Deutschland – Armenien 6:1

Im letzten Test vor der WM demonstriert Jogi Löw die neue Variabilität der DFB-Elf. Eine Hälfte lang gab es das neue 4-3-3 zu sehen, im zweiten Durchgang das bewährte 4-2-3-1. Das Spiel zeigte die Vor- und Nachteile beider Systeme sehr deutlich.

Nachdem im ersten WM-Test gegen Kamerun ein 4-2-3-1 mit falscher Neun gespielt wurde, brachte Löw im zweiten Test die beiden weiteren Varianten auf den Platz. Zunächst starteten Kroos und Khedira als Doppelacht hinter dem dynamischen Dreiersturm Reus-Müller-Schürrle.

Lahm und Deutschlands 4-3-3

Deutschland - Armenien Hz1Der wichtigste Faktor in diesem System ist jedoch, dass Phillip Lahm die zentralste Rolle in der Mannschaft einnehmen kann. Der unbestrittene, inoffizielle Weltfußballer ergänzt die Passstärke von Kroos und die Physis von Khedira mit seiner taktischen und strategischen Perfektion, sodass die Abstimmungsprobleme und die typische Instabilität des K-K-Duos nur zu erahnen waren. Beide passen auch besser auf die Acht als direkt vor die Abwehr.

So war das Aufbauspiel auch bedeutend stabiler organisiert als noch gegen Kamerun. Lahm hielt die vier umliegenden Aufbauspieler gut verbunden und löste die diversen armenischen Versuche von höherem Pressing mit seiner Pressingresistenz und effizienten Ablagen auf. Bei ganz hohem Zustellen fächerten die Innenverteidiger außerdem ein paar Mal in eine Torwartkette auf. Interessanterweise kam Weidenfeller damit gut zurecht und erreichte eine Passquote von 94%. Mertesacker spielte übrigens nicht einen einzigen Fehlpass bei 76 Versuchen, auch Hummels nur zwei bei 71 Versuchen.

Im Pressing startete der Dreiersturm recht eng im passiven Angriffspressing und schob dann kollektiv zur Seite auf den Ball, während Kroos und Khedira die zweite Linie mannorientiert pressten. So hatten Lahm und die Viererkette recht viel Raum abzudecken. Insofern ähnelt das Defensivspiel im 4-3-3 sehr stark der aggressiveren 4-2-3-1-Variante und bringt ähnliche Kompaktheitsprobleme gegen schnell attackierende Gegner mit sich. Armenien kam jedoch kaum einmal zum Spielaufbau, sodass diese Schwierigkeiten nur zu erahnen waren.

Pendelnde Zentrumsüberladungen zu sechst

Die meiste Zeit der ersten Halbzeit gestaltete sich mit deutscher Ballzirkulation im Mittelfeld, durch welche die Armenier weit nach hinten gedrückt wurden. Dabei agierten die armenischen Flügelspieler recht mannorientiert, sodass die drei zentralen Spieler der 4-2-3-1-Formation keine leichte Aufgabe hatten. Khedira und Kroos staffelten sich zu Beginn der Ballzirkulation sehr flach um Lahm, sodass es viel Distanz zu den armenischen Sechsern gab und Mkhitaryan keine echte Chance hatte, Zugriff zu entwickeln.

Zudem bewegten sich Schürrle, Reus und Müller sehr frei durch das offensive Mittelfeld – quasi als falsche Dreifachzehn im 2-5-3-0. So hatte Deutschland sechs zentrale Spieler und dominierte das Spiel im Mittelfeld nach Belieben. Diese sechs deckten die Zone außerdem nicht einmal gleichmäßig ab, sondern pendelten oft als eng verbundener Block zwischen den Halbräumen, um Armenien noch konsequenter zu überladen. Diese Strategie war hochinteressant und führte zu sehr guter Absicherung. Trotz taktischer Mängel in der Umsetzung des Gegenpressings (später mehr), konnten sich die Armenier nicht aus dem deutschen Klammergriff befreien.

Keine Tore trotz enormer Dominanz

Die DFB-Elf entwickelte aus dieser sehr dominanten Grundsituation aber zu wenig Zug in den Strafraum. Um den Gegner mit kleinräumigen Kombinationen zu überrumpeln, waren die Armenier zu passiv ausgerichtet. Für die vertikalen Durchbrüche, die später den Sieg brachten, fehlte es zunächst an der passenden Rollenverteilung (individuell und untereinander): Reus agierte sehr ballfordernd im Halbraum und zeigte seine effizienten Vertikalläufe daher zu selten. Von halbrechts konnten Schürrle, Khedira oder Müller durchstoßen, doch waren sie durch diese Ballung meist sehr ballnah in die rechtsfokussierten Kombinationen eingebunden, sodass es kaum guten Winkel zu ihren Läufen gab. (Es ist schließlich schwierig, jemanden aus seinem Rücken heraus anzuspielen, weshalb man normalerweise für Pässe von etwas versetzten Spielern in die Tiefe geht.)

Generell war die Mittelstürmer-Rolle in dieser Form nicht gemacht für Müller, der oft zurückfiel. Als zentraler Punkt des Offensivspiels war er immer wieder in Kombinationen eingebunden und musste Verbindungen aufrechterhalten. Neben den Winkelproblemen sorgte das dafür, dass er seine typischen Läufe in den Strafraum kaum einmal ansetzen konnte. Die taktische Rolle der Neun war also so „falsch“, dass sie nicht zu der all zu „falschen“ Besetzung passte. Auch Schürrle hatte Probleme, sich zurechtzufinden. Kombinationsspiel auf engem Raum ist nicht seine Stärke und aus dem rechten Halbraum heraus fehlt ihm die Orientierung zum Tor, die ihn am linken Flügel so auszeichnet.

Zudem gab es keine Durchbruchsmöglichkeiten über die Flügel wegen der Außenverteidiger-Rollen. Höwedes und Boateng sind nicht die typischen Flügelläufer, die nach Verlagerungen vertikal zur Linie gehen. Stattdessen hielten sie die Breite sehr passiv und verteilten die Bälle horizontal. (Höwedes kam gar auf eine Passquote von 95%.) Dieses Problem wurde im zweiten Durchgang dadurch entschärft, dass vor allem Höwedes häufig diagonal Richtung Strafraum zog. Das sah man nicht nur bei seinem Tor. Auf der anderen Seite kam Boateng auch einmal zu einem guten Distanzschuss von der Strafraumgrenze. Wenn die Kombinationsangriffe im Zentrum ertragreicher gewesen wären, hätte aber auch die passive Ausrichtung des ersten Durchgangs etwas für sich gehabt.

Direkteres 4-2-3-1 in Hälfte zwei

Deutschland - Armenien Hz2

Nach dem Seitenwechsel.

So brauchte es aber eine Umstellung auf direkteren Fußball, um den armenischen Riegel zu brechen. Die diagonalere Anlage der Außenverteidiger ging auch mit einer Umstellung der Flügelrollen einher: Podolski interpretierte die linke Position deutlich breiter als Reus. Auch Schürrle agierte im Laufe der zweiten Halbzeit zunehmend in der Breite oder zog direkt in den Strafraum. Trotzdem ließen sich die armenischen Flügelspieler weiter nach hinten drücken, anstatt die diagonalen Verbindungsräume zu verteidigen.

Diese 6-2-1-1-hafte Defensive war wie gemacht für Mesut Özil. Er konnte zwischen den Halbräumen pendeln, klare Horizontaldribblings anziehen und die Schnittstellen der Abwehr suchen. Beeindruckend war jedoch der ungewöhnlich zuarbeitende Rhythmus: Özil wartete etwas länger als üblich auf seine Einbindung und reduzierte sich mehrfach auf simple Ablagen, die sehr effektiv waren. So ermöglichte er das 1:0, indem er in einer der beschriebenen Halbraumlücken den Ball auf Kroos prallen ließ, damit den armenischen Rechtsverteidiger herauszog und so den Raum für Podolski öffnete.

Die Einwechslung von Klose brachte dann einen Raumschaffer für einen Raumdeuter, was auf dieser Position in diesem Spiel effektiver war. Am deutlichsten wurde das beim 2:1-Treffer, als Klose bei der Verlagerung auf den linken Flügel noch am linken Innenverteidiger stand, um sich dann langsam auf den rechten abzusetzen. So band er die ganze Innenverteidigung zentral, die linke Seite wurde überladen und Podolski konnte ungestört von halblinks abschließen.

Auch Schweinsteigers Einwechselung erhöhte noch einmal den Druck. Er agierte sehr präsent und diktierte durch Positions- und Passspiel einen hervorragend passenden, druckvollen Rhythmus. Auch Großkreutz‘ Einwechslung bracht mehr Zug: Bei einem vertikalen Vorstoß leitete er das 6:1 ein.

Stabilität, Zentrumspräsenz und Ausrichtung im Gegenpressing

Die Fortschritte im Vertikalspiel gingen jedoch zulasten der Stabilität. Im ersten Durchgang hatte Armenien keinen einzigen Schussversuch (!) unternehmen können. Im zweiten waren es sechs, inklusive eines Elfmetertores, das aus einem schlecht verteidigten Ballverlust resultierte. Die breitere Stellung der Flügelspieler, die höhere Rolle des Stürmers und auch das Fehlen von Lahm (und seiner Position als dritter Zentrumsspieler) führten dazu, dass die Armenier viel mehr Möglichkeiten in der Auslösung ihrer Konter hatten.

Dadurch wurden dann die deutschen Schwächen im defensiven Umschalten deutlich: Im ersten Moment wird sehr simpel und direkt auf den Balleroberer gepresst, unabhängig von der Absicherung des attackierenden Spielers. Diese Absicherung ist jedoch oft schwach, da die Räume in Ballnähe nicht sofort verengt werden, sondern sich häufig mehrere nahe Spieler zurückziehen, anstatt sich nach vorne zu orientieren. So reicht manchmal schon ein gewonnener Zweikampf am Ball, um das deutsche Gegenpressing weitgehend zum Einsturz zu bringen. Wenn nicht direkt im Moment des Ballverlusts eine komfortable Überzahl gegeben ist, gelingt es den Deutschen nur selten, durch leitende Elemente und kluges Nachschieben, diese Überzahlsituationen herzustellen.

Deutschland-Armenien GP vor 1-1

Schwaches Gegenpressing, das zum 1:1 führte: Höwedes geht aggressiv auf den Ballführenden, der sich aber durchsetzen kann. Özil rückt zu langsam nach und schließt den Passweg auf Hovsepyan nicht. Im Zentrum sind viele Räume offen wegen der unkompakten Grundposition von Schürrle und Podolski. Kroos und Schweinsteiger rücken nicht zum Ball, sondern weichen erst mal zurück. Als der Ball dann aber ins Zentrum gespielt wird, rücken sie beide (!) mannorientiert heraus und kommen einen Schritt zu spät. So kann Mkhitaryan anschließend durch das völlig entblößte Mittelfeld marschieren und das unabgesicherte Dribbling zum Elfmeter auflegen.

Die kollektiven Probleme werden außerdem durch die individuellen Schwächen befördert, die hauptsächlich Özil, Kroos und Podolski im defensiven Umschalten haben. Zudem fehlt ein wirklich schneller Innenverteidiger, der weiträumige Befreiungsaktionen aggressiv absichern kann.

Fazit: Offensive Variabilität, defensive Simplizität

Die erste Halbzeit zeigte eine enorm dominante und stabile deutsche Mannschaft. Das 4-3-3 sorgt in dieser 2-5-3-0-artigen Interpretation für jede Menge Möglichkeiten im Offensivspiel und eine hervorragende Absicherung. In dieser Ausrichtung scheint ein Spanien-artiges Erfolgsrezept mit recht defensiv ausgerichtetem Ballbesitzspiel möglich.

Im zweiten Durchgang sah man dann das 2010er-Deutschland mit viel Schweinsteiger-Präsenz und Durchschlagskraft von Podolski und Özil im 4-2-3-1. Diese Variante brachte den hohen Sieg, wirkte andererseits aber sehr viel brachialer und simpler. Dass diese Herangehensweise gegen die individuell schwache Defensive von Armenien besser funktioniert, muss nicht heißen, dass sie auch auf höchstem Niveau stärker ist.

Die Stabilität Deutschlands wird wohl davon abhängen, wie viel Zentrumspräsenz und Ballbesitz die deutsche Elf wagt. Die Durchschlagskraft scheint aber noch vom Gegenteil abzuhängen: Wie vertikal und breit ist das deutsche Spiel angelegt? Das Abschneiden bei der WM wird davon abhängen, ob Löw diese beiden Pole noch vereint bekommt, oder falls nicht: wie gut die Systemvarianten strategisch gewechselt und angepasst werden.

Alle taktischen Infos zu allen Teilnehmern der Weltmeisterschaft gibt es in unserer WM Vorschau.

Koom 16. Juni 2014 um 11:10

Bin sehr gespannt auf Löws Ideen für das heutige Spiel. 4 IVs finde ich nicht mal so falsch. Er löst damit eigentlich sehr viele Probleme, bzw. unterstützt die Stärken seiner Elf:

– Kopfballstärke. Ausser den IVs sind nur wenige ausgewiesene Kopfballexperten in der Elf. Müller und Schweinsteiger mit Abstrichen, sind beides aber keine Kopfballungeheuer. Für defensive wie offensive Standards sind die 4 Gardemaß-IVs deswegen durchaus interessant.

– Hummels vs. Restabwehr. Er ist Vorwärtsverteidigung gewohnt, durch die 3 anderen IVs ist er dafür besser abgesichert. Gleichzeitig kann er dadurch eine Art Libero spielen, einen (gegebenfalls kopfballstarken) MS oder OM abdecken und man hat hinten immer noch eine Art Dreierkette.

– Defensivschwache Offensive. Das ist u.U. ne Milchmädchenrechnung, weil alle angreifen und alle verteidigen müssen, aber zumindest das defensive Zentrum ist dadurch ziemlich gut dicht (durch die 4 IVs und praktisch 3 DMs).

– Zentrumsfokus. Wir spielen eh sehr zentrumfixiert, auch und gerade die Aussenbahnspieler ziehen alle gerne in die Mitte. Dann braucht es nicht dringend breitengebende AVs, bzw. kann das dann situativer vom Mittelfeld übernommen werden.

Ein bisserl wirkt die Idee wie aus einem Videospiel (bei PES-Turnieren wurde auch sehr gerne mit 4 IVs gearbeitet), aber warum nicht?

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rodeoclown 16. Juni 2014 um 11:28

Die letzten beiden Punkte finde ich etwas schwierig. Ob das Zentrum wirklich so dicht ist hängt ja mehr davon ab wie die AV spielen, statt wer da spielt. Denke mit einem Schmelzer würde das sogar nicht eher zutreffen als mit Höwedes, der zumindest als RV für mich immer überraschend linientreu war. (Haha)
Und ganz ohne Breit wir es auch nicht gehen, dafür ist Portugal im DM zu gut besetzt. Wenn man das irgendwie situativ lösen kann wäre schön, aber ich will eigentlich weder Lahm noch Khedeira in der Mite fehlen sehen bei Ballverlusten und Podolski/Schürrle/Müller auf dem Flügel klebend wäre auch nicht so prall… Irgendwie schwierig bei dem Gegner finde ich.
Aber die anderen Punkte haben wirklich Gewicht. Bisher sind ja unglaublich viele Tore nach Standards gefallen (wenn auch gar nicht mal so viele per Kopf) und wir wirden sicher einige Frei- und Eckstöße bekommen. Und die Libero-Idee finde ich auch nett, weil sehr kraftsparend. Hummels muss nur 10-20m nach vorne Rücken und sofort hat man 2-3 oder 3-2 Staffelungen im Mittelfeld und genügend Überzahl um den Ball dort zu kontrollieren. Wenn Portugal das verhindern will müssen eigentlich Nani oder Ronaldo zentraler kommen in der Defensive und die möglichen Konterräume damit verwaisen lassen. Dafür umgeht man sehr enträftete Außenverteildiger ab der 60. Minute. Finde das war bei vielen SPiel ein widerkehrendes Muster bisher.

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Koom 16. Juni 2014 um 12:39

Ich denke, die 4 IVs werden ausgesprochen konservativ agieren. Höwedes wird kaum die Mittellinie überqueren. Dann eher Hummels oder Boateng, beides aber auch nur eher sporadisch.

Was mir dazu noch einfällt: Gerade dieses Rausrücken, wie es bspw. Tuchel in der Bundesliga mit einer 5er-Kette praktiziert hat (die 5erkette nur als Absicherung, eben das ein Verteidiger abgesichert rausrücken kann), gab es so oder so ähnlich ja jetzt auch schon 2-3 mal bei dieser WM. Diese Variante würde ja nicht nur Hummels gut absichern, sondern auch Boateng, der mit seiner Dynamik gerne mal nach vorne geht.

Die Breite in der Offensive würde ich dann auch eher von Kroos oder einem der 3 HS davor erwarten. Alles aber jeweils situativ, es wird IMO keiner den klaren Auftrag bekommen, permanent die Breite zu geben in der Offensive.

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FAB 16. Juni 2014 um 13:15

Speziell gegen Portugal, auch weil es ein Eröffnungsspiel ist, finde ich auch die 4IV Taktik absolut sinnvoll. Im Portugal Spiel der EM 2012 spielten Lahm (li) und Boateng (re) Außenverteidiger, beide haben dort sehr passiv gespielt. Rechts muss sowieso jemand für die Ronaldos Sonderbewachung geopfert werden. Die linke Seite wird Portugal wahrscheinlich häufiger überladen, weshalb ein zweikampfstarker Spieler wichtig ist. Davon abgesehen ist es sehr schwierig gegen das Portugal das Spiel in die Breite zu ziehen, weil sie extrem gut verlagern. Es wird keine besonderen Vorstoßmöglichkeiten für die Außenverteidiger geben …
Spannend wird sein, wie Löw die Offensivaktionen plant. Eine Möglichkeit ist die Idee des Rhythmuswechsels von Guardiola am Ende der letzten Hinrunde, also zur 60sten Minute technisch starke Spieler einzuwechseln um die Taktfrequenz nochmal zu erhöhen. Deutschland wird sicherlich den Großteil des Spiels dominieren, was aber nicht viel zu bedeuten hat. Entscheidend wird sein, Portugal vor viele verschiedene Aufgaben zu stellen. Das kann so aussehen, dass mit vertikal ausgerichteten Spielern wie Khedira, Özil, Podolski und Müller begonnen wird und dann mit Götze, Klose und evtl. Schweinsteiger horizontaler aber schneller wird.
Auch wenn offensiv nicht vieles für Podolski spricht, er arbeitet (mittlerweile) defensiv am besten von allen offensiven Spielern mit. Ich bin mir sicher, dass sich Portugal schwer tut die deutsche linke Seite mit Höwedes und Podolski vor Probleme zu stellen. Vielleicht bekommt er ja auch in der einen oder anderen Situation etwas Platz um seine Dynamik auszuspielen und um zum Abschluss zu kommen ..

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Koom 16. Juni 2014 um 14:52

Ich würde es andersherum erwarten: Anfangs eher horizontale Spielweise, um Kräfte zu schonen und den Gegner laufen zu lassen, später dann stark vertikal ausgerichtete Spieler bringen, um damit dann die sicherlich entstehenden Räume zu nutzen.

Allerdings hätte man so den Portugießen eine Blaupause bereits geliefert, da man praktisch exakt so gegen Armenien gespielt hat.

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FAB 16. Juni 2014 um 15:43

Ich fände es fatal horizontal zu beginnen. Die horizontale Spielweise funktioniert gegen einen guten bzw. gleichwertigen Gegner nur mit sehr aktiven Pressing. Sonst wird alles ganz schnell zu statisch und auch zu konteranfällig. Das aktive Pressing kann aber nicht lange durchgehalten werden.
Ich finde, Deutschland sollte in der Anfangsphase zwar dominant aber vertikal spielen um Abschlüsse zu haben ohne kraftraubendes und gefährliches Pressing spielen zu müssen.
Die Frage ist, ob man dann die letzte halbe Stunde nochmal zulegen kann/muss mit frischen Kräften. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Rhythmuswechsel hin zum Tiki Taka wirklich funktionieren würde …

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Koom 16. Juni 2014 um 16:05

Ich dachte bei der horizontalen Spielweise tatsächlich sehr an „Ballgeschiebe“. Also tatsächlich gar nicht mal der Versuch, darüber (zwingend) zum Tor zu kommen, sondern damit einfach nur den Gegner aufzureiben und zu entnerven und ihn somit für vertikales Direktspiel anfälliger zu machen. Das ganze also auch gar nicht sonderlich hoch betreiben, sondern mehr auf Höhe der Mittellinie im unspannenden Raum.

Torerfolg sucht man bis zur Umstellung in Standardsituationen. Laut diverser Medien soll diesesmal ja durchaus ein gewisses Augenmerk darauf gelegt worden sein. Und dann passen die 4 (kopfballstarken) IVs sowie die doch durchaus zum Freistoßherausholen idealen Offensiven ziemlich gut in den Kram.

Unsexy, klar. Könnte aber bei den Bedingungen (hohe Temperatur, extreme Luftfeuchtigkeit) eine gute Idee sein.

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Fitsche 16. Juni 2014 um 17:14

Exakt

Fitsche 16. Juni 2014 um 16:02

Hm, also ich bin hier eher bei Koom. Ich vermute, es wird Götze als F9 anfangen, und ich kann mir vorstellen, dass er zusammen mit Kroos in der offensiven Zentrale spielt und dort vor allem Fluidität und Ballzirkulation angestrebt werden. Sobald der Gegner platt ist dann dynamische Leute rein. Ich glaube, wenn Podolski und Schürrle frisch von der Bank gegen eine durchgespielte Abwehr gebracht werden, wird das für die Portugiesen ganz schwer.

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Fitsche 13. Juni 2014 um 20:31

Interessante Einschätzung.

Ich wundere mich übrigens seit Reus‘ Ausfall über das Unverständnis des mainstreams bezüglich der Nominierung von Mustafi; 23 Spieler im Kader – 3 Torwarte = 20 Feldspieler = jede Position doppelt besetzt… Wenn man grundsätzlich von einer 4er Kette ausgeht würde man also 8 Verteidiger mitnehmen, und genau das ist jetzt der Fall. Mathematik für 2. Klässler.

Reus ist ein Ausnahmespieler, den man halt auch dann mitnimmt, wenn man eigentlich gerne in anderen Mannschaftsteilen 1, 2 Lücken füllen würde.

Ich habe echtes Mitleid bei solchen Verletzungen und kann mir Zeitlupen von umknickenden Spielern nicht ansehen; Reus ist zu wünschen, dass er möglichst schnell gesund wird, auch, damit der BVB in der BuLi eine starke Saison spielen kann; AABER: ich glaube nicht, dass Reus‘ Verletzung unsere Chancen schmälert. Manchmal ist es besser, weniger Optionen zu haben.

Ich hoffe, dass Durm spielt. Hat mich in seinen CL Spielen und jetzt in den Testspielen echt überzeugt. Jung und unbekümmert, aber deshalb nicht fahrlässig. Gute Dynamik, technisch stark und irgendwie scheint das Zusammenspiel mit den alteingesessenen N11-Spielern bereits gut zu klappen.

Das Armenien Spiel hatte mMn eine strategische Komponente die mir zumindest bisher noch nicht so aufgefallen ist, und die ich sehr gut finde: Mit viel Ballbesitz (Lahm auf 6) den Gegner mürbe machen; wenn ein Tor fällt okay, muss aber nicht; dann dynamische, druckvolle Spieler rein (Podolski, Klose) und den Gegner auf die Matte legen.

Deshalb finde ich auch die Diskussionen um die richte STARTaufstellung etwas müßig; ich glaube, es ist viel wichtiger, taktisch flexibel zu sein, Spieler auf dem Platz zu haben, die ohne Wechsel schon Anpassungen umsetzen können, und dann mit neuen Kräften von der Bank nochmal richtig nachzulegen. In den vergangenen Turnieren hatte ich oft eher das Gefühl, dass man bei den (meist offensiven) Wechseln eher auf ne Art Wunder hofft; bei dem jetzigen Kader kann man davon ausgehen, dass die Mannschaft mit jedem Wechsel einen ordentlichen push bekommt und der Gegner erstmal ordentlich ins Schwitzen kommt.

Also los geht’s!

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Fitsche 13. Juni 2014 um 17:43

Kann sich jemand realistisch vorstellen dass…
1. wir Mustafi spielen sehen werden?
2. Durm in der Startelf steht?
3. Ginter eingesetzt wird?
4. Hummels im defensiven Mittelfeld spielen wird?
5. Kramer Einsatzzeiten bekommt?
Danke und Gruß an alle WM-FANS!

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MorataBVB 13. Juni 2014 um 19:26

Meine Antworten:

1. Nein, nur bei massiven Verletzungssorgen bzw. Sperren. Sind einfach zu viele Spieler vor ihm
2. Das Tandem Durm/Reus ist reizvoll, momentan deutet aber vieles auf eine andere Lösung hin (Höwedes)
3. Ähnlich wie Mustafi, nur mit Option als DM. Ist so ein typischer junger Perspektivspieler, der vor allem für die Zukunft Erfahrung sammeln soll.
4. Nein, Löw sieht ihn nicht als DM (Generell sind die genialen, riskanteren Pässe von ihm ja auch untersagt)
5. Hoffentlich. Physis und taktisches Geschick sprechen für ihn

btw.: Schade, dass Olli Kirch und Daniel Baier nicht nominiert worden sind. Gerade die Nichtberücksichtigung von Baier gibt mir immer noch Rätsel auf, insbesondere bei der Personalsituation.

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MorataBVB 13. Juni 2014 um 19:44

Zu 2.: Ich meine natürlich, dass die Chancen für Durm durch den Ausfall von Reus wohl kleiner geworden sind. Die Verletzung habe ich schon registriert 🙂 .

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Arturo Rodríguez 11. Juni 2014 um 16:10

Besonders in die erste 5 Minuten ist Armenien schon gefährlich nah an Deutschen Torwart gekommen. Ich habe die Agresivität lang vermiest, bis Schweinstiger reinkamm. Aus meiner sicht hat er alle andere Spieler besser gemacht.

Ich weiß, dass ihr im SV fans von Lahm auf den 6er Position seid. Aber die Interpretation von Boateng als Außenverteidiger (er geht nach vorne und rutsch ganz in die Mitte) sieht ganz ähnlich aus, wie was Lahm als Außenverteidiger bei Guardiola macht. Gegen ein Portugal mit CR7 braucht Löw warscheinlich ein Boateng. Aber gegen Mannschaften, die tief stehen und nicht so gut in Umschaltspiel sind, denke ich, dass Low platz für Schweinsteiger, Khedira und Kroos machen wurde, mit Lahm als Außenverteidiger.

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fs984 12. Juni 2014 um 08:39

Sehe ich ähnlich. Boateng ist für mich der ideale Gegenspieler für Ronaldo. Er ist schnell, körperlich robust und Kopfball-stark. Würde Lahm gegen Ronaldo spielen, hätte ich Angst bei jedem langen Ball auf den zweiten Pfosten und einem Kopfballduell der beiden.
Boateng und Höwedes bringen zwar keine Flügelläufe ein, jedoch helfen sie bei den Standarts. Wenn man das Halbfinale zwischen Bayern und Real anschaut oder die ersten beide Tore des Championsleague Finale sieht, kann man sehen wie entscheidend Eckbälle sein können. Auch wenn Löw darauf sicherlich wieder kein Gewicht legt.
Bei Schweinsteiger und Khedira fehlt mir ein wenig die Spritzigkeit. Schweinsteiger ist für mich jedoch ein wenig torgefährlicher.

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tomci 12. Juni 2014 um 11:08

Äh, Boateng gegen Ronaldo?! Ok, aber nur wenn er verspricht, dass er sich vohrer den 10 min im vorraus vorhesehbaren Elfmeter den er im Arsenal-Hinspiel gegen Özil verschuldet hat in Endlosschleife angucken wird! Genau das wird Ronaldo nämlich andauernd gegen ihn versuchen: Freistöße ERZWINGEN. Und dafür ist Boateng wohl das ideale Opfer. =(

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mk 12. Juni 2014 um 11:31

Ist ja nicht so, dass Boateng gegen Ronaldo nicht auch schon ein richtig starkes Spiel gemacht hätte. EM 2012 war ja das gleiche. (Aber als ob das ganze Spiel von dieser einen Paarung abhinge und Ronaldo immer nur gegen Boateng in Duelle gehen würde)

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tomci 12. Juni 2014 um 11:44

Meine ja nur, Boateng hat ein riesen Problem mit unnötig verursachten Frei-/Strafstößen. Heißt nicht, dass er das nicht abstellen kann. Haben andere (etwa Koscielny) auch schon hingekriegt..

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tomci 12. Juni 2014 um 11:55

Und außerdem: Wenn Deutschland Portugal wieder so kollektiv und taktisch überlegen sein wird wie 2012 ist es eh fast egal wer Rechtsverteidiger spielt.

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fs984 12. Juni 2014 um 23:22

Die SZ spekuliert, dass Löw mit einem 4-3-3 spielt und hierbei mit Özil über rechts. Sollte Löw dies tun, muss ich ernsthaft an seinem Erinnerungsvermögen zweifeln. Wie wir im Halbfinale sahen kann Özil die Seite nicht zu machen. Sollte er gegen Contrao spielen, dann hat Boateng mit Contrao und Ronaldo zwei Gegenspieler. Müller oder Grosskreuz würden sich defensiv sicherlich besser eignen.

MR 13. Juni 2014 um 00:51

Im Halbfinale sollte er ins Zentrum einrücken, um Italiens Überzahl zu kompensieren. Mit seinen individuellen Fähigkeiten hatte das eher wenig zu tun.

fs984 13. Juni 2014 um 08:19

Unter anderem beziehe ich mich hier auf TE, der in der WM Vorschau das Pressingverhalten von Özil und Götze als nicht so defensiv stark beschreibt. Ich kann mich an einige Szenen erinnern, in welchen er bei Arsenal oder damals bei Real gute Ansätze im Pressing seiner Teamkollegen nicht nutzen konnte, weil ihm die Konsequenz fehlte. Es sind jedoch primär Situationen, in denen er in der Mitte spielte. Es bleibt also am Ende von meiner Seite Spekulation ob er auf dem Flügel einen Contrao verteidigen kann, bzw. zusätzlich helfen kann gegen Ronaldo oder Asamoah zu doppeln.

Ob diese defensiv Schwäche im Pressing an seinen Fähigkeiten oder einem mangelndem Einsatz liegt, tendiere ich zum erst genannten. Özil ist ein kluger, ehrgeiziger Spieler und hat schon unter Mourinho gespielt, welcher noch jeden Offensivspieler defensiv in die Verantwortung nahm.


spohngy 10. Juni 2014 um 12:53

Hattet ihr auch das Gefühl, dass es im Vergleich zu anderen Spielen unter Löw relativ viele Versuche von Distanzschüssen gab? Meint ihr das war von oben angeordnet?
Und Frage an die Autoren: In eurer WM-Vorschau schreibt ihr, dass ihr diskutiert habt, wie viele Sterne ihr dem Team in Bezug auf Variabilität gebt. Würdet ihr nach diesem Spiel eindeutiger zum höheren Wert tendieren?

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Schimanski 9. Juni 2014 um 14:59

Ich habe die Rolle von Khedira nicht so recht nachvollziehen können. Für mich hat er fast schon einen 10er gespielt. Sollte er mit seiner Physis Räume schaffen und Gegenspieler binden? Sah für mein Laienauge ziemlich improvisiert und in einigen Szenen etwas hilflos aus.

In Verbindung mit Schürrle und Reus, die beide über den Speed kommen, und Müller, der ja gern ballferne Räume erobert, war die gesamte Offensiv-Besetzung doch vollkommen unpassend für die enge Positionierung und Staffelung.

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Tomci 10. Juni 2014 um 15:20

Fand ihn eigentlich zumindest wieder recht spritzig und für seine Verhältnisse sogar überraschend elegant. Sollte wohl so eine Art Fellaini verkappten Physis-10er geben. In Kombination mit KRoos/Lahm, die irgendwiie schon das pure Gegenteil darstellen könnte das theoretisch schon Sinn machen..

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Mouriola 8. Juni 2014 um 14:28

Weltfussballer Wahl 2014:

1) Lahm (natürlich^^)
2) Modric
3) Busquets, weil er eben Busquets ist 😀

Wäre aber wirklich fair, wenn diese Spieler mal gewürdigt würden 🙂

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rince777 8. Juni 2014 um 13:12

Hi,

meine bescheidene Aufstellung:

———————– Neuer

Boateng —— Mertesacker—— Durm
———————- Hummels
–La hm —————————— Schweinsteiger
—————— —- Kroos
—Müller ——————- —-Götze
————————-Klose

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SF 8. Juni 2014 um 13:07

Kann mir jemand das Winkelproblem erklären? Das habe ich im Artikel nicht verstanden.

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BD 9. Juni 2014 um 14:14

Das war wohl wieder zu fußballnerdig formuliert…

Müllers Läufe erfolgen entweder von den Flügeln oder aus der Tiefe. Die Mittelstürmerposition steht demzufolge im Konflikt mit diesen.

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MR 9. Juni 2014 um 15:41

Das war nicht gemeint, wobei das natürlich auch ein guter Punkt ist.

In dem Spiel war es aber so, dass sich Müller, Schürrle und Khedira hauptsächlich halbrechts positionierten. Dort lief auch das Spiel meistens zusammen. Daher kamen die Läufe potentiell aus dem gleichen Raum wie der Ball, was nicht so praktisch ist.

Beispiel: Welcher Pass ist leichter zu spielen?

Vertikalpass Winkeldings vert

(Auch eine Form von Dreiecksbildung.)

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BrainDrain 9. Juni 2014 um 16:21

@MR: Wie würdest Du denn das Winkelproblem lösen im jetzigen System? Weniger überladen (Khedira kreuzt auf die Kroos-Seite), mehr Höhe (Kroos rückt weiter auf und spielt weniger aus der Tiefe) oder rückt der LA (Reus-Ersatz) mehr ein und wird zur falschen 10, wenn über rechts aufgebaut wird?

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MR 9. Juni 2014 um 17:42

Na einfach nicht die ganzen Vertikalsprinter in die Überladungszone packen. Bspw halblinks überladen mit Kroos, Götze als f9, Lahm, Khedira halbrechts durchstoßend, sowas.

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SP 9. Juni 2014 um 20:46

Müller und Reus haben nach meinem Eindruck auch manchmal vorgemacht, wie es gut funktioniert, was auch MRs Lösung entspricht. Manchmal hat Müller dann halt den diagonalen Pass durch die Abwehr gespielt, während Reus auf links durchgestartet ist. Das waren dann auch die besten Chancen der ersten Halbzeit, Müllers Gespür für die Räume ist in dieser Aufteilung natürlich auch verschenkt.

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SF 9. Juni 2014 um 17:01

Vielen Dank, jetzt hab ich es kapiert 🙂

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Mark 8. Juni 2014 um 10:19

Ich hatte nicht den Eindruck, dass in der ersten Halbzeit absichernder Ballbesitz angestrebt wurde. Die Dominanz ist in diesem Bereich eher aus dem Unvermögen der Armenier im Bereich Spielaufbau/Pressingresistenz entstanden und weniger durch deutsches Ballbesitzspiel. Im Gegenteil, die drei Stürmer haben aus meiner Sicht deutlich zu direkt gespielt. Sobald die Mittellinie überschritten wurde kam mir das deutsche Spiel extrem hektisch vor, sehr weite und direkte Pässe aus dem Mittelfeld und fast nur „one-touch“ Ablagen oder Weiterleitungen in der Nähe des Strafraums. In Kombination mit dem funktionierenden Pressing (ob gut oder weniger gut können andere bessere beurteilen) sind dadurch sehr viele Chancen entstanden, jedoch kaum eine hochprozentige sondern sehr viele Volleys, ungenaue Flanken und Schüsse aus schlechten Situation oder Ecken. Aus meiner Sicht haben in der ersten Halbzeit zwei Dinge gefehlt, erstens Breite im letzten Drittel (4 IV, 3 HS – war wohl so geplant) und zweitens zumindestens einer dieser beiden Spielertypen:
– offensiv Spieler der in Strafraumnähe den Ball hält und wartet bis er selbst und alle seine Mitspieler genau richtig stehen um den Spielzug zu vollenden, also nicht nur direkt spielt. Özil kann diese Rolle denke ich ausfüllen
– offensiv Spieler der so gut im Dribbling ist, dass er den Ball in einiger Entfernung vom Tor mitnehmen kann und sich dann in eine Position bringt in der er kontrolliert den (vor)letzten Pass spielen oder selbst abschließen kann. Messi wäre das offensichtliche Beispiel.

Die Tore in der zweiten Halbzeit lassen sich auch gut mit der Qualität und Anzahl der Einwechselspieler erklären: Özil, Podolski, Schweinsteiger, Großkreutz, Klose, Götze mit ähnlich starken Mitspielern gegen eine schwache und ermüdete Manschaft? Sollte immer Tore produzieren.

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BrainDrain 9. Juni 2014 um 16:11

Schöner Artikel. Mir hat das 4-3-3 in der ersten Hälfte auch besser gefallen als das 4-2-3-1 in der zweiten, zumal wir unsere Chancen hatten. Die größere offensive Strahlkraft kam ja auch in der zweiten Hälfte so richtig erst ab der 60./70. Minute, als die Armenier müde waren und nicht mehr wirklich konsequent verteidigt haben. Insofern wäre es interessant gewesen, das 4-3-3 auch mal gegen müde und das 4-2-3-1 auch mal gegen fitte Gegner zu sehen, um zu sehen, ob die größere offensive Durchschlagskraft am System oder an der Müdigkeit der Gegner liegt.

Ich würde auch Mark zustimmen, dass trotz der hohen Ballbesitzquote das Spiel in der ersten Halbzeit schon anders war als zuletzt oft. Während man in der zweiten Halbzeit klassisch (eher im Barcelona, Bayern-Stil) den Ball in die armenische Hälfte getragen hat und dann auf den feinen letzten Pass gesetzt hat, hat man in der ersten Hälfte relativ früh steile Pässe auf die schnellen Schürrle, Reus, Müller versucht, die dann häufiger ins Laufduell und Temopdribbling gegen die Verteidiger gingen (also etwas mehr der Real-Stil unter Ancelotti, Aufstellung war ja auch näher an der Real-Taktik).

Mit dem System hängt natürlich auch mit die Wahl der geeigneten Spieler zusammen. Schürrle, auch Podolski oder Müller sind m. E. etwas stärker, wenn sie Raum haben, um ihre Schnelligkeit auszuspielen und etwas schwächer, wenn sie auf engem Raum kombinieren müssen. Götze ist das klassische Gegenbeispiel – er ist aufgrund seiner Technik stark, wenn er nah am Strafraum kombinieren muss – das Laufduell, wo er kurz hinter der Mittellinie startet, ist sicherlich nicht sein typische Szene. Reus und Özil könnten im Prinzip von Technik und Geschwindigkeit her beides, allerdings sehe ich Reus noch stärker, wenn er mit Tempo kommt und Özil fühlt sich als Zehner, der auf engem Raum die Schnittstellenpässe macht, noch etwas wohler („der Mann für den letzten Pass, nicht für den vorletzten“).

Mit der Nachnominierung von Mustafi, ist – so denke ich – klar, dass Lahm ins Mittelfeld versetzt wird. Ich denke daher, es wird dann eher auf ein 4-3-3 hinauslaufen, weil ja praktisch alle Führungsspieler in Interviews betont haben, dass man mehr defensive Stabilität braucht, um weit zu kommen. Gegen Portugal will man sicherlich nicht zu offen stehen, zumal unsere 6er/8er ja nicht die allerschnellsten sind (eine Lehre aus Bayern-Real als Schweinsteiger/Kroos zunächst die Doppel-6 bildeten).

Da man das Wechselkontigent brauchen wird, schon wegen des Klimas und den zu erwartenden Kreislaufschwierigkeiten bei einigen Spielern, denke ich Löw wird zumindest nicht mit zu vielen Spielern anfangen, die gerade erst gesund geworden sind (Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Khedira, Klose). Da Kroos und Khedira sich als 8er gut ergänzen (Kroos als Passgeber von hinten, Khedira als Box-to-Box-Player), denke ich, er wird mit den beiden anfangen und Schweinsteiger erstmal draußen lassen. Im Dreiersturm ist halt die Frage, wer Reus ersetzt, Podolski oder Özil. Özil kann natürlich ungleich mehr, aber aufgrund seiner derzeitigen Power und seines unbedingten Willens würde ich zur Zeit sogar Podolski bringen (weil Form schlägt Potential).

Also zusammengefasst meine Startaufstellung nach den derzeitigen Eindrücken mit Alternativen in Klammern:
Neuer- Boateng, Mertesacker, Hummels, Höwedes(Durm) – Lahm – Khedira (Schweinsteiger), Kroos – Podolski (Özil), Müller, Schürrle (Özil).

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Tomci 10. Juni 2014 um 15:12

Schürrle wird glaube ich nicht Özil (oder Podolski) verdrängen können ohne gewaltig sichtbare Unterschiede zwischen seiner Leistung und ihrer im Turnier selbst. Denke aber du könntest wohl Recht haben, dass selbst ein Klose zuerst geschont wird, und sogar damit, dass Kroos die neue 10 ist. Dann wird er sich aber fließend mit mit der falschen 9 (Özil/Müller/Götze?) und dem Renner aus dem DM (Lahm/Khedira/..)mit Vorstößen abwechseln. Bei Kroos, Özil, Podolski, Müller (und Lahm) als möglichen Stationen für den Tor-Abschluss sehe ich nicht schwarz, einzig die fehlende Gewöhnung ist halt das sehr große Fragezeichen. Vll. übernimmt sich das Team um Löw ein wenig dabei Spanien zu kopieren..eine Aufgabe die Teams wie etwa Japan, SüdKorea und Kroatien allenfalls phasenweise annähernd gelungen ist. Außerdem sehe ich manche Elemente wie etwa die potentiell konventionell agierende Flügelzange Podolski – Schürrle als unkompatibel mit einem spanischen falscher Neuner-System. Hat Spanien selbst nicht die klassischen Flügelflitzer wie Navas ausprobiert und dann dennoch aussortiert?

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Libano 8. Juni 2014 um 10:12

Mich würde mal interessieren welche Aufstellung ihr für das Portugal-Spiel wählen würdet?

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oecher 8. Juni 2014 um 10:48

mich auch 🙂

Mein Tipp:
– 4 Innenverteiger
– Lahm auf 6
– Schweinsteiger und Kroos auf 8
– Özil/Götze/Müller als „falsche Dreifachzehn“

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Libano 8. Juni 2014 um 11:11

ich würde so spielen:

Neuer
Grosskreuz-Boateng-Hummels-Durm
Lahm
Schweinsteiger-Kroos
Müller-Özil-Podolski

Action auf beiden Flügeln und durch die Mitte. Interessant ist auch eine Dreierkette mit Merte-Hummels-Boateng und Lahm+Durm als einrückende Flügelzange.

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Ein Zuschauer 8. Juni 2014 um 11:50

Boateng-Mertesacker-Hummels—-Durm
—————-Lahm—-Schweinsteiger—-
———————Özil———————–
—–Müller——Schürrle——Podolski—-

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Libano 8. Juni 2014 um 13:19

Diese Aufstellung gefaellt mir auch, dann kann man nach Bedarf sehr einfach zwischen 4er und 3er Kette schalten. Kroos koennte jeweils den Part von Özil oder Schweinsteiger spielen, je nach Bedarf und Formkurve. Für Khedira sehe ich keinen Stammplatz in seiner jetzigen Verfassung.

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blub 8. Juni 2014 um 13:43

Gegen Portugal habe ich Mertesacker sehr ungern auf dem Feld, weil er dann Vermutlich öfter gegen CR spielen wird(sagen wir so: CR wirds darauf anlegen), was man eigentlich vermeiden will. Boateng hat immer ne Solide Figur gemacht. Andererseits will ich den Platz den CR hinterlässt auch benutzen, da gefällt mir Boatenh nicht so gut. Da müsste man dann in ne asymetrische 3er-kette herüberschieben.
Mit GK als Außen und Boateng IV kann ich gleichzeitig den Raum hinter CR angreifen und habe gleichzeitig einen Gegenspieler der physisch mithalten kann. wenn ich Lahm von der 6 leicht rechtsseitig Positioniere sieht der Herr Weltfußballer kein Land mehr.

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oecher 8. Juni 2014 um 14:08

Gefällt mir gut! Aber ich vermute, dass Grosskreuz nicht in der Startaufstellung ist.

Ein Zuschauer 8. Juni 2014 um 15:35

Höwedes für Mertesacker?
Ansonsten finde ich deine Lösung auch besser, bin mir aber nicht ganz sicher wie gut Großkreutz in die Nationalmannschaft passt. Ich kann aber auch nicht genau sagen, wieso ich daran zweifle.

Wir werden es vermutlich noch sehen, ich denke man kann davon ausgehen, dass Großkeutz seine Einsatzminuten bekommen wird.

Koom 8. Juni 2014 um 13:48

Eigentlich auch keine schlechte Idee: Portugal lässt man sich so austoben und hat sie vermutlich dabei im Griff und zur 2. HZ kann man wie gegen Armenien dann die vertikal orientierten Spieler bringen wie Podolski und Schürrle

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Yerk 8. Juni 2014 um 09:51

Zusammengefasst: Mit Lahm funktioniert die Defensive, mit Özil die Offensive

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Daniel_D 7. Juni 2014 um 21:35

Gerade in den ersten Minuten wirkte das Gegenpressing schon stark. Wobei das auch kein Widerspruch ist. Auch ein schlecht abgesichertes Gegenpressing kann stark wirken, wenn er Gegner die schlechte Absicherung nicht ausnutzt.

Hummels und Löw werden wohl keine Freunde mehr. Hummels kann viel mehr als die punktgenauen hohen 60m Pässe, zum beispiel die geschlenzten halbhohen Pässe so halb über und an den Gegenspielern vorbei. Die hat er letztes Jahr schon gezeigt. Mit Bartstuber hatte Hummels wirklich einen absichernden Part neben sich. Aber auch Schweinsteiger hat das ein wenig gemacht. Lahm in meinen Augen nicht.

Bei 4:2:3:1 von 2010 hat doch Podolski für die Breite gesorgt, während Müller, Özil und Klose lokale Kompaktheiten auf halbrechts hergestellt haben. bei diesem seltsamen 4:2:3:1 hat man im Grunde zwei breite Außenspieler

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Libano 8. Juni 2014 um 10:16

Mir gingen die ständigen Rück- und Sicherheitspässe von Mertesacker ein wenig auf die Nerven. Beim Aufbauspiel muss Deutschland eindeutig mehr Zug nach vorn entwickeln. Das hat 2010 schon besser geklappt.

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blub 7. Juni 2014 um 20:44

Nice. Schöne zusammenfassung.
Man war zu Beginn wieder nur nuancen vom Tor entfernt. Sehr schade das grade nur die vertikale variante tore fabriziert.

Ich möchte nochmal an die unglaubliche schlampigkeiten von Müller in der Ballannahme erinnern, das waren Individualtaktische Momente um den Kopf in den Sand zu stecken. Flipper 2.0

P.S: Das Wort das du in der letzten Übertschrift suchst heißt „Simplizität“.

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Tank 7. Juni 2014 um 21:04

Dass man auch in der ersten Halbzeit eigentlich konstant nah am Führungstreffer war, hab ich auch so gesehen. Bei eiskaltem Abschluss steht das zur Halbzeit 3-0. Insofern fand ich die erste Halbzeit auch noch stärker als die zweite. Auch weil sie gegen noch einigermaßen frische Armenier gespielt wurde. Das vertikalere Spiel war im zweiten Durchgang ja auch deshalb erst mit diesem Erfolg möglich, weil die Armenier zu schlapp waren, um schnell wieder kompakt zu stehen.

Grade in der ersten Halbzeit fand ich das Gegenpressing der deutschen Mannschaft eigentlich ganz gut. Kann aber gut sein, dass Herr Rafelt da das geschultere Auge hat. Ähnlich bzgl der Viererkette. Die fand ich grade mit Ball eigentlich überraschend gut. Kritisch sehe ich da aber die Absicherung und Einbindung von Mats Hummels. Das hat die Mannschaft und das hat auch er schonmal besser hinbekommen.

Ja, der Müller. Stimmt schon, was blub sagt. War einer der Tage, wo man meinte, er hätte Clownsschuhe an. Aber Thomas Müller ist wohl der einzige Spieler der Welt, der auch an solchen Tagen noch gut sein kann. Ich fand den Dreiersturm mit dem nominellen Neuner Müller nämlich grade sehr gut. Super raumöffnende Bewegungen. Und wenn er dann noch nen Tag erwischen würde, wo er Gefühl im Fuß hat, dann sieht das noch viel besser aus. Bin da optimistisch.

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blub 7. Juni 2014 um 21:47

Na klar war in der ersten hälfte das Gegenpressing besser. Da hat ja auch Lahm gespielt.

Müller hat sich recht gut Bewegt, dafür das er lieber mit dem Gesicht zum tor agiert, nur das bringt nur so semiviel, weil man selten direkt die geöffneten Räume genutzt hat, aber er quasi jedes mal nen 1,5m Stockfehler fabriziert hat.(die Luftlöcher beim Abschluss können passieren, die fand ich für die bewertung relativ unwichtig.)

Die Einbindung von Mats Hummels (der auch erstmal durch 2 Fehlpässe aufgefallen ist) sehe ich mehr als symtom des eigentlichen Problems, die MR schon beschrieben hat. In der Viererkette fällts halt am meisten auf.(Es gibt ja auch Leute die meinen GK wäre Ursächlich am Gegentor schuld gewesen.)
Da versteh ich Löw auch nicht. Das was er will passt weder zu Bayern, noch zu Dortmund, noch zu Angriffsstrategien die er auf den Platz bringen will.

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Maratonna 8. Juni 2014 um 00:00

Ist mir irgendwie auch noch nicht so klar was er genau will, obwohl ich die Variante der 1.Halbzeit für sehr erfolgsversprechend halte. Ich glaube nicht, dass wir mit dem 2010er 4231 Weltmeister werden. Was meint ihr ?

1. Da Reus jetzt ausfällt, würden in der offensiven 3 Reihe Götze-Klose-Müller im
433 nicht besser passen, oder vielleicht sogar Özil? Flick und Löw sollen ihm ja
schon länger die Stürmerrolle schmackhaft machen, vllt. um seine Defensiv-
schwächen besser kompensieren können.

2. Sehe Sami wie MR eindeutig auf der 8. Könnte Götze/Özi dannKhedira auf der 8
ersetzen, ohne das es auf Kosten der Stabilität geht?

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SP 8. Juni 2014 um 10:43

Der Ersatz von Khedira sollte kein Problem darstellen, da man dann immer noch auf die Doppelacht Schweinsteiger-Kroos umstellen könnte. Bei einem Ausfall von Lahm würde ich mir da eher Sorgen machen.

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Daniel_D 8. Juni 2014 um 11:56

Löws Spielermaterial passt nicht dazu. Wenn er 1 gegen 1 Duelle in der Abwehr will (was völlig amodern ist und überhaupt keinen Mehrwert bringt) dann sollte er Boateng als IV und Durm als AV spielen lassen. Die haben beide die Athletik dafür.

Wer meint Boateng neige schnell mal zu Stellungsfehlern hat sicher nicht Unrecht, aber die werden sicherlich nicht so gravierend sein, wie eine IV, die überrannt wird.

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Libano 8. Juni 2014 um 14:23

Ich kann dir nur beipflichten. Die Gegentorquote unter Löw, vor allem in den letzten zwei Jahren, sagt eigentlich genug. Offenses win games, defenses win Championships. Deswegen bitte keinen 1-gegen-1 Kamikaze mit Merte.

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