Szenenanalyse: Wie Como Manndeckungen auflösen will – SR
Como ist eine der interessantesten Italienischen Mannschaften. Mit Cesc Fabregas betritt ein junger und talentierter Trainer die Weltbühne, der seine Mannschaft vom Commersee bereits in die Champions League führte. In Deutschland dürfte der 4:1-Sieg gegen RB Leipzig am meisten Aufmerksamkeit erregt haben. Was die Norditaliener auszeichnet ist eine klare Idee im Ballbesitz, welche auch auf Schlüsselspieler zugeschnitten ist. In dieser Szenenanalyse werden anhand des Spiels gegen Frosinone Calcio einige Schlüsselaspekte herausgearbeitet.
Frosinone ist das Überraschungsteams der frühen Serie A Saison. Momentan besetzt der Aufsteiger den 6. Platz in der Tabelle. Dabei setzen sie auf ein konsequentes Mannorientiertes Pressing, auch im tiefen Block, das regelmässig bei Rück- Querpässen ausgelöst wird. Erobern sie den Ball wird sofort umgeschaltet. Offene Räume werden dann so schnell wie möglich besetzt, der Ball wenn nötig auch per Dribbling nach vorne getragen. Diese Konter vor allem über die Tempodribbler Ghedjemis und Kvernadze sind sehr gefährlich.
Dieser mannorientierte Ansatz führte zu einer unterhaltsamen Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Denn die Manndeckung von Frosinone war nicht immer fehlerfrei und Como hatte gute Lösungen parat.
Szenenanalyse
Grundsatz von Como war es, eine Überzahl mit dem Torhüter zu kreieren und diese dann auszuspielen. Es entstand ein asymmetrischer 2-4 Aufbau, mit Butez als rechten „Innenverteidiger“. So wurde Ghedjemis von seinem direkten Gegenspieler, Chalobah, weggezogen, wenn er Butez pressen wollte. Butez fand Chalobah und Ghedjemis lief ihn seitlich an, wodurch dieser vertikal andribbeln könnte oder nach links eine Passoptionen hat. Da Oyono den diagonalen Passweg auf Baturina schliesst, ist sein Abstand zu Valle ziemlich gross. Generell hatte er einen grossen Pressingweg auf Valle, da seine Ausgangsposition vergleichsweise tief war. Sehr wahrscheinlich, um die Tiefe zu sichern. Dadurch konnte Chalobah Valle anspielen und dieser hatte genug Zeit und Raum, um sich aufzudrehen. Oyono sprang zögerlich und langsam auf Valle heraus, wodurch der Linksverteidiger von Como noch mehr Zeit hatte.
Während des Passes von Chalobah kam Da Cunha kurz und zog so Calo mit sich. Zusammen mit dem Pressing von Oyolo wurde der linke Halbraum vertikal auseinandergezogen. Zusätzlich stand die Doppelsechs von Como meistens sehr eng und die Aussenverteidiger, bzw. Breitengeber eher breit. So wurde der Halbraum rein strukturell durch die Mannorientierung auch horizontal geöffnet.

Baturina und Douvikas kommen entgegen. Milla startet in die Tiefe, ist Ablagestation und Raumzieher zugleich.
Baturina und Douvikas kamen im gleichen Moment ebenfalls kurz, und besetzten so den geöffneten Raum. Milla startete mit hoher Geschwindigkeit die Tiefe. Er hat somit eine spannende Doppelfunktion. Zum einen zog er so Ex-Bremer Schmid vom Zentrum weg, sondern bot auch eine dynamische Ablageoption mit offener Stellung für Douvikas und Baturina, falls sie angespielt werden sollten. Durch die Gegenbewegung mit ihnen, bewegt er sich schneller in die Tiefe, ergo kann er sie schneller besetzen. Ausserdem hatte er einen Vorsprung gegenüber Schmid, da er 1. früher loslief und 2. genau dann startete, als Schmid „flat-footed“ war.
Valle konnte wie bereits erwähnt aufgrund des laschen Pressings von Oyono vor dem 1. Kontakt aufdrehen. Er spielte einen technisch anspruchsvollen Diagonalpass mit viel Effet auf Douvikas.
Douvikas konnte den Ball gegen Monterisi mit dem 1. Kontakt behaupten. Auf Milla konnte er nicht ablegen, da er entweder zu langsam in der Ballverarbeitung war, Valles Pass zu langsam war oder Milla zu schnell beziehungsweise zu früh gestartet war. (Die Ursachenanalyse kann manchmal auch unklar bleiben, schlussendlich liegt es an der Präferenz/Philosophie des Betrachters, was nun der Grund hätte sein können.)
Weil Oyono und Calvani lieber in die Grundformation zurückfallen wollten als sie überspielt wurden, und dies sehr langsam taten, hatten Valle und Baturina einen Dynamik und Momentumsvorteil. Sie wurden nicht von ihnen in den Deckungschatten genommen und waren so für Douvikas anspielbar. Der Pass des Griechen war wohl für Baturina gedacht, doch Monteresi störte ihn mit viel Körpereinsatz an einem sauberen Abspiel. (Generell war Monteresi sehr körperlich in dieser Partie). Weil aber das Rückwärtspressing von einigen Frosinone-Akteuren in der Intensität zu wünschen übrig liess, konnte Valle sich den Ball erlaufen.
Millas Tiefenlauf hatte in dieser Szene nicht nur die Funktion, um das Zentrum und den rechten Halbraum aufzuziehen. Es scheint ein Trend zu werden den ballfernen Sechser wegzuziehen, um so den dortigen Raum zu öffnen. Sondern er sollte auch Masini von Nico Paz zu lösen, da er die Tiefe absichern wollte. So hatte der Starspieler von Como sehr viel Raum und Zeit im Zentrum und konnte von Valle gefunden werden. Como konnte so eine künstliche Umschaltsituation erzeugen, mit ihrem Starspieler in einer sehr guten Ausgangslage.
Frosinone war sehr darauf bedacht solche künstlichen Umschaltsituationen zu vermeiden. Insbesondere Douvikas wurde bei seinen Ablagen sehr gestört, was die Aggressivität von Monterisi erklärt. So konnten aussichtsreiche Situationen mittels tatkischen Fouls aufgelöst werden. Für eine so riskante Taktik eines Aufsteigers wie Frosinone ein wichtiges Mittel.
Die Prinzipien von Como lassen sich nun aufgrund dieser Partie wie folgt zusammenfassen:
a) +1 mit Torhüter kreieren.
b) enge und dynamisch kurzkommende Doppelsechs, um Zwischenlinienraum und Halbraum aufzuziehen.
c) diagonale Zuspiele auf Stürmer und dynamische Ablageoption bestehend aus Sechser oder Zehner kreieren, die mit offener Stellung den Ball empfangen können. Vor allem Paz ist in solchen Situationen sehr gefährlich.
Fazit
Trotz guter Anlagen verlor Como mit 2:o gegen den Aufsteiger. Die Norditaliener hatten mühe in der Restverteidigung und den Tempodribblern, die den Raum der von den offensiven Aussenverteidigern Comos konsequent ausnutzten. Beide Teams hatten qualitativ gleich gute Chancen, doch Frosinone hatte einen sehr gut aufgelegten Palmisani zwischen den Pfosten. Er verhinderte 2,55 xGOT (Die Wahrscheinlichkeit von Torschüssen, dass sie ein Tor werden.)
SR ist fasziniert vom Fussball und dessen Funktionsweise. Er will die Mechanismen der schönsten Nebensache der Welt ergründen und ist immer offen für Feedback und Diskussionen.



Keine Kommentare vorhanden Alle anzeigen