Österreichs Nationalteam unter Marcel Koller

Als eines der ersten Teams löste Österreich das Ticket für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Eine überraschende Qualifikation? Nicht wirklich, wenn man die Entwicklung unter Marcel Koller verfolgte. Ein Teamporträt der österreichischen Nationalmannschaft.

Mit der erfolgreichen EM-Qualifikation geht für die österreichischen Fans eine lange Leidenszeit zu Ende. Vor einer kleinen Ewigkeit, nämlich für die WM 1998 in Frankreich, konnte sich eine rot-weiß-rote Auswahl letztmals für ein Großereignis aus eigener Kraft qualifizieren. Für die Erlösung sorgte jedoch kein österreichischer Trainer, sondern ein Schweizer, dem zu Beginn starker Gegenwind entgegenwehte.

Koller und der Kampf um Akzeptanz

In Deutschland kennt man Marcel Koller wohl in erster Linie aufgrund seines Engagements beim VfL Bochum. Schon damals deutete er an, dass ihm die Arbeit mit Underdogs liegt. Er schaffte mit den Bochumern den Aufstieg in die Bundesliga, wo er dreimal hintereinander die Klasse halten konnte. Nachdem man sich von ihm trennte stieg der VfL Bochum prompt ab. Danach war er zwei Jahre ohne Job ehe er als österreichscher Teamchef vorgestellt wurde –mit ein Grund, warum ihm Skepsis entgegengebracht wurde.

Koller war nicht der erste ausländische Trainer, dessen Bestellung kritisch gesehen wurde. Auch Karel Brückner hatte es nicht einfach, er betreute das Team jedoch nur kurz. Die Kritik war zudem auf einem anderen Niveau als bei Koller. Kurz nach dessen Verpflichtung gab es im ORF eine, heute legendäre, Talkrunde, an der unter anderem Österreichs Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska und Rekordtorschütze Toni Polster ihr Unverständnis für diese Entscheidung äußerten. Auch Werner Gregoritsch, der nur zwei Monate danach Cheftrainer des U21-Teams wurde(!), schlug in dieselbe Kerbe.

Durch gute Ergebnisse und starke Leistungen – Österreich verpasste die Playoff-Spiele für die WM 2014 nur knapp – konnte Koller viele kritische Stimmen verstummen lassen. Während unter anderem Prohaska und Polster ihre Meinung revidierten, steht etwa Hans Krankl, das Sinnbild der Cordoba-Generation, nach wie vor dazu, dass ein „ein Österreicher das Amt des Teamchefs innehaben“ sollte.

Auf die Spitze brachte es jedoch ein Kommentar des Herausgebers der Tageszeitung „Österreich“, der Koller als charakterlosen Verräter und Söldner bezeichnete. Als Folge verfassten die österreichischen Spieler einen offenen Brief. Anstoß dafür waren Gerüchte, Koller würde Teamchef in seinem Heimatland werden, weil er dort mehr verdienen würde. Schlussendlich war das Gegenteil der Fall, denn er verlängerte seinen Vertrag mit dem ÖFB.

Nachhaltige Nominierungspolitik

Ein weiterer Punkt, für den Koller immer wieder kritisiert wurde und der ständig für Diskussionen sorgt, ist seine Nominierungspolitik. Während seine Vorgänger von Spiel zu Spiel bei der Kaderzusammenstellung ständig Spieler tauschten, setzt der Schweizer seit Beginn seiner Amtszeit weitestgehend dasselbe Stammpersonal. Beim 2:1-Sieg gegen Schweden im Juni 2013 standen zum Beispiel gleich fünf Spieler in der Startelf, die in den letzten Wochen oder gar Monaten keine Pflichtspielminute auf dem Rasen verbrachten. Gleichzeitig signalisiert Koller mit Nominierungen von aufstrebenden Talenten auch, dass die Tür nicht gänzlich zu ist.

Das alles sorgte für einige wichtige Ankerpunkte in der Entwicklung. Zum einen scheint die Stimmung innerhalb des Teams so gut zu sein wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Während es in der Prä-Koller-Zeit ab und an durchaus dubiose und kurzfristige Absagen vonseiten der Spieler gab, scheinen sie mittlerweile nicht mehr aus der Schwärmerei um das Klima herauszukommen. Der eine oder andere Spieler erfuhr in Folge dessen sogar auch auf Vereinsebene einen Aufschwung.

Christoph Leitgeb stand beispielsweise bei Red Bull Salzburg unter Roger Schmidt auf dem Abstellgleis, während Koller an ihm festhielt. Letztlich wurde er dann auch bei den Bullen zu einem wichtigen Bestandteil des Schmidt’schen Systems. Ein anderes Beispiel ist Stürmer Marc Janko. Der Routinier saß in der Türkei die meiste Zeit auf der Tribüne, wechselte aus Mangel an Angeboten nach Australien. Dort wurde er Torschützenkönig und ist nun beim FC Basel gelandet.

Schon zu Beginn seiner Teamchef-Tätigkeit betonte Koller immer wieder, wie schwer es sei auf Nationalmannschaftsebene ein nachhaltiges System zu implementieren. Zu kurz sei die Zeit, in der man alle Spieler zusammen hätte. Aufgrund seiner nachhaltigen Nominierungspolitik war er zwar einigen unangenehmen Fragen ausgesetzt, schlussendlich war sie jedoch der Grundstein dafür, dass das ÖFB-Team nicht nur emotional sondern auch fußballerisch zu begeistern weiß.

Der rot-weiß-rote Kader

ÖFB-XIGibt es keine Ausfälle, so spielen die Österreicher mit einer festen Startelf in einer 4-2-3-1-Grundformation. Im Tor hat man mit Robert Almer jemanden, der in den letzten Jahren in Deutschland hauptsächlich Ersatz war, nun bei der Wiener Austria aber Kapitän ist und als bester Keeper der österreichischen Liga gilt. Besondere Auffälligkeiten in seinem Spiel gibt es nicht, mit starken Paraden konnte er den Österreichern in der einen oder anderen Partie jedoch Punkte retten. Dass der Gegentorrekord geknackt wurde, ist zu einem Großteil auch ihm zu verdanken.

Auf den Außenverteidigerpositionen spielen mit Christian Fuchs und Florian Klein zwei Akteure, die ihre Stärken in der Offensive haben. Beide agieren meist linear, insbesondere Klein zeigt hie und da aber auch diagonale Läufe vor dem Strafraum. In der Innenverteidigung hat Österreich ein Duo, das langfristig zusammenspielen könnte. Der 24-jährige Aleksandar Dragovic von Dynamo Kiew ist ein individuell herausragender Abwehrspieler: physisch stark, vergleichsweise wendig, ein solides und mutiges Passspiel sowie ein äußerst gutes Zweikampfverhalten. Gerade im Eins-gegen-Eins ist er ein überaus unangenehmer Gegenspieler. Andererseits hat er strategische Schwächen – im Gegensatz zu Martin Hinteregger, der stark an Mats Hummels erinnert.

Der Star des Teams ist zweifelsohne David Alaba, der auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld zum Zug kommt. Der Bayern-Legionär hat aufgrund seiner individuellen und taktischen Vielfalt eine äußerst weiträumige Rolle inne. Passend dazu gibt es mit dem Mainzer Julian Baumgartlinger einen unterschätzten Balancespieler, der landläufig gerne auf seine Defensivqualitäten beschränkt wird, mittlerweile jedoch auch höher und flexibler agieren kann. Im Zentrum dürfte Österreich zudem qualitativ die höchste Dichte haben.

Hinter Alaba und Baumgartlinger steht nämlich mit Stefan Ilsanker und dem bereits erwähnten Leitgeb das Duo bereit, das in Salzburg wesentlich für die Stabilität im Pressing war und dementsprechend auch im Nationalteam gut harmonierte. In Veli Kavlak, aktuell verletzt und bei Besiktas unter Vertrag, gibt es zudem einen durchaus unkonventionellen Sechser, der zwar in erster Linie mit seiner Aggressivität punktet, aber hauptsächlich nach vorne drängt und manchmal gute Vertikalpässe spielt.

Als Zehner agiert mit Zlatko Junuzovic ein weiterer Bundesliga-Legionär. Der Bremer gilt als besonders laufstark, was ihn vor allem deshalb unerlässlich macht, weil die Österreicher in aller Regel ihr Pressing hoch ansetzen. Andererseits entwickelte sich Junuzovic auch im Kombinationsspiel weiter. Am linken Flügel ist Marko Arnautovic gesetzt, der bei seinen Vereinen bisher zwar nicht dauerhaft überzeugen konnte, jedoch von Koller besondere Unterstützung erhält und unter diesem von allen Spielern bislang die meiste Einsatzzeit bekam.

Auf der gegenüberliegenden Seite schien die Position von Martin Harnik zu wackeln. Nachdem der Leipziger Marcel Sabitzer, der kombinativ stärker und dynamischer ist als der Stuttgarter, jedoch in seinen Einsätzen weitestgehend blass blieb, ist der tororientierte 28-Jährige nach wie vor die Nummer eins. Als Solospitze hat sich Janko etabliert. Der 32-Jährige hat seine Stärken im Angriffszentrum, zeigt aber im Pressing durch kurze, intensive Läufe, dass er über ein intelligentes Bewegungsspiel verfügt. Auch im Kombinationsspiel verfügt er über Qualitäten, die aufgrund seiner Statur gerne übersehen werden.

Spiel gegen den Ball als Basis

Schon zu Beginn der Koller-Ära zeigte das ÖFB-Team bemerkenswerte Fortschritte, verlor das erste Spiel nur knapp und unglücklich gegen die Ukraine mit 1:2. Von Beginn an stach dabei das hohe Pressing ins Auge. Jedoch gab es aufgrund der fehlenden Vorlaufzeit einige Probleme, die unter anderem auf das unpassende Spielermaterial zurückzuführen waren. Am Abwehrzentrum hatte man in Sebastian Prödl und Emanuel Pogatetz zwei konservative Spielertypen, rechts hinten spielte im ersten Spiel mit Franz Schiemer sogar ein eigentlicher Innenverteidiger.

Das größte Manko der Österreicher war zunächst die fehlende Rückendeckung für die erste Pressinglinie. Sie attackierten sehr hoch mit den vier Offensivspielern und den nachschiebenden Sechsern, dahinter rückten die Abwehrspieler aber nicht konsequent genug auf, sodass sich vor ihnen ein großer Raum öffnete. Nachstehend eine Beispielszene aus dem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland.

ÖFB-Pressing-IRL

Die Österreicher können hier zwar mit fünf Spielern in Ballnähe enorm großen Druck auf die Iren ausüben, gewinnen den Ball auch und erzielen sogar ein Tor, dennoch erkennt man die fehlende Rückendeckung. Irland ließ sich in weiterer Folge des Spiels auch auf derartige Situationen gar nicht mehr ein und schlug viele lange Bälle auf die körperlich starken Spieler in der Offensive. Im Kampf um den zweiten Ball hatten sie dann bessere Voraussetzungen und konnten dadurch das Spiel zwischenzeitlich auch drehen. Ein Alaba-Weitschuss rette dem rot-weiß-roten Team letztlich noch einen Punkt.

ÖFB-Pressing-GER

In einigen Spielen bzw. Spielphasen waren die Pressingstrukturen hingegen schon in der frühen Zeit und Koller sehr gut – unter anderem im ersten Pflichtspiel daheim gegen Deutschland. In der obigen Szene wird zum Beispiel der Ballführende von zwei Spielern attackiert und auch die umliegenden Anspielstationen können weitestgehend von zwei Akteuren gestellt werden. Durchgehend kompakt stand man zunächst interessanterweise hauptsächlich gegen „größere“ Teams, während die Fehler bei Gegnern, die individuell auf Augenhöhe waren, in erster Linie durch das aggressive und ballorientierte Herausrücken der ersten Linie hervorgerufen wurde.

Einen wichtigen Fortschritt machte das Koller-Team als sich Hinteregger und Dragovic als Innenverteidigerduo herauskristallisierten. Beide sind dynamischer und antizipationsstärker als ihre Kollegen, weshalb man im Angriffspressing um einiges kompakter ist. Andererseits wirkt ihr Verhalten auch in tiefen Zonen sehr stimmig. Hinteregger balanciert dabei mit seinen strategischen Fähigkeiten die mannorientierten Bewegungen seines Nebenmannes aus. An vorderster Front entwickelte sich zudem Junuzovic zu einem Schlüsselspieler. In der ersten Entwicklungsphase war dafür seine große Laufbereitschaft verantwortlich, durch die er den Stürmer ständig beim Attackieren unterstützen konnte.

Das Pressing des ÖFB-Teams hat sich mittlerweile jedoch weiterentwickelt, sodass auch Junuzovic sein Verhalten anpassen musste. Anstatt ständig bedingungslos drauf los zu pressen, wird es nun leitend und dosierter eingesetzt. In den meisten Spielen konnten die Österreicher dadurch den Spielrhythmus bestimmen ohne selbst den Ball zu haben. Ein Paradebeispiel dafür war der Auswärtssieg in Russland.

ÖFB-Pressing-RUS

In dieser Szene haben die Österreich die Möglichkeit, den angespielten Gegenspieler mit vier Spielern zu attackieren, tun dies letztlich aber nur in Form des rückwärtspressenden Stürmers. Die drei Mittelfeldspieler belauern die Passwege ins Zentrum, sodass die Russen zu einem Rückpass gezwungen werden. Kurze Zeit später versuchen sie einen Vertikalpass ins zweite Drittel, auf den die Österreicher dann auch mit den Mittelfeldspieler aggressiv gehen und ein Vordringen verhindern.

Mannorientiertes Gegenpressing

Aufbauend auf den ausgereiften Abläufen im Pressing wurde im Laufe der EM-Qualifikation auch das defensive Umschaltspiel weiterentwickelt, wenngleich es keine besonderen Auffälligkeiten gibt. Die Österreicher halten die Abstände schon im Kombinationsspiel recht kurz und rücken dann mannorientiert auf die Gegenspieler heraus. Dabei gibt es – neben den bereits erwähnten antizipationsstarken Innenverteidigern – mehrere markante Punkte.

Die drei zentralen Mittelfeldspieler bewegen sich im Ballbesitzspiel flexibel, müssen daher in unterschiedlichen Zonen ins Gegenpressing gehen, was nicht jedem Spieler liegt. Die Österreicher haben hierfür aber ein sehr passendes Trio. Junuzovic kommt dabei in erster Linie über seine läuferische Stärke. Baumgartlinger und Alaba sind hingegen Spieler, die taktisch flexibel agieren können. Mal positionieren sie sich im Raum und sichern ab, mal rücken sie ebenfalls mannorientiert auf den nächsten Gegner und in anderen Situationen werden mit langen Läufen – direkt oder bogenförmig – auch weiter entfernte Gegenspieler angelaufen.

ÖFB-Pressing-MNE

Hier sieht man eine Beispielszene für das erwähnte Verhalten. Junuzovic läuft den ballführenden Montenegriner frontal an, während Alaba dahinter im Bogen und mit hohem Tempo nachstößt und bis zum Gegenspieler an der Strafraumgrenze durchläuft. Damit verhindert er unter anderem Zuspiele auf die Spieler vor dem Ballführenden. Baumgartlinger sichert gemeinsam mit dem rechten Außenverteidiger ab. Dennoch hätte sich Montenegro in dieser Situation vom Druck der Österreicher durch etwas bessere Pressingresistenz und Übersicht des Sechsers lösen können. Auf der ballfernen Seite hat ein Mitspieler nämlich viel Raum.

Zurückzuführen ist das vor allem auf das Verhalten von Arnautovic, der im Spiel gegen den Ball generell ambivalent wirkt. Im Verfolgen seines Gegenspielers ist der ehemalige Bremer äußerst inkonsequent, wenn er sich in scheinbar unwichtigen Räumen aufhält. Dann läuft er nicht zügig nach hinten, sondern trabt oder geht in diese Richtung. Erst wenn die Gefahr „greifbar“ wird, intensiviert er dies.

Andererseits zeigt Arnautovic auch sehr gute Bewegungen im Pressing, wenn er aktiv daran teilnimmt – beispielsweise wenn er den Gegner anläuft oder er am aktiven Flügel ist. Vereinzelt versucht er es mit Anweisungen an seine Mitspieler sogar zu koordinieren. Athletisch bringt Arnautovic auch die passenden Voraussetzungen dafür mit. Er ist auf den ersten Metern antrittsschnell und verfügt über ein individualtaktisch gutes Zweikampfverhalten. Demgegenüber steht das stets engagierte, aber zuweilen unsaubere Verhalten von Harnik auf rechts.

Luft nach oben im Kombinationsspiel

Den größten Aufholbedarf hatten die Österreicher im Spiel mit dem Ball. Unter Kollers Vorgänger gab es praktisch keine zusammenhängenden Kombinationen oder Laufwege. Didi Constantini meinte sogar, Taktik sei überbewertet. Die Spieler mussten daher viel improvisieren, was angesichts der überschaubaren individuellen Qualitäten der Einzelspieler oft in schlechten Resultaten endete. Gerade in den Spielen gegen tiefstehende Teams konnte Rot-Weiß-Rot selten überzeugen.

Auch unter Koller gab es zunächst einige Probleme. Beispielsweise erreichte man im zweiten Pflichtspiel in Kasachstan nur ein torloses Unentschieden, konnte kaum nennenswerte Torchancen herausspielen und bezwang Irland daheim trotz drückender Überlegenheit im zweiten Drittel nur dank eines Tors infolge einer schlecht geklärten Flanke von links. Auch in der EM-Qualifikation hatte man bisher Probleme im Angriffsdrittel, nämlich beim 1:1 zum Auftakt gegen Schweden.

ÖFB-Kombi-SWE

Die obenstehende Szene ist repräsentativ für die beiden damaligen Hauptprobleme im Kombinationsspiel der Österreicher. Zum einen spielt Alaba aufgrund seiner herausragenden und vielschichtigen Qualitäten eine wichtige Rolle, weshalb sich die Gegner zusehends auf ihn fokussierten. Zunächst waren es meist simple Manndeckungen gegen ihn, die das Aufbauspiel ins Stocken geraten ließen. Das konnten die Österreicher aber relativ schnell lösen.

Einerseits wechselten sich Baumgartlinger und Alaba – später wurde auch Junuzovic eingebunden – beim Abkippen ab, andererseits hatte die Hereinnahme der aufbaustarken Innenverteidiger Hinteregger und Dragovic auch in dieser Hinsicht positive Auswirkungen. Hinteregger kann äußerst präzise Vertikalpässe zwischen die gegnerischen Linien spielen und Dragovic zeigt mit dem Ball am Fuß regelmäßig mutige Vorstöße. Im Heimspiel gegen Moldawien, als Hinteregger fehlte, spielte er phasenweise eine Linie höher als der zweite Innenverteidiger, der alleine absicherte. Das alles fordert natürlich ein besser abgestimmtes Pressing beim Gegner.

Das zweite Manko, das in der obigen Szene zu erkennen ist, ist das schlechte Timing beim Spiel in die Tiefe. Anstatt in den freien ballfernen Raum auf den Außenverteidiger zu verlagern, kommt ein langer Ball auf den sich schlecht bewegenden Harnik. Wie im Spiel gegen den Ball gibt es auch im Kombinationsspiel zwischen ihm und Arnautovic Unterschiede. Bei Harnik versucht man vor allem seinen Zug zum Tor auszunutzen, was darin mündet, dass zuweilen überhastet – und dementsprechend ungenau – in die Tiefe gespielt wird.

Arnautovic bekommt den Ball häufiger in den Fuß gespielt. Er versucht sich dann entweder um seinen Gegenspieler zu drehen oder mit inversen Dribblings aufs Tor zieht. In manchen Fällen beschleunigt er damit das Spiel, in anderen Situationen nimmt er dadurch allerdings die Dynamik heraus.

Die Lösungsansätze: Physis, Überladungen, Fluidität, Nadelspieler

Ein Grund dafür, dass die Österreicher im Spiel gegen die Schweden noch nicht dermaßen erfolgsstabil im Kombinationsspiel waren, könnte sein, dass sie versuchten ständig die Positionen in der Offensive zu tauschen. Beim anschließenden Auswärtsspiel in Moldawien konnte man nämliche ähnliche Abläufe erkennen. Die Fluidität war sehr hoch, jedoch konnte die Koller-Elf kaum durchbrechen, erzielte auch beide Tore nicht aus dem Spiel heraus. Im nächsten Spiel gegen Montenegro konnte man dann aber die ersten Erfolge sehen.

ÖFB-Kombi-MNE

Die erste Halbzeit war wohl eine der besten, die man bisher unter Koller sah. Einerseits funktionierte das Spiel gegen Ball außerordentlich gut, sodass sich der Gegner kaum befreien konnte, andererseits gab es einige sehr interessante Staffelungen zu sehen – unter anderem die obige. Der Mittelstürmer – in diesem Spiel nicht Janko, sondern der weiträumiger agierende Rubin Okotie – steht zum Beispiel tiefer und breiter als der Rechtsverteidiger. Ebenfalls zu sehen ist das Aufrücken des rechten Innenverteidigers, Dragovic, sowie das lasche Verhalten von Arnautovic am passiven Flügel.

Neben der positionellen Flexibilität war das ÖFB-Team auch bemüht, ein breiteres Repertoire an Durchbruchmittel zu entwickeln. Die ersten Ansätze waren dabei jedoch wenig erfolgreich. Zunächst versuchte Koller Ingolstadt-Stürmer Lukas Hinterseer als Alternative zu Junuzovic auf der Zehnerposition. Dieser konnte zwar ebenfalls im Pressing gut eingebunden werden; die Idee, die Durchschlagskraft mittels seiner Physis herbeizuführen, konnte sich jedoch nicht dauerhaft etablieren. Die zweite Alternative, die Außenbahnen zu überladen, scheiterte auch weitestgehend.

Als nachhaltiges Mittel etablierte sich vielmehr die Nutzung von Nadelspielern zwischen den gegnerischen Positionen. Als primärer Akteur wird dafür Junuzovic eingesetzt, der mit dem ersten Ballkontakt sehr gute, beschleunigende Pässe spielen kann. Janko dient hier meist als zweiter Ankerpunkt oder Zielspieler für den Pass in die Tiefe. Auch Klein rückt – wie beispielsweise im obigen Beispiel zu sehen – von der Rechtsverteidigerposition ab und zu ein. Ein Beispiel für die gut abgestimmten Bewegungen der ÖFB-Elf ist hier zu sehen.

ÖFB-Kombi-RUS

Arnautovic positioniert sich zunächst in den Zuordnungsgrenzen der beiden rechten russischen Außenbahnspieler und kommt dem Ballführeden dann entgegen. Dadurch öffnet er den Raum für den aufrückenden Linksverteidiger. Unterstützt wird dies vom Wegbewegen des Stürmers, der aber dennoch direkt anspielbar. Zudem hat der Ballführende zwei weitere Abspielmöglichkeiten zwischen den Positionen des Gegners – den offensiven Mittelfeldspieler und den aufgerückten, zweiten Sechser. Die Russen stehen also ohne Zugriffsmöglichkeit da, was insofern beachtlich ist, weil Alaba in diesem Spiel nicht dabei war.

Alaba positioniert sich nämlich ebenfalls oft in solchen Räumen. Die Wirkung davon ist jedoch weniger, dass er direkt angespielt wird, sondern, aufgrund des gegnerischen Fokus‘ auf ihn, seinen Mitspielern Räume ermöglicht. Aktiver eingebunden wird er, wenn er aus der Etappe kommt. Junuzovic fokussiert sich bei seinen Aktionen meistens auf die ballnahe Seite, sodass der andere Halbraum unbesetzt bleibt. Alaba stößt dann mit Tempo in diesen vor oder sprintet teilweise auch durch bis hinter die Abwehr – etwas, das man von ihm von den Bayern kennt.

Kleine, aber effiziente Anpassungen

Während sich das österreichische Team in den bisher erwähnten Bereichen teilweise enorm weiterentwickelt hat, steht ein weiterer, immer wichtiger werdender Faktor – zumindest aktuell – noch hinten an. Koller setzt nicht nur weitestgehend auf dasselbe Personal – was ohne Frage eine absolut wichtige Maßnahme war – sondern großartige Anpassungen an den Gegner bleiben generell aus. Die Stammelf im 4-2-3-1 ist leicht vorherzusagen und auch die Spielanalage verändert sich kaum mehr. Das ÖFB-Team ist aufgrund der hohen Eingespieltheit aber in der Lage, sein System in nahezu jedem Spiel durchzuziehen.

Für Koller dienen vorrangig die freundschaftlichen Länderspiele dazu, neues Personal und neue Ideen zu testen. So konnte man beispielsweise erkennen, dass sich das ÖFB-Team in manchen Testspielen über weite Strecken zurückzog und auf eine Konterstrategie setzte. Die Argumentation: Man wolle sich auf enge, hektische Schlussphasen vorbereiten. Und tatsächlich scheint sich das nun bemerkbar zu machen. Fünf der sieben Siege in der EM-Qualifikation wurden mit einem Tor Unterschied eingefahren. Während man bei den ersten beiden Siegen gegen Moldawien (2:1) und Montenegro (1:0) noch zittern musste, spielte man die drei 1:0-Siege gegen Russland und Moldawien äußert souverän zu Ende.

Dass Koller seinen Matchplan explizit auf den Gegner ausrichtet und grundlegende Anpassungen, ist aber bislang nicht zu erkennen. Das ist wegen der eingangs erwähnten kurzen Lehrgänge auch ein überaus heikles Thema. Sehr wohl gab es aber die eine oder andere kleinere taktische Anpassung vor und während eines Spiels. Die Russen dominierten zum Beispiel in Wien die erste Halbzeit lang das Zentrum, was Koller in der Halbzeit mit dem Zurückziehen der Flügelspieler beantwortete. Diese rückten dann bei Bedarf in die defensiven Halbräume ein oder erlaubten das situative Auf- bzw. Herausrücken eines Sechsers.

ÖFB-Anpassung-MDA

Ein anderes Beispiel dafür, dass Koller bisher meist kleine, aber effiziente Anpassungen vornahm, war das Spiel in Moldawien. Diese spielten in einem 5-3-2 mit einer 1-2-Stellung der Mittelfeldspieler im Pressing. Das bot den Österreichern die Möglichkeit die Räume neben dem Sechser und vor den beiden linken Verteidigern zu bespielen. Die Österreicher nutzten diese Überladung in der obenstehenden Szene und holten in weiterer Folge einen Strafstoß heraus. Passenderweise bekam in diesem Spiel am rechten Flügel der kombinationsstärkere Sabitzer den Vorzug gegenüber Harnik.

Auch das Heimspiel gegen Moldawien sei an dieser Stelle angeführt. Dabei bekam Prödl den Vorzug gegenüber Kevin Wimmer, was angesichts dessen, dass dieser im Passspiel stärker als der Ex-Bremer ist zunächst nicht passend schien. Durch das erwähnte Aufrücken von Dragovic ins Mittelfeld, war dies allerdings auch nicht vonnöten. Im alleinigen Absichern wirkte Prödl nämlich stabil und zudem hatte man in ihm eine gefährliche Waffe bei Offensivstandards.

Fazit

Die große Entwicklung des österreichischen Nationalteams in den letzten Jahren ist augenscheinlich, was – auch wenn es immer noch einige kritische Stimmen gibt – zu einem Großteil an Marcel Koller liegt. Zweifellos kann der Schweizer auf einige Spieler zurückgreifen, die es in Österreich in dieser Form nicht regelmäßig gab und geben wird – allen voran Alaba. Auch die erfolgreiche EM-Qualifikation an sich sollte nicht überwertet werden. Vielmehr sollte die eindrucksvolle Art und Weise, wie man dies erreichte, honoriert werden.

Koller schaffte es, das ÖFB-Team schrittweise zu verbessern – in mehreren Punkten und mit klaren Etappenzielen. Zunächst wurde das Spiel gegen den Ball gefestigt, sodass in weiterer Folge auch einzelne Versuche, neue Elemente ins Kombinationsspiel einzubringen, nicht in schlechten Resultaten endeten. Der entscheidende Punkt dabei war die Nominierungspolitik. Während Kollers Vorgänger dazu neigten, nicht nur den Kader sondern auch die Startelf von Spiel zu Spiel umzukrempeln, behielt der Schweizer – auch unter partiellen Druck der Fans und Medien – die Ruhe, richtete einige Spieler damit sogar wieder auf.

Nun erntet er die Früchte dieser Arbeit – auch wenn manche das noch auf seine Vorgänger ausdehnen möchten. Dies beschränkt sich nicht nur auf den sportlichen Erfolg und die Harmonie innerhalb des Verbands. Er erfährt von fast allen Seiten Lob, erhält enorme Zuneigung und die Stimmung rund um Spiele des Nationalteam ist in Österreich so gut wie schon lange nicht mehr. Mit dieser Euphorie will man nun auch in Frankreich begeistern.

Peda 13. Oktober 2015 um 10:41

Habt ihr auch die letzten Qualifikationsspiele Österreichs verfolgt?

Da waren bei (beniahe) identem Personal doch einige erwähnenswerte Änderung in der Spielweise zu erkennen:

* Arnautovic zeigte gegen MNE und LIE einen stark erhöhten Aktionsradius, war nicht nur Anker links vorne, sondern kombinierte sogar im tiefen Halbraum mit den zentralen Mittelfeldspielern, während sich Fuchs weiße Schuhe holte.
* Alaba dagegen spielte mit erhöhter Grundposition halblinks, wodurch Junuzovic weniger pendelte sondern sich stärker auf die rechte Seite konzentrierte. Die Offensivformation wirkte also durchgehender 4-1-4-1-haft, die Wechsel (Jantscher/Sabitzer statt Schwab/Ilsanker für Alaba) bestätigten das.
* gegen LIE wurde entgegen der Gewohnheit ein Spielaufbau über links forciert, mit anschließenden Spielverlagerungen auf die geöffnete linke Seite.

Habt ihr das auch so gesehen?
Wenn ja, dann Hut ab vor Koller, der es nach der fixen Qualifikation sogar schafft in Bewerbsspielen etwas neues auszuprobieren ohne damit die Leistung zu beeinträchtigen.

Alaba hatte in den zwei Partien große technische Probleme, viele Fehlpässe, unglückliche Entscheidungen und verlorene Bälle. Nachdem er bei den Bayern aber nicht wirklich durch Formprobleme aufgefallen ist, bereitet ihm die Umstellung von Verteidigung (musste ja jetzt häufiger sogar als Innenverteidiger auflaufen) auf Mittelfeld (jetzt sogar OM statt Achter im A-Team) momentan so große Probleme, oder ortet ihr ein anderes Problem?

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Hk 13. Oktober 2015 um 14:09

Ohne eines dieser Länderspiele gesehen zu haben, rein aus den Erfahrungen der letzten Saison.
Da war die Einbindung von Alaba ins Mittelfeld bei Bayern ja ein großes Thema und er hat dann dort auch etliche Spiele (guardiola-like in immer leicht veränderten Rollen) gemacht.
Dabei war deutlich zu merken, dass auch dieser Alleskönner doch einige Spiele brauchte um den Rhythmus und die Entscheidungsfindung fürs MF zu optimieren.
Als er es dann verinnerlicht hatte sah das sehr gut aus. Als nächstes zog er sich dann leider seine Verletzung zu und das Thema war gegessen.

Zu deiner Frage würde ich deshalb schlicht sagen: Auch ein Alaba braucht zumindest ein wenig Eingewöhnungszeit.

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Koom 13. Oktober 2015 um 17:29

Das – und vielleicht lags auch am Gegner. Nicht immer, wenn ein Spieler schlecht erscheint, muss er ausser Form oder sowas sein. Manchmal (oder eher meistens) hat der Gegner etwas in seiner Formation so, dass gut gegen diesen wirkt. Alaba ist ja durchaus einer der Kernspieler der Österreicher, kann sich also durchaus lohnen, ihn einzuschränken.

Vergleichbar mit der irischen Manndeckung auf Müller.

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Peda 14. Oktober 2015 um 08:32

Prinzipiell richtig, im gegebenen Fall ist die Mutmaßung aber wertlos.

In der Qualifikation zur WM 2014 war das durchaus ein probates Mittel, um das A-Team kaltzustellen.
Mittlerweile ist aber einerseits das zentrale Mittelfeld derart fluide, dass eine Mannorientierung oder gar eine Manndeckung auf Alaba das eigene Gefüge wohl stärker beeinträchtigen würde als den Spielfluss des Gegners.

Und andererseits ist der Kader mittlerweile so eingespielt, dass Alaba im positiven Sinne nur mehr einer von vielen ist. Gegen den Gruppenkopf Russland hat er beide Male verletzungsbedingt gefehlt. Auswärts spielte Ilsanker, wodurch Baumgartlinger mehr Freiheiten nach vorne hatte, daheim musste man auch auf ihn verzichten und es kam das aus Salzburg bekannte 8er/6er-Tandem Leitgeb/Ilsanker zum Einsatz. Ergebnis bekannt.

Trotzdem: im abschließenden Länderspieldoppel war er beide Male für mich der schlechteste Mann am Platz und wurde auch beide Male ausgewechselt.

Ich hoffe, dass bei den Bayern die Verteidiger ab jetzt halbwegs unfallfrei durch die Saison kommen, damit er sich dort weiter vorne einbringen kann und das Vorbereitungscamp ausreicht, um sich im zentralen Mittelfeld einzuspielen, damit er bei der EM für Österreich auch die Rolle spielen kann, die von ihm erwartet wird und die er auch zweifelsfrei drauf hat.

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Veni Vidi Vici 10. September 2015 um 00:17

Ich schätze unseren Östlichen Nachbarn stärker als uns Schweizer ein weil sie doch eher als Einheit agieren, bei uns wird die Offensivkraft geschwächt in dem Man Verantwortung an Shaqiri gibt der absolut kein Führungsspieler ist und kaum für Kreativität mehr sorgt in unserem Angriffsspiel. Wenigstens Kollektivierte Koller das Angriffsspiel weitgehenst der Österreicher, daher hut ab für die Leistung unseres Östlichen Nachbarn!! Gratulation, man muss sagen ohne den Schweizer hätte man es wohl so nicht geschafft 😉

Könntet ihr mal eine Analyse zur Schweiz unter Petkovic in der Quali machen, wäre nämlich noch interessant macht ja relativ wenig über die CH.

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big fudge 9. September 2015 um 21:14

Vielen Dank für die Analyse. Sehr verständlich geschrieben.

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Michael 9. September 2015 um 21:08

Vielen Dank für den Artikel! Ich war schon kurz davor zu fragen, ob Ihr nicht ein Österreich-Special zur EM(-Quali) bringen könntet 🙂

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Schorsch 9. September 2015 um 20:56

Ein gelungener Artikel für alle, die sich nicht oder nicht so intensiv mit dem ÖFB-Team befassen.

An die Vorbehalte (friendly speaking) Koller gegenüber nicht nur seitens der Altinternationalen kann ich mich noch sehr gut erinnern. In Bochum hatte er auch immer einen Teil der Fans gegen sich. Am Ende schlug Koller von der Fantribüne der blanke Hass entgegen. Es war einer der großen Fehler der Führung des VfL Bochum, dem Druck der pöbelnden (dieser Ausdruck ist in meinen Augen in diesem Fall absolut richtig) ‚Fans‘ nachzugeben und Koller zu entlassen.

Die Verpflichtung Kollers, das Festhalten an ihm und die Vertragsverlängerung waren die besten Entscheidungen des ÖFB seit Jahrzehnten.

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Michael 9. September 2015 um 21:15

Ich habe nur die Befürchtung, dass nach dem Ende der Ära Koller wieder die unheilige Allianz aus „verdienten“ Alt-Internationalen, Journalisten, Verbands-/Vereinsmeiern und Hobby-Vereins-Präsidenten das österreichische Team wieder gezielt in die sportliche Bedeutungslosigkeit führen werden.

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Schorsch 10. September 2015 um 00:08

Nicht auszuschließen; Hansi Krankl meint ja immer noch oder nach wie vor, dass ein Österreicher das ÖFB-Team coachen sollte. Andererseits sieht man beim ÖFB ja, dass es durchaus etwas bringt, einen nichtösterreichischen Trainer zu verpflichten und an ihm festzuhalten, wenn er mit seiner Arbeit überzeugt. Gegen alle Vorbehalte und Unkenrufe. Das kann dann schon auch für die Nachfolge Kollers ein Argument sein, sich nicht von der beschriebenen Melange der ‚Experten‘ dazu drängen zu lassen wieder in die althergebrachte Richtung zu marschieren.

Wobei man sich nichts vormachen darf. Im Moment genießt Koller den Respekt aller in Österreich. Scheidet die ÖFB-Auswahl aber frühzeitig beim EM-Turnier aus und unterlaufen ihr dabei auch noch einige entscheidende Fehler, dann wird sich das sehr schnell wieder ändern.

Ich möchte damit allerdings nicht gesagt haben, dass es nicht doch auch kompetente österreichische Trainer gibt, welche als Nachfolger Kollers zu gegebenem Zeitpunkt infrage kämen. Das entscheidende Kriterium ist also nicht österreichisch oder nichtösterreichisch, sondern strukturiert-konzeptionell oder ‚Taktik ist überbewertet‘.

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Peda 12. September 2015 um 08:18

Die Befürchtung habe ich eigentlich nicht mehr.

Krankl ist mittlerweile so untragbar geworden, dass selbst seine geliebte Rapid ihn meidet wie das Weihwasser. Prohaska hat seine Meinung – die gewichtiger als Krankls ist – sowieso schon vor einiger Zeit geändert, nach dem Schweden-Match auch öffentlich.

Gregoritsch, ein weiterer aus der schändlichen Talkrunde von 2011, ist ja seitdem Trainer der U21 und lässt jetzt seit einiger Zeit verdächtig ähnlich zum Nationlteam trainieren – und das auch erfolgreich. Da dürfte also auch ein Umdenken stattgefunden haben.

Zu guter Letzt geht Generaldirektor Gigi Ludwig, seines Zeichens Buffettiger, Fortschrittsverhinderer (Merchandising!) und seit 34 Jahren in leitender Position beim ÖFB bald in Pension und ebnet damit den Weg für die anstehende Strukturreform des Fußball-Bunds.

Ich hoffe und denke, dass die Kräfteverhältnisse durch die Erfolge und die Reformen entscheidend verschoben wurden/werden und da in den nächsten Jahren nichts mehr anbrennt.

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Heini 14. September 2015 um 09:19

Wenn man die Kommentare in ORF oder den österreichischen Krawallzeitungen ernstnimmt, dann ist die jeweils aktuelle Nationalmannschaft entweder eine einzige Peinlichkeit oder der nächste Anwärter auf die Weltmeisterschaft. Krankl versucht ständig, sich als besseren Nationaltrainer zu positionieren – er ist damit nicht allein.

In diesem Sinne fand ich einen Kommentar der österreichischen Tagespresse nach (!) der EM-Qualifikation sehr stimmig, den ich hiermit zitieren möchte:

„17 Ex-Nationaltrainer übernehmen Verantwortung für durchwachsene Teamleistung

Nur ein durchwachsenes 4:1 konnte Österreichs Nationalelf gestern in Schweden erkämpfen, womit die EM-Qualifikation für Österreich wie gewohnt frühzeitig vorentschieden ist.“

Die österreichische Nationalmannschaft macht derzeit Spass, auch als Nicht-Österreicher.

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Someone 15. September 2015 um 08:59

Du zitierst eine Satirezeitung.

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Schorsch 15. September 2015 um 18:44

Der österreichische Humor macht nicht nur derzeit Spaß, nicht nur mir als ‚Von-Zeit-Zu-Zeit-Wahlösterreicher’…

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Isco 15. September 2015 um 23:55

Zumindest passiert das auch gewissen Politikern auch von Zeit zu Zeit *hust*

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Schorsch 16. September 2015 um 00:31

Ob die denselben Humor teilen, den ich meine, weiß ich nicht…

Isco 16. September 2015 um 01:09

Denk ich eher nicht^^


Peda 9. September 2015 um 15:45

Danke AS für die Zusammenfassung dieser grandiosen Entwicklung!

Ein paar Anmerkungen meinerseits:
Beim 2:1-Sieg gegen Schweden im Juni 2013 standen zum Beispiel gleich fünf Spieler in der Startelf, die in den letzten Wochen oder gar Monaten keine Pflichtspielminute auf dem Rasen verbrachten.
Erschwerend kam damals noch hinzu, dass Janko (aus unerklärlichen Gründen bei Trabzonspor suspendiert) und Almer (bei Düsseldorf nur auf der Bank), die Spieler mit der wenigsten Spielpraxis zu der Zeit, von der Öffentlichkeit absolut nicht wertgeschätzt wurden. Janko sagte dem Nationalteam in seinen Salzburger Zeiten häufig verletzungsbedingt ab, hing unter Constantini oft völlig in der Luft – beides hängt ihm unter den Nationalteam-Anhängern trotz seiner herausragenden Quote heute noch nach.
Da muss sich ein Stürmer also monatelang wie ein Einzelsportler fernab der Heimat auf ein einziges Spiel vorbereiten, bei dem er weiß, dass die Anhängerschaft seinen Einsatz nicht wirklich gutheißt, und dann haut er so ein Ding raus. Mir kommen heute noch die Tränen, wenn ich mir das anschaue.

Arnautovic bekommt den Ball häufiger in den Fuß gespielt. Er versucht sich dann entweder um seinen Gegenspieler zu drehen oder mit inversen Dribblings aufs Tor zieht. In manchen Fällen beschleunigt er damit das Spiel, in anderen Situationen nimmt er dadurch allerdings die Dynamik heraus.
Dass er die Dynamik herausnimmt ist ein häufiger Vorwurf an Arnautovic in der Nationalmannschaft, halte ich aber für zu stark verkürzt dargestellt. Er bekommt den Ball ja nicht zufällig in den Fuß gespielt. Wenn er in dieser Statik den Ball behauptet, gibt er der ganzen Mannschaft die Gelegenheit um ihn herum Dynamik zu erzeugen: Junuzovic und Alaba überladen den Halbraum, Fuchs kann hinter-(seltener vorder-)laufen und der Gegner verschiebt kollektiv auf die linke Seite, was den dynamischen Klein und Harnik rechts viel Platz öffnet. Er bewegt sich in diesen Situationen genau so, wie man sich einen Käfigkicker vorstellt, setzt seinen Körper ein, narrt den Gegner, gestikuliert.
Bei Iniesta geht dem Hipster der Fedora hoch wenn er die La Pausa-Taste drückt, bei Arnie rümpft er die Nase. Ich halte den Nutzen für die Mannschaft, wenn er in seinem Käfig, seinem Tanzbereich an der Outlinie auf die Herausforderer wartet, für stark unterschätzt.

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Phil 9. September 2015 um 23:29

Der erste Satz im letzten Absatz von Peda würde ich mir nur zugerne in meine TM-Signatur schreiben 😀
Aber nun zum Artikel: Sehr gut analysiert und überraschend verständlich geschrieben ;p
So ein Hochgefühl als Fan des ÖFB-Teams habe ich mit meinen 22 Jahren bislang noch nicht erleben dürfen. Umso schöner ist es jetzt.
Schade, dass das Schwedenspiel nicht mehr dabei ist in diesem Artikel, war aber wohl zu knapp.
Zum Abschluss nochmal vielen Dank für die starke Analyse!

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Phil 9. September 2015 um 23:30

Den* ersten Satz natürlich.

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