Kurz ausgeführt: Stuttgarts Chaos verwirrt den BVB

2:2

Es sollte ein angenehmer Mittwochabend für Borussia Dortmund im eigenen Stadion werden, nachdem Jürgen Klopps Mannschaft drei Punkte in Mainz am letzten Wochenende liegen ließ. Doch es kam ein Stuttgarter Team in den Ruhrpott, das nicht nur die Unruhe infolge der Demission von Sportvorstand Fredi Bobic mitbrachte, sondern auch unter Anleitung von Armin Veh Unruhe auf dem Feld verbreitete.

Grundformation in der Anfangsphase

Grundformation in der Anfangsphase

Der VfB-Trainer nahm Martin Harnik aus der Startformation und machte bereits vor dem Spiel beim obligatorischen Interview Andeutungen, dass man etwas anderes versuchen würde. Dies sah im Endeffekt so aus, dass die Schwaben mit zwei bis vier Sechsern auf dem Feld agierten. Neben Oriol Romeu positionierten sich in aller Regel noch Carlos Gruezo halbrechts sowie Moritz Leitner halblinks. Jedoch schob Letztgenannter in der Partie gegen seinen eigentlichen Stammverein besonders in der Anfangsphase etwas weiter auf, während Daniel Didavi ins Zentrum ging. In der gedachten Grundformation eines 4-3-2-1 war Didavi aber vornehmlich als linker Zehner vorgesehen, denn Christian Gentner agierte etwas überraschend auf der halbrechten Position. Somit war das Chaos aber keineswegs perfekt.

Denn neben dieser defensiv noch recht klaren Einteilung war Stuttgart bei eigenem Ballbesitz im ausschwärmenden Modus. Anstatt etwaigen Kettenmechanismen präsentierte der vormalige Tabellenletzte vielmehr eine Aneinanderkettung von gruppentaktischen Elementen. Aus einem Pulk von Zentrumsspielern drifteten bei Angriffen, vornehmlich bei schnelleren Umschaltsituationen, die Spieler in verschiedene Halb- und Flügelräume. Aufgrund der mangelnden Systemstruktur wirkte der BVB seinerseits ein Stück weit verwirrt. Sie bekamen schlichtweg keinen anständigen Zugriff, weil man zunächst nicht wusste, welcher Spieler wohin effektiv schieben sollte. Somit erhielten die Gäste einigen Raum, vor allem fanden sie freiere Zonen vor der Abwehrreihe und versuchten in der ersten Halbzeit mehrmals mit einem Schnittstellenpass Timo Werner hinter die hochstehende Dortmunder Abwehrkette zu schicken.

Was hatte es defensiv mit Vehs Ausrichtung auf sich? Es wirkte in allererster Linie so, als würden die Stuttgarter einerseits eine sehr starke Zentrumsverteidigung forcieren – teilweise erkannte man sogar einen 4-2-2-2-Trichter, aber ohne wirklich leitendes Element – und sich andererseits auf den Rechtsfokus der Dortmunder konzentrierten, der zuletzt im Spiel gegen den FSV Mainz 05 deutlich erkennbar war. Die leicht breitere Rolle Leitners mit dem horizontalen Verschiebevorgang von Seiten Romeus und Gruezos sowie dem Zurückschieben von Didavi ermöglichte eine gewisse Stabilität auf dieser Seite. Gentner zog sich zugleich stärker als Didavi im Defensivablauf zurück, wodurch er mit seinen weiträumigeren Rückwärtsbewegungen den Mittelfeldblock unterstützte. Es ergaben sich durch die Fallbewegungen von Gentner und Didavi ständige Defensivdreiecke mit den Sechsern und nach hinten wiederum 2-1-Stellungen über zwei Sechser mit den Außenverteidigern, die man lenkend einsetzen konnte.

Die leichte Asymmetrie infolge der tieferen Läufe Gentners wurde von Dortmund nur sehr selten bespielt. Meist baute Neven Subotić als rechter Innenverteidiger auf und schob auf die Höhe von Sven Bender. Diese Struktur war zuletzt bereits gegen Arsenal zu beobachten. Allerdings erfolgten im Aufbau selten diagonale Zuspiele in den linken Halbraum. Insgesamt wirkte der BVB in der ersten Halbzeit gegen das chaotische 4-3-2-1 etwas machtlos. Die Borussen starteten selbst in einer 4-3-2-1-haften Formation mit Pierre-Emerick Aubameyang als nach links ausweichenden Zehner und Shinji Kagawa vorerst aus einer tieferen Stellung. Die Dortmunder gingen jedoch nach rund einer halben Stunde in das eher gewohnte 4-2-3-1 über und blieben damit bei einer recht schematischen Offensivstruktur.

Nach der Pause wurde diese Vorstellung garniert durch zwei defensive Aussetzer. Beim zweiten Tor war auf einmal Marcel Schmelzer allein gegen mehrere Stuttgarter, wo entweder der Linksverteidiger die Abseitsfalle verschlief oder die Kommunikation mit den beiden Nebenmännern nicht funktionierte. Schlussendlich erzwang der BVB noch den Ausgleich in einer recht wilden Endphase. Stuttgarts Plan ging folglich bis zum erwartungsgemäßen Zurückziehen in tiefe 4-5-1-Stellungen, später sogar mit drei Innenverteidigern, auf.

flowrider 27. September 2014 um 13:27

Irgendwie merkt man zur Zeit, dass Jojic nocht nicht die taktische Reife hat um auf der 6 die Verantwortung im Spielaufbau zu übernehmen. Sokratis Box-to-Box-Rolle fand ich auch eher sehr wild und übermotiviert.

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knorke 26. September 2014 um 11:26

Schade, dass unter den Artikeln neuerdings kein „Fazit“ mehr ist. Ich lese gerne mal punktuell quer und dann das Fazit, was jetzt leider nicht mehr geht 🙁

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CE 26. September 2014 um 16:19

Das ist auch nur ein „Kurz ausgeführt“. Bei der nächsten kompletten Spielanalyse ist auf alle Fälle ein Fazit dabei.

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Izi 25. September 2014 um 21:51

Dass beim VfB Chaos an der Tagesordnung ist, bin ich als Fan leider gewohnt… Dieses offensive Chaos jedoch gefällt mir ausgesprochen gut! 🙂 Meint ihr, Veh bleibt dabei? Wäre sicherlich interessant…

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Max 25. September 2014 um 13:52

Schade, dass so wenig auf die Aufholjagd der Borussen – und die damit verbundenen Umstellungen – eingegangen wurde.
Warum schafft es Stuttgart nie, eine Führung a) herunter zu spielen oder b) wenigstens über die Zeit zu retten?

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schmellkreutz 25. September 2014 um 13:15

Ich war überrascht von Sokratis box-to-box-performance nach der Einwechslung Hummels. Maruoka auf der sechs wäre auch interessant gewesen für die Schlussphase.

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haubentaucher 25. September 2014 um 13:39

Erging mir genauso. Sokratis bringt zwar für die „neue“ Position in der gestrigen Schlussphase erstaunlich viel Dynamik mit, ihm fehlt aber m.M.n. gegen tiefstehende und im Zentrum engmaschige verteidigende Stuttgarter an nötiger enger Ballführung, um in der Schlussphase noch Akzente zu setzen. Wenn Klopp da schon Hummels bringt (statt wie von Dir vorgeschlagen bspw. Maruoka), warum hat man diesen dann nicht auf die „6“ gestellt? Hat dort schließlich schon einiges an Erfahrung gesammelt und ist auch mit der nötigen Ballführung ausgestattet, um dort effektiv Bälle zu verteilen.

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Koom 25. September 2014 um 13:52

Hummels kann auch von der IV-Position viel für die Offensive tun, da er ja ein exzellentes langes Paßspiel besitzt. Rückt man ihn nach vorne auf die 6, wird er dort mehr von Stuttgart gedeckt (bspw. durch deren Stürmer) und er kann diese Stärke schlechter einbringen.

Sokratis hingegen hat diese Stärke nicht, bringt dafür mehr Dynamik ein, ähnlich wie Khedira. Er kann dann flexibel auf dem Platz rummarodieren als Box-to-Box-Spieler mit hoher Zweikampfstärke und „Körperlichkeit“. Hat ja auch ganz gut funktioniert.

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Max 25. September 2014 um 14:04

Eben. Hat genauso funktioniert wie der geordnete Spielaufbau durch Hummels. Da war ja wenig planloses Ball-nach-vorne-dreschen. Manchem Borusse auf der Tribüne ging der Spielaufbau sogar zu langsam 😉

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B@rt 25. September 2014 um 12:00

Hey, danke für den Artikel, aber ich glaube es hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Das Ergebnis des Spieles war – leider – 2:2 und nicht 2:0 😉

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CE 25. September 2014 um 12:59

Oh, Danke.

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