Kurz ausgeführt: RB Leipzig gewinnt im Spitzenduell

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Mit knapp 40 Millionen Euro, ist der Kader von RB Leipzig der – mit Abstand – teuerste der 2. Liga. Zum Vergleich: Der Kader des VfL Bochum ist laut transfermarkt.de nur 14 Millionen Euro wert. Leipzig will dementsprechend so schnell wie möglich in die Bundesliga, doch der Saisonstart verlief nicht optimal.

grundaufstellung und pressing rbl bochum

Grundformationen und Pressing

Leipzig zu Saisonbeginn

Ralf Rangnick startete im September mit einem 4-2-2-2 in die Saison, welches ein wenig an die Ausrichtung von Alexander Zorniger und Roger Schmidt erinnerte. Nicht ohne Grund wird vermutet, dass sich Rangnick vor allem bei Roger Schmidt die eine oder andere Idee angeeignet haben soll. Doch sowohl das Pressing als auch der Spielaufbau in der Leipziger Version des 4-2-2-2 waren zunächst unpassend.

Der Spielaufbau mündete sehr oft im hohen Ball und der Kampf um den zweiten Ball wurde immer mehr zu einem Krieg. Diese Kritikpunkte, welche sich schon letzte Saison unter Zorniger zeigten, zogen sich nahtlos in die aktuelle Spielzeit. Rangnick reagierte nach wenigen Runden und stellte zunächst auf ein 4-2-3-1 um.

Rangnick sucht Stabilität

Gegen den Tabellenführer aus Bochum setzte der Leipzig-Coach jedoch auf ein klares 4-3-3 mit Forsberg, Selke und Sabitzer an vorderster Front sowie Demme, Ilsanker und Kaiser dahinter. Damit versuchten sie, den Spielaufbau der Bochumer zu unterbinden.

Die Mannschaften von Gertjan Verbeek hingegen sind bekannt dafür, dass sie trotz hoher Vertikalität ihren Spielaufbau gerne in der ersten Linie beginnen, also bei den Innenverteidigern Bastians und Fabian. War dies der Fall, agierten die Gäste aus Leipzig – jedenfalls für eine Mannschaft aus dem Hause Red Bull – zunächst bemerkenswert tief und warteten erst ein paar Pässe ab, bevor sie mit dem Anlaufen begannen. Dabei fiel auf, dass die bogenartigen Anlaufbewegungen der Stürmer stets von außen nach innen gingen. Rangnicks Ziel war es also, den Gegner in die Mitte zu lenken, womit sich sein Ansatz auch von Zornigers VfB und Schmidts Bayer unterscheidet, deren Ziel vornehmlich das Lenken auf die Außen ist. Durch die hohe horizontale Kompaktheit der drei Stürmer sowie der drei Mittelfeldspieler waren auch die Flügel nicht wirklich besetzt, einzig die Deckungschatten der anlaufenden Stürmer deckten diesen Bereich ab. Dementsprechend wichtig schien es zu sein, wo sich der ballferne Flügelstürmer aufhielt. Dieser rückte nur selten in die Mitte sondern sicherte den ballfernen Halbraum und damit auch den ballfernen Außenverteidiger mittels Deckungsschatten ab. Wurde im Pressing erfolgreich gelenkt, so lag es vielmehr an den Achtern aggressiv herauszurücken und den Ballführenden unter Druck zu setzen, wissentlich, dass man sich in einem engen zentralen Korridor befindet, welcher zuvor entsprechend vorbereitet wurde.

Dabei setzten sie auch wenig auf Mannorientierungen, wie zum Beispiel Louis van Gaal es tut, wenn er mit seinem Pressing den Gegner in die Mitte lenken will. Die Gastgeber aus dem Ruhrpott konnten sich dank sehr vieler vertikaler Bälle und guter Ablagen zwar immer wieder befreien, mussten aber ihren kompletten Spielrythmus an das Leipziger Pressing abgeben, die dadurch dem Gegner dahingehend dominieren konnten.

Wenn hingegen Luthe den Ball hatte, schoben die Leipziger noch ein Stück hoch, manndeckten die gegnerischen Aufbaumöglichkeiten und ließen dem Tormann dadurch keine andere Möglichkeit als den langen Ball. Die Bochumer kamen damit über die gesamten 90 Minuten nicht wirklich zurecht. Vor allem Terodde zeigte viele technische Schwächen, die es dem VfL Bochum unmöglich machten kontrolliert nach vorne zu kommen.

Selber konnten die Bochumer ihr bekanntes Pressing nicht aufs Parkett bringen, da sich die Leipziger nicht lange mit Spielaufbau beschäftigten, sondern ihrerseits lieber lange Bälle spielten. Wenn die ersten Pässe doch einmal kurz gespielt werden sollten, dann gesellte sich Stefan Ilsanker zu den beiden Innenverteidigern. Nicht selten schoben die Bochumer dabei mit einem der beiden Flügelspieler Terazzino/Bulut in die Mitte zu Terodde, während Haberer sich ein wenig zurückfallen ließ. Diese interessante Pressingstaffelung war aber im defensiven Halbraum auf der Seite des einschiebenden Flügelstürmers instabil, weshalb es für Ilsanker leicht war diesen anzuvisieren. Der österreichische Sechser bespielte die Lücken im defensiven Halbraum überraschend gut, womit das Bochumer Pressing kaum zur Geltung kam.

Fazit

Rangnick scheint an der Ausrichtung vom Saisonbeginn ein wenig geschraubt zu haben: Seine Mannschaft wirkt viel stabiler und konnte Bochum ihren Rhythmus aufzwingen. Dem Tabellenführer fiel nicht viel ein, um den Leipzigern Paroli zu bieten und musste schlussendlich verdient als Verlierer vom Platz.

Peda 19. Oktober 2015 um 12:01

Interessant…

Da komme ich jetzt doch ins Grübeln: nachdem Schmidt zu Leverkusen ging, wurde man das Gefühl nicht los, als ob sich Rangnick als Sportdirektor ein wenig zu direkt in die Arbeit seiner Nachfolger einmischte. Hütter rettete seinen verpatzten Saisonstart mit einer Umstellung auf ein 4-3-1-2, kehrte im Frühjahr wieder zum 4-2-2-2 zurück, aber best friends sind er und Ralle wohl keine mehr.
Zeidler ließ in Liefering praktisch durchgehend 4-3-3 spielen, der Kader hätte zu Beginn der Saison auch viel besser dazugepasst und er lässt trotzdem im 4-2-2-2 agieren, was ihm aufgrund der anfänglichen Leistungen auch enorme Kritik einbrachte.

Und jetzt weicht der Professor selbst davon ab und kehrt zu seiner eigenen Interpretation des Agriffspressings zurück (man erinnere sich an seine Hoffenheimer Zeit).
Fällt das Dogma jetzt auch in Salzburg?

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danochs 19. Oktober 2015 um 19:40

Die Frage, die sich für mich generell stellt, ist, warum das doch recht unübliche 4-2-2-2 überhaupt zum „Dogma“ erhoben wurde?

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Peda 19. Oktober 2015 um 20:33

Aus meiner Erinnerung war der ursprüngliche Grund eigentlich ziemlich pragmatisch:
die Stürmer Alan und Soriano waren beide in so starker Form, dass es nicht mehr vertretbar war nur einen der beiden spielen zu lassen.

Denn auch Schmidt begann in Salzburg nicht in dieser Formation, sondern in einem eher gewöhnlichen 4-2-3-1. Vielleicht ist man nach der erzwungenen Umstellung zu der Erkenntnis gekommen, dass im 4-2-2-2 die Grundpositionen besser zur gewünschten Spielanlage passen? Gegen die standardmäßige Viererkette vorne Mann gegen Mann, im Vertikalspiel günstigere Staffelung für Ablagen und kleinräumige Kombinationen.

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danochs 20. Oktober 2015 um 10:05

Vielleicht könnte sich hier ja mal Schmidt, Rangnick oder Zorniger zu Wort melden und für Aufklärung sorgen… 😉
Wobei ich der Meinung bin, dass Schmidts 4-2-2-2 bei Bayer in der letzter Saison auch eher ein 4-2-3-1 war, mit Calhanoglu auf der 10. Er ist ja nun wahrlich keine echte (zweite) Sturmspitze neben Kießling…

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danochs 19. Oktober 2015 um 11:29

Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die „krasse“ 4-2-2-2-Staffelung à la Red Bull Salzburg sich in Deutschland nur bedingt durchsetzen kann. Leverkusen hat das zwar letzte Saison unter R. Schmidt zwar über weite Strecken der Saison ganz gut hinbekommen, jedoch scheinen sie in dieser Runde Probleme zu haben, ihre Spielidee durchzudrücken. Ganz ähnlich verhält es sich ja auch in Sachen VfB und Alex Zorniger. Woran könnte dies liegen? Ist das 4-2-2-2 generell zu „eindimensional“ (stark zentrumslastig verbunden mit einem radikalen Pressingansatz)? Fehlt es im Gegensatz zur Raute, dem 4-2-3-1 oder ähnlichen Grundordnungen schlicht an einem reinen Zentrumsspieler und deshalb ausrechenbarer?

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