Donnerstag, 30.06.2016

Bayer 04 Leverkusen – Bayern München 1:1

Bayern gegen Bayer Leverkusen bedeutet auch ein Aufeinandertreffen von zwei Spielphilosophien. Seit dem Abgang von Jupp Heynckes und Neu-Trainer Pep Guardiola hat Bayern den Ballbesitzfokus noch erhöht und nahezu extremisiert, während die Leverkusener seit der Übernahme Sami Hyppiäs vom vorherigen Partner Sascha Lewandowski sich wieder stärker auf eine kompakte Abwehr und schnelles Umschaltspiel konzentrieren. Die Frage des Spieltags lautet für Spielverlagerung natürlich: Wird Leverkusen im 4-5-1 antreten und wie kann Pep Guardiolas Team diese aus taktischer Sicht fast exotische Defensive umspielen?

Bayer Leverkusens Ausrichtung: Herausrückpressing im 4-3-2-1/4-5-1

Nach Spielende muss ich natürlich zugeben: Es ist schwer eine Mannschaft zu analysieren, die nur 22% Ballbesitz hatte; viele Prozentpunkte davon waren außerdem Abstöße, Einwürfe und Konter, die großteils in direkten Ballverlusten kulminierten. Konstante offensive Spielzüge erkennen zu wollen ist also eher Einbildungs- als Beobachtungssache.

Defensiv sieht man dafür umso mehr, wenn auch oft das Gleiche. Die Leverkusener spielten nicht im 4-3-3 als Variante des 4-1-4-1 oder 4-3-2-1, sondern agierten mit einer flachen Fünf im Mittelfeld bei Positionsorientierung und spielten somit teilweise in einem 4-5-1, welches aber als sehr tiefes 4-3-2-1 gespielt wurde, wenn sich die Flügelstürmer mannorientiert verhielten. Nähere Informationen zu einer besseren Umsetzung aus dem Vorjahr gibt es in MRs damaligem Artikel.

Mit dieser Spielweise wollten sie vermutlich die Mitte verengen; einerseits natürlich durch die drei zentralen Mittelfeldspieler, andererseits eben durch eine engere Staffelung, verringerte Schnittstellenabstände und die Möglichkeit, dass die drei zentralen Mittelfeldspieler herausrücken und die Außenstürmer sich diagonal positionieren können. Gelegentlich gingen sie gar lose in ein klassisches 4-3-3 über, wenn sie auf Neuer pressten.

Man könnte das Leverkusener Defensivspiel als „Herausrückpressing“ bezeichnen. Sie standen meistens passiv und positionsorientiert in ihrer Formation und suchten sich dann innerhalb derselben situative Mannorientierungen. Wenn es die Situation erlaubte, versuchten sie herauszurücken und ins Pressing überzugehen, auch die Anzahl der beteiligten Spieler war situationsabhängig.

Beispiel: Wenn Bayern den Ball im zentralen Mittelfeld mit hoch aufgerückter Abwehr zirkulierte, dann rückte jeweils einer der zentralen Akteure heraus (und seltener die Außenspieler herein, die aber später statt auf die Außenverteidiger auch auf die Achter in die Halbräume pressten und in der Mannorientierung flexibler wurden) und presste auf den ballführenden der spielaufbauenden bayrischen Sechser. Ziel war es die folgenden Pässe auf die Seite zu drücken, die Spielgeschwindigkeit zu erhöhen und etwas Druck zu erzeugen.

Weitere Pressingversuche gab es, wenn sie in sehr hohen Zonen ins Pressing kamen, beispielsweise bei Ballkontakten von Manuel Neuer. Sie stellten die Anspielstationen zu und übten Druck aus, doch die Bayern konnten sich über den abermals hervorragend mitspielenden Neuer und ein tolles Bewegungsspiel mit Kurzpasskombinationen herauswinden.

Dieses Herausrückpressing (was man auch als „falsches Pressing“ kategorisieren könnte) erzeugte aber im Verbund mit der bayrischen Spielweise und dem 4-5-1 einige Probleme bei den Leverkusenern. Praktizierten sie es nicht, hatten sie überhaupt keinen Zugriff auf Philipp Lahm, die Innenverteidiger und den unterstützenden Toni Kroos. Stefan Kießling fand sich immer in einer 1-gegen-4-Unterzahl wieder.

Dann konnten Lahm und Kroos (und teilweise Schweinsteiger) den Ball zirkulieren lassen und Ausschau halten, ob sich Lücken öffneten oder ob sie die Schnittstellen bespielen können; auch die einrückenden Außenverteidiger der Münchner waren dabei sehr hilfreich und aktiv. Die Offensivspieler liefen sich immer wieder im Zwischenlinienraum frei, während Kroos und Lahm dank ihrer technischen Stärke präzise scharfe Pässe durch die engen Löcher spielten.

Nach solchen Pässen sah sich Leverkusen meistens unter Druck: Sie hatten plötzlich nur noch vier Spieler hinter dem Ball und Bayern überlud die Räume meistens, wodurch sie schnelle Kombinationen spielen konnten oder den Ball zirkulieren und den Gegner in die Tiefe fallen ließen, was wiederum Raumgewinn bedeutete.

Teilweise wirkte es in diesen Situationen sogar so, als ob Josep Guardiola seine Spieler auch individualtaktisch verbessert hat. Lahm und Kroos spielten ein paar Mal Pässe außerhalb ihres Sichtfelds, mit denen sie die gegnerische Mannschaft in eine Richtung lockten, um dann in die andere zu spielen (siehe dieses oder dieses Beispiel); solche Pässe hatte auch Guardiola als Spieler gespielt, wie man es in der letzten Ausgabe von Ballnah mit konkreten Situationen und taktischer Erklärung derselben lesen konnte. Kamen solche Pässe in den Zwischenlinienraum, wurde der Passempfänger außerdem sofort unterstützt, ob von einem Achter oder einrückenden Außenspielern. Dadurch konnten die Pässe auch härter gespielt werden – was sie schwieriger abzufangen machte – und statt sie direkt anzunehmen, wurden sie einfach prallen gelassen, wodurch die Zirkulation der Bayern noch schneller wurde.

Allerdings dominierten die Bayern den Ballbesitz nicht nur wegen ihrer überlegenen individuellen Qualität und taktischer Aspekte bei der Umsetzung derselben, sondern sie profitierten auch von Guardiolas intelligenten taktischen Anpassungen an den Gegner.

Bayern überlädt die Außen – in Unterzahl

Die Münchner schoben immer wieder nur einen Spieler auf die Außenbahn; sehr oft war es sogar der Flügelstürmer, der sich an die Außenlinie positionierte und dort die Breite gab, während die Außenverteidiger sich manchmal im ersten und manchmal im zweiten Spielfelddrittel positionierten. Dabei bespielte Guardiolas Mannschaft gewisse Eigenheiten des 4-5-1.

Die Viererkette ist enger als die Fünferreihe, während Letztere so vollbesetzt ist mit Spielern, dass man sie fast nicht in die Breite ziehen kann, um die Schnittstellen wirklich zu vergrößern. Somit war es logisch, dass man versucht die Viererkette auseinander zu ziehen und es bei der Fünferreihe nur situativ zu versuchen. Das kann sogar fehlschlagen, denn die Fünferkette isoliert die Außenspieler nahezu automatisch und es ist teilweise selbst bei ballfernen Akteuren schwer, diese anzuspielen, ohne sofort in eine Pressingsituation zu kommen.

Darum ließ Guardiola die Außenverteidiger nahezu in einer Freirolle spielen; zu Beginn überluden sie kurz und vereinzelt die Flügel noch relativ klassisch und provozierten Flanken, dann gingen sie vor der gegnerischen Fünferreihe in die Halbräume und später taten sie dies im zweiten Spielfelddrittel. Nun könnte der berechtigte Einwand kommen: Was bringt es die Mitte noch stärker zu überladen, wenn diese doch mit drei zweikampfstarken gegnerischen Spielern, die dort sogar frei pressen können, besetzt ist? Wieso opfert man die Breite und gibt es nicht Probleme durch einrückende gegnerische Außenstürmer?

In jedem System gibt es innerhalb der Formation immer gewisse Zuteilungen und taktische Grundregeln, die man ebenfalls bespielen kann. Außenstürmer und Außenverteidiger bewegen sich ungerne bis weit in die Mitte; man verfolgt im Normalfall die Gegenspieler kurzzeitig mannorientiert und übergibt sie in die Mitte. Wenn sie es aber doch tun, wie es bei Leverkusen zeitweise der Fall war, dann öffnet es riesige und einfach zu bespielende Räume, es zerstört die defensive Formation und kann das gesamte Defensivspiel aus den Angeln heben.

Szene 1-18: Teilweise versuchten die Leverkusener, insbesondere zu Beginn, aber mannorientiert zu verfolgen. Vor der Entstehung dieses Standbilds ließ Bayern den Ball zirkulieren, Rafinha rückte ein und Can verfolgte ihn kurzzeitig. Als Rafinha sich weiterbewegte und dann sogar zwischen die Innenverteidiger abkippte, wurde es Can zu bunt, er blieb verwirrt stehen. Schweinsteiger übernahm Rafinhas Position, Shaqiri zog in die Mitte und rochierte mit Müller. Rafinha war hinten frei und spielte auf Lahm, dem vom in die Tiefe gestarteten Kroos Raum geöffnet wurde; nun sehen wir, was danach geschah. Alaba stand sehr eng und im Halbraum, Sam stand bei ihm. Lahm spielte an ihnen vorbei auf den tiefen Ribéry, Sam musste nun auf ihn herausrücken und verließ Alaba. Kroos wurde angespielt und während Bayer zurückfiel, ließ dieser ließ auf Alaba prallen, der dann einen Freistoß herausholte.

Szene 1-18: Teilweise versuchten die Leverkusener, insbesondere zu Beginn, aber mannorientiert zu verfolgen. Vor der Entstehung dieses Standbilds ließ Bayern den Ball zirkulieren, Rafinha rückte ein und Can verfolgte ihn kurzzeitig. Als Rafinha sich weiterbewegte und dann sogar zwischen die Innenverteidiger abkippte, wurde es Can zu bunt, er blieb verwirrt stehen. Schweinsteiger übernahm Rafinhas Position, Shaqiri zog in die Mitte und rochierte mit Müller. Rafinha war hinten frei und spielte auf Lahm, dem vom in die Tiefe gestarteten Kroos Raum geöffnet wurde; nun sehen wir, was danach geschah. Alaba stand sehr eng und im Halbraum, Sam stand bei ihm. Lahm spielte an ihnen vorbei auf den tiefen Ribéry, Sam musste nun auf ihn herausrücken und verließ Alaba. Kroos wurde angespielt und während Bayer zurückfiel, ließ dieser ließ auf Alaba prallen, der dann einen Freistoß herausholte.

Diese Aspekte nutzt Guardiola und das führt auch zur Überschrift dieses Absatzes. Indem sich Alaba und Rafinha frei bewegen konnten, blieben sie mehrmals ohne Gegenspieler. Ihr Gegenspieler blieb dann breit und hoch, hatte aber nie Zugriff auf den zirkulierenden Ball oder die flexiblen Gegenspieler. Bayern hatte somit automatisch zwei Spieler mehr und kam dadurch über die Mitte und durch die Halbräume hinter die Fünferreihe, da sie sich spielerisch durchsetzen konnten.

Plötzlich fanden sich die Bayern im Zwischenlinienraum wieder und es gab nach wie vor nur einen Spieler, der wirklich auf außen war: Nämlich (meistens) der Flügelstürmer, der die Viererkette breit machte. Es kam dann ein schneller Pass auf diesen, der dann von den Mitspielern unterstützt wurde. Eigentlich war es auch der gleiche Mechanismus, wenn die Außenverteidiger mannorientiert verfolgt wurden, nur dass dann die Innenverteidiger und manchmal Lahm direkt die Flügelstürmer bespielen konnten. Diese Unterstützung sah aber immer unterschiedlich aus.

Auf links geschah dies zum Beispiel auf folgende Art und Weise: Der Ball kommt auf Ribéry, der wiederum ins Dribbling in die Mitte geht, selbst zur Grundlinie zieht oder eben eine schnelle Weiterleitung auf Alaba spielt. Alaba kann den Franzosen dank seiner Positionierung im Halbraum vorderlaufen und sprintet direkt durch die von ihm geöffnete Schnittstelle zur Grundlinie, um zu flanken. Zusätzlich gab es auch einige Flanken von den Flügelstürmern selbst, teilweise sogar aus tiefen Positionen und ganz oft von Shaqiri.

Diese vielen Flanken, welche durchaus für Gefahr sorgten und die zu Beginn sehr oft und später dosiert kamen, hatten hierbei einen schönen Nebeneffekt: Sie verhinderten, dass die Dreierkette nachschob. Spahic und Toprak blieben meist in der Mitte, was die Räume für die Flügelstürmer und Außenverteidiger öffnete.

Allerdings muss gesagt werden, dass es auf rechts andere Mechanismen gab, als auf links. Rafinha hinterlief zwar zu Beginn ein paar Mal Shaqiri klassisch, ansonsten blieb Rafinha fast nur im Halbraum oder als Breitengeber im ersten und zweiten Drittel, er rückte nur selten so weit auf wie Alaba und marschierte zur Grundlinie. Stattdessen unterstützte Rafinha die Offensivspieler als Anspielstation, beteiligte sich als Absicherung am Gegenpressing und rückte nach Ballverlusten nahe an die Innenverteidiger zurück.

Szene 2-31: Hier ist Rafinha ebenso eingerückt wie Alaba, sie bilden mit Lahm ein Dreieck, die Flügelstürmer geben dem Spiel die Breite. Rafinha spielt einen Pass auf Dante, der wiederum sofort auf den offenen Ribéry verlagert; Bayer agiert noch immer mit den mannorientierten Außenstürmern, der Passkanal ist offen. Donati muss auf Ribéry herausrücken, gleichzeitig startet Alaba nach dem Pass auf Ribéry von Dante sofort einen Sprint in die Tiefe und erhält dort den Ball in den Lauf, den er dann flankt und Shaqiri auf der anderen Seite spielt. Man hat somit mit vier Pässen die gesamte Formation der Leverkusener umrundet.

Szene 2-31: Hier ist Rafinha ebenso eingerückt wie Alaba, sie bilden mit Lahm ein Dreieck, die Flügelstürmer geben dem Spiel die Breite. Rafinha spielt einen Pass auf Dante, der wiederum sofort auf den offenen Ribéry verlagert; Bayer agiert noch immer mit den mannorientierten Außenstürmern, der Passkanal ist offen. Donati muss auf Ribéry herausrücken, gleichzeitig startet Alaba nach dem Pass auf Ribéry von Dante sofort einen Sprint in die Tiefe und erhält dort den Ball in den Lauf, den er dann flankt und Shaqiri auf der anderen Seite spielt. Man hat somit mit vier Pässen die gesamte Formation der Leverkusener umrundet.

Passend dazu sind die Statistiken zu den jeweiligen Flanken der Spieler. Während Rafinha nur auf zwei kam, spielte Ribéry vier, Alaba kam auf acht und Shaqiri trotz seiner Auswechslung auf den Spitzenwert von neun. Insgesamt flankten die Bayern 27mal (Leverkusen 3mal), was einem überaus hohen Wert entsprach und auch unter Heynckes selten erreicht wurde. Dabei waren dies nicht nur Flanken in die Mitte, sondern auch viele Flanken in den Rückraum auf den vorstoßenden Toni Kroos, der seinen Distanzschuss einsetzte, sowie Seitenwechsel auf die gegenüberliegenden Flügel oder scharfe flache Hereingaben.

Die klassischen Flanken (hoch und in den Strafraum vom Flügeln) waren jedoch durchaus durchgeplant und sinnig.

Schweinsteigers Rolle, Flanken und die Überwindung der Mitte

In dieser Partie gab es wieder eine veränderte Aufgabenteilung und Positionierung der Achter, welche nicht mehr wie verrückt ihre Position wechselten und als fluide Dreifachacht auftraten, sondern deutlich klarer verteilte Aufgabenbereiche hatten. Schweinsteiger unterstützte die rechte Seite immer wieder, kippte dort teilweise heraus und fungierte außerdem als pressingresistente Anspielstation im Zwischenlinienraum. Dies entsprach seinen Fähigkeiten gut: Schweinsteiger ist in engen Räumen sehr gut in der Positionsfindung, hat eine tolle Übersicht über anspielbare Mitspieler und auch, wie er diese öffnen kann.

Desweiteren ermöglicht diese Positionierung nicht nur scharfe Pässe in den Zwischenlinienraum, die sicher behauptet werden können, sondern auch mehr Präsenz im Strafraum. Bei den vielen Flanken sollten Müller und Schweinsteiger als Abnehmer bereitstehen, Schweinsteigers Läufe sollten außerdem Räume hinter ihm für Kroos öffnen. Beide Akteure, sowohl Müller als auch Schweinsteiger, bringen neben einer ordentlichen Kopfballstärke auch andere spezielle Fähigkeiten für die (theoretische) Verwertung dieser Flanken mit.

Müller ist hervorragend im Bewerten von gegnerischen Bewegungen und offenen Räumen. Wird irgendwo etwas frei oder kommt eine Flanke dorthin, wo sie Müller noch erreichen kann, wird er das auch machen.  Schweinsteiger nutzt wiederum seine Stärke im Öffnen von Räumen und in der Positionsfindung, um diese Flanken effektiver zu machen oder um selbst zum Kopfball aufzusteigen.

Grundformationen zu Beginn

Grundformationen zu Beginn

Dies veränderte auch die Offensivformation der Münchner im Vergleich zu bisher.

Teilweise wirkte die Münchner Spielweise wie ein 2-2-5-1 mit Müller und Schweinsteiger im Zentrum, vier Außenspielern, von denen sich jeweils pro Seite einer im Halbraum und einer auf dem Flügel aufhielt, und zwei spielgestaltenden Akteuren. Kroos ging teilweise aber ebenfalls mit nach vorne, Lahm schob danach nach vorne und half im Gegenpressing und man drückte die Leverkusener extrem weit nach hinten.  Soll heißen: Kaum zu definieren, keine fixe Formation, aber doch eine klare Veränderung in den Bewegungradien wie auch in der Grundstruktur, aus der diese Bewegungen ausgingen.

Dazu agierte Müller vorne abermals als Pendelstürmer / ausweichender Mittelstürmer, wie schon gegen Manchester City. Er wich immer wieder nach links und rechts aus, übernahm dort Positionen, versuchte Räume zu öffnen und die gegnerische Viererkette noch weiter auszudehnen, wenn es möglich war.

Mit all diesen Aspekten wurde die Fünferreihe umspielt und neutralisiert, danach ging es wieder in die Mitte und die Flanken gaben auch die Möglichkeit über die Seiten anzugreifen. Die drei zentralen Mittelfeldspieler Leverkusens erhielten nur vereinzelt Zugriff, eigentlich kamen sie nur im Rückwärtspressing auf den einrückenden Ribéry und einzelne im Zwischenlinienraum herumtollende Bayern in die Zweikämpfe.

Darum gab es im Spielverlauf einige Anpassungen bei den Gästen.

Feine Anpassungen

Ungefähr ab Minute 25 wurden die Außenstürmer angewiesen etwas stärker auf die eigene Position zu achten und nicht nur auf die gegnerischen Außenverteidiger aufzurücken und das Spiel zu verengen. Das war aber ein zweischneidiges Schwert. Einerseits starteten die Außenverteidiger Bayerns unterschiedlich in die Mitte, sie waren dabei dynamisch und hielten den Ball nur kurz. Auch wenn sie von den Sechsern übernommen wurden, waren sie gefährlich und die Seiten offen. Die Flügelstürmer Leverkusens kamen ohnehin kaum ins Pressing auf den Flügeln und die Wechsel in den Mannorientierungen oder auch die Kompaktheiten im festen 4-5-1 mit flacher Fünf waren ineffektiv.

Außerdem ließen die Außenverteidiger die Bälle einfach kurz zurückprallen und dann folgte ein direkter Pass auf die Flügelstürmer der Bayern. Bayer versuchte dann zwar noch situativ mit einrückenden Flügelstürmern Druck zu erzeugen (so presste Can einmal Lahm und einmal auf die Innenverteidiger in Halbzeit 1), aber es funktionierte nicht und wurde ad acta gelegt.

Nach dem Seitenwechsel hatte sich Sami Hyypiä aber wohl etwas anderes überlegt: Es wurde auf ein 4-4-1-1 umgestellt, in welchem der hängende Stürmer sehr breit stand. Vereinfacht gesagt tat Sidney Sam einfach weniger nach hinten, zockte oft und wartete vorne. Dies war aber keineswegs dumm oder kontraproduktiv, da die Fünferkette ohnehin aus dem Spiel genommen wurde. So wurde es zu zwei Viererketten, die Probleme in der Defensive blieben aber gleich, während es im Offensivspiel mehr Präsenz gab.

Sam half Kießling bei den langen Bällen, bot sich an und konnte nach Balleroberungen der Münchner zumindest sofort schnell Druck machen, was zumindest etwas Entlastung brachte. Außerdem konnten sie teilweise im 4-4-1-1 etwas mehr Druck auf Dante und Alaba erzeugen, was zumindest ein bisschen mehr Zugriff brachte, auch wenn die rechte Seite insgesamt instabiler wurde.

Daraufhin reagierten auch die Münchner. Nun wies Guardiola seine Mannschaft an, die eigene rechte Seite stärker ins Spiel bringen. Diese war zuvor mit Shaqiri und dessen vielen Flanken etwas isoliert gewesen, nach dem 4-4-1-1 der Leverkusener bewegte Müller sich deutlich konstanter nach rechts, Rafinha und Shaqiri agierten zentraler und Schweinsteiger unterstützte die Seite mehr. Jetzt wurde weniger geflankt, mehr über die Mitte gespielt und über links auf Stabilität und Ballbesitz fokussiert.

Wirklichen Erfolg brachte aber nichts, obgleich die Münchner aus eigentlich all ihren Offensivspielzügen früher oder später einen Torschuss herausspielen konnten. Guardiola wechselte noch Mandzukic für Müller ein, um mehr Präsenz zu haben, Götze für Kroos, um mehr Dribblings, Vertikalität und Engenspiel zu erhalten, und es kam Robben für Shaqiri, da Shaqiri der weniger durchschlagskräftigere Akteur für die Freirolle als Rechtsaußen ist.

Fazit

Eine sehr interessante Partie mit vielen Feinheiten, von denen viele leider keinen Platz in der Analyse fanden. So gab es zum Beispiel viele kleine Standardtricks von den Bayern, sie verteidigten die Abstöße in einer Art 5-2-3-Stellung, sie agierten mit sehr starkem Gegenpressing (Philipp Lahm!), tollen Balancegebern in Thomas Müller und Schweinsteiger, bewegten sich in einem 4-1-4-1/4-3-3-Pressing, welches aber wieder flexibel war und dazu kamen noch die Diagonalpässe der Außenverteidiger und Sechser, welche eine besondere Wirkung gegen das 4-3-2-1/4-5-1 hatte, welches wiederum die typischen Systemkrankheiten zeigte, aber ohne die Stärken, die MR schon vor Monaten identifizierte.

Und die Leverkusener versuchten Engen bei Unterzahlkontern mit Can und Sam um Kießling als Fixpunkt zu erzeugen, später gingen Bender und Rolfes mit Vertikalläufen in die Spitze und die Außenverteidiger rückten sehr vertikal auf. Diese Konter waren aber sehr selten, wer weiß, wie geplant diese Muster waren. Das einzige Tor fiel nach einer Flügelüberladung und drei gewonnene Dribblings sowie eine komplexe Flanke. Letztlich war es offensiv wie defensiv eine Niederlage des 4-5-1, ohne das Spiel verloren zu haben. Ob ein höheres und aggressives 4-3-2-1 in einer 4-3-3-Rollenverteilung der Leverkusener mehr Erfolg gehabt hätte?

Auffällig war zumindest, dass Bayer Leverkusen deutlich weniger stark im Aufrücken in die nächste Zone im Pressing und im Nachrücken auf den Seiten war, als in der Vorsaison. Trotz der sehr defensiven Ausrichtung und der letztendlich enorm tiefen Durchschnittspositionierungen des gesamten Teams ließen sie 27 Abschlüsse zu, 11 davon gingen auch auf das Tor von Bernd Leno; einige weitere Schüsse über oder neben das Tor waren sehr knapp.

Es bleibt abzuwarten, ob dies nur eine Momentaufnahme war und Leverkusen sich bis Saisonende taktisch noch (klar) verschlechtern wird oder ob sich der Blick auf die aktuelle Tabelle und die bisherigen Ergebnisse als Indizien für eine positive Entwicklung ausreichen.

Neben den vielen zugelassenen Torschüssen, Flanken und Ecken sind es zwei weitere Sachen, die Kopfzerbrechen bereiten könnten. Sie hatten nicht nur unter 30% Ballbesitz, sondern betrachtet man die Gesamtzahl der gespielten Pässe in der Partie, gehörten nur 20% davon ihnen; maximale Dominanz der Münchner, insbesondere in der ersten Hälfte, die sich aber dank schlechter Chancenverwertung und Bernd Leno aber mit einem einzigen Punkt begnügen müssen.

Nachtrag: Eine interessante Meinung zum Tor der Leverkusener und Neuers Anteil daran.

Tery Whenett 9. Oktober 2013 um 14:12

Oha, „falsches Pressing“ gibts nun auch …

Um einen drei Täge jungeren Artikel desselben Autors zu zitieren:

„Persönlich sind wir übrigens keine Fans vom Begriff „falsch“, weil er unpräzise, inkorrekt und inflationär verwendet wird.“

😉

Antworten

RM 9. Oktober 2013 um 14:18

Falsches Pressing gibt’s schon seit langem, stammt von Wilson und ist auf Lobanovskiy zurückzuführen und einer jener Fälle, wo „falsch“ durchaus passend ist.

Antworten

Tery Whenett 9. Oktober 2013 um 20:46

Danke für den Hinweis u den Link. Wieder was gelernt 🙂

Antworten

Lobanowskyj 8. Oktober 2013 um 13:24

Wow, der Querverweis zum Fürth-Spiel war wirklich augenöffnend. Prägnant: Gerade der von MR beschriebene „Kanal“, in dem der Achter den offensiven Halbraum attackieren kann (die Schwachstelle des 4-5-1) wurde von Leverkusen nicht gut genug geschaffen, woran vor allem die Außenspieler schuld sind, aber auch die 8er, die viel zu zaghaft attackierten. Generell waren alle viel zu weit weg. Erstaunlich ist aber, wie einfach und perfekt Peps Idee hier passt, die AVs genau in diese Halbräume zu bringen, dadurch sind die Gegner viel stärker gezwungen, abwartend und in Mannorientierung zu bleiben, weil ein direktes Pressen auf den Ballführenden wenig erfolgsversprechend scheint. So gibt der Gegner dann quasi kampflos das Mittelfeld auf und steht viel tiefer als eigentlich beabsichtigt. So simpel, so effektiv. Dass man (zumindest ich) nicht schon bei Betrachtung der Fürth-Analyse darauf gekommen ist, liegt wohl daran, dass man sich viel zu lange am Dogma der Doppelsechs festgehalten hat, die hier gar nicht mehr nötig ist (was ja in Ansätzen auch schon von Heynckes aufgebrochen wurde, siehe Schweinsteigers Abkippen).
Trotzdem muss ich sagen: man kann das Spiel auch anders deuten(Achtung:advocatus diaboli!): Statt zu preisen, dass Pep die richtigen Ideen gegen die Trippel-Sechs hatte, kann man auch argumentieren, dass ihm gar nichts anderes übrigblieb, als das Flügelspiel zu forcieren, insofern also Hyppiä diktiert hat, wie das Spiel aussehen würde, indem er das Zentrum dicht machte (und somit den in den vergangenen Wochen so beeindruckenden Kreisel Schweinsteiger-Kroos-Lahm zum Stehen brachte). Nur haben halt seine Spieler nicht vermocht, das so umzusetzen wie Fürth (was ziemlich erstaunlich ist). Wenn der Ball über die Flügel kam, wurde schon des Öfteren ganz gut gedoppelt. Wenn die Leverkusener besser in Zweikämpfe gekommen wären und generell aggressiver gespielt hätten, hätte Bayern durchaus in diese „Flügelfalle“ der späten van-Gaal-Ära geraten können. Speziell Shaqiri schien gerade in der 2.HZ sehr oft reinzutappen (obwohl er in Hz1 für mein Empfinden richtig gut war). Es kann Pep nicht gefallen haben, dass die eingerückten AVs da nicht stärker eingesetzt wurden.
Übrigens bin ich der Meinung, dass ein Götze oder Thiago in Topform auf der Acht sehr viel gegen so ein System nützen könnte, weil er mit der Ballbehauptung auf allerengstem Raum die 3fach-6 gut binden und nach hinten drücken könnte bzw. die geschilderten Pässe über Außen in den Zwischenlinienraum sehr gut in dynamische Aktionen umsetzen könnte. Dann würde die gegnerische Überladung des Zentrums ins Leere laufen.

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Vanye 6. Oktober 2013 um 20:23

Wenn man MR’s alten Artikel liest, in dem das 4-5-1 als das einzige Mittel gegen Barcelonas und Münchens Ballbesitzspiel genannt wird, sieht man auch schön, dass sich auch Guardiola weiterentwickelt hat und nicht einfach nur Barcelonas Spielweise auf München zu übertragen versucht.
Der zwischen die Innenverteidiger zurückfallende Sechser, den er mit Busquets kultiviert hatte und der mittlerweile von vielen verwendet wird (Fink wurde vor zwei Jahren in Basel noch als innovativ dafür gelobt), ist ja mittlerweile schon nicht mehr effektiv, weil Gegenmittel gefunden wurden.
Stattdessen versucht Guardiola, wie ihr beschreibt, etwas neues, indem er die Aussenverteidiger in die Mitte zieht, weil heutzutage Mannorientierung auf den Flügeln normal ist und dann die gegnerische Mannschaft mit der Zuordnung Probleme hat.
Man kann sicherlich darüber streiten, ob das dem Spielermaterial geschuldet ist, weil in Barcelona die Flügelstürmer und Aussenverteidiger weniger spiel- und passstark waren oder einfach der Weiterentwicklung der Taktik, die erst jetzt diese Änderungen nötig macht. Auf alle Fälle zeigt es, dass Guardiola nicht stehen geblieben ist.

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Kroosartig 6. Oktober 2013 um 16:15

Unglaubliches Spiel, was zeigt wie variantenreich Bayern sein kann. Unfassbar das sie das Spiel nicht gewonnen haben, ganz schwer da ohne Glück und Pech zu argumentieren, letzte Saison wars ja ähnlich..

Eine Sache noch die auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf: Boatengs Rettungsgrätsche gegen Sam, heilige Scheiße war die gut. Sam glaubt schon Boateng kommt von der anderen Seite, will sein Körper schon dazwischenschieben, als Boateng dann links an ihm vorbeirauscht und den Ball wegspitzelt.

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Tery Whenett 9. Oktober 2013 um 14:15

Ja, das war ganz große (Defensiv-)Kunst. Boateng hatte die Dinger früher auch schon drauf – hat nur oft das Risiko falsch eingeschätzt und Fouls/Karten gezogen.

Mittlerweile trifft er fast immer die richtigen Entscheidungen – unfassbare Entwicklung, die der Junge hinter sich hat. Freut mich riesig für ihn.

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Theodor 6. Oktober 2013 um 15:09

Tolle Analyse, wie immer; doch ich frage mich, ob dieses ganze System nicht eine eklatante Schwäche hat: die Chancenauswertung der Bayern ist schon fast regelmäßig völlig ungenügend.
Man hat im Sturm vier Optionen: Mandzukic; der nach einer Saison, die ihm weit über seinem Niveau gelang (Fußball ist auch ein Kopfsport!), wieder am Boden der mittelmässigen Realität angelangt ist. Pizarro, dem bislang jede Spritzigkeit fehlt. Thomas Müller, der sich spielerisch extrem schwer tut im neuen System. Sowie Götze, der bislang verletzt gefehlt hat (und den man möglicherweise eher als Backup für Rib u. Rob sehen könnte; denn der eigensinnige Schaubudenzauber von Shaqiri bringt die Mannschaft ohnehin regelmässig um die Früchte ihrer Arbeit).

Und da spiele ich in Gedanken schon mal das folgende Szenario durch:
Guardiola wollte ursprünglich Neymar (der zZt bei Barcelona absolute Weltklasseleistungen bringt…). Hätte man Neymar geholt und Guardiola nicht Götze eingeredet, so hätte man letzteren einerseits beim BVB lassen können (wo er regelmässig traumhafte Leistungen brachte). In diesem Fall jedoch hätte es das Gerangel um Lewandowski auch nicht gegeben. Sprich: man hätte wohl Neymar und Lewandowski verpflichten können; letzteren wohl im Tausch gegen Mandzukic.
Mit diesen beiden Transfers hätte man genügend Qualität vorne gehabt, um den Fußball international nach Belieben zu dominieren.
Shaqiri hätte man gerne verkaufen können; Thiago wiederum hätte man nicht unbedingt gebraucht.

Ich weiß, der Konjunktiv schießt auch keine Tore; ist mir aber wiederholt durch den Kopf gegangen…

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argus 6. Oktober 2013 um 23:24

Findest du, dass Mandzukic diese Saison sichtbar schwächer spielt, als letzte Saison? Also Tore macht er eigentlich gleich viele, oder? Und seine sonstige Arbeit fürs Team ist auch nicht unterdurchschnittlich denke ich.

Ansonste, bin mir nicht sicher ob man Neymar bekommen hätte…aber ist natürlich eine schöne Idee. Obwohl man mit der aktuellen Mannschaft sicher auch so einiges anstellen kann;)

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56017 7. Oktober 2013 um 01:27

absolute Weltklasseleistungen von Neymar?
Die hab ich seit dem Confed Cup von ihm nicht mehr gesehen!
Kann deinen Standpunkt absolut nicht nachvollziehen.
Meinungen dazu?

Antworten

Brick 7. Oktober 2013 um 04:30

Theodor, du scheinst leider die letzten beiden Bayernspiele verpasst zu haben. Müller hatte überhaupt keine Probleme in beiden Spielen, außer dass diesmal der Abschluss nicht gepasst hat, aber das galt für die ganze Mannschaft. 94 % Passquote und 4 Key Passes gegen Bayer ist auch nicht schlecht fürn Stürmer.
Shaqiri (exzellenter Ersatzspieler mit enormen Potenzial) verkaufen und Thiago (wohl größtes CM Talent) nicht holen? Dafür aber einen Linksaußen (da ist Bayern ja wirklich schlecht besetzt) und einen Stürmer den man nächstes Jahr wohl umsonst bekommt? So weit ich das sehen kann hat Bayern ManCity und Leverkusen auch ohne Lewi dominiert und der hatte in einem ganz ähnlichen Spiel kurz zuvor auch Probleme im Abschluss. Warte doch einfach mal ab bis Götze und Thiago fit sind, bevor du anfängst andere Szenarien als dominanter zu betrachten.

Noch mal zu Müller 1. Hatter er ausschließlich im CM Probleme 2. Hat Bayern die zwei Spiele mit ihm in der Spitze den Gegner nach belieben dominiert. Zu den Torchancen: Du hättest bestimmt auch Thierry Henry nach 8 Spielen bei Arsenal abgeschrieben. Der hat ja auch kein Scheunentor getroffen.

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splattercheffe 7. Oktober 2013 um 11:52

Stimme Brick und 56017 absolut zu. Neymar Weltklasse? Was der am Ball kann, ist sicher atemberaubend, aber sorry, was Spielverständnis, Defensiv-Verhalten, strategische Reife anbelangt, kann man das wohl kaum sagen. Bei der Überlegenheit von Barca in der spanischen Liga kann man das nur nicht überprüfen, aber den würd ich gern mal in England sehen, wo sie ihm auch seine theatralischen Faller kaum verzeihen würden.
Da sind mir Götze/Thiago tausendmal lieber. Ein deutscher Spieler garantiert ohne Anpassungsprobleme, ein spanischer, der die Spielweise Guardiolas in- und auswendig kennt.
Mandzukic mittelmäßig? Es gibt europaweit wohl kaum einen Stürmer, der so gut für die Mannschaft arbeitet, und zudem noch im Kombinationsspiel mithalten kann, und Tore macht er auch noch zuverlässig. Ich sehe ihn heuer auch keinen Deut schlechter als letztes Jahr (wäre nach 8 Spieltagen auch etwas verfrüht).
Und Müller kann sowieso im Offensiv-Bereich alles spielen und bringt Qualitäten ein, die kein anderer auf der Welt hat hinsichtlich Raumdeutung/anarchischen Laufwegen. Ich denke eher, dass Guardiola mittlerweile sehr genau weiß, was er an Müllers Art, Fußball zu spielen, hat.
Und Shaquiri? „Eigensinniger Schaubudenzauber“?? Meint Theodor schon auch den kleinen Schweizer, oder? Mein Urteil: extrem entwicklungsfähiger Spieler, durchsetzungsstark, schnell, technisch herausragend, Fähigkeit zum letzten/vorletzten Pass, alles da. Pep wird’s schon richten.

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RM 7. Oktober 2013 um 12:58

Was der am Ball kann, ist sicher atemberaubend, aber sorry, was Spielverständnis, Defensiv-Verhalten, strategische Reife anbelangt, kann man das wohl kaum sagen.

Ich finde, dass Neymar in diesen Aspekten maßlos unterschätzt wird.

Antworten

JFSM 7. Oktober 2013 um 13:43

Absolut RM, da stimme ich dir zu! Neymar ist wirklich stark. Beweist er auch bisher bei Barca. Taktisch ist er meiner Meinung nach gut. Die Aggressivität im Spiel gegen den Ball hat er meiner Meinung nach auch verbessert. Was stimmt ist, dass er manchmal noch etwas zielstrebiger spielen könnte. Ich habe ihn vor 3 Jahren schön öfter gesehen und ich muss sagen, dass er sich insgesamt sehr positiv entwickelt hat. Hätte ich so nicht erwartet. Und seine Bewegungsqualität ist überragend. Gepaart mit dieser Technik ist das ein wirklich toller Spieler! Ich bezweifele, dass die Spieler in England ihn überhaupt verteidigen könnten, bei dem blockiert kein Gelenk. Von medizinischer Sicht können da wenige Spieler auf der Welt mithalten. Und Mandzukic als mittelmäßig einzustufen finde ich auch nicht richtig. Für mich ist das ein guter Stürmer. Die Qualitäten wurden genannt. Allerdings schätze ich Lewandowski auch als stärker ein. Bessere Technik, Einsatzwille ist vergleichbar mit Mandzukic, besserer Torinstinkt, unglaubliche Fähigkeiten die Bälle zu halten. Den hätte ich schon sehr gerne jetzt bei Bayern gesehen, aber dann wäre es vielleicht langweiliger in der Bundesliga geworden. Jetzt kann sich wenigstens ein Zweikampf um die Meisterschaft entwickeln.

Antworten

Brick 7. Oktober 2013 um 14:02

Sehe ich ähnlich. Neymar hat doch am Wochenende bewiesen, dass er auch ein Klasse Spielverständnis hat. Das war schon großes Kino von ihm:
http://www.laola1.tv/de-de/video/fc-barcelona-real-valladolid/136983.html
Super Laufwege, erstklassige Pässe und über das Dribbling brauchen wir gar nicht reden.

Es ging mir nicht um eine Kritik an Neymar, der IMO Weltfußballer-Potential hat. Es ging mir einfach darum, dass das Bayernspiel mit Müller in der Spitze ganz erstklassig funktioniert hat (bis auf den Abschluss). Außerdem, muss man einfach abwarten, bis Thiago und Götze wirklich fit sind um zu sehen, was Bayern am Ende leisten kann. Wenn man das finanziell betrachtet, dann müsste Neymar so gut sein wie Götze und Thiago zusammen, ansonsten hat Bayern doch alles richtig gemacht.

Außerdem hätte Neymar in Theodors Szenario auf beiden Positionen einen Mann vor sich: Ribery und Lewi. Bei Barca ist er auf Links gesetzt. Also, ich würde sagen: da haben wohl alle alles richtig gemacht.

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56017 8. Oktober 2013 um 12:08

Seh ich auch so, allerdings würde ich nicht von einer absoluten Weltklasseleistung sprechen.

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Theodor 7. Oktober 2013 um 15:42

Um Mißverständnisse auszuschließen: Spieler wie Müller sind einer der Gründe, weswegen ich den Fußball liebe; als Mensch ein Sympathieträger, als Spieler auf eine verrückte Art unberechenbar und einzigartig. Meine Kritik bezog sich auf die Integration seiner Spielweise in Guardiolas System. Gegen Manchester ging das auf; das war toll, keine Frage. Dennoch denke ich, daß es riskant ist, die Offensive alleine auf Müller auszurichten; gerade weil er eben eine gewisse Unberechenbarkeit hat…
Letztes Jahr war die Situation im Sturm etwas anders: das Duo Mandzukic _und_ Müller war organisch ins Spiel integriert; liefs dann doch nicht, gab’s die Option mit Gomez.
Aktuell hat man viele tolle Schönspieler im Kader, aber für meine Begriffe fehlen Typen, die halt auch eine entsprechende psychische Stabilität haben, um solche Spiele wie gegen Leverkusen dann doch noch zu entscheiden. Spieler, die eine Chance ganz nüchtern reinmachen.

…zu Shaqiri: der ist bestimmt begabt, letztes Jahr hat er mir teils gut gefallen. Das Problem bei ihm ist, daß er ein Instinktspieler ist, der darauf ausgerichtet ist, Lenker&Denker in seinem Team zu sein (unter Heynckes war er denn auch der „Leithammel“ in der B-Garnitur). Und ihn dieser Rolle ist er bei Bayern hoffnungslos überfordert. Natürlich ist es ein stückweit auch eine subjektive Geschmacksache, wenn ich persönlich Spieler bevorzuge, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Vielleicht will das Shaq ja, aber was bringt es, wenn er jeden stehenden Ball spielt, aber halt keinen wirklich gut…(obwohl paradoxerweie Müller natürlich gerade aus ungenauen Flanken oft die geilsten weil kuriosesten Tore erzielen kann…) ? Ich habe bei ihm in dieser Spielzeit andauernd das Gefühl, daß er beweisen will, wie toll er ist. Und damit ruiniert er leider extrem viel…

Zu Neymar: den halte ich für ein absolutes Juwel. Der ist im Kopf extrem abgeklärt und hochprofessionell. Wenn die Diva Lionella Messi im Zentrum die erste Geige spielt, integriert sich Neymar anstandslos auf links außen ins Mannschaftsgefüge. Wenn Messi (wie zB. am WE) fehlt, spielt er zentral. Mit Neymar hätten die Bayern einen zukünftigen (potnziellen) Weltfußballer geholt; denke ich.
Bei Götze u. Thiago habe ich da eher Befürchtungen, ob die psychische Robustheit – die ja die physische mitbeeinflußt – ausreichen wird…

Aber ich lasse mich natürlich sehr gerne positiv überraschen..!. 🙂

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Brick 7. Oktober 2013 um 17:50

Bayerns Offensive ist nicht auf einen Spieler ausgerichtet. Müller hat schon viele ganz nüchterne Treffer auch aus unmöglichem Winkel erzielt (z.B. hat er ja letztes Jahr im Alleingang das Spiel gegen Schalke entschieden – sehr oft hat er den ersten Treffer erzielt) und Gomez hat schon ganz nüchtern aus zwei Metern über das Tor geschossen. Neymar hat am WE auch einmal aus bester Position ganz nüchtern verzogen. Das passiert halt. Neymar hat es dann später besser gemacht, die Bayern werden es beim nächsten mal besser machen. Letztes Jahr hat Leverkusen als einzige BL Mannschaft Bayern bezwungen, mit wahnsinns Glück und diesmal hatten sie wieder das selbe Glück (da hat wohl einer seine Seele verkauft).

Müllers anfängliche Probleme kommen doch daher, dass er zentrales Mittelfeld spielen musste, weil wirklich alle anderen verletzt waren. Die Position wird sicher nie seine beste werden. Außerdem war das aller erste Spiel in der Spitze ziemlich gruselig, aber das ist doch ganz normal. Es hat aber jetzt zweimal sehr gut geklappt, gegen zwei gute Mannschaften. Warum kannst du das nicht anerkennen? Weil er sich im Abschluss ziemlich blöd angestellt hat? Passiert jedem mal.

Shaqiri durfte in einem enorm wichtigen Spiel von Anfang an ran. Pep scheint sein Potential anders zu bewerten als du. Der ist doch auch erst 21, lass dem Jungen doch etwas Zeit. Das wird schon werden. Ich denke auch, dass er etwas übermotiviert wirkt, aber das ist doch verständlich und nur eine Momentaufnahme.

Wieso bewertest du die psychische Robustheit und nicht die physische bei Thiago und Götze negativ? Ich hab nichts gesehen, das mich an ersterem zweifeln lassen sollte. Beide scheinen aber etwas verletzungsanfällig zu sein, wobei ich da noch etwas Zeit lassen würde bevor ich das abschließend bewerten würde. Blöde Verletzungen können jedem passieren.

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Tzaduk 8. Oktober 2013 um 14:48

Insgesamt ist tatsächlich geradezu schockierend, was Bayern bei fittem Kader noch im Köcher hat. Martinez hatte letzte Saison haufenweise Sahnespiele, und den erwähnt hier keiner mehr… Dass man Lahm auch im DM einsetzen kann, ist ja nicht mehr unbekannt, nachdem er das auch bei der NM schon mal spielen durfte, aber man darf auch nicht vergessen, dass Rafinha in seinem zweiten Frühling bei Bayern nochmal auflebt. Den hat man auch schon zigmal als Fehleinkauf beschrien.

Shaquiri als „Möchtegern-Spielmacher“ zu betiteln, tut dem auch mächtig unrecht. Seine Art, Fußball zu spielen, wirkt tatsächlich übermotiviert, aber versuch mal, gegen so einen Zappelphilipp zu verteidigen – das macht auch ziemlich wenig Spaß, wenn man das nicht einschätzen kann. Und wie schon mehrfach gesagt wurde: der hat auch noch etwas Zeit. Als Robben-Ersatz derzeit etwas zu verspielt, andererseits im Gegensatz zu diesem absoluter Teamplayer – mit allen Vor- UND Nachteilen.

Wen ich im Bayern-System wirklich noch für etwas deplaziert halte, ist tatsächlich Götze. Der scheint ja für die Seite eher dritte Wahl zu sein (Nach Robben oder Ribben, danach Shaquiri…), und als falsche Neun (Pendelstürmer-Neun) ist Müller interessanter. Ob der damit gerechnet hat, bleibt fraglich – hat vermutlich gedacht, dass er nach der Verletzung bei Bayern sofort angreifen und gewinnen kann. Hoffentlich blüht ihm nicht so ein Schlaudraff-Schicksal, das wäre für den deutschen Fußball insgesamt ein Ärgernis.

Aber im Mittelfeld ist bei Pep ein Gedrängel, das seinesgleichen sucht. Insbesondere, da tatsächlich die unterschiedlichsten Typen zu unterschiedlichen Situationen zusammengesampelt werden können. Mit Martinez und Thiago kommen da auch echt spannende Spieler nochmal wieder… die dann den Philipp auch wieder auf rechts schieben können. Und dass DER gut einrücken und DM-spielen kann, das zeigt der im Moment jede Woche. Das wird noch so manchem Gegner Kopfzerbrechen bereiten.

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splattercheffe 8. Oktober 2013 um 18:10

Ich finde auch die spannendste Frage, wie sich das Mittelfeld durch die Rückkehr von Martinez aufstellen wird. Nur mal zur Erinnerung, letzte Saison hat der Gegner bis zum allerletzten Spiel kein einziges Tor (!) aus dem Spielverlauf gegen Bayern erzielt, wenn Martinez auf dem Platz stand, wenn ich mich recht an eine diesbezügliche Statistik erinnere.
Nun sind Statistiken immer so eine Sache, aber auch bei meiner Vorliebe für kleine Techniker musste ich letztes Jahr den Javi als entscheidendes Puzzlestück im Bayern-Spiel anerkennen, man denke nur ans Champions-League-Finale. Da wären wir wieder bei der psychischen/physischen Robustheit, die schon erwähnt wurde. Fazit: Martinez MUSS eigentlich spielen, wenn er fit ist. Aber muss Lahm dann wieder nach rechts? Wäre ja fast schade, auf der anderen Seite: sollte Rafinha mal gegen den vielgelobten Neymar oder gegen Ronaldo ranmüssen, glaube ich schon, dass er defensiv an Grenzen stoßen würde. Martinez in der IV? Würde ich ungern sehen.

Was mich sehr nervt, ist bspw. eine Kicker-Statistik, nach der die Heynckes-Bayern nur etwa ein Drittel der Chancen zuließen zu diesem Zeitpunkt der Saison im Vergleich zu den Guardiola-Bayern. Für mich klingt da im Subtext immer so eine leicht chauvinistische Haltung durch, ein irgendwie typisch deutsches Meckern, wenn man ein schöngeistiges, riskanteres Spiel implantiert. Gemäß der unsäglichen Maxime, mit der ja auch die Nationalelf seit längerem leben muss, wonach immer nur Ergebnis und Titel zählen.
Ich gestehe hier mal ganz öffentlich, dass ich selten soviel Spaß bei einem Fußballspiel hatte wie beim legendären Vier-Vier gegen Schweden (zugegeben, würde Bayern das passieren, mein Lächeln wäre gequälter).

argus 8. Oktober 2013 um 19:13

„Für mich klingt da im Subtext immer so eine leicht chauvinistische Haltung durch[…]“

Nervt brutal.

RM 8. Oktober 2013 um 19:21

Was mich sehr nervt, ist bspw. eine Kicker-Statistik, nach der die Heynckes-Bayern nur etwa ein Drittel der Chancen zuließen zu diesem Zeitpunkt der Saison im Vergleich zu den Guardiola-Bayern.

Die Statistik ist bewusst suggestiv verfälscht. Im Schnitt haben die Heynckes-Bayern gleich viele Chancen pro Spiel zugelassen, wie die Pep-Bayern (oder gar etwas mehr?).

Theodor 8. Oktober 2013 um 23:20

Hält es eigentlich jemand für möglich, daß Martinez unter Guardiola in manchen Situationen als Stürmer eingesetzt werden wird?

Er hat diese Rolle ja auch schon mal in der span. NM gespielt; gegen Chelsea war er gegen Ende auch vorne.

Ich halte ihn auf dieser Position aus verschiedenen Gründen für eine interessante Variante (Ruhe & Abgeklärtheit, Kopfballstärke, gute Technik, hohes taktisches Verständnis, Gegenpressing)

Theodor 8. Oktober 2013 um 23:12

Warum kannst du das [Müllers Leistung in den letzten beiden Spieln] nicht anerkennen?

…ich hab doch geschrieben, daß das gegen Manchester ganz toll war.
Wie gesagt ging es mir ja nicht gegen Müller, sondern eher darum, wie man seine unkonventionelle Spielweise ideal ins System integrieren kann. Ich sah für sein Spiel leichte Vorteile in einem System, in dem noch ein „echter“ Stürmer (zusätzlich zu ihm) mitspielt. …das aber bitte nicht als vorgefaßte Meinung mißverstehen; vielmehr bin ich schon sehr gespannt, wie sich das Projekt „Feldüberlegenheit in Tore ummünzen“ unter Guardiola weiterentwickeln wird… 🙂

„Wieso bewertest du die psychische Robustheit und nicht die physische bei Thiago und Götze negativ?“

…bewerten tu ich diese ja nicht; Befürchtungen habe ich aus dem einfachen Grund, daß auf beiden Spielern (insbesondere auch, wenn man das Alter mitberücksichtig) ein unglaublicher Druck lastet, der aber nicht „nur“ einem einfachen Leistungsdruck entspricht: Beide Spieler sind von „rivalisierenden“ Vereinen gekommen (wenn man mal Barcelona als internationalen Rivalen bezeichnen darf) und in beiden Fällen hat der Vereinswechsel auch negative Emotionen hervorgerufen. Ein Scheitern wäre nicht nur ein Scheitern, sondern würde auch die Entscheidung, den Verein zu wechseln, im Nachhinein als großen (bzw. möglicherweise „entscheidenden“) Fehler aussehen lassen; die Mißgünstigen bestätigen etc.

Shaqiri durfte in einem enorm wichtigen Spiel von Anfang an ran. Pep scheint sein Potential anders zu bewerten als du.

ja, in der Tat… 😉
Im Supercup u. gegen Freiburg spielte er auch von Beginn an u. beide Male bestätigten sich leider meine Befürchtungen. Als ich die Aufstellung gegen Leverkusen las, hatte ich dann leider wieder exakt die Befürchtungen, die auch eintraten…(und das, obwohl ich nicht die geringsten hellseherischen Talente habe)
Ich muß offen gestehen, daß ich meine Zweifel habe, ob es bei Shaq mit seiner Spielintelligenz für einen Club wie Bayern reichen wird (wohingegen ich denke, daß er bei einem kleineren Club zu einer Legende werden könnte).
Aber um Mißverständnisse vorzubeugen: ich spreche hier von meiner {subjektiven) Meinung, ich nehme auch zur Kenntnis, daß ich offenbar ziemlich alleine mit dieser Meinung stehe. Gut möglich, daß ich mich irre… 😉
(in der Causa Ibrahimovic hat sich ja selbst ein Guardiola geirrt; denn – egal ob man Ibra mag oder nicht, er ist inzwischen ein zuverlässiger Top-Spieler.)

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Brick 10. Oktober 2013 um 02:48

Ich schaue bei dem Spiel gegen Bayer nicht so sehr auf das Ergebnis sondern wie das Spiel gelaufen ist. Ich denke, dass zwei Veränderungen maßgeblich für die krasse Überlegenheit waren.

1. Müller in der Spitze
2. Das Mittelfeld besteht jetzt endlich zu 2/3 aus Mittelfeldspielern.

zu 1.: Müller war IMO deutlich besser eingebunden als Mandzukic in das Ganze geschehen. Z.B. hatte Manzukic gegen Wolfsburg 24 touches; gegen Schalke 35 und Müller gegen City 61 und Leverkuses 44. Angekommene Pässe bei Mandzukic knapp je 80%. Bei Müller im ersten Spiel auch aber gegen Bayer 93 % . Außerdem hatte Müller 3 tackles insgesamt und Manzukic null. Müller ist IMO sowohl im Pressing als auch im Spielaufbau besser . Beide hatten über 180 min je ein Tor.
zu 2: Sollte klar sein, dass weder Robben noch Müller große ZMs werden.

Ich verstehe dein Problem mit Shaqiri nicht wirklich. Weder gegen Freiburg noch gegen Leverkusen ist er negativ aufgefallen. Gegen Freiburg hat er getroffen. Passquote um 85 % jeweils und 75 Touches bzw. 66. Robben hat in den drei letzten Spielen ganz ähnliche Werte. Auch jetzt vom subjektiven fand ich nicht, dass es da irgendwas gegen Leverkusen gab, wo Shaqiri negativ aufgefallen wäre. Der Abschluss war schließlich bei allen ziemlich mies. Da hab ich letztes Jahr deutlich schlechtere Spiele vom Schweizer gesehen. Wie gesagt einige Aktionen wirken etwas übermotiviert aber er macht seine Sache doch trotzdem recht gut. Vor allem sieht man, dass er sich verbessert, was IMO sehr wichtig ist.

Ja mei bei Götze weiss ich auch noch nicht so recht, aber der hatte halt wirklich noch keine Chance zu zeigen was er kann wenn er wirklich mal fit ist (ich würd ihn gerne mal auf rechts sehen). Bei Thiago bin ich mir sicher, dass er spätestens ab der Rückrunde „Stamm“ 8. wird. Warum 8 und nicht 6? Er ist noch zu jung um das Spiel komplett zu kontrollieren und zu lenken. Fehler werden auch sofort bestraft. Z.B. Lahm am Anfang gegen Schalke und Kirchhoff hat fast noch das City Spiel gedreht. 😉 Außerdem ist er ein guter Dribbler, was unserem Mittelfeld gerade abgeht und auf der 6 nicht gezeigt werden kann.

Das Ergebnis ist mir nicht so wichtig bei einem Ligaspiel. Bayern ist genau auf dem richtigen Weg denke ich. Ich fand das schon brutal wie komplett sie die Spiele dominiert haben und Müller war daran IMO maßgeblich beteiligt, auch gegen Bayer.


Lena 6. Oktober 2013 um 15:01

Im August – nach dem Vorbereitungs *Automarke* Cup – hatte ich angemerkt, dass speziell die Umsetzung von Lahm ins DM eine geniale Idee ist und er außen fast verschenkt wirken wird mit ein bisschen Übung. Hätte aber nicht gedacht, dass er gleich so einschlägt, der Lahm.

Ob Götze mit seinem Kleinkleinklein Getrippel irgendwann wieder Anschluss an den Hochgeschwindigkeits-Passfußball der Bayern findet, keine Ahnung. Grad wirkt er so, wie der Ribery zu seinen frühen und schlechten Tagen. Verpufft nicht nur wirkungslos sondern auch irgendwie vorhersehbar und damit negativ für die Manschaft (insb. die letzten Minuten in Manchester). Fast verloren und trotzdem versucht er, aus jedem Momentchen etwas großes zu machen anstatt einfach ein Rädchen in der Maschine zu sein und macht es dadurch grad falsch. Bayern hätte besser Lewandowski gekauft als den Götze, als gute Mischung aus Müllers Positionsdeutung und den Durchsetzungs- und Knipserfähigkeiten eines Stoßstürmer.

Rafinha ist auch so eine großartige Geschichte. Der spielt mir speziell im letzten Drittel einen sicheren Außen als Lahm und nach vorne taugt es auch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass mit dem früh antizipierenden und zustellenden 6er Lahm die Lücken für die Außen kleiner werden als mit dem im Rückwärtsgang eher mittig ausgerichteten und eher reaktiven Martinez.

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splattercheffe 6. Oktober 2013 um 20:27

So kritisch würd ich Götze nicht sehen. Bisher spielt er ja immer grad mal so 10 Minuten, gegen Manchester kam der Bruch eher durch den Schweinsteiger/Kirchhoff-Wechsel. Aber ich bin sicher, der kommt noch ganz gewaltig, dafür ist er einfach ein zu guter Fußballer, technisch vielleicht sogar der beste im ganzen Kader. Und er kann 5 Positionen spielen!
Die Luxus-Probleme, die da auf Pep zurasen, sobald mal alle gleichzeitig fit sind (falls das je passiert), sind sowieso der Hammer. Ich bin auch sehr gespannt, ob er Lahm auf Dauer im Mittelfeld belässt. Besser als er das momentan macht, kannst Du die Position ja fast gar nicht spielen.
Und auf Lewandowski warten wir halt noch ein Jahr…

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Daniel 6. Oktober 2013 um 13:40

So wie Lahm und Rafihna spielen wäre Guardiola doch schön blöd auf der 6 auf Lahm zu verzichten. Schätze wenn alle Fit sind spielt Müller im Sturm (da scheint er im System besser aufgehoben als auf der 8) Götze und Kroos auf der 8, Lahm auf der 6.
Da muss Schweini mal auf die Bank, oder kommt auf der 6 zum Zuge wenn der Gegner extrem Kopfballstark im Zentrum ist. Lahm der Floh würde da wohl nicht gut aussehen.

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Aamteur 6. Oktober 2013 um 14:16

Ich bin ja immer noch dafür, dass Müller (im Wechsel mit Robben) die rechte Position besetzt und man mit einem „wahren“ 9er spielt.

Ja, das ist halt die Frage, ob Guardiola Lahm auf der „6“ Schweinsteiger auch dann vorziehen würde, wenn nahezu alle fit sind.

Denke, dass Martinez und Thiago Guardiolas Idealbestzung für die 6er Position sind. Martinez vielleicht nicht ganz soooo spielstark wie Thiago, dafür mit Vorteil im Defensivspiel/ Verteidgungsverhalten, z.B. bei hohen Bällen, und mehr „Defensivdenken“, Stichwort: Konter.

Im Moment ist Schweinsteiger quasi auf der 8 gesetzt, weil es halt an „Alternativen“ fehlt bzw. fitte Spieler (z.B. Shaqiri, Müller) eher für andere Positionen eingeplant sind.

Daher geht Tendenz, aus meiner Sicht, eher Richtung folgender Reihenfolge für die 6er Position: Martinez/ Thiago – Lahm – Schweinsteiger

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SG3DL 6. Oktober 2013 um 20:46

Ich denke, dass Lahm für Martínez zurück auf die AV Position geht. Auf der 8 Schweinstiger/Thiago und dir andere freie Position Götze/Kroos. Muller wird wohl öfters statt Mandzukic spielen, je nach Gegner. Zur Robben Schonung auch mal rechts. Hoffe das Götze Kroos Verdrängen wird, auch wenn dieser m.M. diese Saison deutlich besser und konstanter spielt. Pep scheint ihn sein Phlegma mehr und mehr auszutreiben. Die Rückpässe Haben abgenommen, er spielt öfter nach vorne und wirkt bissiger. Lustlos wirkende Fehlpässe sieht man immer seltener.
Kurzum das wird richtig spannend falls alle fit sind. Und Bayern hat wohl noch Luft nach oben 🙂

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Till 6. Oktober 2013 um 21:42

Wenn wir eins in dieser Woche gesehen haben, dann die grosse Fluiditaet in der Mannschaft. Warum nicht die besten Spieler in die Mannschaft, anstatt darueber zu diskutieren, wer auf der 6, 8, 10, oder 2 spielt? Die wechseln doch ohnehin sehr oft mit den einrueckenden ‚Aussenverteidigern‘. Dann kann sich Martinez zwischen Dante und Boateng bewegen, und wir haben eine sehr kopfballstarke Linie. Oder wenn Martinez/Schweinsteiger aufruecken, sichert Lahm mehr ab.

Ebenso offensiv. Lahm als Mittelstuermer (oder Martinez, der das immerhin fuer Spanien im Confed-Cup schon gespielt hat), Mandzukic als rechter Verteidiger? Wirklich intelligente Spieler koennen zwischen Positionen nach Bedarf wechseln, alle koennen den Ball kontrollieren und spielen. Alle koennen immer pressen. Aufgabenteilung war vor fuenf Jahren.

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datschge 6. Oktober 2013 um 21:45

Je nach Gegner könnte nach Rückkehr von Martínez mit einem Defensivkreiseln angefangen werden: Kommt der Gegner über die Flanken, bleibt Lahm auf der AV. Steht der Gegner hinten, rückt Lahm auf die 6, Martínez fällt absichernd in die IV und Boateng rückt auf die AV. Auf Links wäre nach Badstubers Rückkehr ähnliches möglich.

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Aamteur 6. Oktober 2013 um 12:01

Tolle Analyse! Einige Punkte, die mir aufgefallen sind bzw. die ich anders sehe (vllt. könnt Ihr paar davon wieder in die Analysen einbeziehen; entkräften/ bestätigen):

1. Gewaltschüsse
Auch ein oder vielleicht der Grund der schlechten Chancenverwertung. Chancen waren ja en masse da. Aber leider wurde zum Großteil die Variante mit der Brechstange gewählt, siehe 1. HZ Kroos und Shaqiri; 2. HZ dann auch Ribery oder Götze kurz vor Schluss, der vielleicht hätte nach innen spielen können/ sollen(!).

2. Shaqiri’s Flanken
Meiner Meinung nach waren die Flanken von Shaqiri (sehr) schwach. Oft blieben sie schon am ersten oder zweiten Gegenspieler hängen oder kamen in den Rücken seiner Mitspieler (wenn er denn diese als „Abschlussflanken“ schlug). Müller verstand es trotzdem mit seiner geschickten Art und Weise das Beste daraus zu machen (siehe 1. HZ „Drehung“ und Schuss). Zudem kam er selten (bis eigentlich nie, so meine Erinnerung) zur Grundlinie, um von dort zu agieren. Also so wie das 0:1 zustande kam, nämlich das Ribery vom Eckpunkt quasi in die Mitte zog.
Schöne Überleitung zum nächsten Punkt…

3. Toprak – Abwehrverhalten beim 0:1
Ich sehe dieses Element bei vielen Teams aus der Bundesliga, dass die AVs bzw. IVs ziemlich passiv stehen und bei Situation (wie beim 0:1) den angreifenden Gegenspieler am 16er „empfangen“. Aber genau das ist das Falsche an der Sache bzw. hier in diesem Fall:
Toprak, war es, glaube ich, in diesem Fall, tat sich natürlich schwer, die taktische Grundregel eines IVs zu brechen, möglichst lange seine zentrale Position zu halten und damit verbunden durch Rausrücken unfreiwillig Räume in der Mitte zu hinterlassen , entschied sich dann jedoch für eine „Halbvariante“. Mit einem konsequenten Ausrücken wäre Ribery nicht so leicht in diese a) torgefährliche/ strafraumnahe und b) offene Spielstellung gelangt. Er hat sich das Leben also selbst schwer gemacht, da ein aggressives Abwehr-/ Verteidigungs-/ Zweikampfverhalten durch die Position im Strafraum naturgemäß erschwert wird.
Ein Herausrücken von Toprak hätte ihn auch mehr Unterstützung geben können, durch Dopplung. Das war in diesem Falle dann nicht mehr möglich.

4. Bayer Leverkusen
Zugegeben, ich schaue B04 eher in Ausschnitten bzw. selten in voller Länge. Aber ich finde, dass sie konstant guten Fußball spielen und daher in dieser Saison erster Anwärter auf Platz 3 sind. Hyypiä hat logischerweise die Taktik gestern geändert.
5. Das 1:1 – Fehler von Neuer?
Naaajaaa – eher nein. Es gab einige Situationen, bei denen die Münchner den Angriff und damit vor allem diese sagenhafte und mit unglaublich viel Effet geschlagene Flanke hätten verhindern können bzw. müssen. Neuer’s Position orientierte sich während des ganzen Spielzugs korrekterweise am Ball, sprich er stand erst Höhe 5er, zog sich dann mit „Vorspielen“ des Balls zurück, sodass er bei der Flanke auf der Torlinie stand bzw. genau in diesem Moment, diesen letzten Schritt zurückgemacht hat. Letzteres waren dann genau die Sekunden bzw. Zentimeter, die für eine weitere Abwehr seinerseits gefallen haben.
Kommt er nicht raus, haut den Kießling ein, da bin ich mir aber sowas von sicher! Dass er da überhaupt rankommt, finde ich eher bemerkenswert, die meisten hätten den doch unterflogen.
Das die komplette Zuordnung im Strafraum fehlte, zeigt nicht nur, dass Boenisch nach dem Abprallen frei zum Schuss kommt, sondern auch, dass Lahm sich von Sam lösen musste (nach der Flanke), um sich an den anderen Bayerspieler (keine Ahnung, wer das war) zu orientieren, der in zentraler Schussposition in dem Moment, als Boenisch den Ball angenommen hat, deutlich mehr Gefahr als Sam ausstrahlte. Fehlerkette: Keine Flankenverhinderung + Neuer’s Abwehr + keine Zuordnung!!!

6. Die Rolle von Sam
Ich denke, dass die taktische Änderung eine Reaktion auf die drückende Überlegenheit der Bayern war. Prinzipiell richtet Pep Guardiola, so meine Meinung, seine Verteidigung an der Anzahl „nicht veteidigender“ Gegenspieler an. Sprich an der üblichen taktischen Grundregel/ Überlegung: Stehe immer mit einem Mann mehr in der Verteidigung als der Gegner im Sturm. Etwas plakativ beschrieben:
1. HZ spielte Leverkusen ein konsequentes 4-5-1, ergo Dante und Boateng kümmerten sich um Kießling (bei langen Bällen).
Sam provozierte in 2. HZ einen Ausgleich dieser „mathematischen Aufgabenstellung“, weshalb sich ein weiterer Spieler „defensiv orientieren“ musste, um das zahlenmäßige Übergewicht wieder herzustellen.

7. Lahm und Kroos besser durch Pep Guardiola?
Klar, sicherlich macht er die Spieler besser bzw. aufgrund ihrer neuen Positionen und damit verbundenen neuen Aufgaben kommen ihre Stärken besser zur Geltung. Doch ihre Spielintelligenz werden sie, meiner Meinung nach, nicht durch Pep Guardiola gewonnen haben. Dass Kroos aufgrund seines überragenden Spielverständnisses und seines peripheren Sehens gepaart mit seiner Passgenauigkeit und Passgeschwindigkeit No-Look-Pässe spielen kann, wird Pep Guardiola vielleicht mehr einfordern und fördern, genauso wie bei Lahm.

8. Schweinsteiger
Ich finde, dass er auf der 8er Position (momentan noch) recht verloren wirkt. Das Abkippen ist vielleicht sogar ein Indiz dafür, nämlich das “Abkippen“ in alte Spielmuster.
Das hat er letzte Saison auch sehr gerne praktiziert und auch natürlich in diesem System erfolgreich, wenn er denn die Position eines AVs eingenommen hatte.
Es ist einfach sein Spiel, das Spiel vor sich zu haben, das Spielfeld mit dem Ball am Fuß zu überblicken und das Spiel in einer offenen Spielstellung zu lenken/ eröffnen.
Jetzt steht er auch öfter mit dem Rücken zum Tor, hat die Gegner hinter sich und damit nicht mehr den „totalen“ Überblick. Vor allem wenn Gegner tief stehen und die Räume eng sind. Er ist nicht mehr dieser Spieleröffner wie früher.
Meiner Meinung nach haben diesbezüglich Kroos, Thiago oder auch ein Shaqiri, Müller, Götze (die alle schon einmal zumindest diese 8er Position gespielt haben) mehr Vorteile als Schweinsteiger haben. Daher ist meine Vermutung, dass, wenn alle wieder irgendwann mal fit sein werden, Schweinsteiger (deutlich) seltener (auf der 8er Position) spielen wird.

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Javier Müller 6. Oktober 2013 um 11:03

Eine wirklich grandiose Analyse, denn sie zeigt tatsächlich die hohe Komplexität des Bayernspiels. Es ist extrem beeindruckend zu sehen wie Guardiola es schafft innerhalb von 3 Monaten eine derartige Spielkultur mit einer Mannschaft zu erreichen. Guardiola hat ganz offensichtlich schon früh richtig erkannt,das er dafür in München die „richtigen“ Spieler vorfindet.
Wenn man so klug und so schön Fußball spielt, kommen die Tore am Ende von selber ( die gestrige Außnahme bestätigt die Regel).
Eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung dazu:
Sogenannte katholische Spielweise vom feinsten. Der Wirt kocht gut und die Leute kommen von selber.
Dagegen die rein ergebnisorientierte, protestantische: egal ob ich viel mit dem Ball spiele, wenn die „Pressingmaschine“ entsprechend funktioniert gewinne ich.

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Till 6. Oktober 2013 um 04:40

Super, vielen Dank fuer die Nachtlektuere! Die No-Look Paesse habe ich natuerlich am schlechten Laptop-Bild verpasst, etliche andere Punkte auch.

Ich haette mir fast noch fruehere Abschluesse der Bayern gewuenscht, gerade aus der zentralen Position im Rueckraum. Als Robben kam, hat er es natuerlich versucht, gerade aber von Kroos haette ich gerne mehr gesehen.

Die Bayern gewinnen wirklich erstaunlich viele der langen Baelle nach Abstoessen und Befreiungsschlaegen. Die Veraenderungen nach nur drei Monaten sind bemerkenswert; das hat, wie ich finde, nur noch recht wenig mit den Bayern der letzten Saison gemein (Abseitsfalle und sehr hohe Linie, einrueckende Aussenverteidiger, Lahm, Pressing und so weiter…).

Als letzte Bemerkung: Barca hatte gegen Rayo weniger als 50% Ballbesitz zum ersten Mal seit 2008. Bayern hatte diese Saison auch immer die Ballbesitz-Mehrheit. Guardiola hat noch kein Pflichtspiel als Chef-Trainer einer ersten Mannschaft bestritten, bei dem sein Team nicht mehr Ballbesitz hatte. Meine Frage: Nach den Umstellungen bei Bayern, seht ihr ueberhaupt eine Wahrscheinlichkeit, dass diese persoenliche Serie irgendwann aufhoert?

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Erkinho 6. Oktober 2013 um 05:59

Vielleicht lässt sich Josep zu einem Freundschaftskick mit den Rotstreifen überreden? 😉

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RM 6. Oktober 2013 um 10:47

Meine Frage: Nach den Umstellungen bei Bayern, seht ihr ueberhaupt eine Wahrscheinlichkeit, dass diese persoenliche Serie irgendwann aufhoert?

Interessante Frage, schwer zu sagen. Vielleicht ja gegen Barcelona, falls man in dieser Saison aufeinandertrifft. Dort spielt mit Busquets ja noch der einzige Topspieler, der noch nie in einem Profispiel weniger Ballbesitz hatte.

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Koom 6. Oktober 2013 um 10:54

Ich wäre mir relativ sicher, das gegen Barcelona der Ballbesitzvorteil verloren geht. Schon letzte Saison war Bayern sehr ballbesitzlastig, gab das aber in beiden Spielen gegen Barca praktisch freiwillig auf für eine massierte Deckung und Konterspiel.

IMO halte ich das auch für die „Natur“ des FCB: Effiziente Spielweise, vornehmlich in Konter- und Umschaltspiel.

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RM 6. Oktober 2013 um 11:27

Auch unter Guardiola?

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Koom 6. Oktober 2013 um 11:39

Ja, weil er die Spielermentalität nicht so einfach nachhaltig verändern können wird.

Um mal auszuholen: Die Barca-Spieler sind, größtenteils von Kindesbeinen an, darauf gedrillt, Ballbesitz zu haben und exzessives Paßspiel zu betreiben. Das ist ihr „Safeplace“, das funktioniert, das ist im Rückgrat und in den Gedärmen drin.

Die Bayernmannschaft besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Spielertypen. Eine Menge davon sind schon recht lange beim FCB oder einer anderen deutschen Mannschaft, wo der „Safeplace“ eine dichte Defensive und (eher) Umschaltspiel ist.

Mein Punkt ist also, das in einer Extremsituation man eher in die Schemata zurückfällt, die man am längsten eingebimst hat. Bei Barca ist das Paßspiel und Ballkontrolle, bei München ist es Defensive und Umschaltspiel.

Wenn es zu so einer Extremsituation kommt, also ein Gegner vorstellig wird, der individuell ähnlich gut ist und ebenfalls den Ballbesitz möchte, wird es auch interessant zu sehen sein. Bei Barca mach ich mir keine Gedanken, da werden alle homogen „funktionieren“. Bei den Bayern erwarte ich dann zumindest teilweise, das die Spieler das nicht durchhalten, und eher zu lang und weit greifen (als Beispiel).

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Pumpido 6. Oktober 2013 um 12:50

Es ist aber ja nicht so, dass die Spieler einfach die Vorgaben des Trainers nach Anpfiff über den Haufen werfen und ihren (vermeintlich) „natürlichen“ Stiefel runterspielen.
Und ich halte Guardiola für idealistisch genug, dass er auch gegen Barcelona „seinen Stil“ durchziehen wollen würde.

Davon abgesehen darf man auch nicht vernachlässigen, dass nicht nur das Ballbesitzspiel selbst für den hohen Ballbesitzanteil sorgt, sondern auch die Art des Pressings….und das permanente Angriffs- und Gegenpressing liegt nun nicht zwangsläufig in der DNA der Barca-Spieler, sondern trug eindeutig Guardiolas Handschrift und ist nach seinem Abgang wieder graduell weniger geworden (k.A. ob´s da unter Martino wieder zurück in die gleiche Richtung geht, hab bisher noch kein Barca-Spiel gesehen)…

splattercheffe 6. Oktober 2013 um 14:05

Ich halte es für ausgeschlossen, dass Bayern, auch in Extremsituationen, wieder in eine passivere Konterhaltung zurückfällt. Gegen wen auch immer. Nicht unter Guardiola. Wer selbst schon mal in einer besseren Mannschaft Fußball gespielt hat, kann sicher nachvollziehen, wieviel Spaß es macht, den Ball minutenlang kreiseln zu lassen, und wie deprimierend und anstrengend es sein kann, als Unterlegener ständig nur Räume und Passwege zulaufen zu müssen, ohne eine echte Chance auf eigenen Ballbesitz oder gar Chancen zu kreieren.
Ist es Euch aufgefallen, dass zum Ende der Spielzeit mehrere Leverkusener Probleme mit Krämpfen hatten (Spahic u.a.)? Und wieviel Probleme etwa Toprak, der ja bisher wirklich eine sehr gute Saison spielt, mit der Zweikampfführung und der Spieleröffnung hatte? Da ist der Unterschied etwa zu einem Boateng doch noch eklatant.
Insgesamt finde ich es auch sensationell, wie schnell Guardiola die von RM toll analysierten Mechanismen ins Bayern-Spiel eingepflanzt hat. Und im (ewigen) Vergleich mit Guardiola-Barca kommt mir das Spiel der Bayern übrigens auch etwas schneller und ganz sicher variabler vor.
Das Ergebnis gegen Leverkusen halte ich für einen Treppenwitz und erinnert mich an Barca-Chelsea oder Bayern-Chelsea. Als Bayern-Fan hab ich lange den puren, effizienten Erfolgs-Fußball genossen, aber ganz ehrlich, Guardiola hat mich vollends bekehrt: diesen Fußball betrachten zu dürfen, macht mich glücklich.
Abschließende Betrachtung nochmal zu Barca – die hatten Messi. Irgendwo hatte man doch immer das Gefühl, dass bei aller tollen Systematik letztlich zu 60, 70 Prozent Messi die Spielzüge zu Toren veredelt (die er oft sogar selber miteingeleitet) hatte. Und das ist für mich auch der erfreuliche Unterschied zu Bayern: praktisch jeder Spieler ist gefährlich und kann in Abschlusssituationen kommen.
Ob es wieder zu drei Titeln damit reicht, weiß ich nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen, sollte mit Ballbesitz-Quoten über 70 Prozent durchaus steigen…

Lobanowskyj 8. Oktober 2013 um 12:46

Sehe ich ähnlich. Gerade in den ersten Saisonspielen war oft zu beobachten, dass sie wieder in die Schemata der letzten Saison verfielen, wenn’s (für sie gefühlt) nicht so optimal lief. Typischer psychologischer Effekt: wenn was nicht klappt, greift man (ob bewusst oder unterbewusst) zu den lange einstudierten Abläufen, mit denen man früher erfolgreich war (das Gehirn wurde ja damals für dieses Verhalten mit jede Menge Glückshormonen belohnt). Dieser Effekt führt aber dazu, dass sich ein Akteur auf alte Verhaltensweisen zurückzieht und weniger innovationsfreudig ist (bei länger ausbleibendem Erfolg führt das zu immer konservativerem Denken und weniger Mut zum Risiko). Guardiola hat das (schon bei Barca) verstanden und von Anfang an radikal dagegen gearbeitet – man sieht oft, wie kritisch er am Rand auf bestimmte Details reagiert – zB Neuers schlechten Abschlag gegen B04. Erstaunlich finde ich in diesem Zusammenhang, wie schnell er den Spielern sein neues Konzept eingeimpft hat. Wirklich keine einfache Sache. Trotzdem ist es ganz natürlich, dass sie auch jetzt noch manchmal zu ungeduldig werden und dann vertikaler (und unsauberer) spielen, um möglichst schnell den „Türöffner“ zu erzielen. Auch gegen Leverkusen hatten sie noch nicht über die vollen 90 Minuten diese „Barca-Geduld“. Ich halte es deshalb ebenfalls durchaus für möglich, dass sie auch in den ganz großen Spielen im Frühjahr noch mal dieses Verhalten zeigen (weil ähnliche „Monstersituationen“ in der Liga einfach zu wenig simuliert werden).
Andererseits könnte man auch vermuten, dass sich Guardiola auch mal verändert und (in Maßen) so ein pragmatisches Element einfließen lässt wie Heynckes gg. Barca. Immerhin hat er ja zB. durchaus auch zugelassen (wenn auch vielleicht nur für eine Übergangsperiode), dass viel mit hohen Flanken operiert wird, weil sie einfach so ein enorm kopfballstarkes Team sind. Eigentlich eine Todsünde nach dem Josep-Evangelium.
Deshalb meine Frage: Glaubt ihr, dass er das momentan nur duldet und ihnen komplett austreiben will? Man kann zwar nicht in ihn reinschauen, aber wie er nach dem Spiel grübelnd auf der Bank saß, dachte ich, dass kann nicht nur am Ergebnis liegen. Trotz aller Lobpreisungen schien er mit dem Spiel an sich nicht komplett zufrieden.

Koom 8. Oktober 2013 um 13:27

Persönlich denke ich ich, das er das Ideal nach wie vor in totaler Ballkontrolle sieht und der Gegner den Ball nur beim Anstoß mal hat (notwendigerweise). Und erreichen kann man das mit flachen Pässen, weil man die beständig so spielen kann, das sie auch ankommen, während bei hohen und langen Bällen immer etwas Ungenauigkeit drin ist.

Aber Guardiola ist nicht blöd. Ich denke, er verfolgt eine langfristige Idee und geht Kompromiße ein. Die bestehen momentan darin, das er einen außergewöhnlich heterogenen Kader hat, der verschiedenste Spielstärken auf hohem Niveau mit sich bringt. Es bietet sich an, das er seine Philosophie etwas aufweicht und zumindest dann den Klopp’sche Gegenpressingspielmacher einfließen lässt. Pressing selbst ist ja eh ein Grundpfeiler des Tiki-Taka, nur lässt man es da nach der Balleroberung langsam angehen, während man bei Klopp eher hektisch auf den Torabschluss weiterspielt.

Langfristig wäre es natürlich interessant, ob und wie Guardiola Einfluss auf die Kaderplanung hat. Bei Barca hat er den Kader doch sehr zu einem spielstarken Zwergen-Messilieferdienst umgebaut, während man bei den Bayern eigentlich „schon immer“ auf einen sehr runden Kader geachtet hat.

Lobanowskyj 8. Oktober 2013 um 13:47

„Zwergen-Messilieferdienst“ – sehr schön.

Aber auch in Barcas System war schon des Öfteren vorgesehen, nach Gegenpressing schnell und schnörkellos zu spielen (auch wenn mehr die hundertprozentige Abschlussposition gesucht wurde als bei Klopp). Ich denke, eine „Zwergentruppe“, die wie ein Barca-Klon daherkommt, dürfte für Pep auch ganz einfach zu langweilig sein, schließlich hat er ja mit so einer Mannschaft schon sämtliche Titel gewonnen. Vielleicht will er sein Konzept jetzt weiterentwickeln und setzt eben gerade auf Heterogenität. Wenn Neuer unter Pressing punktgenau den langen Ball auf Ribery schlägt, ist das doch schließlich im Sinne der totalen Ballkontrolle – Tikitaka 2.0, sozusagen. Zu einem ästhetischen „Jogo bonito“ gehört schließlich auch, Bälle aus der Luft perfekt verarbeiten zu können.

Lobanowskyj 8. Oktober 2013 um 14:01

Das große Ideal und Fernziel dürfte doch sein, das Ajax-Spiel in die Gegenwart zu transportieren, so dass also wirklich jeder Spieler „alles“ spielen kann (wann sehen wir eigentlich mal Mandzukic als situativen AV?). Wenn man sich die Ajax-Truppe um Cruyff mal anschaut, stellt man fest, dass die alles andere als Zwerge waren. Wenn du größtmögliche Flexibilität und Fluidität haben willst, muss eben auch Kopfball- und Zweikampfstärke etc. neben Technik und Taktik da sein. Guardiola selbst war genau die Sorte kompletter Spieler, weshalb er von Cruyff so gefördert wurde. Dass es so viele „Zwerge“ in Barcas Elf gibt, liegt m.E. daran, dass sich in der Jugend einfach herausgestellt hat, dass sie technisch und taktisch so begnadet waren, dass man gar nicht anders konnte, als sie zu fördern. Man hat ja schließlich sicherlich nicht gesagt: „Wir brauchen unbedingt mehr KLEINE Spieler!“ Ausgewogene Spieler wie Alaba dürften durchaus nach Peps Geschmack sein (hat sich in den beiden letzten Spielen auch schon manchmal auf der 10(!) rumgetrieben).

C 6. Oktober 2013 um 13:04

Naja ich halte es für klüger mehrere Varianten zu haben und seien wir ehrlich in der BuLi bleibt uns eh nichts anderes über als so zu spielen da will ich dich sehen wenn du nur auf Konter spielst da gewinnst du nur die Hälfte der Spiele. Im übrigen hat ja auch Barca die Ballbesitzphilosophie teilweise aufgegeben. Ich sehe momentan keine Mannschaft die Bayern in Bestform hier in Bedrängnis bringen kann bzw. will (ist ja auch die Frage ob es wirklich Sinn macht sich daraufeinzulassen schließlich fuhr Bayern letzte Saison mit seiner Strategie gegen Barca wie bekannt sehr gut)

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Lukinger 6. Oktober 2013 um 13:36

Ich denke auch, dass Barcelona mehr Ballbesitz haben würde. Und zwar weil sie ihn mehr brauchen.
Wenn es bei ihnen nicht läuft schieben sie so lange den Ball rum bis sie wieder Sicherheit haben.
Bayern spielt da noch öfter auch mal nen langen Ball und hat weitere Ansätze das Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Deshalb Barca mehr Ballbesitz, da sie es mehr erzwingda sie es stärker benötigen.

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Koom 7. Oktober 2013 um 00:51

Ein anderes gutes Argument für meine Vermutung. Bayern hat mehr im Köcher als „nur“ Ballbesitz. Der Kader ist heterogener, hat mehr Optionen. Bei Barcelona hats „nur“ Messi und mit Abstrichen Iniesta gehabt. Bei den Bayern ist Ribery wohl der „Messi“, aber mit Müller hat man einen hochinteressanten, stets torgefährlichen Spieler, Robben mit seinem Speed oder Kroos mit Weitschüssen.

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Tery Whenett 9. Oktober 2013 um 14:19

Hahah, das kann er sich auf die Visitenkarte schreiben… großartige Statistik! 😉

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C 6. Oktober 2013 um 04:37

Ich schließ mich da der Meinung des Forenmitglieds von tm an. Neuer trifft hier absolut keine Schuld. Es war halt auch viel Pech dabei dass Boenisch den noch kriegt und ihn sich technisch perfekt mit einem Kontakt so legt dass er wieder nen akzeptablen Abschlusswinkel hat.

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