SV-Scouting: Ousmane Dembélé

Wird dieses Jungtalent von Stade Rennais der Cristiano Ronaldo der 2020er? Wird dieser Vergleich seinen Fähigkeiten überhaupt gerecht? Spielverlagerungs Scoutingbericht sucht nach Antworten.

Ousmane Dembélé, 18-jähriger Offensivspieler von Stade Rennais, ist in aller Munde im Moment. Borussia Dortmund, Bayern München, Arsenal, Manchester City und einige andere sind an einer Verpflichtung interessiert, wenngleich Dembélé noch keine volle Saison auf dem Profilevel absolviert hat. Es mag im ersten Moment verrückt klingen, aber wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, warum Spitzenclubs in ganz Europa bereit wären, ihre Scheckbücher zu öffnen.

Dembélé, der in der Haute-Normandie im Norden Frankreichs geboren wurde und aufwuchs, begann seine Karriere bei AM Madeleine Evreux. Bereits in jungen Jahren fielen seine technischen Fähigkeiten jedem Beobachter ins Auge. Sein Können stellte er in den Jugendligen und beim Futsal unter Beweis.

Als er 13 Jahre alt war, zeigten größere Clubs wie Rennes, SM Caen und Le Havre AC Interesse an ihm. Er entschied sich 2010 dazu, nach Rennes zu wechseln. Nach seiner Beförderung in die zweite Herrenmannschaft im Jahr 2014, die in der fünften Liga spielte, hinterließ er direkt einen nachhaltigen Eindruck, da er konstant Tore erzielte.

Seine Leistungen bescherten ihm einen Platz in der Erstligamannschaft in der darauffolgenden Saison. Am 6. November 2015 gab Dembélé ein vierminütiges Debüt in der Partie gegen SCO Angers. Wenige Wochen später gehörte er bereits fest zur Startelf. Seine konstant guten Auftritte brachten ihm außerdem eine Nominierung für Frankreichs U21-Nationalmannschaft sowie das erwähnte Interesse von diversen Clubs ein.

2016-04-22_Dembele_2015-2016

Daten von WhoScored

Technik

Dembélés Technik sticht natürlich am meisten hervor. Er kann sehr sauber den Ball kontrollieren und dabei entweder das Spielgerät mit der Fußspitze führen, mit der Innenseite schieben oder auch während eines Dribblings zur Außenseite des Fußes wechseln.

Die Varianz seiner Dribblingtechniken ermöglicht es ihm, seine Bewegungen in Eins-gegen-Eins-Duellen an das Umfeld und das Defensivverhalten seiner Gegner anzupassen. Dembélé verfügt zudem über zwei starke Füße, wodurch er sehr flüssig zwischen links und rechts wechselt, während die Gegenspieler nicht unbedingt antizipieren können, mit welchem Fuß er schlussendlich ein Dribbling startet, einen Pass spielt oder aufs Tor schießt.

Wenn er auf dem rechten Flügel startet, zieht er bevorzugt diagonal nach innen und sprintet nur selten geradlinig zur Grundlinie. Mit diesen Diagonalläufen bereitet er häufig angeschnittene Schüsse in Richtung des langen Torecks vor. Startet er seine Dribblings jedoch auf der linken Seite, geht er entweder im Bogen in Richtung Tor oder knickt im spitzen Winkel nach innen und läuft horizontal durch die zentralen Zonen. Hierbei versucht er die Gegenspieler durch Verzögerungselemente aus der Balance zu bringen oder er wartet auf eine Lücke, um den Spielzug per Schnittstellenpass oder Schuss weiterzuführen. Alternativ zieht er hin und wieder nur ein paar Meter nach innen, um die Außenbahn zu öffnen und anschließend den Ball auf den hinterlaufenden Mitspieler abzulegen, der sich in Richtung Grundlinie bewegt.

Ousmane Dembélé – Attacking Skills on Vimeo.

Doch außerhalb dieser einstudierten Spielzüge hat Dembélé Probleme sein Passspiel auf improvisierte Abläufe anzupassen. Im finalen Spielfelddrittel stimmen häufig Timing und Gewichtung seiner Zuspiele in den Strafraum oder seiner Schnittstellenpässe nicht. Da er Schwierigkeiten hat, die Bewegungen seiner Mitspieler korrekt zu lesen, spielt er des Öfteren den Ball in den Rücken eines Kollegen oder platziert das Zuspiel nicht perfekt, sodass der Rhythmus des Angriffs unterbrochen wird.

Physis und Koordination

Seine Dribblingfähigkeiten hängen zumindest partiell von seinem charakteristischen Laufstil ab. Seine Körperhebel unterscheiden sich von vielen schnellen und agilen Dribblern. Sein Oberkörper ist häufig leicht nach vorn gebeugt, während er seine Oberschenkel nach vorn beziehungsweise nach oben stemmt. Es sieht zuweilen staksig aus, aber der 18-Jährige hat in der Regel seinen Körperschwerpunkt am Rand des Balls, wodurch seine Haltung stabilisiert wird, sofern er mit wenig Tempo dribbelt.

Zudem macht er hin und wieder kleine Zwischenschritte, bevor er den Ball wieder berührt. Dadurch versucht er nicht nur stärkere Kontrolle über den Ball zu erlangen, sondern auch schnell auf die Aktionen der Gegenspieler reagieren zu können. Allerdings tendiert Dembélé dazu, in zu kurzer Distanz zum Ball zu stehen.

Bei hohem Tempo hingegen ergibt sich diese Problematik nicht. Er positioniert sich in bessere Stellung zum Ball, von wo aus er seine Hüfte und damit seinen ganzen Körper in den Schuss hineindrehen kann, um den gewünschten Effet und die notwendige Beschleunigung zu erzeugen.

Allerdings richtet er bei hohem Tempo seinen Körper gelegentlich zu stark auf, was ihn anfällig für Balanceverlust macht. Es passiert lediglich vereinzelt, aber seine Körperkontrolle ist noch nicht perfekt. Das wird auch daran deutlich, wenn er mit der Fußinnenseite den Ball seitlich vor sich herschiebt und sein Körper quasi den Ball kurzzeitig überholt. In diesen Situationen ist er dazu gezwungen, wieder die richtige Balance zu erlangen. Folglich wirkt sein Oberkörper unruhig.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Dembélé seine Bewegungen nicht zu seinem Vorteil einsetzen kann. Insbesondere in statischen Eins-gegen-Eins-Duellen, wenn ein Verteidiger direkt vor ihm postiert ist, täuscht er gerne Pässe an, indem einen Fuß nach vorn setzt, aber die restliche Bewegung nicht zu Ende führt. In diesen Momenten kommt ihm natürlich seine Beidfüßigkeit zugute.

Ousmane Dembélé – Two-Footed on Vimeo.

Individualtaktisches Verständnis

Dembélés Raumwahrnehmung und sein Spielverständnis ist bei weitem nicht auf dem Niveau seiner technischen Fähigkeiten. Zieht man jedoch sein Alter in Betracht, kann sich das in Zukunft noch ändern. Aber aktuell fühlt er sich noch wohler, wenn er Eins-gegen-Eins-Duelle bestreiten kann, statt im offenen Raum zu operieren, wo er oft etwas hektisch wirkt.

Er entdeckt eine erste Anspielstation und entscheidet sich umgehend dazu, den Ball dorthin zu befördern, ohne seine Entscheidung nochmals zu durchdenken oder beziehungsweise nach anderen Optionen Ausschau zu halten. Wenn er beispielsweise vereinzelt auf der Halbposition spielt, sind seine Passmuster recht limitiert, da der 18-Jährige normalerweise den Ball zum nahen Flügel spielt. Diese Art der Vorhersehbarkeit schränkt im Moment noch seine spielmacherischen Fähigkeiten ein.

Folglich sollten Gegenspieler lieber etwas Abstand halten und nicht direkt bei Ballannahmen in enge Deckung gehen. Spürt Dembélé einen Verteidiger im Rücken, weiß er genau, wie er seinen Körper zu drehen hat, wie er seine Explosivität nutzen kann und wie er den Ball bei der Mitnahme abschirmen kann.

Er hat noch Probleme damit, kompakte und gut gestaffelte Defensivreihen auszuhebeln, wenn er nicht einfach in die Engen dribbeln kann. Ergo, Dembélé ist besser in Kontersituationen aufgehoben, bei denen er die Gegner überwältigen kann, indem er bei hohem Tempo den Ball führt oder in den offenen Raum spielt, wobei leichte Ungenauigkeiten nicht immer unmittelbar zum Ballverlust führen.

Über seine Defensivfähigkeiten lassen sich noch keine abschließenden Aussagen treffen. Die bisherigen Auftritte für Stade Rennais lieferten zu wenig Informationen, um genau zu bewerten, ob und wie Dembélé in einem ausgetüftelten Pressingsystem funktionieren würde – wie gut er zum Beispiel aggressive Läufe mit leitenden, raumdeckenden Bewegungen verbinden könnte. Aufgrund seiner Explosivität ist er sicherlich dazu in der Lage, Gegenspielern den Ball in isolierten Umgebungen abzunehmen. Aber selbst hierbei ist sein Timing und sein Stellungsspiel zum Gegenspieler ausbaufähig.

Gesamtbewertung

Er blüht in einer tempogeladenen Partie auf und quält sich in taktisch anspruchsvollen Situationen. Ähnlich wie Cristiano Ronaldo verfügt der junge französische Offensivspieler dank seiner Technik und Athletik über ein starkes Dribbling. Aber er muss sein Verständnis für gruppentaktische Abläufe gewiss noch verbessern und zugleich lernen, wie er sich dem Fluss der mannschaftlichen Bewegungen anpassen kann, um seinen Mitspielern eine größere Hilfe zu sein.

Dembélé kann für jeden Club zu einer echten Waffen werden, sofern er seine Spielübersicht und seine Fähigkeit zum effektiven Bespielen gegnerischer Strukturen verbessert. Aktuell liebt er noch Dribblings und spektakuläre Einzelaktionen. Aber das ist gewiss nicht schlimm für einen 18-Jährigen.

Übersetzt von Spielverlagerung.com. Hier geht es zum Original.

Todti 15. Juli 2016 um 04:48

Habe gerade die erste Halbzeit des Testspiels gegen St. Pauli geschaut und Dembélé hat mich schon beeindruckt. Im Ballbesitz-/ Positionsspiel bzw. allgemein bei den mentalen Komponenten (gibt es ein deutsches Äquivalent zu „intangibles“?) ist verständlicherweise noch viel Luft nach oben, aber wenn der Junge mit dem Gesicht zum Tor spielen kann und Licht vor sich sieht…. meine Fresse. Wenn man ihn soweit bringen kann, dass seine Athletik und Dynamik ihn zu einem (sehr) guten Pressingspieler macht, sieht das schon hervorragend aus. Desweiteren war ich überrascht, dass sich seine technischen Stärken nicht nur auf das Dribbling beschränken, sondern auch im Passspiel zu sehen sind. Schnitt, Tempo, Reichweite, das sah alles schon ganz brauchbar aus.

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Schorsch 15. Juli 2016 um 09:34

Ja, der Bursche ist eine Granate für sein Alter. Wird spannend, seine Entwicklung unter Tuchel zu verfolgen.

„intangible“ – schwierig, ein eindeutiges, passendes deutsches Synonym zu finden. Hängt immer vom Zusammenhang ab. Wie im häufig sehr blumigen Französischen halt auch. Es wird oft als ‚unantastbar‘ gebraucht; z.B. ‚Die Werte der Republik sind unantastbar‘. Diese Bedeutung ist hier aber nicht gemeint. Genausowenig wie ‚unberührbar‘. ‚Nicht greifbar‘ oder ‚unfassbar‘ kommen der Sache schon etwas näher, wenn man diese Begriffe wörtlich nimmt. Aber sie werden im Deutschen hauptsächlich im übertragenen Sinne verwendet, passen demnach auch nicht. ‚Mentale Komponenten‘ wäre mir hier zu umfassend einerseits, anderseits zu konkret (auch wenn es sich widersprüchlich anhört). Es geht ja um nicht physisch messbare Aspekte, z.B. Erfassung von Situationen, Einschätzungen und daraus resultierenden Entscheidungen und Handlungen. Aber vielleicht mehr noch um nichtrationale Komponenten wie ‚Gespür‘.

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Todti 15. Juli 2016 um 18:28

Ja, ich weiß, was du meinst. Ich tue mich immer schwer dabei, so etwas zu beschreiben. Beim American Football ist „intangibles“ gang und gäbe, dort beschreibt man damit halt alles mental-strategische: Spielintelligenz, Intuition, Gespühr für Raum und Bewegungen, etc. aber auch charakterliche Aspekte wie Reife, Lernwilligkeit, Ruhe und Führungspersönlichkeit.

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Fridolin 12. Mai 2016 um 16:18

Wechsel ist durch. Bin hyped!

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TobiT 29. April 2016 um 21:51

Wo wir gerade beim Scouting sind
Was haltet ihr eigentlich von Grifo (Freiburg) und Kreilach (Union).
Haben die die Klasse für mittlere/größere Bundesligidten?
Gerade Kreilach fände ich z.B. als falschen Neuner interessant für so manchen Europapokal-Anwärter, habe aber nur wenig von ihm gesehen. Dabei hat mich seine Kombination aus Physis und guter Technik beeindruckt.
Grifo spielt ja mit dem SCF auf jeden Fall oben nächstes Jahr, nachdem er die 2. Liga völlig auseinandergenommen hat.

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Schorsch 25. April 2016 um 14:19

„In Rennes kam Dembele in letzter Zeit auch im OM zum Einsatz. Obwohl er dort bisher nur fünf Einsätze hatte, hat er sieben seiner zwölf Saisontore als OM erzielt. Die zentralere Position scheint also seiner Torgefährlichkeit sehr zu gute zu kommen.“

Diese genauen Zahlen kannte ich jetzt nicht, aber sie bestätigen meinen Eindruck, den ich von Dembélé gewonnen habe.

„Aber Rennes ist keine Ballbesitzmannschaft. Bei Bayern und dem BVB sehe das wahrscheinlich anders aus. Trotzdem macht Dembele auf mich nicht den Eindruck, als wäre die Position des eher klassischen Rechts- oder Linksaußen ideal für ihn.“

Ist der BVB tatsächlich eine „Ballbesitzmannschaft“? Oder vielleicht eher ein Hybrid aus Ballbesitz- und Umschaltteam? Sind z.B. Reus oder Mkhitaryan unter Tuchel „eher klassische Rechts- oder Linksaußen“? Ich habe das irgendwo anders schon einmal geschrieben, Dembélés Diagonalläufe (die ich gesehen habe) erinnern mich schon ein wenig an Mkhitaryan. Und eine ähnliche Rolle traue ich Dembélé mittlelfristig beim BVB auch zu. Jetzt mag man zurecht auf sein mangelndes Spielverständnis und seine unterentwickelte Übersicht verweisen. Aber da wäre er bei einem Tuchel mMn in den richtigen Händen.

Ich würde es auch nicht ausschließen, dass Dembélé aufgrund seiner Anlagen beim BVB die Rolle Aubameyangs übernehmen könnte.

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Schorsch 25. April 2016 um 14:25

Bezieht sich auf den post von @mba123

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mba123 25. April 2016 um 15:19

Meiner Meinung nach, spielt der BVB in dem Großteil der Spiele einen Ballbesitzfußball. Aber in einigen Spielen haben sie auch Umschaltfußball gespielt. Also Hybridmannschaft könnte man sicherlich auch sagen.
Mit „klassischem Außen“ meine ich einen Spieler, der an der Seitenlinie klebt und häufig das Dribbling entlang der Linie sucht. Costa war für mich in der Hinrunde der Prototyp dieses Spielertyps. Die Bezeichnung „klassischer Außen“ ist vielleicht falsch gewählt.
Dembele wäre auf Außen vielleicht mit Robben vergleichbar und könnte ähnliche Diagonalläufe starten?
Ich könnte mir bei Dembele aber auch gut eine weiter eingerückte Position wie bei Reus vorstellen. Denn Dembele scheint mir in seinem Dribblings nicht unbedingt so viel Tempo aufzunehmen wie Robben. Stattdessen schlägt er mehr Haken bei niedrigerem Tempo. Zumindest fielen mir in seinen Zusammenschnitten viele gute Dribblings in Strafraumnähe auf, die nicht auf seiner Sprintfähigkeit basierten.

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Schorsch 25. April 2016 um 17:24

Nach meinem Eindruck verfügt Dembélé schon über einiges an Dynamik und er kann gehörig Fahrt aufnehmen. Seine etwas schlaksigen Bewegungsabläufe können da das Auge leicht täuschen. Aber er scheint mir dies nicht immer auszuspielen, weil er aufgrund seiner Dribbelstärke nicht absolut auf die Geschwindigkeit angewiesen ist. Dabei kommt ihm seine Beidfüßigkeit entgegen. In 1:1-Situationen ist dies für den abwehrenden Spieler sehr unangenehm, weil er sich nicht auf den ballführenden Fuß des angreifenden Spielers konzentrieren kann. Dembélé wechselt den ballführenden Fuß schnell (was ihm auch das Hakenschlagen erleichtert). Das unterscheidet ihn z.B. von Robben. Dessen ‚move‘ ist zwar für einen einzelnen Gegenspieler kaum zu verteidigen, als Abwehrreihe allerdings schon (bei voller Konzentration allerdings). Von der Anlage her sehe ich Dembélé da variabler aufgestellt. Ich persönlich sehe ihn überdies näher an Reus als an Robben, wobei er eben nicht unbedingt so viel Tempo benötigt.

So einen Spieler mit diesen Dribbelqualitäten hat der BVB mMn nicht im jetzigen Kader. Vielleicht könnte man auch sagen, er fehlt im Kader. Auch oder möglicherweise gerade eine ‚Ballbesitzmannschaft‘ kann solch einen Dribbler mMn sehr gut gebrauchen, um für den Gegner unerwartete Spielsituationen zu schaffen.

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mba123 25. April 2016 um 18:28

Ich stimme dir komplett zu.
Ich wollte Dembele auch keinesfalls die Dynamik absprechen. Das kam vielleicht falsch rüber.

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Schorsch 25. April 2016 um 19:12

Habe ich auch nicht so verstanden.

Der Junge ist in meinen Augen ein Kracher. Dass er seine Schwächen hat (an denen man sicherlich arbeiten kann und muss), ist klar. Die Ligue 1 mag die schwächste der fünf großen in Europa sein (obwohl ich sie persönlich nicht so weit weg von der Serie A sehe, aber das ist subjektiv gefärbt), aber eine Gurkenliga ist sie auch nicht. Und was Dembélé da so zeigt in dieser (seiner ersten Erstliga-)Saison, ist für sein Alter überragend. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich ihn einmal in einem U 17 – Spiel gesehen habe und er mir da nicht sonderlich aufgefallen ist. Aber es ist natürlich irrelevant, von einem einzigen Spiel in dieser Altersklasse (und nicht nur dort) irgendeinen Rückschluss zu ziehen. In den beiden anderen Spielen (diese Saison), die ich gesehen habe, war ich richtig angetan von ihm. Meine französischen Freunde schwören auf ihn. Es wäre echt klasse, ihn beim BVB und in der Bundesliga zu sehen. Tuchel wäre mMn für seine weitere Entwicklung genau der richtige Trainer, bei dem er auch ausreichend Einsatzzeiten bekommen würde.

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Peter 25. April 2016 um 12:33

Hey, danke für den guten Überblick.
Du skizzierst weiter oben grob, nach welchen Grundlagen du das Potential der Spieler beurteilst.
Falls einer von euch irgendwann mal etwas zu viel Zeit hat ( 😉 )wäre das finde ich ein Interessantes Thema für einen kleinen Exkurs (quasi howto: Spieler beurteilen, Formhoch/-tief und Substanz trennen).

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RoyalBlue 23. April 2016 um 10:27

Hab Dembele jetzt noch nie spielen gesehen, aber das hier klingt für mich ziemlich ähnlich zu Leroy Sané. Technisch stark, sehr athletisch, aufs 1-gegen-1 fokussiert, gut in Kontersituationen und schwächer in gruppentaktisch komplizierteren Abläufen. Seine Beidfüßigkeit unterscheidet ihn allerdings ein wenig von Sané. Würdet ihr den Vergleich so durchgehen lassen? Und seht ihr ihn in Dortmund? Klingt für mich jetzt nicht nach einem klassischen Tuchel-Spieler, auch wenn er mit Sicherheit das Potenzial hätte zu einem zu werden.

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CE 23. April 2016 um 10:33

Volle Zustimmung. Er wäre kein klassischer Tuchel-Spieler, aber Marco Reus ist auch keiner; trotzdem sind seine individuellen Fähigkeiten nicht unwichtig. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der BVB Dembélé im Schatten von Reus aufbauen würde. Christian Pulisic wird sowieso künftig vermehrt in der Mitte spielen. Da sieht man ihn zumindest intern noch stärker.

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HK 23. April 2016 um 11:12

Zu Bayern scheint er mir der Schilderung nach auch nicht unmittelbar zu passen. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass Ancelotti die bisherige Spielweise weitgehend beibehalten wird.
Wo steht er deiner Meinung nach im Vergleich zu Coman?
Der muss sich ja auch noch entwickeln und benötigt Einsatzzeiten. Ich würde die Gefahr sehen, dass sich die beiden da kannibalisieren.

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luckyluke 23. April 2016 um 11:30

kannibalisieren? 😀
Aber ein Vergleich mit Coman würde mich definitiv auch interessieren…bzw. mich würde ein solches Kurzporträt über Coman auch sehr interessieren, da ich mir sehr schwer damit tue ihn einzuordnen…

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CE 23. April 2016 um 11:43

Geht mir bei Coman ein Stück weit auch so. Ist notiert. Man könnte sogar mal die Unterschiede zwischen den französischen Flügelstürmern (Payet, Martial, Coman, Griezmann, das Duo von Rennais) herausarbeiten.

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Koom 25. April 2016 um 09:36

Klingt schon mal sehr interessant. 🙂

CE 23. April 2016 um 11:42

Dembélé wäre interessant, sofern Ancelotti diesen Fokus auf Flügeldurchbrüche beibehält, was ich mir vorstellen kann. Coman ist im Moment weiter als Dembélé, aber Letzterer hat etwas mehr Potenzial.

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kaum 23. April 2016 um 11:56

Kannst Du das auch mittels Goalimpact verifizieren?

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CE 23. April 2016 um 12:01

Die Datenmenge bei Dembélé ist sehr gering bis jetzt.

Daniel 23. April 2016 um 16:35

Wenn die Datenmenge so gering ist, wie kommt dann die Einschätzung zustande, dass er größeres Potential hat als Coman? Ich will das gar nicht bestreiten/ hinterfragen, es interessiert mich einfach…

CE 23. April 2016 um 21:22

Wir treffen unsere Einschätzungen ja nie ausschließlich anhand des Goalimpacts. Andernfalls würden diese Texte doch um einiges kürzer ausfallen. Wenn es um das Potenzial eines jungen Spielers geht, muss man sich en détail das Stärken-Schwächen-Profil anschauen. Einige Dinge können leichter ausgebessert werden als andere. Außerdem ist es wichtig, die Basis eines Spielers einzuschätzen. Worauf baut er sein Spiel auf, was sind im Moment eher Randaspekte? Und auf welchem Niveau hat er bereits gespielt? Allerdings ist der letzte Punkt nicht unbedingt von großer Bedeutung. Statistische Werte können auch eine Rolle spielen, sofern man eben bereits genügend Daten sammeln kann.

mba123 25. April 2016 um 11:41

Meint ihr Dembele wäre bei einer Ballbesitzmannschaft, wie Bayern oder dem BVB, auf eine Flügelposition beschränkt?
Nur anhand von ein paar Videos zu urteilen, scheint mir Dembele im Dribbbling nicht so sehr auf seine Geschwindigkeit zu setzen wie beispielsweise Coman. Stattdessen nutzt Dembele häufig schnelle, gut getimete Richtungswechsel, weswegen er im Dribbling wohl weniger Raum braucht.
Ich glaube, Dembele nutzt im Dribbling auch öfters die Dynamiken der Spielsituation, was in zentralerer Position häufiger möglich ist als auf den eher statischen Außenpositionen.
In Rennes kam Dembele in letzter Zeit auch im OM zum Einsatz. Obwohl er dort bisher nur fünf Einsätze hatte, hat er sieben seiner zwölf Saisontore als OM erzielt. Die zentralere Position scheint also seiner Torgefährlichkeit sehr zu gute zu kommen.
Aber Rennes ist keine Ballbesitzmannschaft. Bei Bayern und dem BVB sehe das wahrscheinlich anders aus. Trotzdem macht Dembele auf mich nicht den Eindruck, als wäre die Position des eher klassischen Rechts- oder Linksaußen ideal für ihn.
Wie gesagt basiert diese Einschätzung auf nur wenig gesichteten Material. Einen direkten Widerspruch zum obigen Text ist mir aber nicht aufgefallen. Weicht Eure Meinung denn generell von meiner Einschätzung ab?

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TobiT 23. April 2016 um 11:56

Die Beschreibung erinnert mich an Januzaj. Schussgewaltiger, schlaksiger Dribbler mit Schwächen in Abspielverhalten und Übersicht. Das Radar zeigt auch, dass er aktuell sehr präzise schießt und gleichzeitig eine hohe Trefferquote hat. Das ist als 18-Jähriger bemerkenswert, aber selten über mehr als ein halbes Jahr zu konservieren. Wenn er die Quote nächstes Jahr halten kann, ist er nur noch für die ganz großen (Barca, Real, Bayern, PSG) zu erreichen, egal wo er das nächste Jahr spielt. Sollte er jetzt wechseln, sehe ich aber ein großes Risiko, dass sich beide Seiten die Finger verbrennen.

Ich finde, dass er aktuell besser zu Bayern passen würde. Er würde die Möglichkeiten erweitern, da Costa und Coman jeweils linear-vorbereitend agieren und seltener selbst zur Mitte ziehen.
Auch die hohe Einbindung der beiden käme ihm mehr zu gute als die Rollen von Reus oder Mkhitaryan, die häufig tiefer oder in den Halbräumen nach offenen Situationen suchen.
Sowohl bei Bayern, als auch in Dortmund hätte er sehr starke Konkurrenten. Es wäre wohl die beste Entscheidung noch mindestens ein Jahr in Rennais zu bleiben, seine Übersicht weiterzuentwickeln und dann gestärkt zu einem größeren Klub zu wechseln, anstatt seinen zweiten – schweren – Schritt als Profi fern der Heimat zu machen.

@CE ich habe das Gefühl, dass Reus in den letzten Spielen regelrecht aufblüht. Er wirkt präsenter, dribbelstärker und abgeklärter in Mittelfeldsituationen. Gerade in den Spielen mit Ramos gefiel er mir besonders, wenn er Ablagen einsammeln konnte und im Pressing einen kompetenten Partner an seiner Seite wusste. kann mir Dembele in dieser Rolle so garnicht vorstellen, da sie auf das Nutzen von Lücken zwischen den Linien oder hinter/zwischen den Verteidigern ausgelegt scheint, das kommt Dembele bisher wenig entgegen. Dembele und Reus vereint hauptsächlich ihre starke Torausbeute, daher würde ein Dembele-Transfer für mich auf einen veränderten Fokus zu mehr individuellen Durchbrüchen hindeuten, da er für eine taktische Option wahrscheinlich zu teuer wird.

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mba123 25. April 2016 um 14:59

Januzaj scheint in erster Linie an seiner Einstellung gescheitert zu sein. Ich denke daher, dass sein Scheitern keine Rückschlüsse auf Dembele zulässt.
Zudem kann ich mir auch gut vorstellen, dass Tuchel Dembele sehr gut weiterentwickeln könnte. Neben dem Positionsspiel könnte Tuchel auch die Effizienz bei den Einzelaktionen verbessern. So hat sich in dieser Saison beispielsweise die Dribbelstatistik bei Mkhitaryan enorm verbessert. Auf 90 Minuten gerechnet hat Miki 4,7 Dribblings, wovon nur 1,8 scheiterten (Quelle whoscored). Letzte Saison hatte Miki 3,7 gescheiterte bei 7 Dribblings. Also hat sich bei Miki die Effizienz im Dribbling deutlich erhöht.
Von Dembele lesen sich die Dribblingstatistiken zwar jetzt schon ausgezeichnet, aber ich höhere auch immer wieder, dass er zu oft diese Einzelaktionen sucht. Ich glaube daher schon, dass Tuchel ihn da weiterbringen könnte.
Was die Einsatzzeiten angeht, würde ich mir beim BVB auch keine Sorgen machen, da Tuchel sehr viel rotiert und der Spielertyp Dembele auch nicht im Kader enthalten ist.

PS: Reus gefällt mir in den letzten Spielen auch sehr gut. Er scheint mir körperbetonter zu spielen und sich mehr Bälle aus dem Mittelfeld zu holen.

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drklenk 23. April 2016 um 17:56

Woher kommt die Info, man sehe ihn intern dort stärker?

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CE 23. April 2016 um 21:10

Das wurde so von einer wichtigen Person im sportlichen Bereich kommuniziert.

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rb 25. April 2016 um 08:23

tuchel geht regelmäßig kaffee trinken mit rm, nehme ich an 🙂

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Schorsch 23. April 2016 um 18:52

Ich schaue mir des öfteren Spiele der Ligue 1 und der Ligue 2 an; freundschaftliche Beziehungen und relativ gute Erreichbarkeit einiger Stadien sind der Hintergrund. Ousmane Dembélé habe ich insgesamt 3x gesehen (2x Club, 1x U 17), aber dabei nicht immer explizit auf ihn geachtet. Man kann vielleicht Vergleiche mit Leroy Sané ziehen, aber für mich persönlich wirkt Dembélé in seiner Entwicklung weiter und nicht nur aufgrund seiner Beidfüßigkeit (die ein echtes ‚Pfund‘ ist und ihm mMn in seiner weiteren Entwicklung noch sehr zugute kommen wird) sehe ich ihn flexibler und ‚polyvalenter‘. Auch wenn seine von CE sehr gut gesehenen Schwächen das vielleicht nicht vermuten lassen. Aber der Junge ist erst 18 und in den führenden Ligen Europas dürfte es niemanden seiner Altersklasse geben, der bessere scorer-Werte aufweist. Auch wenn es vielleicht völlig daneben klingt, manche seiner Diagonalläufe haben mich ein wenig an Henrikh Mkhitaryan erinnert.

Ob er ein ‚klassischer Tuchelspieler‘ ist, dürfte mMn eher weniger interessant sein. Mit seinen Stärken und seinem Entwicklungspotential dürfte er für jede Mannschaft und jeden Trainer ein Gewinn sein. Er ist so jung, dass er bei einer eventuellen Verpflichtung durch den BVB dort länger als Spieler bleiben könnte als Tuchel als Trainer.

Ich bin mir im Moment nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass er bei Rennes sowohl hinsichtlich des eigenen Abschlusses, als auch bezüglich seiner assists am effektivsten ist, wenn er aus zentraler Position heraus agiert.

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Euler 24. April 2016 um 12:16

Warum soll es kein Tuchelspieler sein? Auch Tuchel braucht verschiedene Spielertypen. Glaubt man den Gerüchten hat Tuchel letzten Sommer einen Flügelspieler gesucht. Könnte Dembélé diese Planstelle besetzten? Womöglich hat Tuchen einige Ideen im Kopf bei denen er einen dribbelstarken Spieler am Flügel benötigt.

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Todti 24. April 2016 um 12:41

Dribbelstark schön und gut, aber wenn er aufgrund von Schwächen im Spielverständnis nicht spielt, dann bringt ihm das auch nichts. Soll nicht heißen, dass er nicht trotzdem eine sinnvolle Verpflichtung sein könnte oder sich nicht noch entwickeln kann (was er mit 18 Jahren ja sicherlich auch noch wird), aber nur weil er vom Profil auf eine vakante Stelle passen würde, ist er nicht automatisch eine Verstärkung.

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TobiT 24. April 2016 um 14:01

Tuchel wollte insbesondere einen Linksfuß. Nachdem Yarmolenko nicht klappte, lieh man Januzaj. Wenn man jetzt Dembele holt, gibt es entweder keinen LF oder keine Perspektive für Pulisic (vorausgesetzt Mkhi bleibt).
Dazu ist der Preis bei Dembele unklar. Wenn die Zusatzvereinbarung / Ausstiegsklausel gültig ist, kostet er 5 Mio. sonst eher 30. Das wäre mir dann doch zu viel für einen 18-jährigen, auf dessen Position schon 1-2 Toptalente im Verein vorhanden sind. Für 5 Mio. muss man ihn fast schon holen, so billig wird er selbst als Totalflop nicht werden. Ob er zu Dortmund passt, bin ich mir auch nicht sicher aber es scheint auf jeden Fall Interesse zu bestehen.

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Schorsch 24. April 2016 um 13:55

Ich hatte ja selbst das Ganze etwas relativiert. Wenn ein Club ein junges Talent verpflichtet, dann muss er weiter denken als nur an den aktuellen Trainer. Dieser sollte auf jeden Fall ein ‚Mitspracherecht‘ haben, mehr aber mMn auch nicht. Tuchels Vertrag dauert noch 2 Jahre, und dann? Verlängert er, geht er (vielleicht sogar zu Bayern)? Der junge Spieler ist dann meistens noch da und sollte auch für einen neuen Trainer ‚kompatibel‘ sein.

Ob Dembélé überhaupt zum BVB kommt, bleibt abzuwarten. Die Borussen scheinen recht gute Karten zu haben, da spielt vielleicht auch die ‚Puma-connection‘ eine gewisse Rolle. Aber an diesem Talent sind noch ganz andere Kaliber interessiert. Im übrigen sicherlich auch nicht, weil Dembélé den Idealvorstellungen der jeweiligen dortigen Trainer entspricht.

Sollte der BVB ihn verpflichten können, ist auch noch nicht ausgemacht, auf welcher Position er wie aufgebaut und eingebunden wird. Ein Einsatz auf den Flügeln liegt nahe, aber vielleicht ist er zentral eingesetzt sogar noch wirkungsvoller. Das hängt möglicherweise auch davon ab, wer den BVB noch zur neuen Saison verlässt.

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