Eintracht und Augsburg mit Punkteteilung im Intensitätsduell

FC Augsburg2:2eintracht frankfurt

In einem intensiven und wechselhaften Spiel teilen sich Augsburg und Frankfurt je einen Punkt. Das Unentschieden geht hierbei in Ordnung, obwohl Augsburg zu Spielbeginn deutlich überlegen war.

Augsburgs Pressing dominiert Gegenspieler und Raum

Die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl ist für ihre herausragende Defensivarbeit bekannt. In den ersten Minuten setzten sie Frankfurt schon bei den Abstößen unter massiven Druck, um sie nicht ins Aufbauspiel kommen zu lassen. Das 1:0 fiel sogar dadurch, dass man hoch presste, auf dem Flügel den Ball eroberte und daraufhin einen Standard erhielt; der fällige Freistoß führte nach ein bisschen Flipper zur Führung.

Grundformationen

Grundformationen

Bei diesem hohen und aggressiven Angriffspressing organisierten sich die Augsburger einmal mehr in einem 4-4-2. Die zwei Stürmer stellten die gegnerischen Innenverteidiger zu, die Flügelstürmer ließen die Außenverteidiger vorerst offen, rücken aber nach Anspielen sofort auf den Passempfänger heraus und pressten.

Nach der gelungenen Anfangsphase spielten die Augsburger zwar weiterhin sehr aktiv und intensiv, allerdings starten sie ihr Pressing etwas tiefer. Das Grundschema blieb aber gleich. Die Stürmer legten den Deckungsschatten über den gegnerischen Sechserraum, rückten flexibel auf die Innenverteidiger und leiteten das Spiel im Idealfall auf die Flügel.

Die Doppelsechs und Viererkette dahinter waren ebenfalls sehr intensiv. Dabei nutzten die Augsburger einmal mehr zahlreiche Mannorientierungen, um die durchaus flexiblen und interessanten Bewegungen der Eintracht zu kontern. So gab es Situationen, wo einer der Außenverteidiger oder einer der Sechser bei den Augsburgern weit herausrückte und weit von seiner nominellen Position entfernt ins Pressing ging. Höjbjerg und Baier beispielsweise bewegten sich häufiger dynamisch hinter die zwei Stürmer, um Hasebe und Russ dort unter Druck zu setzen.

Beim tieferen Pressing gab es aber durch die etwas passivere und tiefere Spielweise der beiden Stürmer diese Ausflüge seltener. Das 4-4-2- war etwas positionsorientierter, obgleich besonders Baier wie üblich sich sehr gut im Raum bewegte, Pässe von der Seite in die Mitte im zweiten Drittel mit seinen guten Bewegungen schon präventiv unterband und sehr viel Druck in der Mitte ausübte.

Nach Abschlüssen gab es auch immer wieder eine höhere Positionierung des Kollektivs, aber eben meistens mit etwas zurückhaltenderen Bewegungen der Stürmer, die nur noch situativ die Innenverteidiger pressten. Offensiv überzeugten die Hausherren ebenfalls. Ihr sehr schnelles Umschalten und eine sehr tororientierte Ballzirkulation waren ein gutes Mittel gegen Frankfurts Defensive.

Frankfurt zwischen 4-4-2 und in die Breite gezogener Raute

Thomas Schaaf blieb in diesem Spiel seiner geliebten Rautenformation im Mittelfeld nicht treu. Stattdessen entschied er sich für eine Ausrichtung mit zwei Stürmern, Hasebe und Russ im Zentrum als Doppelsechs und Inui mit Aigner auf den Flügelpositionen. Letztere sind eigentlich die nominellen Halbspieler der Raute und es gab auch in dieser Partie häufig ähnliche Formationen, wie sie sonst bei der Eintracht zu sehen waren.

Schaafs Raute wird gegen den Ball häufig zu einem 4-1-3-2, womit sie die Flügelräume besser besetzen wollen. Die nominellen Halbspieler der Raute stehen hier zu Beginn sehr breit und agieren eigentlich wie Flügelstürmer. Ballfern wird dann hereingerückt, während der Zehner sich selten nach vorne zwischen die Stürmer bewegt, sondern eher den Sechser hinter ihm unterstützt.

In dieser Partie war das 4-4-2 gegen den Ball die Grundformation, doch aus dieser Staffelung erzeugten sie durch das Herausrücken eines Sechsers auf die Sechser Augsburgs und die mannorientierten Bewegungen der Flügelstürmer öfters 4-1-3-2-Staffelungen wie sonst in ihrer Raute, auch 4-1-1-4-Formationen im höheren Pressing gab es zu sehen.

Dies ist riskant, aber durch den frühen Rückstand wurde Frankfurt zu einer solchen Spielweise gezwungen. Gegen den Ball äußerte sich dies in diesem hohen Pressing, welches durch die oft genutzte 4-1-3-2-Grundstaffelung im höheren Pressing suboptimal war. Sie stellten zwar Augsburg damit schon früh zu und zwangen sie bei langen Bällen, doch diese langen Bälle – insbesondere die Abstöße – kamen zentral in den Sechserraum der Frankfurter. Dort hatte Augsburg aber häufig eine passendere Präsenz als die Gäste.

Baier und Höjbjerg schoben von hinten zum Ball, Ji, Altintop und der ballnahe Flügelstürmer bewegten sich ebenfalls zum Ball und beteiligten sich am Kampf um die zweiten Bälle. Dadurch konnte Augsburg viele davon für sich entscheiden. Wenn ihnen dies nicht gelang, war Augsburg aber intensiv und stabil genug, um Frankfurt im weiteren Angriffsverlauf nach hinten zu drängen oder ihnen im Pressing den Ball abzuluchsen. Auch ein 4-4-2-Pressing der Frankfurter war nicht wirklich hilfreich, weil Baier und Höjbjerg die offenen Räume zwischen den Mittelstürmern und der Doppelsechs gut besetzten und die Ballzirkulation ankurbelten. Altintop und situativ auch Ji besetzten den Zwischenlinienraum und banden Frankfurts Sechser hinten oder überluden das Zentrum.

Frankfurts offensive Spielweise war ebenfalls nicht effektiv. Zwar konnten sie durch die flexiblen Bewegungen der Flügelstürmer, die Präsenz in der Mitte in den vorderen Zonen durch die zwei Stürmer und den Zehner sowie mithilfe der zwei aufrückenden Außenverteidiger Räume in der gegnerischen Hälfte überladen, aber das Übergeben von Gegenspielern und Räumen funktionierte bei Augsburg ebenso gut wie ihre Strafraumverteidigung und das bereits erwähnte Pressing wie Gegenpressing.

Nach Balleroberungen war Augsburg wiederum enorm gefährlich.

Augsburgs Dynamik stellt Frankfurts Abwehr vor Probleme

Im Umschaltspiel waren die Gastgeber enorm schnell und weiträumig. Besonders Baier und Höjbjerg – meine Güte, was für eine Doppelsechs – konnten sich aus Drucksituationen gut befreien, rückten dann mit Ball am Fuß auf, spielten Schnittstellenpässe oder griffen direkt auf lange Bälle hinter die aufgerückte Abwehr der Frankfurter zurück.

Diese langen Bälle wurden auch recht gut eingebunden. Altintop, Ji und die einrückenden Flügelstürmer besetzten dynamisch Frankfurts Abwehrlinie, wodurch nach Ablagen oder auch Kopfballverlängerungen sofort ein Spieler in gefährlicher Position frei stand. Dazu gab es auch im Aufbauspiel viele lange Diagonalbälle bei Augsburg, wo entweder Werner oder Bobadilla ballfern einrückten und sich in der Nähe von Ji und Altintop positionierten. Dadurch wirkten die Staffelungen bei eigenem Ballbesitz wie ein 4-2-4/4-2-1-3.

Das ist zwar kein allzu innovatives oder unorthodoxes Mittel, allerdings wird es bei den Augsburgern sehr passend eingebunden. Die Absicherung ist hervorragend, die Bewegung sehr gut und die Staffelungen ebenfalls passend gewählt.

Anpassungen zur Halbzeit und gegen Ende

Frankfurt wechselte schon zur Halbzeit einmal. Für den glücklosen Inui wurde Kittel eingewechselt und übernahm die linke Außenbahn. Dazu gab es mehr abkippende Bewegungen und eine nochmals erhöhte Intensität im Pressing. Augsburg konzentrierte sich weiterhin aufs Konterspiel, wodurch sie zwar trotz ausgeglichener Anzahl an Schüssen mehr vielversprechendere Situationen ohne Abschluss sowie bessere Abschlüsse hatten.

Nach gut einer Stunde stellte Schaaf mit der Einwechslung Piazons auf das übliche 4-1-3-2 um, Russ ging von der Sechserposition zurück in die Innenverteidigung, Kittel wechselte auf die Zehnerposition. Die hohe Intensität und das durchgehende Attackieren Frankfurts sollte sich letztlich bezahlt machen. Ein langer Ball der Augsburger in die offenen Räume neben Hasebe alleine auf der Sechs wurden vom herausrückenden Innenverteidiger Zambrano direkt hinter die aufgerückte Abwehr Augsburgs geköpft, Meier schob ein.

In der Schlussphase versuchten beide Mannschaften noch den Siegtreffer zu erzielen. Es entwickelte sich ein sehr intensives Spiel mit viel Hin und Her, ohne klare Überlegenheit einer Mannschaft und einem undefinierbaren, chaotischen Rhythmus. Frankfurt litt eigentlich weiterhin unter Problemen wie in der ersten Halbzeit, das aggressive Herausrücken der Innenverteidiger und eine etwas inkonsequentere Nutzung der Augsburger bedeuteten aber, dass sie nicht so gravierend zu tragen kamen wie in der ersten Hälfte.

Fazit

Augsburg war stärker und dominierte, doch Frankfurt kam Schritt für Schritt besser in die Partie, agierte durchgehend mit Druck und arbeitete sich letztlich zurück in die Partie. Augsburg hatte in der Anfangsphase viele Möglichkeiten das Spiel schon zu früh zu entscheiden, standen später etwas zu tief, obwohl sie zahlreiche vielversprechende Situationen generieren konnte. Trapp fing aber ein paar davon auch frühzeitig ab.

Frankfurt hatte schließlich mehr Chancen (10:15), allerdings aus weniger klaren Situationen. Letztlich ein schwierig zu bewertendes Spiel zweier eigentlich guter Mannschaften mit klaren Vorteilen für Augsburg zu Beginn, die Stück für Stück verlorengingen.

Wolfgang Würz 10. Februar 2015 um 19:38

Der fairste Kommentar, den ich bislang gelesen habe. Die Frankfurter Medienlandschaft überschüttet ja die SGE mit Häme ob der vielen Gegentore. Also zunächst vielen Dank für diese Analyse. Augsburg ist für mich die Überraschungmannschaft der laufenden Saison, und in Augsburg ein 2:2 nach 2 zu null Rückstand ist ein starkes Zeichen. Dennoch muss sich Schaaf überlegen, wie er die Abwehrreihe durch das Mittelfeld stärken kann. Ich bin mir immer noch nicht über Hasebe im Klaren? Ist er wirklich so wichtig? Oder ist nicht er vielleicht die Schwachstelle? Mir scheint, dass er nicht über ausreichend Organisationstalent verfügt; dadurch entstehen oftmals konfuse Situationen, in denen dann die SGE unnötige Tore bekommt. Gleichwohl habe ich derzeit keine Alternative parat. Vielleicht wären Russ und Stendera eine denkbare Doppelsechs? Allerdings könnte das bei einem sensiblen Spieler wie Hasebe zu Gegenreaktionen führen; auch die Nichtberücksichtigung von Flum deutet auf ein solch fragiles Stimmungsgerüst von Hasebe hin. Er scheint keine Konkurrenz zu vertragen, aber auf Dauer ist das nicht gut. Wir werden sehen, schon am Samstag wird es wohl wieder stimmungsvoll gegen S04 in Frankfurt zugehen.

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Thore 9. Februar 2015 um 15:27

Bin gespannt, wie sich der Ausfall von Verhaegh und die gleichzeitige Rückkehr von Baba auf das Spiel von Augsburg auswirken. Im nächsten Spiel müssen sie gegen Bremen ran, die ich schwer zu bewerten sind. Sie haben einfach mal den totalen Dreckskader (ok, die Verpflichtung von Vestergaard war schon nice), aber das Trainerteam holt da scheinbar das Maximale raus. Ich hab keine Ahnung, wie ich das tippen soll :X

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Schorsch 9. Februar 2015 um 20:30

Auch wenn Du es nicht so gemeint haben magst, von ‚totalem Dreckskader‘ zu sprechen ist schon vom Stil her reichlich daneben. Und im übrigen vom Sachlichen her mMn ebenfalls. Werder hat durchaus einen Kader, der dem eines durchschnittlichen Bundesligateams entspricht. Das mag man als meine rein persönliche Meinung nehmen; sicherlich richtig. Nur wenn man versucht, die Spieler im einzelnen auf ihre Stärken und Schwächen hin zu analysieren, wird man schwerlich auf ‚Dreckskader‘ kommen. Es würde mich interessieren, auf welcher Grundlage Du zu Deiner Bewertung kommst.

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CleverK 9. Februar 2015 um 15:26

Meiner Meinung nach ein ausgeglichenes Spiel, Ute Halbzeit war Augsburg besser und 2te Halbzeit war Frankfurt besser. Das erste Tor von Augsburg war recht glücklich…Insgesamt hat man das Gefühl das der Artikel hier von einem Augsburg-Fan geschrieben worden ist.

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CleverK 9. Februar 2015 um 15:26

*1ste

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RM 9. Februar 2015 um 19:57

Ich teile eigentlich die gleiche Meinung wie du. Schade, dass ich es wohl nicht geschafft habe, dies auch im Artikel so darzustellen. Habe gerade drübergelesen und obwohl ich schreibe, dass z.B.

Augsburg war stärker und dominierte, doch Frankfurt kam Schritt für Schritt besser in die Partie, agierte durchgehend mit Druck und arbeitete sich letztlich zurück in die Partie. Augsburg hatte in der Anfangsphase viele Möglichkeiten das Spiel schon zu früh zu entscheiden, standen später etwas zu tief, obwohl sie zahlreiche vielversprechende Situationen generieren konnte. Trapp fing aber ein paar davon auch frühzeitig ab.

Frankfurt hatte schließlich mehr Chancen (10:15), allerdings aus weniger klaren Situationen. Letztlich ein schwierig zu bewertendes Spiel zweier eigentlich guter Mannschaften mit klaren Vorteilen für Augsburg zu Beginn, die Stück für Stück verlorengingen.

so hast du Recht, es fehlt ein explizites (verdientes) Lob für die Rückkehr der Eintracht nach dem Seitenwechsel, während Augsburg für die erste Hälfte das (verdiente) Lob bekam.

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CleverK 9. Februar 2015 um 20:14

Yes 🙂 ich bin pingelig wenn es um meine Eintracht geht 😉 . Mit dem expliziten Lob ist aber alles gut. Eine in-depth Analyse über Alexander Meier (Fußballgott) und spielverlagerung.de ist der objektivste Analyse-Blog der Welt!! 🙂

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Benni 9. Februar 2015 um 12:08

Das war ein sehr unterhaltsames Spiel. In der ersten Halbzeit war ich von Augsburg schlicht begeistert, weil sie ein wirklich ansehliches und effektives Angriffsspiel aufgezogen haben. Die spielen tatsächlich wie ein CL-Aspirant, obwohl es auf dem Papier größtenteils Nonames sind. Wobei es eigentlich nicht angebracht ist, über die Namen zu lästern, Ragnar Klavan und Jan-Ingwer Callsen-Bracker sind die beiden coolsten Namen überhaupt in der Bundesliga – und einige schon länger etablierte Vereine könnten sich von Augsburg durchaus was abschauen. Gerade die hohe Chancenqualität ist etwas, was Augsburg besonders auszeichnet.
In der zweiten Halbzeit sind sie wohl auch physisch etwas eingebrochen, war bisschen schade.

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