SV Podcast Nr. 30: Das deutsche Debakel

„Die Mannschaft“ ist raus, Deutschland ist in Hysterie. Wir versuchen, das Erlebte zu analysieren und einzuordnen.

Nach dem deutschen Gruppen-Aus haben wir uns erneut zum Podcast eingefunden. Constantin Eckner (CE) moderiert, Tim Rieke (TR) und Martin Rafelt (MR) diskutieren die Gründe, die zum Ausscheiden führten. Zudem sprechen wir über die Einordnung der schwachen Leistungen und wagen einen Ausblick auf die nächsten Jahre der Nationalmannschaft.

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Nixchecker 4. Juli 2018 um 21:40

Warum wurde die Raute verworfen? Ich verstehe, dass man einen 6er braucht, dann mit Kroos und Khedira zwei super 8er hat, und in Özil einen guten 10er. Dann könnte Müller auch hängende Spitze hinter Werner / Gomez spielen?

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Koom 5. Juli 2018 um 09:50

Spekulation: Deutsche Medien. „Da haben sie dann noch 3 Sechser vor der Viererkette – kein Wunder, dass da kein Tor fällt!!!“ Ja, ist bullshit, aber sowas spielt vermutlich eine kleine Rolle.

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Taktik-Ignorant 5. Juli 2018 um 16:18

Bei Khedira denke ich, daß wir ihn aus körperlichen Gründen (Altersverschleiß) nicht mehr in der Nationalelf sehen werden. Auch bei Özil bin ich skeptisch.
Müller hatte in der Nationalmannschaft immer einen gewissen Rechtsfokus, auf dem Flügel waren dann noch Lahm (jetzt Kimmich), und Khedira oder Özil wichen manchmal dorthin aus. Mit der gebotenen Verjüngung sieht die deutsche Offensive vermutlich doch künftig anders aus, Brandt, Sané und Werner werden größere Rollen bekommen, auch Gnabry; einen Joker mit Brecherqualitäten könnte man sich als Ergänzung vorstellen.
Bei Götze bleibt abzuwarten, ob er nochmal zu einer nationalmannschafts-tauglichen Form zurückfindet.
Zu den möglichen 6ern als Kroos-Absicherung wurde schon einiges gesagt und geschrieben, das brauche ich nicht zu wiederholen.
Hummels und Boateng wollen weitermachen, aber ich sehe eher Süle, Rüdiger, Tah, Ginter, und vielleicht, wenn er sein Temperament zügeln kann, Kehrer als künftige IV. Auf der Außenverteidigerposition sollte sich etwas tun, und ich würde es auch mit Ter Stegen probieren (bin mir nicht sicher, ob Neuer noch sein altes Niveau hat).

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FAB 2. Juli 2018 um 09:01

Sehr interessanter Podcast. Die wichtigen Aspekten wurden besprochen.
Ankersechser, Khedira, …
Bei der Offensive ist die Analyse etwas ausgeblieben:
Auffällig, der Name Thomas Müller ist glaube ich gar nicht gefallen. Immerhin war er der beste deutsche Torjäger bei den letzten beiden WM’s.
Auch Reus – er war ja eigentlich der Hoffnungsträger für eine erfolgreiche WM – fand ich übrigens enttäuschend. Das er nicht schon gegen Mexiko von Beginn an spielen durfte, hat ja nicht nur den Effekt der Schonung, sondern Löw hat damit ja auch gezeigt, dass er in der Hierarchie im Team weit hinten ist. Gegen Schweden hat er ohne Özil gut funktioniert, gegen Südkorea fand ich ihn zusammen mit Khedira die große Enttäuschung. Meine These ist, dass er mit Özil überhaupt nicht zusammenpasst. Özil braucht ja im Prinzip einen Abnehmer für seine Kreativideen, Reus ist aber eigentlich selbst auch lieber Initiator, als derjenige der eine „kontrollierte“ Aktion ausführen soll. Özil macht das Spiel schnell aus der Tiefe, Reus noch schneller im Zwischenraum, der Ball ist weg … beide scheinen einen ganz anderen Rhythmus zu haben, wenn es darum geht eine Offensivaktion einzuleiten … Reus startet seine Offensivaktionen ja lieber aus einem kontrollierten Spielaufbau aus dem Mittelfeld, während Özil den Ball schnell und tendenziell überraschend in die Spitze spielt, der Ball muss dann aber dort erstmal kurz vor der Verwertung kontrolliert werden. Das ist einfach nicht das Spiel von Reus.
Ansonsten: Das mit der Fitness habe ich übrigens nicht so gesehen. Letztlich scheinen alle Mannschaften in Russland irgendwie physische Probleme zu haben, keine Ahnung ob das am Klima liegt. Ich habe mir das Spiel nochmal angeschaut, verschiedene Läufe hat man sich schon zu Beginn „gespart“, die Anstrengung war insgesamt glaube ich schon enorm, die Wege sehr weit, sich immer wieder den Ball zurückzuholen … Alleine was Kimmich abgespult hat war brutal, er hat hinten gerettet, im Mittelfeld mit aufgebaut und sollte dann vorne noch die perfekt getimte Flanke schlagen … auch Özil als „Spielmacher“ hatte über das gesamte Spiel hinweg einen riesigen Raum zu überbrücken und sollte am Ende noch die südkoreanischen Konter unterbrechen, Häähh??? Da waren einfach insgesamt sehr komische und unpassende Rollenverteilungen im Spiel. Das Problem waren eher die vielen kleinen Fehler, Mißgeschicke, Fehlpässe, Handlungsfehler, Mißverständnisse, … irgendwann kamen dann sicherlich auch noch mentale Geschichten hinzu.
Zum Ausblick:
Ich glaube auch nicht, dass Löw zurücktritt. Wie von CE angedeutet, hat er ja sonst nichts …
Das wäre aus meiner Sicht schade. Ich glaube den jungen Spielern um Weigl, Sane und Brandt würde ein neuer Trainer Auftrieb geben. Während Löw es wahrscheinlich schwerer fallen würde Müller und Co. tatsächlich auszusortieren …
Außerdem vermute ich, dass Khedira und Özil zurücktreten werden. Khedira dürfte langsam merken dass er der Mannschaft nicht mehr helfen kann, davon abgesehen muss er vermutlich erstmal selbst schauen, wo er bleibt. Juve hat Emre Can vermutlich nicht für die Bank verpflichtet … und Özil dürfte langsam die Schnauze voll haben, immer der Sündenbock zu sein (insbesondere nach Erdogan). Man würde jede Aktion überkritisch begutachten und bei Gelegenheit auspfeifen … warum sollte er sich das antun?
Alleine ohne die beiden dürfte sich das deutsche Spiel wesentlich ändern, falls man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt.
Dass Lernprozesse keine Selbstverständlichkeit sind, ist am Beispiel Spanien gut zu sehen …
Für den Ausgang dieser WM gibt es übrigens zwei Szenarien:
Analog zu 1994: Brasilien gewinnt im Elfmeterschießen gegen England.
(damals war Italien, heute England die reichste Fussballliga)
oder analog zu 1978: Russland gewinnt gegen Belgien (eher unwahrscheinlich, aber wer weiß)
Der Ausblick:
Wie 1980 und 1996 wird natürlich Deutschland Europameister im Jahr 2020 mit Stefan Kuntz als Trainer. Schließlich war er 1996 dabei und stand im Finale mit Klinsmann im Sturm.
2022 wird es Frankreich. Mbappe und Co. werden dann reif genug sein. Katar hat ja zumindest durch das Sponsoring von PSG auch irgendwie eine Beziehung zu Frankreich
…, genauso wie sie auch 2024 die EM in Deutschland holen. Frankreich hat ja auch schon analog 1984 und 2000 den EM Titel geholt.
Den WM Titel 2026 in der USA holt sich dann England.
Die EM 2028 wird dann einen Gurkenturnier mit einem Überraschungssieger,
während sich Deutschland 2030 mit dem Trainer Miro Klose den WM Titel in England holt.
— nicht ernst nehmen — aber so schließt sich der Kreis.

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Taktik-Ignorant 3. Juli 2018 um 12:38

Dann aber schnell zum Buchmacher! Bei so frühen Wetten muß es dafür Traumquoten geben ;-))
Zu den einzelnen angesprochenen Punkten:
Die Physis scheint in vielen Mannschaften ein Problem zu sein, in Verbindung mit den Temperaturen vor Ort. Bei Deutschland uns Spanien war es aber besonders auffällig.
Personalie Müller: zwei guten WMs stehen insgesamt 3 schlechtere oder durchwachsene Turniere (davon 2 EMs) zu Buche. Daß er thematisiert wird, wäre eigentlich normal. Vom Alter und von der Einstellung her müßte es bei ihm stimmen, aber sein Spielstil paßt nicht in jede Mannschaft und er hat seine Stärken bei dieser WM nicht zeigen können. Es wäre schon einmal sinnvoll zu analysieren, woran das liegt.

Özil und Reus: Ich erinnere mich noch an das berühmte 4:4 gegen Schweden, da haben die beiden ganz gut zusammen gewirbelt. Ich finde, daß sie eigentlich ganz gut passen, weil Reus auch viele Laufwege in die Tiefe und in die vorderste Linie macht und damit eigentlich ideal für Zuspiele von Özil sein müßte (ähnlich wie Podolski, Klose und Müller, weshalb die deutsche Offensive 2010-2014 auch so gut funktionierte). Ich hatte die Nichtverwendung von Reus im Mexiko-Spiel tatsächlich so verstanden, daß Löw Reus schon für stärker hält als Draxsler und ihn nicht zu früh verschleißen wollte. Eine andere Frage ist dann in der Tat die seines Platzes in der internen Hierarchie. Da er so selten gespielt hat, kann er nicht als Führungsspieler auftrumpfen. Die Lauf- und Passwege haben insgesamt nicht gestimmt, es ist schwierig, das an einzelnen Spielern festzumachen. Hier sind eher Versäumnisse im Trainingslager gemacht worden.

Özils Zukunft: sehe ich ähnlich. Wer dauernd so angefeindet wird, verliert irgendwann die Lust. Außerdem ist er in einem kritischen Alter; bei der nächsten WM wäre er weit über 30, und man sieht ja in Rußland, wie wichtig Tempo und Explosivität sind.

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FAB 5. Juli 2018 um 10:56

@Taktik-Ignorant,
habe mir tatsächlich das Deutschland-Schweden Spiel von 2012 im Internet gesucht und nochmal reingezogen, um genau den Özil/Reus Aspekt zu beobachten.
Im Spiel gab es keine Verbindung zwischen Özil und Reus. Özil hat entweder als rechter Achter den tiefen Spielaufbau unterstützt und hat weiter vorne in erster Linie Thomas Müller als Abnehmer gesucht. Reus spielte dagegen relativ klassisch auf dem linken Flügel. Reus ist nur dann nach innen gezogen, wenn die Strukur sehr vertikal, gestreckt war. Wenn Özil zentral stand und Reus auf dem linken Flügel, stand meist Toni Kroos zwischen beiden. Es gab kaum Anspiele Özil auf Reus, die wenigen haben meist auch nicht funktioniert. Positiv gab es eigentlich nur die Weltklasseszene in der 51. als Reus auf Özil spielt und der mit der Hacke weiterleitet.
Im Prinzip hat das Spiel aber meine These bestätigt. Interessant war aber das Deutschland, anders als heute, sehr viele Anker hatte, nicht nur auf der 6 mit Schweinsteiger, auch vorne mit Klose auch mit Lahm als sehr dominanten Linksverteidiger und Kroos und Müller, die noch frei von Verantwortung Räume suchen konnten. Die Verantwortung im Spielafubau und im Finden kreativer Lösungen in der Offensive hat sich auf viel mehr Schultern verteilt als bei dieser WM, bei der Löw ja einzig auf Kroos und Özil gesetzt hat und sich alle anderen irgendwie unklare Rollen hatten.
Das Spiel von 2012 ging unentschieden wegen der katastrophalen Restverteidigung, insbesondere durch Badstuber und wurde auch dadurch begünstigt, das Löw überhaupt nicht auf die Hereinnahme von Kallström ins schwedische Zentrum reagierte, sondern im Gegenteil durch Hereinnahme von Götze anstelle von Müller (Götze spielte dann links außen, Reus rechts außen) das Zentrum sogar noch schwächte …

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Taktik-Ignorant 5. Juli 2018 um 16:21

Dann habe ich die Szenen falsch in Erinnerung, sorry, ich hatte aus der 1. Halbzeit einige Durchbrüche über Links in Erinnerung, mit Reus in prominenter Rolle und Özil als Anspieler. Im Alter scheint sich einiges an Erinnerungen einzutrüben….

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Koom 5. Juli 2018 um 14:19

> Ich glaube auch nicht, dass Löw zurücktritt. Wie von CE angedeutet, hat er ja sonst nichts …

Ach je… Ich glaub, Löw ist finanziell durch. Er ist Weltmeister und hat das nicht nur durch „Verwalten einer tollen Generation“ erreicht. Wenn er weitermacht, dann, weil er besser abtreten will als so. Bewiesen, dass er anders kann, hat er mir zumindest mit dem ConfedCup.

Einen durchaus notwendigen Umbruch herbeizuführen, obwohl die Spieler dafür eigentlich noch nicht so alt sind, ist halt schwierig. Und die sind ja auch durch die Bank auf höchstem Niveau leistungsfähig. Die spielen alle als Stammspieler in Topvereinen, die ihre Ligen dominieren.

Was bei der WM fehlte, war eine gewisse Statik (in Form von „Stabilität“) und Balance. Aber grundsätzlich hätte auch die Herangehensweise dort funktionieren können, wenn die Spieler nicht diese leichten Fehler gemacht hätten (Khedira) oder Defensivaufgaben sinnvoll übernommen UND ausgeführt hätten (Khedira, Müller, Kroos). Man kann mit so vielen Offensiven erfolgreich spielen – siehe Guardiola. Da muss nur aber alles ineinandergreifen und das tat es eben nicht.

Ich denke, Löw wird seine Schlüsse daraus ziehen. Die hochelaborierte Spielweise ist anfällig bei Kleinigkeiten. Also wird er die so nicht mehr bringen. Dann muss eben ein Demme vor der Abwehr grätschen oder eine Dreierkette dem sehr offensiven Mittelfeld bessere Rückendeckung geben. Und vorne kann ich mir vorstellen, dass Petersen tatsächlich noch mal eingeladen wird, weil Werner als Mittelstürmer (noch) nicht tauglich ist.

Die Spielweise wird etwas herkömmlicher, etwas sicherer. Sicherlich konservativ und hier und da dann etwas auf Solisten (Sane) geachtet und ausgerichtet, um sich besser aufzustellen.

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Taktik-Ignorant 5. Juli 2018 um 16:59

Die Zeiten der guten Angebote von Vereinen dürften für Löw erst mal vorbei sein, aber sie waren in der Vergangenheit da, und er hätte sie wohl angenommen, wäre es ihm nur um das Geld gegangen. Er ist vielfacher Millionär und finanziell unabhängig, auch ohne DFB-Salär.

Grundsätzlich stimmt, was der viel angefeindete Grindel zur Vertragsverlängerung gesagt hat: Löw hat 2010 und beim ConfedCup bewiesen, dass er junge Mannschaften formen und auf ein höheres Level heben kann.

Bei der Trainingsplanung und -steuerung muß er aber umstellen und an sich arbeiten, ebenso was die Taktik und die Gegnerbeobachtung anbelangt. Da hat ja in Rußland fast gar nichts funktioniert.

Das Problem liegt mittelfristig aber eher in der eben nicht beispielhaften Nachwuchsarbeit im DFB und bei den deutschen Vereinen. Da ist der Handlungsbedarf eigentlich dringender. Und selbst dann sollte man nicht zu viel erwarten, die entsprechenden Jahrgänge (Kinder und Jugendliche) sind nicht so zahlenstark, und gerade im Fußball finden sich viele junge Menschen mit Migrationshintergrund, die möglicherweise nach der fußballerischen Ausbildung beim Übertritt ins Profileben ihre nichtdeutschen Wurzeln wiederentdecken, bevor sie in den Internet-Foren für das Nichtmitsingen der Nationalhymne abgestraft werden.

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Koom 5. Juli 2018 um 17:34

> Die Zeiten der guten Angebote von Vereinen dürften für Löw erst mal vorbei sein

Das bezweifle ich. Ich bin mir sicher, dass er durchaus bei Vereinen der höchsten Kategorie auf dem Zettel steht. Gerade die Bayern werden sicherlich seine Nummer parat haben, falls/wenn Kovac floppt. Vereine schauen idR eher wenig auf temporäre Fehlereignisse. Ansonsten würden ja der x-fache CL-Dauerversager Guardiola oder der generell seit ewig titellose Klopp sofort entlassen und nie wieder nen Job kriegen. 😉
Löw hat nachgewiesen, über einen extrem langen Zeitraum sehr maßgeblich und kreativ mit einer Topmannschaft zu arbeiten.

Ansonsten bin ich bei dir.

> Bei der Trainingsplanung und -steuerung muß er aber umstellen und an sich arbeiten, ebenso was die Taktik und die Gegnerbeobachtung anbelangt.

Was exakt da in Russland und in der Vorbereitung passiert ist, würde mich mal interessieren. Da schien einiges aus dem Ruder zu laufen, überall (inkl. Spieler). Vielleicht am Ende eine Art schwerer Betriebsunfall, durch Betriebsblindheit und falschem Vertrauen ausgelöst. IMO arbeiten da ansonsten zu viele Fachleute die auch wirklich Ahnung haben.

So, wie es bislang kolportiert wird, soll Löw insgesamt aktiver werden und seinen Trainer/Beraterstab entschlaken. Kann mir auch vorstellen, dass da Bierhoff etwas runtergefahren wird. Wie sich das sportlich auswirken wird, muss man dann wohl abwarten. Wie gesagt: Grundsätzlich kann es Löw ja (auch mit vielen Cos und Beratern).

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Marcel Neudeck 1. Juli 2018 um 10:07

Zur Fitness: Als ich die Aufstellung vor dem Süd-Korea-Spiel und Löw im Interview sah, der erklärte, es spiele in der Vorrunde nie die Mannschaft, die „am Ende“ spielt, dachte ich, a.) er ist über den Erfolg verrückt geworden und b.) dass nun der Stecker gezogen ist. Die Mannschaft sollte so souverän und „weltmeisterlich“ spielen, dass die Illusion, den Titel zu verteidigen, noch weiter im Trainer und dessen vielen Begleitern (siehe dazu Hans Christian Andersens „Des Kaisers neuen Kleider“) schlummern durfte. Die Mannschaft sollte so gesehen nicht nur das letzte Vorrundenspiel gewinnen, sondern auch die (ich denke mal) Fehleinschätzung und Hybris, den Titel zu verteidigen, bestätigen: „Das Turnier ist lang“ & „Best never Rest“. Da kommt dann einiges zusammen/durcheinander und das Anforderungsprofil an den sportlichen Wettkampf ähnelt dem Versuch, einen Kreis quadratisch zu zeichnen. Diesen Versuch Fußball-spielend zu unternehmen, schlägt u. a. auf die Fitness bzw. er lähmt! Ich weiß, das ist hier kein Psychologie-(oder Laien-Psychologie-)-Forum, aber ich denke, es gehört dazu. Herzlichen Dank für Eure Arbeit und auch für die vielen Kommentare, die ich ebenso gerne lese.

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Taktik-Ignorant 1. Juli 2018 um 11:34

Die Fitness war sicherlich ein Problem. Bei allen „großen“ Mannschaften wird die Trainingssteuerung bei der WM vermutlich auf ca. 6 Spiele angelegt (mit dem Höhepunkt im Halbfinale und der Hoffnung, daß noch genug „Körner“) für das Endspiel übrig sind. Deshalb haben „kleine“ Mannschaften vielleicht einen Vorteil, die schon in der Vorrunde bei 100% sind, weil sie wissen, daß es dann ohnehin bald vorbei ist. Das ist jetzt zugegebenermaßen etwas plakativ-pauschal formuliert, vor allem aber rechtfertigt es nicht den Zustand, in dem sich die deutsche Mannschaft in den Vorbereitungs- und den Vorrundenspielen präsentierte (vor allem dann gegen Südkorea; gegen Schweden waren Fitnessdefizite nicht zu erkennen). Im Vergleich zu früheren WMs (und WM-Vorbereitungen) wirkte die Mannschaft insgesamt müder. Nun ist eine solche Müdigkeit nicht nur Körper-, sondern auch Kopfsache. So oder so aber sollten Fragen an das Trainerteam zu diesem Punkt angebracht sein.

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dis 30. Juni 2018 um 23:25

Eigentlich ist es ja recht einfach was getan werden muss. System anpassen oder mit richtigem Sechser spielen. Nicht weiter kompliziert.

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dis 30. Juni 2018 um 23:02

Lange Rede kurzer Sinn. Loew ist entweder taktisch und oder aus Gruenden der falschen Eitelkeit, den Herausforderungen des modernen Fussballs schlicht nicht gewachsen. Klar, man kann das auch jedes mal aehnlich durchanalysieren, die Schlussfolgerung weglassen und allein beim taktischen bleiben, aber am Ende ist es eben er, der die falschen Entscheidungen trifft. Die Ignoranz und Beratungsresistenz in Bezug auf die 6er Rolle schreit zum Himmel, Sein Hang an Personen festzuhalten, ist ihm so wieder auf den Fuss gefallen.

Hinzu kommt mMn ausserdem, dass die Qualitaet der Spieler nicht ganz mit der der Topmannschaften wie Frankreich, Belgien usw. mithalten kann. Umso schlimmer wenn es dann als Mannschaftsleistung auch noch hakt. Mueller Draxler, Werner und Gomez und die AVs fallen da ab. Im Grunde glaenzt man nur mit den IVs und Kroos. Auch wenn gerade die defensiveren Positionen auch nicht so super bei den anderen Teams besetzt sind.

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Taktik-Ignorant 1. Juli 2018 um 09:50

„Ignoranz und Beratungsresistenz in Bezug auf die 6er-Rolle schreien zum Himmel“? Man mag immerhin einwenden, daß Khedira auf der Doppelsechs in der NM groß geworden ist und somit im aktuellen Aufgebot mit Kroos, Gündogan, Khedira und Rudy vier „6er“ standen. Eigentlich genug. Weigl, Can und Demme waren aus unterschiedlichen, aber nachvollziehbaren Gründen (Verletzungen, Formschwäche) nicht im Kader. Mit der Formschwäche von Gündogan (er kam von einer Verletzung zurück, war aber bei ManC wieder auf gutem Weg), die letzten Endes mit der Erdogan-Geschichte, die ZWEI Tage vor der Kaderbenennung überhaupt erst publik wurde war nicht zu rechnen, mit der von Khedira nach den sehr guten Saisonleistungen bei Juventus auch nicht. Die Option Rudy zog Löw dann im zweiten Turnierspiel, aber die war nach 20 Minuten wegen Verletzung beendet. Ich wüsste nicht, wie Löw hier die Chance gehabt hätte, bei der Kaderplanung rechtzeitig gegenzusteuern.
„Sein Hang, an Personen festzuhalten, ist ihm wieder auf den Fuß gefallen“? So nibelungentreu war Löw gar nicht, sonst hätte er Götze und Schürrle nominiert.
Für zutreffender halte ich die Bemerkungen zur Kaderqualität. Nicht unbedingt Belgien, aber sicher Spanien, Frankreich und Brasilien sind auf den meisten Positionen besser besetzt. Fällt die Kaderqualität gegenüber den Spitzenmannschaften ab (Kroatien oder Uruguay haben z.B. nur auf 3-4 Positionen Weltklassespieler), müssen bedingungsloser Einsatz und mannschaftliche Geschlossenheit in Verbindung mit taktischem Geschickt die qualitativen Defizite auf individueller Ebene ausgleichen. Das ist Deutschland nicht gelungen.

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tobit 2. Juli 2018 um 14:19

Khedira ist aber erstens in einem anderen Spielstil und zweitens meist als weiträumiger Achter vor dem Sechser Schweinsteiger groß geworden. Und nicht jeder, der auf der Doppelsechs eingesetzt wird, ist automatisch ein Sechser. Denn Sechser ist mehr als nur die Ausgangsposition, es ist auch eine taktische Rolle. Leider fehlt da eine genauere sprachliche Unterteilung, wie es sie auf vielen anderen Positionen gegenüber den dort vetretenen Rollen gibt.

Einen gewissen Hang, an Spielern (zu) lange festzuhalten, kann man Löw denke ich nicht absprechen. Das gilt bei weitem nicht für jeden, aber z.B. ein Podolski, Trapp oder Leno haben eine (in Anbetracht ihrer zuletzt gezeigten Leistungen) doch erstaunliche lange N11-Karrieren hingelegt. Auch Khedira und Schweini haben 2014 durchaus davon profitiert, denn viele (von den 80 Millionen Couch-Bundestrainern) wären dieses doppelte Risiko, beide mitzunehmen, nicht eingegangen – das hätte dann wohl das Ende der N11-Karriere von mindestens einem bedeutet (wenn man trotzdem/deswegen Weltmeister geworden wäre).

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Beda 30. Juni 2018 um 21:04

Seht ihr die Generation von Havertz wirklich so schwach (was ist mir einem Arp oder einem Arne Maier beispielsweise?) und rechnet ihr damit, dass es dann mit der Nationalelf abwärts geht?

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Taktik-Ignorant 1. Juli 2018 um 10:01

Andere Länder sind in der Jugendausbildung besser, ganz sicher gilt das für England (wo die Qualität explosionsartig zugelegt hat), Frankreich, Spanien und Belgien. Manche Medien erkennen auch schon Einstellungsdefizite der jungen (Internats-)Generationen, die aber wohl mehr der Natur des Geschäfts Profifußball geschuldet sind als der spezifischen Ausbildung (https://www.zeit.de/sport/2018-06/deutsches-wm-aus-nationalmannschaft-werte-egoismus).
Tatsächlich bedarf es wohl in der deutschen Jugendausbildung (insbesondere der Trainerausbildung) neuer Anstöße, aber selbst bei bester Ausbildungsqualität sind der Leistungsfähigkeit des deutschen Jugendfußballs aufgrund der demographischen Entwicklung Grenzen gesetzt.

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Juwie 30. Juni 2018 um 13:30

Sagt doch nicht immer, Deutschland sei zum ersten Mal in einer WM-Vorrunde herausgeflogen. Das Achtelfinale 1938 war bei damals 16 Teilnehmern auch eine Vorrunde.

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CE 30. Juni 2018 um 13:39

Es gab in dem Turnier keine Vorrunde. Wann endete denn ansonsten die Vorrunde? Nach dem Viertelfinale?

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Ssa 30. Juni 2018 um 17:14

Er hat Recht, auch wenn es gleichzeitig Unfug ist.

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Taktik-Ignorant 1. Juli 2018 um 10:03

Sagen wir es so: es war im WM-Turnier die erste Runde und die allererste Hürde, bei der man rausfliegen konnte, was beim heutigen Turnier analog die Vorrunde ist. So gesehen stimmt die Parallele zu 1938.

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Seehofers böser Zwilling 30. Juni 2018 um 12:43

———-Brandt—–Arp——–
Sane——–Havertz———-Weiser
———–Weigl—–Dahoud——
–Kehrer–Baumgartl–Kimmich–
—————Ter Stegen

Bis auf Ter Stegen alle Jahrgang 94 oder jünger.
Ist das tauglich?

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Taktik-Ignorant 1. Juli 2018 um 10:05

Aber so vom Hocker reißt mich diese Aufstellung auch nicht. Kimmich als Glied einer 3er-Kette ist jetzt auch keine besonders überzeugende Risikovorsorge. Bemerkenswert, daß Timo Werner auch schon zum alten Eisen gezählt zu werden scheint ;-))

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