FSV Mainz 05 – SV Werder Bremen 1:3

Nach leichten Startproblemen zeigte Mainz eine gute Leistung, konnte sie aber gegen effektivere Bremer nicht in Punkte ummünzen.

Werder trat nach dem etwas enttäuschenden Remis in Augsburg mit zwei Veränderungen an – Ekici und Prödl für Marin und Wolf. Bei den Mainzern wurden nach dem jüngsten 0:0 bei der Hertha Malli, Choupo-Moting und Ujah für Ivanschitz, Allagui und Müller gebracht.

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Bremen nutzt defensive und offensive Vorteile der Raute

Eine an dieser Stelle zuletzt immer wieder genutzte Zahlenkombination war das 4-1-3-1-1 – eine Formation, welche für Defensivstärke steht und zum Erfolg vieler Teams beiträgt. Die Raute, welche von Werder Bremen in dieser Saison verwendet wird, kommt bei richtiger Anwendung dem 4-1-3-1-1 sehr nahe.

Somit konnten sich die Bremer in diesem Spiel diesem Vorteil bedienen. Sie überließen den Mainzern das Spielgerät, machten im Mittelfeld die Räume eng und verschoben diszipliniert. Ignjovski stand zumeist etwas tiefer als die Dreierreihe vor ihm, so dass man zum einen die drei offensiven Spieler der Mainzer durch eine kompakte Reihe und einen weiteren Spieler dazwischen von den Kollegen abtrennte und auf den Außen die Wege nach vorne oder ins Zentrum versperrte. Gelegentlich mischten sich auch Ansätze eines 4-4-2 dazwischen, wenn Ekici sich tiefer fallen ließ und auf die Außen ging, doch meistens funktionierte es ganz gut und bis auf einige Ausnahmen, in denen die Mainzer in den Schnittstellen der beiden wechselnden Formationen – ein Mittel, was bspw. Kaiserslautern diese Spielzeit zeigte – Raum fanden (was allerdings schon Ansätze der späteren Mainzer Überlegenheit zeigte), standen die Bremer recht sicher. Folglich kam Mainz kaum ins letzte Drittel oder zu Torchancen.

Diese spielten auch in einem 4-3-1-2, wechselten bei gegnerischem Ballbesitz aber zu einem flachen 4-4-2 mit seinen zwei kompakten Viererreihen über – deutlicher und klarer als die Bremer. Dabei attackierten sie diese früh, um ihre schnellen Angriffe und die Fluidität der Raute, welche die Grün-Weißen diese Saison bisher auszeichneten, möglichst im Keim zu ersticken. Ohne die fehlenden Marin und Arnautovic waren diese Rochaden nicht so ausgeprägt, doch in dieser Situation kam den Werderanern genau das zugute – man kombinierte sich durch die vielen Linien der Raute durch das Zentrum, wobei Hunt und Fritz auf den Halbpositionen dynamisch spielten und besonders Ersterer sehr beweglich und viel unterwegs war, und konnten dann bei ihren schnellen Angriffen den Ball zwischen die Linien auf den vorstoßenden Ekici spielen – für Rochaden ist der türkische Nationalspieler nicht unbedingt die Idealbesetzung, doch dafür besticht er durch seine vertikalen Laufwege und seine Technik.

Große Chancen konnte man so allerdings auch nicht heraufbeschwören – zu häufig fehlte die Durchschlagskraft, als die Protagonisten entweder zu lange den Ball hielten, noch einmal das Dribbling suchten oder den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss verpassten und noch geblockt wurden.

Tuchels Umstellungen bringen gute Spielzüge…

Mitte der ersten Halbzeit kam Mainz besser ins Spiel. Auch Thomas Tuchel stellte in der Defensive nun auf eine rautenähnliche Anordnung um und konnte die Gefahr, die die Bremer versprühten, prompt eindämmen, da jene nun deutlich weniger Raum bekamen und sich selbst im Zentrum einengten.

Die Mainzer konnten mit ihrer veränderten Ausrichtung den Spielaufbau der Bremer besser unterbinden und überließen auch diesen häufiger das Leder, um sich selbst Chancen nach Kontern oder einer gelungenen Pressing-Situation zu ermöglichen.

Spürbar besser wurde allerdings nun das Offensivspiel, in welches man den Schwung der Anfangsminuten mitnehmen und nun auch ins letzte Drittel transferieren konnte. Die Außenverteidiger rückten noch einmal deutlich auf und drängten den Gegner nach hinten, waren aber vor allem der Ausgangspunkt für ein nun variableres Spiel über die Flanken.

War ein Mainzer Außenverteidiger in Ballbesitz, hatten die Bremen bisher mit ihrer Defensiv-Anordnung sowie ihrem geschickten Verschieben in vielen Fällen alle Wege nach vorne gut zugestellt. Nun entwickelten die Hausherren Lösungsmöglichkeiten für diese Situationen, welche besonders die beiden Spieler auf den Halbpositionen betrafen, welche sich nun energisch in der Tiefe anboten und die Linie entlang sprinteten.

So konnte entweder Raum im Mittelfeld geschaffen werden, von denen die drei beweglichen Offensivkräfte merklich profitierten und einige schöne Passstafetten starteten, oder der Mittelfeldspieler mit einem hohen/gechippten „Long-Line-Ball“ selbst in aussichtsreiche Position auf dem Flügel gebracht werden. Ersterer Ansatz wurde auf halbrechts mit Caligiuri bevorzugt, Letzterer auf der anderen Seite, wo Soto der Spieler mit den meisten Flanken war. Nicht immer waren solche Anspiele auch von Erfolg gekrönt (Pospech hatte bspw. unter 75 % Passgenauigkeit), doch dann konnte man immerhin mit mehreren Spielern auf Außen, wo der Raum durch die Seitenlinien begrenzt ist, auf den zweiten Ball pressen. Generell wurde das Flügelspiel forciert, weil neben den Außenverteidigern und Halbspielern sich auch Malli, Choupo-Moting und mit Abstrichen Ujha – der Grund, warum Soto stärker auf der Flanke half – sich dort einschalteten.

Besonders herauszuheben ist noch einmal der erst 19jährige Spielmacher der 05er, der sich sehr beweglich zeigte, an Kombinationen teilnahm, gute Entscheidungen traf, sich gut in die Räume bewegte und einige schöne Pässe – verteilende wie tödlich – spielte. Dies mag bisher nicht immer der Fall gewesen sein, kann vor allem in der aktuellen Situation von Malli auch noch nicht erwartet werden.

…aber Pizarro und die rechte Seite Werder den Sieg

Trotz dieser Flexibilität und Bewegung sowie vielen daraus resultierenden Tormöglichkeiten trafen die Mainzer nur einmal nach einer Ecke. Stattdessen waren es die Bremer, die mit ihren schnellen Gegenstößen zunächst ausglichen und dann in der zweiten Halbzeit noch zum Sieg kamen. Mainz nutzte die vielen Chancen nicht und wurde dafür bestraft – auch weil die Bremer ihrerseits wieder Anpassungen vornahmen und damit ebenfalls die Torgefahr erhöhten.

Pizarro wich nun vermehrt auf den rechten Flügel aus, um die eigene Spielanlage auseinander zu ziehen – es lag ihm nicht unbedingt, aber brachte Werder den Ausgleich, als er für eine starke Einzelleistung mit etwas Glück belohnt wurde. Insgesamt spielten die Bremer nun besser über die Flügel und die Außenverteidiger (vor allem Sokratis) und ebenso entscheidend war Aaron Hunt, der nun auf rechts immer häufiger auftauchte, um den Gegner zu überladen. Wie schon zu Anfang verbaute man sich mit  Unzulänglichkeiten und falschen Entscheidungen aber selbst mehr Torchancen.

Kurz nach Wiederanpfiff war es dann die Entschlossenheit Hunts, die zur Führung führte, und später ein Standard, der die Entscheidung brachte. Schon vorher hatte man einige Konterchancen, als Mainz nach vorne geschoben hatte.

Fazit

Mainz steigerte sich nach der Anfangsphase und kam aufgrund ihres Flügelspiels sowie ihrer beweglichen Offensivkombinationen zu immer mehr und besseren Chancen, doch Werder spielte einige gute Gegenstöße und war dabei effektiver.

Während es für Thomas Schaaf ein Befreiungsschlag nach drei sieglosen Spielen ist, wirkte Namensvetter Tuchel nach dem Spiel ungewohnt niedergeschlagen. Nicht zum ersten Mal nutzte man vorne die Chancen nicht, scheiterte daran, konstant den Druck von der etwas unsicheren Abwehr fernzuhalten und brachte eine Führung nicht nach Hause– 9 sieglose Spiele sind das Ergebnis. Man wird gespannt sein, wie sich die Situation in Mainz entwickelt.

Johan Petersen 31. Oktober 2011 um 06:08

Klar. Ich hätte wohl nur den Akzent eher auf die Defizite gesetzt – die ließen nicht vermuten, dass hier eine Mannschaft aus dem Verfolgerfeld auftritt!

Habe mich auch gefragt, ob Mainz nicht am Ende auch die Kraft ausging. Die Einwechslungen von Ivanschitz und Müller verpufften ja auch, während die Umstellungen von Schaaf Werder mit und gegen den Ball mehr Griffigkeit brachten.

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Johan Petersen 30. Oktober 2011 um 16:34

Werder kommt hier viel zu gut weg, gerade im Vergleich zu den bisherigen Spielen. Erst in den letzten zwanzig Minuten fand die Mannschaft zu so etwas wie Ballsicherheit.

Eine kompakte Reihe im Mittelfeld, die die Räume eng gemacht hat, konnte ich auch nicht erkennen. Gegen den Ball war es weder eine Kette, noch eine im Zentrum gestaffelte Raute, so dass Mainz immer wieder vertikale Anspiele auf Soto und auch Malli gelangen.

Antworten

TR 30. Oktober 2011 um 17:41

Es war eine Mischung in der Defensive, doch in den ersten 20 Minuten ca. (darauf bezieht sich der erste Abschnitt auch nur) funktionierte es für meinen Geschmack ganz gut, die Einschränkung mache ich dann ja auch.

Ebenso wie ich „Erst in den letzten zwanzig Minuten fand die Mannschaft zu so etwas wie Ballsicherheit.“ diese Einschätzung auch durchaus teile:
„(…)entweder zu lange den Ball hielten, noch einmal das Dribbling suchten oder den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss verpassten und noch geblockt wurden.“
„(…)Unzulänglichkeiten und falschen Entscheidungen(…)“
Oder nicht?

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