Bodo Glimts Lösungen gegen niederländische Manndeckungen – ND
Obwohl Bodø Glimt als Überraschungsmannschaft in der vergangenen CL Saison für Furore sorgte und bis ins Achtelfinale vordringen konnte, wobei sie Spitzenklubs wie Inter, Atlético und City besiegten, müssen sin der CL-Qualifikation antreten. Dort treffen sie auf das von Dick Schreuder trainierte Team von NEC Nijmegen, das in der letzten Saison in der Eredivisie mit seinem extrem offensiven Ansatz für Aufsehen sorgte. Es war somit ein qualitativ hochwertiges Spiel zu erwarten, was schlussendlich auch eintraf. Im ersten Teil dieser Kurzanalyse wird die Herangehensweise von Bodø mit Ball betrachtet.
Bodo Glimt mit dem Ball
Um die Angriffsmechanismen im Detail analysieren zu können, bedarf es zunächst einer grundlegenden Einordnung des gegnerischen Verhaltens gegen den Ball. Die Niederländer agieren verteidigungsphasenübergreifend mit Mannorientierungen und streben im Grundsatz ein möglichst hohes Angriffspressing an, um den gegnerischen Spielaufbau bereits im Keim zu ersticken.
Die Passoptionen des gegnerischen Torhüters werden im Aufbau prinzipiell isoliert und es wird kaum direkter Druck auf den Keeper ausgelöst, stattdessen wartet NEC auf eine konkrete Aktion. Entscheidet sich das Team dennoch für den direkten Zugriff auf den Keeper, erfolgt dies nicht durch ein zentrales Auslösen. Stattdessen rückt der Manndecker eines Innenverteidigers heraus und läuft den Torhüter im Bogenlauf von außen nach innen an.
Lange Bälle als Stilmittel
Nachdem lange Bälle jahrelang „verpönt“ waren, werden sie in der momentanen Mannorientierungs-Meta immer wichtiger und richtig eingesetzt extrem effektiv. Auf diese Weise kann es gelingen effektiv es, in 1gg1 bis 3gg3 Duelle in der letzten Linie zu kommen. Dabei ist eine gute Vorbereitung der langen Bälle vonnöten: Optimalerweise hat der Torwart viel Zeit am Ball und in der letzten Linie werden effektive Dynamiken angewendet. Bodø setzte hierfür auf das Ausweichen des Zielspielers auf die Flügel und Halbspuren, wozu sie unter anderem 2gg2 Dynamiken nutzten:
Hierbei zeigt Helmersen seine herausragende Qualität beim Festmachen hoher Bälle im 1gg1: Zunächst fixiert er den Ball, bis er desen ungfähren Aufsetzpunkt antizipieren kann. Danach wendet er Blick und Körper vom Ball ab, sucht Körperkontakt zum Gegenspieler, läuft diesen frontal an drückt ihn merklich nachhinten und schiebt seinen Oberkörper vor ihn. Da Storms primäre Orientierung auf den Ball gerichtet ist, hat Helmersen in diesem Körperduell einen entscheidenden Vorteil.
Er bekommt somit den ersten Kontakt am Ball. Aus dieser dominanten Ausgangsposition heraus gelingt es ihm folgerichtig, die Kugel unter Druck zu behaupten: Durch eine exzellente Armspannung zum Fernhalten des Verteidigers sowie die geschickte Positionierung von seinen Füßen, mit der er dauerhaft seinen Körper sauber zwischen Ball und Gegner platziert.
Indes rückt Pereira nach, um Helmersen zu doppeln. Durch dieses Herausrücken entsteht ob des Mann gg Mann Ansatzes ein freier Mann: Hauge, dieser beläuft den freien Raum, Helmersen bedient seinen Lauf und dringt in den Strafraum ein.
… als auch 3gg3 Dynamiken:
Bei diesen Abläufen schob der ballferne Flügelspieler ebenfalls auf die Seite des Zielspielers nach.
Dabei zeigt sich folgende Dynamik: Der zentralere Spieler orientiert sich zunächst nebem dem Zielspieler und beläuft in die Tiefe im Rücken von diesem, um auf eine mögliche Kopfballverlängerung zu spekulieren. Der äußere Akteur startet indes einen Bogenlauf vor den Stürmer, um als Anspielstation für eine direkte Ablage zu dienen, sollte dieser den Ball festmachen. Dieser Laufweg erweist sich zudem als extrem wertvoll, wenn der Ball wie in den meisten dieser Szenarien lose wird, um so direkt zu reagieren. So auch in dieser Situation: Helmersen will den Ball vertikal in die Tiefe verlängern, trifft ihn jedoch nicht optimal, wodurch die Kugel leicht nach innen abdriftet. Hauge kann seinen Lauf fortsetzen und direkt den freien Ball attackieren.
Dieser Lauf muss nun von einem zurückfallenden Sechser verteidigt werden, da Hauges initialer Gegenspieler den ins Kopfballduell gehenden Storm absichert, um die Tiefe zu schützen was stets die höchste Priorität genießt.
Dribbeln und Fixieren
Aufbauphasenübergreifend nutzten sie gezielt Dribblingdynamiken – sei es durch die Innenverteidiger im Aufbauspiel oder die Flügelspieler im Angriffsdrittel. Hierbei ging es häufiger darum, andere Manndecker zu binden und dadurch Mitspieler freizuspielen, als das Dribbling zur reinen Gegnerüberwindung zu nutzen. Immer wieder nutzten sie gezielt die Winkel, die die eigenen Manndecker nicht optimal verteidigten, um den nächsten Gegenspieler anzudribbeln. Dieser gerät dadurch in ein klares Entscheidungsdilemma: Priorisiert er weiterhin das Zustellen des Passwegs zu seinem direkten Gegenspieler, kann er leicht überdribbelt werden. Verteidigt er hingegen das Dribbling, sei es durch ein Herausstechen oder das Halten der Position, so wird er fixiert und sein eigentlicher Gegenspieler kann seine Positionierung anpassen, oder erhält mehr Zeit und Raum nach Zuspiel
Bjørkan dribbelt an, nicht mit dem Ziel, die Linie zu brechen oder sich dem Tor zunäheren, sondern um einen weiteren Manndecker zu binden. Sein direkter Gegenspieler muss dennoch den inneren Verteidigungswinkel zum Tor schließen. Dadurch kann Bjørkan nach außen ausweichen und Hauges Gegenspieler fixieren, welcher folglich nicht aktiv herausrücken kann, solange Bjørkan den Ball führt. Bjørkan legt schließlich nach außen ab, wo Hauge durch dieses Fixieren viel Zeit und Raum für eine effektive Folgeaktion hat. Diese nutzt er optimal: Er bedient den in die Tiefe startenden Blomberg, welcher im anschließenden Duell den Elfmeter zum 2:0 zieht.
Die Dribblings wurden meist maximal ausgereizt: Der Ballführende trennte sich erst im letztmöglichen Moment vom Ball, entweder sobald er nicht mehr in einer offenen und attackierenden Körperstellung war oder sobald der Gegenspieler ihn aktiv unter Druck setzte, falls sich zuvor keine sinnvolle Passoption aufgetan hatte.
https://x.com/ntdvids/status/2090541036141478349?s=20
Spiel und Geh
Neben den Dribblings bildeten Spiel und Geh Aktionen den Key zur Überwindung der gegnerischen Mannorientierung, insbesondere als direkte Anschlussaktion nach fixierenden Dribblings. Die Bewegung nach dem Abspiel erfolgten dabei meist progressiv in die Tiefe oder in freie Zwischenräume.
Die Effektivität dieser Bewegungen basiert auf diesem Vorteil: Beim Abspiel orientiert sich der Manndecker meist unterbewusst kurzzeitig am Ball. In genau diesem Bruchteil einer Sekunde startet der Passgeber seine Anschluss. Da der Verteidiger erst auf diesen Lauf reagieren und seine Körperstellung anpassen muss, entsteht ein klarer Dynamikvorteil für den Angreifer.
Die Norweger agieren hierbei völlig losgelöst von Positionen. Statt an feste Zonen gebunden zu sein, orientieren sich ihre Geh und Freilaufbewegungen dynamisch an den Räumen, die zuvor durch Dribblings oder zielgerichtete Freilaufbewegungen geöffnet wurden.
https://x.com/ntdvids/status/2090541330594222513?s=20
Umschaltspiel
Nach einem Ballgewinn geht es grundsätzlich erst einmal darum, sich aus der Gegenpressingwelle zu lösen. Danach gilt es, einen Spieler mit einer offenen, attackierenden Körperstellung zu finden. Um einen effektiven Konter zustarten. Anschließend wird versucht, aus dieser Situation heraus eine Überzahldynamik herzustellen, unabhängig davon, ob numerisch eine solche Konstellation vorliegt.
Bodo Glimt bestach in ihrem Umschaltspiel mit einem hervorragenden Blindside Verhalten der Konterspieler. Da für die gegnerischen Verteidiger in solchen Umschaltmomenten der Ballführende die höchste Priorität hat, um den Konter bestmöglich zu verlangsamen, passt sich deren Körperstellung und Orientierung primär an diesen an. Bodos nicht direkt involvierte Angreifer nutzten diesen Umstand konsequent aus: Sie bewegten sich gezielt im Rücken bzw. Blindside der Gegenspieler und passten ihre Laufwege je nach Ballträger an.
Als Blomberg den Ball erhält, weil der ursprüngliche Ballträger unter zu starken Druck gerät, bietet er durch seine geschickte Positionierung im Rücken des Verteidigers eine vergleichsweise sichere Anspielstation. Dadurch verschafft er sich bereits beim ersten Kontakt und im anschließenden Dribbling einen Vorteil.
Auch Helmersen erkennt die veränderte Situation: Da er sich durch die Positionsanpassung der Abwehr nicht mehr im Rücken befindet, passt er seinen Laufweg umgehend. Für den Verteidiger wird es dadurch nahezu unmöglich, sowohl Helmersen als auch den Ball gleichzeitig im Blick zu behalten es entsteht quasi ein 2gg1 auf diesen Verteidiger. Zwar kennt der Verteidiger Helmersens ungefähre Position, einen explosiven Antritt kann er jedoch kaum noch verteidigen, unabhängig davon, ob Helmersen den Raum vor ihm attackiert oder dynamisch über seinen Rücken durchstartet.
https://x.com/ntdvids/status/2090541796170346497?s=20
Teil 2: Totaalvoetbal scheitert an Norwegischer Boxverteidigung


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