1. FC Nürnberg – 1. FC Köln 2:1

Grundformationen

Im fünften Rückrundenspiel setzt es für den 1. FC Köln die vierte Niederlage.

Beide Mannschaften hatten am vergangenen Wochenende jeweils eine unschöne Partie gespielt – das Duell der Franken gegen die Augsburger war alles andere als ein schön anzuschauendes Fußballspiel, während die Kölner gegen den HSV erneut vor allem spielerisch nicht zu überzeugen wussten.

An der Ausrichtung dieses HSV orientiert schien Nürnberg-Trainer Hecking seine Mannschaft spielen lassen zu wollen, indem er ein sehr starkes Flügelspiel mit offensiven und weit aufrückenden Außenverteidiger praktizieren ließ. Dafür ließ sich gelegentlich Timmy Simons aus dem Mittelfeld nach hinten fallen.

Die Außenbahnen: Nürnberg mit Druck, Köln mit Fehlern

Gerade auf der rechten Seite machten der aufrückende Feulner sowie der im rechten Mittelfeld spielende Chandler viel Druck und schlugen anschließend Flanken (insgesamt 30) in den Kölner Strafraum, wo Hecking die Verunsicherung der beiden Innenverteidiger ausnutzen wollte. Und in der Tat sollte sich diese Strategie am Ende bezahlt machen – der Siegtreffer entsprang einem Flankenball auf Pekhart, der sich gegen Geromel (50 % gewonnene Luftzweikämpfe, McKenna gar nur 40 %) durchsetzte.

Interessant war, dass die beiden Flügelspieler auf der Nürnberger rechten Seite oftmals gar rochierten und die Positionen tauschten, was die Kölner durchaus zu verwirren schien und zu veränderten Angriffsmustern führte, da Chandler der dynamischere, Feulner aber der effektivere und genauere Spielertyp war. Hinter den beiden sicherte Balitsch auf halbrechts ab, machte dabei einen sehr guten Eindruck und räumte mit aggressiver und giftiger Spielweise viel ab, wobei er sich gelegentlich auch mit nach vorne einschaltete und auf dem rechten Flügel Köln zusätzlich zurück drückte und einschnürte.

Auf der anderen Seite sahen die Angriffspläne der Hausherren etwas anders aus. Sie waren hauptsächlich auf den inversen Flügelstürmer Alexander Esswein ausgerichtet, der diesmal wieder von Beginn an spielen durfte. Dass das Kölner System unter Solbakken gegen dribbelstarke Außenspieler durchaus anfällig sein kann, wurde bereits in einigen Spielen, wie beim 0:3 in Berlin, offen gelegt – und genau das machten sich die Nürnberger zunutze. Immer wieder setzte der junge Esswein zum Dribbling an, während Hlousek situativ für Breite sorgte oder absicherte und sich Hegeler als Doppelpass-Partner anbot. Zwar war das 1:0 ein Treffer nach einer Standardsituation, doch auch hier kam Esswein mehrfach im Rückraum zum Schuss (vielleicht aufgrund der Kölner Angst vor Kopfballgegentoren).

Bedingt wurde der Raum für Esswein im laufenden Spiel auch dadurch, dass Köln zu viel Platz vor den Außenverteidigern bot, weil die Außenspieler des Mittelfelds entweder zu weit innen oder in der Höhe zu weit davon entfernt standen. Dies war gerade bei Umschaltsituationen für Nürnberg durch das fehlende Nachschieben der Außenverteidiger zu erkennen und gab Esswein, aber auch dem mit ihm kombinierenden Hegeler bzw. Didavi, der dies nahtlos fortsetzte, viel Platz zum Spielen – beim 2:1, bei Didavis Pfostentreffer und Pekharts Lattenschuss war dies in der Entstehung ein essentieller Faktor.

Große Probleme im Aufbauspiel beim FC

In der Offensive war das größte Problem der Domstädter erneut die fehlende Spielstärke, wozu die individuelle Qualität der Mannschaft ebenfalls ihren Teil beiträgt. Zwar waren die Innenverteidiger verglichen mit dem letzten Spiel deutlich sicherer und versuchten ein konstruktives Aufbauspiel ins Zirkulieren zu bringen, doch letztlich landete der Ball doch wieder bei ihnen, weil keine gute Verbindung nach vorne bestand, die Außenverteidiger zögerlich und erst spät aufrückten, Riether und Lanig sich teilweise die Räume gegenseitig blockierten, Jajalo keinen guten Tag hatte und insbesondere Peszko eine ganz schwache Leistung zeigte.

So musste man notgedrungen doch wieder zu oft zum langen Ball zurückgreifen, der diesmal allerdings kaum Aussicht auf Erfolge hatte. Zum einen ist Novakovic nicht der geborene Stürmer, um hohe Zuspiele mit Robustheit zu sichern und abzulegen, zum anderen nicht gegen Maroh und Wollscheid. Vor allem Letzterer verteidigte die weiten Bälle hervorragend und konnte alle 12 seiner defensiven Kopfballduelle für sich entscheiden.

Roshis Einwechslung sorgt für Belebung

Erfreulich war bei den Geißböcken dann die Einwechslung von Odise Roshi, der nach einer guten Stunde für den schwachen Peszko kam. Der Albaner ging auf die rechte Seite, Riether ins Zentrum, Jajalo dafür weiter nach vorne, wo er einige ordentliche Schussversuche verbuchte, worauf Nürnberg nicht ganz eingestellt zu sein schien, da sich Peszko oftmals eher nach außen orientiert hatte.

Schon in der ersten Hälfte war auffällig gewesen, dass Clemens von der linken Seite immer wieder auch auf dem anderen Flügel auftauchte, um hier eine Überzahl zu bilden oder zusätzliche Anspieloptionen zu generieren. In der besten Saisonphase der Kölner war dies ein integraler Bestandteil des Angriffsspiels gewesen, fand sich aber zuletzt kaum mehr in ihrem Repertoire wieder. Hier war es zunächst wenig effektiv, da Clemens die richtige Umgebung fehlte, doch gerade durch die Einwechslung Roshis konnte die Dynamik dieser Maßnahme voll zum Tragen sorgen und brachte den Schwung, der die Kölner in dieser starken Phase maßgeblich pushte und auch den Ausgleich durch Novakovic nach einem Spielzug über Clemens und Roshi auf halbrechts vorbereitete.

Fazit

Nürnberg spielte stark über die Flügel und nutzte damit genau die Schwachstellen der Kölner aus: Der große Raum zwischen Außenverteidiger und äußerem Mittelfeldspieler, das fehlende Doppeln gegen die Außenstürmer, die Probleme der Innenverteidiger bei Hereingaben und die Passivität im Defensivspiel, so dass man bei Dribblings „eskortiert“, aber nicht direkt attackiert wird, und viel Zeit zum Vorbereiten der Flanke hat.

Wie schon letzte Woche ließen die Kölner ein konstruktives Angriffsspiel vermissen, was auch auf die vorhandene Klasse sowie die derzeitige Form vieler Spieler zurückzuführen ist. Für Solbakken gibt es keine passenden Außenverteidiger, die Verbindung nach vorne ist quasi inexistent und so kommen immer wieder lange Bälle, die heute aber zum Scheitern verurteilt waren.

So muss man von einem sehr verdienten Heimsieg für den 1. FC Nürnberg sprechen. Ein großes Lob sei noch an die phänomenale Laufleistung des Clubs gerichtet: 10,2 km intensive Läufe, 228 Sprints, 125,8 km Gesamtdistanz und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,6 km/h zeugen von einer beherzten und aufopferungsvollen Vorstellung, für die man sich letztlich selbst belohnte.

daniel 19. Februar 2012 um 00:46

Eine kurze Anmerkung: im letzten Satz soll es sicher nicht Höchstgeschwindigkeit von 7km/h heißen – welche Angabe ist das wirklich?

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philip 19. Februar 2012 um 01:34

Denke, dass damit die mittlere maximale Geschwindigkeit gemeint ist, die der Club hatte. Bzw. dass in dieser bestimmten Situation, das Team im Durchschnitt 7km/h drauf hatte. Incl. Schäfer usw.

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TR 19. Februar 2012 um 08:43

Argh, falsches Wort. Du hast Recht, es muss natürlich „Durchschnittsgeschwindigkeit“ heißen, das werde ich korrigieren. Die Daten sind übrigens von bundesliga.de:
http://www.bundesliga.de/de/liga/matches/2011/index.php?bmi=130411&reiter=a&tag=22 (–>Teamstatistik –> Tracking)

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MR 19. Februar 2012 um 10:55

Der Wert ist übrigens ziemlich nutzlos, weil der offenbar einfach = Gesamtdistanz / 11 / 90 * 60 ist. Ist also nur die Distanz von 11 Spielern über 90 Minuten auf einen Spieler über 60 Minuten runtergerechnet, nicht mal die Nachspielzeit oder die effektive Spielzeit sind dabei berücksichtigt.

Von daher effektiv genau die gleiche Information. Nächstes Mal rauslassen, Kollege. 😉

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Leperon 19. Februar 2012 um 13:08

Naja, es ist halt ein Mittelwert über alle Feldspieler und die komplette Spielzeit. Und wenn man in diesem Mittelwert eine Differenz von 0.5 km/h erzeugen kann dann ist das schon eine Leistung. Grade dadurch entsteht für mich die Wertschätzung dieses Wertes, da man ja eigentlich denken würde das sich da beide auf ein Niveau einpendeln. Dazu muss man das ganze natürlich mit der Anzahl an Sprints und intensiven Läufen in Zusammenhang bringen.

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MR 19. Februar 2012 um 17:57

Nee, die muss man eben nicht in Zusammenhang bringen. Geschwindigkeit ist einfach nur Weg pro Zeit. Die 125,8 Kilometer in 1,5 Stunden sind da einfach auf 1 Stunde heruntergerechnet, was dann 83,9 Kilometer in einer Stunde sind. Das erlaufen die Spieler ja gemeinsam. Das wird dann also noch auf 11 Spieler aufgeteilt, was dann 83,9 / 11 = 7,6 Kilometer sind. Ein Spieler ist im Durchschnitt in einer Stunde 7,6 Kilometer gelaufen.

„Mehr“ Laufen und „Schneller“ Laufen ist also bei diesem Wert genau das gleiche. Sogar das selbe. Daher ist es irreführend beide Werte zu nennen und einen als Weg und den anderen als Geschwindigkeit zu verkaufen, beides ist einfach nur der Weg.

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