4 Beobachtungen zum Spiel des deutschen Nationalteams gegen Österreich – AB

5:1

Deutschland gewinnt das WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich souverän mit 5:1. Es folgt manches Bemerkenswerte zum Spiel.

2-gegen-1 im Aufbauspiel sorgt für Kontrolle 

Gleich zu Beginn wusste das deutsche Team die Spielkontrolle an sich zu reißen. Nur selten verließ der Ball die Spielfeldhälfte der Österreicherinnen. Diese beschriebene deutsche Kontrolle ergab sich auch aufgrund einer Überzahl in der ersten Aufbaulinie: Die in der Spitze des Österreichischen 5-3-1-1-Defensivblocks agierende Campbell musste die beiden deutschen Innenverteidigerinnen Menge und Knaak alleine verteidigen.
Das Aufrechterhalten dieser Überzahl ermöglichte die häufig geschickte Positionierung der deutschen Flügelspielerinnen, die den österreichischen äußeren Mittelfeldspielerinnen das Unterstützen ihrer Stürmerin erschwerte. So rückte auf beiden deutschen Flügeln entweder die Außenstürmerin oder die Außenverteidigerin in den oder in Richtung des Halbraum ein und verhinderte so ein Rausrücken der österreichischen Mittelfeldspielerin auf die deutsche Innenverteidigung.
Durch das Ausspielen der oben beschriebenen 2-gegen-1-Situation konnte Deutschland Österreich zurückdrängen und die Angriffshälfte erobern. In der Angriffshälfte angekommen, erzeugte die Überzahl Ballsicherheit, da sie stets eine Verlagerung aus Drucksituationen am Flügel erlaubte.

diagonale Passwege auf Schlüsselspielerinnen

3. Minute: Gewinn rückt in den Halbraum ein und bindet Dunst so dort. Dieses Binden verhindert ein Rausrücken von Dunst auf Minge und ermöglicht einen Diagonalen Pass auf Brand, die ins 1-gegen-1 gehen kann.

Da die Österreicherinnen im Mittelfeld damit beschäftigt waren, die ins Zentrum eingerückten deutschen Flügelspielerinnen zu decken, konnten sie nur selten direkte Passwege aus der deutschen Verteidigung oder dem Mittelfeldzentrum auf den Flügel blocken. Das Offenlassen dieser Passwege war auch deshalb besonders gefährlich, da es wiederholt zu diagonalen Pässen auf die deutschen Unterschiedsspielerinnen Brand (nach der Auswechslung von Gewinn seltener) und Endemann führte. Solche diagonale Pässe vereinfachen im Gegensatz zu vertikalen Pässen im Regelfall die Ballannahme und erlauben eine direkte Mitnahme nach vorne. In der Folge konnten die deutschen Flügeldribblerinnen am Dienstagabend immer wieder ihre 1-gegen-1-Qualitäten aufblitzen lassen.

ballorientiertes Gegenpressing sorgt für schnelle Rückeroberungen

Häufig konnte das deutsche Team nach Ballverlust den Ball direkt wiedergewinnen. Ermöglicht wurden diese Ballgewinne durch einen riskanten Ansatz im Gegenpressing. Die deutschen Spielerinnen stürmten nach einem Ballbesitzwechsel zahlreich auf die österreichische Ballführende. Dass Teams nach Ballverlust versuchen den Ball wiederzuerobern, ist zunächst nicht weiter bemerkenswert, doch wie ballorientiert Deutschland dabei vorging, ist eher ungewöhnlich. Selbst die Innenverteidigerinnen kannten im Gegenpressing keine Zurückhaltung und gaben die Sicherung der Tiefe häufig zugunsten einer potenziellen Rückeroberung des Balles auf.

4-2-4-Blocking und gefährliche Umschaltmomente

76. Minute: Deutschland erzielt das 4:0. Österreich versucht das deutsche 4-2-4-Blocking lang zu überspielen. Deutschland kann kontern und hat situativ eine 4-gegen-3-Überzahl.

Aus dem Spiel heraus verteidigte das von Christian Wück gecoachte Team in einem etwas zurückgesetzten 4-2-4. Die österreichischen Innenverteidigerinnen wurden im Spielaufbau nicht immer gleich unter Druck gesetzt, stattdessen konzentrierte man sich (nur) auf das Blocken von Passwegen. Dieser Ansatz wurde begünstigt durch die vor allem am Flügel weiten Abstände zwischen den österreichischen Spielerinnen: Die Flügelverteidigerinnen der österreichischen 5er-Kette schoben in Ballbesitz bis auf die Höhe ihrer Angreiferinnen vor. Diese weiten Abstände zu der ballführenden Spielerin führten dazu, dass Spielerinnen ohne Ball sehr weit laufen mussten, um sich aus dem Deckungsschatten zu bewegen. Für diese langen Läufe war im Spielaufbau von Österreich meistens nicht genug Zeit, nicht unbedingt der Raum und nicht die nötige Bereitschaft vorhanden.
Das deutsche 4-2-4 war allerdings nicht nur über weite Strecken defensiv erfolgreich, sondern führte immer wieder auch zu gefährlichen Kontersituationen. Dies lag zum einen daran, dass die weit aufgerückten Flügelverteidigerinnen den Österreicherinnen im Verteidigen zunächst fehlten, und zum anderen an den für dieses Fehlen perfekt positionierten deutschen Außenspielerinnen.  Diese standen im 4-2-4 höher als sonst im Verteidigen üblich und konnten so im Kontern eine kurzfristige 4-gegen-3-Überzahl herstellen. Das vierte deutsche Tor ist hierfür ein Beispiel par ex­cel­lence: Das 4-2-4-Blocking forcierte einen langen Ball, den Knaak erobern konnte. Dann ging es schnell; die als Stürmerin agierende Schüller legte den Ball auf Müllhaus ab, die die eben beschriebene 4-gegen-3-Überzahl mit einem Pass auf Brand auszuspielen wusste. Diese vollendete den Konter dann mit einem Schuss ins linke Eck.

Autor: AB ist seit 7 Jahren Jugendtrainer und interessiert sich besonders für Taktiktheorie und Trainingslehre. Auf Twitter findet man ihn unter @false_pivot.

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