Variabilität der Wiedererstarkten

0:3

In den letzten Jahren wurden die einstigen „Großen“ Milan und Inter oft nur belächelt. Diese Saison stehen die beiden Mailänder Klubs wieder auf den Rängen eins und zwei in der Serie A. Hohe Variabilität machte das direkte Stadtduell um die Tabellenspitze aus. Inter gelang die Umsetzung noch etwas zielgerichteter.

Die beiden Teams von Stefano Pioli bzw. Antonio Conte agierten aus flexiblen Formationen heraus. Sie stellten wechselnde Ausgangslagen in der grundlegenden Raumaufteilung her, auf denen sie ihre Aktionen begannen – speziell bei Ballbesitz. Je nach Struktur konnten darauf unterschiedliche Sets an Bewegungsmustern folgen.

Inter ließ oft Eriksen von der linken Achterposition flacher neben Brozovic zurückfallen. Bei kleinräumigen Eröffnungen zur Seite oder kurzen Dribblings rückte situativ einer der Verteidiger höher in den Raum. Daneben gab es asymmetrische Staffelungen der Dreierkette und dann auch der Flügel, von denen sich einer tiefer oder enger positionierte und der andere enorm hoch und breit. Insgesamt sollten die Schwarz-Blauen von Antonio Conte die hohe allgemeine Variabilität letztlich etwas besser ausführen als der Lokalkonkurrent.

Aus einer 4-2-3-1-Grundformation bildete Milan meistens eine Dreierkettenanordnung für die Offensivausrichtung. Von links rückte Hernández vor und diente gemeinsam mit Saeldemaekers als Breitengeber. Diese Rollen wurden gelegentlich variiert, wenn sich auch der Rechtsverteidiger höher einschaltete. Dies wiederum konnte potentiell mit herauskippenden Aktionen eines Sechsers, später auch zunehmend durch Calhanoglu von der Zehn, einhergehen, speziell nach halbrechts.

Milans Präsenz um die Formation herum

Im Zuge einer solchen Konstellation kamen die zwei defensiven Mittelfeldakteure Kessie und Tonali zu erhöhter Präsenz, anders als im Zentrum. Dort schirmten Lukaku und Lautaro vor dem hinteren 5-3-Block den Sechserraum geschickt und sehr engagiert ab. Milans Sechser hielten sich in diesen Zwischenräumen eng aneinander, aber konnten sich kaum in kleine Passlücken lösen.

Anderweitig wurden die Rot-Schwarzen bei der Besetzung des Zentrums – zusätzlich zu diesem Duo, auf dem Weg nach vorne – mitunter nachlässig. Erfolgte die erste Eröffnung gegen die dichte 5-3-2-Formation nach außen, gab es viele unterstützende Bewegungen für nahe Anspielstationen. Der Drang zum Ball war teilweise enorm. Um die gegnerische Formation herum stellte Milan oft viele kleine Pärchenbildungen her.

Vor allem nutzten Piolis Mannen sehr oft und sehr vielfältig individuelle Auftaktbewegungen. In Verbindung mit kleinen Doppelpässen oder kreuzenden Bewegungen ließ sich Inter dadurch in Bewegung bringen und im günstigen Fall locken. Dieses ausgeprägte Engagement der Rot-Schwarzen konnte aber auch zu weit gehen, wenn die Offensivspieler irgendwann zu extrem aus der gegnerischen Formation heraus tendierten.

Vielseitige Spielfortsetzung über den Flügel

Ballnah bedeutete dies, dass Milan oft den Flügel entlang spielen musste. Über Saeldemaekers und Hernández gab es kaum Aussichten, da Inter mit dem ballnahen Flügelverteidiger sehr günstig herausrücken konnte. Gerade in diesen Momenten staffelten sich Contes Mannen sauber. Die ballnächsten Akteure fanden ein gutes Timing zum Vorrücken und ein gutes Gespür für den gerade in der Umsetzung notwendigen Grad an Aggressivität.

Viel seitliche Präsenz bei Milan: Calhanoglu ist hier herausgekippt und fordert den Ball. Er überlässt das Leder dann Saelemaekers, der nach innen dribbelt. Daraufhin bietet sich Kessie als kurze Option an und Tonali versucht tief zu starten, in die Lücke zwischen Brozovic und Barella bzw. im weiteren Verlauf dann Bastoni und de Vrij. Die Bewegungen sind nicht ohne Risiko, durch die hier ausgeprägte Beteiligung der Sechser entsteht dafür Präsenz zum Halbraum für die Spielfortsetzung von der Seite. Der Pass kommt im ersten Versuch gegen Brozovic´ Deckungsschatten nicht durch, im zweiten Anlauf kann Kessie das Leder zumindest in den Strafraum chippen, wo durch die Bewegungen Unruhe entstanden ist. Hernández (man beachte die hohe Offensivpräsenz mit recht flachen Staffelungen) läuft aus der Halbraumposition durch. Nach einem Abpraller führte die Szene zu seinem gefährlichen Torabschluss.

Andribbelnde Aktionen herausgekippter Mittelfeldakteure waren für Milan hier also erst einmal wichtig, um den eigenen Breitengeber höher schieben und so den gegnerischen Flügelverteidiger besser tief binden zu können. Rechts bestand zudem die Möglichkeit des Aufrückens durch Calabria, woraufhin das Szenario eines „Zusatzspielers“ im Halbraum winkte, wenn Saeldemaekers dafür nach innen schob.

Das führte mit zu den besten Ansätzen des Teams, die sich diagonal zum rechten Strafraumeck nach vorne entwickelten, passierte aber zu selten. Als Calhanoglu sich im Laufe der ersten Halbzeit tiefer einschaltete, machte Tonali mehr Wege nach vorne. Gerade rund um Saelemaerkers konnte er sich mit seiner unterstützenden Art besser einbringen denn als Strukturgeber. Wenn ihm Kessie das Herauskippen abnahm, versprach das interessante Szenen.

Das zusätzliche Nachrücken auch von Calabria nahm erst in der zweiten Halbzeit zu. Normalerweise übernahm der Rechtsverteidiger aber nicht die Breite, sondern sorgte nach Zuspielen auf den Breitengeber immer konstanter für Vorderlaufen durch den Halbraum. Demgegenüber schienen eingerückte Positionierungen von Saeldemaekers noch wertvoller, weil Milans Offensivleute in Strafraumnähe etwas zu sehr in die letzte Linie und damit zu übermäßig flachen Staffelungen tendierten.

Innerhalb dieser Anordnung gab es horizontal wiederum immer mal Positionswechsel, auch eine variable Strafraumbesetzung durch die situative Ergänzung der Akteure von den Flügeln. Erst für das Gegenpressing bewegten sich die Offensivakteure aber häufiger auch wieder aus der vordersten Linie heraus, zumal die nachrückenden Sechser ebenfalls schnell jagten. In diesen Bereichen kam wiederum Tonali als bissiger Techniker gut zur Geltung. Seine stärkere Offensivbeteiligung begleitete eine größere Druckphase Milans kurz vor der Halbzeit.

Schwierigkeiten mit ballfernen Folgeaktionen: Rhythmuswechsel und Kontaktzahl

Ballfern hätten die verschiedenen ausweichenden Bewegungen neben die gegnerische Defensivformation grundsätzlich wirksam werden können. Verlagerte Milan die Seite und quasi in die Räume vor dem gegnerischen Flügelverteidiger, gab es einige Male die Möglichkeit, von dort mit einer schnellen Anschlussaktion diagonal in den Block hinein zu spielen. Doch die Rot-Schwarzen vermochten diese eigenen Optionen in Fällen, in denen die Besetzung gegeben war, nicht zu nutzen.

Fast immer war es eine von zwei typischen Schwierigkeiten, die dies verhinderte: In einer ersten Konstellation verließ die offensive Anspielstation – also der potentielle „dritte“ Mann für die weitere Spielfortsetzung nach vorne – seine eigentlich gute Position. Das passierte, wenn auch dieser sich weiter seitlich absetzen wollte, um selbst den Ball zu fordern. Damit war die ursprüngliche Option also dahin. Die Aktivität vollzog sich in diesem Fall an der falschen Stelle.

In einer zweiten Konstellation blieb sie demgegenüber zu gering: Die angespielten Offensivakteure bei den Rot-Schwarzen verpassten es mehrmals, nach dem Erhalt eines Passes eine dynamische Folgeaktion anzuschließen. Bei einer Mitnahme ins Dribbling bedeutete dies, in der Ballführung das Tempo anzuziehen; und bei einem Klatschball mit dem ersten Kontakt ging es darum, sich daraufhin wieder selbst in einen anderen Raum abzusetzen.

Insgesamt schienen die Offensivakteure nach Verlagerungen aber zu stark auf die Prämisse Ballsicherung fokussiert, fast schon getrimmt. Grundsätzlich war das ein wichtiges Gut, denn umgekehrt kann Ungeduld in der Ballzirkulation sehr gefährlich werden. Doch gestaltete sich der Fokus in diesem Fall letztlich zu ausgeprägt und dann doch – bei der enormen taktischen Variabilität des Spiels – strategisch zu eintönig.

Calabria spielt den breit positionierten Saelemaekers an. Dieser könnte eine schnelle Spielfortsetzung nach innen in den Freiraum auf Kessie folgen lassen (graue Pfeile), wartet aber zu lange und so kann Eriksen im Rückzug schließlich den Weg quer nach innen schließen (blauer Pfeil). Da Eriksen sich zunächst nach außen bewegen musste und Calhanoglu sich weiter zum Ball in Bewegung setzte, hatte Milan in dieser Szene grundsätzlich die nötigen Voraussetzungen beisammen, damit Kessie den Angriff hätte weiter tragen (Folgeoptionen in grau) und man eine mögliche Pressingfalle Inters hätte vermeiden können. Letztlich entscheidet sich Saelemaekers gegen die Beschleunigung und spielt zurück auf Calabria. Dieser hatte sich nach dem Pass zwar abgesetzt, antizipierte aber die weiteren Folgebewegungen der Gegenspieler im Pressing aber nicht gut und so war die Vorbereitung auf die neue Aktion nicht optimal. Folglich gestaltete sich der Übergang zurück in die Zirkulation unsauber. Bei der Verlagerung nach links hatte Milan zwischenzeitlich Glück, dass es in isolierter Position nicht den Ball verlor. So kamen die Mannen von Pioli stattdessen wieder mit dem nächsten Wechsel zurück nach rechts, wo sich dann direkt die obige Szene anschloss.

Nach einem ersten Raumgewinn verhielten sich die Akteure häufig so, als befände man sich weiterhin in einer frühen Vorbereitungsphase. Sie nahmen unnötig viele Ballkontakte in Situationen, in denen eine zügige Fortsetzung zu den Angriffsräumen über vorwärtsgerichtete Bewegungen machbar gewesen wäre. So verlief die Ballzirkulation Milans in einem weitgehend gleichförmigen Tempo, mit insgesamt zu wenigen Tempowechseln, die sich klar aus Entscheidungen der Akteure ergeben hätten.

Inter reagiert dynamischer und fokussierter

Das war letztlich ein Knackpunkt in ihrer variablen Anlage. An dieser Stelle lag letztlich der Vorteil des Stadtrivalen: Inter erkannte – zunächst einmal einfach auf der individuellen Ebene – etwas besser bzw. die einzelnen Interisti erkannten etwas besser, ob bzw. wer in einer bestimmten Situation gerade gefordert war, sich beispielsweise aktiver zu verhalten oder das Tempo zu drosseln.

Auf dieser Basis kann innerhalb einer variablen Gesamtanlage dann deren über-individuelle Synchronisation funktionieren. In Bezug auf die vielseitigen Staffelungen hieß das hier: Wenn beispielsweise die Dreierkette asymmetrisch nach links versetzt aufbaute, musste der rechte Flügelverteidiger tiefer stehen. Daraus resultierten für den ballnahen Stürmer eher breitere Positionierungen. Meistens achteten Lukaku bzw. Lautaro aufmerksam darauf und setzten das entsprechend um.

In Bezug auf das Ausspielen der Staffelungen gab es bestimmte Muster: Auf einige Passwege folgten wiederkehrend typische Reaktionen in den Bewegungen. Wurde Hakimi nicht über-, sondern beispielsweise recht scharf angespielt, lag es nahe, dass Brozovic die nächste Anspielstation herstellte und sich dafür kurz anbot. Grundsätzlich gab es bei Milan vergleichbare Konstellationen und Ähnlichkeiten dazu:

Speziell in Momenten, in denen über rechts beispielsweise ein Doppelpass und anschließend ein Horizontaldribblings dafür sorgten, dass Brozovic weiter nach außen nachschieben musste, kam es besonders vor, dass im Zentrum verbliebene Mittelfeldspieler daraufhin einen Vorwärtslauf starteten. Schon von den ersten Aufbaumomenten hinweg funktionierten Anschlussaktionen und ergänzende Bewegungen bei Inter noch etwas aktiver und zielgerichteter.

Qualitäten in der Situationseinschätzung

Im Einzelnen kamen auch bei Contes Mannen zwischendurch unsaubere Abläufe vor, die Grundprinzipien schienen teils mehr und teils weniger definiert. Vor allem lassen sich nicht alle Details verschiedener Muster in der Betrachtung von außen exakt zusammenfassen. Darum geht es auch gar nicht. Entscheidend war, dass Inter die Charakteristika von Situationen passend einschätzte.

Die Spieler erkannten oft, inwiefern in den nächsten zwei bis drei Sekunden vielleicht eine eigene Unterzahl drohen oder womöglich eine vielversprechende Konstellation für Wege in die Tiefe oder für Wege in die Breite entstehen könnte. Insgesamt gelang ihnen das wirklich gut und am Ende eben etwas besser als dem Gegner – passend für einen Sieg, aber nicht in jener Deutlichkeit des 3:0-Endstandes.

Generell ist es wichtig, die möglichen Folgewirkungen von Aktionen, die passieren oder die man als wahrscheinlich erwartete, zu antizipieren und den nächsten Moment entsprechend vorzubereiten. Milan machte das punktuell gut, aber eben punktueller, Inter noch etwas dynamischer und explosiver. Nicht zuletzt ist das gerade in den Situationen wichtig, in denen die jeweiligen Aktionen an sich gar nicht so hochwertig sind. Inter nutzt zwischendurch viele lange Bälle – manchmal zu viele – und vergleichsweise simple Flügellinienpässe auf die ausweichenden Stürmer. Eine der Stärken des Teams ist es, wie sauber es diese vorbereitet.

Die Besonderheit von Lautaro und Lukaku

Gerade bei den Ausweichbewegungen kommt in der vordersten Linie, wo man normalerweise am anfälligsten für numerische Unterzahl und fehlende Präsenz sein kann, dann noch die besondere individuelle Komponente dieses Teams hinzu: Das Sturmduo aus Lukaku und Lautaro Martínez. In Kombination sind die beiden herausragend und passen sehr gut zueinander. Wenn Lukaku als Zielspieler genutzt wird, kommt Lautaros beeindruckende Intuition zum Tragen, welche Bewegungen er in solchen Fällen wählen muss.

Dadurch wird das individuelle Ballsichern des Belgiers noch effektiver, das ohnehin schon absurd gut funktioniert. Wie robust sich Lukaku Gegenspieler vom Leibe halten kann, wenn er weiß, dass er das Leder zunächst nur halten muss, und welch großräumige Ballführung ihm dabei möglich ist, macht einen speziellen Faktor für Inter aus – gewissermaßen eine Art „Bonus“ für die gute Umsetzung. Hinzu kommt Lukakus oft geschickte Körperdrehung zum Raum.

Dadurch werden etwa Freilaufbewegungen in extrem breite Positionen möglich, die normalerweise zu isoliert wären. Dies wiederum führt dazu, dass Lukaku als Zielspieler qualitativ mehr Situationen hat, in denen unterstützende Defensivleute nicht mehr rechtzeitig zum Doppeln kommen können – und davon profitiert er eben entsprechend. Sowohl die Entstehung des 0:1 als auch des 0:2 waren Paradebeispiele dafür.

Fragen der Pressinghöhe bei Milan

Beim ersten Tor spielte zusätzlich die asymmetrische Staffelung im Aufbau mit tieferem Hakimi eine Rolle. Durch solche Variationen war Milan stets gefordert, die eigenen Staffelungen zu überprüfen und/oder zu aktualisieren. Normalerweise konnte man flexibel mit drei Leuten vorne anlaufen und am Flügel den jeweiligen Außenverteidiger vorrücken lassen.

Hier war Rebic in eine engere Position gezogen, Hakimi stand flacher und der Weg für Hernández zum Vorrücken wurde dadurch weiter. Milan konnte in dieser Situation nicht schnell genug auf diese Umstände reagieren und das eigene Vorgehen anpassen, sondern folgte dem normalen Ablauf. Dieser passte situativ nicht (mehr). Wenn man im Mittelfeldpressing „nur“ Räuem zustellen muss, kann man solche Momente wesentlich unproblematischer und unbeschadeter überstehen.

Die anfängliche Entstehung des 0:1: Inter mit asymmetrischer Dreierkette in der Eröffnung, Hakimi flach positioniert, Perisic als extremer Breitengeber. Für Hernández ist der Weg dadurch letztlich zu weit. Milan versucht ballnah Druck zu machen, Kessie schiebt richtigerweise auf Barella und Saelemaekers auf Eriksen heran. Letztlich kommt das Team aber zu spät, bei Inter findet Barella ein gutes Timing zum Ball hin und Hakimi eine starke Passgewichtung.

Will man aber vorne anlaufen, sind verlängerte Wege und „Verspätung“ im Herausrücken gar nicht. In dieser Szene brachte das frühe Zustellen außen nicht früh genug Druck auf das Leder zustande. Jenes frühe Tor sorgte dafür, dass Milan stärker als Inter genau solche höheren Pressingmomente auch im weiteren Verlauf der Partie würde nützen müssen.

Piolis Mannen machten es grundsätzlich nicht schlecht: Sie bereiteten die Aufnahme von Mannorientierungen in Ballnähe vor und konnten dafür – bei flachen Positionierungen Eriksens – den ballfernen „Sechser“ durch den eigenen ballfernen Außen zuschieben. Dieser musste anspruchsvoll pendeln: Gegen Inters weiträumige One-Touch-Verlagerungen war es wichtig, auf jener Position etwas früher wieder auf die Breite zu spekulieren als sonst. Weitgehend fand Milan dafür beispielsweise ein gutes Maß, auch wenn es zwischendurch nachlässige Phasen gab.

Auch das Herausrücken und der Neustart des Jagens nach gegnerischen Rückpässen gestalteten sich flexibel. Einzelne Zentrumsspieler pressten situativ vor die Stürmer nach vorne durch oder seitlich an diesen vorbei diagonal zum Flügel. Sie erkannten oft Möglichkeiten zum Durchlaufen auf weitere Rückpässe. Inmitten dieser Flexibilität hätte das mannschaftliche Vorrücken jedoch noch geschlossener verlaufen können:

Zwischendurch klinkten sich entweder Ibrahimovic oder Rebic mal aus oder die Kollegen versuchten die vorderste Reihe schon frühzeitig weiter nach vorne zu verlagern, wenn es günstiger gewesen wäre, noch einige Momente zu warten. Kurz gesagt: Es fehlte dann mitunter die Eindeutigkeit in der Pressinghöhe – mit der Gefahr, dass Einzelspieler unnötige Wege liefen.

Resümee: Inters leichte Vorteile in der Umsetzung

Inter hatte in der ersten Halbzeit nach der frühen Führung nicht viel Ballbesitz und nicht viele Aufbauszenen. Aber die wenigen Fälle beeindruckten: Contes Team agierte so variabel, passte sich so schnell an und unterstützte mit Bewegungen aus dem Mittelfeld heraus so gut, dass es vergleichsweise oft aus der ersten Reihe bis ins Angriffsdrittel durchspielen konnte. Zwischendurch bewegte sich einer der Verteidiger mal unsauber oder Barella traf eine falsche Entscheidung, aber quantitativ war das auffällig selten.

Die Übergänge gelangen schon ungewöhnlich konstant und zuverlässig. Unter Druck profitierte Inter etwa von den geduldigen ballfernen Positionierungen der Achter, die die Verteidiger im Zweifel auf Verdacht anspielten, weil sie auf die konstante Besetzung vertrauten. Bei langen Bällen wiederum kamen die engagierten Bewegungen im Nachrücken zum Tragen. Nicht jeder Spielzug wurde also im höchsten Fluss nach vorne getragen, aber zumindest konnte Inter in solchen Fällen oft verhindern, dass der eigene Ballbesitz tatsächlich abbrach.

Das Ausspielen in Strafraumnähe war dann stets eine eigene Angelegenheit, aber bis dahin beeindruckte der Ballvortrag. An dieser Stelle war es im Vergleich entscheidend, dass Inter hauptsächlich gegen hohes Pressing anspielen musste und Milan gegen tiefes Verteidigen – eine günstigere Konstellation für Inter also. Einerseits muss man das für eine Einordnung des Gezeigten berücksichtigen, andererseits basierte der „Vorteil“ zumindest auf einem sauber herausgearbeiteten Tor (vor dem Milan sich problemlos hätte entscheiden können, das Anlaufen abzubrechen).

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