Von Zirkulationsmangel zum elanvollen Auftakt

3:0

Lange fehlt beiden Teams die Ballzirkulation. Nach der Pause stellen gezieltere Präsenz auf links mit anschließenden Halbraumverlagerungen auf Barella die Weichen für Italien.

Strategisch nahmen beide Mannschaften in diesem Eröffnungsspiel die nominell naheliegenden Rollen ein – die Türkei mehr als der Außenseiter, der sich zurückzieht, Italien mehr als der Favorit mit viel Ballbesitz und Initiative. Über längere Phasen primär verteidigen zu müssen, war für die Türkei aber keine optimale Konstellation. Die Mannschaft von Senol Günes neigt im allgemeinen Defensivverhalten zu Instabilität und bringt für die Offensive viel Potential mit – also nicht die günstigste Ausgangslage für eine kleine „Abwehrschlacht“. Dieses strategische Mismatch ging eine Halbzeit lang gut, weil das taktische Verhalten an einigen Stellen unangenehm für den Gegner wurde und vor allem, weil Italien zunächst nicht die richtige Ausrichtung fand. Auf lange Sicht aber konnte die Konstellation nicht zu einem Punktgewinn reichen.

4-3-2-1-Tendenzen gegen Barella-Einbindung aus dem Zentrum

Aus dem 4-3-3 von Italiens Trainer Roberto Mancini ergab sich bei Ballbesitz die gewohnte 3-2-Aufbaustruktur. Das heißt: Der Linksverteidiger agierte höher und der Rechtsverteidiger flacher, der linke Achter weiter zurückgezogen als der rechte, mehr neben dem Sechser – und in dieser Begegnung oftmals sogar weiter hinten als jener. Locatelli lief halblinks anstelle von Verratti auf und holte sich viele Bälle tief ab bzw. kippte heraus.

In der zentralen Position schob Jorginho dafür manchmal recht weit nach vorne. Er kam in der Mitte aber wenig zum Zuge, da er oft vom Zehner des türkischen 4-4-1-1 verfolgt wurde. Ohnehin orientierte sich die Mittelfeldreihe der Defensivformation eng: Die nominellen Flügel variierten ihre Höhe in den Halbräumen speziell in der Anfangsphase oft und flexibel. Sie hatten auch viele Aufgaben in der Absicherung, da sich der halbrechte Sechser frühzeitig mit nach vorne orientieren konnte.

Offensivformation Italien, Defesivformation Türkei (mit Yokuslu halbrechts, Tufan halblinks)

Grundsätzlich schob er hoch, sofern Locatelli von hinten heraus ankurbeln wollte, aber mit der Zeit auch längerfristiger. Dadurch entstanden (breite) 4-3-2-1-Tendenzen in der türkischen Grundordnung. Tiefe und leicht eingerückte Positionen der offensiven Flügel erschwerten es Italien, auf Barella in den hohen rechten Halbraum zu kommen. Dieser wurde in seinen dortigen Bewegungen immer wieder von aufwendigen Rückstößen Calhanoglus hinter die zweite Pressinglinie aufgenommen und konnte aus dem Zentrum heraus kaum eingebunden werden.

Auf türkischer Seite wiederum führte das dazu, dass Zehner und Flügel wiederkehrend die Aufgaben tauschten, um sich gegenseitig zu entlasten. Nur Barellas Freilaufbewegungen nach außen zur Seitenlinie zwischen Florenzi und Berardi brachten ihm mehr Ballkontakte. Das galt speziell in der Anfangsphase, als der linke Flügel bei der Türkei in der Gesamtstruktur des Mittelfelds noch etwas häufiger auf Florenzi vorschieben musste und der italienische Achter sich für seinen Lauf nicht auch vertikal hinter die Pressinglinie zurückziehen musste.

Italiens Entscheidungsfrage zwischen Aufbauvarianten

Entsprechend der italienischen Asymmetrie musste bei der Türkei der nominelle Flügel auf der anderen Seite primär die Vorstöße des gegnerischen Außenverteidigers aufnehmen: Karaman agierte insgesamt sehr arbeitsam. Er schloss zunächst den Halbraum, lauerte mitunter auf Möglichkeiten zum Vorrücken und ließ sich später zurückfallen, um Spinazzola zu verfolgen. In seinem Fall ging er häufiger bis in die letzte Linie zurück, die so zur Fünferlinie wurde.

Im halblinken Bereich taten sich die Italiener zunächst schwer, wann Locatelli und Jorginho weiter auseinander stehen und wann sie näher zueinander rücken sollten. Vereinzelt zog es Jorginho bei Ballbesitz Locatellis weiter zu diesem herüber. Das war ein vielversprechender Ansatz: Damit wurde der türkische Zehner vor die Entscheidung gestellt, entweder zu verfolgen und seine Position aufzugeben oder zu bleiben und dadurch den Sechser womöglich kleinräumig drehen zu lassen.

Das ermöglichte Italien potentiell lockende Aktionen statt nur fokussiert über einen der beiden Mittelfeldspieler aufzubauen. Allerdings sollte es dauern, bis die Spieler die richtige Mischung in dieser Hinsicht fanden. Für die Türkei wirkte dagegen eine tendenziell rechtsseitige Position des Zehners zwischen Locatelli und Jorginho interessant, wie sie zu Anfang der Partie überwog, mit Tufan dahinter als halblinkem Sechser.

Allerdings hatte Italien zusätzlich die Variante, ganz ohne Herauskippen aufzubauen, beide Mittelfeldspieler enger im Zentrum zu halten und Chiellini breiter zu schieben. Dagegen hing für die Türkei viel von der richtigen Höhe Karamans ab. War dieser gerade tiefer positioniert, wurde es schwierig, Zugriff auf Chiellinis Dribblings herzustellen. Im linken italienischen Halbraum hatte die Türkei also noch mehr Präsenz, wenn Tufan statt Yokuslu von der rechten Sechs aus agierte, da er diese Position noch herausrückender interpretierte.

Schwierigkeiten in Italiens und Insignes Lieblingsbereich

Zudem kam es bei ihm nicht vor, dass er aus einem tieferen Raum starten musste, weil er zuvor Bewegungen an der letzten Linie verteidigt hatte. Dies war die Rolle Yokuslus: Er unterstützte situativ gegen Insignes Einrücken nach innen oder auch mal Immobile und ging kurzzeitig situative Mannorientierungen gegen einen der beiden ein. Zwischendurch ergänzte er so die Abwehr zu einer Fünferreihe, um sich bei gegnerischem Raumgewinn sofort wieder nach vorne zu lösen und nachzuschieben.

Die Umgebungen um den bevorzugten linken italienischen Halbraum veränderten sich also recht schnell und dynamisch. Das wirkte für die Offensivakteure der Squadra Azzura unangenehm. Die Italiener mussten aufpassen, dass die Abstände der Protagonisten dort nicht zu groß wurden. Phasenweise bewegte sich Spinazzola überdurchschnittlich hoch und fast schon zu vorgerückt.

Schlüsselfigur Insigne fällt normalerweise die Aufgabe zu, den Halbraum zu füllen und den Fokuspunkt zwischen den umliegenden Kollegen zu bilden. Er agierte aber im Angesicht der situativen Mannorientierungen Yokuslus etwas ungeduldig. Bei seinem Einrücken vom linken Flügel zog es ihn teilweise sehr weit durch den Zwischenlinienraum und teilweise schnell bis in den anderen Halbraum hinüber. Womöglich wurde dies noch durch das Gefühl verstärkt, dass Barella dort zu so wenig Präsenz kam.

Selbst wenn sich Insigne gerade in seinem Paradebereich aufhielt, gelang es den Italienern selten, ihn dort einzubinden. Lange Zeit war der Halbraum hinter dem rechten Sechser der Türkei für ihn kaum zugänglich. Das veranlasste ihn erst recht dazu, vermehrt umherzustreifen. Breitere Positionierungen Insignes am Flügel konnten für eine bestimmte Phase eine gute Variation sein. Aber zwischendurch drohten seine Bewegungen unstetig zu werden.

Mangel an Ballzirkulation

Der Grund dafür, weshalb Italien so selten in den Zwischenlinienraum spielen (bzw. die davor gestaffelten türkischen Mittelfeldakteure umspielen) konnte, war das eigentliche Hauptproblem der ersten Halbzeit: Die Ballzirkulation. Es gab sie bei den Italienern schlichtweg kaum. Quantitativ wurde das Leder zu wenig laufen gelassen.

Die einzelnen Akteure nutzten kleine Dribblings und Auftaktbewegungen und waren sehr stark darauf eingestellt, baldmöglichst den vertikalen Vorwärtsball zu spielen. Sie verhielten sich geduldig genug, vor dem Zuspiel abzubrechen, wenn es sich nicht vernünftig umsetzen ließ. Fast immer, wenn ein italienischer Spieler sich gegen den Vertikalpass entschieden hatte, wartete er dann aber länger und hielt das Leder selbst noch kurzzeitig, statt schnell die nächste Position im Aufbau mitzunehmen.

Ein solches Verhalten kann in bestimmten Situationen sehr wirksam sein und lockend auf den Gegner wirken. Wenn man aber sehr oft dieses individuelle Antäuschen und Verzögern hat und dafür kaum dynamische Passfolgen, bringt man den Gegner nicht ins Laufen. Das fehlte den Italienern. Bei den Querpässen und Verlagerungen, die sie schließlich spielten, entwickelte die Ausführung zudem nicht immer die ausreichende Dynamik und Passschärfe.

Diagonale Flugbälle kamen entweder zu sehr frühen Zeitpunkten oder ohne dynamische Auftaktbewegung. Zusammengenommen hieß das, dass die Italiener die Türkei im Verschieben nicht ausreichend forderten. Das Team hatte eine gute Struktur, aber diese nützte wenig, solange der Gegner nur bedingt in Bewegung gezwungen wurde und die lokalen Optionen dementsprechend jeweils rechtzeitig zustellen konnte.

Gefahren früher Mannorientierungen

Das vereinfachte es der Türkei zudem, sich zunehmend mannorientiert an der italienischen Asymmetrie auszurichten – also mit dem linken Flügel mehr zu Barellas Halbraum und mit dem rechten Flügel stärker zum Linksverteidiger. Allerdings musste das türkische Team aufpassen, dass dies nicht überhandnahm. Genau daraus sollte sich letztlich der Keim für die späteren Gegentore entwickeln.

Vermehrt bedeuteten die Mannorientierungen höhere Positionen des Zehners und des höheren Sechsers, typischerweise Tufan, gegen Locatelli und Jorginho. Daraufhin mussten die Flügel noch mehr auf die Mitte achten. Zwar stand das Zentrum dichtgestaffelt. Zum einen konnte Italien aber selbst mit geringer Dynamik außen an den 4-3-2-1- oder schiefen Fünferreihenstaffelungen entlang nach vorne spielen. Links gab es einige recht simple 1gegen-Szenen zwischen Spinazzola und Karaman, bei denen entweder ein Übergeben zwischen den türkischen Spielern möglich gewesen wäre oder der Außenverteidiger mit zum Doppeln hätte herausschieben können.

So blieben mitunter „überzählige“ Akteure in der letzten Linie, die näher am Ball mehr geholfen hätten und die sich in der Strafraumverteidigung gruppentaktisch einige Male unsauber organisierten. Über solche 1gegen1-Läufe von Spinazzola gegen Karaman erzeugte Italien letztlich viele seiner Druckphasen, Abschlüsse und Halbchancen in der ersten Halbzeit, ohne dass diese meistens klare, zwingende Gefahr bedeutet hätten.

Zum anderen sorgten gute individuelle Aktionen der Innenverteidiger zunehmend dafür, dass Insigne doch mal mit einem einzelnen Pass im Zwischenlinienraum frei kam. Auch diese Situationen waren eine Begleiterscheinung des zunehmenden Abdriftens der türkischen Mittelfeldakteure in verschiedene Mannorientierungen. Je früher die Zentrumsspieler den Kontakt zu Locatelli und Jorginho vorbereiteten, desto weniger konnten sie den Halbraum sichern, wenn der Ball sich auf anderen Positionen befand.

Locatelli und Jorginho zentral, Tufan orientiert sich früh gegen diese nach vorne bzw. spekuliert fast auf Chiellini, Bonucci mit hervorragender individueller Vorbereitung des Passes in der Ballführung, Yokuslu gerät in Unterzahl

So wurde das Spiel irgendwann zu einer bloßen numerischen Rechnung, die eine 3gegen4-Unterzahl des türkischen Mittelfelds gegen Locatelli plus Jorginho hinter Insigne plus Barella auswies. Theoretisch konnte der linke Flügel der Türkei ergänzen, aber praktisch war seine Agenda nicht auf den gesamten gegnerischen Zehnerraum ausgerichtet. Je nach Situation war Yokuslu punktuell gegen zwei italienische Offensivleute auf sich alleine gestellt, orientierte sich womöglich stärker zum einen und musste den anderen dann offener lassen.

Entscheidung über Barella-Einbindung von links

Zum Ende der ersten Halbzeit begannen die türkischen Mannorientierungen die kollektive Sauberkeit und so auch die Intensität so weit auszuhöhlen, dass eine Linie auch mal mit einer bloßen Einzelaktion gebrochen werden konnte. In diesem Sinne kam Italien schließlich Anfang der zweiten Halbzeit bloß über die Klarheit der Struktur zum wegweisenden Führungstor, ohne dass sich die Ballzirkulation entscheidend steigerte.

Locatelli und Jorginho formierten sich in der Entstehung gemeinsam im linken Halbraum, Ersterer geschickt in der Lücke zwischen gegnerischem Zehner und Flügelspieler. Insigne und Spinazzola sorgten in diesem Fall für eine doppelte Breitenbesetzung, die mehr Aufmerksamkeit zum Flügel lenkte. Barella schließlich besetzte den ballfernen Halbraum recht hoch und wurde dort vom gegnerischen linken Flügel nicht mehr aufgenommen. Gleichzeitig diente Berardi an der letzten Linie als Faktor, um die Viererkette möglichst lange zu beschäftigen.

Am Ende reichte eine individualtaktisch starke Aktion von Locatelli für eine erfolgreiche Halbraumverlagerung auf Barella, der vor der Abwehr in eine exzellente Position gebracht wurde. Insgesamt kam die Struktur nach der Halbzeitpause nochmals geschärfter daher als vorher, speziell die positionelle Orientierung auf den Mittelfeldpositionen. Auch die Wahl der Momente, in denen Insigne breit blieb, passte fortan recht gut. Dadurch konnte Italien – gerade später in einem offener werdenden Spiel – situative Möglichkeiten zum Raumgewinn seitlich neben der gegnerischen Defensivformation durch Dribblings gut nutzen.

Vor dem 1:0: Locatelli und Jorginho linksseitig und zwischen Gegenspielern, Insigne zieht breiter die Kette mit auseinander. Entscheidend für die Halbraumverlagerung ist eine individualtaktisch starke Aktion in Ballführung und Passspiel (hier durch Locatelli, mit links). Der ballferne türkische Flügel bleibt höher.

Das Nachlassen der Intensität im türkischen Team verstärkte sich noch zusätzlich, weil die vorderen Akteure bei gegnerischen Rückpässen oft zu wahllos individuell wieder vorschoben, statt koordiniert und nur in bestimmten, ausgewählten Momenten. So machten sie einige unnötige Wege und verloren Kräfte, die in der anschließenden Rückzugsbewegung hätten helfen können.

Im Anschluss an eine mehrfache Umschaltsituation fiel auch der zweite Treffer Italiens nach einem typischen Muster: Erst ein Aufrückmoment am linken Flügel, den die Türkei – obendrein kurz nach einer doppelten Auswechslung mit dem Pech, noch nicht wieder sortiert zu stehen – nicht zulaufen konnte, und anschließend Halbraumverlagerung auf Barella.

Wenig Gefahr nach Kontern oder zweiten Bällen

Eine andere Begleiterscheinung des türkischen Defensivansatzes im Gesamten bestand in erschwerten Umschaltmöglichkeiten. Die tiefen Positionen der nominellen Flügelspieler bedeuteten lange Wege nach vorne. Gerade aus den flachen Staffelungen in der hintersten Linie konnte es schwierig werden. Als potentielle Anspielstationen für das Umschalten kamen in erster Instanz die vorderen Mittelfeldakteure in Betracht, individuell also hauptsächlich Yazici.

Auch dies könnte ein Motiv für den späteren Tausch mit Calhanoglu gewesen sein: den Italien-Legionär in vielversprechenderen Ausgangspositionen für Konter zu haben. Insgesamt konnte das türkische Team vorne aber nicht genug Präsenz zusammenbringen, um Italiens solide 3-2-Restverteidigung in Bedrängnis zu bringen. Zudem kamen Bonucci und Chiellini als individuelle Faktoren hinzu, die obendrein noch die passenden Gegenpole zu Yilmaz als potentiellem Zielspieler abgaben.

Auch aus den eigenen Ballbesitzszenen heraus entfachte die Türkei über weite Strecken der Begegnung wenig Gefahr. Zunächst einmal gab es für das Team von Günes ohnehin nicht viele dieser Phasen. Ein größerer Anteil der Aufbaumomente wurde für frühzeitige lange Pässe des Torhüters genutzt. Dagegen reichte es Italien häufig, mit Immobile oder auch mal entweder Berardi oder Barella halbrechts als zweitem Spieler herauszurücken, Druck anzudeuten und so das weite Zuspiel zu provozieren.

Die anderen Spieler konnten sich also recht gut auf das anschließende Szenario einstellen, hinten kompakt bleiben und ihre Positionen um mögliche Zielräume halten. Das waren gute Aussichten, um bei zweiten Bällen zumindest eine Grundstabilität auch gegen die häufig eng gestaffelte Offensivabteilung der Türkei zu haben. Zwar konnten Yilmaz und Co. manche Abpraller für sich erobern, aber kamen kaum in Situationen, daraus hochwertige Übergänge zu entwickeln.

Ungeduldig und überambitioniert in Ballbesitzansätzen

Diejenigen zweiten Bälle, die gelegentlich – insgesamt seltener – klar zu Gunsten Italiens ausgingen (primär allein durch zu kurz geschlagene Flugbälle), deuteten demgegenüber mehr Gefahr an, da die türkische Absicherung instabiler war. Dies kam daher, dass weite Pässe teilweise bei weitem Auffächern der ersten Linie gespielt wurden. Sofern ein folgender Abpraller tief ins Mittelfeld zurücksprang, war es für die Verteidiger nicht einfach, schnell wieder in die Defensivposition zurückzukommen.

Allgemein agierte die Türkei aus dem Aufbau heraus etwas ungeduldig. Für die flache Spieleröffnung ging viel über die ambitionierten, mitunter stark in die Breite gerichteten Dribblings der Innenverteidiger. Es gab von den anderen Positionen einige gute Ansätze, sich daran anzupassen und geschickt den einen oder anderen Raum zu öffnen. Aber solche Momente hingen letztlich stark an individueller Ausführung, die sich wechselhaft gestaltete. Beide Innenverteidiger neigten zu überambitionierten Entscheidungen, auch im Passspiel.

Die Akteure im zentralen Mittelfeld hielten sich demgegenüber eher zurück. Tufan rückte meistens ohnehin frühzeitig auf und überließ Calhanoglu und/oder Yazici die Übergangszonen. Letzterer hatte dort einige gute Ansätze, wurde von den Verteidigern aber einige Male ignoriert. In der zweiten Halbzeit wurde Calhanoglu nochmals dominanter, ließ sich weiter zurückfallen und forderte noch mehr Bälle, teilweise fast zu dominant.

Generell neigten auch die Mittelfeldakteure leicht zu Ungeduld und spielten eher frühzeitige, ambitionierte Vorwärtspässe. Die geringe Quantität eigener Ballbesitzmomente dürfte das noch verstärkt haben. So fanden selbst die vielversprechendsten Momente keine Vollendung: Einige Male stellte die Türkei asymmetrische Rautenansätze mit tiefen Positionen Yazicis und Calhanoglus her, in denen Tufan das offensive Mittelfeld besetzte und als Gegenpressingspieler dienen konnte und Karaman als zweiter Spieler zur letzten Linie hochschob.

Wenn sich Calhanoglu und Yazici nicht so früh einbanden, liefen flache Übergängen auf die Außenbahnen zu. Strukturell war die Aufteilung für diese Momente schlüssig: Vorstöße der Verteidiger am Flügel und die Offensivakteure mehr in den zentralen Bereichen. Als nominelle Außen staffelten sich Karaman und Calhanoglu eng und suchten sich Positionen innerhalb der italienischen Defensivformation, speziell um die Halbräume.

Allgemein galt: Wenn die Türkei mal Bälle in der gegnerischen Hälfte sichern konnte, war Italiens Kompaktheit oft gar nicht mehr so gut wie zu Beginn der Szenen. Die Viererkette ließ sich teilweise frühzeitig und zu vorsichtig nach hinten zurückfallen. Es gab aber zum einen zahlenmäßig zu wenig Szenen, in denen Calhanoglu und Co. dies hätten ausnutzen können. Zum anderen zog sich auch ins Angriffsdrittel eine Problematik aus dem Übergangsspiel durch, die überambitionierten und mitunter hektischen Entscheidungen. Sie betrafen hier vor allem das Bewegungsspiel. Mit ungeduldigen, vorschnellen Läufen rissen sich die türkischen Akteure einige nicht so schlechte Ansätze selbst ein.

Fazit

Diese türkische Mannschaft war nicht für ein defensives Spiel gemacht. Der taktische Ansatz gestaltete sich im Mittelfeld zwar flexibel und auch die Rollen der Flügel gegen den Ball brachten gute Momente, konnten insbesondere Barella lange in Schach halten. Aber zu viele Abläufe und Verhaltensweisen blieben zu wechselhaft, etwa Absprachen innerhalb der letzten Linie, die – beispielsweise vor dem zweiten Gegentor wilde – Orientierung in der Strafraumverteidigung oder individuelle Entscheidungen. Auf Dauer hielt die Grundstabilität im Abwehrdrittel daher nicht. So erzielte eine kontrollierte italienische Mannschaft, die lange unter der mangelnden Ballzirkulation litt, letztlich einen soliden Auftaktsieg. In der zweiten Halbzeit wurden einige wichtige der verschiedenen Varianten im Positionsspiel gezielter und geschärfter ausgeführt, und dadurch erhöhte sich die Effektivität so weit, dass es zum Erfolg reichte.

Daniel 13. Juni 2021 um 13:49

Ich hab das Spiel etwas anders gesehen als dieser Artikel und auch als die anderen Kommentatoren. Durch das gleichmäßige Betonen der Probleme beider Mannschaften klingt es, als sei das in der ersten Hälfte ein Spiel auf Augenhöhe gewesen-das war es keinesfalls. Schon in den ersten 45 Minuten war das ein Spiel auf ein Tor mit hoch überlegenen Italienern, in dem die Türken nur dank Glück, einiger schlechter Entscheidungen der Italiener im Angriffsdrittel (insbesondere von Insigne) und einer offensichtlich erneut massiv geänderten Handspielregel ein 0:0 in die Pause retten. Dass das nicht über 90 Minuten gut gehen würde und früher oder später ein Ball reinrutscht war absehbar. Wenn das 5:0 ausgeht kann sich auf türkischer Seite auch niemand beschweren.
Italien wird in Deutschland massiv unterschätzt: gute Balance aus Defensive und Offensive, eine erfahrene Abwehr, ein immer gefährlicher Stürmer und hohe Konstanz-wäre nicht das erste mal, dass die Azzurri mit einem solchen Mix den Titel holen. Mindestens ein Kandidat fürs Halbfinale.

Off-topic: die UEFA hätte gestern viel früher die Liveübertragungen aus Kopenhagen abbrechen müssen. Die Spieler haben extra eine Traube gebildet, um die Blicke und die Kameras abzuschirmen-die Kameras einfach abzuschalten wäre die einfachste und effektivste Variante gewesen. An dieser Stelle natürlich gute Besserung an Christian Eriksen.

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tobit 13. Juni 2021 um 15:37

Oh, ich hab das Spiel ziemlich genauso gesehen. Das war eine verdammt starke Leistung der Italiener in den ersten zwei Dritteln des Spielfelds. Fand nur, dass die Türken nach dem 1:0 nochmal deutlicher zerbrochen sind als davor.

Dem Off-Topic kann ich mich natürlich voll anschließen. Der Kreis der Dänen war aber nicht nur „gegen“ die Kameras gerichtet, auch die Zuschauer auf den Tribünen.

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Taktik-Ignorant 13. Juni 2021 um 17:54

Ich fand die Leistung der Italiener defensiv über das ganze Spiel hinweg sehr stark, offensiv kam aber vor dem ersten Tor recht wenig, was nicht weiter verwunderlich ist ob der dicht gestaffelten türkischen Abwehr und der wenigen Gegentore, die die Türken in den Spielen zuvor erzielt hatten. Eine solche Abwehr auszuhebeln ist Sisyphus-Arbeit und die Italiener hatten die notwendige Geduld, aber eben auch die Kraft und Konzentration, jedweden türkischen Offensivansatz früh zu unterbinden und den Druck hoch zu halten.

Zur Handspielregel: Ich fand die Entscheidung gegen Ende der ersten Halbzeit auch seltsam (ein weniger klares Handspiel von Mertens wurde übrigens im Belgien-Spiel gestern gepfiffen). Die Handbewegung war zwar im Bewegungsablauf des türkischen Verteidigers natürlich, aber sie ging zum Ball und die Körperfläche wurde massiv verbreitert, eine Flanke vor das Tor unterbunden. Wenn man die in der Halbzeitpause in der ARD gegebene Erklärung akzeptiert, bedeutet das nichts weniger als eine radikale Umkehr der bislang geltenden Handspielregel.
Noch eine generelle Anmerkung dazu: es scheint bei FIFA und UEFA ja Standard zu sein, Regeländerungen unmittelbar vor den wichtigsten Wettbewerben überhaupt, nämlich EM- und WM-Endrunden, einzuführen (mit der Abseitsregel war es auch so). Einen größeren Unsinn kann ich mir kaum denken. Da müssen die Nationaltrainer ihre ohnehin knappe Vorbereitungszeit auch noch auf Regelkunde verwenden, und die Quali wird nach anderen Regeln gespielt als die Endrunde. Viel besser wäre es, solche Regeländerungen zu Saisonbeginn vorzunehmen. In der langen Saisonvorbereitung sind sie leichter einzuüben, und die Auswirkungen sind nicht ganz so gravierend, da mit Freundschaftsspielen, „Supercups“ und Pokal-Erstrundenspielen begonnen wird.

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Koom 13. Juni 2021 um 20:27

Italien wirkte auf mich ein wenig wie Mayweather. Hochstabil, eigentlich nie in Gefahr in Bedrängnis zu kommen – aber konnte auch nicht den Wirkungstreffer landen. Da half dann eben ein wenig das (verdiente) Glück nach. Im Verlauf wie im Ergebnis eine irgendwie typische Auftaktleistung eines Favoriten gegen eine Mannschaft, die immer mal so ein bisserl Überfallpotential hat.

Fairerweise: Die meisten „ersten Spiele“ bei den Turnieren schauen oft so aus. Man macht nicht auf, taktiert, riskiert nicht alles, will kontrolliert sein. Ich vermute mal, dass Deutschland-Frankreich ähnlich aussehen wird (und habe es damit schon gejinxt und es steht 5:0 für Deutschland nach der 1. HZ).

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FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 23:19

neuer
–lahm—-badstuber—maldini–
———redondo————
———busquets————
—maradona–ronaldinho–
———-messi—————–
—ronaldobrasilien-pele-

flügelspieler brauch ich wegen der genialen pressingresistenz und dribblingstärke nicht, die verschieben da je nach bedarf situativ rüber, va. natürlich pele/ronaldo ronaldinho/maradona und lahm/maldini, busquets und messi können machen was sie wollen

zu de bruyne: hat pep das wirklich gesagt, dass nur messi vor ihm ist? :O (im gegensatz zu den meisten glaube ich nämlich peps aussagen zu 100%, siehe badstuber ^^)

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FCB Gulagiola 14. Juni 2021 um 18:34

An alle:
Was ist das beste Team aller Zeiten wenn alle immer Topform haben Konstanz egal? Ist es

Neuer
Kimmich — Badstuber —alaba.
——————-lahm—————–
_—————busquets————–
—-maradona——ronaldinho—-
——————-messi—————- ___ronaldo(Brasilien)-cr7/pele—-

Antworten

FCB Gulagiola 14. Juni 2021 um 18:35

Ponaldo/pele Ronaldo duo vorne

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FCB Gulagiola 14. Juni 2021 um 18:42

Odda statt Alaba lahm hinten busquets 6 Neymar zu Ronaldinho und Maradona, odda iniesta, odda sogar noch Pelé/ponaldo raus und beide rein…

Oder maldini dazu statt alaba

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tobit 14. Juni 2021 um 20:23

Ronaldo – Messi
Mkhitaryan – de Bruyne – Dani Alves
di Stefano – Xavi
Maldini – Baresi – Puyol
Yashin

Antworten

FCB Gulagiola 15. Juni 2021 um 23:12

nein, Nein, NEIN

Antworten

tobit 16. Juni 2021 um 08:36

Interessante Antwort. Dabei hab ich mich schon extra auf Spieler beschränkt, die mindestens ein Jahr Weltklasse in den Augen des Mainstreams gespielt haben.

FCB Gulagiola 16. Juni 2021 um 23:11

mir fehlt der defensive 6er, bin (noch) kein allzu großer fan von de bruyne und mkhityryan ist zwar saustark aber nix für die weltelf aller zeiten, willst du lieber mickinochwas oder ronaldinho????????? puyol, muss ich zugeben, hat was, der war unter meinem radar, kampfsau mit peperfahrung, alves finde ich auch extrem stark

nach weiterem überdenken würde ich meine mannschaft jetzt whrsl umformieren, aber nur die defensive und die 6…

lahm—–maldini—-badstuber
————–redondo—————-

… vorausgesetzt alle haben immer topform (badstuber!)

Antworten

tobit 17. Juni 2021 um 08:35

Defensiver Sechser ist doch da mit di Stefano. Klar kann der noch mehr als nur defensiver Sechser, aber ich wollte ihn nur einmal einsetzen.
Und mit Kimmich bzw Lahm in der 3er-Kette würde ich andere nicht für eine zu offensive Aufstellung kritisieren (und dann noch Ronaldinho als Flügelverteidiger empfehlen).
Warum spielt Busquets bei dir eigentlich vor dem Sechser? Für die Acht gibt es definitiv bessere als ihn.

Ich will Mkhi immer, weil er mein Lieblingsspieler aller Zeiten ist. Aber ich hab ihn reingenommen, weil die Prämisse war „alle haben immer Topform“. Und in Topform ist Mkhi für mich vielleicht nicht der beste Spieler aller Zeiten aber der perfekte offensive Wingback. Ist wie bei dir Badstuber, der ist niemals besser als Puyol gewesen, aber unter der gegebenen Prämisse kann man ihn reinnehmen, weil er seine beste Form verletzungsbedingt nie zeigen konnte. Badstuber würde ich mit Maldini aber definitiv zentral in der 3er-Kette sehen und Maldini links. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren.

Daniel 17. Juni 2021 um 11:26

Di Stefano war Sechser? Er spielte viele Jahrzehnte vor meiner Geburt, aber mir wurde meist erzählt, er sei beim weißen Ballett der Sturmpartner von Ferenc Puskas gewesen…

@Gulagiola
Auch wenn ich ihn mag, aber Badstuber in die Weltelf ist sicher nicht weniger absurd als Mkhitaryan…

tobit 17. Juni 2021 um 16:07

Di Stefano ist der kompletteste Fussballer den ich im Weltfussball je gesehen habe, der konnte ALLES. Und mit alles, meine ich alles. Zweikampf, defensives Stellungsspiel (zugegeben sehr aggressiv, aber immer sinnvoll), Spielaufbau, Dribbling, Führungsstärke, Tourvorbereitung und Abschluss aus allen Lagen.
Es gibt leider quasi nur Bildmaterial aus seinen dreißigern, er soll vorher noch athletischer und dynamischer gewesen sein. Das Bildmaterial und alles was ich über ihn lesen konnte, sagt mir, dass er in Topform etwa so außerirdisch war wie Messi. Messi ist für mich der beste aller Zeiten, weil ich von ihm so viel mehr gesehen habe, aber di Stefano ist direkt dahinter.
Nominell war er einer von fünf Stürmern, effektiv hat er alles gespielt und dominiert. Als Zehner auf der de Bruyne Position wäre er wahrscheinlich noch einen Tick besser, aber den will ich auch unbedingt dabei haben. Also Doppelsechs mit Xavi vor Baresi, da hat er auch Mal die Freiheit mit nach vorne zu gehen, kommen ja reichlich Spieler von vorne auch gerne entgegen.

FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 19:03

busquets auf der acht weil er der wichtigste mann und nach messi der beste im kader ist, und deshalb volle unterstützung (auch von hinten mit dem balancierenden lahm, schwulala) bekommt und schon sehr hoch ins gegenpressing gehen kann und ein sehr hoher ballrecycler und beste anspielstation ist… dynamisch dribbeln muss der da vorne auch nicht weil schau dir mal die davor an, ronaldinho maradona messi xD
ronaldinho wollte ich als linken flügel empfehlen, habs nicht gecheckt dass du einen flügelverteidiger nimmst, weil die alle so auf 10er höhe ware

badstuber ist deswegen weniger absurd als micky weil guardiola (der die mannschaft trainiert) selbst sagte er wäre (vor der verletzung) der beste bayernverteidiger gewesen (damit besser als boateng, damit material für die allzeitelf), evtl. bestes aufbauspiel

hab auch überlegt ob bei aufstellung mit maldini badstuber mitte oder links, dachte links evtl. besser weil aufbauspiel besser? lass ich mir aber einreden

kenne di stefano nicht so wirklich, deswegen habe ich auch alle spieler die älter als pele sind ignoriert, bei pele habe ich wegen dem alter noch 2 augen incl. hühneraugen zugedrückt, da ich ihn auch nicht wirklich ideal beurteilen kann, aber ich dachte der ist ungefähr wie der inter mailand ronaldo nur minimal weniger brachial aber verspielter

was ist so toll an de bruyne? bitte um aufklärung, ich checks wirklich nicht voll, zumindest nicht dass er besser als zb thiago (wenn auch etwas anderer typ) sein soll, vllt. bin ich aber im unrecht

wenn di stefano wirklich so unglaublich ist dann hauen wir ihn halt noch rein, evtl. statt ronaldinho, aber ronaldinho in topform raus??? das ist alles viel zu schwierig, man kann unmöglich eine allzeit elf erstellen, vorausgesetzt di stefano ist wirklich so gut… dann evtl wirklich redondo raus (AUA), oder lieber all in gehen und maldini ausmerzen xD

FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 19:09

neuer
lahm—–badstuber—-redondo
————–busquets—————-
————-di stefano—————
—-maradona——ronaldinho—-
——————-messi—————-
—–ronaldobrasilien—pele——–

mit neuer reichen badstuber, lahm und redondo als restverteidigung voll aus, die verlieren den ball ja sowieso nur nach erfolreichem torschuss, busquets darf sich ruhig mehr in richtung der 6 lustmolche da vorne begeben… da gönn ich mir lahm und redondo als geisteskranke pressing- und pressingauflösungsmaschine gegenüber maldini und co. ^^

ich behalte mir die auswechslung di stefanos nach 10 min und wiedereinwechslung maldinis und aufrückung busquets jedoch weiterhin vor, mit verlaub

tobit 17. Juni 2021 um 21:57

Aber ich stelle doch nicht meinen zweitbesten Spieler auf eine Position, wo er den Großteil seiner Genialität nicht ausspielen kann. Busquets ist einfach kein Achter, dafür ist er viel zu kleinräumig und risikoavers. Klar kann er das wahrscheinlich nah an der Weltklasse spielen, aber nicht „bester Achter aller Zeiten“-gut. Erst recht, wenn es um so dermaßen viel Raum geht wie deine fünf Stürmer hinterlassen.
Ähnliches mit Redondo und Lahm als Halbverteidigern. Klar sind die absolut genial, wahrscheinlich auch als Halbverteidiger. Aber ich glaube nicht, dass sie bessere Habverteidiger wären als Maldini, Puyol, Hummels oder Sergio Ramos auf dem absoluten Höhepunkt. Das sind übrigens alles Genies im Gegenpressing(auflösen).

Badstuber kann sicherlich einen ganz ordentlichen linken Halbverteidiger spielen. Aber nur wenn er nicht ganz alleine den Flügel verteidigen muss wie hinter Dinho. Und Maldini ist der beste defensive LV / Halbverteidiger aller Zeiten, warum sollte der dann zentral spielen?

De Bruyne hat einfach alles was ein Achter/Zehner heutzutage braucht. Ballbehandlung, Auge, Schuss um am Strafraum absolut tödlich zu sein. Passsicherheit, Pressingresistenz, Ruhe um das Spiel von überall zu kontrollieren. Tempo, Stellungsspiel, Körper um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Schau dir an, wie er Werder und Wolfsburg quasi im Alleingang auf ein anderes Level gehoben hat. Schau dir an, wie er im Entscheidungsfindungsgenie-Starensemble von City noch herausragt. Schau dir an, dass er das alles als (offensiver) Sechser, als Achter, als Zehner, als falsche Neun und (teilweise) sogar als Flügelstürmer kann. Pep Guardiola sieht nur Messi vor ihm.
Thiago neigt als Aufbauspieler finde ich zu kleinen Unsauberkeiten im Stellungsspiel, wo er bei Anspielen dann unter größeren Druck kommt als er müsste. Meistens geht das gut, weil er halt Weltklasse ist, aber es gibt halt bessere. Als Zehner geht ihm so einen Tick die Komplettheit der Aktionen ab. Er macht halt sein geniales kaum verteidigbares Ding, aber andere sind auf mehr verschiedenen Wegen ähnlich unverteidigbar, insbesondere ohne Ball. Es sind jeweils nicht viele, aber eben ein paar.

Eine 3er-Kette braucht auch Flügelspieler davor, die defensiv helfen können. Auch unter Guardiola. Das sehe ich bei Dinho einfach nicht. Und die braucht es erst recht, wenn man sich die Freiheit nimmt di Stefano so tief starten zu lassen wie ich es tue.
Klar hätte ich auch fünf oder noch mehr Stürmer aufstellen können, aber die stehen sich irgendwann auch auf den Füßen, werden redundant (was bei deiner Elf meine größte Sorge zwischen Maradona, Dinho und Pele wäre) oder destabilisieren das Konstrukt in Phasen und Situationen, die nicht ihrem Naturell entsprechen. Topspieler wie Dinho können sich sicherlich auch oft aus der ekligen Situation als Wingback mit Rücken zum Tor angespielt zu werden lösen, aber sie gehen dabei Risiken ein, die ich gerne umschiffen würde.

FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 23:13

ich möchte aber, dass busquets risikoavers und kleinräumig agiert, wie ein sechser, aber eben höher, weil die pressingresistenz es erlaubt noch höhere zirkulation zu haben und so sozusagen den 6er in den 8er raum zu verschieben… redondo wäre da absolut perfekt als unglaublich weiträumiger abfangjäger dahinter, und dazu passend wäre zumindest lahm auf einer seite als halbverteidiger, um bei bedarf die restverteidigung mit nur 2 personen zu überlassen und zusätzliche präsenz und balance in den 6er und 8er raum zu bringen, sowohl in defensive (va in pressingsituationen) als auch offensive, ob das puyol so gut könnte ist die frage, mehr dazu gleich

mit den halbverteidigern gebe ich dir recht, ich war mir da (in der redondo lahm halbverteidiger-version mit di stefano) wohl zu schade redondo oder v.a. lahm zu opfern, würde wenn es hart auf hart kommt im finale (xD) wohl eh auf maldini setzen, auf rechts wäre ich mir da nicht so sicher, ob es nicht wieder lahm werden würde, da er dann die option hätte nicht nur in letzter linie absichernd sondern auch in den 6er raum vordringend und redondo auf der 6 unterstützend vorzuschieben und dabei absolute weltklasse zu sein, das wäre zb puyol nicht möglich …. die frage ist natürlich ob das den verlust an rest- und strafraumverteidigungsklasse wettmacht, wahrscheinlich gegen weltklassegegner eh nicht

ronaldinho und maradona würde ich ebenso wie allen anderen spielern natürlich einbläuen ordentlich zu pressen und zu arbeiten, natürlich wäre das dann bei ronaldinho nicht auf kanteniveau aber eben nicht wie bei 6 stürmern , insofern spiele ich nicht mit 6 stürmern, einfach mit den besten spielern, die zufälligerweise (wirklich?) nunmal stürmer bzw. zumindest offensive mittelfeldspieler sind, man könnte natürlich auch statt maradona ronaldinho dort xavi und iniesta spielen lassen, aber es würde eben die durchschlagskraft rauben… ich wollte alles auf dribblingstärke (nicht nur pressingresistenz) im mittelfeld setzen, damit die passwege zustellen nicht reicht

wenn du di stefano auf der 6 hast spielst du ja dann auch nicht mit 6 stürmern

FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 23:15

hab jetzt 2 mal über lahm als halbverteidiger geschrieben aber der bub verdient sich das auch

FCB Gulagiola 17. Juni 2021 um 23:23

schade, er hat gesagt de bruyne darf am tisch daneben sitzen, nicht dass er 2. bester ist. also tu ich ihn nicht in meine elf, sonst wär er schon drinnen, als halbverteidiger ;)))))))))

Koom 15. Juni 2021 um 11:09

Hm, schwierig.

————— Schmeichel
Lahm – Van Djik – Boateng – Marcelo
———- Busquets
De Bruyne – Schweinsteiger
Messi – Ronaldo – RonaldoCR7

Vorrausgesetzt: Alle würden ihr Ego hinten anstellen, zusammenspielen, einander den Erfolg gönnen. Bei Schweinsteiger bin ich mir nicht 100% sicher, aber spontan einer der ersten Namen für das ZMF. Ich mochte seinen Mix aus defensiver Absicherung und sehr gelungenem Einschalten in die Offensive.

Es gibt einen Berg Namen, die man auch benennen müsste. Jemand wie Matthäus gehört 100% rein. Gerd Müller ist sensationell gewesen. Beckenbauer. Von diversen anderen „Legenden“ wie Pele & Co. ganz zu schweigen. Ich hab mich mal entschlossen, nur die Leute aufzuzählen, die ich richtig mitbekommen habe, auch im „modernen Fußball“ gesehen habe und die sich einander gut ergänzen könnten.

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Daniel 15. Juni 2021 um 16:34

——————CR7—-Gerd Müller—Messi————
————————Pélé——Modric———————-
——————————-Lahm—————————–
Marcelo–Beckenbauer–Cannavaro–Dani Alves
——————————Neuer—————————-

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M&S 15. Juni 2021 um 21:51

Bin zu jung, um viele der sonst gern genannten Spieler selbst gesehen zu haben, darum:
Laudrup-Henry-Messi
Iniesta———Xavi
Busquets
Maldini-Hummels-Baresi/Nesta-Lahm
Neuer
Effektiv wohl etwas asymmetrisch ausgelegt. Eine spielstarke und gleichzeitig extrem stabile Defensive, dazu das magische Barca-Viereck, Henry als Zielspieler und Tiefenläufer, und dann noch Michael Laudrup für die extra Prise Zauberei…

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tobit 12. Juni 2021 um 17:16

Ich fand Berardi ja sehr stark. War an sehr vielen gefährlichen Aktionen beteiligt (hatte bei allen drei Toren die Füße einleitend im Spiel), auch gerne Mal über links von Spinazzola oder Insigne in die Tiefe geschickt. Generell hat er aber auch viel mit Barella gewechselt, wer jetzt gerade den Flügel und wer den Halbraum besetzt.

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Taktik-Ignorant 12. Juni 2021 um 18:23

Meine Eindrücke von dem sehr unterhaltsamen Spiel:
Dass Insignie nicht so stark zur Geltung kam, lag m.E. an der letzten Endes doch gut gestaffelten türkischen Abwehr. In der ersten Halbzeit passierte ja wenig Nennenswertes, die Kopfballchance von Chiellini nach einem Standard und der schön herausgespielte Schlenzer von Insignie aus einer seitlich versetzten Position. Die zunehmende Unordnung der türkischen Defensive in der zweiten Halbzeit hat mich dann überrascht. Defensiv hatte ich den Türken mehr zugetraut, nachdem sie in der Quali insgesamt nur 3 Gegentore kassiert hatten, davon meines Wissens keines aus dem laufenden Spiel heraus.
Dass Italien mit einer klaren Struktur und Ordnung spielt, ist eigentlich nichts Unitalienisches (zumindest nicht im Fußball). Der italienische Spielansatz war vorsichtig, auf Ball(rück)eroberungen in der gegnerischen Hälfte oder im Raum um die Mittellinie ausgerichtet, vermutlich mit dem Ziel, die eigene sehr erfahrene, aber auch in die Jahre gekommene Abwehr nicht schnellen Gegenstößen auszusetzen. Insgesamt von den Italienern eine saubere Leistung, ein mit wenig Risiko souverän eingefahrener Sieg, der den Aufwärtstrend des italienischen Fußballs bestätigt.

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tobit 12. Juni 2021 um 19:55

Bei Insignes Leistung würde ich auch noch die Personalie Locatelli statt Verratti in den Raum werfen. Letzterer erfordert einfach nochmal ein anderes Level an Aufmerksamkeit vom gegnerischen Mittelfeld, wo dann vllt Karaman öfter Mal nicht Spinazzola strikt verfolgt und damit Kombinationsraum für Insigne geöffnet hätte.

Der Zerfall der Türken begann für mich ziemlich eindeutig nach dem 1:0. Da „mussten“ sie offensiv mehr tun, das wurde aber von den Italienern meisterhaft erstickt.
Der Wechsel Ünder für Yazici war definitiv eine gute Idee um die alten Herren ins Laufen zu bekommen und man sah auch kurz ein paar Ansätze, dass man darüber vllt Mal Gefahr erzeugen könnte. Aber der Ball war dann insgesamt zu oft schon wieder weg bevor er überhaupt zu Ünder kam oder wurde überhastet Richtung Yilmaz gebolzt, den Chiellini mehrfach gefressen hat.

Wenn die Italiener dieses Level (gerade im Mittelfeld) gegen den Ball aufrechterhalten können, gehören sie für mich zu den Favoriten. Dafür ist die (passende) Besetzung im Zentrum nach den Ausfällen von Sensi und Pellegrini aber doch schon recht dünn. Cristante konnte mich da in seinen paar Minuten nicht überzeugen.

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CT 12. Juni 2021 um 16:25

Meiner Meinung nach war das erhöhte Pressing von der Türkei in der 2. Halbzeit ausschlaggebend für den Sieg der Italiener. In der 1. Halbzeit hatte ich den Eindruck, dass es Yilmaz und Yazici schafften mit Mannorientierungen die beiden Sechser der Italiener auszuschalten. Dahinter sicherten Yokuslu und Tufan solide ab. Aber in der 2. Halbzeit agierte Yilmaz höher und presste vereinzelt die Innenverteidiger bzw. leitet sie. Dadurch mussten häufiger beide Achter mehr nach vorne schieben und Yokuslu musste alleine mit situativen Mannorientierungen den Zwischenlinienraum im Pressing besetzten. Was häufig zu mehr Platz für Barella im Halbraum führte. Außerdem zockte Ünder vermehrt und Türkei war häufig in einer Unterzahl im Zwischenlinienraum. Mit guten Halbraumverlagerungen schafften es die Italiener diese Überzahl auszuspielen.
Stimmt ihr mir dabei zu?

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Ein Zuschauer 14. Juni 2021 um 15:06

Das finde ich ja irgendwie recht überzeugend. Hat vielleicht aber auch damit zu tun, dass eben schon Ende der ersten Halbzeit erste Auflösungserscheinungen gab und der Coach deswegen das Gefühl hatte ein bisschen was ändern zu müssen. Würde ja fast davon ausgehen, dass die Türkei auch so letztendlich ein bisschen auseinandergebrochen wäre, wenn halt auch erst später. Man hatte ja glaube ich auch 0 Torschüsse in der ersten Halbzeit, das kann auf Dauer auch nicht gut gehen, über Distanzschüsse oder Standards (strittige Elfmeterfrage wurde hier ja auch schon angesprochen) wird man dann vermutlich doch verlieren, wenn man so hinten rein gedrückt wird.
Finde ja aber auch, dass das Problem dann fast eher das Offensivspiel der Türken war.

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