Tuchels BVB: Die aufregenden ersten Tage

Es war wohl einer der am meisten beachteten Trainerwechsel der letzten Jahre in der Bundesliga. Jürgen Klopp nahm seinen Hut, besser gesagt seine Pöhler-Kappe, und der allseits umworbene Thomas Tuchel übernahm die herausfordernde Aufgabe bei Borussia Dortmund.

Am 29. Juni startete die Vorbereitung beim BVB. Und das nehmen wir als Anlass, ein paar Erkenntnisse aus den ersten Testpartien zu teilen, wenngleich diese Darstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Außerdem werden höchstwahrscheinlich noch Ergänzungen erfolgen, sobald Dortmund weitere Vorbereitungsspiele bestritten hat.

Man muss zudem anmerken, dass Kawasaki Frontale, der Fünftplatzierte der J. League, im dritten Testspiel der erste ernstzunehmende Gegner war, dieser jedoch auch mit einem klaren 6:0 aus dem Weg geräumt wurde.

Kadersituation: Alles wie gehabt?

Als Jürgen Klopp einst in einer recht emotionalen Pressekonferenz die kurz zuvor kolportierten Gerüchte über seinen Abgang bestätigte, brachte er bemerkenswerte Sätze über die Lippen: „Wenn ich hier geblieben wäre, hätte sich wohl viel ändern müssen. Es ist eine tolle Basis, es kommen tolle Burschen nach. Ich könnte heulen, dass ich sie nicht trainieren werde. Nun werden andere Einflüsse auf sie und die Mannschaft treffen.“

Zerlegen wir die Aussage kurz. Zunächst einmal war der erste Satz recht nebulös. Was hätte sich ändern sollen? Wollte er die immer wieder geplanten, teils auch versuchten und doch meist verworfenen taktischen Änderungen hin zu effektiveren Ballbesitzstrukturen in der Vorbereitung auf die neue Saison voranbringen? War er davon überzeugt, dass einige Spieler – vielleicht sogar lange Weggefährten – den Verein hätten verlassen müssen? Wollte er im Trainerteam umbauen? Die letzte Frage könnte eigentlich negiert werden. Denn mit der Ankunft eines neuen Trainers war ebenso abzusehen, dass es personelle Umbrüche in den einzelnen Abteilungen geben wird. Tuchel tut genau dies und so verlässt beispielsweise Fitnesstrainer Dr. Andreas Schlumberger den Verein in Richtung Bayern München. Auch ansonsten installiert Dortmunds neuer Cheftrainer eigene Vertrauenspersonen und Experten an diversen Stellen.

Anders sieht es aber mit der Frage nach möglichen Spielerabgängen aus, die Klopp womöglich im Sinn hatte. Nun unter Tuchel scheint sich zumindest hier wenig zu ändern. Altbewährte Kicker wie Neven Subotić verlängern ihre Verträge oder bleiben dem BVB ganz einfach erhalten. Ein bestätigtes Angebot von Borussia Mönchengladbach für Matthias Ginter wird abgelehnt. Der aktuell noch verletzte Adrián Ramos erhält eine zweite Chance. Die ausgeliehenen Akteure Moritz Leitner, Jonas Hofmann und Marvin Ducksch sind zurückgekehrt. Die Kaufoption für Leonardo Bittencourt lässt man derweil verstreichen. Ciro Immobile soll anscheinend auch eine zweite Chance erhalten, zieht es aber wohl vor, in eine andere Liga zu wechseln.

Bei den Neuzugängen stehen bisher folgende Personalien fest: Julian Weigl von 1860 München, Gonzalo Castro von Bayer Leverkusen und Torhüter Roman Bürki vom SC Freiburg. Letzterer könnte die neue Nummer eins werden, während Mitch Langerak nach Stuttgart wechselt. Weigl und Castro sind vor allem in der Mittelfeldzentrale von Bedeutung. Gerade bei Castro glaubte man in gewisser Weise an eine Kompensation des antizipierten Gündoğan-Abgangs. Doch dieser hat nun seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Die Fülle an Mittelfeldakteuren zwingt zumindest schon Miloš Jojić zum Wechsel nach Köln. Weitere Spieler könnten den Verein ebenso verlassen, da in jeder noch so vorstellbaren formativen Konstellation schlichtweg zu viele Mittelfeldkicker für zu wenige Plätze vorhanden sind – bedenkt man zudem, dass aus der U17 beziehungsweise U19 bereits Top-Talente mit den Hufen scharren. Da sind wir beim zweiten Teil der Aussage Klopps angelangt. Er hatte dabei das großartige Potenzial von Pulisic, Passlack, Burnic oder Sauerland im Blick und ärgerte sich vollkommen zurecht, dass er sie nun nicht mehr trainieren und heranzüchten kann.

Aufgrund der nur marginal veränderten Personalsituation ist der Kader der ersten Mannschaft aber weiterhin von der Einkaufsphilosophie der vergangenen Jahre geprägt. Das bedeutet, es gibt viele gute Athleten, jedoch ist die Auswahl an strategisch intelligenten Spielern begrenzt, wobei ein wiedererstarkter Shinji Kagawa und natürlich auch İlkay Gündoğan Gold wert sind. In diesem Zusammenhang wäre übrigens auch die Verpflichtung von Johannes Geis nur partiell nachvollziehbar gewesen. Genau diesen Spielertyp braucht der BVB nicht unbedingt, was anhand der ersten Eindrücke unter Tuchel auch nochmals bestätigt wird.

Taktische Ansätze: Neue Ballbesitzstrukturen

Sofern die Beobachtungen aus den ersten Testpartien – gegen den Landesligisten VfL Rhede, eine Auswahl an Olympioniken anderer Sportarten sowie gegen Kawasaki – Aussagekraft haben, lassen sich folgende Punkte festhalten:

  • 4-1-4-1 als präferierte Grundformation, aber auch mit Wechseln zum 4-2-3-1 beziehungsweise Mischformen aufgrund von Gündoğans vertikalem Pendeln
  • Fokus auf Flügelüberladungen im Ballbesitzspiel, inklusive Rückraumbesetzung im Restfeld
  • Hohe Grundpositionierung der offensiven Außenspieler
  • Zirkulationen über Sechser und Achter angestrebt
  • Pressing erfolgt oftmals mit vorderer Dreierkette sowie nachstoßenden Achtern
  • End- und Flügelverteidigung weiterhin von teils zu flachen Staffelungen und/oder unpassenden Mannorientierungen geprägt

Der letzte Punkt wurde beispielsweise im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg deutlich. Dortmund gibt oftmals bei steilen Pässen des Gegners in die Spitze zu schnell den Rückraum auf und versucht nur noch um die am höchsten stehenden Angreifer zu verdichten. Hier wird eine grundsätzliche Besserung auf sich warten lassen, aber es ist davon auszugehen, dass Tuchel gewisse Abläufe verbessern möchte.

2015-07-08_Dortmund_Grundformation

Mögliche Aufstellungen in den angedachten Grundformationen

Die erwähnte Variabilität in puncto Grundformationen wirkt bisher fast so, als würden einerseits ein neuer BVB und andererseits ein alter BVB auftreten – um es etwas überspitzt zu formulieren. Zumindest versucht Tuchel neue Komponenten ins Ballbesitzspiel einzuarbeiten und in diesem Kontext ist bis jetzt eine Umstellung auf eine 4-1-4-1-haftes Ausrichtung zu erkennen. Sicherlich wäre Nuri Şahin eine erste Option für die zentrale Sechserposition, allerdings laboriert er weiterhin an einer Sehnenansatzreizung im Adduktorenbereich. So kann sich gerade Julian Weigl in den Fokus spielen. Der ehemalige Kurzzeitkapitän der Münchener Löwen überzeugt wie auch schon in der 2. Bundesliga durch ein sehr sauberes Passspiel, aber keinesfalls einen spektakulären Spielaufbau. Vielmehr fungiert der 19-Jährige als sicherer Ballverteiler mit einer entsprechenden Reichweite, die Sven Bender eher nicht und vor allem nicht in dieser sicheren Ausführung hat. Der Solosechser soll im 4-1-4-1 immer wieder gesucht werden, aber eben den Ball vor den Innenverteidigern erhalten und nicht etwa zwischen beide abkippen. Dies ist häufiger im 4-2-3-1 zu erkennen. Gerade in der Partie gegen Kawasaki positioniert sich Bender oftmals zwischen beide Innenverteidiger, was natürlich das Zentrum wieder dezimiert und den unruhigeren Rhythmus mit der Tendenz zu Schnellangriffen noch weiter befeuert. Im 4-2-3-1 gibt es vermehrt steile Diagonalpässe und Anspiele zum Beispiel auf den beschleunigungsstarken Pierre-Emerick Aubameyang.

Stichwort Innenverteidiger: Mats Hummels spielt bis jetzt mehrfach als rechter Innenverteidiger, verlässt also die eigentlich gewohnte linke Seite. Dies kann natürlich damit zu tun haben, dass Tuchel auf rechts beispielsweise mit Oli Kirch etwas mehr Spielstärke im kleineren Radius forcieren möchte. Aber noch bedeutender ist eher der erweiterte Zielkorridor für Hummels‘ Zuspiele. Wenngleich gerade im 4-1-4-1 selten lange Bälle als eröffnende Pässe fungieren, so war Hummels in der Vergangenheit auf halblinks stets etwas eingeschränkt. Ließ er sich noch leicht nach außen treiben, war teilweise nur noch Marcel Schmelzer oder ein Sechser in der Nähe als Anspielstation. Lange, häufig etwas schaufelnde Außenristpässe erschienen wie Streumunition. Der Wechsel auf die rechte Seite würde natürlich offenere Stellungen erzeugen und Hummels‘ Entscheidungsoptionen im Aufbau erweitern.

Bezüglich der Ballbesitzstrukturen sei noch erwähnt: Gerade Roman Bürki wird im 4-1-4-1, wo nun der einzelne Sechser nicht abkippt, stärker involviert, was natürlich das Ausspielen des gegnerischen Pressings erleichtert, wenngleich der BVB hier noch nicht wirklich getestet wird. Nachdem der Ball kurz durch die erste Linie zirkuliert und die Innenverteidiger durch Bürkis Teilnahme auch etwas breiter stehen können, erfolgt das erste Offensivzuspiel meist auf den Sechser. Anschließend wird über einzelnes Vor-und-Zurückpassen im Zentrum etwas Raum erobert. So kann der BVB beispielsweise die Flügelangriffe vorbereiten. Denn genau auf einer Seite findet meist eine Überladung statt, die gezielt ausgespielt wird. Dazu auch noch eine kurze Veranschaulichung von SV-Autor AS.

In dieser Szene gegen Kawasaki rückt übrigens Marco Reus aus dem Sturmzentrum in den ballfernen Halbraum zurück. Insgesamt pendelt der 26-Jahrige als einzelne Spitze oftmals nach außen und ermöglicht so zum Beispiel ein Vorstoßen von Kagawa in geöffnete Räume oder er generiert die Möglichkeit eines späteren Hineinstoßens in den Strafraum, sofern der BVB den Angriff mit einer Hereingabe ausspielt.

Video zu einem Treffer von Kagawa gegen Kawasaki inklusive erster Abfolge im Spielaufbau. Erstellt von Football Hunting

Selbstverständlich ist dieser Flügelfokus nicht das einzige Element im ruhigen Ballbesitzspiel der Dortmunder. Aber es sticht ein Stück weit heraus. Die Flügelspieler sind stets hoch positioniert und versuchen es beispielsweise mit Grundliniendurchbrüchen. Auch die Außenverteidiger schieben sehr schnell nach vorn, wobei sich hier noch leichte Abstimmungs- und daraus folgend Staffelungsprobleme ergeben. Doch genauso sind schon Angriffsmuster über den dominanten Gündoğan im Repertoire erkennbar.

Allerdings wird klar, dass der BVB vermeidet, durch einfache Pässe auf die Außenverteidiger in der Frühphase des Aufbaus sofort isoliert zu werden, wie es noch in der vergangenen Saison häufiger der Fall war. Außerdem ist Tuchels Abneigung gegen Long Line Pässe weithin bekannt.

Das wird ebenso im aktuellen Trainingsbetrieb deutlich, wo Tuchel sehr stark an Passtechniken, Passwinkeln, Passpräzison und Passschärfe arbeitet. Es schließt die Arbeit an Körper- und Fußstellungen genauso wie gruppen- und kollektivtaktische Korrekturen in puncto Zonenbesetzungen mit ein. In dieser Form trainiert der BVB auch die diagonalen Anspiele aus dem Spielaufbau heraus beziehungsweise nach dem Zirkulieren innerhalb der letzten Linie, während der eher typische vertikale Flügelpass nicht erfolgen soll.

„Bei Thomas Tuchel lernen wir jetzt sehr viel über Ballbesitz, es geht wirklich um Details. Mit welchem Fuß man den Ball annimmt, wie man den Ball passen soll.“ (Neven Subotić)

Fragestellungen für die nahe Zukunft

Natürlich ist die weitere Entwicklung in dieser Sommervorbereitung von der zur Verfügung stehenden Zeit abhängig. Die Asientour und der frühe Pflichtspielstart aufgrund der Europa-League-Qualifikation helfen dabei nicht unbedingt. Im Moment bleiben wohl mindestens folgende Fragen:

  • Inwieweit reicht Julian Weigls defensive Präsenz und kreative Qualität dafür aus, um eine ernsthafte Option auf der Solosechs darzustellen?
  • Wer könnte ansonsten diese Position begleiten, wobei ein Zurückziehen von Gündoğan dessen Stärken limitiert?
  • Sind weitere Alternativsysteme, beispielsweise mit Dreierkette oder einer Mittelfeldraute, angedacht?
  • Wie werden sich die offensiven Synergien gerade im 4-2-3-1 verbessern?
  • Welche anderen Strukturen werden im Ballbesitzspiel erkennbar sein?

+++ Update #1 +++

Nach einer kräftezehrenden Trainingseinheit am Morgen kassiert der BVB gegen die malaysische Mannschaft von Johor Darul Ta’zim F.C. das erste Gegentor in der Saisonvorbereitung. Es ist eine kleine Bestätigung für eine bereits weiter oben formulierte Kritik. Dazu gleich noch ein paar Worte. Zunächst sei gesagt, dass Tuchel in dieser Begegnung durchgängig auf ein 4-1-4-1 als Grundformation setzt. Zunächst agieren Gündoğan und Mkhitaryan vor Bender, der versucht präsenter im Spielaufbau zu werden, was ihm aber nur phasenweise gelingt. Insgesamt gibt es in dieser Partie meist eine übergeordnete diagonale Struktur bei Dortmunds Angriffen zu erkennen. Gündoğan übernimmt dabei halbrechts oftmals den Ball, wodurch Bender häufiger aus dem Aufbau herausfällt. Vom rechten Halbraum geht das Spielgerät mehrfach in Richtung der linken Außenbahn, wo Marcel Schmelzer zumeist sehr hoch steht. Die Hereingaben Schmelzers kommen in diesem Spiel auch sehr gut, da sie besser vorbereitet sind. Es erfolgen keine Flanken aus einer komplett statischen Situation heraus und die Strafraumbesetzung wird durch das Einrücken der beiden Flügelakteure verbessert.

Der Gegentreffer bestätigt dann die alten Staffelungsprobleme. Das Spielgerät gelangt an die eigene rechte Grundlinie und sechs Akteure rücken sofort auf eine tiefe Horizontallinie zurück, vernachlässigen aber den Rückraum, wo der Torschütze von Johor, Gary Steven Robbat, den Ball erhält. Funktioniert das Ballbesitzspiel an sich schon gut, hat Tuchel hier noch viel Arbeit vor sich. Wobei in dieser zweiten Partie während der Asientour auch die Angriffsvorträge teilweise nur sehr schleppend vorangehen. Johor steht meist zunächst im 4-4-2. Anschließend zieht es zum Beispiel den ballfernen Außenspieler nach hinten, wo er den aufgerückten Außenverteidiger Dortmunds mannorientiert deckt. Aus einem kurzzeitigen 5-3-2 wird ein kompaktes 5-4-1, das für den BVB teilweise nur sehr schwer zu bespielen ist. Darüber sollte auch das Endergebnis von 6:1 nicht komplett hinwegtäuschen, immerhin besteht rein vom individuellen Niveau ein klarer Klassenunterschied in dieser Testpartie.

Nach der Halbzeitpause behält Tuchel die Grundformation interessanterweise bei, ändert aber einige Kleinigkeiten oder diese ergeben sich schlichtweg aus den Synergien zwischen den Akteuren. Das betrifft gerade das zentrale Trio ganz vorn. Marco Reus verlässt als nominelle Spitze oftmals das Zentrum und dribbelt des Öfteren von halbrechts auf die Abwehr zu. Diese Bewegungen beantwortet Shinji Kagawa mit einem dezidierten Vorrücken. Die beiden Außenverteidiger werden jedoch nicht mehr ganz so stark eingebunden, da die beiden offensiven Flügelspieler im letzten Drittel meist etwas breiter als im System der ersten Halbzeit stehen. Die Strafraumpräsenz wird, wie erwähnt, durch die aufrückenden Läufe der Achter ermöglicht, wobei der Flankenfokus aber insgesamt etwas nachlässt und der BVB sich häufiger durch das Zentrum kombinieren möchte. Auffällig bleibt Linksverteidiger Jeremy Dudziak trotzdem. Anders als Schmelzer sucht der 19-Jährige mehrfach den diagonalen Weg nach innen. Seine Dribblings sind insgesamt ansprechend, seine Durchschlagskraft zum Beispiel bei seinem eigenen Treffer in Ansätzen zu sehen, aber der talentierte Flügelakteur muss seine Aktionen noch ein Stück weit besser timen und strategisch cleverer wählen. Manches Mal tanzt er Gegenspieler aus, hat aber keine Idee für die Anschlussaktion, wenn er vor der gegnerischen Viererkette steht, parat. Aber Potenzial ist bei ihm genauso wie bei Pascal Stenzel, dieses Mal als zweiter Achter unterwegs, vorhanden.

+++ Update #2 +++

Die 1:2-Niederlage beim VfL Bochum bringt unterdessen in der dritten Woche der Vorbereitung einige Probleme zum Vorschein. Das liegt sicherlich auch an den nicht abgestimmten Abläufen. Tuchel schickt die nahezu bestbesetzte Elf aufs Feld, stellt sich aber im eher ungewohnten 4-3-1-2 auf. Dabei agieren Mkhitaryan und Gündoğan auf den Halbpositionen vor Bender. Reus und Aubameyang fungieren als breite Stürmer ganz vorn. Problematisch wirkt in der Anfangsphase sofort die Aufteilung sowohl defensiv als auch offensiv. Die Räume vor den Außenverteidigern sollen durch ein situatives Herausrücken des ballnahen Achters verteidigt werden. Allerdings erfolgen die nachschiebenen Aktionen nicht immer abgestimmt, was eben den Eindruck der improvisierten Abläufe untermauert. Diese mangelnden Kompaktheiten werden mit zunehmendem Spielverlauf behoben, sodass diese eigentlich eher simplen Abläufe geschmeidiger vonstattengehen und die Abstände einfach effektiver sind. „Zehn Minuten gebraucht, um ins Spiel zu finden – um Positionen zu finden“, analysiert Tuchel nach der Partie.

Nichtsdestotrotz gibt es interessante Facetten in der Arbeit gegen den Ball, wo der BVB in ersten Halbzeit zumeist mit einer Raute verteidigt – also nicht wie so oft in der letzten Saison in ein 4-3-3 übergeht. Die beiden Angreifer bewegen sich in der Regel um den gegnerischen Sechser herum. Wird das Spielgerät im Mittelfeld erobert, ziehen beide vordersten Akteure nach außen hinter die Außenverteidiger des Gegners.

Offensivtaktisch gibt es zumindest in diesem Setup noch einigen Verbesserungsbedarf. Insbesondere Aubameyang positioniert sich, wenn der BVB geordnet aufbaut, mehrmals zu breit, anstatt zunächst den offensiven Halbraum zu besetzen und erst anschließend eventuell herauszurücken. Ebenso könnte Kagawas Rolle hier problematisch bleiben. Denn der Japaner ist in hoher Position selten derart präsent, wie er es zwischen zwei breitstehenden Angreifern sein müsste. Am ehesten fällt er auf, wenn er sich im Spielaufbau zurückfallen lässt, um die anderen Mittelfeldspieler zu entlasten. Denn Dortmunds zentrale Akteure haben anfangs Schwierigkeiten mit den Verbeek-typischen Mannorientierungen. Gerade wenn die beiden vordersten Bochumer die Innenverteidiger des BVB anlaufen und die restlichen Spieler der Hausherren mit direkten Zuordnungen verteidigen, kann Tuchels Team nicht effektiv aufbauen. Dies mündet beispielsweise in einen langen Schlag von Bürki auf Aubameyang in der 17. Minute.

2015-07-17_Dortmund-Bochum_BVB-Spielaufbau

Bender taucht im Spielaufbau sowieso oftmals ab. Die beiden Halbspieler versuchen unterdessen mit stetigen Pendelbewegungen für kurze Ablagen und entsprechende Raumöffnungen zu sorgen. Allerdings genügen diese vorhersehbaren vertikalen Läufe nicht aus, um beispielsweise zentrale Zonen zu öffnen. Die Mannorientierungen Bochums werden für Verbeeks Team aufgrund der eigenen individuellen Unterlegenheit trotzdem nach und nach zum Problem, gerade wenn sich Mkhitaryan aus der Umklammerung befreien kann. So findet der Armenier jede Menge Freiraum zwischen den auseinandergerissenen Linien. Vor dem 1:0 des VfL hat Mkhitaryan hingegen nicht diese Freiheiten. Er möchte aus dem eigenen Drittel heraus einen schnellen Umschaltangriff einleiten, verliert jedoch den Ball und die Hausherren nutzen das zur Führung durch Marco Terrazzino. In der zweiten Halbzeit erhöhen die Bochumer noch durch einen Sonntagsschuss von Tim Hoogland. Zu diesem Zeitpunkt agiert der BVB bereits im 4-3-3, auf das Tuchel nach der Pause zurückgreift. Dabei kommen Mkhitaryan und Hofmann über die Außen. Vor allem Letzterer zeigt einige vielversprechende Ansätze. Selbiges gilt für den später eingewechselten Jeremy Dudziak, der nicht nur den Anschlusstreffer erzielt, sondern auch mehrere gute Offensivaktionen zeigt. Übrigens wird der 19-Jährige bisher eher auf dem offensiven Flügel eingesetzt. Erik Durm füllt derweil als Linksverteidiger häufiger eine inverse Rolle aus. Vermutung: So wird sein Spiel automatisch stärker diagonalisiert. Die geradlinigen Pässe auf rechts bleiben aus. Tuchel lobt auch nach der Partie in Bochum Durms Vorbereitung zum 1:2, wo er nach innen zieht.

In diesem Zusammenhang sollte man jedoch erwähnen, dass sich Schmelzer bisher sehr gut präsentiert. Aufgrund der Rauteformation wird er stärker in der Offensive gefordert, schaltet sich aber ebenso in einem 4-1-4-1, wo die offensiven Flügelstürmer im letzten Drittel vermehrt nach innen rücken, ganz vorn ein. Sicherlich fehlt ihm immer noch in manchen Situationen der Offensivinstinkt, aber insgesamt ist Schmelzers Teilnahme am Angriffsspiel – weil er sich auf seine Stärken besinnt – in dieser Form als breitegebender Außenverteidiger notwendig.

+++ Update #3 +++

Die Testpartie in Luzern liefert nicht unbedingt viele Einblicke zum aktuellen Leistungsstand des BVB. Aber immerhin wirken die Akteure nahezu durchgehend sehr frisch und akute Verletzungen gibt es im laufenden Trainingslager in Bad Ragaz auch nicht zu beklagen. Gegen den von Markus Babbel trainierten FC Luzern bietet Tuchel das altbewährte 4-2-3-1 als Grundformation auf.

In der letzten halben Stunde des Spiels gegen Bochum war Kevin Kampl noch als Stürmer eingesetzt worden. Dieses Mal bekommt Jonas Hofmann seine Chance als Neuner. Es wird hier noch eine spielerisch starke Alternative neben Reus und Aubameyang gesucht. Hofmann kann gegen Luzern vor allem dann überzeugen, wenn er auf die Flügel ausweicht und damit in eine für ihn bekannte Umgebung zurückkehrt. So ist er auch am Führungstreffer in der neunten Minute beteiligt. Durch guten Pressingdruck erzwingt der BVB einen Fehler von Luzern. Über die rechte Seite kombinieren Hofmann und Kagawa in den Strafraum. Reus ist halblinks frei und schiebt ein.

Thema Pressing: Auf Seiten Luzerns wirkt das nicht unbedingt sehr ausgereift. Interessanterweise pressen die Schweizer gegen den frühen Aufbau Dortmunds mit einigen Mannorientierungen und pressen zugleich mehrfach durch bis auf den Torhüter, sofern der BVB zurück zu Weidenfeller spielt. Dieser kann sich oftmals nur mit langen Schlägen helfen. Die Borussen ihrerseits verhalten sich gerade in der ersten Halbzeit eher passiv in einer 4-2-3-1-Grundformation. Nur situativ rücken die vordersten vier oder fünf Akteure auf und bedrängen den behäbigen Aufbau Luzerns mit bekannten Mechanismen.

In der Endverteidigung Dortmunds bestehen derweil weiterhin Probleme bei der Besetzung des Rückraums, sobald der Gegner bis zur Grundlinie durchbricht. Auch Luzern kam so zu Chancen, die aber zum Beispiel durch Blocks noch vereitelt werden.

Ein Sonderlob verdient sich in diesem Spiel Gonzalo Castro. Bisher schwimmt der Neuzugang aus Leverkusen ein wenig unter dem Radar. Doch auf der Doppelsechs neben Weigl in der ersten Halbzeit und noch für fünfzehn Minuten neben Gündoğan nach dem Seitenwechsel tut er sich als starker Impulsgeber hervor. Insbesondere neben dem stets etwas tieferen Weigl schiebt Castro immer wieder nach vorn, was in gewisser Weise wie ein 4-1-4-1 wirkt, aber andere Züge als das bisher in der Vorbereitung gesehene System hat, das auch auf einer 4-1-4-1-Grundformation basiert. Castro sucht gegen Luzern mehrfach Überlademöglichkeiten auf dem Flügel oder stößt über den Halbraum bis in die Spitze vor. Die sowieso etwas überforderten Schweizer kommen damit nicht zurecht. Aber das gilt ganz allgemein in dieser Partie, was auch beim zweiten Treffer der Dortmunder deutlich wird. Denn vor diesem Tor befreit sich der BVB recht locker von der rechten Seitenauslinie. Über Reus gelangt das Spielgerät diagonal in Richtung Strafraum und damit auf Kagawa, dessen kurzes, hohes Zuspiel nach links von Kampl verwandelt wird.

Zur zweiten Halbzeit gibt es indes wenig zu berichten. Der gegenpressinglose Gegner bleibt weitestgehend drucklos, wobei die Dortmunder auch nicht mehr so aggressiv nach Ballverlusten vorgehen und einige Konter zulassen. Interessanterweise spielt Hummels nach der Pause als linker Innenverteidiger an der Seite seines bewährten Partners Subotić. In dieser Frage ist also Flexibilität die oberste Prämisse. Dudziak agiert übrigens erneut als offensiver Spieler auf der linken Außenbahn. Er wird vom „breiten“ Schmelzer vielfach hinterlaufen. Das Zusammenspiel der Beiden wirkt im Moment vielversprechend, gerade weil Dudziak es auch versteht, seine Läufe nach innen richtig zu timen oder sogar ausweichende Bewegungen des Stürmers – in der zweiten Halbzeit ist das Aubameyang – passend zu beantworten.

Was noch? Großkreutz macht sein Comeback als vergleichsweise tief agierender Rechtsaußen. Oli Kirch bekommt immerhin elf Minuten auf der Sechserposition, bevor er wieder als Rechtsverteidiger spielen muss. Stenzel scheint eine ernsthafte Option auf eben dieser Position zu sein, obwohl der 19-Jährige in der Schlussphase sogar als Innenverteidiger eingesetzt wird. Moritz Leitner macht nicht nur ein Tor gegen Luzern, sondern zeigt einmal mehr, dass er auf einem technisch herausragenden Niveau agiert. Aber seine Rolle, sofern er denn überhaupt in Dortmund bleibt, muss erst noch gefunden werden. Seine Vielseitigkeit im Mittelfeld kann aber auch ein Plus sein.

2015-07-25_Dortmund-Juventus_Grundformation

Erste Halbzeit

+++ Update #4 +++

Begeisternden Fußball präsentiert Borussia Dortmund phasenweise in der letzten Vorbereitungspartie vor dem ersten Pflichtspiel der Saison – am 30. Juli in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation gegen den WAC. Man schlägt Juventus mit 2:0, muss aber auch festhalten, dass sich der italienische Meister erst seit neun Tagen im Training befindet. Nichtsdestotrotz wird die Handschrift von Tuchel nun immer deutlicher. Der 41-Jährige präferiert recht klar eine 4-1-4-1- oder 4-2-3-1-Grundordnung, also zumindest auf dem Aufstellungsbogen nichts anderes als Jürgen Klopp.
Gegen Juventus startet einmal mehr Weigl als zentraler Sechser vor der Abwehr. Der junge Neuzugang wird häufig von den Innenverteidigern im Spielaufbau gesucht. Allerdings schaltet sich auch Gündoğan immer wieder durch tiefe Bewegungen in die frühe Spielgestaltung ein. Weigl balanciert dies dann sehr gut. Übrigens fiel er früher bereits bei 1860 München durch ein starkes Gespür für balancierendes Verhalten im zentralen Mittelfeld auf. Der mittlerweile zurückgetretene Sebastian Kehl wird sich freuen.

Dortmund fokussiert gegen die Turiner einmal mehr auf breite, flügellastige Angriffe. Insbesondere Schmelzer profitiert erneut von diesem Konzept. Die Offensivakteure überladen gewollt das Zentrum und schaffen so Räume für den 27-jährigen Linksverteidiger, der ebenso besser am Angriffsspiel teilnehmen kann, weil ihm mehr Anspielstationen angeboten werden. Gerade Mkhitaryan zeigt interessante Bewegungen. Denn der nominelle Linksaußen, der eher selten mit Marco Reus die Positionen tauscht, weicht des Öfteren hinter Schmelzer zurück und bietet sich im Rückraum der linken Außenbahn an. Also rückt der Flügelstürmer nicht etwa wie zuletzt ins offensive Zentrum, um dort größere Präsenz zu schaffen, während die Achter etwas tiefer in der Mitte bleiben. Auf der linken Seite hat dies gegen Juventus aber auch sicherlich mit der Rolle von Reus zu tun. Denn Dortmunds Star pendelt zwischen Acht und Sturmspitze. Zu Beginn der Partie bleibt er hin und wieder sogar hinter Gündoğan zurück, wenn dieser nach vorn stößt. Im Verlauf des Spiels rückt Reus aber immer häufiger an die Seite von Aubameyang, wodurch ein 4-1-3-2 entsteht. Selten tauscht er mal mit Rechtsaußen Kampl die Positionen oder weicht, wie erwähnt, nach links aus.

Schematische Struktur, wenn Schmelzer im letzten Drittel links den Ball hat

Schematische Struktur, wenn Schmelzer im letzten Drittel links den Ball hat

Unterdessen scheint die Positionierung von Hummels innerhalb der Innenverteidigung zu variieren oder das Experiment, ihn von links nach rechts zu ziehen, ist womöglich ad acta gelegt. Denn zum zweiten Mal in Folge spielt der BVB-Kapitän wieder auf der altbekannten linken Position, wo er im Spielaufbau versucht, mit etwas Schwung die Zuspiele seines Nebenmanns aufzunehmen und so im Halbraum vorzustoßen.

Derweil überzeugt Mkhitaryan mit seiner intelligenten Positionsfindung, was nicht nur am Zusammenspiel mit Schmelzer deutlich wird. Der Armenier agiert immens weiträumig, bietet sich im Aufbau tief an oder läuft diagonal bis zur Abseitsgrenze durch. Beim Dortmunder Führungstreffer in der 40. Minute erläuft er beispielsweise im Konter einen Ball von Aubameyang und verzögert an der linken Strafraumgrenze den Angriff, um das Spielgerät zu Aubameyang zurückzulegen, der von der Grenze des Sechzehners verwandelte. Insgesamt wirkt der Angriffsrhythmus des BVB gegen Juventus sehr ansprechend. Viele Pässe gelangen präzise in die Bewegung des Mitspielers, sodass Tuchels Team das Tempo in Spielzügen erhalten kann.

Gegen den Ball gibt es die eigentlich aus den letzten Jahren und in der letzten Saison teils abhanden gekommene Intensität im Gegenpressing, weil der BVB wieder weniger ausrechenbar scheint. Die herausrückenden Bewegungen, das situative Durchpressen mit mehreren Spielern bis zum gegnerischen Torhüter und auch die sehr variablen Läufe der flexiblen Offensivakteure zeigen Wirkung. Im geordneten Pressing positionieren sich die Schwarzgelben häufig im bekannten 4-3-3, wobei einmal mehr Mkhitaryan in der Regel zurückgezogener spielt. Schmelzer schiebt derweil mehrfach nach vorn, um überraschende Attacken zu fahren.

„In der Kompaktheit der Reihen kam das unseren Vorstellungen sehr nahe.“ (Tuchel)

In der zweiten Halbzeit gegen Juventus wechselt Tuchel natürlich vielfach durch. In einem 4-2-3-1 bilden Bender und Castro die Doppelsechs hinter Reus, Kagawa und Hofmann zunächst. Benders Abkippen beispielsweise und auch die weiter auseinandergezogenen Staffelungen erschweren allerdings den Spielaufbau und verleiten zu einer gefühlt höheren Fehlpassquote. Das zweite Tor durch Reus ist sicherlich ein traumhafter Konter vom eigenen Strafraum und mit einem gewieften Trick am Ende gegen Bonucci, aber keinesfalls sollte das über die Probleme, die der BVB in dieser Phase hatte, hinwegtäuschen. Im Verlaufe der zweiten Halbzeit kommen noch Akteure wie Kirch, Dudziak und Leitner aufs Feld. Interessanterweise spielt Kirch nominell als Linksverteidiger, in der Realität aber eher als einrückender linker Achter. Zumindest ein interessanter Versuch, der ebenso wie Durms Rolle auf links zumindest als temporäre Alternative dienen kann. Zum Ende hin wirkt der BVB im Mittelfeld rautenhafter. Castro und Leitner besetzen die Halbpositionen hinter Kagawa, der zwischen Neuner und Zehner pendelt, während Dudziak sowie Hofmann etwas breiter stehen, jedoch auch vielfach in den Strafraum vorstoßen. So beschließt der BVB das Trainingslager in Bad Ragaz.

Fazit

Irgendwo steckt das Fazit der ersten vier Wochen von Tuchels Amtszeit in den vielen kleinen Details, die hier genannt wurden. Nach und nach scheint er sich auf eine gewisse Grundordnung festzulegen. Der BVB pendelt sicherlich zwischen diversen Formationen, doch das 4-1-4-1 ist am ehesten die Basis, von der aus dann insbesondere im Zentrum kleinere Anpassungen erfolgen. In dieser Art stellt Tuchel auch sein Team auf die unterschiedlichen Gegner ein. Komplett andersartige Formationen sind zumindest in dieser Frühphase nicht zu erwarten. In den besten Minuten der Vorbereitungsspiele überzeugen die Dortmunder vor allem mit gelungenen Angriffen, wo sie im richtigen Moment in die Breite spielen, diese Flügelangriffe jedoch auch ordentlich vorbereiten. An sich sind derartige Überladungen und raumöffnende Bewegungen natürlich keine taktische Revolution, aber die war auch bei weitem nicht zu erwarten. Die Borussia möchte sich vor allem stabilisieren und nicht vom großen Angriff auf die Bayern träumen.

Der Kader selbst scheint noch zu groß, wie Tuchel selbst verlauten ließ. Immerhin kann er mehr als zwei volle Teams aufbieten. Dass sich ein Nachwuchsmann wie Stenzel zudem noch festspielt, verbessert die Situation für andere Kadermitglieder nicht unbedingt. Also die endgültige Saisonplanung ist beim BVB noch nicht abgeschlossen.

Dr. Acula 29. Juli 2015 um 00:05

ob guardiola sich wohl auch so kranke gedanken macht, wenn er den bvb analysiert….

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Handtuch 30. Juli 2015 um 07:52

Ehrlich gesagt glaube ich das nicht. Ich bin immer mehr der Meinung, dass Guardiola auf seine taktischen Fähigkeiten hin überschätzt wird. Dazu wirken viele seiner Entscheidungen auf mich zu chaotisch und zu politisch (Beispiel Thomas Müller).

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LB 28. Juli 2015 um 22:37

@ FAB

Leverkusen hat Castro nicht ziehen lassen, sie wollten ihn unbedingt halten. Castro hat sich aber gegen eine VV entschieden und für den BVB. der BVB musste nur die Ausstiegklausel ziehen und Leverkusen konnte nichts machen….

auch wenn castro sicherlich auch schwachpunkte hat, war er gerade in der letzten saison enorm wichtig für leverkusen. ob er das auch beim bvb wird, muss man abwarten. die konkurrenz ist größer, weigl überrascht sehr positiv. man darf aber nicht vergessen das castro auch eine reihe offensiver spielen kann und das es bei einer 3-fach belastung sicherlich genügend startermöglichkeiten geben wird. zudem sahins verletzung doch noch ziemlich ungewiss ist.

auf dem blatt papier hat der BVB gut transferiert und im gegensatz zu den letzten 2 jahren auch clever. mit bürki bekommt man endlich den mitspielenden modernen TW der sich am aufbauspiel beteiligt (3 kette). mit weigl der lang vermisste balancespieler (sahins verletzung tat letzte saison richtig weh). castro ist ein vielseitiger spieler der sich immernoch entwickeln kann zudem in meinen augen pressingressistent + ballsicher (auch das fehlte beides in der letzten saison oft).

die hausaufgaben sind gemacht. interessant wird auch noch die verwendung von dudziak sein, der auch in tuchels beuteschema passt (gute technik, ballsicher usw.)

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Koom 27. Juli 2015 um 09:27

Wenn man den Ausdruck verwenden will, könnte man sagen, dass Tuchel tatsächlich erst mal die Basics gesichert hat. Grundformation, die dem bisherigen Stil ähnelte, aber viele Feineinstellungen und Detailarbeiten. Bspw. die bessere Paßspielgenauigkeit. Oder das man Mhkytarian die „Pflicht“ der Offensive nimmt und ihn zentraler, aufbauender einsetzt. Oder Schmelzer, der sicherlich nicht komplex ist, aber trotzdem gut eingebaut wird. Klingt soweit sehr gut, bin mal gespannt, wie das dann im Alltag alles funktionieren wird.

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FAB 28. Juli 2015 um 09:41

Die grundlegende Änderung ist doch aber die Umstellung auf ein 4141. Interessant zu wissen wäre, ob Tuchel die Formation aus der 1. Halbzeit gegen Juve derzeit als Stammformation sieht.
Die spannendste Personalie wäre dabei Weigl, der bisher sowohl bei der U20 WM, als auch in seinen ersten BVB Auftritten absolut überzeugt hat. Dennoch wäre es natürlich eine Überraschung wenn er Castro und Bender verdrängen würde. Andererseits könnte Reus auch auf die Außenbahn gehen, z.B. anstelle von Kampl und Castro dann als zweiter 8er neben Gündogan spielen. Auch bei einer Rückkehr Sahins wäre sicherlich der Stammplatz von Weigl gefährdet. Ich fände es allerdings toll, wenn er zumindest in den ersten Bundesligaspielen eine Chance bekommt. Mit der Europa League gibt es ja dann vermutlich noch einige Spiele in denen nicht in Bestbesetzung gespielt werden muss.
Ein Problem wäre das 41411 allerdings für Bender und Kagawa, weil in dieser Formation die Schwächen speziell dieser beiden Spieler noch deutlicher zum Vorschein kommen würden.

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Koom 28. Juli 2015 um 10:32

Weigl dürfte tatsächlich eine Überraschung sein, aber ein SV-Autor sagte ja schon, dass er als Balancegeber sehr stark ist. Und genau das war eine der großen Schwächen des BVB in den letzten 2 Jahren. Und auch wenn man rhetorisch den BVB als Herausforderer platziert, wird man in bestimmt fast allen Bundesligaspielen der Favorit sein.

Bender wird es schwer haben, ja. Die 6er Position heutzutage im allgemeinen ist mittlerweile kaum noch wirklich defensiv, da hat er es als klassischer Staubsauger schwer. Vielleicht schult er zum IV oder RV um, aber zumindest da hat es beim BVB auch reichlich Konkurrenz.
Kagawa kann ich aber nicht nachvollziehen. Auf der 10er-Position wird er auch im 4-1-4-1 wirken können. Oder er macht hin und wieder das, was Mhkytarian jetzt tun soll: Nominell außen spielen, praktisch aber sich eher zentraler einsortieren.

Das es bei dem übergroßen Kader Härtefälle geben wird, war von Anfang an klar. Man hat auf fast jeder Position hochwertigen Konkurrenzkampf. Eigentlich ist nur der RV-Posten relativ frei, eventuell auch die MS-Position, die es so in der Form aber wohl eh nicht mehr gibt beim BVB.

Wenn man mal so eine Maximalaufstellung mit allen gleichzeitg machen würde:

——————————— Weidenfeller – Bürki ——————————————
——————————————————————————————————–
Piszczek – Durm – Subotic – Sokratis – Ginter – Hummels – Dudziak – Schmelzer
——————————————————————————————————–
—————- Gündogan – Sahin – Weigl – Bender – Kirch – Leitner ——————
——————————————————————————————————–
—– Kuba – Kampl – Kagawa – Großkreutz – Castro – Mhkytarian – Hofmann —-
——————————————————————————————————–
—————————— Aubameyang – Reus – Ramos ———————————

Wäre ein flottes 8-6-7-3.

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FAB 28. Juli 2015 um 13:32

Ja die Balance ist wohl die große Stärke von Weigl. Dazu ist es eigentlich eine Schwäche von Gündogan, Sahin, Bender und v.a. Castro. Alle 4 wollen dem Spiel aus meiner Sicht zu sehr ihren ureigenen Stempel aufdrücken. Weigl erscheint mir dagegen ein Spieler der noch kein ausgeprägtes Profil hat, dagegen aber in allen Belangen sehr stark ist zumindest sehr großes Potential hat (ballsicherer als Bender, dynamischer als Sahin, besonnener bzw. strukturierter als Castro). Ich hoffe dass er sein Selbstvertrauen behält und sich als 6er wirklich durchsetzt.

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Koom 28. Juli 2015 um 13:36

Wurde Castro SV-seitig nicht auch als Balancegeber gepriesen?

Andererseits war seine Vorbereitung solala, vielleicht will er auch grade einfach zu viel. Die Interpretation von Weigl, die unscheinbar, aber effektiv zu sein scheint, wird dem BVB wohl gerade besser tun.

Das Problem, dass manche Spieler meinen, dass sie sich zu sehr einbringen, zu dominant sein wollen, wird dem BVB und Tuchel sicherlich auch noch Probleme machen. Gündogan nach seiner langen Verletzung dürfte jetzt langsam wieder fit sein, Sahin als Rückkehrer wird auch pushen, Hummels ebenfalls, Reus nach seinem Seuchenjahr auch. Kagawa kann man auch dazu nennen, Kampl als teure Neuverpflichtung auch – herrje, da sind definitv zu viele dabei, die potentiell übermotiviert sein könnten.

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FAB 28. Juli 2015 um 16:42

Ich bin nicht unbedingt ein Castro Fan. Zwar bringt er eine unglaubliche Intensität mit. Ist stark am Ball, sowohl defensiv als auch offensiv mit vielen guten Ideen. Er ist mir aber häufig zu chaotisch. seine Stärke ist eher das Schaffen von Überladungssituationen. Er hat auch ein gutes Pressingspiel aber es ist eben nicht strukturiert sonder eher impulsiv. Ich habe auch noch sein katastrophales Stellungsspiel bei der Pleite Leverkusens gegen Barca im Kopf (damals als Rechtsverteidiger, was ihm vom Naturell überhaupt nicht liegt). Also eigentlich ist er eher das Gegenteil von einem Balancegeber. Ich denke wenn Castro hinter sich einen sehr umsichtigen strukturierten Spieler hat (wie vielleicht Weigl) kann er evtl. schon eine Bereicherung sein.
Ich denke dass Leverkusen ihn auch deshalb ziehen hat lassen, weil nun Kramer seine Box-to-box Rolle übernehmen soll. Außerdem ist Leverkusen offenbar noch auf der Suche nach einem Balancespieler: Aranguiz ist meiner Meinung nach in dieser Hinsicht einer der besten der Welt, weil er es schafft die Balance nicht auf der 6er Position herzustellen (Busquets und co.) sondern sozusagen überall, er bewegt sich sozusagen antizyklisch mit der Mannschaft (bzw. zu Vidal in der chilenischen Nationalmannschaft). Das ist in dieser Form selten zu sehen.

FAB 7. August 2015 um 09:20

Toller Auftritt von Weigl gestern in der Euro Quali. Klar gegen einen sehr schwachen Gegner. Aber hat trotzdem unheimlich Spaß gemacht ihn bei seiner perfekten Positionsfindung zuzuschauen. In dieser Form hilft er dem BVB Struktur in das Spiel zu bekommen, genau das was letzte Saison gefehlt hat. Bleibt noch spannend wie er sich gegen einen stärkeren Gegner verhält, insbesondere bin ich dann gespannt auf sein Defensivverhalten.

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SHtormila 26. Juli 2015 um 16:27

will the author analyze the bvb-juventus game?

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Tom 26. Juli 2015 um 14:03

Amüsanterweise hat Tuchel im gestrigen Spiel in dem von Klopp geprägten 4-2-3-1 spielen lassen und auch personell hat sich bekannterweise nicht viel verändert. Trotzdem erkennt man deutlich den Fokus in der alltäglichen Trainingsgestaltung und an welchen Stellschrauben Tuchel dreht.
Meiner Ansicht nach hat sich die Passqualität, was die Dosierung der Passhärte sowie die Passgenauigkeit angeht, extrem verbessert.
Darüberhinaus soll flach gespielt werden, auf unkontrollierte Befreiungsschläge wird weitgehend verzichtet. Hier sieht man den entscheidenden Vorteil von Bürki gegenüber Weidenfeller. Steht Bürki im Tor, bildet sich zumeist um ihn herum eine Dreierkette, was zur Folge hat, dass die beiden defensiven Mittelfeldspieler sich vorrangig im Sechserraum anbieten und sich nur situativ zur Unterstützung jener Dreierkette zurückfallen lassen. Dieses Aufbauspiel aus der eigenen Abwehr heraus sah relativ sicher aus, jedoch bleibt abzuwarten, ob es auch dem Pressingdruck in der Bundesliga standhält. Jedoch halte ich die personelle Besetzung aus den spielstärkeren Bürki und Weigl gegenüber Weidenfeller und Bender für grundsätzlich geeigneter für die von Tuchel favorisierte ballbesitzorientierte Spielweise. Als Weidenfeller das Tor hütete, sah man das altbekannte Problem. Er versucht zwar vermehrt den Ball kontrolliert zum Mann zu bringen, allerdings gelingt ihm das leider nur selten. Bender lässt sich u.a. deswegen, weil Weidenfeller nicht spielstark genug ist, damit sich um ihn eine Dreierkette bildet, häufig zwischen die Innenverteidiger zurückfallen. Auf diese Weise entzieht er sich jedoch auch dem gegnerischen Pressingdruck im Sechserraum, welchem Weigl aufgrund seiner größeren fußballerischen Qualitäten besser standhält. Dies schränkt deutlich unsere Variabilität im Spielaufbau ein.
Wie bereits erwähnt hatten wir in der Vorsaison häufig das Problem, dass unsere Außenverteidiger zu früh ins Spiel einbezogen wurden. So fiel es dem Gegner leicht, diese zu isolieren, indem sie die Räume um sie dicht gemacht haben. Der Ballverlust war vorprogrammiert. Jetzt werden sie allerdings erst im letzten Spielfelddrittel einbezogen und es gelingt vermehrt, Durchbrüche zur Grundlinie herauszuspielen. In diesem Zusammenhang ist mir gestern v.a. die linke Seite, bestehend aus Schmelzer und Mkhitaryan aufgefallen. Durch die inverse Spielweise von Mkhitaryan konnte der Armenier oft Raum für Schmelzers Vorstöße schaffen. Zudem denke ich, dass Tuchel das Spiel durch die Aufstellung des technisch versierten Kampls auf die rechte Seite ziehen wollte, um Platz für Schmelzer und Mkhitaryan auf der gegenüber liegenden Seite zu schaffen.
Grundsätzlich war auch noch festzustellen, das die Ballbesitzzeiten der einzelnen Spieler etwas kürzer geworden sind und die Ballzirkulation schneller vonstattengeht. Hier arbeitet man auch häufig mit Spielverlagerungen, um die gegnerische Abwehr auseinander zu ziehen.
Des weiteren ist mir noch aufgefallen, dass das Gegenpressing wieder effektiver geworden ist. Dadurch dass keine Gegenpressingsituationen mehr heraufbeschworen werden durch diese bereits oben beschriebenen hohen Bälle in die Spitze und die anschließende Hoffung, den zweiten Ball in aussichtsreicher Position zu erobern, sind diese Gegenpressingsituationen zwar rarer gesäht, aber erfolgsversprechender.
Diese Erkenntnisse habe ich bisher gewonnen. Ich hoffe, ihr könnt mir in meinen Beobachtungen weitestgehend zustimmen.

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Tom 26. Juli 2015 um 14:43

P.S. Oli Kirch Fußballgott inverser Linksverteidiger

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Flo 26. Juli 2015 um 13:59

Hier eine Analyse von Martí Perarnau:
http://www.martiperarnau.com/tactica/el-nuevo-borussia-dortmund-de-tuchel/
Er beschreibt das System als 4-1-3-2, Tuchel will das Spiel dominanter und weniger vertikal machen, Bürki erinnert ihn bei der Ballbehandlung an ter Stegen und Neuer, die Außenverteidiger stehen hoch, sollen jedoch in der Spieleröffnung nicht angespielt werden. Die Stürmer Reus und Auba sind ständig in Bewegung, wobei stets einer das Zentrum besetzt und der andere nach außen geht. Das Pressing wird mit der gleichen Energie wie immer umgesetzt.

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Jojo 26. Juli 2015 um 10:37

Gegen Juve hatte ich den Eindruck, dass in der 1. Hz der Spielstärkere 6er (Gündogan) die tiefere Rolle beim Spielaufbau übernommen hatte.
In der 2. Hz dann eher der „spielschwächere“ (Bender).

Hab ich da nen falschen Eindruck? Wenn nein: woran lag es? Einfach nur an der Innenverteidigerkombination Ginter-Hummels in der 2. Hz?

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Noam 27. Juli 2015 um 16:03

Ich denke es lag daran dass Bender mit dem Gegenpressing im Zentrum weniger gut klarkommt als Weigl, der auch spielstärker ist. Deshalb lässt sich Bender oft zurückfallen. Das ist gegenüber Weigl natürlich die schlechtere Lösung, allerdings hatte icb in der 2.Hz. das Gefühl, dass Castro deutlich offensiver agiert hat als z.B. Gündogan oder Weigl und Bender dadurch „gezwungen“ war, sich zurückfallen zu lassen, damit Castro seine Vorstoss-Stärken besser ausspielen konnte.
Ich hoffe, dass Tuchel noch einmal eine andere Variante ausprobiert, z.B. Mkhitaryan, Castro und Weigl/Gündogan im Zentrum, damit Castro zwei Absicherungen hat und somit mehr Vorstösse machen kann. Wenn Bender anstelle von Weigl spielt, fehlt dem BVB meiner Meinung nach im Zentrum ein wenig die Flexibilität und die spielerische Stärke. Hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt und konnte dir weiterhelfen :).

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Dr. Acula 22. Juli 2015 um 16:56

ist sowas ähnliches auch zu Bayern geplant? Frage wegen guardiolas „Saison-Zielen“, die er Schritt für Schritt etabliert und die vllt schon in den Testspielen vorkamen

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CE 22. Juli 2015 um 18:10

Also in dieser Art hier nicht. Aber ich hatte schon darüber nachgedacht, vielleicht eine Kaderanalyse (Analyse der Neuzugänge vor allem) inklusive einiger taktischer Feinheiten, die sich in der Saison ergeben könnten, zu machen. Mal sehen. Es ist noch etwas Zeit bis zum Start der Bundesliga.

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Aviator 19. Juli 2015 um 15:34

Um Gottes Willen, ändert bitte die Textpassage „vollkommen zurecht, dass er sie nun nicht mehr trainieren und heranzüchten kann.“ —„HERANZÜCHTEN“
Wir reden hier von Menschen also bitte!

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LuckyLuke 19. Juli 2015 um 14:09

Da ich mich schon etwas länger mit einer (Aufstellungs-)Idee herumschlage, dachte ich mir ich stell sie jetzt hier einfach mal vor. Ich hab sie zwar prinzipiell für Bayern „entworfen“, allerdings halte ich sie für so unglaublich gut, dass ich mir vorstellen kann, dass sie auch für den BVB interessant wäre (auch wenn hier mindestens ein Spielertyp noch fehlen dürfte) :D…nein ich hab leider in keiner Spielanalyse/Taktiktheorie o.ä. einen Hinweis darauf gefunden, ob diese Idee wohl funktionieren würde und bin selbst taktiktheoretisch leider noch zu jungfärulich, um die Tauglichkeit tatsächlich selbst zu überprüfen. Soweit die Vorrede, kommen wir zu der Idee:
Es geht dabei um eine Dreierkette/pendelnde Viererkette, wobei die Pendelbewegung nicht 6er –> IV ist, so wie ich das bisher kenne, sondern linker 6er –> LV/ rechter 6er –> RV (wie gesagt ursprünglich gedacht für Bayern mit Alaba/Lahm), allerdings situativ nur eine der beiden Bewegungen, der andere 6er bleibt jeweils im Zentrum. Für den BVB stelle ich mir das ungefähr so vor:
„Grundaufstellung“/eigenes Aufbauspiel
——Castro—Kirch—–
–Ginter–Hummels–Sokratis
und die jeweiligen Viererketten dann eben so:
————-8er————– ——————–8er————
——————-Kirch—– bzw. ———-Castro——————–
Castro–Ginter–Hummels–Sokratis Ginter–Hummels–Sokratis–Kirch
diese beiden Varianten sind für gegnerische Angriffe über außen gedacht, bei Angriffen durch die MItte bleibt sozusagen die Dreierkette eine Dreierkette und die zwei 6er stehen davor.

Vorteile, die ich in dieser Formation sehe:
– offensiv: Bei eigenem Ballbesitz starke Zentrumspräsenz, pressingresistente/spielstarke 6er,…
– defensiv: flexible Variation zwischen IV auf außen als zweikampfstarke, robuste Option, oder „richtiger“ AV auf außen (außer eben hier Castro, den ich aber für relativ flexibel halte und daher am ehesten in dieser/diesen Position/en sehe), falls gegnerische Außen zu schnell/wendig o.ä. sind, bei Angriffen durch die Mitte gute 3-2 Staffelun, immernoch Zentrumspräsenz und defensiv nicht zu stark gebundene Außenspieler für Umschaltspiel,…

Allerdings bleiben bei mir persönlich auch ein paar Fragen, ob das denn wirklich so funktionieren würde. Müssen die 6er bei dieser Spielweise zu viel laufen? Ist meine Einteilung in Außenangriffe/Mitte-Angriffe zu simpel (abgesehen vom Standpunkt, dass es sich hier um eine kurze Beschreibung handelt, die Darstellung also natürlich zu simpel ist :D) und ergeben sich daraus Probleme?

Ich wäre sehr erfreut, wenn irgendjemand mir Fedback zu dieser Idee geben könnte. Falls euch der Post allerdings zu offtopicig ist, dann lasst es einfach, ich versteh das 😀

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Lea 20. Juli 2015 um 13:39

Auf den ersten Eindruck wäre das Zentraum zu offen, sollte im Aufbauspiel der Ball verloren gehen. Bedeutet: es wäre zu einfach auf die 5er (!) Kette (im Bsp. bei dir: Castro-Ginter-Hummels- Sokratis-Kirch) mit Tempo zuzulaufen und mit Diagonalläufen durchzustecken. Natürlich steht man bei Ballverlust im Aufbauspiel nahezu immer schlecht. Aber das ist der Vorteil zum Beispiel bei Bender: im Aufbauspiel mag er hinderlich sein, im Abwehrverbund ist er für erneute Gegenstöße und Blockade (vor der Abwehr positioniert) goldwert. Gerade für Klopp’s Pressingmaschine weiter vorne, nach Tuchel’schem Schema setze ich da auf mehr Einsätze in Auswärtsspielen.

Den Punkt der starken Zentrumspräsenz bei eigenem Ballbesitz versteh ich nicht, wenn ich hinten mit einer (dann) 5er Abwehrkette das Aufbauspiel forcieren möchte (Flügelstau? Anfälligkeit gegen höher stehendere Gegner? Oder gingst Du von den typischen Bayern-Heimspielen aus, bei denen die Gegner sowieso meist viel zu tief standen?). Außerdem wären die Laufwege der 6er nach außen zu leicht zu durchschauen (beim aktuell fallenden 6er sind es meist 2 Spieler die in Frage kommen oder eben abkippend für Variation sorgen) und generell ist die Raumüberbrückung aufgrund der großen Ansammlung dieser vielen Spieler im defensiven Drittel nach Deinem Modell extrem gering. Oder wie sähe dann die Staffelung im Mittelfeld aus? Mehr Spieler bedeuten ja nicht, sichereres Aufbauspiel. Laufweg-Optionen und Dreiecksbildung sind da eher goldene Stichwörter.

Vielleicht ist Dir ja die Tuschelsche Abwehrkette von Mainz im Auswärtsspiel in München noch präsent, von wirklich flüssig- variablen Aufbauspiel kann da nur schwierig die Rede sein.

Oder wo ist da Dein Ansatz?

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LuckyLuke 20. Juli 2015 um 16:04

Okay, ich habe das wohl nicht gut formuliert, fällt mir jetzt selbst auf 😀
Es geht darum, dass eben immer nur einer der beiden 6er situativ zum Außenverteidiger wird, während der andere auf der 6er Position bleibt. Das Zentrum also (zumindest in meiner Vorstellung) nicht offen ist, da weiterhin ein 6er vor der entstehenden Vierkette positioniert ist…
Die „Einfachheit“ der Laufwege leuchtet mir hingegen ein, allerdings sehe ich diese etwas weniger schwerwiegend, da nicht unbedingt der rechte 6er zum RV wird bei Angriffen über rechts, sondern dass eben auch der linke 6er zum LV werden kann und dr rechte Halbverteidiger dann auf die Rechtsverteidiger Position schiebt (wenn der Gegner beispielsweise gerne auf den freien Flügel wechselt im letzten Drittel, könnte ein „richtiger“ Außenverteidiger den Raum besser kontrollieren. Wenn der Flügelspieler des freien Flügels allerdings eher dazu tendiert in die Mitte zu ziehen und Flanken zu verwerten, ist ein IV bei dieser Endverteidigung vielleicht geeigneter…)

Und die Zentrumspräsenz bezog sich darauf, dass bei Ballgewinn dann eben immer noch ein 6er im Zentrum ist, eben nicht wie bei einer Fünferkette. Und darauf, dass man in eigenem Ballbesitz, gerade auch mit den spielstarken IVs Ginter/Hummels, schon im ersten Drittel variabale aufrücken/abfallen kann…

Antworten

LuckyLuke 20. Juli 2015 um 16:09

Achja die Staffelung im Mittelfeld. Im Prinzip stelle ich mir hier zwei Versionen vor, einmal mit einem 8er vor den beiden 6ern und zwei offensiven Außenspielern und zwei Stürmern und das andere mal eine Dreierkette (LA – ZOM – RA) vor zwei Stürmern…

Antworten

Lea 20. Juli 2015 um 17:39

Okay – so langsam gewinnt Dein Modell an Präzision – etwas zu kritisieren ist immer einfach, also verüble mir nicht, dass ich nochmal nachhake: 3 Abwehrreihe + Doppel6 und der ballnahe 6er lässt sich nun auf die AV-Position fallen ? Was meinst Du mit Aufrücken oder Abfallen der variablen IV’s, wohin genau zu welchem Zeitpunkt um was zu bewirken ? Auf der Verteidiger-Höhe abfallen und aufrücken oder positionell ins Mittelfeld nach- und aufrücken ?

Ganze Aufstellungen würden da helfen, ein noch klareres Bild zu bekommen 🙂

3er Abwehr-Doppel6 und davor offensive 3er Reihe (LM/ZOM/RM) und Doppelspitze? Also klassisch 3-5-2 mit 2 tiefen 6ern ?

Und 3-2-1-4 ?

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LuckyLuke 20. Juli 2015 um 18:15

Wirklich kein Problem, ich freu mich, dass du darauf eingehst! Hab ja ausdrücklich gesagt, dass ich mir nicht sicher bin und mich zu wenig auskenne, also sozusagen um Kritik gebeten 😀
Entweder dr ballnahe oder der ballferne 6er, wodurch sich dann verschiedene Situationen ergeben können, je nach dem was man haben will. Wird der ballnahe 6er zum AV, dann hat man nen klassischen AV, was ja Castro und Kirch (ursprünglich Alaba/Lahm) auch gut spielen können und eben noch drei IVs, falls man eine „robustere“ Verteidigung „vor dem Tor“ will. Oder der ballferne 6er wird zum AV und man hat eine „robustere“ Außenverteidigung und einen AV auf der ballfernen Seite, der eben wieder als gelernter AV den dortigen Raum besser überblicken/kontrollieren kann, da gelernt.

Das Aufrücken war auf die IVs im Aufbauspiel bezogen (wurde glaub auch mal hier in irgendeinem Artikel beschrieben, dass diese aufrückenden IVs oftmals viel Freiheit genießen, da sie keinen „Gegenspieler“ haben) und sollte das, was ich „Zentrumspräsenz“ genannt hatte unterstreichen. Dass sich quasi ein variables Aufbauspiel im ersten Drittel entwickeln kann, da die IVs spielstark sind und bei Bedarf aufrücken können (Bsp. Bessere Ballzirkulation bei etwas tieferem Pressing), oder einer der 6er sich fallen lassen kann (Bsp. Ballzirkulation bei höherem Mittelfeldpressing).

Ja genau, so könnte man das auch sagen 3-5-2 mit tiefen 6ern. Ich hätte es jetzt eher als 3-3-2-2 bezeichnet (ähnliche Rollen der zentralen Mittelfeldspieler wie im 4-3-3), aber es kommt glaub auf das selbe raus…

Im speziellen gings mir aber vor allem um die „ungewöhnliche“ Bewegung der 6er auf die Außenverteidigerposition, da ich das noch nie gesehen hab (bin aber auch nicht besonders gut im live analysieren, da zu viel Emotion :D) und eben auch noch nie was davon gelesen habe…

Lea 20. Juli 2015 um 23:37

Also ich kann mir nur vorstellen, dass das zentrale Vakuum ungern selbst verursacht wird – alle sich anbietenden Spieler im Dreieck müssten dann ja theoretisch tiefer fungieren als normal (8ter tiefer in Richtung der ehemaligen Stelle des 6ers, der auf der AV-Position steht). Wenn also der ballnahe 6er zum AV wird, fehlt ihm in seinem Dreieck eine Anspielstation, wenn er 8ter nicht näher kommt und: allein die Perspektive der Spieleröffnung könnte die ungeliebten Longline-Pässe verursachen. Ich sehe also in dieser Stellung kein Vorteil durch den 6er, eher den großen Nachteil eines zentralen Lochs und einer fehlenden Anspielstation im Aufbaudreieck. Der trend geht ja eher dahingehend eben die Flügel frei zu lassen, siehe P.Guardiolas Stil, der immer nur 1nen Spieler auf den Außenbahnen zu lassen, um genau da bewusst Raum zu schaffen, in den man sich freilaufen kann. Der Trend die Flügel mit mehr Spielern zu besetzen wäre für mich so also schon mal fragwürdig, obwohl sehr es interessant ist, wie sich ein 6er im Aufbau-Räumen verhalten kann.

IV’s: ja aber immer mehr schaffen es die Gegner gerade die spielstarken Eröffner aus der Innenverteidigung zuzustellen, oder? Dass die Bayern-Spieler diese Zeit haben, um die Diagonal-Bälle und weitere interessante Pässe zu trainieren, weil die Gegner so tief stehen, ist da ein Nebeneffekt, der das bei Bayern aufgrund der jeweiligen Gegnerausrichtung immer so geschmeidig aussehen lässt. Faktisch würde ich dem Einbinden des IV’s also weniger Bedeutung im Aufbauspiel zukommen lassen, als das bisher der Fall war. Die Hyperaktivität schlägt sich für mich immer öfter und größtenteils eher negativ nieder, als das „einfach Spiel“ von hinten heraus zu fördern und vieles somit erstmal zu erleichtern. Am Ende eben ist die Passqualität entscheidend.

Ich sehe bei einem 6er auf der AV-Seite also kein Wechselspiel für den IV, außer, dass er auf seiner Höhe eben nachwievor abkippen kann, ohne zu weit ins MF vorzustoßen. Die Aufgabe im Aufbauspiel wird auch immer mehr diejenige, Gegner selbst situativ lesen zu können und dann immer passend zu reagieren. Die Gegner wechseln Ihr Pressingverhalten in einem Spiel sehr oft.

3-3-2-2: ja da stehen die außen tiefer. Habe auch schon oft daran gedacht, elementar bleiben für mich die AV’s für kurze Anspiele und zu Seitenverlagerung bishin sehr nah am eigenen Tor. Es braucht als beide außen sehr tief und dann sprechen wir doch über eine 5er Kette 🙂

6er Bewegung: ich denke, vor 3-4 Jahren war das schon oft zu beobachten gewesen, dass sich die 6er gerade auf der tiefen AV-Seite als Spieleröffner fallen gelassen haben. Leider war das meist der ein oder derselbe Spieler, der sehr schnell unter Druck gesetzt werden konnte. Lässt sich der 6er zwischen die IV’s fallen, hat er alle Freiheiten, meist ohne Druck.

LuckyLuke 21. Juli 2015 um 14:23

Vielen Dank für das Feedback!

Ich glaub ich verstehe, was du sagen willst. Die grundlegende Aussage ist also, dass nicht wirklich ein Vorteil entsteht durch die Bewegung 6er –> AV, wenn überhaupt ein Nachteil durch die „eingeschränkten“ Möglichkeiten des 6ers auf außen…
Genau das meinte ich mit meiner zu geringen Erfahrung, daran hätte ich nie gedacht. Das Modell war auch eher ein Versuch meine eigene spontane Reaktion („wie kann der Guardiola den Lahm bitte auf die 6 stellen!) und der Einsicht, dass das vielleicht doch ne gute Idee war, gepaart mit einer Vorliebe für die 3er Kette…

Vielleicht mach ich mir nochmal ein paar Gedanken, ob ich den nicht vorhandenen Vorteil/Nachteil noch „weggedacht“ bekomme…

Das mit den IVs, die zugestellt werden sehe ich etwas anders, aber da will/kann ich jetzt keine Diskussion anfangen 😀

Ja das 3-3-2-2 mit 5er Kette ist ja auch mehr oder weniger das „klassische“ 3-5-2/5-3-2 mit eben bisschen offensiveren Außen…

Aber auf jeden Fall nochmal danke für die Kritik…


Achter 11. Juli 2015 um 00:45

🙂 Da könnte man ja fast denken, nächstes Jahr gäbes es vll mehr Analysen zu Dortmund als zu Bayern 😉

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em es 10. Juli 2015 um 11:45

Bin mal gespannt wer noch so gehen wird. Im Mittelfeldbereich hat man deutlich zu viele Spieler. Aus meiner Sicht könnte man kampl, Kuba, Leitner oder Großkreutz bei entsprechendem Angebot gehen lassen. Ich würde mir im Offensivbereich noch einen abschlussstarken Linksfüßer wünschen. Im Offensivbereich gibt es quasi nur Rechtsfüßer.
Wird noch interessant werden.

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em es 10. Juli 2015 um 15:58

Etwas zur Rollenverteilung von Gündogan und Bender und allgemein ja interessant wie man bender einbindet gerade in Ballbesitz da er dort ja nicht seine stärken besitzt.
So hat Gündogan häufig in Ballbesitz eine beweglichere großräumigere Rolle gespielt wohingegen Bender allgemein eher die unbeweglichere zentrale 6 gespielt hat. Gegen den Ball hat jedoch Bender den Jäger gespielt und eher gündogan den Sammler in zentraler Position. Gündogn war tendenziell die tiefere 8 und Mkhitaryan ist häufig mit in die Spitze gestoßen.
Was auch gut zu sehen war aus meiner Sicht die bewusste Zonenbesetzung und auch der Positionstausch und die Flexibiltät darin was auch eine spannende angelegenheit sein dürfte.zB. Sauerland wechselt nach Balleroberung in die Mitte Aubameyang nach links außen. Gerade die Ausrechenbarkeit in einem positionsorientierten Ballbesitzspiel finde ich auch einen interessanten Punkt.

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em es 10. Juli 2015 um 16:03

In mehreren Szenen empfand ich die Mannschaft noch als zu überhastet. Sie lassen die Situation sich nicht entwickeln und spielen zu schnell vertikal. Präzisieren kann ich das auf einzelne Spieler noch nicht.
Stankovic hat einige situationen wie ich finde sehr gut antizipiert hat sich dann in Ballbesitz nicht genug Zeit genommen und teilweise etwas lasche und ungenaue Pässe gespielt.
Ebenso Kampl forciert sein Spiel aus meiner Sicht zu sehr. Will es scheinbar unbedingt wissen und verliert so ein bisschen die Ruhe in sich.

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Koom 11. Juli 2015 um 11:50

Nachdem diese Hektik jahrelang eintrainiert wurde, wird es auch schwer, die herauszubekommen. Offensivspiel basierte halt auf schnellschnell und Gegenpressing.

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Jojo 10. Juli 2015 um 10:47

Danke für den Artikel!
Fand es interessant, dass du Schmelzers Flanken erwähnt hattest. Gefühlt kamen in den paar Testspielen mehr gute Flanken, als in seiner restlichen Karriere. Wenn ich mich nicht irre, hat er jetzt in der Vorbereitungsphase sogar schon einen Scorerpunkt durch Flanke verbucht. Und gegen Johor kam auch eine gefährlich an (wurde aber vorbeigeköpft). Liegt das jetzt nur an dem „schwachen“ Gegner oder wurde jetzt schon an Laufwegen gearbeitet, um aus Flanken mehr Chancen generieren zu können?

Im Video von Kagawas Treffer spielt Subotic bei ca. 30 Sekunden einen scharfen Flachpass, der nicht ohne Risiko war. Das hat mich etwas verdutzt. Seit wann kann er sowas? Hab ich selten von ihm gesehen. War es Glück, dass er angekommen ist bei den ganzen Gegenspielern, die nahe des Passweges standen? Sind das vielleicht jetzt schon die Auswirkungen von dem Passtraining.

Zur Formation:
Wenn sich Duziak, Weigl und Castro gut etablieren können, dann hat Tuchel einfach eine enorme Flexibilität, was Formationen und Taktiken betrifft.
Die Formation, in der ich den BVB gerne mal sehen würde, wäre ein 4-3-3 mit Reus und Auba als hängende Spitzen und Miki/Kagawa als 8er. Da mir aber das Tiefenwissen fehlt, weiß ich nicht, wie hier die Synergien einzelner Spieler am Besten ausgenutzt werden könnten und wo Lücken wären, die man mit dem Kader nicht füllen kann.

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CE 10. Juli 2015 um 13:28

Die Vorbereitung der Flanken ist entscheidend in diesem Fall. Natürlich ist Schmelzer nicht der beste Flankengeber in der Bundesliga (mit Abstand), aber wenn er quasi aus dem Stehen eine Hereingabe spielen muss, wird das Problem verschlimmert. Der Gegner kann sich gut positionieren, die Sicht blockieren und den Korridor einschränken, den Schmelzer zur Verfügung hat. In den Testpartien war natürlich der Pressingdruck geringer und deshalb konnte der BVB diese Flanken gut herausarbeiten. Man brachte den Gegner durch die diagonale Angriffsstruktur oder schnelles vertikales Vorstoßen in Bewegung. Der Ball kam mit guter Geschwindigkeit zu Schmelzer, wodurch er selbstverständlich das Spielgerät auch gut beschleunigen konnte.

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DX23 10. Juli 2015 um 10:01

Pascal Stenzel ist der richtige Name

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Schorsch 10. Juli 2015 um 09:35

Wenn ein neuer Trainer gerade seine Arbeit aufgenommen hat, sollte man hinsichtlich der Äußerungen der Spiler immer etwas vorsichtig sein. Gerade wenn es um Vergleiche mit dem Vorgänger geht. Dennoch finde ich folgende Aussagen von Neven Subotic interessant:

„Bei Thomas Tuchel lernen wir jetzt sehr viel über Ballbesitz, es geht wirklich um Details. Mit welchem Fuß man den Ball annimmt, wie man den Ball passen soll.“ Außerdem wird er vom sid dahingehend zitiert, dass es bei Klopp in der Hauptsache um Vollgasfußball und die Defensive gegangen sei, wie man stehe und wie man attackiere.

Interessant finde ich auch die Umpositionierung von Hummels in der IV von der linken auf die rechte Seite. Im Fokus steht dabei der genaue Pass im Spielaufbau mit der rechten Innenseite. Der für Hummels typische Außenristpass soll zur Ausnahme werden.

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CE 10. Juli 2015 um 10:02

Ich habe das Zitat mal oben eingefügt. Vielen Dank für den Hinweis.

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schafstall 19. Juli 2015 um 15:50

über die erklärung, warum hummels halbrechts besser aufgehoben sein könnte, bin ich ein wenig gestolpert (stichwort entscheidungsoptionen). mir hat klopps ihn-auf-links-iv-stellen immer total eingeleuchtet. als rechtfuß auf halblinks lässt man sich ja automatisch weniger richtung außen abdrängen, um mit dem starken fuß spielen zu können (vgl auch dein verweis auf durm links hinten wg diagonalität), hummels zieht also tendentiell eher leicht nach innen und hat dann das ganze feld vor sich mit ball aufm rechten schlappen, größtmögliche passoptionen, was man als trainer einem hummels doch nur wünschen kann. bei gespiegelter bewegung von der rechten iv-position aus müsste er eben mit außenrist/links spielen. (was) sehe ich da(s) falsch?

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CE 19. Juli 2015 um 15:58

Die Bewegungen eines inversen Flügelverteidigers erfolgen doch an anderer Stelle. Hummels wurde oft genug nach außen gedrängt, weil der Gegner im eingeübten Pressing den Bogenlauf von innen starten kann, anstatt wie sonst eher von außen, um im Normalfall einen Deckungsschatten auf den Linksverteidiger zu erzeugen. Seine Vorstöße erfolgten eben (so gut wie) nie in Richtung Zentrum, sondern er nahm eher die Halbraum-Route.

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schafstall 19. Juli 2015 um 16:49

leuchtet ein, danke

Antworten

CM 21. Juli 2015 um 19:43

Nach außen gedrängt werden könnte Hummels aber doch rechts genausogut, wenn er entsprechend angelaufen würde. Oder übersehe ich hier etwas Entscheidendes?

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CE 22. Juli 2015 um 09:54

Das wäre ja nicht schlimm. Er hat doch außen dann den Ball auf seinem rechten Fuß in noch offener Körperstellung, kann also meist diagonal nach innen spielen oder vertikal durch den Halbraum usw.

CM 22. Juli 2015 um 17:51

Eigentlich doch recht naheliegend. Vielen Dank für den Hinweis.


AugustBebel 10. Juli 2015 um 01:17

Nur eine rein sprachliche Anmerkung: im dritten Absatz unter dem Twitter-Bild steht, dass Tuchel „eine Abneigung für Long Line Pässe“ hat. Er hat natürlich eine Abneigung gegen sie.

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CE 10. Juli 2015 um 08:20

Jup. Merci.

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Dr. Acula 9. Juli 2015 um 21:55

großartig wie CE aus den wenigen testspielen soviel gewinnen konnte, respekt. bin aber skeptisch, ob das wirklich so bleiben wird, aber das wird ja in der analyse auch angesprochen. neue trainer nutzen die testspiele eben, um konzepte auszuprobieren. ich bin mir sicher, wir werden in den nächsten testspielen mindestens noch 1,2 krasse/verrückte versionen des tuchel’schen bvbs sehen

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EvS 10. Juli 2015 um 08:57

glaub ich eher nicht. wenn tuchel noch 1/2 krasse sachen im repertoire hat die er beim bvb bringen will, wird er sicherlich nicht die zerstückelte vorbereitung mit el-quali dafür nutzen. denke damit kann man frühsens in der rückrunde rechnen. frag mich eigentlich auch was du unter krasse versionen verstehst?

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Todti 9. Juli 2015 um 21:55

Erstmal ein fettes Dankeschön an CE! Ich konnte die bisherigen Vorbereitungsspiele nicht schauen und war so froh, als ich gesehen hatte, dass ihr hier einen begleitenden Artikel bringt.
Dementsprechend meine Frage zur alleinigen Position im 4-1-4-1 und Kirch. Spielt er permanent als RV und ist für Tuchel hier (wie weiter unten erwähnt möglicherweise einrückend-kreativ) so wichtig, dass er ihn gar nicht auf der 6 probiert? Oder passt Kirch mit einem weiträumigen Spiel nicht wirklich für die weniger dominante als eher weiterleitende Funktion des 6ers in dem neuen System? Wenn ich mich recht entsinne, könnte Kirch sowas doch aber auch spielen, oder?

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em es 10. Juli 2015 um 01:00

Kirch hat in beiden asien spielen nicht gespielt gegen team gold eine hälfte rechter verteidiger und gegen rhede weiß ich es nicht.
Matthias dersch von rn meinte km zweiten spiel sei er ebenso wie castro geschont worden.
Jedoch wäre auch ich über nähere infos dankbar falls jemand welche hat.
Jedenfalls merkwürdig dass man ihn zweimal ruhen lässt aus meiner sicht.

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CE 10. Juli 2015 um 08:27

Bei Kirch sprach man von individueller Belastungssteuerung und dass er deshalb nicht im Kader gegen Kawasaki wäre. Zur Position: Wir können natürlich nur das beurteilen, was Tuchel ausprobiert. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass er Kirch auch mal auf die Sechs stellt. Sicherlich kann er da die eine oder andere Stärke nicht so einbringen. Aber Kirch ist ein sehr sicherer Passspieler mit guter Range.

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Todti32 10. Juli 2015 um 18:16

Danke euch beiden!

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polter 9. Juli 2015 um 18:34

Interessanter Artikel. Weigl als einzige Sechs kann ich mir schwer vorstellen. Gegen die 11 der Malayen waren zudem einige Fehlpässe zu sehen.

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Sancho 9. Juli 2015 um 14:03

@CE Sehr interessante Analyse! Konnte die ersten Spiele leider nicht verfolgen, deswegen sind die Einblicke die du gibst klasse. Im Punkto System ist es dann wohl auch nichts neues als zu den Kloppo zeiten, denn auch der hatte ja schon seit einigen Jahren versucht das 4141 einzuführen. Das Problem dabei ist nur, das unsere Abwehr jedes Jahr schlechter wurde und ohne echte Doppel 6 die Löcher zu groß wurden. Spieler wie Gündogan die Null zur defensive beitragen und nur für ihre Offensivfähigkeiten gefeiert werden sind da genau das Problem. Selbst wenn er sich aus einer offensiven 4er Reihe zurückfallen lässt, bringt er defensiv zu wenig mit um das Team stabiler zu machen. Idealer wäre es also eine Doppel 6 mit Sahin / Castro und Bender zu haben, zu denen sich Gündogan noch zurückfallen lassen kann, wenn der Gegner in Ballbesitz ist.
Das wichtigste was Tuchel ändern muss, ist dem Team wieder die defensive Stabilität zurückzugeben. Tore schießen wir immer, aber wir dürfen hinten nicht so anfällig. Klopp hat dafür keine Antwort mehr gehabt, hoffen wir das Tuchel sie findet.

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studdi 9. Juli 2015 um 13:07

Kann es sein das sich die Grundsätze des Ballbesitzspiels am einfachsten im 4-1-4-1 System einstudieren lassen?
Pep hatte in seiner Anfangszeit bei den Bayern ja auch nur in diesem System gespielt ehe er dann nach und nach andere Systeme spielen lies.
Die Ajax Schule spricht ja auch immer davon das sich im 4-3-3 und 3-4-3 System die meisten Dreiecke bilden lassen, was ja dem 4-1-4-1 System sehr ähnlich ist bzw durch das abkippen des 6ers entsteht.

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Peda 9. Juli 2015 um 14:18

Du hast dir die Antwort eigentlich eh schon selbst gegeben.
Im 4-1-4-1 hast du bei vörgerückten Außen mehr oder weniger eine (1-)2-3-2-3-Formationen, die aus lauter Dreiecken besteht.

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Sebastiaan Hooghiemstra 9. Juli 2015 um 14:25

Hallo,

Die Ajax Schule spielt entweder 4-3-3 (4-1-2-2-1), 4-3-3 mit breiten Spitzen und einem falschen 9, 4-3-3 (4-2-1-2-1). 3-4-3 wird entweder gespielt mit einer Raute (3-1-2-1-2-1) oder lässt sich von einer 4-2-1-2-1 (4-3-3) bilden bei einer IV die ins Mittelfeld schiebt. Die zentrale 6er die im 4-3-3 mit doppelt „6“ und ein 10er fehlt, bildet wieder einer Raute.

Ich denke die 4-1-4-1 Formation ist nicht geeignet für Dortmund. Dortmund ist sehr Konterstark. Diese Formation ist dafür zu gefährlich und kann einfach gekontert werden. Im 4-1-4-1 gibt es nur 3 linken, wie oben erwähnt, gibt es bei den Ajax Formationen 5 oder sogar 6 Linien. Deswegen sind Sie historisch immer so spielstark. Mehrere Linien Hilfen sowohl beim Pressing als bei verteidigen.

Beste Gruesse, Bas

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Koom 9. Juli 2015 um 14:41

Gerade Tuchel dürfte über den Verdacht erhaben sein, dass er eine Formation dogmatisch und statisch behandelt. Das 4-1-4-1 als Grundmodell, dass sich dann aber sehr flexibel in 4-3-3, 4-2-3-1 oder eben die verschobene 2-3-2-3 Formation wandelt, je nach Bedarf.

Kontern wird Dortmund immer können, dafür haben sie die Spieler. Ballbesitz ist aber das, was sicherlich immer notwendiger wird für einen so großen Klub und hier hat es Defizite.

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Sebastiaan Hooghiemstra 9. Juli 2015 um 12:19

Hallo Herr Eckner,

Ich denke die Chile Spielweise mit starkem Pressing und eine 3-4-1-2 oder 4-1-2-1-2 Formation könnte die Dortmunder gut passen. Vor allem da die Dortmunder sehr stark Konterorientiert sind und viele schnelle Spielern im Kader haben, denke ich nicht das eine ruhige Spielaufbau, wie benötigt bei der 4-1-4-1 Formation, die Dortmunder sehr gut passt. Reus und Aubameyang könnte als „Flügelstürmer“ auftreten. Auch haben die Dortmunder sehr gute passsichere Innenverteiger, wie Ginter und Hummels im Kader. Die Valdivia rolle würde allerdings mit Kagawa oder Mhitaryan nicht gut besetzt sein. Beiden sind keine Valdivia. Entweder Guendogan oder Reus könnte diese Position besetzten. In zweitem Fall könnte Ramos auch als zweite Stuermer auftreten. Er hat eine starke Physik und ist Laufstark. Wie denken Sie darüber?

Beste Grüße, Sebastiaan

ps: Entschuldige für die Rechtschreibfehler. Bin Niederländer.

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CE 9. Juli 2015 um 12:36

Hallo, kein Problem. Ehrlich gesagt, das wäre genau meine favorisierte Formation für den BVB. Eine Raute (Diamond) mit breiteren Spitzen wie eben Sánchez und Vargas. Ich könnte mir dabei sowohl Aubameyang zusammen mit Reus/Ramos als auch beispielsweise Mkhitaryan/Kampl/Kagawa zusammen mit Aubameyang vorstellen. Übrigens hätte mich in diesem Kontext eine Verpflichtung von Mehmedi sehr gefreut. Aber es ist vollkommen richtig, was du sagst, Dortmund fehlt vielleicht ein Valdivia auf der 10. Doch es gibt eh nur einen Jorge Valdivia… Denkbar wäre in meinen Augen auch Reus als vorstoßender Zehner zwischen den Spitzen. Für die restlichen Positionen in der Raute hat der BVB jede Menge Optionen. Gündoğan, Castro, Mkhitaryan, Kirch, Weigl usw.

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studdi 9. Juli 2015 um 12:52

4-1-2-1-2 hatte ich eigentlich auch die ganze Zeit erwartet. Denke auch das Tuchel dieses System auch noch spielen lässt vor allem da er ja anscheinend Mkhitaryan wieder Zentraler spielen lassen will.

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Koom 9. Juli 2015 um 13:20

Rautenformationen waren ja auch schon bei Mainz von Tuchel gern genommen. Dort meist mit 3 gelernten DMs als DM und den beiden Halbpositionen. Allerdings fehlten in Mainz auch klassische Flügelspieler.

IMO: Da sich Tuchel nur wenig auf ein System versteift, wird man 4-4-2 mit Raute sicherlich mal sehen. Als Grundformation würde ich es für zu defensiv halten. Ich halte es vom Kader her für realistischer, wenn es tatsächlich auf das 4-1-4-1 hinauslaufen würde. Selbst da hat er noch die Qual der Wahl, wo er bspw. Reus platziert. Außen? Zentral? Als Mittelstürmer? Wird wohl einfach davon abhängen, wie sich andere präsentieren, bspw. ob sich der MS/HS gut einbringen kann. Dort einen fähigen Ballhalter und -verteiler zu haben, dürfte den restlichen Kader extrem aufwerten. Ramos könnte das vielleicht bringen, das würde dann Mhkytaryan als OM und Reus als AS gut ins Spiel bringen. Aubemeyang und Immobile sind beide zu sehr Brechstange, um das so zu spielen, dass die anderen davon profitieren.

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Koom 9. Juli 2015 um 11:57

Danke für die ersten Einblicke.

Das 4-1-4-1 finde ich ein hochspannendes System, verwende ich bei PES (2014 u. 2015) seit längerem. Mir gefällt die Interpretationsmöglichkeit des Systems, auch und gerade wie sie vom Computer vorgegeben wird. Der 6er kippt dort in der Defensive gerne mal zwischen die Innenverteidiger, wodurch ein breites 5-4-1 entsteht. Generell orientiert sich einer der zentralen Leute der vorderen Kette gerne auch mal nach hinten, während sein Gegenstück sich zum Halbstürmer orientiert (der dort auch besser funktioniert als ein reiner MS).

Die Formation in etwa:
AV — IV —— IV — AV
———– DM ———-
RMF – OM – ZM – LMF
———— HS ———–

Von PES direkt interpretiert wird im gegnerischen Spielaufbau mal ein 4-4-2, manchmal auch ein 4-3-3, beides relativ spontan, jeweils aber gut passend. Offensiv ist es gefährlich durch Anspiele ins Zentrum, dort eine Verlagerung nach außen oder per Doppelpaß durch die Mitte. Spielaufbau aus der Defensive je nach Situation entweder durch Fallenlassen des DMs (der dann 4-6 Mann anspielbar hat) oder über die doppelt besetzten Flügel.

Um mal konkreter für den BVB zu werden: Ein spielstarker DM ist natürlich Gold wert, aber bevorzugt eher als Verbindungsspieler, nicht als „Dominator“. Also weniger Geis, mehr sachlicher Weiterleiter wie bspw. Lahm. Sahin wird dort gute Arbeit leisten. Für Bender kann diese Position auch taugen, wenn man etwas mehr Defensivqualität dort haben möchte. Hängt dann aber auch vom Zusammenspiel mit den Kollegen ab. Castro halte ich als ZM, also als Balancegeber, für sehr wichtig, wäre als DM vermutlich verschenkt. Für Kirch als RV wäre das 4-1-4-1 auch sehr gut, weil u.U. für ihn dann auch in der Halbposition neber der 6 dann Platz ist und er sich einbringen kann (selbiges gilt auch für Hummels).

Für die offensiveren Positionen der Offensiv-Viererkette hat der BVB aber hervorragende Spieler: Kagawa, Mhkytarian, Kuba, Kampl sind alle sehr flott, können am Ball fast alles.

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CE 9. Juli 2015 um 12:39

Weil du gerade Castro als Balancegeber ansprichst. In dieser Rolle konnte mich Weigl bei 1860 München in einigen Partien überzeugen. Er weiß sehr gut, wie er sich positionieren muss, um abzusichern, um Lücken zu besetzen und um immer wieder als Anspielstation im Notfall zu dienen.

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Koom 9. Juli 2015 um 13:12

Danke für die Info. Dürfte für Tuchel sicherlich sehr angenehm sein, mit 2 Balancegebern (bzw. 3, Gündogan würde ich da durchaus auch Qualitäten zusprechen) arbeiten zu können. Gerade, wenn es etwas mehr um Ballbesitzspiel gehen wird, kann das Gold wert sein. Sieht man ja auch am Balancegeber schlechthin: Philipp Lahm: Wenn fit, dann hilft er überall auf dem Platz.

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Erkinho 9. Juli 2015 um 15:21

Der Balancegeber schlechthin wäre dann wohl eher Chelo Diaz…defensivstrategisch mindestens genau so gut..offensivstrategisch sogar besser als Lahm

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Voluntär 9. Juli 2015 um 14:09

Vorsicht „Off-Topic!“
Hi Koom, spielst Du PES zufällig auf der PS3? Wenn ja, würd mich freuen mal gegen dich zu Datteln!
Meine Wenigkeit spielt ein flotten Ball im flexiblen 2-3-1-2-2

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Koom 9. Juli 2015 um 20:41

Leider PC (aber mit PS3-Controller). 😉

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AlexF 9. Juli 2015 um 11:26

Ich glaube, eine Aussage Tuchels ist zentral, und zwar, dass sich die Vorbereitung bis in die Saison ziehen wird. Es gilt erstmal ein Gerüst zu finden, dass funktioniert. Hier sollte vor allem der Fokus auf defensive Abläufe gelegt werden. Danach kommen möglicherweise Feinheiten, wie eine Dreierkette.

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RDXIII 9. Juli 2015 um 11:24

hey,

Was glaubt ihr, welche Rolle wird Castro einnehmen? Wie gut würde eine Kombination aus Castro und Gündogan klappen?
Ich bin gespannt auf die neue Saison, hoffentlich mit weniger Verletzungen und eine Stammplatz für meinen Liebling Shinji 😀
mfg

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CE 9. Juli 2015 um 12:43

Bei einer Art Doppelacht halte ich die Kombination aus Castro und Gündoğan fast schon für eine natürliche Lösung. Allerdings müsste Kagawa dann auf der Bank sitzen. Und wer möchte schon einen fitten und formstarken Kagawa auf der Ersatzbank sehen? Insofern kann ich mir sogar eine Rückversetzung von Gündoğan vorstellen, der dann die eröffnenden Pässe aus der Tiefe spielt, aber natürlich limitierter bei Vorstößen wäre. Castro hingegen könnte eine gute Allround-Präsenz auf der Sechs anbieten. Also ist auch ein Konstrukt mit allen drei genannten Akteuren möglich – sowohl in einem 4-2-3-1-haften wie auch einem 4-1-4-1-haften System.

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Bernhard 9. Juli 2015 um 13:33

Wie wäre es mit Castro auf der Sechs und eine Doppelacht kombiniert aus Gündogan/Kagawa/Mkhitaryan?
Alle drei im Pressing sehr intelligent und gute Dribbler. Wäre eigentlich extrem spiel- und pressingstark.

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Schimanski 9. Juli 2015 um 14:22

Extrem ist ein übertriebenes Wort. Gündogan/Kagawa/Mkhitaryan waren schon letzte Saison da und besonders spielstark war`s dann doch zu selten…

Klar, alle Spieler haben schon mal gezeigt, was sie drauf haben. Aber sie in ein funktionierendes und formstarkes Kollektiv zu bekommen, ist dann doch kein Prozess, den Tuchel nicht „mal eben“ in der Saisonvorbereitung hinbekommt.

Ich denke einfach, dass hier wieder zu viel Geilheit auf „hippe“ Fussballtaktiken und den „schönen“ Fussball herrscht. Wenn Tuchel schlau ist (wovon ich sicher ausgehe), wird er erstmal an den Basics arbeiten. Und das ist halt defensive Stabilität und vorne das Tor treffen. Alles andere wird mit der Zeit kommen. Darauf kann man sicher gespannt sein…

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Bernhard 9. Juli 2015 um 14:38

Ich finde es nicht übertrieben. Letzte Saison hat keiner von ihnen aus bestimmten Gründen sein Potenzial vollständig nutzen können. Rein theoretisch bin ich dennoch überzeugt, dass diese Konstellation schon richtig stark und interessant wäre.
Und bzgl. der „hippen“ Fußballtaktiken: Pressing und ein spielstarkes Mittefeld sind ebenso fundamental wie def. Stabilität und „vorne das Tor treffen“.

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Koom 9. Juli 2015 um 14:47

Basics wie „defensive Stabilität“ und „vorne das Tor treffen“ sind ja grundsätzlich da. Der BVB ist ja nicht kaputt, sondern vielleicht etwas zu eingefahren und zu abhängig von einfachen Strukturen.

Woran es beim BVB überall krankt und warum, kann man nur erahnen und spekulieren. Fitness und Regeneration sind wohl ein Thema, das auch und gerade von Tuchel angegangen wird. Der Kader ist mit Castro (und wohl Weigl) etwas ausgewogener besetzt in Bezug auf Balance/Balancegeber. Gerade bei eigenem Ballbesitz wird sich allein schon der Einbau von Castro sicherlich sehr bemerkbar machen, offensiv wie defensiv.

Falls Tuchel nicht wie Guardiola loslegt und viel experimentiert und auf den Kopf stellt, werden allein schon die obigen 2 Maßnahmen (bessere Ernährung/Verletzungsvorbeigung/Fitneß und der Einbau eines erfahrenen Balancegebers) dafür sorgen, dass Dortmund hinten wie vorne sichtlich besser werden dürfte, weil das 2 der großen Probleme des BVB in den letzten Jahren gewesen sind.

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HW 9. Juli 2015 um 16:41

So sehr auch ich die „Basics“ mag, es muss um Inhalte gehen. Wie also schafft man defensive Stabilität und plant man vorne das Tor zu treffen?
Und wie schafft man es besser als die Gegner zu sein?

Koom schreibt es wird die Ernährung geändert und vieles mehr. Das sind die inhaltlichen Punkte die Tuchel angeht um das Team auf ein neues Niveau zu heben. Taktik spielt da natürlich eine Rolle. Aber pauschale Begriffe wie beispielsweise „defensive Stabilität“ sind Ziele, die auf verschiedenste Weiße mit Inhalt gefüllt werden können. Viele Wege führen nach Rom.

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Schimanski 9. Juli 2015 um 17:39

Natürlich, aber das, wovon hier geredet wird, ist die Königsklasse des Fussballs. Hohen Ballbesitz, Dreiecksspiel, Passkombinationen durch die Mitte, mutiges Gegenpressing, kollektiver Fussball, Dominanz, nur ein (spielstarker) Sechser, zwei Achter, die Holzfäller auf die Bank, etc…
Da bin ich auch ein Freund von. Sowas sehe ich gerne. Sowas bewundere ich. Aber es ist nicht so einfach und schnell umsetzbar. Sonst würden es viel mehr Mannschaften spielen und beherrschen.

Das man auch einfacher „Erfolg“ haben kann, weiß jeder Kreisliga-Trainer. Klopp hat glaube ich in Dortmund auch mit relativ simplen Fussball angefangen.

Ich bezweifel ja nicht, dass die Basis, die Tuchel zur Verfügung hat, besser als damals sind. Trotzdem haben die hier so hoch gehandelten zentralen Spieler (Gündogan/Kagawa/Mkhitaryan/Reus) letztes Jahr im Ballbesitzspiel nur sporadisch ihre Klasse auf den Platz bekommen. Ehrlich gesagt, fand ich – als neutraler Zuschauer – das Ballbesitzspiel des BVB sterbenslangweilig und uninspiriert. Sowas wird ein Tuchel nicht in vier oder fünf Wochen umgekrempelt bekommen.

Träumen ist erlaubt, aber die Realität wird erstmal biederer aussehen.

Koom 9. Juli 2015 um 20:46

Verstehe deinen Punkt gut. Und ich bin auch gespannt, wie Tuchel anfangen wird.

Für mich als aussenstehender Laie ist die Grundlage beim BVB ganz gut. Pressing und Gegenpressing sind grundsätzlich auf gutem Niveau da. Ganz offensichtlich riesige Probleme gibt es, wenn der Gegner das auch beherrscht und dem BVB das Spiel überlässt. Hier war man schlichtweg unfähig, einerseits gefährlich anzugreifen und gleichzeitig trotzdem gut abgesichert zu sein.

HW 9. Juli 2015 um 21:02

Wenn man einfacher Erfolg haben kann, warum sollte man dann auf den komplizierten Weg umschwenken? Oder hat man ‚einfach‘ vielleicht keinen Erfolg?

Ich meine nur: Von Basics sprechen und Basics umsetzen sind zwei paar Schuhe.

Hoherer Ballbesitz, Dreiecksspiel und die ganze lange Liste sind schöne Worte. Die Umsetzung ist ein anderes Thema.
Nur Tuchel und sein Team können wissen wo die Reise hingehen soll und welche Inhalte wann sinnvoll sind. Ja, die Basis muss stimmen. Aber die Basis sollte bei Profifußballer nicht Monate benötigen. Basis heißt nicht einfachster Fußball. Basis heißt die Grundpfeiler einer Spielidee umsetzen zu können. Es macht keinen Sinn jetzt die Basis für einen Stil zu legen, den man in drei Monaten nicht spielen will. Darum muss es um Inhalte gehen und nicht um eine lange Liste von Fußballbegriffen. Wo sind denn die Prioritäten?

Schorsch 9. Juli 2015 um 22:02

CE schreibt: „Das wird ebenso im aktuellen Trainingsbetrieb deutlich, wo Tuchel sehr stark an Passtechniken, Passwinkeln, Passpräzison und Passschärfe arbeitet. Es schließt die Arbeit an Körper- und Fußstellungen genauso wie gruppen- und kollektivtaktische Korrekturen in puncto Zonenbesetzungen mit ein. In dieser Form trainiert der BVB auch die diagonalen Anspiele aus dem Spielaufbau heraus beziehungsweise nach dem Zirkulieren innerhalb der letzten Linie, während der eher typische vertikale Flügelpass nicht erfolgen soll.“

Da ist mMn schon einiges an angestrebten Elementen und basics enthalten, die trainiert werden um diese Elemente tatsächlich sauber und effektiv anwenden zu können.

Schimanski 9. Juli 2015 um 22:43

@HW: Vielleicht reden wir auch aneinander vorbei, aber ich meine mit „einfachem“ Fussball,

– dass man jederzeit gut abgesichert steht
– dass man mit einer Doppel-Sechs das Zentrum schließt
– dass einer davon mindestens einen zweikampf- und laufstarker Arbeiter ist
– dass man vorne auch einfach mal mit purer Durchschlagskraft oder Geschwindigkeit die Tore erzielt statt über Kombinationen
– dass man auch mal dem Gegner den Ball überlässt, um auf den Umschaltmoment zu spekulieren
– dass man die Bälle auch mal (blind) lang spielt, um den Gegner nicht ins Pressing kommen zu lassen bzw. schnell nach vorne zu gelangen
– dass man bei Ballbesitz nicht so riskant auffächert, um schnell wieder Kompaktheit gegen den Ball zu erlangen
– dass man auf Konter und Schnellangriffe setzt
– dass das Pressing eher tief und passiv gespielt wird
– etc.

Viele idealisierte Szenarien und Aufstellungen, die hier diskutiert werden, bedingen davon eher das Gegenteil. Tuchel hat selbst mal gesagt, dass die Idee des Matchplanes und der Anpassung an den Gegner in Mainz aus dem Gefühl der Unterlegenheit gekommen ist, d.h. Tuchel kennt sich damit aus, aus wenig individueller Klasse viel Erfolg zu generieren.

Tuchel kann nur in Ruhe entwicklen und arbeiten, wenn die Ergebnisse stimmen. Ich vermute deswegen, dass Tuchel erstmal eine gute Mischung finden muss, bevor er versucht, höheres Risiko zu gehen, um das volle spielerische Potential aus dem Kader zu kitzeln (wobei ich damit nicht sagen will, dass er am Anfang primitven Mauer- und Bolzfussball spielen lassen wird 😉 ).

Koom 10. Juli 2015 um 08:00

Tuchel hat den BVB aber auch erst mal als „Herausforderer“ positioniert. Ergo wird er sicherlich mehr Anpassungen machen, aber auf einem anderen Niveau bzw. mit anderem Fokus.

Das Einmaleins, dass er jetzt verstärkt trainieren lässt, will er sicherlich als Standard etablieren und permanent trainieren lassen, wenn dann auch nicht mehr so extrem. Aber das sind dann wirkliche Basics, die im Spiel sich gut auswirken können.

Das man im ersten Spiel direkt auf Gladbach trifft, ist natürlich hart. Die werden sich nicht groß umstellen, sind mit ihrer Spielanlage Gift für den „alten“ BVB. Umgekehrt natürlich auch für Gladbach: Die wissen nicht wirklich, was für ein BVB da kommt.

ode 9. Juli 2015 um 12:54

Das mit Castro würde mich auch interessieren… Also, wie ihr seinen Platz in Dortmund seht.

Ich weine ihm ja als Leverkusener sehr nach. Mein Lieblingsspieler seit Jahren… Daher verfolge ich ihn auch bei Dortmund mit Interesse.

Ich halte ja sehr viel von ihm. Wahnsinnig flexibel. Spielt wohl am besten auf der 8 da er zweikampfstark und spielstark ist (ich halte ihn bsw. auch für deutlich besser als Gündogan – vor allem weil letzterer ja nun lange verletzt und extrem formschwach war mag dieser Eindruck täuschen).

In Leverkusen hat er auch schon auf der 10 gespielt und sich da sehr gut geschlagen. Unter Lewandowski/Hyppiä war er gar Flügelstürmer.

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ode 18. Juli 2015 um 15:12

Hm. Castro scheint ja in den beschriebenen Vorbereitungsspielen keine Rolle zu spielen.

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Lea 18. Juli 2015 um 16:11

Nettes neues Update – Tuchel scheint wie angekündigt im 4-3-1-2 und 4-3-3 einen recht offensiv dominanten Spielansatz zu suchen, zwischenzeitlich kam im fernen Asien ja sogar neues Vertrauen und technische Stärke im Ballbesitz auf – allein Bochum zeigt, dass der BVB dieses offensive Agieren nach teilweise nur 3 Wochen Vorbereitung erlenen muss. Zu oft, steht man immer noch bei Gegentoren schlicht schlecht aufgeteilt und zu offen – und zu oft wird nicht schnell genug umgeschaltet oder schlicht unpräzise gepasst. Bleibt spannend abzuwarten, wie sich der BVB diesen Ballbesitzfußball ‚überstülpen‘ kann, am Ende werden das besonders die Protagonisten in den Hauptrollen entscheiden, auch wenn ein u.a. Dudziak und einige andere junge Spieler derzeit vielleicht sogar größeres Potential in dieser Spielform zeigen. Wie mutig wird Tuchel also in Richtung Saisonstart?

Das Problem um Aufbauspieler Bender könnte den ganzen Trend aufhalten.

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Lea 20. Juli 2015 um 13:47

Castro wird die Offensiv-Kompetenz in Personalunion. Ich bin mir sicher, dass er dem Offensivspiel mehr Sicherheit und Schärfe verleihen wird, sei es in altbekannter Manier auf dem Flügel oder in zentral offensiver Position.

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