche Spielphilosophie wie Manchester United und Borussia Dortmund. Gegen schwächere Gegner spielen sie ebenfalls dominant, doch bei stärkeren Gegner nehmen sie oftmals eine stärker auf Konter ausgelegte Ausrichtung an. Sie wählen somit die jeweils passendere Variante.

Barcelona, Bayern und der Herausforderer Manchester City spielen allerdings in eigentlich jedem Spiel auf Ballbesitz. Einerseits aus Philosophiegründen (Barcelona), andererseits weil sich aufgrund der individuellen Unterlegenheit keiner der nationalen Gegner in einen spielerischen Zweikampf einlassen möchte. Teilweise werden die höheren Spielanteile durch eine ultradefensive Spielweise auch erzwungen. In diesem Spiel empfing City den Stadtrivalen und Tabellenführer United. Somit standen die Vorzeichen klar auf einer sehr einseitigen Partie, dennoch gab es einige Zweifler – die zu Teilen sogar Recht behielten.

Wechselwirkungen der jeweiligen Formationen

Die Gastgeber spielten in einer 4-2-2-2-Formation, wo Nasri und Silva zwar nominell auf den Flügen spielten, sich aber zumeist in Halbpositionen oder gar gänzlich im Zentrum aufhielten. Davor hatten sie mit Agüero und Tevez zwei sehr schnelle Anspielstation. Tevez ließ sich allerdings sehr oft ins Mittelfeld fallen, während Agüero sehr oft auf die Flügel auswich. Einige Male besetzten sie jedoch gemeinsam das Sturmzentrum.

Grundformationen zu Spielbeginn

Damit die Außen nicht verwaisten, gab Roberto Mancini seinen Außenverteidigern sehr viele offensive Aufgaben. Sie machten das Spiel breit und sollten ihre Vordermänner hinterlaufen. Besonders Zabaleta zeigte eine starke Partie auf der rechten Seite und harmonierte sehr gut mit Samir Nasri. Clichy auf links wurde von Silva etwas im Stich gelassen, er kam seinen offensiven Pflichten dennoch akzeptabel nach. Interessant war, wie sich Clichy sogar als ballferner Außenverteidiger aungemein hoch positionierte. Damit wollte er sich für Spielverlagerungen anbieten und im Idealfall Silva Räume in der Mitte öffnen.

Um diese zwei offensiven Außenverteidiger abzusichern, hatten sie ein Quadrat aus defensiv eingestellten Spielern. Yaya Toure spielte halbrechts auf der Doppelsechs, rückte allerdings einige Male schnell nach vorne. Mit seiner Athletik und Antizipation eroberte er viele Bälle in der gegnerischen Hälfte und konnte den Ball danach zumeist behaupten. Deswegen erlaubte er sich viele Vorstöße in die Offensive und kam sogar einige Male zum Abschluss.

Gareth Barry sicherte dann zumeist ab und positionierte sich vor den zwei Innenverteidigern. Er verschob immer ballseitig und schloss die Lücken hinter Touré. Dies konnte er allerdings nur machen, weil Ji-Sung Park Touré bis in die eigene Hälfte verfolgte und sich die beiden Innenverteidiger Citys teilweise in Manndeckung an Rooney orientierten. Lescott und Kompany wechselten sich dabei ab, meistens war es jedoch der Belgier, der ins Mittelfeld aufrückte. Damit hatten sie eine Absicherung und konnten die wichtigsten Spieler Uniteds für das Umschalten unter Druck setzen.

Manchester United begann mit einem 4-4-1-1, in welchem sie dieses Jahr regelmäßig auftreten. Der Unterschied war hierbei, dass der hängende Stürmer eher ein Mittelfeldspieler war. Anstatt Rooney begann nämlich Ji-Sung Park auf dieser Position. Rooney begann hingegen als Mittelstürmer an vorderster Front, was für Chicharito, Berbatov und Welbeck einen Platz auf der Bank bedeutete. Diese Maßnahme Fergusons sollte einerseits Yaya Touré kalt stellen, andererseits wollte er die eigene Mannschaft etwas kompakter gestalten. Eine weitere Ursache war das Pressing, worauf wir später noch zurückkommen werden. Sowohl Park als auch Rooney sind schnelle und ausdauernde Spieler, welche vereinzeltes Pressing im gegnerischen Drittel ohne Ermüdungserscheinungen spielen konnten.

Dahinter spielten zwei Viererketten, welche etwas verschoben waren. Giggs und Nani spielten dabei auf den Flügelpositionen, zentral liefen Scholes und Carrick auf. Sie verschoben und zeigten sich bis zu einer gewissen Höhe passiv im Zweikampf. Evra und Jones bildeten ebenso wie ihre Vordermänner ein ungleiches Paar auf den Außenbahnen. In der Innenverteidigung spielten Routinier Ferdinand und Jungstar Smalling.

Asymmetrie

Eine Auffälligkeit in der Formation war die unterschiedliche horizontale Ausrichtung der zwei Viererketten. Jones spielte etwas näher an Smalling, während Ferdinand aufgrund Evras breiterer Position etwas mehr Raum sichern musste. Diese Ausrichtung war im aktiven Spielgeschehen zwar nur teilweise erkennbar, allerdings vorhanden. Die Ursache war neben der Spielweise Citys auch Giggs. Der Waliser ist nicht der dynamischste und kann deswegen in Laufduellen nicht mithalten. Deswegen mussten Evra und Ferdinand mehr Raum übernehmen. Ein weiterer Grund war die offensivere Spielweise Zabaletas und natürlich die zahlreicheren Flankenläufe Nasris. David Silva auf der gegenüberliegenden Seite bewegt sich wie der Franzose oft ins Zentrum, allerdings bricht er deutlich seltener bis zur Grundlinie durch. Hier konnte United also enger spielen, da Clichy wegen Silvas Spielweise etwas passiver als sein Pendant war und Silva sehr ins Zentrum ging.

Des Weiteren orientierte sich Agüero nach links, Tevez ließ sich aber oft ins Mittelfeld zurückfallen. Somit hatte Ferdinand seltener einen direkten Gegenspieler und konnte stärker Raumdeckung spielen. Er übergab seinen gegnerischen Stürmer und war ab dann frei. Giggs füllte die Lücke zwischen Ferdinand und Evra, was trotz der Rarität eine gute Idee zu sein schien. City spielte allerdings schnell und passte ihr Spiel nach der Anfangsphase dementsprechend an, was für Probleme bei United sorgte. Nasri erwischte einen guten Tag und konnte im Verbund mit Zabaleta und Tevez oft in diese Lücke kommen. Das Problem entstand nämlich schon früher, eigentlich wollte United gar nicht so tief spielen.

Manchester Uniteds Pressing

Zu Beginn konnten die Zuschauer im Ettihad nämlich eine aktive United-Mannschaft beobachten. In den ersten zehn Minuten verschoben sie im Block nach vorne und attackierten die gegnerischen Innenverteidiger mit Wayne Rooney. Ab der Mittellinie postierte sich die restliche Mannschaft und Ferguson wollte im Mittelfeldpressing den Ball erobern. Im Laufe des Spiels veränderte sich diese Ausrichtung mehrmals und es wurden zahlreiche unterschiedliche Formationen zur Balleroberung erkennbar.

Pressingformation I: 4-4-1-1

United im 4-4-1-1

Das bereits erwähnte hohe Pressing der Anfangsphase wurde im 4-4-1-1 praktiziert. Rooney schnitt den Passweg der beiden Innenverteidiger zueinander ab, Park lauerte dahinter. Der Koreaner verschob so, dass es je nach Spielfelddrittel unterschiedliche Deckungsschatten auf das gegnerische defensive Mittelfeld gab. Wenn sich die gegnerischen Innenverteidiger tief aufstellten, versuchte Park den nächsten Pass auf den vertikalen Spieler zu lenken. Dann konnte er sofort attackieren und der Ball sollte im Idealfall auf den Außenverteidiger gehen, der dann beengt wurde. Spielte die Abwehr Citys höher, provozierte Park einen Diagonalpass auf den ballferneren Sechser oder zu einem Außenverteidiger. Der Pass wurde länger und das Kollektiv konnte schnell zuschieben.

Diese komplexe Aufgabe gelang allerdings nicht wirklich und zu Beginn hatte Manchester United nur viele Spielanteile, weil City auf Sicherheit spielte. Viele Pässe wurden überhastet gespielt oder weit geschlagen. Barry zeigte sich unter Bedrängnis wie Lescott unsicher. Nach einer holprigen Anfangsphase passte sich City an. Sie stellten eine 5-gegen-3-Überzahl her, indem sich Tevez, Nasri und Silva verstärkt in der Mitte anboten. Das offensive Trio schob ein paar Meter nach hinten, um nicht mehr im Deckungsschatten der Mittelfeldkette Uniteds zu stehen. Sie konnten dank dieser Maßnahme den Ball sicher im Mittelfeld zirkulieren lassen, schoben United damit in deren Hälfte. Die Mittelfeldspieler Citys spielten fluider und mit einer Umstellung zu einem Rechtsfuß vor einem Linksfuß sowie umgekehrt auf rechts erleichterten das Kurzpassspiel.

Deswegen musste sich United positionell verändern und agierte mit anderen Formationen.

Pressingformation II: 4-5-1

Uniteds 4-5-1 (ein 4-2-3-1)

Die zweite Formation war das 4-5-1. Wenn City den Ball lange im vorderen Teil des zweiten Spielfelddrittels passte, dann löste sich Park bisweilen von seiner situativen Manndeckung auf Touré. Er bewegte sich zentraler und versuchte die Passwege abzusperren. Damit sollte der Ball nach außen gehen oder – was perfekt gewesen wäre – nach hinten gespielt werden. United würde in weiterer Folge aufrücken können und sich langsam aus der tiefen Stellung in der eigenen Hälfte befreien.

Die Hoffnung beruhte dennoch hauptsächlich darauf, dass City ungenaue Pässe spielte und Park diese antizipieren würde. Er könnte dann Pässe in die Gasse oder auf Rooney spielen, während die Außen aufrückten. Hierbei waren die Außenverteidiger wichtig, welche schnell nach vorne kommen sollten. Das Problem war, dass City kaum solche Fehlpässe spielte, nachdem sie sich festgesetzt hatten. Silva, Nasri und Touré ließen den Ball hervorragend in den eigenen Reihen laufen, dazu gab es schnelle Pässe nach vorne von den Innenverteidigern. Dies war wichtig, weil United sofort zurückgedrängt wurde und nicht aufrücken konnten. Teilweise entwickelte sich eine Art Schema, nämlich dass United gar nicht versuchte draufzuschieben. Etwas lustlos schienen sie sich dem Schicksal zu ergeben und Park lief dabei viele kurze Sprints, ohne sonderlich aufzufallen.

Damit seinem eigentlichen Sturmpartner geholfen wurde, rückte Rooney hin und wieder aus dem Mittelfeld nach hinten und half aus – ohne wirklich positiven Effekt, ganz im Gegenteil.

Pressingformation III: 4-4-2-0

United im 4-4-2(-0)

Wie einst Thomas Müller in seiner Debütsaison spielte Wayne Rooney eine Art defensive falsche Neun. Er opfert sich und rückt nach hinten, verrichtet neben Pressing ebenfalls viel an klassischer Defensivarbeit. Da United nach der Anfangsphase kaum Zugriff auf das Spiel hatte, bewegte er sich naturgemäß zurück. Der englische Nationalstürmer wollte – sehr löblich – bei der Balleroberung helfen, vernachlässigte dabei allerdings wichtige taktische Aufgaben.

Eigentlich müsste er als offensivster Spieler das Spiel in die Tiefe ziehen, sehr oft verlässt er sich darauf, dass ihm nicht gefolgt wird. Mancini reagierte jedoch darauf, indem er Kompany oder teilweise Lescott (nach der gelben Karte für Kompany logischerweise verstärkt den Engländer) auf Rooney ansetzte. Selbst wenn City im Ballbesitz war, verfolgte ihn einer der Innenverteidiger.

Dies hatte zwei Effekte. Kompany spielte zumeist höher und der gelernte defensive Mittelfeldspieler bot sich intelligent als Anspielstation im defensiven Mittelfeld an. Der Effekt eines zusätzlichen Mittelfeldspielers für United wurde somit neutralisiert. Rooney konnte weder mit Park ein Pärchen bilden, noch dessen Raumdeckung übernehmen, damit der Koreaner wieder Touré zustellte.

Die zweite Konsequenz betraf das Offensivspiel Uniteds. Durch Rooneys tiefe Stellung gab es keine Anspielstation für Befreiungsschläge und schwach gespielte Pässe wurden von der gegnerischen Verteidigung teilweise mühelos aufgelesen. Die Manndeckung auf den United-Star verhinderte desweiteren, dass seine spielgestalterischen Fähigkeiten genutzt werden. Im Normalfall agiert Rooney hinter einem anderen Stürmer. Er kann diesen mit Lochpässen einsetzen oder das Spiel mit langen Bällen auf den Flügel breit machen und danach mit hoher Dynamik nachrücken. Dann kommt er schnell aus der Tiefe und besitzt einen Geschwindigkeitsvorteil.

Weil Kompany bei ihm stand, war Rooney nonstop unter Stress. Er musst seine Mitspieler möglichst schnell einsetzen, stand dabei vor mehreren Problemen. Die Außenspieler konnten aus dieser tiefen Position nicht so schnell aufrücken, Nanis höhere und breitere Position wurde ineffektiv gemacht. Die Absicherungsvariante mit Jones hinter dem Portugiesen wurde ebenfalls obsolet. Auf links konnte der langsam gewordene Giggs ebenfalls nicht schnell genug vorschieben, Rooney blieben somit nur Pässe nach hinten. Hier warteten allerdings die Gegner, welche sehr eng spielten und sofort attackierten. Neben Tevez und Co. zeichnete sich besonders Yaya Touré dabei aus. Ohne Mittelstürmer vor ihm und mit Kompany als Verfolger wurde Rooneys tiefe Stellung hervorragend zu einer Schwäche statt einer Stärke.

Auffallend ist dabei, dass die meisten falschen Neuner sich nur bei einem hohen Pressing (also kein Abwehrpressing wie bei United in diesem Spiel) oder in eigenem Ballbesitz fallen lassen. Thomas Müller tat dies früher wiederholt im Verbund mit seinem hervorragendem Rückwärtspressing und dem Angriffs- beziehungsweise Mittelfeldpressing der damaligen Bayern. Lionel Messi beim FC Barcelona tut dies ohne Ballbesitz sehr selten, Totti früher beim AS Rom nahezu nie. Hier nimmt sich Rooney wie auch Müller eine Sonderstellung heraus, die durchaus spielbar ist. Problematisch wird es, wenn sie keinen Sturmpartner besitzen und extrem tief agieren müssen. Damit sie höher spielten, gab es übrigens eine weitere Pressingformation Uniteds.

Pressingformation IV: 4-1-4-1

Uniteds 4-1-4-1

Hier entstand eine weitere Linie beim Pressing. Mit einer Mittelfeldviererkette vor einem Lückenfüller und Rooney als Sturmspitze wollte United die Räume eng machen. Sie spielten vertikal wie horizontal kompakt, die Räume wurden verengt. Hierbei spielte allerdings die individuelle Klasse Citys eine Rolle. Sie bewegten sich sehr gut in den engen Raum zwischen den zwei Viererketten und auf etwas verbreiterten Halbpositionen. Der Lückenfüller hatte hier keinen Zugriff und mit schnellen Kombinationen konnte City durchbrechen. Falls sie nicht schnell kombinierten, schafften sie es trotzdem, dass der Ball durch einen Rückpass in den eigenen Reihen gehalten werden konnte.

Die Position des Lückenfüllers bei United hing davon ab, ob Park Touré verfolgte und ob dieser über links oder rechts kam. So kam es, dass sich manchmal Carrick in dieser Position fand, andere Male war es wieder Scholes. Einen großen Unterschied machte dies nicht, die kleinen Details waren allerdings sehr fein anzusehen. Wenn Scholes sich hinten befand und United eroberte den Ball, war es ideal. Carrick ist ohnehin der etwas bessere und dynamischere Zweikämpfer, Scholes besitzt herausragende Fähigkeiten im Passspiel. Falls sich Scholes auf dieser Position wiederfand, dann gab es ein Problem. Zumeist war er zu langsam, um eine defensive Aktion sicher und schnell für sich zu entscheiden. Danach war er unter Bedrängnis und spielte auf Carrick. Dieser wird zwar sehr oft unterschätzt und ist ein wichtiger Bestandteil des United-Teams, solche Aufgaben kommen ihm aber ungelegen. Er ist am Ball ungemein stark, kann das Spiel jedoch nicht strukturieren und organisieren.

Deswegen benötigt er einen Partner wie Scholes. Dieser ist jederzeit anspielbereit und die beiden können sich auf einander verlassen. Carrick spielte sehr viele sichere und einfache Pässe, Scholes besitzt diese Fähigkeit ebenfalls in Verbund mit längeren Bällen. Gemeinsam sind sie der Kern der hohen Ballbesitzzahlen Uniteds gegen kleinere Mannschaften. Gegen City kamen die Schwächen dieser Paarung und ihre Fehler zutage. Scholes ist nicht mehr der schnellste, trotz seiner herausragenden spielerischen Qualität, Carrick benötigt einen spielgestalterischen und einen dynamischen Partner. Falls diese ausgeschaltet werden (durch falsche Position oder eine tiefe Stellung), dann hat United ein Problem.

Einer der Gründe, wieso Citys Pressing so gut funktionierte. Die Blauen erinnerten nämlich einmal mehr an eine Mannschaft aus Spanien.

Manchester City, ein Hauch von Barcelona?

In der ersten Halbzeit hatten die Citizens ungemein viel Ballbesitz, dazu gesellten sich ein aggressives Pressing weit vorne im Feld und individualtaktisches Gegenpressing. Dazu sei gesagt, dass der 1:0-Sieg wohl zu knapp ausfiel und United sehr effektiv vom gegnerischen Tor weggehalten wurde. Torwart Joe Hart musste nicht einen Ball fangen und genoss einen ruhigen Abend gegen den nun Ex-Tabellenführer. Die meiste Gefahr ging dabei ironischerweise im gleichen Spielintervall aus, wo auch der vermeintliche Bruder im Geiste aus Katalonien gegen United Probleme hatte.

Die Anfangsphase

Zu Beginn spielte United hoch und presste stark, wie bereits im oberen Teil des Artikels ausgeführt wurde. City hatte somit einen ähnlichen Start wie der FC Barcelona in den CL-Finals gegen United. Wie bei den Katalanen legte sich dies bald. Die Kommunikation auf dem Platz verbesserte sich, die Passmuster fanden sich und die Lücken in der gegnerischen Formation wurden erkannt. Damit ist beispielsweise das Loch zwischen Ferdinand und Evra gemeint, allerdings ebenfalls Dinge wie die mangelnde Kompaktheit Uniteds in ihrer ersten Pressingformation. Daraus resultierte schließlich die Überlegenheit Citys.

Dominanz

Kurze Pässe und schrittweises Aufrücken sorgten für eine geduldige Spielweise Citys. Diese verschärfte sich erst im letzten Spielfelddrittel und glich somit bis zum zweiten Spielfelddrittel durchaus jener Philosophie Barcelonas. Allerdings agierten sie mit einem anderen Spielersystem und klar vertauschten Rollen. Die Spielgestalter befanden sich höher auf dem Platz, das defensive Mittelfeld bestand aus anderen Spielertypen und Mancini ließ weder ein 4-3-3 noch ein 3-3-4/3-4-3 spielen.

Das Stichwort für die Ähnlichkeit hieß aber Dominanz. Die Citizens ließen Ball und Gegner laufen, tauschten die Positionen und überluden teilweise das Zentrum, manchmal die rechte Außenbahn. Das Ziel den Ball zu kontrollieren und Überzahlsituationen im Mittelfeld zu kreieren, glich dem amtierenden Champions-League-Sieger. Hauptverantwortlich dafür war sogar ein ehemaliger Blaugrana-Akteur.

Die Rolle Yaya Tourés

Im Gegensatz zu seiner oftmals abwartenden Rolle beim FC Barcelona spielte Touré gegen United extrem aktiv. Mit Ball beteiligte er sich am Passspiel und bot Silva und Nasri eine sichere Anspielstation in der Tiefe. Körperlich war er seinem Gegenspieler Park dermaßen überlegen, dass dieser teilweise trotz guter Zweikampfführung keine Chance auf den Ball hatte. Tourés enorme Körperkraft in Verbindung mit seiner Größe machen ihn fast unaufhaltbar. Seine Technik ist ebenfalls auf hohem Niveau und mehrmals konnten die City-Fans seine schnellen Vorstöße in die Spitze bestaunen. Aktuell gehört er wohl nicht nur zu den besten Spielern der Premier League, sondern vermutlich zu den komplettesten Mittelfeldspielern weltweit.

Defensiv war seine Leistung ebenfalls ansprechend. Enormer Mut und herausragende Spielintelligenz sorgten dafür, dass er seine Position vor der Doppelsechs jederzeit verlassen durfte. Mancini vertraute ihm hierbei und Touré enttäuschte nicht. Einige Male schob er weit nach vorne und selbst wenn er den Ball nicht eroberte, gab es keine Konsequenzen. Im Normalfall grätschte er so geschickt, dass er ein harmlos wirkendes taktisches Foul ohne Gelbgefahr beging oder den Ball zumindest ins Aus bekam.

Dies klappt so herausragend, weil Touré es wie nur wenige andere versteht, sich beim Anlaufen des Gegners richtig zu positionieren. Er achtet dabei auf seinen Deckungsschatten und stellt bevorzugt Passwege in die Mitte zu. Durch die Mitte kann nämlich extrem schnell und einfach umgeschaltet werden, desweiteren öffnet Touré als nomineller Sechser ja den Raum für den Gegner. Darum nähert er sich dem Gegner auf diese bestimmte Art und Weise und sichert sich dabei in gewisser Weise selbst ab. Der Gegner wird auf die Flanke abgedrängt und Touré nutzt seine Dynamik und Körpergröße. Gleichzeitig achtet er auf Hilfe von Mannschaftspartnern, was bei City und Barcelona automatisch klappt.

Aufgrund des Kurzpassspiels befinden sich immer viele Mitspieler in Ballnähe, Touré ist somit vor zwei Sachen geschützt – einem vertikalen Pass nach vorne dank seines ihm helfenden Außenverteidigers sowie einer Drehung und einem Sicherheitspass nach hinten, da hier der Flügel- oder Mittelstürmer in der Nähe sein sollte. Das Laufduell gewinnt Touré und kann dann sofort das Passspiel mit einem der beiden Spieler suchen oder gar mit seinem Partner auf der Doppelsechs.

Dessen Wert wird neben seinem Weltklassemitspieler Touré nämlich durchaus verkannt.

Gareth Barry und wie wichtig er für dieses Team ist

Der englische Nationalspieler besitzt vornehmlich defensive Aufgaben. Diese zeigten sich insbesondere in diesem Spiel, was an mehreren Faktoren war. Hauptverantwortlich war natürlich die Aufstellung von Silva sowie Nasri auf einen Schlag. Die beiden sind defensiv nicht die besten und vernachlässigen ihre Aufgaben teilweise. Deswegen spielen die Außenverteidiger ungemein hoch, sie müssen die zentrale und teilweise lethargische Positionsinterpretation der beiden Spielgestalter kompensieren. Durch ihre Breite und aufgerückte Stellung lassen sie ein Quadrat in der Defensive übrig. Dieses besteht aus Barry, den beiden Innenverteidigern und dem zweiten Sechser, Touré.

Dieser schaltet sich wie schon erwähnt ins Pressing mit ein und die Stürmer vor ihm spielen sehr weit vorne. Allerdings bieten sowohl Touré als auch der hängende Stürmer Carlos Tevez mit ihrem starken Gegenpressing nach Ballverlusten eine Chance, die Spieler wie Barry unterstützt und das Beste in ihnen zutage fördert. Er kann je nach der Position Tevez‘ und Tourés sowie der Position des Balles seine Position anpassen und anspruchsvoll die Lücken zustellen. Trotz nur zwei Verteidigern als Absicherung schafft es Barry teilweise die Defensive ohne den aufgerückten Touré zu sichern.

Oftmals beteiligt er sich sogar am Pressing. Er verschiebt zum Ball hin und positioniert sich so, dass Touré sofort eine Anspielstation hat. Der Ballführende kann keinen Lochpass in die Mitte schieben, da sich Barry in einer Art Manndeckung zum ballnächsten Mitspieler positioniert. Mit der Spielweise Tourés und Barrys Positionierung wird dem Gegner nur die Option zu einem Laufduell gegeben oder ein Pass nach vorne. Hier bleibt der Ball auf dem Flügel, die athletischen Innenverteidiger, in diesem Fall natürlich Kompany, können herausschieben. Touré übernimmt die Absicherung und hinterläuft den heranstürmenden Innenverteidiger beziehungsweise wird von diesem abgesichert. Barry lässt sich derweilen fallen und bildet abermals eine Zweierkette mit dem verbliebenen Innenverteidiger.

Dieses Konzept sorgt für das Unterbinden oder zumindest Verzögern gegnerischer Angriffe. Citys Verteidiger können zurückkehren und ihre Position einnehmen. Eine riskante Strategie, die dieses Mal aufging. In gewisser Weise ist jeder Erfolg dieser Variante sogar ein Plädoyer für die offensive Ausrichtung auf den Flügeln.

Inverse Doppelzehn und offensive Außenverteidiger

Denn diese offensive Orientierung erlaubt einen Mehrwert an Kreativität im Zentrum. Silva und Nasri konnten mit Tevez Pärchen bilden, sie hatten zahlreiche Anspielstationen und halfen bei der Ballzirkulation. Die Außenverteidiger rückten beide gleichzeitig auf und machten das Spiel breit. Wäre dies nicht oder nur auf der ballnahen Seite geschehen, hätte United den Raum stark verengen und die Löcher zustellen können. Die Schnittstellen wären nicht mehr bespielbar gewesen und die offensiv verwaiste Seite Citys wäre eine Öffnung für schnelle Konter gewesen.

anhand der Laufwege und der Bewegung kann man hier sehr gut nachbilden, wo sich City Überzahlpositionen erschuf und wie die Flanken beackert wurden. Zabaleta wurde von Nasri geholfen und er hatte das Loch in der Formation Uniteds (hinter Giggs) vor sich, deswegen kamen die meisten Angriffe Citys über die starke rechte Seite. Das Zentrum war in Ballbesitz überladen und sie hatten sichere Passwege. Agüero übernahm bisweilen Silvas Anteil an Arbeit auf dem Flügel

Dies war sogar vermutlich die Intention Fergusons gewesen. Ein Loch anbieten, welches von zwei der erfahreneren Spieler verschlossen werden konnte sowie zentral stärker zugeschoben hätte werden sollen. Ferdinand als inverser Innenverteidiger auf den ballfernen Scholes, welcher den hohen Nani in ein eins-gegen-eins mit Clichy bringt, Rooney bietet sich derweil für Gassenpässe an. Dies gelang kaum. Einerseits wurde das Loch nicht geschlossen, andererseits rückten eben die Außenverteidiger mit nach vorne. Die Doppelzehn Manchester Citys sah sich von jeglicher Doppelung befreit und organisierte das Spiel mit.

Generell ist die Idee von zwei engen Flügelspielern, welche viel rochieren und als Spielgestalter fungieren, keine neue und dennoch revolutionäre. Einige Mannschaften spielten damit, unter anderem das große Team Brasiliens in den 80ern. Doppeln ist für den Gegner schwer, Pressing und Ballbesitzspiel wird vereinfacht und die Außenverteidiger können nach vorne stoßen. Bei Spielern wie Dani Alves wäre eine solche Formation Gold wert und wird in einer anderen Ausrichtung beim 4-3-3 des FC Barcelona ohnehin praktiziert. Das Problem ist, wenn die taktische Komponente dahinter nicht passt. Spieler wie Kompany, Touré, Tevez und teilweise Barry, Lescott sowie die Außenverteidiger sind dafür prädestiniert. Nichtsdestotrotz würden Mannschaften wie Bayern oder Real, welche mit einem Dreiermittelfeld, kreativen Spielern und schnellen wie dribbelstarken Flügeln agieren, dieses System vor eine Zerreißprobe stellen. In gewisser Weise geschah dies bereits beim ersten Duell zwischen dem deutschen Meister und den Citizens in dieser CL-Saison. Damit dies nicht so geschah, wurde neben dem von der Suspendierung zurückgekehrten Tevez auch die Spielweise Agüeros etwas verändert.

Agüero und Tevez: das Traumduo?

Tevez‘ Gegenpressing, sein Wille und seine Bissigkeit gaben City den Mut und die Entschlossenheit zurück, welche ihnen zu fehlen schien. Nach Silvas Formabstieg benötigten sie mehr Leidenschaft, um sich in schweren Partien zum Sieg zu zwingen. Diese Mentalität hat Tevez in die Mannschaft gebracht, der unermüdliche Arbeiter ist nach seiner Suspendierung zum Buhmann und wieder zum Fanliebling geworden. Mit Agüero bildet er ein tolles Sturmduo, welches eine sehr interessante Spielweise besitzt.

Sehr oft weicht Tevez zurück, was bereits in diesem Artikel thematisiert wurde. Er lässt sich halbrechts fallen und bildete mit Nasri ein Pärchen, der halblinke Raum wurde dabei Silva überlassen. Damit Clichy aber nicht umgehend aufrücken musste, wenn einer der Kreativspieler den Ball an sich zog, schob Agüero auf den linken Flügel. Die Innenverteidiger Uniteds mussten aufgrund des Abseits wachsam blieben und rückten nur langsam auf. Sie waren ohne Gegenspieler und teilweise verschob sogar das defensive Mittelfeld leicht zu Agüero, der mit seiner breiten Positionierung die Viererkette des Gegners auseinander schieben wollte. Tevez wurde mehr Raum verschafft, Silva konnte nicht extrem beengt werden und City drückte United in ihre eigene Hälfte.

Wenn der Ball quer gespielt wurde und auf Clichy kam, hatte dieser mit Silva in der Halbposition und Agüero weiter vorne zwei Anspielstationen. Agüero konnte dann den Ball für Silva prallen oder sich von Clichy hinterlaufen lassen. Das Spielfeld blieb also konstant breit und die beiden Stars wurden dank Clichy gut unterstützt. Der Franzose erhielt im Gegenzug zwei Anspielstationen und falls diese zugestellt wurden, öffneten sie ihm den Weg für Alleingänge und schnelle diagonale Vorstöße. Einer davon mündete fast in einer Großchance.

Trotz Citys gutem Spiel in der Offensive musste letztlich Tevez gehen – er wurde ausgewechselt, was eine direkte Reaktion auf eine Veränderung Uniteds war.

Einwechslungen

Aufgrund Rooneys Ineffektivität und dem Rückstand entschied Ferguson sich für eine Veränderung. Welbeck kam und spielte als vorderster Stürmer, Rooney agierte nun tiefer und in seiner Paraderolle. Die Laufstärke des eingewechselten Jungstars sollte Citys Abwehr beschäftigen und Rooney mehr Räume geben. Die Kompaktheit bei City im Zentrum löste sich nun auf, Rooney sorgte für eine numerische Überzahl und die Platzherren mussten sich tiefer positionieren.

Mancini reagierte. Tevez kam heraus und de Jong ging als zusätzlicher Mann ins Mittelfeld. Agüero blieb, weil er sich schneller und horizontaler bewegt, als sein Landsmann und Sturmpartner. Wäre Tevez vorne geblieben, hätte es zu einer Situation wie bei United mit Rooney in der ersten Halbzeit kommen können. Deswegen musste „Carlitos“ vom Platz, Kun Agüero blieb und sollte mit seiner technischen Finesse United beschäftigen. City verlagerte sich nun etwas tiefer und auf das Kontern, woraus zu Teilen ein Mittelfeldgeplänkel wurde.

Der ermüdete Scholes ging wenig später für Antonio Valencia vom Platz, Giggs wechselte ins Zentrum. Ziel war mehr Dynamik auf den Flügeln, etwas breiteres Spiel im letzten Spielfelddrittel, Gefahr über beide Flanken (Nani ging auf links, Valencia spielte vor dem defensiveren Jones auf rechts) und natürlich „Ungeduld“ im Spielfeldzentrum. Ryan Giggs zeichnet sich positiv wie negativ dadurch aus, dass er schnell den tödlichen Pass sucht und das Gegenstück zum ruhigeren Scholes darstellt. Dieser beherrscht den Lochpass zwar noch besser, riskiert ihn aber seltener. In der Schlussphase wollte United diesen entscheidenden Stoß erzwingen, was nicht gelang.

City konterte abermals. Mit einer Art Fünferkette wurde Richards in die Mannschaft gebracht, Silva kam heraus. Kompany organisierte das defensive Zentrum, Richards und Lescott spielten neben ihm. Die beiden Außenverteidiger näherten sich ihren direkten Gegenspielern und es entwickelte sich eine Art „Spiel auf Zeit“.

Die nächsten beiden Wechsel hatten mit Ermüdung zu tun – einmal kam Young für Nani, ersterer kann seine Mitspieler etwas besser einsetzen, der Hauptgrund dürfte dennoch eher Nanis schwacher Tag sein. Bei City wurde der defensivere Milner für Nasri eingewechselt, was nichts mehr ändern sollte. Die Hausherren gewannen mit 1:0.

Fazit

Es gab viele taktische herausragende Ideen. So zum Beispiel Fergusons gescheitertes Anbieten des Loches in der Viererkette mit einer vereinfachten Übergabe. Hier wollte er Giggs Schwäche in der Defensive ausmerzen und ihn als verkappten Spielmacher beim Umschalten mit Scholes und Carrick nutzen. Andere Ideen waren bei City sichtbar, ob Doppelzehn oder antizipatives Pressing. Wiederum wurden viele basistaktische Dinge falsch gemacht, beide Mannschaften zeigen sich schwach bei Ecken und der Siegtreffer fiel nach einer solchen. Sie verschoben teilweise ungenau oder falsch, alles in allem jedoch eine intensive und ansehnliche Partie. Bei City wussten besonders Nasri, Touré und Zabaleta zu überzeugen.

Die auftretenden Fragen nach diesem Spiel sind kurz- wie langfristiger Natur. Werden die Citizens Meister? Mit Newcastle wartet noch ein schwerer Gegner. Viel interessanter ist, was dieses Spiel für die Zukunft bedeutet. City verfügt über die Mittel, sich weiterhin zu verstärken. In diesem Spiel und im Vorfeld desselben zeigte sich Mancini sehr gut. Seine taktischen Maßnahmen waren gut, er nahm den Druck mit sogenannten „mindgames“ von seiner Mannschaft und erhöhte jenen auf United. David Silva meinte im Interview bereits, dass dies ein Mitgrund für den Sieg war. Den philosophischen Fragen dieses Sieges bezüglich Kommerzvereinen und ähnlichem wollen wir uns gar nicht annehmen. Ob der Meistertitel wirklich verdient ist, werden wir ebenfalls nicht eruieren. Es mag sein, dass United mit über 290 Verletzungswochen im Kader (die meisten in der Premier League) sehr viel Pech zu beklagen hatte. City hatte hingegen die wenigsten Verletzungswochen (unter 60) im Kader, verspielte einen großen Punktevorsprung nach dem Winter und holte ihn in den letzten Wochen wieder auf. Eine spannende Meisterschaft neigt sich dem Ende.

Die interessantere Frage ist trotzdem, wie die beiden Mannschaften in den nächsten Jahren verfahren werden. City ist finanziell zurzeit überlegen und das Starensemble wird sich nächstes Jahr wohl noch besser einspielen. Uniteds Potenzial liegt brach, mit Ferguson besitzen sie einen der großen Fußballtrainer in der Geschichte. Ihre Jugendspieler werden sich steigern, ob Smalling, Jones oder viele andere. Wayne Rooney gilt für viele als der drittbeste Offensivspieler des Planeten. Was uns Taktiker interessiert, ist die Systemfrage. Seit Jahren schwört United auf das 4-4-2 und eine Fokussierung auf das Flügelspiel. Mit George Best, Ryan Giggs, David Beckham und Lee Sharpe (oder noch früher: Joe Spence und Billy Meredith) sind die Außenstürmer Tradition geworden. Ab den späten Fünfzigern mit den Busby Babes und ihren Nachfolgern stieg United vom 2-3-5 auf ein 4-2-4, entwickelte sich mit der Mode. Das 4-3-3 von Happels Feyenoord und Lobanovskiys Dynamo Kyiv wurde in den frühen 70ern kopiert, nur wenige Jahre später wandelte es Docherty zu einem 4-4-2 ab. Dieses System gab es bei Dynamo Kyiv unter Maslov noch vor dem 4-3-3 und wurde später zur Mode. Ferguson spielte bis heute vorrangig mit diesem System und leichten Variationen davon. Das 4-2-3-1, das 4-4-1-1, das klassische 4-4-2 wie das vermeintliche 4-2-4-0/4-3-3-0 aus den späten 00er-Jahren bei Manchester United sind nur Abwandlungen desselben Grundschemata und der dazugehörigen Philosophie. Eine gewollte Asymmetrie ist bei den Flügelstürmern zu erkennen, in den letzten Jahren stellt sich aber die Frage, wie weit diese Konstanz noch zu tragen ist. Gegen Barcelona wurde United zweimal die Grenze aufgezeigt, dieses Jahr taten sie sich gegen Bielsas Bilbao und Mancinis City ungemein schwer.

Mit einem zurückgekehrten Fletcher und Cleverley oder einer neuen Verpflichtung könnte Manchester United etwas Besonderes schaffen: die Flexibilität zwischen einem 4-3-3 und einem 4-4-2, ein Wechseln nach Situationen und mit Rooney gäbe es den perfekten Stürmer für alle Varianten beider Systeme. Die Zeit wird zeigen, ob Ferguson wieder den taktischen Vorteil zum Rekordmeister holen kann.

geco87 7. Mai 2012 um 19:05

Mich freut besonders an der klasse Analyse, dass Yara Touré hervorgehoben wird. Ich finde ihn auch einfach sensationell und er wird von vielen schlichtweg unterschätzt, da er behäbig und schlaksig daherkommt. Yaya lässt das Schwere einfach aussehen lässt und ist ein überaus eleganter Spieler, zudem ungemein zweikampf- und laufstark. Kompletter kann ein Sechser eigentlich kaum sein. Ein absolutes Muss, auch für einen deutschen Fußballfan, diesen grandiosen Spieler zu kennen und schätzen.

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Flowbama 7. Mai 2012 um 20:22

Von seinen Leistungen zeugt auch sein Marktwert: Seit er Barcelona verlassen hat, ist dieser von 18 auf 35 Millionen gestiegen.

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Zirkeltraining 4. Mai 2012 um 13:03

Zur im Fazit thematisierten möglichen zukünftigen Ausrichtung Uniteds:

Wenn ich mich richtig erinnere, schien Ferguson gegen Anfang der Saison im Spielaufbau in einem „2,5-4-4“ agieren zu lassen. Also mit Dreierkette bestehend aus Torwart und den beiden IV, z.B. Arsenal wurde damit zerlegt.
Er ist davon aber im Laufe der Saison wieder abgekehrt.
Glaubt ihr, er könnte der Idee eine neue Chance geben?

Ich wünsche ein schönes Wochenende!

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RM 4. Mai 2012 um 13:33

Ich denke schon, wobei die Frage ist, wie sich die Mannschaft verändern wird. Wenn mehr spielstarke Spieler für Innenverteidigung und defensives Mittelfeld kommen, kann ich mir einen Wechsel zwischen den beiden Varianten gut vorstellen.

Eine herausragende Analyse gibt es zu dem System im Allgemeinen hier: http://www.r-quadrat.net/44quadrat/?p=334

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Tocovsky 4. Mai 2012 um 16:30

Besonders genial war an dieser Spielweise ja, dass die geringe Anzahl an Verteidigern und der geringe Druck derselben auf den ballführenden Spieler den Gegner zum Torschuss förmlich eingeladen hat, was in vielen vielen qualitativ minderwertigen Chancen endete (wie beim 3:0 gegen Tottenham). Daher bekam ManUnited auch mehr Schüsse auf das eigene Tor als die meisten anderen Teams und kassierte dennoch wenige Gegentore. Die simple Anwendung der Erkenntnis, dass die Qualität und nicht nur die Quantität der gegnerischen Angriffe ausschlaggebend für das eigene Verteidigen sein muss, hat meiner Meinung nach die wirklich innovative Seite dieses Spielsystems ausgemacht, quasi das Gegenteil des Pressings mit ähnlichem Effekt. Vielleicht wird United in Zukunft daran wieder anknüpfen, taktisch interessant wäre es allemal.

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MR 4. Mai 2012 um 22:47

Stichwort Rückwärtspressing. Das ist denke ich ein Ansatz, der noch höhere Relevanz erreichen wird im Spitzenfußball.

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Zirkeltraining 7. Mai 2012 um 19:06

Danke für den tollen Link!

Die fantastische Seite kannte ich schon, der Artikel war mir aber durch die Lappen gegangen.

Scholes und Giggs hören wohl auf, oder? Dann bräuchte man wohl tatsächlich mehr Spielstärke im defensiven Zentrum dafür. Könntet ihr euch den potentiellen Neuzugang Kagawa in einer tieferen Rolle vorstellen? Bei Dortmund ließ er sich ja ab und zu auch mal zurückfallen, aber ist er robust genug, um dort dauerhaft zu spielen?

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Jose Mourinho 4. Mai 2012 um 11:33

Laut Statistik hat United in dieser Saison (57%) gleich viel Ballbesitz wie City (57%). Barcelona dagegen hat durchschnittlich 70% !!. Manchester City spielt nicht wie Barcelona und wird es auch nicht versuchen, da Ballbesitzfussball in der PL nicht funktionieren wird.

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MR 4. Mai 2012 um 12:23

Dafür, dass Ballbesitzfußball nicht funktioniert, läufts bei Swansea aber nich übel. 😉

Von Interesse wäre Citys Ballbesitz in den Spielen mit dem 4-2-2-2 um Nasri und Silva. In dem System sind sie ein völlig anderes Team als wenn sie zum Beispiel 4-2-3-1 mit Yaya als Zehner spielen.

Siehe zum Beispiel diesen fürchterlichen Auftritt: https://spielverlagerung.de/2012/04/09/arsenal-fc-manchester-city-10/

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RM 4. Mai 2012 um 12:51

Interessante Idee.

Hier die Daten der ersten 9 Saisonspiele mit den beiden gemeinsam auf dem Platz für zumindest 45 Minuten:
58%, 64%, 63%, 67%, 64%, 50% (Wolves, ein Mann weniger), 64%, 49% (Liverpool, die spielten sehr tief und aufbauend in der eigenen Hälfte, oder?), 69%.
-> ~61% pro Spiel.

Immerhin; in einer körperlich sehr starken Liga im ersten Jahr mit Agüero, Nasri und Co.

Barcelona:
11/12 = 69,7%
10/11 = 72,1%
09/10 = 68,1%
08/09 = ??? (habe allerdings gelesen, dass sie etwas über 65% lagen, Angaben ohne Gewähr).

Laut gleicher Quelle (nicht whoscored.com, wie bei den oberen Daten der Katalanen!) wie bei den Daten zu ManCity hatten sie im Finale gegen United 2009 übrigens 52% Ballbesitz, City hatte am Montag einen Prozentpunkt mehr.

Ich muss sagen, dass ich beide Zahlen ausgesprochen niedrig finden.

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RM 4. Mai 2012 um 12:31

Manchester City spielt allerdings ebenso viele Kurzpässe wie Swansea (500) und nur fünf weniger als Arsenal. Vor ihrem Tief lag diese Quote sogar bei fast 550 und man war deutlich vor den Londonern. United liegt derweil 27 Kurzpässe zurück und die Ähnlichkeit zum FC Barcelona betrifft nicht den absoluten Ballbesitzwert, sondern die Art und Weise, wie und wann dieser behauptet wird. United wird er eher auferzwungen, City scheint darin aufzugehen und mit ihren vielen technisch starken „Winzlingen“ ähneln sie den Katalanen ja durchaus.

Lediglich Tottenham liegt noch bei über 450 kurzen Pässen in der Liga. Chelsea (trotz Villas-Boas), Liverpool und Co. sind alle darunter; Stoke, Blackburn und Aston Villa sogar unter 300.

Würde man die Kurzpässe auf einen durchschnittlichen Ballbesitz von 50% bringen, dann hätte
– City 438
– Swansea 431
– Arsenal 421
– United 415
– Tottenham 409
– Chelsea 400

Die Citizens also Ligaspitze.

Somit spielt City im gleichen Intervall mehr Pässe, was auf kürzere Passwege und/oder höhere Passgeschwindigkeit schließen lässt – etwas, was man von der Spielweise ja auf Barcelona zurückführen könnte. Hätte es den Einbruch nicht gegeben, wäre der Schnitt noch höher.

Nachtrag: interessant auch, dass Arsenal und insbesondere Swansea viel mehr Pässe im ersten Spielfelddrittel spielen, also ohne wirkliche Bedrängnis. City verbucht den größten und größeren Spielanteil im zweiten Spielfelddrittel.

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Tank 4. Mai 2012 um 02:09

Vielen Dank für den absolut großartigen Artikel. Ich habe das Spiel nur in einer ausführlichen Zusammenfassung gesehen, daher kann ich nicht ganz mitreden. Nachdem was ich aus einer vielzahl von Match-of-the-day-Videos und einigen Live-Spielen jedoch so zusammentrage, erscheint mir City (plus evtl. Arsenal) die einzige englische Spitzenmannschaft zu sein, die sich einer „re-britisierung“ der Art Fußball zu spielen entgegenstemmt. Was ich damit meine ist, dass ich diese Saison den starken Eindruck hatte, dass der Fußball an der Spitze der Premier League an Niveau eingebüßt hat. Das ultraschnelle, aber kontrollierte Umschaltspiel weicht wieder stärker einem kick-and-rush Ansatz mit viel Körperlichkeit. Nur City wählt den ganz entgegengesetzten Weg und nähert sich sogar dem katalanischen Ballbesitzfußball an (garniert mit einer kräftigen Ladung italienischer Defensive).

Ihr reißt diesen letzten Punkt ja auch im Artikel an, aber von mir nochmal die weitergehende Frage: Stimmen auch meine restlichen Thesen? Gibt es in der Premier League momentan einen Zurück in die Zukunft-Trend, der dazu führt, dass auch im europäischen Vergleich England Rückschläge hinnehmen muss? (Das Paradebeispiel ist für mich Liverpool, aber auch United ohne Scholes.)

Nochmal: Großes Lob.

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RM 4. Mai 2012 um 12:54

Hallo Tank,

danke für das Lob. Eventuell findest du ja Antwort auf deine Fragen weiter unten. Ich denke allerdings auch, dass die Teams aus den Niederungen der Tabelle kollektiv zu einer tieferen Formation zurückgehen, Swansea bildet hierbei die löbliche Ausnahme. Dies hat eventuell mit der gestiegenen technischen Stärke bei den Topteams zu tun, welche ich aber individuell und taktisch dennoch etwas schwächer sehe, als noch vor einigen Jahren.

Liverpools ist bereits seit Jahren immer schwächer geworden, unter Benitez feierte man mit viel individueller Stärke, interessanten taktischen Kniffen und einem Lauf den CL-Titel – in der Liga konnten sie sich ja etwas ausruhen. United ohne Scholes ist natürlich die Frage, ob dann Fletcher und Cleverley wieder zurückkehren … zu Saisonbeginn sah das bei United ja ganz gut aus in der Offensive.

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