Hrubeschs U21 findet mit der Zeit den richtigen Weg zum Sieg

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Im zweiten Match der U21-EM überwindet das deutsche Juniorenteam im Verlaufe der Partie seine Probleme und sichert sich durch einen starken Zwischensprint den Sieg über die interessanten, aber potentialverschwendenden Dänen.

u21-em-2015-ger-denNach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen Serbien nahm Horst Hrubesch in seinem Team vier personelle Veränderungen vor. Auffällige Folge war dadurch die Aufstellung von Kapitän Kevin Volland in vorderster Spitze, nachdem er bei der letzten Partie noch auf rechts aufgeboten worden war. Das erfolgreich gestartete Team Dänemarks nahm ebenfalls einige kleine Umstellungen vor und orientierte sich eher an der Personalkonstellation, die gegen die Tschechen nach den Auswechslungen vorgeherrscht hatte.

Ambitionierte Dänen zunächst gefährlicher

Angesichts der Ausgangslage war die dominante Ausrichtung, in der die Dänen anfangs die Initiative übernahmen, etwas überraschend, zeigte aber die taktischen Ambitionen in der sauber und recht aufbausicher ausgerichteten Mannschaft von Trainer Jess Thorup. Abwechselnd fiel einer der beiden Sechser in ein zwar nicht immer optimal gestaffelte, aber doch kontrolliert angeordnetes Dreieck zu Vestergaard und dem überzeugenden Andreas Christensen zurück – vor allem Vigen Christensen bewegte sich geschickt zwischen den deutschen Stürmern. Der jeweils andere agierte diagonal versetzt als potentiell lockender und rhythmusbeeinflussender Ablagespieler, diente aber eher als passive Verbindung mit der 2-2-haften Verteilung davor. Während sich Thomsen vor allem im rechten Halbraum bewegte, fiel der auf halblinks rochierende Außenspieler Sisto sehr weiträumig nach hinten zurück, wenngleich diese pendelnden Bewegungen etwas wirr und nicht optimal unterstützt eingebunden wurden. Gelegentlich übernahm auch Yussuf Poulsen mit etwas nach hinten einrückenden Positionierungen diese Rolle, wofür sich Thomsen leicht nach links verschob.

Deutschlands defensives 4-4-2 – nicht immer Zugriff findend – wartete dagegen mit einigen situativ vorrückenden Bewegungen der Sechser und wechselnden Ausrichtungen der Außenspieler auf – mal verfolgten sie tendenziell eher Scholz und Knudsen nach hinten, mal blieben sie etwas höher und schoben dort in den Halbraum. Gerade diese agierten beispielsweise beim Zurückfallen – wie phasenweise die aus der sonst auch mal sehr sauberen Viererkette ausbrechenden Außenverteidiger – also manchmal etwas zu mannorientiert und die auch darauf bezogene Abstimmung zwischen Mittelfeld- und Abwehrlinie im Rückzug passte nicht ganz, doch insgesamt funktionierte die deutsche Defensive solide. Innerhalb des Mittelfelds gab es einige gute Bewegungsmuster, dazu kamen die gruppentaktisch bewusste Trapezordnung bei etwas höheren Bewegungen der Sechser und schließlich die vor allem bei Kimmich auffallende individuelle Klasse in der defensiven Raumsicherung und -kontrolle. Bis auf seltene Ausnahmen – zu Anfang mal diagonal halbrechts durchs Mittelfeld – kam Dänemark daher aus ihrem soliden Aufbauspiel eigentlich nur über einzelne aufrückende Bewegungen nach vorne.

Dies geschah entweder, bei tieferen deutschen Außen, durch die Innenverteidiger seitlich an den Stürmern vorbei oder, bei höher stehenden Positionierungen von Bittencourt und Younes, durch direkte Pässe auf die Außenverteidiger, die anschließend dynamisch an diesen vorbei starteten. Über diese Wege wurden jeweils einzelne Offensivspieler nach den auf die Läufe folgenden Direktpässen in kleinen Lücken in Freiräume gebracht. Bis auf jene eine Szene aus der Anfangsphase und einzelne Ansätze über die auf halblinks hoch rochierenden und situativ ablegenden Rochaden von Brock-Madsen und Sisto spielten sie diese Möglichkeiten aber meistens nicht wirklich gut, teilweise zu unharmonisch rechtsfokussiert, aus. Daher entstanden auf diesem Wege keine ganz so gefährlichen Szenen. Eher brachten schnelle dänische Konter, die das nur inkonsequent zugreifende und auch etwas breit angelegte Gegenpressing der deutschen Junioren zu umspielen wussten, mehr Gefahr, indem sie das Tempo der vorderen Akteure, gerade Yussuf Poulsens, bedienten. Besonders in den ersten Minuten brachte das die deutsche Abwehr mehrfach ins Wanken und hätte durchaus zu einem Treffer führen können.

Anlaufschwierigkeiten des DFB-Teams und ihre Überwindung

In die andere Richtung hatte sich das Team von Horst Hrubesch mit einer meist flachen interpretierten 4-4-2-Pressingformation der Dänen auseinanderzusetzen. Gerade im Mittelfeld nutzten die Skandinavier viele Mannorientierungen und vereinzelt stellten sie den DFB-Aufbau in einer verschobenen 4-3-3- oder 4-4-2-Anordnung zu, indem Poulsen höher agierte oder Thomsen weit herausrückte, Sisto etwas enger hinter Brock-Madsen ins Mittelfeld zurückfiel und dort bei ter Stegens langen Diagonaleröffnungen auf Korb seitlich leitend hinterher presste. Zumindest in diesen Situationen zeigte die deutsche Mannschaft einige etwas instabile, aber doch potentiell wirksame gruppentaktische Momente für Schnellangriffe und konnte sich weiter nach vorne spielen. Auch sonst hatten sie zwar kaum Probleme, mit ihrer sicheren Zirkulation dem gegnerischen Zugriff auszuweichen, doch um nicht nur deren Pressing zu umschiffen, sondern auch dauerhafte Torchance zu erspielen, war die Grundanlage über weite Teile der ersten Halbzeit etwas zu normal und breit angeordnet.

So nahmen sich beispielsweise die weit seitlich stehenden Außenstürmer – auch in Verbindung mit den nachrückenden Korb und Schulz – untereinander die Optionen und Verbindungen weg und erschwerten es, jeweils um den Ball genügend Präsenz herzustellen, mit der man diesen in den vorderen Zonen gefährlich hätte spielen können. Auch die Synergien im Mittelfeld gestalteten sich zu Anfang nur spärlich und passiv: Es gab wenig Interaktionen zwischen einem meist nach hinten kippenden Part – den oft auch Can übernahm – und den eher simpel zurückhaltenden Einbindungen der jeweiligen Mitspieler. Gegen die teilweise sehr weiträumigen dänischen Mannorientierungen fehlte es daher an wirklich passenden und miteinander harmonierenden Bewegungen, die diese kollektiv und nachhaltig hätten aufreißen können anstatt nur vereinzelt mal einen Gegner etwas weiter wegzuziehen. Daher erwiesen sich auch die einzelnen Abkippbewegungen zunächst als eher wirkungslos, was sich in im zweiten Teil des ersten Durchgangs durch eine höher aufrückende Rolle Cans mit stärker nach hinten pendelnder Einbindung von Meyer verbesserte.

Insgesamt waren sie gerade in der ersten halben Stunde eigentlich nur über verschiedene längere Direktpässe, beispielsweise nach einzelnen aufrückenden Bewegungen von Heintz, in die Spitze und die Schnittstellen auf das zwischen seinen Kollegen pendelnde horizontale Movement Vollands in Grundzügen gefährlich. In den letzten zehn Minuten vor der Halbzeit hatte das DFB-Team mit einer kleinen Umstellung aber sofort eine bessere Phase – indem sich Bittencourt oder Volland mehr auf links einschalteten, der jeweils andere dafür situativ ballfern auswich und somit kleine Überladungsansätze in jenem Bereich erzeugt werden konnten. Was Meyers Bewegungen nach links zuvor angedeutet hatten, sorgte in konsequenterer Form nun für den einen oder anderen schnellen Grundliniendurchbruch gegen Dänemarks etwas wankelmütige Vertikalstaffelungen sorgten – und entsprechend auch Torchancen. Zwar fiel der Treffer nach einem Konter, den Kimmichs Balleroberung gegen den mal in den Halbraum eingerückten Yussuf Poulsen einleitete und das Zusammenspiel des Mittelfelds abschloss, doch die gesamte Offensivausrichtung sah zum Halbzeitabschluss nun deutlich besser aus.

Starker Start in Durchgang zwei entscheidet das Spiel

Das setzte sich nach dem Wechsel nahtlos fort und bescherte der Mannschaft eine Druckphase, die Dänemark nicht nur enorm unter Druck setzte, sondern die Partie mit zwei schnellen Treffern auch entschied. Auch wenn das frühe 2:0 per direktem Freistoß fiel und auch der Flügeldurchbruch zum Tor von Ginter sich im Anschluss an einen Eckball entwickelte, gingen doch jeweils etwas bessere, teils interessante Ansätze mit stärkerer Kompaktheit um den Ball voraus. Es gab potentiell mehr lokale Verbindungen, verstärktes Einschalten der Sechser, mehr Balance bei Halbraumpositionierungen, erhöhte Flexibilität in der Raumwahl für zusätzliche Überladungsversuche auf rechts und noch mehr Stabilität in den Rhythmusentscheidungen beispielsweise bei folgenden Verlagerungen. So konnte zunehmend auch die individuelle Klasse der dribbel- und spielstarken Offensivleute eingebunden werden.

Bei ihrem Versuch, ins Spiel zurückzufinden, hatten die Dänen anschließend zwei Probleme. Die Bewegungen der Sechser gestalteten sich horizontal etwas zu festgelegt und wurden daher vom zentralen deutschen Viereck zwischen Mittelfeld und Sturm zunehmend verschluckt. Zum anderen intensivierten sie die Pressingphasen mit mannorientiert ins Rautenhafte nachrückendem Sechser, erhielten aber weiterhin kaum Zugriff und konnten entlastende deutsche Ballbesitzphasen nicht verhindern. Belebung erzeugte die Einwechslung von Kultspieler Uffe Bech, der mit einer zwar etwas wirren, aber engagierten und druckvollen Leistung aufwartete: Einige gute Weiterleitungen, etwas ungewöhnlich weiträumig-unsaubere Pässe, gute aber etwas schwankende Positionsfindung in Zwischenräumen und interessante Ansätze in Dribblings. Mitte des zweiten Durchgangs hatten sowohl das DFB-Team als auch die Dänen über den wiederbelebten rechten Halbraum um Bech und den gruppentaktisch geschickten 19 einige Chancen, doch Tore fielen nicht mehr.

Fazit

Nach dem durchwachsenen Auftritt gegen Serbien wies das U21-Team auch in dieser Begegnung einige Schwachpunkte, gerade in der Offensivgestaltung, auf, die zu einem nur mäßig erfreulichen Start führten. Ab der Schlussphase des ersten Durchgangs gab es in räumlichen und strukturellen Aspekten aber zunehmend Verbesserungen, die in einer starken Druckphase schnell in einen deutlichen Vorsprung für einen daher letztlich verdienten Sieg verwandelt wurden. Kann man an dieses Niveau anknüpfen, rückt der vollmundig angekündigte Titeltraum wieder in den Bereich des Machbaren, doch das braucht es dafür schon – die Ausrichtung der Anfangsphase dieser Begegnung hatte dagegen nicht überzeugt. Nun sind die Chancen auf das Weiterkommen und den Gruppensieg sehr vielversprechend.

Die recht aufbauambitionierten Dänen machten vor allem durch ihre durchaus vielfältigen Freilaufbewegungen auf sich aufmerksam, doch passte letztlich die Entscheidungsfindung oft nicht dazu. Aufgrund gewisser defensiver Schwächen – selten auch einige starke Szenen – kam es zu einer etwas höheren Niederlage als vielleicht angemessen. Während die deutsche Mannschaft, bei der über die eine oder andere Personalie noch diskutiert werden könnte, mittlerweile eine gute Besetzung gefunden hat, ist bei den Dänen die Aufstellungspolitik zu hinterfragen: Die auf der Bank sitzenden Bech, Fischer oder Höjbjerg hätten dem Team mehr Input,  beispielsweise spielerische Sauberkeit, liefern können.

Achter 23. Juni 2015 um 00:11

Könnte Meyer eigentlich auch als offensiverer 6er spielen? Wie macht sich denn das aktuelle defensive Mittelfeld, sprich Kimmich und Can?
Ich fand Can am Ball eig ziemlich stark, vor allem wenn er sich die Bälle tiefer von der Abwehr abgeholt hat, um dann entweder zu passen oder mit dem Ball am Fuß Raum zu gewinnen (auch wenn das teilweise bei breit aufgefächerten Innenverteidigern etwas zu riskant war).

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JG 21. Juni 2015 um 20:34

Glaubt ihr das Arnold für Meyer die bessere Besetzung wäre?
Gerade bei den Zurückfallenden Bewegungen im Aufbau wäre Arnold doch eigentlich die bessere Option.

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cali 22. Juni 2015 um 14:48

Hinter Volland würde er sicherlich Sinn machen.

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LM1895 22. Juni 2015 um 15:44

Wundert mich eh etwas, dass er noch keine Einsatzzeit hatte. Meyer kommt meiner Meinung nach die Spielanlage bisher überhaupt nicht zu gute. Alles etwas weiträumig und seine Stärken in engen Räumen gehen etwas verloren. Aber gegen Tschechiens kompaktes 4-4-2-4-0 könnte er wertvoll werden.

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