Donnerstag, 27.11.2014

Unterschiede und Deckungsarten im Gegenpressing

Das geflügelte Taktikwort der vergangenen Bundesliga-Saisons war wohl Gegenpressing. Die Dortmunder wurden dank des Gegenpressings Meister, die Bayern zogen nach und befinden sich aktuell unangefochten an der Tabellenspitze. Der FC Barcelona wurde unter Pep Guardiola mit einer herausragenden Nutzung von Angriffs- und Gegenpressing zwei Mal Champions-League-Sieger. Doch ist Gegenpressing gleich Gegenpressing?

Unterscheidung 1: Vorbereitung des Gegenpressings

Das Gegenpressing umfasst nicht nur die Bewegung des Kollektivs zum Ball, sondern auch die vorherige Stellung und Positionierung. Oftmals wird das Gegenpressing mit einem mentalen Aspekt gleichgesetzt. Dies stimmt auch zum Teil. Schalten die Spieler nach Ballverlust ab, entsteht keine sofortige Arbeit gegen den Ball, die Chance auf das Gegenpressing vergeht somit ungenutzt.

Die Spieler müssten entweder wegen ihres Naturells oder wegen des Drills darauf sofort umschalten und gegen den Ball arbeiten. Im Normalfall ist es eine Kombination aus Training, Psyche und Charakter.

Doch auch die Taktik spielt eine Rolle. Eine Mannschaft kann noch so schnell nach Ballverlust umschalten und intensiv nach vorne gegen den Ball arbeiten, ein Gegenpressing wird nur dann erfolgreich, wenn die vorhergehende Stellung der einzelnen Spieler in Ordnung ist. Eine extrem breite Formation mit numerischer Unterzahl wird im Gegenpressing ineffektiv sein, eine offensivkompakte Formation mit vereinzelten Engen hingegen nicht.

Der Trainer kann also im Vorhinein bereits festlegen, wo die Mannschaft enger und wo breiter stehen soll. Dadurch kann beispielsweise gezielt auf etwaige Stärken des Gegners in bestimmten Räumen oder eigene Schwächen (wegen riskanter Offensivspieler oder komplexe Spielzüge) eingegangen werden.

Wo will ich durchgehend enger und kompakter stehen, um ein mögliches Gegenpressing maximal effektiv zu gestalten? Ab wann werde ich enger und wie eng?

Unterscheidung 2: Raumdeckung im Gegenpressing

Im Gegenpressingprozess, also dem Ablauf selbst, kann man wiederum ebenfalls einige Unterscheidungen machen. Die große Frage ist hierbei, an welchen Referenzpunkten man sich orientiert.

Dabei sind es  nicht die gleichen Referenzpunkte, wie in der Raumdeckung oder dem klassischen Pressing. Im Gegenpressing steht man in einer stark verschobenen und verrückten Formation da und presst direkt auf den Ball. Die Frage ist, wie man den Ball dann erobern möchte. Es gibt hier vier große Unterschiede.

Spielraumorientiertes Gegenpressing:

Das Gegenpressing der Dortmunder zum Beispiel fällt in diese Kategorie.

Man orientiert sich sehr stark am Spielraum des Gegners. Der Gegner wird zugestellt, zugepresst und im Idealfall gibt man ihm keine Luft zum Atmen. Alle möglichen Lauf- und Passwege werden ihm zugestellt oder gezielt geöffnet, was meist durch die vorhergehende Vorbereitung in der Anordnung entsteht.

Dadurch kann man ihn beispielsweise Richtung Außen lenken und gezielt im Gegenpressing den Ball abnehmen oder aufgrund des zugestellten Raumes immer näher rücken und den Ball klassisch erobern.

Beispielszene

spielraumsorientiertes Gegenpressing

spielraumorientiertes Gegenpressing

Der linke Außenverteidiger der roten Mannschaft überlief seinen Gegenspieler und spielte in die Mitte. Dort erhält der eingerückte linke Außenstürmer der roten Mannschaft den Ball, dreht sich und verliert ihn durch zu weites Vorlegen an den gegnerischen Rechtsverteidiger.

Der ballnächste Gegenspieler presst, die Spieler der roten Mannschaften schieben nun automatisch in den Raum hinein. Sie erkennen, dass der Gegner zwei Räume hat und sie besetzen nicht diese, sondern positionieren sich an diesen. Ein schöner Nebeneffekt entsteht dadurch: der Gegner wird den Pass oftmals spielen und er wird abgefangen, wenn er ungenau ist oder der Gegner wartet mit seiner Entscheidung, was die Möglichkeit einer längeren Bewegung auf ihn zu und somit größere Enge bedeutet.

Zugriffsorientiertes Gegenpressing:

Das Gegenpressing der Bayern dürfte am ehesten in diese Kategorie fallen.

Zumeist wird der gegnerische Ballführende nicht durch das Kollektiv gepresst, sondern durch ein bis zwei Akteure in der Nähe, während sich die anderen nicht an ihren Positionen orientieren, sondern die jeweiligen nächsten Gegenspieler in eine Art Manndeckung nehmen. Diese kurzeitige situative Mannorientiertheit sorgt dafür, dass man nach Pässen des Gegners jederzeit Zugriff erhalten und in den Zweikampf gehen kann. Der Druck auf den Ballführenden ist somit nicht extrem groß, aber soll ausreichend sein, um ihn nach hinten zu drängen oder zur sofortigen Aktion zu zwingen.

Beispielszene

zugriffsorientiertes Gegenpressing

zugriffsorientiertes Gegenpressing

Der linke Außenverteidiger der roten Mannschaft überlief seinen Gegenspieler und spielte in die Mitte. Dort erhält der eingerückte linke Außenstürmer der roten Mannschaft den Ball, dreht sich und verliert ihn durch zu weites Vorlegen an den gegnerischen Rechtsverteidiger.

Während der ballnächste Akteur –der Ballverlierer in diesem Fall – presst, schieben die jeweiligen Spieler der roten Mannschaft in Richtung ihrer Gegenspieler und orientieren sich mannorientiert. In diesem Fall kann der Pass noch einfacher gespielt werden, aber es entstehen viele Zweikämpfe und oftmals können die Gegenspieler gedoppelt werden. Es sind also keine 50:50-Bälle, sondern es gibt wegen der Bewegung der roten Mannschaft und der Struktur des Angriffs einen Vorteil für die Mannschaft in Rot.

Passwegorientiertes Gegenpressing:

Seit Pep Guardiola spielt auch der FC Barcelona mit einem Gegenpressing, welches stärker antizipativ und vorrangig auf die Passwege orientiert ist.

Dabei schieben die umliegenden Akteure im Gegenpressing so auf den Ballführenden, dass sie ihm bestimmte Passwege öffnen und versperren. Es wird nicht der Raum als solcher kompakter oder es entstehen Zweikämpfe, sondern man provoziert bewusste Pässe in vermeintlich freie Räume und fängt diese dann ab. Dies geschieht durch das Leiten von Pässen in strategisch ungünstige Richtungen (beispielsweise diagonal auf die Außen in eine Unterzahlsituation) oder in jenen Raum, den beispielsweise beim FC Barcelona Sergio Busquets abdeckt.

Beispielszene

passwegsorientiertes Gegenpressing

passwegorientiertes Gegenpressing

Der linke Außenverteidiger der roten Mannschaft überlief seinen Gegenspieler und spielte in die Mitte. Dort erhält der eingerückte linke Außenstürmer der roten Mannschaft den Ball, dreht sich und verliert ihn durch zu weites Vorlegen an den gegnerischen Rechtsverteidiger.

Sie bewegen sich – im Idealfall – minimal später los oder nähern sich bogenartig, können dann aber die Pässe abfangen. Alternativ nutzen sie ihren Deckungsschatten und verhindern eindeutig die Pässe auf den Gegenspieler. Sie stellen sie klar zu und provozieren lange Bälle oder Rückpässe des Gegners, wodurch aus dem Gegenpressing ein „normales“ Pressing im Sinne der klassischen Vorwärtsverteidigung wird.

Ballorientiertes Gegenpressing:

Die erste Mannschaft, die ein kollektives Gegenpressing spielte, dürften die Niederländer bei der WM 1974 gewesen sein.

Es war in gewisser Weise ein chaotisches Gegenpressing, weil die Akteure sich allesamt stark auf den Ballführenden und nicht seine Möglichkeiten konzentrierten. Damals war dies wahrscheinlich sogar die bessere Alternative, weil die einzelnen Spieler in den Kleingefechten um den Ball nicht so geschult waren und die gegnerischen Spieler nach der Balleroberung nicht so organisiert und geschult in der Pressingresistenz waren.

Beispielszene

ballorientiertes Gegenpressing

ballorientiertes Gegenpressing

Der linke Außenverteidiger der roten Mannschaft überlief seinen Gegenspieler und spielte in die Mitte. Dort erhält der eingerückte linke Außenstürmer der roten Mannschaft den Ball, dreht sich und verliert ihn durch zu weites Vorlegen an den gegnerischen Rechtsverteidiger.

In diesem Fall verschieben prinzipiell alle Spieler zum Ball und pressen. Dies öffnet die Passmöglichkeit auf den Spieler in der Mitte, auf den wiederum gepresst wird. Ist der Verteidiger nicht hervorragend in der Ballverarbeitung, dann wird diese Passoption im weiteren Aufrücken vernichtet und höherer Druck auf den Ballführenden ausgeübt.

Statistik

Mich interessierte in diesem Sinne auch, ob die unterschiedlichen Gegenpressingvarianten in den Statistiken sichtbar würden. Folgende Hypothese wurde von mir gestellt: Bayern müsste mit ihrer zugriffsorientierten Spielweise hervorragend in der Zweikampfkompetenz sein, aber schwächer in der Pressingkompetenz, weil sie weniger Bälle abfangen. Der BVB wiederum müsste schwächer im Zweikampf sein, aber besser in der Pressingkompetenz, während der FC Barcelona das Gegenteil zu den Bayern darstellen müsste.

Die Zahlen dazu passen. Ich habe die Mittelwerte der drei zentralen Mittelfeldspieler der jeweiligen Teams berechnet. Beim Gegenpressing müsste man sie am stärksten voneinander unterscheiden können, weil sie Hauptnutznießer sind. Die Außenverteidiger sind da meist zu breit oder gar zu tief, die Stürmer sind die „Presser“ und jene, die den Ballverlust verbuchen, während die Mittelfeldspieler entweder die Bälle abfangen oder in die Zweikämpfe gehen. Aus graphischen Gründen habe ich übrigens die Werte mit 100 multipliziert.

Zweikampfkompetenz des Mittelfelds

Zweikampfkompetenz des Mittelfelds

Kaum überraschend: Gündogan und Co. sind in den direkten Zweikämpfen stärker als Busquets und Partner, während die Bayern klar am stärksten sind. Diese eindeutige Überlegenheit führe ich unter anderem auf das gute Gegenpressing und die Zugriffsorientierung zurück. Die Bayern kommen nicht nur öfter, sondern besser in die Zweikämpfe, die Katalanen hingegen überaus selten und oftmals in misslicherer Lage.

Pressingkompetenz des Mittelfelds

Pressingkompetenz des Mittelfelds

In der Pressingkompetenz zeigen sich aber die Vorteile der Spielweise des FC Barcelona.

Mit 174,37 sind sie sehr weit an der Spitze, während Dortmund mit 86,10 den zweiten Platz belegt. Auffällig ist hierbei, dass die Bayern mit ihrer herausragenden Defensive weiter hinten sind. Leicht erklärbar durch die andere Spielweise: die Münchner sammeln weniger lose Bälle auf, unterbrechen weniger Pässe und gewinnen stattdessen die deswegen provozierten Zweikämpfe. Gleichzeitig ist die Stabilität für die Defensive größer und die Chancenqualität für den Gegner geringer, falls er sich aus dem Gegenpressing herauswinden kann.

Noch was?

Nicht viel. Die Übergänge sind fließend, weil die jeweiligen Mannschaften und insbesondere die Spieler sich natürlich situativ anpassen und anpassen sollen; es geht viel mehr um eine generelle Orientierung in vielen Aktionen der Mehrzahl der Spieler. Man soll das ebenso wenig verwechseln, wie Gegenpressing mit normalem Pressing, wie es leider so oft geschieht. Das Gegenpressing ist die unmittelbare und sofortige Arbeit gegen den Ball nach einem Ballverlust vom Kollektiv, während das Pressing die grundlegende Arbeit gegen den Ball aus der Formation heraus ist.

Frank 12. Januar 2014 um 12:25

Wieso ist das passwegorientierte Gegenpressing deutlich effektiver als das raumorientierte? Oder ist diese Tatsache des engmaschigeren Pressings des FC Barcelona geschuldet?

Antworten

Zagłębie rules 13. Januar 2014 um 18:43

Mal sehen ob ich es verstanden habe. Weil man zusätzlich noch mit seinem Deckungsschatten arbeiten kann und damit vermutlich zusätzliche Räume abdecken kann; was umgekehrt etwas schwieriger sein sollte.

Antworten

CF 11. Januar 2013 um 23:42

Eure neuen Artikel sind echt Super. Ich habe nur eine Frage und zwar welche ist eurer Meinung nach das schwierigste Gegenpressing? Also welches ist am schwierigsten zu trainieren und anzuwenden.

Antworten

blub 12. Januar 2013 um 00:58

Passweg orientiert sollte am schwersten sein.
Hier sind die variablen im Prinzip alle Spieler im näheren Umfeld des Balles, weil es geht um die Passwege der ballbesitzenden Mannschaft und die spieler der Pressenden diese Passwege zustellen wollen. All das muss jeder Pressende Spieler in relation setzten. das ist relativ einfach wenn alles Formationsgetreu ist, aber da kann man richtig reinfallen wenns chaotisch wird. Macht einer einen Fehler war alles umsonst. Wenn mans tarkes direktspiel verteidigt wirds noch schwerer.

Das kommt aber immer auf die Denke der anwendenden Spieler an.
Manche Spieler denken sehr stark in bezug auf Räume, denen fällt sowas leicht, andere sind stärker wenn sie sich direkt am Gegenspieler orrientieren können.

Jedes Pressing wird aber schwer wenn man erstmal 2 Schritte vorausdenken muss, weil man nicht alle optionen gleichzeit zu bekommt(z.B. wegen weiter Formation). Dann müssen u.U. schon Spieler angelaufen werden die im moment des Ballbesitzwechsels noch garnicht anspielbar sind.

Antworten

tactic_addicted 11. Januar 2013 um 09:09

Hallo,

ich habe mich schon beim Artikel zur Raum- und Manndeckung gefragt, ob die von euch gewählten Begriffe wie “optionsorientierte” Manndeckung oder “spielraumorientiertes Gegenpressing” als anerkannte Fachbegriffe existieren, oder ob sie von euch stammen.
Sollte letzteres der Fall sein, dann wäre es gut, das hervorzuheben. Einerseits, um eure Leistung beim Finden dieser Strukturen deutlich zu machen, andererseits, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man hier über Lehrbuchwissen redet.

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GH 11. Januar 2013 um 00:50

Sehr guter Artikel!

Trotzdem hab ich eine Frage:
Wenn die Blaue Mannschaft öfters hohe Bälle nach vorne spielt, dann ist doch das Gegenpressing sinnlos?!
Weil dann wird der hohe Ball abgelegt und ist im völlig freien raum mit einem 5-3 Überzahlverhältnis?
Im Bereich hinter der blauen Reihe ist völlig freier Raum wenn die roten nach vorne pressen?
Es gibt keine Absicherung?
Oder liege ich mit dieser Überlegung komplett falsch?

Antworten

MR 11. Januar 2013 um 10:20

Das funktioniert erstmal nur, wenn
- die blauen Mittelfeldspieler schnell genug umschalten, um den Raum auch zu nutzen.
- der Balllführende unter dem hohen Druck und dem Chaos der ungeordneten Situation auch den Stürmer findet.
- der Stürmer den Ball gegen die drei roten Spieler auch behaupten kann.

Erfahrungsgemäß kommt in so einer Situation oft der Befreiungsschlag nach außen, wo der linke Verteidiger ihn aufsammeln kann.

Und selbst, wenn der Stürmer den Ball ablegen kann, dann hat Rot
- drei Verteidiger, die auf den abgelegten Ball nachrücken können
- nur ca. 10 bis 15 Meter Abstand der Mittelfeldspieler von ihren Positionen (wenn der Spielzug nur drei, vier Sekunden gebremst werden kann, können sie schon nachgerückt sein)
- den Vorteil, dass der Ball in der Luft ist, wodurch er schwerer zu kontrollieren und länger unterwegs ist (was auch das Nachrücken erleichtert)
- die Möglichkeit, den langen Ball und die blauen Umschaltbewegungen zu antizpieren. Wenn sich das blaue MF im ersten Moment nach vorne bewegt, dann wird das rote MF natürlich auch tiefere Positionen einnehmen.

Daher ist es sehr schwer, das tatsächlich so aufzulösen und selbst dann bekommt man zumindest keine Kontrolle in die Situation.

Potentiell ist das aber natürlich eine Lösung. Daher sind ja zB auch Lewandowski und Kießling so wichtig im Umschaltspiel ihrer Teams. Wenn Dortmund beispielsweise an den Strafraum zurückgedrängt ist, dann hält Lewandowski nicht mehr die Kompaktheit, sondern bleibt hoch stehen um lange Bälle zu behaupten, oft geht er dabei auch nach außen. Das Tor zur Meisterschaft vergangene Saison (das 2:0 gegen Gladbach) war ein gutes Beispiel oder auch das erste Tor der letzten Saison (1:0 gegen Hamburg).

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RM 11. Januar 2013 um 11:21

Bzgl. Absicherung noch etwas von mir: Das Gegenpressing ermöglicht in gewisser Weise generell auch ein Spiel mit weniger Absicherung.

Antworten

Rasengrün 11. Januar 2013 um 12:19

Außerdem kommt noch dazu, dass man im aggressiven Gegenpressing zur Not immer auch mit relativ geringer Kartengefahr ein taktisches Foul spielen kann. Macht selbst Barca ja häufig genug. Nur die wenigstens Schiris warten bei unkontrolliert wirkenden langen Bällen da überhaupt ab, ob sich ein Vorteil entwickelt. Dreckig, jaja, aber nichtsdestotrotz in meinen Augen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

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GH 11. Januar 2013 um 14:07

Erstmal danke für die Antwort. Habs soweit verstanden.

Aber folgert nicht daraus gleichzeitig ein Problem für Barcelona? Denn wenn man die früh presst, auch wenn sie natürlich Pressingresistenz hoch 10 haben, könnte das doch eigentlich ein adäqutes Mittel sein.?

Antworten

MR 11. Januar 2013 um 14:11

Ist es doch auch, funktioniert ja regelmäßig ziemlich gut. Das ist halt nur schwierig über 90 Minuten durchzuhalten, da Barca ja auch hoch presst und daher quasi jeder Gegner geringeren Ballbesitz hat. So muss Barca den Kräfteverschleiß weniger lang durchhalten und kann daher konstanter und/oder intensiver pressen.

Antworten

Robert 6. Januar 2013 um 14:39

Danke für diesen Artikel!

Ich finde aber, dass die Statistiken ein wenig transparenter und klarer sein sollten. Oft fehlen hier Achsenbeschriftungen oder Erläuterungen zu den Begriffen(Pressingkompetenz, Zweikampfkompetenz). Man versteht diese Dinge zwar, aber wenn man nicht weiß, wie sie sich zusammensetzen, sind sie weniger wertvoll.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass oft weniger mehr ist: Wenige sehr aussagekräftige Statistik(graphiken) als viele, die dann passend zurechtgelegt werden müssen.
Und zu guter Letzt, warum muss man die Werte aus graphischen Gründen mal 10 nehmen, wenn man genauso die X-Achsen Beschriftung durch 10 teilen kann?

Gruß, Robert

Antworten

RM 6. Januar 2013 um 14:55

Die Statistiken kommen im Neustädter-Artikel schon vor und werden aus der oberen Datenbank berechnet. Abgefangene Pässe, Befreiungsschläge, etc. kommen in eine Rubrik, die “Defensivaktionen pro 90min” heißt. Dort werden Aspekte wie “ausgespielt worden” abgezogen oder Befreiungsschläge, weil die in 50:50-Bällen durch die Zahl Zwei geteilt. Daraus entsteht eine Erfolgsquote, mit der die absolute Zahl mehrfach multipliziert wird, hinzu kommt das Multiplizieren mit dem mannschaftlichen Ballbesitz.

Gleiches wird bei der Zweikampfkompetenz gemacht, nur eben mit der absoluten Zahl der reinen Zweikämpfe (ohne abgef. Pässe, etc.) und ergibt dann einen anderen Wert.

0,49 klingt einfach blöder als 49. Und wie kann ich die Beschriftung durch 10 teilen?

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mischl 5. Januar 2013 um 16:41

Toller Artikel
Bei der Statistik, welche Formeln liegen zugrunde?
und bei den gifs denke ich mir manchmal, das wäre angenehmer mit Buttons, das man sich zwischen den einzelnen Bildern selbst durchklicken kann

Antworten

RM 5. Januar 2013 um 17:19

Danke!
Pressingkompetenz: lose Bälle, Passunterbrechungen, etc. sowie die “Erfolgsquote” (also abzüglich Aspekten wie Ausgespielt worden, usw. usf.) werden miteinander multipliziert und mit dem Ballbesitz der Mannschaft in Relation gestellt. Bei der Zweikampfkompetenz das gleiche, nur eben mit Zweikämpfen, Laufduellen und der daraus resultierenden Zweikampfquote.

Das kann ich leider technisch nicht umsetzen, da fehlt’s an Knowhow. Wenn jemand mehr weiß, immer her mit der Info.

Antworten

TW 5. Januar 2013 um 17:23

Sprache ist leider immer etwas ungenau. Eine Formelsammlung (z.B. Pressingkompetenz PK = AP + (GZ/ZG) mit AP abgefangene Pässe, GZ gewonne Zweikämpfe, ZG Zweikämpfe gesamt) für die hier generierten Features wäre wirklich super. Diese sollten am besten im oberen Menü verankert werden, damit nicht immer wieder den Artikel suchen muss.

Antworten

Billy 7. Januar 2013 um 09:59

Vielleicht auch statt eines gifs mit drei Bildern einfach die drei Bilder nebeneinander abbilden? Bei mir im Browser steht das Bild sowieso in einer eigenen Zeile, also zwischen dem Text, da würden zwei Bilder mehr nichts mehr ausmachen.

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Gündogan3452 5. Januar 2013 um 02:22

Sehr interessant. Aber ich habe den Unterschied zwischen Spielrau- und Passwegorientierem Gegenpressing nicht ganz verstanden.

“Dadurch kann man ihn beispielsweise Richtung Außen lenken und gezielt im Gegenpressing den Ball abnehmen oder aufgrund des zugestellten Raumes immer näher rücken und den Ball klassisch erobern.”

Ist das denn auch nicht Passwegorientert? Man öffnet Passwege in günstigere Regionen und schließt die zu den Ungünstigen.

Im Moment verstehe ich die Szenarien so, dass es beim Zugriffsorientieren-GP. darum geht den Gegner in Zweikämpfe zu bringen, beim Spielraumorientierten-GP. der Gegner nicht in mehr in der Lage sein soll kontrolliertes Passspiel betreiben zu können und man sozusagen “Herr des Chaos” ist, während beim Passwegorientierten-GP gezielt(!) Pässe abfängt. Habe ich das grundsätzlich richtig verstanden oder wie ist es richtig?

Antworten

Nifan 5. Januar 2013 um 01:39

Toller Artikel!

Mich würde jetzt mal interessieren, inwieweit man solche Taktiken auch auf Amateurniveau nutzen kann!? Es fehlt wahrscheinlich die Ausdauer dafür, die entsprechende Taktik müsste doch einstudierbar sein?

Antworten

MR 5. Januar 2013 um 02:48

Gegenpressing ist wesentlich kräfteschonender als die langen Wege nach hinten laufen, das kann kein Problem sein. Da auf Amateurniveau normalerweise die Spieler wenig pressingresistent sind und es keine festen Strukturen im Umschaltspiel gibt, ist ein kollektives Gegenpressing m.E. gerade auf niedrigem Niveau extremst effizient.

Fun Fact: Ich hab letztens mal eine Privataufnahme eines B-Jugend-Spiels von mir gefunden (Stadtliga). Da hab ich ein Tor geschossen, welches von meinen Mitspielern durch einen Ballgewinn im Gegenpressing eingeleitet wurde. ;)

In Form des bekannten “Nachsetzens” ist Gegenpressing ja nichts neues, die Herausforderung ist nur, das zuverlässig, kollektiv (!!!) und möglichst schnell, bewusst und effektiv durchzuführen.

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King_Cesc 5. Januar 2013 um 11:57

In meiner Jugendmannschaft wurde es vom Trainer in folgender Reihenfolge eingeführt:
1. Trainingsspiele mit verschiedenen Vorgaben allerdings immer bei Ballverlust mit “Druck” reingeschreie.
2. In den Freundschaftspielen klare Anordnung wie die Positionen besetzt werden sollen, und wie dadurch bei Ballverlusten reagiert wird.

Also: 4-3-3
- ballferner Stürmer sollte sich schräg in die Mitte fallen lassen
- ein Stürmer attackiert den Ball
- der andere Stürmer stellt zu
- 3er Mittelfeldreihe schiebt nach vorne, wobei der ballferne eher in die Mitte schiebt und dadurch eine 1-2 Stellung erzeugt wird

Ich muss sagen es hat dann immer besser funktioniert, da die meisten Verteidiger in dieser Spielklasse technisch limitiert sind wie MR bereits erwähnte. Ich weiß allerdings nicht ob diese Art des erlernes vielleicht zu simpel ist.

Antworten

Burrinho 5. Januar 2013 um 12:07

@King_Cesc
Wenn man aus dieser klaren 4-3-3 Ordnung raus agiert, ist es ja kein Gegenpressing, sondern hört sich stark nach “normalem” Pressing an, oder?
____
Ich glaube auch, dass Gegenpressing im Amateurbereich super effektiv ist, einfach weil die Fähigkeiten fehlen, sich aus der Enge zu befreien. Dafür muss dieses aber garnicht so extrem sein. Ich denke, ein individuelles Gegenpressing desjenigen, der den Ball verloren hat, unterstützt durch einige Spieler im “spielraumorientierten Gegenpressing”, wäre am effektivsten.
Im normalfall wird sich ja sowieso mit langen Bällen befreit..

Antworten

King_Cesc 5. Januar 2013 um 13:19

Doch ich mein schon das Gegenpressing, allerdings wurde es zu beginn versucht aus den Positionen heraus zu spielen. In den Angriffen wurden die Positionen möglichst ständig besetzt. Nach und nach wurde dann das Angriffsspiel variabler und trotzdem wusste jeder was er im Falle eines Ballverlustes zu tun hatte.

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RM 5. Januar 2013 um 14:26

Wie habt ihr das gemacht? Gegenpressing aus fixen Positionen heraus = absichtliche und geplante Ballverluste?

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AP 5. Januar 2013 um 14:40

Interessant. Ich mache das mit meiner Mannschaft auch, dass wir (2 Beispiele), bewusst einen Ball auch fast ins Seitenaus nahe Eckfahne spielen, um sofort nachzuschieben oder der gegnerische AV
wird bewusst, meist mit einem diagonalen Ball, “kompliziert” angespielt und wir üben wieder Gegenpressing aus…

Habe ich mal bei Fener durch Alex so gesehen. Wobei die den Ball ins Aus spielen und zustellen, was ja auch bei uns vorkommt.

Ähnliche Story beim Einwurf. Da man aus einer Unterzahl agiert, kann man auch hier bewusst den Ball so einwerfen, dass die Aktion das Gegenpressing ermöglicht oder wir stehen schon so im Raum, dass die zweiten Bälle uns sind…

Antworten

King_Cesc 5. Januar 2013 um 20:28

Immer wichtig: Es war in der Vorbereitung

-in Ballbesitz wurde jede Position klar besetzt
-starkes Flügelspiel mit offensiven AV
-nicht wirklich auf eigene Tore gespielt sondern auf Ballverluste nahe am gegnerischen 16ner
-> Ballgewinne weit in der gegnerischen Hälfte

Wir haben auch teilweise hohe Bälle zur Eckfahne gespielt, nur um nachzuschieben.

Ist die Idee echt so besonders? Hab ich anscheinend echt nen innovativen Trainer :D

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HSV 5. Januar 2013 um 01:24

Super artikel!!!:) nur eine kleine nachfrage. Um ein erfolgreiches gegenpressing spielen zu können, müssen die angreifer engzusammenstehen um direkt zugreifen und druck ausübenzukönnen.( wie im artikel beschrieben) Wie bekomme ich denn jetzt als angreifende mannschaft genügend breite in das spiel, um eine torchance bekommen zu können, weil wenn alle meine stürmen auf einem haufen stehen, verliere ich den ball und das gegenpressing schnappt zu, aber es ist ja nicht das ursprüngliche ziel den ball zuverlieren, sondern direkt den weg zum tor zu finden.

Antworten

Baller 5. Januar 2013 um 02:59

@HSV
Das müsste dadurch gehen dass, wie z.B. bei Barca, die Außenstürmer zwar(mal mehr, mal weniger) einrücken und auch sonst das Zentrum sehr dichtbesetzt ist, es aber immer mindestens 1 Spieler auf jeder Seite gibt, der ganz außen steht und für breite sorgt.
Normalerweis sind das die Av.
Auch bei Dortmund kann man das gut beobachten, wo Reuß und Kuba oder Großkreutz normalerweise einrücken, um zu kombinieren und im Falle eines Ballverlustes gegenpressen können, während Piszczeck und Schmelzer vorstoße und nahe an der Außenlinie sind.

Antworten

TW 5. Januar 2013 um 15:03

Aktuell wird die Verwaisung der Außen aber auch immer häufiger temporär in Kauf genommen. Dabei wird darauf gesetzt, dass der Gegner sich in der Folge ebenfalls horizontal kompakt formiert und die AV dann dynamisch in die offenen Räume vorstossen können. Das Vorgehen kombiniert somit mehrere Vorteile
- steht der Gegner noch breit hat man beim Gegenpressing Vorteile
- zieht er sich zusammen, so kann man mit dynamischen Vorstössen extreme Gefahr erzeugen.

Bei Thomas Tuchels Auftritt im Sportstudio wurde dieses als Mittel von Mainz in der Taktikanalyse diskutiert.

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Kaiser-Hummels 5. Januar 2013 um 00:52

Zu den Vorbereitungen von Gegenpressing-Situationen:

Was haltet ihr davon, wenn man bei eigenen Einwürfen die Ballseite überflutet, weit in die Hälfte des Gegners wirft und sich voll und ganz auf den zweiten Ball konzentriert? Man kann sich in diesem Raum durch die hohe Anzahl an Spielern auch besser herauskombinieren. Vor allem kann man in diesem Raum allerdings sehr viel Druck ausüben.

Antworten

Kaiser-Hummels 4. Januar 2013 um 23:50

Ich bin beeindruckt! Ihr leistet echt klasse Arbeit!
Ich frag mich, ob es nicht auch einige Trainer der Bundesligavereine gibt, die eure Seite das ein oder andere Mal anklicken ;)

Ich fänd es noch klasse, wenn ihr auch Videos verlinken würdet, auf denen man die verschiedenen Gegenpressingmodelle sehen kann. Das wäre vor allem auch für ambitionierte Amateurtrainer interessant, um die Taktikschulung greiflicher zu machen.

Ansonsten: Bitte mehr davon!!!

Antworten

RM 5. Januar 2013 um 00:00

Wäre schön, wenn es solche Videos gibt, dann könnten wir das. Leider gibt es sowas, zumindest in der Masse und bei so spezifischen Sachen, nicht.

Und ja, es kommmt was, wenn ich Zeit und Lust habe (oder die anderen). Immer mit der Ruhe =)

Antworten

AK 4. Januar 2013 um 21:25

Schöner Artikel!
Ich lese seit ca. 2 Jahren begeistert eure Artikel, vor allem die Spielanalysen, aber die neuen allgemeinen Artikel finde ich fast noch interessanter, weil mir persönlich vor allem im Gegenpressing die unterschiedlichen Vorgehensweisen nicht bewusst waren.
Außerdem kann man diese allgemeine Artikel besser auf die Spielweise der eigenen Mannschaft übertragen.

Auch sehr interessant finde ich, wie ihr in letzter Zeit eure taktischen Schlüsse statistisch belegt. Finde es so interessanter als reine Statistikartikel, bei denen ich als Statistik-Laie teilweise etwas zu kämpfen hatte. Ich fände eventuell eine Art Statistik-Lexikon hilfreich in dem ihr Begriffe wie bsp. “Pressingkompetenz” samt mathematischer Formel erläutert.

Danke, macht weiter so!

Antworten

Leser 5. Januar 2013 um 16:18

1. Stimme ich meinem Vorredner zu. Ihr lasst die beiden deutschen Sportzeitschriften mit den großen, roten Buchstaben mit heruntergelassenen Hosen stehen.
2. Ich bin so dankbar für die aussagekräftigen Statistiken. Mir geht diese Pseudo-Statistiken tierisch auf die Nerven: “der Mann hat 5 Tore in den letzten 7 Auswärtsspielen in Stadion mit einem Rang und Rasenheizung geschossen!” – Hurra!
3. In der ersten Bildbeschreibung hat sich ein unerlaubtes Fugen-s eingeschlichen (zwischen “spielraum” und “orientiertes”). Und, wenn Du schon beim korrigieren bist, würde ich darüber nachdenken, die bei allen Bezeichnungen wegzulassen. Ich weiß nicht wie das grammatikalisch geregelt ist, aber “passwegorientiertes Gegenpressing” klingt fast gediegener. Imho
4. Großes, sehr großes, übergroßes Lob!

Antworten

El Entrenador 7. Januar 2013 um 11:26

Die Zeitschriften mit den großen und roten Buchstaben
haben auch einfach eine andere Zielgruppe :-) Das darf
man nicht vergessen. Die wäre völlig überfordert und die
Zeitschriften würden über kurz oder lang in den Regalen
verstauben. Ach ja: auch von mir das Kompliment an RM!

Antworten

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