Türchen 5: Cesc Fabregas

Auf seinem Zenit im September 2011 schlug Guardiolas Barcelona den Club Atlético aus Osasuna vernichtend mit 8:0. Spaniens Ex-Nationalspieler David Villa traf dabei doppelt. Lionel Messi glänzte sogar mit drei Treffern. Aber dennoch: Der heimliche Star des Abends war ein anderer.

Aufstellungen und Offensivmuster vom FC Barcelona (Credits gehen an RM)

Totaler Fußball

Barcelona agierte in dieser Partie im Spiel mit Ball aus einer 3-1-2-1-3-Grundordnung. Darin gab es auf der linken Halbverteidigerposition vom Typus her einen Hybridspieler aus Innen- und Außenverteidiger, wohingegen sich der Rest der Abwehrkette aus Zentralverteidiger Puyol und Eigentlich-Sechser Mascherano zusammensetzte. Dani Alves, der in diesem Spiel fast durchgehend als rechter Flügelspieler agierte, zählte wohl auch im weitesten Sinne nicht mehr zu dieser Abwehrkette, was sich an seinem Verhalten im defensiven Umschaltmoment zeigte, wo er aber weitere Wege ging als David Villa. War Alves Rolle in der Offensive eher auf Durchbrüche am Flügel (und dabei trotzdem dribbellastig) ausgelegt, setzte sein Gegenüber David Villa Osasuna-Außenverteidiger Bertran mit seinen inversen Dribblings vom linken Flügel fast durchgehend unter Druck oder zeigte horizontale bzw. diagonale Läufe ins Zentrum. In diesem Konstrukt bildete Busquets die Schaltstelle im Zentrum der tiefen Ballzirkulation, während die beiden Achter etwas weiträumiger eingebunden waren. Xavi bewegte sich dabei häufiger in den Raum vor Abidal oder wich auf den linken Flügel aus. Thiago musste auf der rechten Seite ebenfalls häufiger und weit auf den Flügel ausweichen, um die Breite im zweiten Drittel herzustellen oder um im Halbraum Platz zu schaffen: Platz den der häufig aus der Spitze zurückfallende Messi nutze oder in den sich der nach rechts gedriftete Zehner Fabregas bewegte.

Ein tiefer Gegner ohne Zugriff

Das Spiel des FC Barcelona gegen den Ball diskutieren wir in dieser Analyse erst gar nicht. Man kann sich wohl vorstellen, dass Barcelona bei diesem Ergebnis einen recht hohen Ballbesitzwert vorzuweisen hatte (so war es auch) und entsprechend selten in der eigenen Defensive zu finden war. Dass Osasuna hingegen aus einer 4-4-2-Grundordnung agierte und diese gezwungenermaßen über weite Strecken als Mittelfeld- und Abwehrpressing anlegen musste, ist hingegen nicht ganz unwichtig. Denn die daraus resultierende Konstellation im Mittelfeld bedeutete grundsätzliche eine starke Überzahl im Zentrum für Barcelona, die Osasunas Mittelfeldreihe horizontal doch häufig recht kompakt zum Zusammenziehen zwang. Dabei waren aber direkte Zuordnungen trotzdem schwer möglich, weil Osasunas Mittelfeldreihe zumindest prinzipiell im Sinne einer Kette agieren wollte. In Kombination mit der numerischen Überzahl Barcelonas in der ersten Aufbaulinie bedeutet das: Osasuna bekam im Zentrum selten wirklichen Zugriff und musste auf den Außen zudem häufig Räume offen lassen. Andererseits bedeutete das aber auch: Wenn es in Richtung Tor ging, hatte Barcelona im Zentrum mit Messi und Fabregas nur zwei Akteure. Dass Barcelona seinen Gegner an diesem Abend dennoch derart auseinandernehmen konnte, lag dabei vor allem an diesen beiden Spielern. Dabei war die von Cesc Fabregas herausragend interpretierte Rolle als balancegebender Hybridspieler aus Zehner und Stürmer und seine Spielweise als Support-Spieler für Messi der wesentliche Faktor für den extrem hohen Sieg.

Fabregas: der ausweichende und omnipräsente Verbindungsspieler

Im Übergangsspiel gab es verschiedene Möglichkeiten, wie Fabregas auf die Bewegungen von Messi reagierte. Ließ sich der Argentinier aus der Spitze in einen der beiden (zumeist den rechten) Halbraum zurückfallen, bewegte sich Fabregas entweder auf die andere Seite, um auch dort eine Anspielstation im Zwischenlinienraum anzubieten, über die man die Mittelfeldkette des Gegners überspielen konnte. Oder er rückte situativ nach vorne auf, um im Zentrum Osasuns Innenverteidiger zu binden, dem Spiel Tiefe zu geben und Messi so Platz zum Anbribbeln der gegnerischen Abwehrkette zu verschaffen. Mitunter agierten die beiden relativ eng zusammen, um dem jeweils anderen kurze Anspielstationen für Abschlüsse oder für die Befreiung aus teilweise bewusst erzeugten Engen zu bieten.

Im Übergangsspiel rochierte er aber auch immer wieder auf den linken Flügel, wenn Xavi hier noch nicht aufgerückt war, um das Spiel nach vorne zu tragen. Hatte Barcelona den Flügel durch Außenverteidiger, Achter und Flügelspieler überladen, war es Fabregas, der das Spiel an die Mitte anzubinden hatte.

Fabregas: der stürmende und raumöffnende Zehner

Im Angriffsspiel waren die vielen gegengleichen Bewegungen zwischen Messi und Fabregas das prägende Muster der Partie. Der Effekt war zum einen wiederum der, dass Fabregas so Räume für Messi öffnete und diese im Zentrum bespielbar machte bzw. dem Spiel Tiefe gab. Mit Fabregas und seinen Laufwegen ins Sturmzentrum hatte Barcelona damit nicht nur ein Bindeglied zwischen Mittelfeld und Sturm, sondern beim Fertigspielen der Angriffe auch einen echten Stürmer vor dem Tor. Bewegte sich Messi bei Durchbrüchen in die Spitze, besetzte Fabregas häufig den Rückraum.

Fabregas spielt nach einer Verlagerung von Thiago den Doppelpass mit Messi und trifft anschließend Volley zum 2:0.

Interessant: Nach Ballverlusten in der Spitze war es stets Fabregas, der durchlief, um den Ball sofort wieder unter Druck zu setzen.

Fazit

Die geschickte Einbindung von Cesc Fabregas und die saubere Abstimmung seiner Spielweise mit jener von Lionel Messi brachte in dieser Partie (und zu dieser Zeit allgemein) die Stärken beider Akteure extrem gut zur Geltung. Beide konnten die Räume, die der jeweils andere häufig zu öffnen vermochte, für sich nutzen, wobei die Art und Weise, wie sie diese Räume nutzten, unterschiedlich war (Fabregas teilweise sehr direkt und raumgreifend im Dribbling sowie mit Läufen in die Tiefe, Messi häufiger gegnerschlagend oder gegnerbindend).

Lionel Messis Leistung in dieser Partie war sicherlich ebenfalls herausragend, in erster Linie aber vor allem deshalb möglich, weil ihm mit Cesc Fabregas ein besonderer Akteur in einer omnipräsenten Support- und Balancegeberrolle zur Seite stand. Dass Fabregas dabei aber nicht nur diese Rolle ausfüllte, sondern ebenfalls als Torjäger auftrat (Torquote von mehr als einem Treffer pro Partie um dieses Zeit), machte den Spanier zu einem besonders wertvollen Spieler.

Wer sich Barcelonas Spielweise zu dieser Zeit (und in der Partie gegen Osasuna) etwas genauer zu Gemüte führen möchte, dem sei an dieser Stelle die In-Depth-Analyse von RM empfohlen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*