Schalke plant gut, Bayern spielt besser

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„Bayern ist zu gut. Bayern ist zu gut. Bayern, Bayern, Bayern ist zu gut“ – fast berühmter Fangesang.


Schalke vs Bayern - Grundformationen

Grundformationen zu Beginn.

In der ersten englischen Woche der Saison kam es sogleich zum ewigen Duell zwischen Schalke 04 und Bayern München. Unter Neutrainer Tedesco sammelten die Königsblauen aus den ersten vier Spielen neun Punkte und machten sich dementsprechend Hoffnungen, dem verhältnismäßig wacklig gestarteten Rekordmeister einen weiteren Punktverlust zuzufügen.

Hierfür setzte die Heimmannschaft wie in der gesamten Saison auf eine 3-2-4-1-Grundformation. Im Vergleich zum Spiel gegen Werder Bremen formierte sich die Doppelsechs mit Bentaleb und McKennie gänzlich neu. Goretzka rückte auf die rechte Zehnerposition, während Harit auf die linke Seite wechselte und Konoplyanka zunächst nur ein Platz auf der Bank blieb.

Auch die Bayern setzten auf dieselbe Grundformation wie beim 4:0 gegen Mainz und tauschten dabei die beiden defensiven Mittelfeldspieler des 4-2-3-1 aus: Statt Vidal und Thiago starteten Rudy und Tolisso. Zudem wurde die Innenverteidigung komplett ausgetauscht: Für Hummels und Boateng kamen Süle und Martinez in die Startelf. Arjen Robben bekam eine Pause und bescherte James Rodriguez somit das Startdebüt in der Bundesliga.

Pressing-Rätsel

Domenico Tedesco war sich der Herausforderung, vor die der FC Bayern sein Team stellen würde, bewusst. Dies verdeutlichte er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Eine der größten Stärken der Bayern „ist das Flügelspiel“, sagt Tedesco. „Dort sind sie in der Lage, ihre Sache außergewöhnlich gut und in einem extrem hohen Tempo zu machen. Sei es durch simple Muster wie Hinterlaufen des Gegners oder einen Doppelpass.“ Um solche Situationen zu verteidigen, „kann man es sich nicht erlauben, den Flügel nur mit einem Mann zu besetzen“. Doppeln sei das Mindeste – noch besser wäre, den angreifenden Münchener mit drei Spielern zu attackieren. „Wenn man das macht, kann sich allerdings ein nummerisches Problem im Zentrum ergeben“, warnt der Coach.

Seine Aussagen lassen sich beispielsweise mit der Herangehensweise der TSG Hoffenheim gegen die Münchener unterlegen. Die Mannschaft von Julian Nagelsmann begann die Partie in einem 5-4-1/5-2-3, wie es auch Schalke üblicherweise praktiziert. Dadurch ergab sich jedoch häufig viel Raum für Rafinha, wenn Rudy das Pressing auf sich zog und dann gegen die Bewegung der Hoffenheimer nach außen spielte. Daraufhin wechselten die Kraichgauer zurück zu ihrer üblichen Ausrichtung. Tedesco dazu: „Hoffenheim hat gegen München im 5-3-2-System gespielt – mit einer Sechs und zwei Achtern. Mit drei Leuten im Mittelfeld muss man stark verschieben. Man hat brutale Wege, muss teilweise 20 Meter im Sprint absolvieren, um die Außenverteidiger der Bayern unter Druck zu setzen. Das ist nicht frei von Risiko.“

Die Lösung für diesen Abend lautete: Prinzipiell bleibt alles beim Alten. Die Grundformation bleibt ein 5-4-1/5-2-3 wird jedoch in einigen Details angepasst, um Nachteile so gut wie möglich zu kaschieren. Dies betrifft zunächst die Orientierung der offensiven Mittelfeldspieler, die eine Hybridrolle aus Zehner und Flügel einnehmen. Auch wenn es ein paar Mal exakt zu der von TE beschriebenen Szene aus Bayerns Gastspiel in Hoffenheim kam, sollten die offensiven Mittelfeldspieler primär den Zugriff auf den Außenverteidiger herstellen. Rudy und Tolisso wurden eher von Bentaleb und McKennie angelaufen, wobei Burgstaller aus der Stürmerposition mitpresste.

Zudem gab es im Schalker Pressing eine leichte Tendenz zum 5-3-2, indem Goretzka, auch aufgrund Rafinhas Rolle, zunächst fast schon als Halbstürmer agierte und sich später immer mal etwas tiefer hielt als Harit auf der gegenüberliegenden Seite. Letzteres hatte zugleich den Effekt, dass Bayern auf ihre eigene linke Seite geleitet wurde. Möglicherweise eine Reaktion auf den Halbrechts-Fokus aus dem Mainz-Spiel.

Dies wurde insbesondere deutlich, wenn Rafinha den Ball unter Druck zurück zu Süle spielte und dieser weiter zu Martinez verlagerte. Harit lief diesen nun so an, dass ein Pass nach rechts nicht mehr möglich war und Martinez wieder nach links zirkulieren konnte. Schalke formierte sich dann situativ in einem diagonalen 5-2-3 beziehungsweise einer Raute vorne mit verschobenem Stürmer. Harit, Burgstaller und Goretzka befanden sich dabei auf einer schrägen Linie von links oben nach rechts unten. Bentaleb schob im Vergleich zu McKennie höher, um den Pass zu einem der Sechser zu verhindern oder abzufangen.

Bayerischer Flügeldruchbruch auf links.

Bayerischer Flügeldruchbruch auf links.

Auf gewisse Art und Weise schaufelten sich die Schalker damit jedoch ihr eigenes Grab. Denn gerade in der ersten Halbzeit generierte die Mannschaft von Carlo Ancelotti über links einige gefährliche Momente. Dabei konnten sie vor allem die Zugriffs- und Positionierungsprobleme Caligiuris in der Position des rechten Flügelläufers für einige direkte Durchbrüche nutzen. Genau das Verhalten dieses einen Spielers kann in Fünferketten-Formationen grundsätzlich ganz entscheidende sein.

Es kann relativ leicht zu Situationen kommen, in denen der Flügelläufer praktisch im „leeren“ Raum steht und weder Zugriff auf den Außenverteidiger noch auf den Flügelspieler generieren kann.

Startet er zu früh, um den Außenverteidiger zu pressen, lässt er den Raum für ein direktes Zuspiel zum Flügelspieler offen. Attackiert er zu spät oder gar nicht und bleibt stattdessen mannorientiert am Flügelspieler, hat der gegnerische Außenverteidiger viel Zeit, eine Entscheidung zu treffen, wenn er am offensiven Mittelfeldspieler vorbeikommt. Merkt der Flügelläufer das und rückt verspätet vor, sieht er sich einer 1 gegen 2-Situation gegenüber.

Dies hängt weiterhin mit der Rolle des Halbverteidigers hinter dem Flügelläufer zusammen sowie dem Kettenverhalten im Allgemeinen. Dieser Halbverteidiger, im konkreten Fall Thilo Kehrer, müsste eigentlich für den Flügelläufer durchsichern, sobald dieser vorrückt und dabei den Flügelspieler in seinem Zugriffsradius behalten. Nun war Schalke allerdings in der Abwehrreihe relativ stark darauf bedacht, seinerseits im Zweifelsfall eher 2 gegen 1-Situationen gegen die bayerischen Angreifer zu erzeugen statt komplett zur Ballseite durchzuschieben.

Kehrer blieb im Zweifelsfall erst einmal zentraler, vor allem wenn Müller oder Lewandowski ihn und Naldo entsprechend mit Tiefenläufen beschäftigten. Bei Pass auf Coman, kam er dann zum 1 gegen 1 heraus, hatte jedoch praktisch keine Absicherung, da Naldo sich seinerseits im 1 gegen 1 dahinter befand und der Rest der Kette eher weit entfernt stand. Das ist dann ein ziemliches Mismatch und die Folge der zuvor beschriebenen kleinen Fehler. Thilo Kehrer hatte es an diesem Abend jedenfalls nicht leicht.

Einen möglichen Nutzen des Herstellens von 2 gegen 1-Situationen in der Kette sah man übrigens, als Schalke beim Stand von 0:0 nach Pass von Martinez in Richtung Müller aus eben jener Situation nach vorne verteidigte, den Ball mit Tempo gewann und die Bayern nicht mehr ins Gegenpressing kommen konnten. Andererseits waren sie aber auch anfällig, wenn Müller aus der Zehnerposition nach vorne sprintete, zwei Spieler sich zu ihm orientierten und Lewandowski gleichzeitig in den vergrößerten Zwischenlinienraum zurückfiel und den Ball dort teils unbedrängt erhalten konnte.

Rechtsüberladung sorgt für Chancen auf links

Als die Königsblauen diese simplen Flügeldurchbrüche mit einem frühzeitigen Verschieben zur Seitenlinie beantworteten, blieb der ballferne Halbraum für ein direktes oder indirektes Bespielen frei. Coman reagierte, indem er noch fokussierter einrückte. Bereits gegen Mainz bewies er, dass ihm diese Rolle eigentlich sogar viel mehr liegt, als einfach dauerhaft breit zu bleiben und ins 1 gegen 1 zu gehen. Das geht halt auch, weil 1 gegen 1 nicht so schwer ist, wenn man eigentlich liebe 1 gegen 3 spielt.

Jenes Einrücken zeigte sich vor allem nach Verlagerungen effektiv. Diese hatten ihren Ausgangspunkt, wenn Bayern auf die eigene rechte Seite kam und diese um die Mittellinie herum überlud, was letztlich der Ausgangspunkt der weiteren Angriffsbemühungen war. Hierfür ließ sich James weit zurückfallen und nahm effektiv die Position Tolissos ein, der als Antwort darauf balancierend nach vorne ging. Schalke schob daraufhin weit herüber, um eine Überzahl zu erzeugen. Manchmal kam gar McKennie von rechts nahezu bis zur Seitenlinie, damit ein gewisser Druck aufrechterhalten und ein Herausspielen nach innen erschwert wurde.

Im besten Fall führte dies zu Flanken des höher agierenden Kimmich. Dabei ließ Tedescos Mannschaft allerdings Rückpässe zu Rudy oder einem der Innenverteidiger offen. Coman hatte in der Folge, in leicht anderer Situation als vom Schalker Trainer gemeint, Raum im Zentrum.

Vor dem Elfmeter zum 1:0 startete James aus zurückgefallener Position auf rechts, um nach Verlagerung diagonal nach links vorne zu sprinten. Dabei kreuzte er vor Naldo in den Strafraum, wo er auch den Ball erhielt und das Handspiel provozierte.
Im Laufe des Spiels wurde dieses Zurückfallen seltener und der Kolumbianer agierte, wie beim spektakulären Treffer zum 3:0, eher in Strafraumnähe, wo er als Nadelspieler zu glänzen wusste. Mit den Einwechslungen von Vidal und Thiago agierten die Münchener zudem insgesamt wieder 4-3-3-hafter, teils ohne klare Sturmspitze.

Schalke kehrte im zweiten Durchgang demgegenüber ein paar Details im Pressing um. Das diagonale 5-2-3 war weiterhin zu sehen, allerdings nun mit Leiten auf Bayerns rechte Seite. Dies erleichterte Caligiuris Rolle, indem er etwas weiter vorgeschoben agierte und Rafinha eher mal hoch attackieren konnte. Durch die Einwechslungen von Embolo und Konoplyanka bildeten dann auch Bentaleb und Goretzka die Doppelsechs, was insgesamt für eine aggressivere Spielanlage der Schalker und gegen Ende eher für vermehrte 5-1-3-1-Staffelungen mit ballfernem Zocken der offensiven Mittelfeldspieler sorgte.

Schalke versus Bayern Szene 1

Bayern spielt aus dem rechtsseitigen Fokus in den linken Halbraum durch. Coman zieht gegen das Verschieben von Goretzka und Caligiuri nach Innen. Kehrer muss auf ihn Herausrücken. Lewandowski löst sich geschickt in den dessen Rücken und erhält den Ball in aussichtsreicher Position.

Schalkes Wunsch nach Kontrolle schlägt fehl

Nach eher vorsichtigem Sechserverhalten im ersten Durchgang, erhöhte sich so auch im Ballbesitzspiel der Schalker die Präsenz in höheren Zonen. Von den öffentlich formulierten Vorstellungen des Trainers zeigten sich Gastgeber dennoch relativ weit entfernt. Selten gelang es, den Ball für längere Zeit in den eigenen Reihen zu halten. Das Positionsspiel der Schalker fokussiert sich, wie auch auf der Formationsgrafik zu erkennen, um eine linksseitige und eine rechtsseitige Raute aus Halbverteidiger, Sechser, offensivem Mittelfeldspieler und Flügelläufer. Die Rollen unterscheiden sich dabei ein wenig: Oczipka und Harit interagierten mehr direkt miteinander, während Caligiuri auf rechts breit blieb und Goretzka eher den Halbraum hielt oder ins Zentrum ging, um für ein situatives 3-4-1-2 zu sorgen.

Im besten Fall konnten so schnelle Flügeldurchbrüche erzielt werden. Die Bayern zeigten sich auf die Auslegung des Schalker Spiels jedoch vorbereitet. Sie liefen wieder vermehrt höher an. Entweder in einem leicht verschobenen 4-2-3-1, bei dem der ballnahe Flügelspieler seinen Deckungsschatten über Schalkes Flügelläufer legte und der ballnahe Außenverteidiger etwas hochschob. Oder auch immer wieder mal in einem 4-1-2-3/4-3-3, bei dem etwa auch Müller situativ den Achter gab-

Im tieferen Pressing blieb es beim 4-4-1-1/4-4-2, das grundsätzlich stabil ausgeführt wird. Einzelne Probleme ergaben sich in der Tiefensicherung oder wenn Schalke gezielt Lücken innerhalb der Formation diagonal bespielte und diese Pässe mit entsprechenden gegnerbindenden Läufen (etwa von Goretzka) unterstützt wurden.

Fazit

Schalke hatte zwar durchaus Ideen gegen das Ballbesitzspiel der Münchener, doch sie scheiterten an vielen sich summierenden Details und der flexiblen Ausrichtung des Rekordmeisters. Zudem zeigt sich, gerade beim Blick auf die jüngere taktische Vergangenheit der Königsblauen: Guter Ballbesitz braucht Zeit (oder Rudy, James, Coman, Müller…). Was diese mit Tedesco und Tedesco mit ihr macht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

rb 25. September 2017 um 08:10

@Daniel: Bzgl. der Abschlussstärke von Offensivspielern wurde auf statsbomb.com schon eine Auswertung erstellt: http://statsbomb.com/2017/07/quantifying-finishing-skill/

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Daniel 26. September 2017 um 12:26

Danke rb und CHR4 für die Zahlen. Obwohl ich sowohl Auba als auch Lewy und Müller nicht für überragende Abschlussspieler halte bin ich doch überrascht, dass sie so schlecht sind. Dass Robben der statistisch gesehen beste Finisher Bayerns ist dürfte die wenigsten überraschen, dass Ribéry vor Lewy und Müller ist erstaunt mich schon mehr. James starke Platzierung lässt ja einiges erhoffen.

„überhaupt ist die bundesliga in den top50 doch sehr unterrepräsentiert (auch wenn alex meiers qualitäten sehr gut erfasst sind :D)“
Das ist halt Meiers ganz große Stärke. Er ist langsam, dribbelschwach, technisch nicht besonders versiert…aber aus genau diesem Grund war er einer der besten Angreifer der Buli.
Den Eindruck, dass die Buli im Bereich Abschlussstärke etwas unterrepräsentiert ist, hab ich aber schon länger, insbesondere im Europapokal. Hab es letzte Saison schonmal geschrieben: Die deutschen Teams im Europapokal scheiden meinem Eindruck nach stark überdurchschnittlich oft in Spielen aus, in denen sie eigentlich auf Augenhöhe oder zumindest überlegen waren-„unverdient“ ist da dann ein beliebter Terminus. Der Grund liegt meiner Beobachtung nach häufig an Fehlern im Defensivverbung und noch häufiger an mangelhafter Chancenverwertung.
Ein Spieler, bei dem es mich wundert, dass er nicht auftaucht, ist Timo Werner. Ich empfinde ihn im Abschluss als sehr stark, in diesem Bereich als den besten deutschen Spieler seit langem. Vielleicht wird er aber in der Statistik noch von seinen Werten aus der Stuttgarter Zeit runtergezogen, als er viele Chancen versiebt hat.

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tobit 26. September 2017 um 12:35

Bei jungen Spielern (nicht nur Werner) wäre ich generell vorsichtig, da die Datenlage da relativ sparsam ist und sie oft bei etwas kleineren Teams starten – da kann auch ein guter Finisher schlecht aussehen.
Müller war vor Guardiola auch kein herausragender Abschlussspieler, sondern ein sehr gut scorender (Tore und Vorlagen) Offensivallrounder. Die letzten 18 Monate waren dann abschlussmäßig auch ziemlich schlecht.

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a_m 22. September 2017 um 09:21

Keine Frage die akut zum Artikel passt, aber zu zwei Spielern der beiden Mannschaften: Warum gehen Rudy und Goretzka gerade so durch die Decke? Sind die so gut? Waren sie schon so gut? Haben sie einfach zufällig jetzt gerade einen Riesenschritt gemacht?
Goretzka wurde für mein Gefühl die letzten Jahre überhypt, dann hat er jedoch einen augenscheinlich starken Confed Cup gespielt und jetzt geht der Hype in der Liga weiter. Ist er einfach so gut und man konnte es als Laie nur nicht so sehen?
Nahezu gleiches gilt für Rudy. Bei Hoffenheim schon eine tragende Figur die letzten Saisons, aber irgendwie stets graumäusig. Bei Jogi das Mädchen für alles, bevor er dank besserer Optionen auf den defensiven Außenbahnen nun im Confed Cup kontinuierlich im Mittelfeldzentrum ran durfte. Jetzt bei den Bayern mit überraschend viel Spielzeit und auch guten Auftritten, insbesondere auch im Hinblick der zusätzlichen Verpflichtung von Tolisso.

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tobit 22. September 2017 um 09:57

Die grundsätzlichen Fähigkeiten waren schon lange da. Beide haben sich im letzten Jahr als absolute Leistungsträger ihrer Teams bewiesen und viel Verantwortung übernommen. Gleichzeitig wurden sie vorher selten wirklich gut eingebunden (Rudy passt nur schwer in eine Kontermannschaft, Goretzka ist kein Spielmacher), weshalb sie unter dem Radar blieben.
Nationalmannschaftserfolge und bevorstehende Wechsel zu den Bayern sind immer auch von Vorteil für das eigene Bild in der Öffentlichkeit.
Dass Rudy sich jetzt durchsetzt liegt auch an der Zusammensetzung des Bayern-Mittelfelds. Vidal und Tolisso sind keine Sechser (und KHRs „Alonso-Nachfolger“ Sanches auch nicht), Kimmich spielt RV, Martinez sieht (und braucht) man als IV und Thiago wird anderswo gebraucht (oder ist verletzt) – also muss Rudy fast schon zwangsläufig auf der Sechs spielen.

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JB 22. September 2017 um 12:19

Sind Vidal und Tolisso dann Achter? Typische 10er sind bei Bayern ja am ehesten noch Thiago und James, obwohl auch die beiden auch tiefer spielen können. Noch eine Frage zu Thiago: War der Saisonstart von ihm wirklich so schlecht oder bewertet das Kicker-Sportmagazin ihn mit einer Durchschnittsnote von 4,00 in der Bundesliga ,,nur“ unter Wert?

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tobit 22. September 2017 um 13:25

Kicker-Noten finde ich selten wirklich passend. Da hängt sehr viel davon ab, ob einer mal ein Tor schießt (sieht man auch gerne bei der Elf des Tages, wo oft die Verteidiger und DMs auftauchen, die gerade getroffen haben). Thiago fehlen halt die Scorer, die ein Zehner auch bringen sollte (siehe Özil bei Arsenal, Kagawa unter Klopp, Fabregas in Peps 3Raute3, Dybala bei Juve, …).
Die einzigen Zehner bei Bayern sind James und Müller, die das Ganze aus diesem Raum heraus unterschiedlich interpretieren. Müller eher Richtung außen (wenn der RA nach innen geht) oder vorne (Strafraumbesetzung) ausweichend, James gerne auch mal zurückfallend. Tolisso, Vidal, Thiago, Kimmich und Sanches finde ich als Achter am stärksten. Rudy ist der einzige echte Sechser; Kimmich und Thiago können da spielen; Vidal, Tolisso (vielleicht kann er das irgendwann mal) und Sanches nicht. Thiago, Vidal und Tolisso traue ich auch die Zehn zu, haben sie ja auch jeweils schon gespielt.

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JB 22. September 2017 um 14:42

Ganz platt gefragt: Hat Thiago das Zeug zur Weltklasse, sofern er es noch nicht ist oder ist er es schon? Ich kann auch als Bayernfan sein Potenzial, seine Entwicklungsfähigkeit momentan nur schwer einschätzen, Mitte 20 ist für Feldspieler ja ein richtungsweisendes Alter bezüglich Reife, etc.

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tobit 22. September 2017 um 15:06

Ihm fehlt diese teilweise absurde Konstanz eines Iniesta, Xavi oder Kroos – trotzdem würde ich ihn insgesamt auf Weltklasse-Niveau einordnen. Ob er das dann langfristig abrufen kann, weiß ich nicht (ein Vidal kann es bei Bayern z.B. nicht). Wenn der Robbery-Flügelfokus endet, werden wir es sehen.

Daniel 23. September 2017 um 14:14

Ich halte Thiago ohne wenn und aber auf seiner Position (8er) für Weltklasse. Die von tobit beschriebene Inkonstanz würde ich eher in seiner wechselhaften Einbindung (manchmal als 10er entfremdet) und den stark auf Flügelangriffen ausgerichteten Fokus des FCB begründet sehen. Weil ich gerade in einem anderen Kommentar schon einen Statistik-Vergleich (da aber nur defensiv) gemacht hab, fahr ich hier mal fort und vergleiche Thiago mit den momentan anerkannt besten Spielern seiner Art auf der Welt (alle Daten von letzter Saison in der Liga auf 90 Minuten normiert):

Name__Passquote__Keypässe__Assists__kreierte Chancen__Tore__gew. Zweikämpfe__Interceptions
Thiago____90%________1,69_______0,2_________1,89__________0,24_______2,16______________5,07
Kroos_____92%________2,45_______0,43________2,88__________0,11_______2,02______________1,19
Modric____89%________1,48_______0,1_________1,57__________0,05_______1,14______________2,1
Verratti____89%________1,47______0,21________1,68__________0,13_______2,85______________0,92
Iniesta_____89%________1,48______0,2_________1,68___________0__________1,62______________0,81

Trotz dieser sehr elitären Vergleichsgruppe fällt Thiago alles andere als ab-im Gegenteil: in keiner Kategorie ist er der schlechteste, dabei ist er der torgefährlichste (haha, in Deutschland wird ihm oft mangelnde Torgefahr vorgeworfen) und hat mit Abstand die meisten Interceptions. Kroos wird (wie Thiago) im Verein manchmal als 10er eingesetzt und hat deshalb mit Thiago die besten Werte bei Keypässe und kreierten Chancen, dafür ist Thiago selbst torgefährlicher als Kroos. Interessant: Thiago liegt bei kreierten Chancen und Keypässen auf Rang zwei hinter Kroos, bei den tatsächlichen Assists jedoch zieht Iniesta gleich und auch Verratti liegt gleichauf. Spekulation: nutzen Cavani, Messi, Suarez und Co vielleicht ihre Chancen höherprozentig als die Bayern-Offensive? Diesen Eindruck hatte ich auch außerhalb dieser Aufzählung schon des öfteren, wäre aber eher Thema für eine eigene Auswertung.
Alles in allem würde ich Kroos momentan als besten Mittelfeldspieler der Welt sehen, danach kommen die anderen hier erwähnten ziemlich gleichauf. Wobei Thiago und vor allem Verratti ihre beste Zeit noch vor sich haben, Iniesta und Modric haben sie eher schon hinter sich.

CHR4 23. September 2017 um 17:14

Danke für eure Zahlenarbeit, finde ich sehr interessant. Habe zur Chancenverwertung folgendes gefunden:
http://www.transfermarkt.de/uefa-champions-league/chancenverwertung/pokalwettbewerb/CL?saison_id=2016

werd mal noch ein wenig suchen, ob ich da auch was derartiges für die einzelnen Spieler finde – wobei das ja eigentlich für diese Betrachtung egal sein dürfte, da man ja dann eh wieder die (Mit-)Spieler des jeweiligen Teams aussummieren müßte

HK 22. September 2017 um 10:43

Bei Goretzka sollte man noch erwähnen wie jung der noch ist. Man hat das Gefühl man kennt ihn schon ewig, aber faktisch eben doch erst 22 Jahre alt.
Daneben hatte er in der Vergangenheit auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen.

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rb 25. September 2017 um 16:03

@Daniel: Die Abschlussstärke von Stürmern haben sie bei statsbomb.com schon versucht zu analysieren – schau hier: https://statsbomb.com/2017/07/quantifying-finishing-skill/
ich kann die qualität der zugrundeliegenden metrik nicht bewerten, aber einigen stellen habe ich schon zustimmend genickt: messi, suarez und griezmann an der spitze. leute wie son und kane mit oben dabei (frag mal bürki oO). andererseits hat es mich schon gewundert, dass aubameyang und lewandowski so unter ferner liefen laufen. überhaupt ist die bundesliga in den top50 doch sehr unterrepräsentiert (auch wenn alex meiers qualitäten sehr gut erfasst sind :D)

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tobit 25. September 2017 um 20:04

Lewy war in Dortmund auch kein guter Finisher. Er hat sich vorher und nachher über Tore definiert aber unter Klopp war er fast schon mehr Spielmacher denn Torjäger. Am Ende seiner Dortmunder Zeit und unter Pep waren er und sein jeweiliges Team dann so gut, dass er trotzdem die Kanone erobern konnte.

Auba könnte unter der beschriebenen Unterschätzung der 100%er-Verwerter leiden, da er eben sehr oft (mit Dynamik-Vorteil aus der Tiefe kommend) nur den Fuß hinhalten muss. Außerdem versägt der auch so einiges von dem, was ihm da alles aufgelegt wird.

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blub 25. September 2017 um 20:29

Lewa ist kein überragender Finisher, aber er ist exzellent sich in Finishing position zu bringen, weil enorm kräftig und doch agil ist. von dort ist der abschluss aber eben nicht überragend, er kompensiert das indem er bessere Chance erarbeitet(für sich und beim BVB auch für andere).

Auba ist nichtmal ein guter Finisher, aber man sieht ihm an das er extrem daran gearbeitet hat(das modell hat aus mengengründen viele historische daten), am besten sieht man das bei seiner Kopfballtechnik und timing. Das sind welten im Vergleich zu vor 2 Jahren.
Da er gegenspielern praktisch immer an speed überlegen ist erlaubt ihm das an Bälle zu kommen an denen andere keinen shuss mehr setzen können.
Das erlaubt ihm auch die vielen backpost tap ins, die andere unter druck bzw gar nicht mehr erreicht hätten.

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