Donnerstag, 29.09.2016

Das 7:1

Kneifmichmalwer zu eins. Deutschland steht sowas von im Finale. Ohne Thiago Silva bricht das brasilianische Chaos in sich zusammen. Wir erklären ein unfassbares Spiel.

Es war eine Partie, vor der es wenige Anhaltspunkte gab, wie die Teams agieren werden und welche Spieldynamik sich entwickelt. Besonders die brasilianische Elf war nach den Ausfällen von Neymar und Thiago Silva eine Wundertüte. Dennoch zeigte sich die deutsche Mannschaft auf die wenigen Konstanten gut eingestellt. Vor allem aber demonstrierte sie ihre klare Überlegenheit in Sachen Abgeklärtheit und Organisation. Zum historischen Kantersieg kam dann alles zusammen.

Risikoreiches Aufrücken von Brasilien

Brasilien - DeutschlandScolari blieb seinem System und seiner Spielweise treu und versuchte, die Ausfälle weitestgehend Eins-zu-Eins zu ersetzen. Dante übernahm die Innenverteidiger-Position neben David Luiz und Bernard kam für Neymar ins Team. Er spielte allerdings vorerst Rechtsaußen und Hulk agierte wieder als Flankengeber links; nach dem 4:0 tauschten sie dann. Oscar rückte auf die Zehnerposition und tauchte als Verbindungsspieler überall auf.

In dieser Aufstellung suchte der Gastgeber erneut nach dem sehr aggressiven Rhythmus, der die letzten brasilianischen Partie schon so kennzeichnete. Im Pressing und Gegenpressing orientierten sie sich stark nach vorn und suchten mannorientiert die Zweikämpfe. Bei eigenem Ballbesitz agierte die Selecao wieder mit vielen, aggressiven Verlagerungen und langen Bällen, um dann mit schnellen Einzelaktionen durchzubrechen. Vor allem Marcelo rückte häufig sehr weit auf. Gustavo schob dann oft in eine absichernde Position nach links und überließ Fernandinho das Zentrum.

Das deutsche Pressing überragt ein weiteres Mal

Im Aufbauspiel Brasiliens.

Beim Aufbauspiel von Brasilien.

Wie schon gegen Portugal und Frankreich konnte die deutsche Mannschaft ein ambitioniertes Aufbauspiel aber im Keim ersticken. Das kollektiv leitende Verschieben gegen den Ball mit dem hervorragend anpassungsfähigen Herausrücken der Achter war erneut nicht zu knacken. Auch deshalb, weil es wieder gut an den Gegner angepasst war: Während Portugal und Frankreich durch eine engere Position Müllers häufig auf den Linksverteidiger gelenkt wurden, stellte Müller seinen nominellen Gegenspieler Marcelo dieses Mal enger zu. Der verkappte Spielmacher der Brasilianer konnte sich dadurch nur selten im Spielaufbau einbringen.

Klose orientierte sich indes wieder am rechten gegnerischen Innenverteidiger – David Luiz – und leitete das Spiel von Özil weg. Der große Raum zwischen Müller und Klose wurde von den beiden Achtern gefüllt: Je nach brasilianischer Staffelung rückten Kroos und Khedira nacheinander auf. Häufig war Kroos der erste und konnte das Spiel damit vom spielstarken Fernandinho weghalten. Durch das weitere Durchschieben gab es sogar ein paar sehr unorthodoxe Szenen, bei denen der linke Achter Kroos plötzlich als rechte (!) Sturmspitze verteidigte. Mit dem Nachschieben des zweiten Achters ergaben sich häufig aggressive 4-1-3-2-Staffelungen. Die Brasilianer konnten das mit ihrer rudimentären Nutzung des Zentrums überhaupt nicht bespielen und mussten bolzen. Das überragend gute Herausrücken wurde dann beim Treffer zum 0:4 auch bilderbuchhaft mit einem Tor belohnt:

BRA GER Min 26

Vor dem 0:4: Direkt vom Anstoß rücken Khedira und Kroos auf den braslianischen Spielaufbau. Klose orientiert sich lose an Luiz, Khedira leite Dante von Gustavo weg, Kroos kann den einzig sinnvollen Pass auf Fernandinho antizipieren, holt den Ball, zack, zack, Tor.

Trotz des hohen Aufrückens wurden die langen Bälle der Brasilianer kaum gefährlich. Das lag zum einen an ihrer Staffelung: Die Flügelspieler standen sehr breit, Gustavo hing in der Abwehr und somit wurde die große Zone im Zentrum nur von Fernandinho und Oscar besetzt. Die Deutschen kontrollierten diesen Bereich mit mehr Personal: Wenn die Achter aufrückten, zogen sich die Flügelspieler in eine etwas kompaktere Haltung Richtung Schweinsteiger zurück. Zudem rückten die Innenverteidiger bei Bedarf gut abgesichert heraus. Durch das disziplinierte Verschieben zum Ball bekamen sie dann die meisten zweiten Bälle oder konnten den gegnerischen Angriffsspieler in klarer Unterzahl isolieren.

Gegenpressingresistenz und Kontermöglichkeiten

Aus dreierlei Gründen zündete das brasilianische Gegenpressing nicht, welches bisher die Ballverluste des aggressiven Angriffsspiel meistens gut absichern konnte: Erstens leitete und verschob Deutschland besser als die meisten anderen Gegner der Selecao. Dadurch hatten sie bei Balleroberungen meist eine komfortable Überzahl und konnten sich gruppentaktisch leichter lösen.

Zweitens agierte Deutschland höher und Brasilien kam kaum dazu, mal Angriffe zu Ende zu bringen oder zumindest in Strafraumnähe. So waren die Ballverluste im Mittelfeld zum einen häufiger als sonst und zum anderen war Brasilien oftmals nicht so kontrolliert hinter dem Ball formiert wie üblich; Gustavo kam manchmal einfach nicht dazu, weit genug aufzurücken. Hinter ihm fehlte außerdem Thiago Silva zur Kontrolle der großen Räume.

Drittens demonstrierte die deutsche Elf all ihre technische und taktische Souveränität. Fast alle Positionen – vor allem die des zentralen Mittelfelds – sind sehr pressingresistent besetzt. So wurden die eroberten Bälle beispielsweise häufig auf Schweinsteiger prallen gelassen. In seiner absichernden Position hatte er etwas Raum, löste sich sauber in diesen und verteilte den Ball in offenere Zonen. Auch Lahm, Hummels, Kroos und Neuer konnten sich je nach Höhe der Balleroberung effektiv einbringen und auch Khedira erwischte in spielerischer Hinsicht einen Sahnetag.

Vor dem 0:1: Obwohl Brasilien mit einem weiten Diagonalball eröffnet, kommt Deutschland schnell kompakt hinter den Ball. Durch ein Abstimmungsproblem (Oscar läuft weg) spielt Marcelo den Ball in Khediras Fuß. Er und Müller attackieren sofort den Raum, Khedira überläuft dabei Gustavo.

Vor dem 0:1: Obwohl Brasilien mit einem weiten Diagonalball eröffnet, kommt Deutschland schnell kompakt hinter den Ball. Durch ein Abstimmungsproblem (Oscar läuft weg) spielt Marcelo den Ball in Khediras Fuß. Er und Müller attackieren sofort den Raum, Khedira überläuft dabei Gustavo.

So konnte sich die DFB-Elf immer wieder in Konter lösen. Die Ecke zum 0:1 und der Einwurf zum 0:2 resultierten jeweils aus Gegenstößen in den Raum hinter Marcelo. Auch in der zweiten Halbzeit, als die deutsche Mannschaft tiefer stand, bekam Brasilien nur unkonstant Zugriff im Gegenpressing und kassierte gefährliche Konter wie beim 0:7. Oh Gott, wenn man zum WM-Halbfinale „wie beim 0:7“ schreibt muss man sich unwillkürlich die Hand vor den Mund halten.

Oh, Thiago Silva, schenk ihnen Ordnung

Liebe Selecao, was hast du da nur angestellt? Zu all der deutschen Dominanz im Mittelfeld kam auch noch eine immense Durchschlagskraft in Strafraumnähe hinzu, die man aber kaum der deutschen Mannschaft als Verdienst anrechnen kann. Die Abstimmung und Disziplin in der brasilianischen Defensive schwankte zwischen instabiler Improvisation und hanebüchenem Chaos.

Das ganze Verschiebeverhalten der Doppelsechs und der Viererkette war stark durch Mannorientierungen aufgeweicht, sodass in der Horizontale immer wieder große Lücken entstanden (siehe Grafik zum 0:2), für die sich niemand wirklich verantwortlich zeigte. Kroos, Khedira, Özil und Müller stießen dort immer wieder hinein und verursachten panische, ungeordnete Reaktionen der brasilianischen Hintermannschaft. Thiago Silvas weiträumige Raumkontrolle fehlte, um diese unkompakten Szenen in den richtigen Momenten zu unterbrechen oder in abgesicherte Zonen zu leiten. Oftmals reagierten die Abwehrspieler im besten Wortsinne orientierungslos auf das große Chaos. Wie Luiz und Dante beim 0:2 einfach an der Strafraumgrenze stehen blieben ist die beste Illustration davon.

Vor dem 0:2:

Vor dem 0:2: Auf den ersten Blick eine ganz gute Zugriffssituation für Brasilien, auf den zweiten Blick stimmt hier gar nichts: Hulk attackiert Müller nicht, sondern belauert ihn ohne Not von hinten (hä?). Oscar hat ebenfalls ein bisschen abgeschaltet und ist gerade nach vorne getrabt, wodurch er den Passweg auf Kroos geöffnet hat. Der steht durch das wirre Verschieben der Brasilianer in einem großen Loch (Bernard unpassend mannorientiert, siehe unten). Fernandinho kommt einen Schritt zu spät in den Passweg, Müller zieht in das Loch zwischen Innen- und Außenverteidiger. Dante rückt nun heraus auf den freien Kroos. Anstatt ihn abzusichern, geht Luiz in Manndeckung Özil. Und an der Stelle bleibt er auch als Kroos auf Müller durchsteckt, auch als der auf Klose ablegt, auch als der schießt und den Nachschuss verwandelt. So richtig weiß hier keiner, was er machen soll.

Das Spiel demonstrierte außerdem, welche Meisterleistung Thiago Silvas es war, stets das extrem aggressive und häufig kopflose Herausrücken von Luiz abzusichern, gerade in diesem instabilen Rahmen. Dante konnte das nur selten liefern, meist verließ er sich zu sehr auf die Vernunft seines Nebenmanns. Maicon konnte gar nichts beisteuern. Der verrückte Treffer zum 0:5 fasst relativ gut zusammen, was in Luiz‘ Kopf so schief läuft. Wirrer zu verteidigen als die eigene Frisur aussieht, das war vielleicht bei Jaap Stam akzeptabel, bei Luiz hingegen…

Vor dem 0:5:

Vor dem 0:5: Hummels ist durch vier Spieler durchgestoßen, hat aber immer noch einen an den Hacken und Gustavo im Raum vor sich. Noch keine wirklich gefährliche Situation. Dante ist herausgerückt, um Klose zu stellen. Doch was ist das? Ein rasend schneller Lockenkopf brischt aus der Abwehr nach vorne, um vollkommen unabgesichert Hummels zu attackieren. Maicon denkt: „Oh, Abseitsfalle!“ und rückt mit heraus. Aber das ist keine Abseitsfalle, Marcelo hält ganz normal die Linie. Brasilien spielt nicht mit Abseitsfalle. Luiz rastet einfach nur aus. Eine simple Ablage auf Khedira und Deutschland bricht durch.

Nach der Torflut zwischen der 20. und 30. Minute war die Disziplin dann ohnehin dahin. Im zweiten Gang konnte sich die deutsche Mannschaft dann immer mal wieder durchkombinieren. Das riesige Loch zwischen Flügel und Zentrum, aus welchem Lahm das 0:6 vorbereitete, war nur ein Beispiel für die zahlreichen taktischen Fehler.

Fehlerhafte Planung der defensiven Flügelrollen

Neben der schlechten Abwehrorganisation, kann man Scolari aber auch taktische Fehler in der Spielvorbereitung vorwerfen. Von Anfang an waren die diversen Mannorientierungen ein großes Problem. Vor allem Bernard und Hulk orientierten sich stark an ihren Gegenspielern und schoben selten kompakt ins Mittelfeld ein. Im Pressing gegen Deutschlands Spielaufbau war das erst einmal ineffektiv, da die Außenverteidiger dort ohnehin kaum eingebunden werden. In späteren Phasen wurde es richtig destruktiv: Auf der aktiveren Lahm-Seite verteidigte Hulk mehrfach individuell sehr schlecht (0:2, 0:3)…

Vor dem 0:3:

Vor dem 0:3: Obwohl Özil rechts steht und Höwedes defensiv einrückt, hängt Bernard vorn an seinem Gegenspieler, anstatt etwas zur Kompaktheit beizutragen. Dadurch wird Fernandinho weggezogen und letztlich kommt Kroos trotzdem genau aus diesem Loch zum Abschluss, nachdem Klose Maicon und Luiz in den Strafraum zieht. Auch Müller findet eine Lücke, aus der er beinahe abschließen kann. Indes lässt Hulk einen billigen Pass auf Lahm zu, der die Vorlage gibt. Das alles ist hervorragend abgesichert, obwohl Überzahlspieler Schweinsteiger nicht mal im Bild ist.

…und auf der anderen Seite stand der defensivstärkere Bernard zu unkompakt. Durch seine Orientierung am defensiven Höwedes positionierte er sich recht hoch und breit. Özils weites Einrücken im Offensivspiel und die fehlende Breite auf der linken Seite wurde dadurch nicht bestraft – eigentlich kann ein Gegner dadurch ohne Risiko sehr weit nachschieben, blöd also, wenn er es einfach nicht tut, weil er lieber am Außenverteidiger hängt. In dem Loch hinter Bernard konnte außerdem Kroos das 0:3 erzielen.

Der Positionswechsel der beiden nach dem 0:4 war dann die richtige Reaktion darauf. Bernard interpretierte die Rolle auf links dann auch etwas positionstreuer und bedeutend aufmerksamer. Aber, naja: Positionswechsel nach dem 0:4 eben.

Eigendynamik der brasilianischen Panik

Die krasse Effizienz der Deutschen muss man allerdings auch auf die spezielle psychologische und taktikpsychologische Dynamik der Partie zurückführen. Nach dem frühen Tor durch die gut einstudierte Ecke versuchten sich die Brasilianer mit noch mehr Aggressivität zu wehren. Sie wurden ungeduldiger, agierten in der Abwehr individuell noch hektischer und so entfaltete sich immer mehr Chaos. Auch die Angriffe wurden hektischer durchgespielt und das riskante Aufrücken wurde nicht weniger. Ob ein Tor wie das 0:5 auch in einer normalen Spielsituation gefallen wäre – schwer vorstellbar.

Sie reagierten nun kaum noch vernünftig darauf, wenn sie überspielt wurden: Anstatt das Tempo herauszunehmen und zu verzögern, bis sie wieder kompakt werden konnten, gingen sie einfach immer wieder auf den Ball drauf. Die beiden lässigen Rücklagen der deutschen Mannschaft zum 0:4 und 0:5 nutzten diese Panikreaktion eiskalt aus, sodass aus einzelnen Durchbrüchen sichere Tore wurden. Der ruhige, aufmerksame Rhythmus der DFB-Elf war wie ein exakt passender Schlüssel, um aus dieser Phase auch das Maximum herauszuholen. Dazu kam natürlich auch etwas Abschlussglück und eine glanzlose Torhüterleistung bei den wichtigen Treffer zwei und vor allem drei.

Souveränität im deutschen Aufbauspiel

Beim Aufbauspiel von Deutschland.

Beim Aufbauspiel von Deutschland.

Dieses abgeklärte Selbstverständnis demonstrierte die deutsche Mannschaft außerdem im eigenen Aufbauspiel vom Start weg. Ihre gewohnt saubere Ballzirkulation konnten sie auch gegen das Pressing der Brasilianer durchziehen. Özil bewegte sich dabei weiträumiger als zuvor durch das Mittelfeld und Klose ließ sich immer mal kurz zurückfallen; beides führte dazu, dass Gustavo und Fernandinho in ihrem mannorientierten Verhalten die Orientierung verloren. Außerdem hatte Deutschland fast jeden langen Ball unter Kontrolle, wenn Brasilien mal weit aufrückte, da sie im Zentrum Überzahl herstellten und Neuer diese Bälle gewohnt stark verteilte. So entstand übrigens auch der Spielzug zum 0:3.

Diese taktische Sicherheit war dann in der Phase nach den Toren sehr wichtig, um die Brasilianer nicht ins Spiel zurückkommen zu lassen. Sie gingen als Reaktion auf die Gegentore sehr weite Wege und versuchten viel Druck zu machen, doch liefen gegen die deutsche Ballzirkulation immer wieder ins Leere. So wurde die Selecao frustriert, die Gegenreaktion ebbte bald ab und Deutschland kontrollierte das Spiel bis zur Halbzeitpause.

Druckvolles Brasilien und deutsches 4-2-3-1 in Hälfte zwei

Im Anschluss an diese demonstrierte Brasilien recht eindrucksvoll, wie das Spiel hätte aussehen können, wenn das deutsche Pressing von Beginn an weniger konsequent gewesen wäre. Die DFB-Elf versuchte sich nun kräfteschonend in einem tieferen und passiveren Mittelfeldpressing zu positionieren, während die Selecao noch aggressiver aufrückte und den Ball druckvoll in der Breite zirkulieren ließ. Die leitenden Elemente griffen nun nicht mehr, sondern wurden immer wieder überspielt oder nach Verlagerungen in Eins-gegen-Eins-Situationen durchbrochen. Vor allem Marcelo kam nun ständig hinter Müller (bzw. Schürrle) und auch Bernard blühte auf.

Manuel Neuer und die gute deutsche Strafraumverteidigung verhinderten, dass die Brasilianer in dieser Phase noch einmal mit eins, zwei Tore frischen Wind bekamen. Die Chancen gaben das durchaus her, sodass das Spiel kurioserweise vielleicht sogar noch einmal spannend geworden wäre. Doch Neuer hielt dicht und der druckvolle brasilianische Rhythmus verlief sich zunehmend. Dazu trug auch bei, dass die deutsche Elf wieder etwas mehr in Gegenangriffe investierte und sich im Pressing dann auch etwas konsequenter passiv verhielt, statt sich im inkonsequenten Herausrücken überspielen zu lassen.

In der Endphase stellte Löw dann sogar noch einmal das System um. Mit Draxler links und Schürrle rechts übernahm Özil wieder seine gewohnte Zehnerposition im 4-2-3-1. So konnte sich die Mannschaft noch etwas stärker auf die Kompaktheit in den Viererketten und Konterangriffe konzentrieren. Das brachte dann noch den siebten Treffer per Schürrle Kunstschuss. Der mangelnde Druck gegen den Ball erlaubte aber den Brasilianern auch noch ihren Ehrentreffer. Marcelo leitete Oscars Tor mit einem spektakulären langen Pass aus der eigenen Hälfte ein und unterstrich noch einmal, wie wichtig es gewesen war, ihn in Hälfte eins weitestgehend aus dem Spielaufbau zu isolieren.

Fazit

In dieser historischen Partie kam fast alles zusammen, was irgendwoher kommen konnte. Deutschland war taktisch hervorragend eingestellt, agierte überragend gegen den Ball, konterte sehr fokussiert und hatte in der entscheidenden Phase auch noch das Quäntchen Abschlussglück. Die Brasilianer konnten ihre Ausfälle nicht verkraften, waren gegen einen ohnehin eher unpassenden Gegner nicht passend vorbereitet und der etwas unglückliche frühe Rückstand verursachte einen gewaltigen Negativstrudel. Kurioserweise erwischte die deutsche Offensivabteilung nicht einmal einen formstarken Tag. Die herausragende Mittelfeldleistung und die Eigendynamik des Spiels ließen diese Partie derartig eskalieren.

Der Gastgeber war letztlich nicht reif genug für den Titel. Das betrifft mannschaftstaktische Aspekte, das betrifft individuelle Aspekte (Kaderbreite, Sechserposition), das betrifft auch die Psychologie und es bezieht sich vor allem auf die gruppentaktische Reife im Spiel mit und gegen den Ball.

Die DFB-Elf hat hingegen mit diesem Spiel Geschichte geschrieben. Besonders die Minuten 23 bis 29 könnten die wichtigste Spielphase in der Historie der Fußball-Weltmeisterschaft markieren. Jetzt geht es darum, sich auch die erste Nennung in den Geschichtsbüchern zu sichern: Mit dem WM-Pokal.

Jörg Neulist 23. Oktober 2014 um 08:50

Ich kam gerade wegen eines anderen 7:1 noch einmal hier vorbei und fand in den Bildunterschriften ein Juwel: „Klose orientiert sich lose an Luiz.“ Bravo!

Antworten

Lokomotive 11. Juli 2014 um 21:40

Hi Leute, wann kommt denn ein Podcast oder eine schriftliche Vorschau auf das Finale?
Bin schon ganz shcarf drauf!!!

Antworten

TE 11. Juli 2014 um 23:07

Der Podcast ist in der Mache, er erscheint morgen früh.

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Lokomotive 11. Juli 2014 um 23:44

Super Geil! Ich freu mich drauf

Antworten

Markus 11. Juli 2014 um 14:20

Das Spiel, v.a. die Höhe des Sieges, sind historisch. Trotzdem muss eine sinnvolle Bewertung sachlich sein, wie Eure wieder sehr gute Analyse.

Die N11 war schon sehr gut, Raumaufteilung, Kombinationen, Technik, Torchancenverwertung, ein Tor schöner als das andere. Der Hauptgrund für den Sieg war aber m.E. eine sehr schwache Leistung Brasiliens. Jede Bundesligamannschaft hätte gegen Brasilien in dieser Form gewonnen. Schon gegen Kroatien habe ich es nicht für möglich gehalten. Brasilien spielt keinen modernen Fußball: kein System, keine Taktik, keine (einstudierten) Ballstafetten, kein Pressing, nur unkontrollierte Einzelaktionen, ohne Tempo, lange Bälle (u. vorne hilfte der liebe Gott u. Neymar, wenn er dabei ist). Wie anders spielen Bayern, Barca, Real. Kein Vergleich! Brasilien hat im Moment eine durchschnittliche Spielergeneration, aber auch einen unmodernen Trainer, der kein systematisches Team formen konnte. Deshalb sollte man den Sieg nicht überschätzen. An diesem Abend hat halt alles geklappt.
Der dt. WM- Fußball vor dem Brasielienspiel ist nicht mein Fußball. Jogi hat offensichtlich das schöne, offensive Spiel von früher aufgegeben, um diesmal mit allen Mitteln einen Titel zu gewinnen: Defensive Ausrichtung, langsame Ballstafetten ohne Raumgewinn (dann kann der Gegner kein Tor schießen). Die unnoderne Spielweise mit 4 Innenverteidigern. Dazu die oft angesprochene umstrittene Nominierung, v.a. wenig Offensivspieler. Diese Einstellung wäre ihm fast zum Verhängnis geworden, denn die defensive Ausrichtung hat gegen Ghana u. v.a. Algerien beste Torchancen für den Gegener nicht verhindern können.
Die Aufstellung war bei Medien u. Experten äußerst umstritten. Den unerfahrenen Mustafi außen einzusetzen, war nicht nachvollziehbar. Der außen unsichere Höwedes u. der phlegmatische Schnarch-Özil müssen immer noch mitgeschleppt werden. Zum Glück hat er doch einige Umstellungen vorgenommen, u.a. Lahm. Aber allgemein scheint er sehr eingenwillig zu sein u. hält auch im Spiel an einer einmal vorgegebenen Taktik fest, vielleicht weil er meint, eine taktische Umstellung wäre ein Eingeständnis von Fehlern. Ich habe mir mehrfach überlegt, was mein Bayern-Trainer Guardiola jetzt denken wird.
Es gibt Verbesserungen: Schweinsteiger u. Khedira kommen langsam in Form, auch Lahm auf der re. Seite. Die Sicherheit im Mittelfeld ist wieder da, was von wesentlicher Bedeutung ist. Dazu ist Boateng statt Mertesacker in der Innenverteidigung, v.a. gegen wendige, schnelle Spieler (Messi) von großer Bedeutung (eine gute Maßnahme von Jogi). Neuer, Hummels, Kroos, Müller in Topform. M.E. sollte Schürrle nach seinen guten Leistungen endlich für Özil ins Team, u. die li. Abwehrseite ist nicht optimal (vielleicht kommt Messi wie bei Barca deshalb über rechts). Aber dort jetzt etwas zu ändern, ist wohl zu spät.
Die Chancen gegen ein durchschnittliches Argentinien sind sehr gut. Trotzdem wird es schwierig, denn nach dem hohen Sieg gegen Brasilien wird in den nächsten Jahren wohl kein Team der Welt mehr versuchen werden, gegen D. mitzuspielen. Alle werden sich hinten reinstellen, dichtmachen u. kontern, was uns nicht liegt.

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lala 11. Juli 2014 um 18:41

„Jede Bundesligamannschaft hätte gegen Brasilien in dieser Form gewonnen.“

Setzen Sechs.

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wombat 11. Juli 2014 um 21:36

die länge des textes ist reziprok zu seiner aussagekraft….. war bemüht…

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Toc 11. Juli 2014 um 13:32

Eine einigermaßen witzige „Analyse“ zur Ergänzung: anatomy of a drubbing

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lala 11. Juli 2014 um 14:18

Ein paar interessante Vergleiche drin.

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Lokomotive 10. Juli 2014 um 22:26

Ich freue mich schon auf die Vorschau fürs Finale.
Aber vorab schon mal:

Was meint ihr, wie sind die Argentinier zu knacken und auf was muss Deutschland besonders aufpassen?

Antworten

Willibert 10. Juli 2014 um 21:13

Ich weiss, daß das ein Taktikblog ist, aber ich erlaube mir hiermit einmal, meine etwas einfache allgemeine Sichtweise darzulegen. Die Brasilianer trafen hier erstmals bei dieser WM auf einen “normalen ” Schiedsrichter, der auf ihre andauernden Schwalben nicht einging, der eine Situation auch mal für den Gegner auslegt. Das verunsicherte sie zusehends. Natürlich fehlten auch ihre “Korsettstangen” Neymar und Thiago Silva, wodurch das ganze Gebilde in sich zusammenbrach. Dazu vorne die “Witz-Figuren” Hulk und Fred. Zum Schluß noch ein Abstecher in die Märchenwelt. Das ganze wirkte auf mich wie eine Enttarnung, etwa wie bei “des Kaisers neue Kleider”. (“Papa, der Kaiser ist ja nackt).

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Gh 10. Juli 2014 um 11:22

Hoffentlich ist das der Start zum Umbruch in Brasiliens Fußball.

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Gatling 10. Juli 2014 um 08:00

Herrlich, wie ja schon einige vorhergesagt haben gehen wir also als Favorit ins Finale.

Argentinien gestern:
– Messi abgemeldet (erstaunlich, dass die schwachen Defensiven von Holland das überhaupt geschafft haben)
– das Spiel in den Strafraum wurde von Holland in weiten Teilen unterbunden

Holland gestern:
– noch schlechter 🙂
– praktisch 0 Verbindung zwischen Abwehr und Offensivreihe

Jetzt kann die N11 also zeigen was sie drauf hat, mit dem Favoritenstatus selbstbewusst umgehen – hoffentlich. Im Prinzip muss Löw nur die gleiche Aufstellung wie gegen FR und BRA aufbieten. Hoffentlich kapiert er das, Deutschland kann und muss das Spiel machen.

Gegen diese „überragenden“ Argentinier wäre selbst eine kleinere Umstellung ein Witz und ein Kuschen vor dem Gegner, dass die N11 mit diesem Momentum nicht nötig hat.

Sie können und müssen ihr Spiel im Finale eiskalt und gnadenlos durchziehen.

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Schimanski 10. Juli 2014 um 11:42

Sieht so aus.

Aber Argentinien wird uns nicht den Gefallen tun so hanebüchend wir die Brasilianer zu spielen. Sie brauchen doch nur bei Algerien schauen, wie man gegen uns verteidigt. Ich rechne nach dem gestrigen Spiel mit einem ziemlichen Langeweiler…

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AP 10. Juli 2014 um 11:58

@Schimanski. Dann wirst du ja positiv überrascht du Fuchs
🙂

Müller, nach einstudierter Ecke zum 1:0 in der 7 min. ARG macht auf und es gibt das nächste dicke Ding. 5:0 mit 2 Özil Toren und das erste mal gibt es für die neuen WM Stammleser niemanden zu bashen. SV schließt die Seite. Fertig. Aus. Ende. 🙂

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ES 9. Juli 2014 um 21:22

Vorab um Missverständnisse zu vermeiden: Neuer ist ohne Zweifel der derzeit beste Torwart der Welt und ohne Zweifel der beste des Turniers. Und ist auch zu recht für seine Taten während des 7:1 zu loben. Dennoch: Die Abschlüsse der Brasilianer waren doch sehr hektisch und auf den Mann gespielt. Dankbar für den Torwart (natürlich sind es auch das überragende Stellungsspiel und 1:1-Qualitäten von Neuer). Er musste sich nicht einmal wirklich strecken. Bei etwas mehr Ruhe vor dem Abschluss (aber was war bei den Brasilianern schon ruhig), wäre noch das eine oder andere Törchen für Brasilien herausgesprungen. Oder?

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lala 10. Juli 2014 um 16:02

Hätte, wäre, wenn?

Mehrere Denkanstösse:
– Nach der Auswechslung von Hummels wurde die deutsche Defensive merklich instabiler. Ja, da war der brasilianische Sturmlauf, dennoch sehe ich da deutliche Unterschiede ob da Hummels oder Mertesacker steht. Heißt: wäre Hummels geblieben, so bezweifle ich auch das 7:1 – wäre eher 7:0 oder 8:0 geworden.

– Neuer ist Neuer. Aus BL und CL wissen wir, dass er selbst unter Streß abgeklärt spielt. Heißt: selbst mit ruhigeren Brasilianern muß der Schütze immer noch einen Weltklassetorhüter überwinden. Andererseits die Ruhe hatte ein Brasilianer nicht wirklich in dem Spiel.

Insofern empfinde ich das zu 1 eher als glücklich. Das ist wohl dem auswechseln von Hummels geschuldet.

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CL 9. Juli 2014 um 21:18

Mich würde mit Blick auf das Finale interessieren:
Wäre es für Deutschland nicht deutlich besser gegen Argentinien zu spielen?

Allein wenn ich mir RMs (geniale) Analyse zum Spiel ARG-BEL anschaue, sieht man schon wie ihr Trainer so arbeitet…

Da denke ich mir ehrlich gesagt, dass Löw ihn auseinandernehmen würde.
Bei LVG hätte ich da so meine Zweifel..

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blub 9. Juli 2014 um 21:28

Ich glaube jeder will lieber gegen Argentinien als ggegen Holland spielen…
In diesem turnier hat Deutschland nich nicht gegen 3er/5er-ketten gespieltund gegen tiefstehende Gegner hat man sich auch eher schwer getan.
Außerdem ist dieIndividuelle qualität im Angriff doch recht hoch. *hust*
da will ich eigentlich keine konter kriegen.

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MorataBVB 9. Juli 2014 um 21:56

@blub: Zustimmung. Gegen Argentinien schätze ich die Siegchancen deutlich höher ein. Holland würde extrem auf Konter lauern und der erste Fehler wäre wohl der entscheidende. Nach Rückstand dürfte es für Deutschland da richtig schwer werden. Zumal die Verteidiger, die gegen Robben in der Vergangenheit extrem gut ausgesehen haben (Durm, Großkreutz) bisher gar keine Spielpraxis haben. Hoffe daher gleich auf einen Sahnetag von Messi und Higuain.

Antworten

Michael 10. Juli 2014 um 09:58

Die Dortmunder Verteidiger haben gegen Robben gut ausgesehen? Das ist dann doch eine etwas beschönigende Behauptung wenn man bedenkt, wer den Dortmunder in den beiden Finals den entscheidenden Treffer eingeschenkt hat…

Antworten

NanLei 10. Juli 2014 um 01:38

Einfach weiter spielen egal Messi oder Mascherano Gago Fernandinho oder Demichieles noch ein 7 zu Argentinien dann ist es okay 4 zu 0 reicht ja auch

Antworten

Lokomotive 9. Juli 2014 um 19:58

Was denkt ihr: ARG oder NED, wer liegt uns mehr?
Ich hoffe ja auf Argentinien…

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Soulcollector 9. Juli 2014 um 20:15

Also gegen die Niederlande wird es wohl ein einseitiges Spiel werden. Deutschland würde das Spiel klar dominieren. Zwar hat Niederlande gegen Spanien den Spielaufbau durch die Mitte gut verhindert, allerdings ist Deutschland da viel variabler und kann z.B. durch Hummels lange Bälle oder Lahm als AV die erste Pressingreihe gut überspielen.
Die Frage wäre dann eher wie gut die deutsche Offensive mit der bisher sehr guten 3er Kette der Niederländer zurechtkommt. Sollte DeJong auch noch fit sein wird es wohl ziemlich schwierig werden zu Chancen zu kommen.
Hollands Angriffe werden wohl hauptsächlich aus Kontern bestehen.

Argentinien ist mMn schwerer einzuschätzen. Bisher hatten sie in ihren Spielen ebenfalls einen starken Fokus auf Ballbesitz. Allerdings hatten sie auch noch keinen Gegner im Turnier, der ihnen in dem Bereich Paroli geboten hat. Gegen ARG könnte es im MF ein sehr zerfahrenes und körperbetontes Spiel werden und dann kommt es eben darauf an, wer seine Offensive besser einsetzt.
Allerdings hab ich einfach zu wenig von Argentinien gesehen um da Prognosen zu geben. Bin da sehr gespannt auf die Finalvorschau.

Antworten

Neuer Teilnehmer 9. Juli 2014 um 19:14

Guten Tag, was meint Ihr, wie hoch hätte der Sieg ausfallen können, wenn Deutschland nach dem 5:0 bis zum Schlußpfiff restlos alles gegeben hätte? Da es ja auch so beinahe 8:0 ausgegangen ist (das Gegentor fiel glaub ich direkt nach der versiebten Großchance) – wäre ein 10:0 möglich gewesen?

Antworten

lala 9. Juli 2014 um 16:15

Ich vermisse…

das Löw-Bashing 😉

PS: Oder den Anstand Einzelner zum eigenen früheren Löw-bashing einen Kommentar zu lassen…

Spaß beiseite: wieviel im Turnierverlauf ist Absicht und wieviel nicht?

Hintergrund: WM 2010, EM 2012 – schöner Fußball, aber auf die Fr… gefallen mit dem Titel. War da eventuell gar „bewußtes“ Tiefstapeln dabei, auch in den Spielen davor? Nur gewinnen, aber nicht viel zeigen?

Also ein „geplanter“ Turnierverlauf a lá Sepp Herberger. Zulassen, dass man phasenweise „dumm dasteht“, einfach um den Matchplan des einzelnen Spiels einem „Grand Plan“, einem Turnierplan, unterzuordnen.

Mag sich überzogen oder etwas phantastisch anhören bzw. lesen, würde aber Sinn machen, wenn man Löw’s Situation 2010 und 2012 bedenkt.

Antworten

JS 9. Juli 2014 um 16:28

Wenn ich die Vorberichte zum Turnier in Erinnerung rufe, so hat Löw eine klare Strategie verfolgt, die auch aufgegangen ist. Besonders in den ersten Spielen hat er Wert auf wenig kraftaufwendiges Spiel gelegt und eine stabile Defensive. Vorne sollte auch Standards eine Waffe sein. Bei beiden helfen die 4 IVs. Ich weiß nicht, ob es die einzige und gar die best mögliche Strategie war, aber sie war konsistent und ist aufgegangen. Beim Lob hat er dafür verdient, aber ich war ja eh kein Basher.

Antworten

Gatling 9. Juli 2014 um 16:30

Dieses Vermutung hat ja unten schon jemand in den Raum gestellt.

„Haben sie absichtlich immer wieder mal mäßig gespielt um den Final-Gegner dann mit einem 7:1 im HF zu schocken?“

Meine Ansicht dazu:

Also ich glaube nicht, dass sich die deutschen Spieler diese Buden-Ballerei absichtlich aufgehoben haben.

Ich sehe es so, dass FR letztlich die ganzen 90 min gefährlich war und wie z.B. mit Benzema noch hätten den Ausgleich erzielen können. FR hat es Deutschland “nicht erlaubt” alle 10 Feldspieler weit nach vorne zu stellen und eine Bude nach der anderen machen zu können.

Allerdings halte ich die Situation jetzt für deutlich positiver, da man jetzt ein extrem gutes Momentum hat. Sie haben gegen EX-Weltmeister FR ein 1:0 sehr konzentriert verteidigt und gestern gegen den EX-Weltmeister BRA in der Offensive Budenzauber veranstaltet. Aus meiner Sicht sind diese beiden Matches die optimale Vorbereitung aufs Finale, wo sie dann sowohl defensiv als auch offensiv das beste abrufen müssen.

Antworten

lala 9. Juli 2014 um 16:40

Naah diese Buden-Ballerei ist ja übertrieben. Die kann man nicht als „aufgehoben“ o.ä. bezeichnen. Niemand konnte das absehen.

Mehr ein: gesunde Zurückhaltung bis ins HF. Im HF haben wir jetzt Brasilien, jetzt aber Vollgas mit dem was eigentlich als Ideal angedacht ist.

Nur erwischte es die Brasilianer auf einem nicht vorhandenen dritten linken Fuß… – Brasilien, das GER deutlich unterschätzte wegen der Spiele davor und GER, die erst jetzt einmal mit allem loslegten.

Beispiel:
– zwei neue Standardvarianten
– viel mehr intelligentes Kombinationsspiel im letzten Drittel
– …

Das muß ja alles über Monate einstudiert worden sein. Es fällt den Spielern ja nicht ein, weil ein schöner Abend war und die Brasilianer eben mal mehr Raum ließen. Hinter etlichen Spielzügen stecken Monate an Arbeit, Tests, GEspräche, Absprachen,… damit die so sitzen.

Geschätzte 30% an Spielzügen habe ich vorher so noch nicht bei GER gesehen. Mal im Ansatz, aber bei diesem Spiel kamen die ja wie vom Band gespult.

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MorataBVB 10. Juli 2014 um 11:53

@lala: Also packe ich beim Stand von 0:0 gegen Frankreich die „intelligente“ bzw. beste Standardvariante nicht aus, weil ich mir die aufhebe? Realistischer ist doch, dass man ein paar Varianten trainiert hat (von denen man ja auch 4-5 bei Eck- und Freistößen schon gesehen hat) und die dann situativ anwendet. Gegen Brasilien war es dann eben das Ablenkungsmanöver durch die starken Kopfballspieler am ersten Pfosten und dann ein Block von Klose für Müller. Das Kombinationsspiel hat man sich ebenfalls nicht aufgehoben, man war ja gegen Algerien und Ghana nicht extra schlecht. Brasilien hat einfach unmenschlich viel Räume geboten und war enorm undisziplinert beim Verteidigen (mustergültig Luiz‘ Rausstürmen beim Tor von Khedira).

Damit komme ich auch schon zum Thema „Löw“, dessen Status ja je nach Spiel zwischen totaler Niete und mittlerweile Halbgott wechselt:

Ich bin weiterhin der Ansicht, dass er kein überragender Trainer ist. Hatte mich vor dem Turnier schon so geäußert:

Er kreiert meistens einen guten Matchplan, kann aber während des Spieles nicht auf Überraschungen oder Änderungen des Gegners reagieren (und das nicht nur beim viel zitierten Schwedenspiel oder dem EM-Halbfinale, sondern z.B. auch beim Testspiel gegen Chile). Das In-Game-Coaching ist also unterdurchschnittlich. Darunter verstehe ich taktische Anpassungen, wie sie Guardiola, Tuchel oder Klopp ständig vollziehen und nicht etwa Einwechslungen wie Schürrle für Götze, wo klar ist, dass der dann seine Diagonalläufe macht und Abschlüsse sucht. Gerät Deutschland in Rückstand, gefällt mir seine Körpersprache nicht. In diesem Turnier hat er großes Glück: Deutschland ging gegen sonst kompakt stehende Gegner sehr früh in Führung inklusive „Spielglück“ (Portugal, Frankreich), den restlichen Gegnern war man rein individuell stark überlegen, hat aber Probleme mit der körperbetonten Spielweise gehabt, zudem war Algerien taktisch sehr diszipliniert.
Mustafi den Vorzug vor Großkreutz und Durm zu geben, halte ich weiterhin für eine personelle Fehlentscheidung, man hat das Gefühl, durch dessen Verletzung wurde Jogi zu seinem Glück gezwungen. Gegen Algerien war in der gesamten Abwehr nur Boateng spielerisch überdurchschnittlich, Mustafi, Merte und BH4 tragen da naturgemäß wenig zu bei. Dazu ein Götze, der untertaucht. Warum es da spielerisch nicht lief, konnte man auf dem Aufstellungsbogen schon nachlesen.

Das fragwürdige Scouting der Gegner von Siegenthaler (wurde hier schon angesprochen), kommt noch hinzu. Das Ganze klappt eben, weil wir auf günstige Gegner gestoßen sind (Ausnahme Frankreich, das war ein 50.50-Spiel) und die in der Breite am stärksten besetze Mannschaft haben, in der mindestens 5 Spieler (Neuer, Lahm, Hummels, Müller, Kroos) absolute Weltklasse verkörpern.

Fazit: Es gibt auf Vereinsebene sicherlich bessere Trainer als Löw. Seine Schwachstelle spielte im Turnierverlauf bisher jedoch noch keine Rolle. Gegen Argentinien trifft man nun auf eine durch Mascherano gut strukturierte Defensive. Das In-Game-Coaching wird da ggf. bei einem Rückstand gefragt sein. Sehe Deutschland aber als deutlichen Favorit (70:30), insbesondere di Maria fehlt da dann doch.

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rince 10. Juli 2014 um 17:40

Durch den Sieg in HF hat Löw höchstens Deutungshoheit, ist aber lange noch nicht ein herausragender Trainer. Ich kann dem nur zustimmen.
Gutes Gegenmittel: Einfach die deutsche Medienlandschaft ignorieren und speziell hier auf den nächsten durchschnittlichen Auftritt der NM warten. (Gar nicht so lange her..Algerien, USA, Ghana…)

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oecher 10. Juli 2014 um 17:47

Eine Frage: Welche der vorhandenen Mannschaften hat denn im Turnier insgesamt mehr überzeugt als die deutsche?

rince 10. Juli 2014 um 18:50

@oecher
Überzeugt hat mich die NM und der Übertrainer Völler 2002, in welchen ein Finale mit Spielern wie Jeremis, Jancker und Bode geschafft wurde. 🙂
Das Problem dieser WM: Keine wirklich überzeugenden Mannschaften und teilweise Rumpelfußball aus den 90ern.

Thomas 11. Juli 2014 um 09:55

@rince:
Also mich hat 2002 vor allem einer überzeugt: Oliver Kahn.

rince 10. Juli 2014 um 17:42

Oh mein Gott…

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C.H. 9. Juli 2014 um 16:35

a) Dieser Löw ! Nichtmal bashen kann man ihn, weil er einem Stück für Stück die Argumente nimmt! Und das Pulver hat er komplett verschossen ! Das Finale wird leider und todsicher ein Rückfall in Achtel- und Viertelfinalsitten !
Bessser ? Im Ernst: Abbitte und Lob hab ich geleistet 😉

b) Prinzipiell denke ich, dass die N11 ihr Training für Turniere generell auf das Viertel- oder Halbfinale ausrichtet. Denn wenn man Angst haben würde durch die Vorrunde zu kommen, wäre z.B. Khedira nicht dabei.
Anonsten vier IV-Abwehrkette, Strafraumverteidigung, Fokus auf Standards ?! Vielleicht nicht genauso geplant, aber dreckige und tw. unattraktive Siege wurden sicherlich in Kauf genommen …

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Soulcollector 9. Juli 2014 um 16:50

Also ich glaube nicht das man bewusst schlecht oder unattraktiv spielen wollte. Aber es ging ganz sicher schon darum die Kräfte etwas zu schonen. Löw hat ja immer wieder die klimatischen Bedingungen erwähnt und Schweini und khedira mussten auch erst im Laufe des Turniers fit werden. Das geht natürlich nicht, wenn man schon in der Vorrunde bei jedem Spiel bis an die Grenze geht.

Allerdings muss man auch sagen, dass Deutschland gerade gegen Algerien oder Ghana auch etwas Pech im Abschluss hatte. Und die Laufleistungen der Spieler sind auch nicht gerade ein Indiz für zurückhaltendes Spiel und bewusste Leistungsunterdrückung.
Ich glaube es ging einfach darum mit möglichst wenig Verletzungen und Sperren durchs Turnier zu kommen um in den immer schwerer werdenden K.O. Runden alles abrufen zu können. Und das haben sie ja ganz gut geschafft. Alle sind fit und niemand ist gesperrt.

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Fitsche 9. Juli 2014 um 17:02

a propos fit, Hummels scheint ja leider was abbekommen zu haben…

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lala 9. Juli 2014 um 17:16

Glaub ich nicht. Der wurde rausgenommen, damit er gegen Argentinien fit ist. Nach außen sagte man Sehnenreizung oder ähnliches, damit es nicht zu offensichtlich ist, dass Löw schon für Sonntag plant.

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Soulcollector 9. Juli 2014 um 17:20

Denke ich auch. Man hat gegen Algerien gemerkt, dass er gefehlt hat. er ist einfach in einer super Verfassung, spielt defensiv super und ist auch wichtig für den Spielaufbau. Deshalb wurde er geschont.

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Gatling 9. Juli 2014 um 19:13

da würde ich mal gerne ne aussage vom DFB aus dem Camp hören. Spätestens morgen auf der PK müsste es was geben.

Mir war so, dass Hummels auch gesagt hat, dass heute eine genaue Untersuchung vorgenommen wird. Das hörte sich nicht danach an, als ob er das nur vorgeschoben hat.

DM33 9. Juli 2014 um 17:24

Am Anfang des Turniers waren Schweinsteiger und Khedira noch überhaupt nicht fit und mussten sich erst an die Mannschaft ranarbeiten. Khedira hält immer noch keine 90 Minuten durch und Schweinsteiger keine 120. Man hätte also mit dem unerfahrenem Kramer spielen können oder mit Lahm auf der 6, dann fehlt aber hinten rechts einer. Vorne war Klose auch noch nicht fit, er hält jetzt auch noch keine 90 Minuten durch, und Götze und Poldi mussten auch erst mal ihre Chance verdaddeln, warum auch immer. Jetzt sind die Schlüsselspieler fit, Höwedes und Özil gewöhnen sich langsam an die für sie ungewohnte Rolle, mit Jerome ist ein schneller Spieler im Zentrum und die Mannschaft findet immer mehr zueinander.

Das hat für mich also nix mit „geplantem“ Tunierverlauf oder „noch nicht alles zeigen“ zu tun.

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th 10. Juli 2014 um 10:26

Schweinsteiger hält keine 120 min durch: wie kommst Du darauf?

BRA-GER:
– Schw. hat mit 12,6 km die höchste Laufleistung aller Spieler auf dem Platz, 1 km mehr als Höwedes (der übrigens in allen Partien herausragende Ll. abgeliefert hat …), Özil, Müller, Kroos …
– „Laufleistung ist nicht Laufleistung“: Intensität und Ort (Bewegung ohne Ball, …) sind entscheidend: stimmt; Schw. hatte mit 16% im hohen Intensitätsbereich auch hier den höchsten Wert (mit Abstand) aller Spieler auf dem Platz (er ist defensiver Mittelfeldspieler …); 40 Sprints: nur Özil hatte mehr
– Meiste Passversuche (71), hohe Passquote (86%), und zwar nicht nur kurze Querpässe (http://liveticker.sueddeutsche.de/fussball/wm-2014/brasilien/deutschland/2014-07-08.html?subpage=statistiklive&subsecond=chalkboard)
– Top-Werte bei geblockten/abgefangenen Bällen/Tackles/klärenden Aktionen

nb: Taktik ist nicht gleich Statistik; aber hier hat einer auf Basis einer „ganz guten“ Athletik und Spielverständnis seine Rolle im taktischen Mannschaftskonzept top erfüllt und die offensivere Ausrichtung der beiden 8er mit ermöglicht

nnb: klar ist auch, dass ein Spiel (oder besser dieses Spiel bzw. sein Ergebnis) nicht (nur) aus der Stärke individueller Spieler oder der Stärke einer Mannschaft erklärt werden kann (auch wenn diese die ihr gebotenen Chancen extrem effizeint genutzt hat), sondern in der Wechselwirkung mit dem Gegner (SV-Analyse der Tore …); erinnert ein bisschen an 1871: gegen einen Gegner, der so viele Fehler macht, sieht ein „kühler Nutzer“ immer gut aus; oder mit Müller: „Jedes Spiel entwickelt sich anders“ -wie wahr: mal sehen, was das für Sonntag heißt …

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Theodor 10. Juli 2014 um 01:47

Zu Beginn des Turniers meinte ich zu Freunden, daß ich Deutschland vom Kader her eine Liga höher sehe als die übrigen Mannschaften; andere haben zwar individuell höher einzuschätzende Spieler (insbesondere in der Offensive), allerdings nicht die Breite.
Jetzt scheint sich diese Einschätzung zu bewahrheiten.

Wie hoch Löws Anteil daran ist, was jetzt „geplanter Turnierverlauf“ ist etc., das sind Fragen, die man nur scheinbar sinnvoll diskutieren kann. Das ist ein bißchen, als wollte man Lottogewinne rational begründen (was übrigens in jedem Fall gelingt, die Mathematik ist flexibel genug). Selbst im Falle Herbergers läßt sich die Frage nicht von der Hand weisen, ob das „verschenkte“ erste Spiel gegen die Ungarn oder aber die (wie neuere Studien nahelegen) verabreichten Amphetamine im Final relevanter waren.

Manche Aufstellungs- bzw. Kaderfragen Löws etwa, die man nun mit der Begründung „der Erfolg gibt ihm recht“ abtun kann, waren vielleicht trotz des Erfolges weder glücklich noch wirklich richtig.

Andererseits war die taktische Ausrichtung gegen Brasilien wohl unbestreitbar exzellent. Aber auch hier: wie das Spiel ausgegangen wäre, hätten die Brasilianer nach dem 1:0 einen Elfmeter zugesprochen bekommen, werden nur jene Leute jemals erfahren, die das entsprechende Paralleluniversum besuchen, in dem dies geschah. (Ich persönlich mutmaße, das es in diesem Fall möglicherweise zu einem über längere Strecken zerfahrenen Spiel gekommen wäre, ehe sich die Qualität Deutschlands dann doch durchgesetzt hätte).

Gespannt kann man nun auf das Finale sein, da könnte Löw sein taktisches Meisterstück abliefern. Sowenig ich daran zweifle, daß Deutschland gewinnt, so frage ich mich doch, ob es eine klare Angelegenheit oder eine eher verkrampfte werden wird. Das psychologische Momentum wird sicherlich dann zum Tragen kommen, wenn Deutschland ein frühes Tor gelingt. Dann könnte es zu einem neuerlichen Galasieg kommen.
Gesehen hat man heute (bei ARG-HOL) dann auch wieder recht deutlich, wie limitiert Holland eigentlich dann doch wieder ist.

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lala 10. Juli 2014 um 10:25

„Wie hoch Löws Anteil daran ist, was jetzt “geplanter Turnierverlauf” ist etc., das sind Fragen, die man nur scheinbar sinnvoll diskutieren kann. “

Exakt mein Punkt. Wir sind ja hier im Taktikblog.

Variante A:
– Deine Darstellung trifft zu. Also etwas Glück und Verstand der N11 mit hoher Qualität im Kader.

Variante B:
– Es ist genau das Gegenteil Deines statements zu „Lottospiel“. Neben der ingame-Taktik gab es eine umfassende Turniertaktik, die auch schon seit Monaten vor dem Turnier einstudiert wurde. In dieser Variante hat Löw Spielzüge mit möglichen Aufstellungen einstudieren lassen, die dann nur zugweise im Turnier platziert werden. Soweit irgendwie nötig. Vorteil hier: läuft mal ein Spiel der Vorrunde oder in Achtel,- oder Viertelfinale aus dem Ruder, dann kann er durch 1-2 Einwechslungen und taktische Umstellung notfalls auf diese Varianten zurückgreifen.

Variante C:
– Eine Mischung aus A und B.

Mich überraschen eben immer neue Spielzüge. Je weiter im Turnier wir sind – ständig ein neuer Spielzug. Spielzüge vor dem Tor, beim Standard,… die ich vorher nicht sah.

Daher votiere ich stark für Variante B.

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reg 10. Juli 2014 um 12:56

meinst du damit auch das doppelpass ausspielen der brasilianischen defensive? das kann mal mMn nicht dazu zählen. das kann jeder drittligaspieler

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lala 10. Juli 2014 um 13:37

Quark, Doppelpaß ist Doppelpaß.

Aber:
– Standards
– „Blindspiel“ hieß es damals bei uns – teilweise ohne Schulterblick den Paß setzen – wissen da steht einer von Deinen.

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firedo 10. Juli 2014 um 07:51

Ich weißnicht, ob ich des „Löw bashings“ schuldig bin, aber ich habe schon öfter gesagt, dass ich Löws Ingame-Coaching miserabel finde.
Er kann unbestritten wunderbare Matchpläne basteln. Und wenn die aufgehen, gewinnt man halt 4:0 gegen England und Argentinien oder fertigt die Niederlande souverän mit 2:1 ab. Aber wenn der Plan nicht greift, passiert halt nix vernünftiges. Die Beispiele dafür sind zahlreich.
Und bisher sind wir bei dieser Wm in jedem Spiel in Führung gegangen. Und haben mindestens zweimal von irgendwie verdammt glücklichen Spielverläufen profitiert.

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Thomas 10. Juli 2014 um 08:29

Und bisher sind wir bei dieser Wm in jedem Spiel in Führung gegangen. Und haben mindestens zweimal von irgendwie verdammt glücklichen Spielverläufen profitiert.
Das ist das nötige Glück, das man eben auch braucht, wenn man so ein Turnier gewinnen will. Die Gegner sind ja auch nicht alles nur Trantüten.
Beim letzten Titelgewinn 1990 war man beispielsweise in den meisten Spielen zumindest größtenteils überlegen, musste aber beispielsweise auch in ein Elfmeterschießen gegen England (OK, das ist dann nur noch bedingt Glücksache für die deutsche Nationalmannschaft 😉 Aber bis dahin war die Partie doch recht ausgeglichen) und musste auf dem Weg dorthin im Achtelfinale die Niederlande in einer wahren Schlacht niederringen und gegen die Tschechoslowakei in Überzahl plötzlich nochmal eine halbe Stunde lang richtig zittern. Auch das völlig überlegen gestaltete Finale gewann man gegen Argentinien nur mit 1:0 nach einem (halb geschenkten) Elfmeter (wobei vorher einer verwehrt wurde, den man durchaus hätte geben können).
Ja, es war damals eine tolle WM mit tollen Spielern, von denen einige auf dem Höhepunkt ihrer Karriere waren. Aber man hätte auch in jedem Spiel der KO-Runde unglücklich ausscheiden können und hat jedesmal nur mit einem Tor Unterschied (bzw eben gegen England im Elfmeterschießen) gewonnen.
Achja… und auch damals ist unsere N11 immer in Führung gegangen. Beim 2:1 gegen die Niederlande im Achtelfinale führte man 2:0, gegen die Tschechoslowakei im Viertelfinale gewann man durch ein Elfmetertor 1:0, im Halbfinale gegen England führte man 1:0, bevor es zum Ausgleich und dann in der Folge noch zum Elfmeterschießen kam, und auch das Finale ging 1:0 aus.
Von mir aus sollen unsere Jungs im Finale einfach 1:0 in Führung gehen und das dann über die Zeit bringen, damit wäre ich völlig einverstanden 😉

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firedo 10. Juli 2014 um 10:33

Ja.
Das Spiele auf dem höchsten Niveau meistens knapp sind und auch anders aus gehen können ist unbestritten. Hinterher sieht es immer so aus, als wäre der Sieger von vorneherein das bessere Team gewesen. Die Wahrnehmung verzerrt sich und man vergisst wie knapp es war und das alles X-mal auf Messersschneide stand.
Gehen wir 1:0 in Führung, Argentinien kriegt 2 rote Karten und trifft danach noch 6mal den Pfosten und wir retten das Ding über die Zeit springe ich trotzdem vor Freude im Kreis.

Das alles hat aber garnix damit zu tun, dass meiner Meinung nach Loews Ingame-Coaching unterdurchschnittlich ist, und während der WM nichts dazu passiert ist, was diese These widerlegen würde.

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JS 10. Juli 2014 um 19:47

Dazu kommt, dass wir auch dieses Turnier schon zurückgelegen haben. Gegen Ghana 2:1.

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Bratwurst 10. Juli 2014 um 11:20

„Und bisher sind wir bei dieser Wm in jedem Spiel in Führung gegangen. Und haben mindestens zweimal von irgendwie verdammt glücklichen Spielverläufen profitiert.“

Ich halte ja irgendwie wenig von diesen (und ähnlichen) Sätzen. Sie klingen nämlich immer ein bisschen so, als wär ein Führungstor zufall, als habe das nichts mit der Mannschaft oder dem Spiel selbst zu tun. Quasi eine verkennung des Spielprinzips „Eure Siege sind nichts wert, ihr wart ja in Führung!“. Dabei sollte man erwarten, dass der Gewinner irgendwann mal in Führung war, die Ausnahmen haben dann wenig mit Taktik zu tun.

Man kann ja von Löw halten was man will, aber seine Leistung damit zu schmälern, dass die Mannschaft in Führung geht, halte ich dann doch für einen logischen Kurzschluss, der Ursache und Wirkung (man spielt nur deswegen besser als der Gegner weil man schon getroffen hat?) verdreht. Zumindest sollte er nicht als schlechter Ingamecoach bei dieser WM bezeichnet werden, nur weil er nichts zeigen muss.

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firedo 10. Juli 2014 um 13:01

Ich will doch nicht die Leistung von Löw oder dem Team schmälern. Davon war auch nie die Rede.

Aber nur weil man jetzt eine schlecht vorbereitete, kopflose Brasilianische Manschaft auf beeindruckende Art und Weise 7:1 weggehauen hat ist der Coach doch nicht plötzlich frei von Fehlern.
Es ging doch darum, dass diejenigen die Löw vor dem Turnier kritisiert hatten doch nun bitte zu ihrer Kritik Stellung nehmen sollten.
Und ich stehe auch weiterhin zu meiner Meinung.

Man kann doch auch ein guter ja sogar ein hervorragender Trainer sein und trotzdem auf bestimmten Gebieten des Trainerdaseins gewisse Schwächen haben.
Wenn die Spiele so gestaltet werden, bzw so laufen, dass diese Schwächen nicht zu tragen kommen ist’s fein.
Aber veschwinden tun sie doch deswegen noch lange nicht.

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Rax 10. Juli 2014 um 11:58

Ich weiß ja nicht, inwieweit man einem Trainer eine Leistung in Abrede stellen kann, weil man es gewagt hat, in Führung zu gehen. Zeichnet sich ein guter Trainer dadurch aus, dass er erstmal einem Plan entwickelt, der NICHT greift, um ihn dann im Spiel umstellen zu können?

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Benjamin 9. Juli 2014 um 16:11

Nur eine kleine Erweiterung zum ausgezeichneten Artikel:
http://derstandard.at/2000002860175/Ueberwindung-der-Unwahrscheinlichkeit-bis-hin-zur-Farce

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NJ 9. Juli 2014 um 15:02

Was haltet rein theoretisch davon, gegen einen möglichen Finalgegner Niederlande Lahm auf links zu stellen? Damit hätte man einen schnellen Spieler, der mit seinem stärkeren Rechtsfuß Robbens „nach innen ziehen“ verteidigen könnte. Innenverteidigung dann Humels und Mertesacker + Boateng auf Rechts.

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Gatling 9. Juli 2014 um 16:19

meiner Ansicht sollte und wird Löw die gleiche Startaufstellung wie gegen FR und jetzt BRA bringen.

Deine Begründung für die Umstellung ist zwar in dem Detail verständlich, aber mal ehrlich…jetzt hat man gegen zwei Ex-Weltmeister einmal defensiv und einmal offensiv überzeugend gewonnen, jetzt muss die Truppe so bleiben – personell und positionsbezogen. Das ist jedenfalls meine feste Überzeugung.

Wir sind jetzt der Favorit im Finale (es sei denn es gibt ein zweites 7:1 Ergebnis heute Abend). Wir müssen vermutlich das Spiel machen, im Bewusstsein dieser Faktoren würde ich auf „Dicke Hose“ machen und keine „kleinlichen“ Umstellungen wegen Rechts/Linksfuß machen – nach dem Motto „Wir wollen und können das Ding holen – mit unserem Matchplan und nicht mit dem der Gegner“.

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DM33 9. Juli 2014 um 17:30

Super coole Idee!! Den Italien-2012-Fehler einfach nochmal machen!

Ne, ne, die Hollantinier sollen sich lieber mal überlegen, wie sie den Müller in den Griff kriegen…

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ES 9. Juli 2014 um 15:01

Gestattet ihr mir aus Lokalpatritismus die keine Anmerkung, dass trotz aller Tore der geilste Pass des Abends der von Draxler auf Özil in der 90. Minute war, den Özil leider nicht verwertet hat? Als fleißiger AV-Leser kenn ich natürlich auch den berechtigten kritischen Adventskalender-Beitrag zu Draxler. Aber trotzdem: Was Deutschland da in der zweiten Reihe noch an jungem Potential hat (mal abgesehen von einem verletzten Marco Reus und einem fortschwammen Götze) lässt der Konkurrenz für die Zukunft nicht die allergrößten Hoffnungen…..

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FAB 9. Juli 2014 um 15:30

Das erinnert mich an den Beckenbauer Spruch von 1990. Diese Mannschaft ist über Jahre hinaus unschlagbar …
Ich glaube, dass nur diese Mannschaft ihren Weg zu Ende gehen wird, hoffentlich wird sie Weltmeister am Sonntag, vielleicht ist noch die Em2016 oder die WM2018 drin. Wenn dann aber das Gerüst auseinanderfällt ist Ende, es ist noch nie gelungen ein solches Gerüst einfach mit jungen Spielern zu ersetzen! Bestes Beispiel ist aktuell Spanien oder der FC Barcelona.
Danach muss eine komplett neue Mannschaft aufgebaut werden, die dann höchstwahrscheinlich ein anderes System spielt, ersteinmal Erfahrungen sammeln muss, Mißerfolge wegstecken usw.

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ES 9. Juli 2014 um 16:11

Ja, da hast Du 100% recht. Solche Prognosen sind Blödsinn. Und auch Deine Aussagen in Bezug auf Umbruch sind absolut korrekt. War auch nicht als Prognose gemeint, sondern eher als Aussage, dass Deutschland ein hohes Potential an jungen und guten Spielern in der zweiten Reihe hat. Beispiel Draxler. Punkt. Ja, hat z.B. Spanien auch. Ist mir als Prognose rethorisch so hingerutscht.

Kleiner Autokorrektur-Lapsus: Götze ist nicht fortgeschwommen, sondern formschwach.

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webs 9. Juli 2014 um 19:21

Ich denke, ergänzend zu FABs Kommentar kann man auch sagen, dass Draxler und andere das Pech haben, zu einer Zeit jung zu sein, wo sie in eine seit Jahren zusammenspielende Mannschaft nicht nachrücken können.
Die Generation Lahm (und die der 2009 Europameister) hat davon profitiert, schon in sehr jungen, formativen Jahren ein Vakuum auf einigen Postitionen vorzufinden, in das sie eindringen konnten.
Man muss schon ein Ausnahmetalent wie Müller sein, um sich in so einer Situation trotzdem in so einer Mannschaft festzuspielen.

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Peda 9. Juli 2014 um 14:41

Gratulation aus Österreich, ihr habt Geschichte geschrieben!

Sagt, gibt es zu dieser Farce von einem vorgezogenem Finalspiel irgendwo bereits ein ExpG-Diagramm?
Der Twitter-Account von 11tegen11 war in der Hinsicht bis dato sehr zuverlässig unterwegs, aber dazu ist leider noch nichts aufgetaucht.

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rodeclown 9. Juli 2014 um 15:47

https://twitter.com/MC_of_A/status/486633098256203776/photo/1

Nach meinem Eindruck liefert das 11tegen11-Modell allerdings minimal bessere Ergebnisse. Aber Groß ist der Unterschied eh nicht, solange es keine defensiven Positionierungsdaten gibt. Und genau dieses Fehlen zeigt sich ja auch in diesem Spiel, in welchen die Tore ja oftmals gegen den bereits geschlagenen Torwart fielen.

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Philo 9. Juli 2014 um 18:36

Der ExpG ist raus: Deutschland liegt knapp vorne – 1,88 zu 1,61.

???

Sagt das jetzt mehr über den ExpG aus oder über das Spiel?

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Sub 9. Juli 2014 um 19:32

Über das Spiel sagen die Werte aus, dass Deutschland von der Quantität der Chancen (siehe Schussverhältnis: 18:14 für Brasilien) sowie von der Qualität der Schusspositionen gar nicht um so viel besser war als Brasilien. Der große Unterschied war, dass die deutschen einige Male aufs Tor schießen konnte, ohne dass sie unter massivem Gegnerdruck standen. Bei manchen Toren war ja sogar Cesar schon überspielt.
Außerdem ist eine Aussage wohl auch, dass Deutschland seine Chancen überdurchschnittlich gut verwertet hat. Ich traue mich zu sagen, dass auch ein viel akkurateres Modell als die aktuellen keine 7 Tore für D vorhergesagt hätten, sondern 5-6.

Zur ExpG-Methode: Es hat sich ja schon herausgestellt, dass ihre Werte schon mittelfristig recht viel an Zufall verloren haben, sodass die Werte schon nach relativ kurzer Zeit wirklich ernst zu nehmen sind. Auch für einzelne Spiele können die aktuellen Methoden, die neben der Schussposition vielleicht auch noch auf Vorbereitungsart und Ausführung (Kopfball) basieren, die Kräfteverhältnisse ganz gut schildern – sofern keine Ausreißer-Schüsse dabei sind.

Und genau das bestätigen die Zahlen von diesem 7:1: Normalerweise kommen Spieler auch aus Deutschlands guten Schusspositionen nicht so unbedrängt zum Abschluss. Und da sich die prognostizierten Erfolgswahrscheinlichkeiten an den durchschnittlichen Werten Erfolgswahrscheinlichkeiten orientieren und Ausreißer (zurecht) über Board werfen, wurde Deutschlands Chancenqualität unterschätzt.

Ich bin wirklich gespannt, wie es gelingen wird, den Gegnerdruck objektiv mit einzubeziehen. Genau dieser mangelnde Gegnerdruck war schließlich das Zünglein an der Waage bei Deutschlands Chancen.

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Philo 9. Juli 2014 um 20:29

Sehe ich alles wie du. Zwei Sachen möchte ich noch hinzufügen: 1. Die Paraden der Torhüter werden nicht berücksichtigt, obwohl sie auch zur Leistung einer Mannschaft gehören. 2. Zur Beurteilung des ExpG-Werts muss auch der Spielverlauf berücksichtigt werden. Die Brasilianer hatten große Chancen, aber erst dann, als das Spiel schon entschieden war und die Deutschen nachlässiger/weniger intensiv verteidigten.

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Philo 9. Juli 2014 um 22:03

Was mir noch einfällt: Richtig absurd ist es, dass der Exp-G-Wert bei Elfmetern so richtig in die Höhe schnellt. Dabei sind Elfmeter zwar Riesengelegenheiten – über den Spielverlauf sagt das aber ziemlich wenig aus.

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blub 9. Juli 2014 um 22:17

Der xG soll ja auch nur aussagen wie gut die torschüsse waren, sonst nix. Wenn man die Kurve für geeignet hält etwas über den spielverlauf zu sagen ist das eine interpretation, mehr nicht.
wenn ich ne schätzung abgeben sollte wäre es ca 3,8 für Deutschland in diesem Spiel.

Ein Elfmeter ist nunmal ein zu 78% ein Tor. Das lässt sich so exakt messen wie nur wenig sonst.

Philo 9. Juli 2014 um 23:02

Das Ganze scheint mir aber darauf ausgerichtet zu sein, den Spielverlauf wiederzugeben. So hört sich 11tegen11 auch bei Twitter an.

Pelle Lundkvist 10. Juli 2014 um 00:47

Im Grunde funktioniert die Wiedergabe des Spielverlaufs ja schon ganz gut damit, mit einer großen Ausnahme: Die tatsächlich geschossenen Tore beeinflussen ja auch massiv den Spielverlauf. Siehe auch: http://www.algoaggro.com/ex-post-expected-goal/


SebSwo 9. Juli 2014 um 13:44

Vorschlag für die Überschrift:

„Unsere Mondlandung aka 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien“

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CEREM 9. Juli 2014 um 13:24

Herzlichen Glückwunsch zu Eurer nüchternen Analyse, zum „kalten Blick“ des Experten mit dem ihr dieses Ereignis in Worte zu fassen versucht. Meine Frage: Kann man dieses Spiel nach Kloses 2:0 wirklich besprechen? Hat uns der Fußball, und jetzt hänge ich es ganz hoch auf, ab der 23. Minute nicht ein neues Gesicht gezeigt? Ich würde dies als post-heroisch bezeichnen. Scheinbar jeglicher Strukturen entkleidet entwickelte sich so etwas wie Anarchie auf dem Platz. Das Wilde, Raue ersetzte — und das bei beiden Mannschaften — die klare heroische Ordnung wie sie vom Trainer oder Führungsspieler vorformuliert wurde (?). Dass viele von uns unfassbar waren angesichts der Wucht dieses Spiel mag daran liegen, dass wir keine Bewertungsschemata für dieses „hyperfluide“, unberechenbare, zufällige haben. Dass wir Beobachter orientierungslos sind wenn wir keine“Spieler“ mehr auf dem Platz wahrnehmen, sondern zwei Massen, die sich der Situation hingeben. Nur mal so ein Gedanke…

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mk 9. Juli 2014 um 13:42

Eher nein. Es war ja eben nur „scheinbar“ jeder Struktur entkleidet. Was Brasilien angeht gilt nämlich: auch schlechte und absolut wilde Aktionen wirken sich ja auf die mannschaftliche Struktur aus. Nicht-Struktur ist für mich (mit meiner sozialwissenschaftlichen Denkweise => „Unterlassen ist auch eine Handlung“ und so…) auch eine Struktur. Nur eben wirklich keine gute… Und bei Deutschland war es effizient, die Räume planvoll nutzend, hervorrangend gestaffelt/ abgesichert und kontrolliert. Also überhaupt nicht wild und rau.
Das träfe wohl eher auf die Schlussphase gegen Ghana zu oder eventuell bei Brasilien-Kolumbien in Phasen.

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HW 9. Juli 2014 um 13:54

Tja, man kann das Beobachtete beschreiben und man kann interpretieren oder sogar philosophieren. Alles ist erlaubt. Entfernt man sich jedoch zu sehr von der Beobachtung und versteift sich darauf eine philosophische Ebene zu entdecken, dann benutzt man Begriffe wie post-heroisch.

Aber das ist hier ja eine Taktik-Seite…

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Gatling 9. Juli 2014 um 14:37

nun, wenigstens behauptet Cerem nicht, dass die Unternehmen Evonik und Gazprom den Sieger vorher abgesprochen haben 🙂

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 14:47

…oder als Trainer, Spieler, Zeugwart etc einen (WM-)Titel geholt haben muss, um ein ganz exzellenter zu sein.

Das behauptet nur noch der greise Pelé, damit im Messi-Pelé-Vergleich er noch weiterhin leuchtet.

Und ein gewisser, unbedeutender, verbohrter Poster in einem Taktikblog namens Gatling. 🙂

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Gatling 9. Juli 2014 um 15:18

ich würde mich im Überschwang etwas bremsen und das 7:1 jetzt nicht euphorisieren 🙂

noch ist die Mannschaft und der Trainer gar nix.

2 kritische KO-Spiel hat man nun überzeugend gewonnen, das war mein auch hier geschriebenes Kriterium für eine grundsätzliche Titelfähigkeit. Die haben sie jetzt – die Titelfähigkeit.

Wenn am Sonntag mit diesem Momentum und gegen individuell insgesamt schwächere Gegner (Betrachtung der ganzen Mannschaft, nicht nur Messi und Robben) nicht der Titel rauskommt, haben die Spieler und/oder der Trainer was falsch gemacht.

Habs jetzt schon paar Mal geschrieben aber es passt einfach:

Wenn sie jetzt nicht den Titel holen, holen sie ihn auch die nächsten 100 Jahre nicht!

(natürlich überspitzt ausgedrückt, so lange lebt niemand)

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H 9. Juli 2014 um 15:52

Gatling, ist also wenigstens die brennende Frage nach dem Top-Favoriten-Status jetzt geklärt? Das wäre mir wichtig!

grasnarbe 9. Juli 2014 um 16:12

…und wenn du dich auch nur ein bisschen in Stochastik, Spielstärken, WM-Modus auskennen würdest, wüsstest du dass schon das Erreichen des Finales ein „overachieving“ ist. http://www.goalimpact.com/2014/06/world-cup-prediction.html
Als auch es sehr wahrscheinlich ist, dass bei hoher Leistungsdichte in einem K.O.-Turnier die beste Mannschaft NICHT den Titel gewinnt. Oder es nicht sehr unwahrscheinlich ist, dass eine Top5-Mannschaft 100 Jahre lang nicht den Titel gewinnt.

Aber du bist rationalen Argumenten in dieser Sache nicht mehr zugänglich. Was steckt dahinter? Einer möglichen Enttäuschung vorbauen? Rechthaberei (die sich leicht erfüllt, weil ein vor Beginn/Vorrunde/Achtelfinale/Viertelfinale prognostizierter Nicht-Turniersieg rein mathematisch schon sehr wahrscheinlich ist)? Aufmerksamkeit als Querulant und Löw-Hasser?

Wir wissens nicht, es ist uns auch wurscht. Wir möchten nur von deiner schon fast pathologischen Löw-Paranoia verschont bleiben – egal, wie das Finale ausgeht. Egal, wie die nächste EM unter seinen Fittichen läuft. Du bringst einfach keine rationalen Argumente in dieser bestimmten Sache, was du dagegen in anderen Feldern tust – das lesen wir dann gerne.

Danke.

Ein Zuschauer 9. Juli 2014 um 14:45

Man kann Fußball sicher auch schön philosophisch betrachten, aber 8 Stunden nach einem Spiel in der 23. Minute des selben Spiels den Beginn eines neuen Zeitalters ansiedeln zu wollenist halt keine so gute Idee.

Wobei ich Cerems Kommentar als pointierte Einlassung eigentlich ganz gut fand.

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tomci 9. Juli 2014 um 14:52

Ja, danke fürs Raushalten von Evonik und Gazprom! Aber wenn philosophisch dann richtig: Der Heldenstatus den die Fballer eindeutig geerbt haben (von Rittern, Soldaten, Künstlern, (Zirkus-)Artisten etc) ist in der Tat ein Problem, auch in D, wo sich die Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise durch „heiteren“ Fußballnationalismus auszugleichen sucht. Brasilien hat gestern vorexerziert wie destruktiv und bescheuert diese übertriebene Identifikation mit einer Fußballmannschaft und ihren „Heroen“ wirklich ist..Fands einfach nur peinlich die übertriebene Tränen zu sehen..und dabei nicht mal gut gespielt! Vielleicht braucht es solche Schocks sogar: In Ungarn gabs ein halbes Jahr nach der 1954-Pleite Revolution(-sversuche)

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HW 9. Juli 2014 um 15:09

Ein neues Zeitalter … sowas muss sich erstmal beweisen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, oder so ähnlich.

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lala 9. Juli 2014 um 16:07

Was soll den jetzt der Seitenhieb auf den armen Robben 😉 ?

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Chris 9. Juli 2014 um 16:38

„Scheinbar jeglicher Strukturen entkleidet entwickelte sich so etwas wie Anarchie auf dem Platz.“

Eben nicht. Die Tore sind infolge wiederkehrender Bewegungsmuster der DFB-Elf gefallen.

Das ganze gleicht eher dem Gefühl der Hilflosigkeit in einer entscheidenden Prüfung. Kann man die gestellten Aufgaben nicht lösen, beginnt man zwischen diesen hin- und herzuspringen. Immer in der verzweifelten Hoffnung, wenigstens eine Lösung anbieten zu können.
Diese Lösung wäre für Brasilien ein frühes Anschlusstor gewesen. Jedoch folgten immer mehr gegnerische Treffer. So wussten die Brasilianer einfach nicht mehr wo sie ansetzen sollten. Kein Trainer, kein Neymar und kein Thiago Silva hätten hier beruhigen können.

Ein Musterbeispiel dafür, dass eine Mannschaft nur so stark sein kann, wie es der Gegner erlaubt.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:22

Warum bekommt Rethy immer die großen Spiele?
Er übersieht das Abseits vor dem 5:0(„gleiche höhe“)-schlechte Brille?, fordert Gelb für eine Schwalbe eines Brasilianers, aber bei einem klaaren Gelbfoul von Schürrle hält er den Mund, bei einem Merte-Foul im Strafraum(leichter schubser, sehr geschickt, aber da war was!) sagt er „das war gar nix“-depp…

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blub 9. Juli 2014 um 13:32

weil das ZDF inkompetent ist und uns gerne mit dem nackten arsch ins gesicht springt um uns zu zeigen wie egal der Zuschauer ihnen ist.

Ob Bela Rethy bei den egalen 5:0 das Abseits sieht oder nicht ist halt total egal.
Der hats auch gestern wieder geschafft so viel Bullshit zu reden es ist unglaublich.(zieh mir grade die wiederholung rein *kotz*)
Das „Merte Faoul“ war echt fast nix. so bisschen gehakel und geschubse muss drin sein.

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PaoloPasano 9. Juli 2014 um 16:58

DIE ZWEITE AUDIOSPUR MIT RADIOKOMMENTAR
Kometente Leute erzählen genau das was auf dem Platz passiert.
und dann gab es gestern noch einige Blüten, die es auf den Punkt gebracht und Tränen ins GEsicht getrieben haben
Fred, der Donald Duck der Weltmeisterschaft
Özil, das Teilzeitgenie
die Stehen gelb und blau im Strafraum wie die Bananen

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GB10777 9. Juli 2014 um 14:15

Die Kommentatoren wären mal ein Thema. Jeder Spieler wird benotet. Und die Kommentatoren können ununterbrochen einen Mist erzählen, ohne jemals ausgewechselt oder für die nächsten Spiele gesperrt zu werden.

Da wäre doch mal eine Rangliste sinnvoll, gerne von Kommentatoren des Kalibers von SV 🙂

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ToRe 9. Juli 2014 um 14:24

Etwas gehässig gesagt: Manchmal fühle ich mich bei den heutigen Öffentlich-Rechtlichen fast an den „Schwarzen Kanal“ mit Karl-Eduard von Schnitz… erinnert, oder an seinem kongenialen Widerpart Gerhard Löwenthal.

Da hilft mir nur: Ton aus!
Sofort kann ich dann dem Spiel klarer folgen und bin auch aufmerksamer für taktische Aspekte des Spiels.

Manchmal findet sich auch ein passender(er) Kommentator bei marcel-ist-reif.de
Hat nicht mal jemand von Euch „Spielverlagerern“ bzw. Spielverlagerungs-Freunden Lust dort zu kommentieren?

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Fabian 9. Juli 2014 um 14:34

Warum müssen die Komentatoren ganz allgemein 90 Minuten vollplappern. Warum nicht einfach mal die Klappe halten und genießen lassen? Warum nicht einfach mal ne Pause machen und hingucken, um dann was Intelligentes beizutragen? Und wenn schon nur geistiger Dünnschiss kommt, dann doch bitte mit einer gehörigen Portion Emotion (ala Nobby Dickel).

Wann wird es wohl den ersten Live-Audio-Kommentar(Stream) von SV.de geben. DAS wäre doch mal was!

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HW 9. Juli 2014 um 15:14

Schlimmer ist es noch, wenn es mal nicht läuft. Dann plappern, nein jammern, die einen auch voll.
Und dann will ich wirklich mal Ruhe haben oder sachlichen Kommentar (man kann ja auch den Gegner loben anstatt zu jammern).

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neueradenkovic 9. Juli 2014 um 13:20

Ein unglaublich perfekter Artikel.
Wie macht man das, nach so einem Spiel, um die Uhrzeit eine so strukturierte, luzide und unterhaltsame Analyse zu schreiben???
Eine Blaupause fuer guten (Fussball-)Journalismus.

Eines noch:
Ich kann und will es mittlerweile nicht mehr verstehen, was in Bezug auf Mesut Oezil passiert.
Da haben wir einen der genialsten und elegantesten Spieler des Weltfussballs, der die schwierigsten Dinge leicht und unspektakulaer aussehen laesst und der sich seit geraumer Zeit sichtlich bemueht gegen sein Naturell dem Kampf- und Hymnenpoebel Genuege zu tun, der sich laeuferisch und im Defensivverhalten unglaublich gesteigert hat und sich – auf Kosten seines Spiels – auf undankbarer Position wie kein anderer in den Dienst seiner Mitspieler und der Mannschaft stellt und ihm wird vorgeworfen, dass er das 8:0 nicht macht? WTF???

Ich kann nur hoffen, dass Trainer und Mannschaft ihm die Anerkennung zollen, die er sich so sehr in der Oeffentlichkeit zu verdienen versucht.

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JS 9. Juli 2014 um 13:35

Hätte er das 8:0 gemacht, so hätten die gleich Stimmen halt gesagt, dass er nur trifft, wenn die Mannschaft schon 7:0 vorne liegt, aber keiner ist, der „entscheidende Tore“ schießen kann. Da steht das Narrativ schon vor dem Spiel und die Fakten werden der Geschichte nach ausgewählt und nicht umgekehrt.

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FAB 9. Juli 2014 um 13:47

Für mich ist Özil (zumindest charakterlich) sogar die positivste Überraschun bei der gesamten WM. Natürlich ist er nicht dieser Weltklassespieler wie Messi (man hat ja nach 2010 gehofft, dass er sich so entwickelt), natürlich hat er auch seine Schwächen (Physische Präsenz bzw. Körpersprache) aber er stellt sich erstmals bei dieser WM bedingungslos in den Dienst der Mannschaft, das finde ich beeindruckend. Bei der EM2012 hatte ich noch den Eindruck, dass sich sein Real Madrid-Superstar-Selbstvertrauen einfach nur in Arroganz verwandelt hat. Ich glaube die WM könnte bei ihm zu einem Umdenken geführt haben und ich hoffe für ihn, dass er das als Chance begreift, weiter an sich arbeitet um einen weiteren Entwicklungsschritt zu machen.

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neueradenkovic 9. Juli 2014 um 15:22

This.

Ich wundere mich immer, wenn Spielern vorgeworfen wird was sie nicht oder nicht so gut koennen. Die Frage ist doch immer was KANN ein Spieler und ist das was er kann fuer die jeweilige Problemstellung, bzw. das Spiel der eigenen Mannschaft nuetzlich und wie bringe ich das zum Tragen ohne zu sehr unter den jeweiligen Schwaechen zu leiden.
Es gibt halt sehr wenige perfekte Spieler…

Bestes Beispiel Khedira. Ich hab mich die letzten Tage gefragt was kann Khedira und gestern hat man es perfekt gesehen!

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JS 9. Juli 2014 um 15:35

Genau. Und wenn ein Spieler etwas KANN, das aber in einem Spiel nicht nützlich ist, dann ist es auch nicht seine Schuld, sondern die des Trainers, der ihn trotzdem aufstellt (Vorausgesetzt er hatte Alternativen).

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neueradenkovic 9. Juli 2014 um 16:04

Ja, und selbst wenn er keine Alternativen hat, kann er sich immer noch fragen WIE stelle ich ihn auf und mit wem zusammen…

Einfach das was man landlaeufig „Einbindung“ nennt.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:18

Kann es sein, dass der teilweise Minimalismus-Fussball der Deutschen wie etwas gegen Frankreich alles nur ein Verläufer für dieses Halbfinale war?? Als ob sich das Team die gesamte Energie für dieses Spiel aufgehoben hatte…man spielte sogar noch bei 5:0 motiviert nach vorne während man gegen Frankreich nach dem 1:0 kaum mehr in die Offensive investiert hatte. Das kann doch nicht nur mit dem wechselnden Gegner sondern auch mit der Verfassung der Mannschaft selbst zu tun haben…

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blub 9. Juli 2014 um 13:29

Wenn man die Dinger so schön aufgelegt bekommt wie gestern hätte das wohl jede Mannschaft so zu Ende gespielt.
Normal profitiert Barsilien von einem so zerfahrenen Spiel. Heute hat die absicherung gefehlt und den Fuß hatten sie im entscheidende moment auch nicht am Gas.
Das hat relativ wenig mit „kräfte gespart“ zu tun. Frankreich hat halt lange alles dafür getan sich nicht überumpeln zu lassen. Die warne viel disziplinierter und besser gestaffelt. und Varane>Luiz, aber das is ja eh klar.

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Koom 9. Juli 2014 um 14:05

Nein.

Deutschland sehe ich insgesamt mit einer sehr konstanten Leistung über das gesamte Turnier hinweg. Man spielt sehr diszipliniert, mit einem deutlich größeren Fokus auf der Defensive, nach vorne sehr kontrolliert, ohne Hauruckaktionen. Das 7:1 war vor allem Brasilien anzulasten, weil sie komplett unvorbereitet in der 1. Hz gegen uns antraten.

Damit will ich die deutsche Leistung definitiv nicht schmälern. Immerhin bietet man ja diese Vorgehensweisen und Strukturen an, idR ist der Gegner nur auf einiges davon besser vorbereitet.

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Gatling 9. Juli 2014 um 14:48

also ich glaube nicht (und was anderes kann man beim Thema „innere Energie“ kaum machen als „glauben“), dass sich die deutschen Spieler diese Buden-Ballerei absichtlich aufgehoben haben.

Ich sehs ebenfalls so, dass FR letztlich die ganzen 90 min gefährlich war und wie z.B. mit Benzema noch hätten den Ausgleich erzielen können. FR hat es Deutschland „nicht erlaubt“ alle 10 Feldspieler weit nach vorne zu stellen und eine Bude nach der anderen machen zu können.

Allerdings halte ich die Situation jetzt für deutlich mehr positiv, da man jetzt ein extrem gutes Momentum hat. Sie haben gegen EX-Weltmeister FR ein 1:0 sehr konzentriert verteidigt und gestern gegen den EX-Weltmeister BRA in der Offensive Budenzauber veranstaltet. Aus meiner Sicht sind diese beiden Matches die optimale Vorbereitung aufs Finale, wo sie dann sowohl defensiv als auch offensiv das beste abrufen müssen.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 18:56

ich denke dennoch, dass andere mannschaften nicht auf ein 5:0 oder ein 6:0 aus gewesen wären sondern nur mehr für das finale kraft gespart hätten und ich finde dass das gestern nicht nur ökonomie sondern auch spaß am tore schießen war und das hat mir gestern imponiert

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Gatling 9. Juli 2014 um 19:20

^^absolut, sehe ich auch so. Und das ist halt ein gutes Vorbereitungspiel, da hat jetzt die halbe Mannschaft die Pille in der Bude untergebracht, das gibt Zielsicherheit und Selbstvertrauen vorm Tor.

Für Schürrle wars sicher tatsächlich sehr wichtig, dass er die Buden zum 6 und 7:0 gemacht hat. Gegen Frankreich hatte er ja zwei Großchancen vergeben, jetzt hat er die Dinger eiskalt rein gemacht. Sehr geil.

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FD 9. Juli 2014 um 13:17

Super, dass ihr den taktischen Irrsinn von David Luiz schonungslos aufdeckt.
Ich konnte das ganze Gejubel der Printmedien („Fels in der Brandung“, „technisch und taktisch super“) um den verrückten Tingeltangel-David wirklich nicht mehr ertragen.
Zum Glück ist er jetzt für schlappe 60 Mille an PSG verkauft und destabilisiert nicht die Abwehr des FCB.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:15

J.Cesar hatte einen unmenschlichen Druck, nachdem er 2010 die Fehler gemacht hatte. Er machte nach dem Achtelfinal-Heldentum bereits im VF beim Elfer einen Fehler und sah gestern bei den ersten 3 Gegentoren nie wirklich gut aus-fast jeder Schuss ein Tor-er tat mir leid…

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lala 9. Juli 2014 um 13:36

Sehe ich nicht so – anders als der Artikel. Sieht man die Torszenen, so war Cesar komplett machtlos.
– man sieht förmlich, wie er die eine Torhälfte durch seinen Verteidiger als geblockt ansieht und dann im verbleibenden Raum zum „eventuellen“ Ball springt.
– in Wirklichkeit hat Cesar ja gegen seine Verteidigung spielen müssen, weil er sich auf keinen verlassen konnte.
– im Fazit waren es immer wieder 2-5 deutsche Spieler vs. Torwart.
– …

Wie soll da ein Torwart „gut aussehen“? Cesar hatte zu keinem Zeitpunkt eine Chance. Ab dem Punkt wo er versuchen mußte auch die Fehler seiner Verteidiger zu antizipieren waren Fehlentscheidungen vorprogrammiert.

Hand aufs Herz – selbst Manuel würde in solchen Situationen alt aussehen (klar deutlich besser, weil er dann noch aggressiver rausgehen und klären würde) dennoch… den Cesar trifft daran am wenigsten die Schuld.

So zumindest meine Sicht.

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JS 9. Juli 2014 um 13:47

Caesar hätte aber die Möglichkeit gehabt auf die Abwehr einzuwirken sich weniger chaotisch zu verhalten und so die Szene gar nicht entstehen lassen. Z.b. sollte er auf den total freien Raum bei der Ecke zum 1:0 hinweisen.

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lala 9. Juli 2014 um 16:01

Und wie? Kroos schießt und sein Verteidiger – der Manndecker von Müller – läßt sich dann erst von Klose blocken. Letztlich war es ja Manndeckung. Wenn überhaupt ist es Scolari, der seinen Cesare sch… lecht da stehen ließ.

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JS 9. Juli 2014 um 16:21

Man kann auch bei einer Manndeckung darauf hinweisen, dass der Halbe Strafraum komplett verwaist ist.

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MR 9. Juli 2014 um 16:46

Naja, beim 3:0 ist er ja dran, da kann man ihn auch halten, beim 2:0 hält er den Ball auch, muss ihn halt einfach nach außen blocken, war ja auch ein sehr schwacher erster Versuch von Klose. Bisher fand ich ihn im Turnier übrigens sehr stark und später konnt er dann kaum noch eingreifen, aber diese beiden Szenen waren mMn reparabel.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 18:59

beim 2.tor kann er den ball auch zu einem mitspieler abwehren, das 3.tor war parierbar und müller hat den ball beim ersten tor mitten auf das tor gebracht-in der 2.halbzeit hat er dann die eigene defensive öfters gerettet-da war der druck eben schon längst weg

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HW 9. Juli 2014 um 14:25

Wenn die ganze Verteidigungsstrategie (wenn man von Strategie sprechen kann) den Bach runter geht, dann kann man die Schuld nicht mehr einzelnen Spielern geben – das ist kollektives Versagen. Klar kann der Torwart oder der Trainer versuchen auf die anderen Spieler einzuwirken. Aber hätte er wirklich Luiz von seines Harakiri-Aktionen abgehalten? Hätte dante mehr Zweikämpfe gewonnen? usw. usw.

Mich wundert, dass diese erfahrenen Spieler (spielten bisher für Chelsea, Bayern, Real Madrid, Mancheter City, Inter usw.) nicht selber gemerkt haben, dass man nach dem 2:0 zumindest bis zur Pause am besten versucht den Bus zu parken, den Strafraum zu vermauern oder wie man das auch immer nennen will.

Anstattdessen rennen die Stammkräfte munter nach vorne. Unbegreiflich. So ein schlechtes taktisches Verständnis sieht man sonst nur irgendwo in einer Jugendmannschaft (oder bei Lucio).

Luiz wechselt jetzt für 5 Müllwagen voll Geld nach Paris. Alle anderen Verteidiger sind Champions League Sieger. Und die bieten eine Leistung wie die Nr. 24 im Kader, die man aufgrund von Verletzungssorgen spielen lassen muss. Keine Verantwortung, keine Hauptdarsteller.
Können die überhaupt etwas dafür, wenn es bisher immer genug war den Nebendarsteller zu geben? (Mal übertrieben ausgedrückt.)

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blub 9. Juli 2014 um 14:44

Brasilien hat aber bisher immer das Spiel zu ihren gunsten verschoben wenn sie es zerfahrener gemacht haben, diese Reaktion war zu erwarten.
Das grade Liuz die Bremse nicht findet wenns den bach runter geht ist halt so.

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HW 9. Juli 2014 um 15:22

Ja, das stimmt. aber die haben dann wohl vergessen sich die deutsche Elf anzuschauen. Und noch viel wichtiger, die haben nicht gemerkt, dass das einfach nicht funktioniert. Es viel ein Tor nach de mnächsten. Da muss doch die Abwehr, allein schon aus Stolz, dem Team sagen: Jetzt machen wir den Laden für die nächsten 10 Minuten dicht und sortieren uns mental o. ä.

Man kann ja auf Fred schimpfen, aber mit schlechten Stürmern kassierst du nicht 7 Gegentore. Stell dich hinten rein und hoffe auf einen Abnutzungskampf in der Abwehr mit ein paar Konterchancen.

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blub 9. Juli 2014 um 16:55

Ja das spiel zerfahrener zu machen bringt nur was wenn der gegner dadurch auch in undornung gerät. das ist nicht passiert und die haben eben die Packung dafür bekommen.

Ich hatte ja einen Moment auch Angst das es funktioniert und am Anfang war es ja fast so das es ein zerfahrenes spiel wird, bis sich die deutschen gefunden haben. Ich kanns anchvollziehen das brasilien diesen rhythmus brechen wollte. hat aber nicht funktioniert.

Also: Neben den ganzen taktischen fehlern(alles hier schon totgeredet) kann ich den strategischen ansatz in dem moment schon verstehen.

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Koom 9. Juli 2014 um 13:02

Was mir gestern noch (untaktisches) auffiel:

Bemerkenswert, wie fair die Partie lief. Ich hätte seitens Brasilien erwartet, dass spätestens nach der Halbzeitpause dort der ein oder andere hohl dreht und dafür sorgt, dass nicht alle Deutschen ins Finale kommen. Stattdessen spielte man konzentriert die dann richtigere Taktik sauber herunter, ohne die Härte und Fouls, die sie sonst zeigten.

Zumindest als Verlierer haben sie sich dann sehr würdig verhalten, war nicht selbstverständlich.

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Fry 9. Juli 2014 um 14:21

hä, naja dann habe ich was ganz anderes gesehen.
In den ersten 10 Minuten gab es zwei Laufduelle zwischen Klose und Luiz und zweimal haut der Luiz dem Klose seinen Ellenbogen ins Gesicht. In der zweiten Halbzeit flogen im und um dem Straufraum auch noch etliche Schwalben.
Dass das nicht weiter eskaliert ist, lag vor allem daran, dass das Spiel schon so früh entschieden war und die Deutschen eben meistens die Situationen spielerisch lösen konnten und somit die Brasilianer kaum die Möglichkeit hatten in die Zweikämpfe zu gehen.
Natürlich kann man den Brasilianer zu gute halten, dass sie bei diesem klaren Ergebnis niemanden aus Frust ins Krankenhaus getreten zu haben. Aber sie hatten eigenltich keinen Grund dafür, da Deutschland eben sehr fair gespielt hat.

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AP 10. Juli 2014 um 11:50

Faire Verlierer versuchen nicht 5 Elfer durch Schwalben in der 2ten Hz. rauszuholen…

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*Er 9. Juli 2014 um 12:43

Hab ein bisserl was zu meckern: Ist euch auch Kloses Schwäche beim Kombinationsspiel aufgefallen und teilweise hat er Laufwege und Verschiebungen bei Ballbesitz gemacht das ich fast angefangen habe zu heulen. Geht/ging leider im Jubel über das Ergebnis ein bisserl unter.

Kroos man des Spiels. Wie er gepresst hat, war schon übermenschlich gut.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 12:54

bevor er ein tor schoss dachte ich mir noch kurz:der ist zu alt

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Tet 9. Juli 2014 um 12:28

Außer dass die Brasilianer der deutschen Mannschaft mit ihrem Spiel entgegenkamen wurde das Match entschieden, weil

– weil die deutschen Spieler beweglicher waren
– weil sie Positionswechsel einbauten, sehr schön an Müller zu sehen, der links und rechts spielte
– weil das Direktspiel nach vorne und nicht in die Breite ging und dadurch Tempo aufkam
– und endlich durch lange Pässe in den frei geschaffenen Raum ergänzt wurden
– weil die Spieler scheinbar erst seit gestern wieder Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewonnen haben, hoffentlich bleibt das so.
Die deutsche Mannschaft spielt immer dann schlecht, wenn keine Bewegung im Spiel ist, sei es weil sich die Spieler nicht bewegen oder weil nur raumvernichtendes Kurzpassspiel gepflegt wird (s. gegen Ghana und Algerien). So fiel das Tor der Brasilianer auch in einer Phase als die deutschen Spieler (verständlicherweise) sich nicht mehr nach hinten bewegten.
Nichts ist schneller als der fliegende Ball. Dazu ist es aber erforderlich, dass die Spieler sich bewegen und Räume schaffen, nur so kamen die hervorragenden Spiele in der Quali gegen Schweden 1. Halbzeit und gestern zustande sowie der Sieg gegen Portugal.

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Erkinho 9. Juli 2014 um 12:28

„Das 7:1″…ja klingt schon iwie pathetisch.

Dieses Ergebnis mag daher etwas verstörend wirken, aber jeder der etwas anderes als einen DFB – Finaleinzug erwartet hat, glaubt wohl auch noch immer an den Weihnachtsmann.

„Die Deutschen spielen kontrolliert und organisiert“..Worte meines 9-jährigen Cousins…herrlich

Da fragt man sich warum Scolari defensivstrategisch sehr sichere Sechser wie Leiva oder Melo nicht einlädt. Gustavo, Paulinho wie Fernandinho wurden v.a. gestern deutlich ihre Grenzen aufgezeigt..zumindest wenn’s um’s defensive Strategiegeschick geht…diese Räume, einfach unbegreifbar..

Khedira, Kroos, MR, Schweinsteiger, Neuer und Müller mal wieder zum Heulen gut.

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blub 9. Juli 2014 um 12:42

Die sechser waren nicht überragend, hatte aber auch keine chance. riesen räume und ein harkiri-luiz gegen überzahl im umschaltmoment vreteidigen ist nicht drin.

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chefkoch 9. Juli 2014 um 12:13

Danke für die Analyse. Sehr gelungen!

Deutschland spielt das beste Spiel seit 2006 und schreibt WM-Geschichte – das Meisterstück. Jetzt muss der Pott her!

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FAB 9. Juli 2014 um 12:46

Welches Spiel von 2006 meinst du?
Das war das beste Spiel das Deutschland jemals gespielt hat und jemals spielen wird!!!
Es geht dabei nicht um die objektive Qualität oder irgendwelche „kleinen“ Fehler. Die Bewertung ist im Zusammenhang zu sehen, beim Rekordweltmeister dieses Ergebnis, da ist keine Steigerung vorstellbar! Genau betrachtet ist es sogar bedeutsamste Spiel der ganzen WM Geschichte. Es hat der Erste gegen Zweiten der ewigen WM Rangliste im Land des Ersten gespielt und dann 7-1. Mehr geht nicht!

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Ron 9. Juli 2014 um 13:05

Die eine halbe Stunde gegen Schweden im Achtelfinale war das Stärkste, was ich von einer deutschen N11 bisher gesehen hatte – das kommt nur bei Weitem nicht an gestern dran.

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Dirk45 9. Juli 2014 um 13:44

„Mehr geht nicht!“ ist wohl der einzige passende Kommentar. Was da gestern passiert ist, wird wohl erst in ein paar Jahren richtig gewürdigt werden. Und viele von uns werden sich in zwanzig, dreißig Jahren noch an jedes Tor erinnern.
Ein Reporter hat schon mal von dem größten Blowout geschrieben, der im Sport je passieren wird. Auch wenn so etwas immer sehr voreilig ist, ist die Einschätzung schon richtig, einfach weil 7:1 im Fußball generell eher die Ausnahme ist.
Übrigens, der Reporter war Amerikaner! Auf einer amerikanischen Sportseite!
http://bleacherreport.com/articles/2123494-epic-germany-brazil-blowout-will-never-be-matched-again-in-any-sport

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Michael 9. Juli 2014 um 17:11

Krieg dich mal wieder ein…mir fallen spontan ein halbes Dutzend bedeutendere Spiele der WM-Geschichte ein und auch diverse Deutsche….so eindrucksvoll das gestern auch war, es war nur das Halbfinale….und wenn D am Sonntag verliert war es letztlich für die Katz…

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FAB 10. Juli 2014 um 10:20

OK, hier meine Liste der 10 bedeutsamsten WM Spiele:

1. 2014 Deutschland – Brasilien 7-1 (Halbfinale)
2. 1970 Italien – Deutschland 4-3 n.V. (Halbfinale)
3. 1986 Frankreich – Brasilien 5-4 n.E. (Viertelfinale)
4. 1954 Deutschland – Ungarn 3-2 (Finale)
5. 1982 Deutschland – Frankreich 8-7 n.E. (Halbfinale)
6. 1966 England – Deutschland 4-2 n.V. (Finale)
7. 1958 Brasilien – Schweden 5-2 (Finale)
8. 1970 Deutschland – England 3-2 (Viertelfinale)
9. 1986 Argentinien – England 2-1 (Viertelfinale)
10. 1990 Kamerun – Argentinien 1-0 (Vorrunde)

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lala 10. Juli 2014 um 10:29

Die Liste ist stark. Die würden viele unterschreiben.

Täusche ich mich, oder ist die Liste wirklich sehr „deutschlandlastig“?

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FAB 10. Juli 2014 um 11:10

Stimmt, die Liste ist sehr deutschlandlastig, habe aber auch mal bei internationalen Bewertungen gestöbert und auch die haben immer sehr viele Deutschland-Spiele in ihren Listen dabei!
Aus internationaler Sicht könnte man vielleicht das Deutschland-Ungarn Spiel herausnehmen.
Teilweise haben die Spiele ja einen Hintergrund 1958 erster großer Auftritt von Pele, 1986 das geniale Solo von Maradona, 1990 das erste bedeutende Spiel einer afrikanischen Mannschaft.
Das qualititv beste Spiel war wohl FRA-BRA von 1986.


CH 9. Juli 2014 um 11:53

Luiz ist schon mit gutem Grund nach Paris gegangen zu seinem „leitenden Angestellten“ Thiago Silva 😀

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Gatling 9. Juli 2014 um 11:45

ich weiß nicht wieso jetzt schon wieder hier in den comments das Thema Özil ausgepackt wird – und eben wieder mal ins bashing geht.

Seine Statistik Werte aus dem 7:1 sind soweit ich es grob im Kopf habe (>90% angek. Pässe, ca. 45% gew. Zweikämpfe) abermals einen deutlichen Schritt besser geworden, aber letztlich geht es darum, dass Özil eben vor allem für Angriffs-Einleitungen im letzten Drittel gut ist. Und genau das hat er auch gut gemacht im Spiel.
Die „Kreativität“ solcher Pässe drückt sich in diesem Sinn ja z.B. auch nirgendwo in der Passquote aus. Für solche Pässe brauch man ihn einfach in der Mannschaft.

Was soll da dann immer mal wieder die Erwähnung von Reus???
Der ist NICHT dabei, wenn er dabei wäre, ja, dann würde er wohl auf LA gesetzt sein und Özil nicht oder auf der 10 in der Startelf sein.
Aber Reus ist eben NICHT dabei.

Wen haben wir denn noch als „Kreativ-Techniker“ im Turnier???

Ja genau – nur Götze. Und der spielte bis auf das eine Tor gegen Ghana in seinen Einsatzzeiten unterirdisch. Den bringt Löw sicher nicht mehr und das wäre auch absoluter Schwachsinn.

Deshalb: Özil ist für mich auch fürs Finale wie die gesamte HF Startelf mit genau der gleichen Berechtigung gesetzt.

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niclas1191 9. Juli 2014 um 12:29

Er spielt halt unspektakulärer als noch 2010. Das setzen viele mit weniger gut/schlechter gleich.

Vllt war is im Endeffekt sogar ein ‚Glücksfall‘ das Reus nicht dabei ist.
Für ihn hätte Löw aller Wahrscheinlichkeit nach Kroos oder Khedira auf der Bank gelassen die beide extrem wichtig sind für unser Spiel…

Naja was wäre gewesen wenn die Frage stellen sie sich in BRA wohl noch ein par Tage länger. Luxusproblem.

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ToRe 9. Juli 2014 um 13:07

Nach meiner Erinnerung kam die Kritik an Özil erst so richtig ab Anfang diesen Jahres auf.
In der ersten Saisonhälfte Aug.-Dez. 2013 lief es für ihn bei Arsenal doch recht gut; die Londoner waren richtig happy. Dann gab es ein paar schlechtere/unglücklichere Spiele/Spielverläufe und eine Verletzung. Seitdem wirkt er nicht mehr ganz so leicht und flockig und unbekümmert.
Ich werde den Gedanken nicht los, dass es mit der fehlenden Weihnachtspause (und den mehr Spielen) in der Premiere Ligue zu tun haben könnte. Als Muslim braucht er Weihnachten natürlich nicht für die Christmette, aber diese zwei Wochen Verschnaufpause zur Saison-Halbzeit sind körperlich und mental sehr wichtig, und aus seinem bisherigen Profileben ist er es auch so gewohnt.
In England wird dann aber an den Weihnachtstagen und um Sylvester herum bei Kälte, Matsch und Nieselregen durchgepowert. (Was ich ziemlich asi finde; Working-Class-Ethos trifft Pemiere Ligue-Kapitalismus). Ab da wirkte Özil etwas „überspielt“.

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tomci 9. Juli 2014 um 14:25

Aber auch vorher schon haben einige immer rumgemeckert, dass er nicht die Tore macht, nur vorbereitet.. er selber hat das glaube ich auch zum Teil verinnerlicht, wenn man so seine Interviews nach manchem früheren N11-Spiel hört. Denke aber, dass er sich davon ein bisschen distanzieren sollte.. Gut, er hat schon ne Menge Zaster gekostet und sein Umfeld will ihn ja nur noch mit Zidane/Ronaldo in einer Liga sehen… Aber er sollte sich da wohl lieber einen Kroos als einen Götze als Vorbild nehmen.. Zu hohe Erwartungen (ans Künstlerische ) und zu wenig taktische Finesse gehen gar nicht!

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punto 9. Juli 2014 um 14:38

Die Such nach einem Sündenbock scheint obligatorisch. Das hat der Özil nicht verdient. Viele gute Pässe und Engagement auf einer ungewohnten Position. Trotzdem ist es eindeutig nicht die WM von Özil.
Beim gestrigen Spiel auch mit licht und Schatten. Die ersten drei Zweikämpfe waren Mist und er kann sich bei seinen Mitspielern bedanken, dass sie folgenlos blieben. Die vergebene Großchance: Schweinsteiger schreit ihn danach 2 Minuten an. Also Anlass zur Kritik gibt es schon, aber man sollte die doch nach einem 7:1 auf Sparflamme kochen. Außerdem Özil ist eine Marke, der Gegner hat Respekt vor dem, ein nicht messbarer Wert, aber auch wichtig. Wenn es zum Beispiel darum geht Maicon hinten zu binden

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Sark 9. Juli 2014 um 15:17

Laut kicker lag Özil in der ersten Halbzeit bei 0% gewonnener Zweikämpfe. In der zweiten Halbzeit konnte er sich dann noch auf 25% steigern.

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Fabian 9. Juli 2014 um 16:41

Kann auch daran liegen, dass Brasilien gar nicht erst in die Zweikämpfe gegen ihn kam, weder defensiv (Özil passt den Ball schnell weiter), noch Offensiv (Spielaufbau von ihm weggelenkt bzw. direkt zum langen Holz gegriffen).
Dafür spielete er 23 erfolgreiche Pässe im Angriffsviertel, mehr als jeder andere auf dem Platz.

Statistiken sind ja schön und gut, aber wenn dann bitte ein komplettes Bild zeichnen und nicht nur selektiv das raussuchen was gerade zur Agenda passt.

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neueradenkovic 9. Juli 2014 um 16:51

Ich fasse es nicht: 25% von VIER Zweikaempfen, das ist jetzt nicht dein Ernst?
Dafuer 6 Ballsicherungen, 1 Assist, 2 Vorlagen, 2 Schuesse, 88% Passquote usw. usf.

Dir ist schon klar wo und warum Oezil auf dem Platz steht?

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Bertha Benz 9. Juli 2014 um 11:42

Danke für diese fantastische Analyse! Insbesondere die Detailanalysen darüber, wie sich die Brasilianer vor den Toren falsch verhalten haben, fand ich für mich sehr lehrreich. Ich interessiere mich sehr für Fußball, habe aber nie gespielt. Daher lese ich mit großem Vergnügen und Gewinn Eure Seite schon gut 1,5 Jahre lang, bisher bis auf einen Kommentar immer stille Mitleserin. Danke für Eure Arbeit! Mein Verständnis von Fussballtaktik wird durch Euch immer besser.

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Spielverderber 9. Juli 2014 um 11:32

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ war 2006 das Motto. Und 8Jahre später sind wir selber Gast und urinieren dem Gastgeber einfach auf den Teppich. Das hat der „Dude“ nicht verdient.

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Fitsche 9. Juli 2014 um 11:46

War das jetzt Ironie?

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HW 9. Juli 2014 um 11:57

Na rate, was ich gestern zum Spiel getrunken habe.

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wombat 9. Juli 2014 um 15:05

einen white russian?
oder eigenurintherapie?

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HW 9. Juli 2014 um 15:27

Ich habe keinen Teppich eingesaut, so viel sei verraten.

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Spielverderber 9. Juli 2014 um 14:09

@HW, auf rethorische Fragen bekommst du keine Antwort 😉

@Fitsche, und alle die den Dude-Film nicht kennen: Ja ich meine den letzten Satz ernst!
2010 gegen bei den Siegen gegen England und Argentinien hatte ich noch Kapazitäten frei für Hohn, Spott und Schadenfreude. Gleichzeitig erträgt man das ja auch, wenn man eine 4:0 Führung verspielt, oder Ballotelli einem eiskalt das Maul stopft.
Aber das gestern war anders. Lag vielleicht daran, dass ich ab der 30.min viel Zeit hatte auch über andere Dinge nachzudenken, weil das Fussballspiel war ja schon vorbei. Der Ballackausfall 2002, die WM 2006 ebenfalls im eigenen Land mit dem großen Traum und dann dem Aus im Halbfinale, ’08 ’10 ’12 auch knapp davor gescheitert – gibt schon genügend Parallelen die zuslassen, sich in die Köpfe der Brasilianer reinzuversetzen. Außerdem geht es nur darum 1Ziel zu erreichen und die Chancen dafür stehen noch immer bei 50%!

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HW 9. Juli 2014 um 15:42

Ich hab gestern über die ganzen Nuller-Jahre nachgedacht.

Der jetzige Entwicklungsstand hat seinen Ursprung ja in den verkorksten Turnieren 2000 und 2004.

Was ist seitdem alles passiert?

– Ribbeck und Co. (inkl. seltsamer Egidius Braun PK)
– Daum’s Kokain-Beichte als nächter Bundestrainer.
– Wir schlagen England in Wembley
– England schlägt uns in München
– Völler gibt die Weizenbier-Ansprache
– Der Überraschungserfolg 2002 mit Klose!
– Die EM 2004 (mit Poldi wenn ich mich recht erinnere)
– Sebastian Deislers Depressionen
– Klinsmann krämpelt den Laden um
– JK fliegt monatlich nach California
– Lehmann vs. Kahn
– Der Zettel gegen Argentinien
– Die WM 2006 (die ich nie richtig einordnen kann: War das nun ein Hype oder was?)
– Die beiden EMs 2008 und 2012
– Der U irgendwas EM Titel (Wo sind eigentlich die Talente unseres Finalgegners aus England?)
– Löw und die Nivea-Connection gegen den DFB
– Löw und die Nivea-Connection gegen Sammer
– Robert Enke
– Ballack fällt für 2010 aus
– Niemand vermisst Ballack 2010
– Das nicht-Tor gegen England (bzw. die beiden KO Spiele gegen ENG und ARG)
– Löw macht angeblich alles falsch
– Löw macht angeblich alles richtig
– Löw macht doch wieder alles falsch

– usw. usw.

– WM 2014

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Grabbe 10. Juli 2014 um 16:14

Warum nur „‚Der‘ U irgendwas EM Titel“?
Von der U21-EM-Elf sind 6 Spieler im aktuellen Kader (Neuer, Hummels, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil), von der U19 immerhin einer (Zieler) und der U17 sogar zwei (Götze, Mustafi).
Bei England standen damals immerhin Walcott & Milner auf dem Platz.

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HW 9. Juli 2014 um 15:46

Dass die Chancen bei 50% stehen ist schlechte Mathematik. Nur weil zwei Team im Finale stehen, ist das keine 50:50 Sache.

Das Problem ist doch, bei den ganzen Variablen, zu beziffern wie die Chancen tatsächlich stehen. Solange man nicht zum Wettbüro läuft ist es aber egal.

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aha 10. Juli 2014 um 13:44

hier viel spaß damit: http://www.worldcup-simulator.de/
bei meiner gewichtung kommt übrigens 52% zu 48% für schland heraus

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Fitsche 9. Juli 2014 um 16:04

Ehrlich gesagt haben sie das in meinen Augen absolut verdient, anders kann ich es nicht sagen, sorry.

1. Das ganze Land war in einem Wahn, der mir ehrlich gesagt zeitweise Angst gemacht hat. Natürlich, auch bei uns gibt’s Fanmeile, Korso, Stammesbemalung und kollektives Gröhlen, so wie überall anders auch… aber die Brasilianer haben iwie noch ne Steigerung hinbekommen.

Und was war jetzt das Motto? Wir wollen den Pokal sonst gibt’s Revolution? Und medial kam zumindest bei mir als subtext an: „seid bloß vernünftige Erdenbürger und schmeißt die Brasilianer bloß nicht zu früh raus… am besten gar nicht… ihr wißt schon, sonst gibt’s Revolution!

Ja was interessiert mich das denn? Was hat das mit Sport zu tun? Wird jetzt die ganze sonstige Fussballwelt in Geiselhaft genommen, weil Brasilien’s Politiker den Laden nicht zusammenhalten können?

und klar, die Mannschaft ist nicht das Land, aber sie identifizieren sich damit, sie personifizieren es. Das wurde ja explizit immer wieder betont und auch in Aktion sichtbar gemacht, z.b. Hymne mitsingen in einer Lautstärke dass der HNO was zu reparieren bekommt.

Diese martialisch-apokalyptische Einstellung war Brasiliens Verhängnis… weil sie die Antithese von Sport war und (glücklicherweise) vom Sport in die Schranken gewiesen wurde.

2. „Die Welt zu Gast bei Freunden“, genau an dieses Motto musste ich mehrfach denken… wenn mal wieder das komplette Stadion eine gegnerische Mannschaft ausgebuht hat. Sorry, aber daran kann ich mich bei keiner WM seit 1998 erinnern.

Wir haben 2006 einfach versucht, ein guter Gastgeber zu sein. Wir haben uns um die bestmögliche Bühne für die auftretenden Mannschaften bemüht, aber dann haben wir den Sport sein Werk tun lassen. Ähnlich habe ich es in 2010 in Südafrika erlebt, stimmungsmäßig eine super WM-

Die Brasilianer haben die Welt eingeladen um sie dann auszupfeifen und zusammenzutreten (zugespitzt, ich weiß). Waaaaa?

3. Der Versuch, Silvas Sperre aufzuheben. Mit welcher Begründung?? Es gab schlicht keine. Und das geilste daran, Silvas entscheidendes foul im Kolumbienspiel war sowas von asozial und klar gelb… da bleibt mir die Spucke weg, wenn man so eine verdiente Sperre einfach so weghaben will weil „nein, es kann ja einfach nicht sein!“

4. Die Klopperei gegen Kolumbien. Brasilien wußte, dass sie fussballerisch unterlegen sind und haben das einzig erfolgversprechende getan, nämlich das Spiel total kaputtgemacht unter voller Ausnutzung eines Schiris, der offensichtlich an Augenkrebs leidet. Nun war Kolumbien nicht reif genug, um angemessen auf diese Spielweise zu reagieren, so wie es die deutsche Mannschaft konnte.

Die Verletzung von Neymar, die viele Brasilianer jetzt sicher gerne zur Relativierung des 7:1 schönreden werden, war insofern eine karmische Bestrafung, obwohl ich den Gedanken ziemlich schlimm finde, denn Neymar hat das nun wirklich nicht verdient, und allein die Erfahrung, zumindest für einen Moment zu denken, dass man vielleicht gelähmt sein könnte, ist eine so schreckliche, dass ich sie niemandem wünsche.

5. Fred’s Schwalbe und das allgemein sehr unfaire Spiel der Brasilianer. Boateng hat da ganz richtig gegen Marcelo agiert: Er hat ihm gleich klar gemacht, dass es richtig Ärger gibt, wenn diese Schinderei so weiter geht. Schon merkwürdig, dass die Brasilianer gegen die erfahrenen und auch physisch starken deutschen Spieler ihre asoziale/überharte Linie nicht gefahren sind (und zwar auch lange vor dem 2:0 schon nicht mehr); da hatten sie einfach die Hosen voll. Aber gegen die „kleineren“ Mannschaften haben sie es versucht und ja auch oft erfolgreich durchgezogen.

6. Offensichtlich wurde mit Dante überhaupt nicht trainiert. Anders ist die katastrophale Abstimmung in der IV nicht erklärbar. Und das lässt vermuten, dass generell mit den Ergänzungsspielern nicht oder wenig trainiert wurde. Insgesamt kommt in dem ganzen (taktischen) Auftreten eine Arroganz zum Vorschein, die mich richtig anwidert. Und für Dante tut es mir leid, dass diese Niederlage wie ein Stigma an ihm haften bleiben wird; in der Selecao und eventuell auch im Clubfussball. Dass hat er nicht verdient und entspricht auch nicht seinen Fähigkeiten.

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Fabian 9. Juli 2014 um 16:35

Wenn auch teilweise etwas stark in der Wortwahl, von mir Zustimmung in allen Punkten. (Vielleicht werden wir zwei ja doch noch Freunde 😉

Allerdings kann man ihnen zu Gute halten, dass es nach der 30sten Minute gestern keine Tätlichkeiten, Blutgrätschen, Bisse oder ähnliches gab. Und dass sich nach der 90sten zumindest die Spieler als „gute Verlierer“ gezeigt haben.

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Fitsche 9. Juli 2014 um 16:56

Ja, viele der Gesten nach dem Spiel waren sehr positiv, von beiden Seiten aus. Aber ist auch irgendwie dann wieder normal: Wie gesagt, das ganze Land + Mannschaft war wie in einem Wahn, wie im Rausch. Dann war’s vorbei und plötzlich ist der Kopf wieder klar (siehe Starsky & Hutch, Ben Stiller liegt auf dem dancefloor nach seinem Koks-Rausch, plötzlich ist die ganze Anspannung und die Energie weg und man kann zumindest halbwegs vernünftig etwas zu ihm sagen)

Und wie gesagt, ich denke der Hauptgrund dafür, dass dass Spiel ziemlich fair ablief, war, dass die deutschen Spieler ihre Gegner gar nicht an sich herangelassen haben bzw eine gewisse Souveränität ausgestrahlt haben. Aber das ist natürlich Kahnsche Fussballpsychologie, von daher…

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Pelle 10. Juli 2014 um 22:59

Verzeihung, aber

mehr Missgunst und Unsachlichkeit habe ich hier bei SV noch nicht gelesen.

Es ist eine Leistung, ein schlechter Verlierer zu sein. Du allerdings bist ein atemberaubend nachtretender Sieger?!

Vor allem die kulturelle und gesellschaftliche Ebene in einem solchen Schnellschuss dermaßen unsachlich und voller Ressentiments zu analysieren – Hut ab. Dabei wolltest Du doch Sport und Politik gerne getrennt voneinander wissen.

Tztztz – ich muss das ja nich verstehen

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User 11. Juli 2014 um 09:02

mmm… ich war beruflich in Brasilien bis zum Achtelfinale. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von Wahn nichts, aber auch gar nichts bemerkt habe. Es gab sehr viel Desinteresse an der WM. Es gab sehr viel Wut auf die Organisation (häufigst gelesenes Graffiti: Fuck FIFA). Und es gab eine ziemliche Anzahl von Menschen, die mir gesagt haben, sie wünschen sich keinen Sieg ihrer Mannschaft, damit nicht alles im Freudentaumel unter den Teppich gekehrt wird. Was die Fernsehbilder von den Fanmeilen vermitteln, ist eine andere Sache. Wenn man vom Publikum im Stadion auf die Bevölkerung Brasilines schließen würde, wären alle Brasilianer weiß, gut aussehend und verkleidet als wär grad ESC und Karneval gleichzeitig.

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Fitsche 11. Juli 2014 um 10:09

Das hast du sicherlich recht… war aber überhaupt nicht mein Punkt.

Mir geht es nicht um die anderen 99,9% der Brasilianer, sondern um die 0,1%, die als Stadionpublikum oder Angehörige der Selecao zu sehen und zu hören sind. Im Fernsehen.

Fitsche 11. Juli 2014 um 09:46

Missgunst = Ausbuhen des Publikums

Unsachlichkeit = Thiago Silva’s 100%ig regelkonforme Sperre weghaben wollen, ohne Grund

Leistung, ein schlechter Verlierer zu sein? Muss ich nicht verstehen…

Ich bin weder Sieger noch Verlierer sonder Zuschauer

Ich weiß nicht, was mein Post mit Nachtreten zu tun hat. Vom ersten Spiel an hat mich die Unsportlichkeit, die die Brasilianer (Publikum+Mannschaft+zwischen-den-Zeilen-Kommunikation) an den Tag gelegt haben, extrem geärgert. Wie ich gesagt habe, jetzt scheint deren kollektiver Wahn komplett verschwunden zu sein, und das ist ja auch gut so. Schade, dass das nicht schon früher passiert ist.

Schnellschuß? Wie gesagt, eher Zusammenfassung und abschließende Bewertung meiner gesamten Wahrnehmung der WM von Tag 1 an.

Ressentiments? Bist du bekloppt? Was ist für dich ein Ressentiment? Ich habe keine Ressentiments, weder gegen Brasilianer noch gegen deren Fussball. Ich hätte mit ihnen und für sie gejubelt, wenn sie sich alle als faire Sportler und mit bisschen Demut präsentiert hätten!

Und jetzt geh aus meinen Gesicht

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User 11. Juli 2014 um 09:58

Wie ein FIFA-Typ meinem Kollegen mit Befriedigung zugeflüstert hat: das war erstmal die letzte WM in einer Demokratie. Also, freu dich auf Russland und Katar, da kannst du dann deine Demut haben.

Fitsche 11. Juli 2014 um 10:41

Geiles Argument, User

Fitsche 11. Juli 2014 um 10:44

Und außerdem…

-als wäre „Demokratie“ per se das geilste ever…
-als wäre Auftreten von Mannschaft und Publikum irgendwie identisch mit dem politischen System des Herkunftslands…

alles Quark

User 11. Juli 2014 um 11:00

„-als wäre Auftreten von Mannschaft und Publikum irgendwie identisch mit dem politischen System des Herkunftslands…“

dass hast du doch suggeriert, nicht ich! Zig-Zag-Argumentation oder was? I’m outta here, freak!

Fitsche 11. Juli 2014 um 11:52

Du begreifst es einfach nicht, ICH REDE NICHT VON DER GANZEN NATION

Aber das scheint für dich zu komplex zu sein

Bei dir geht wohl nur schwarz-weiß Denken

User 11. Juli 2014 um 11:56

„Das ganze Land war in einem Wahn, der mir ehrlich gesagt zeitweise Angst gemacht hat. “
„Und was war jetzt das Motto? Wir wollen den Pokal sonst gibt’s Revolution?“

Fitsche 11. Juli 2014 um 12:07

meine güte, du Erbsenzähler

Das war eine Kombination aus HYPERBEL und TOTUM PRO PARTE

Aber analysier mich ruhig weiter, vielleicht findest du in den nächsten Stunden tatsächlich irgendwas cooles, ich lerne gerne überraschende Dinge über mich

User 11. Juli 2014 um 12:17

Let’s get ready to RRRRRRRRRRUMMMMBLE! Ach ne, lass ma, I’m outta here.


Baltika 9. Juli 2014 um 11:16

Sind Euch auch anfangs die relativ vielen Stockfehler der N11 aufgefallen? Habe da noch Müller, Lahm und ein-zwei weitere Spieler im Kopf. Und meist in Situationen mit hohem Potential für ein schnelles Spiel nach vorn in die offenen Räume. Die sind dann fast alle in die Hose gegangen, weil wieder ein brasilianisches Bein dazwischen war. Hat allerdings max in der ersten Viertel Stunde stattgefunden, danach war es ja quasi ein Selbstläufer…

War aber schon sehr erstaunt, keine Ahnung, wo unsere Jungs da mit ihren Köpfen waren…

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:09

Das war dem sehr aggressiven Angriffspressing der Brasilianer geschuldet, die sofort attakiert haben. Ich glaube nach ner kurzen Gewöhnungsphase haben sie dann verstanden, wie sie das Spiel über die riesigen Löcher auf rechts an den brasilianischen Strafraum tragen können. Der Rest bis zum 5:0 war Geschichte…

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Michael 9. Juli 2014 um 12:16

Ja, Anfangs war da viel Nervosität zu spüren, viele kleine Fehler, ungenaue Pässe, allein Boateng hat drei, vier längere Pässe ins Niemandsland gespielt…
Aber die Brasilianer waren dankenswerter Weise viel zu planlos das auszunutzen und nach dem 2:0 brachen ohnehin alle Dämme…

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sappydharma 9. Juli 2014 um 12:57

mir fielen nur die vielen fouls der deutschen offensivspieler auf

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Gunner 9. Juli 2014 um 12:59

Ist mir auch aufgefallen, vor allem bei Müller habe ich mich gewundert. Über zwei haarsträubende Fehlpässe und ein seltsames destruktives Halten des Balles auf dem rechten Flügel. Denke, auch wenn man es nicht gesehen hatte, aber anfangs hatten einige Spieler sichtlich weiche Beine.

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Danny Decker 9. Juli 2014 um 11:14

Vielen Dank für diese klasse Analyse so kurz nach dem Spiel. Die Grafiken sind super gelungen und zeigen perfekt auf, wie es zu den vielen Toren kommen konnte. Hut ab!

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Gregor 9. Juli 2014 um 11:13

Gute Analyse, die auch klar macht das nicht nur D sooo gut, sondern auch BRA soo schlecht war, damit dieses Ergebnis zustande kommen konnte.

Was mir allgemein zu wenig Anerkennung findet: Nicht nur das dieses Team vor allem in den gruppentaktischen Abläufen von dem extrem starken Bayern-Block profitiert so wie in den vergangenen Jahren Spanien mit seinem Barca-Block; gestern standen auch 6 Stammkräfte aus unserer u21 em mannschaft von 2009 in der startelf! wollen wir hoffen, dass sie das versprechen, dass sie vor 5 jahren gegeben haben, am sonntag dann endlich einlösen.

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rince 9. Juli 2014 um 11:13

Jetzt kann nur noch Messi und der Fußballgott helfen, der vor allem ein frühes Tor wie gegen Frankreich oder Brasilien verhindern sollte.

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Skatbruder 9. Juli 2014 um 11:07

Man muss sich das 1:0 genauer ansehen. BRA schaut nur auf Hummels, das Kopfballungeheuer und Klose den Wolf. Die beiden ziehen auf die Fünfer-Ecke und durch das Getümmel kreuzt Müller Richtung hinterer Pfosten. Klose hält sogar noch den Bewacher von Müller am Arm fest. Alle erwarten einen Eckstoß auf den kurzen Pfosten. ABER DAS WAR anders GEPLANT 🙂
Kroos zielt über alle hinweg dorthin, wo Müller stehen soll. 1:0
PERFEKT !!!

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MorataBVB 9. Juli 2014 um 11:45

Bei ZDF myview sieht man es perfekt, es gibt sogar eine Kameraeinstellung, die nur Müller fokussiert.

Dante ist gegen Hummels eingeteilt (der klammert da wie sonstwas) und Luiz gegen Müller. Müller riecht den Braten und verständigt sich mit Klose (Gegenspieler Fernandinho), der wie beim Basketball unter Mithilfe von Fernandinho einen Block wie beim Basketball stellt. Luiz verliert dadurch den entwischten Müller und der steht frei im Raum. Hinzu kommt, dass sich die Brasilianer voll auf den ersten Pfosten konzentrieren.

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:14

Das war ein absolutes Bilderbuchbeispiel, wie man gegen eine mannorientierte Deckung bei Freistössen Tore erzielt. Toll einstudiert. Vielleicht wär die ganze Standardgeschichte ja schon 2012 ne gute Idee gewesen, aber wahrscheinlich wegen der knappen Vorbereitungszeit damals ging das dann nicht…

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CH 9. Juli 2014 um 11:04

Der Fuchs im Hühnerstall …

… ist noch nichtmal eine passende Beschreibung, weil die N11 das sehr reif, diszipliniert und eben ohne Blutrausch durchgezogen hat. O-M-G !
Hr Löw ist im Begriff sein Denkmal zu vollenden. Das man das noch erleben darf.
Respekt, Anerkennung und Abbitte !

Danke für die unaufgeregte Analyse. Hab‘ mich echt gefragt, was man aus so einem Spiel noch rausdeuten kann.

Özil fand ich übrigens gut. Das er das 8:0 nicht macht, schade für ihn. Da hat auch Cesar mE sehr gut agiert. Die Ablage auf Khedira zeigt, dass er seine Abschlussschwäche kennt, denn der Schuss wäre wohl die einfachere Lösung gewesen.
Ich hoffe für ihn, dass er das Finale entscheidet. Das wäre der perfekte Schlusspunkt.

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Baltika 9. Juli 2014 um 11:18

Ney, das darf gern der Hr Müller machen! 😉 Obwohl die Kanone dem James schon gönne, will ich auch die in unseren Händen sehen.

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C.H. 9. Juli 2014 um 15:19

Na ja, das 1:0 selber machen und noch zwei Müller-Tore auf’m goldenen Tablett mit Sahnehäubschen wäre ein akzeptable Kompromiss.

PS: Warum lande ich eigentlich in der Mod-Schleife ? Hab‘ ich was verpasst ?

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JF11 9. Juli 2014 um 11:01

Sehr überzeugender Auftritt von Khedira. Man könnte glatt meinen, er hätte sich die Anregungen des Podcasts zu Herzen genommen. So Kramer-like er da dynamisch und strukturbrechend durch die Linien gedüst ist.

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Ludger Elmer 9. Juli 2014 um 10:41

Bei all der brasilianischen Schwäche: Es war endlich eine deutsche Elf, die nicht mit drei Sechsern, sondern mit einem 6’er und abwechselnd zwei Zehnern agierte.

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:16

8ern!

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Libano 9. Juli 2014 um 10:41

Dem Sonderlob zu Khedira kann ich nur zustimmen. Ich habe mir gestern manchmal die Augen reiben muessen, um zu glauben was ich da sah. Der kann ja richtig Fussball spielen, wow!

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tomci 9. Juli 2014 um 11:07

Der war von anfang an in der Gruppe irgendwie schon eleganter als früher, hatte dafür aber gefühlt noch mehr Ballverluste.. Dachte nur: Ineffektive Schnörkel, die sich bei ihm einschleichen, aber nein, das war echt eine Klasse besser als der frühere Bulldozer Khedira.. Richtig weltniveau und so =) zugegeben in diese riesengroßen Lücken kann man auch gut reinlaufen.. Vll. ist es einfach eine Kompensation Löws für das reduzierte Flügelspiel der AVer. So eine Art Fellaini/Lampard-Rolle im Barca-Mantel =)

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Fitsche 9. Juli 2014 um 11:09

Ging mir ähnlich. War nach dem Frankreich Spiel extrem enttäuscht von ihm. Dass er jetzt so aufdreht liegt natürlich zum einen am Gegner, das kann es aber nicht alleine erklären… also kann man eigentlich nur folgern, dass Spieler und Trainer eine verdammt präzise getrimmte Belastungssteuerung in diesem Turnier umsetzen; womöglich ist sogar ein Tick Kriegslist dabei bzw wird dankend mit genommen.

Trotzdem ist die entscheidende Erkenntnis für mich, dass Khedira offensichtlich für sein Spiel Raum braucht. Macht in gewisser Weise Sinn wenn man bedenkt, dass er nicht der aller präziseste im Passspiel ist, dafür aber eben diese Dynamik und box-to-box-igkeit eingebaut hat. D.h. also, sobald die Räume groß genug sind sodass die Mitspieler kleinere Ungenauigkeiten in seinem Abspiel durch Anpassung des Laufwegs kompensieren können und gleichzeitig der Gegner nicht mehr abfangen oder pressen kann, überwiegen Khedira’s Qualitäten über seine Defizite und er wird effektiv.

D.h. also, obwohl er jetzt optisch sehr stark aussah sollte der Trainerstab sehr genau abwägen, ob seine Spielweise gegen unseren Finalgegner effektiv sein kann oder eher Gefahr läuft, zu verpuffen.

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:19

Mit Ballkontrolle und 1 gegen 1 und Pressingresistenz und Pässen, als Khediraskeptiker hat mich das auch total umgehauen.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 12:59

als gelernter spielmacher sollte er dies auch, hat sich ja erst mit der zeit nach hinten entwickelt

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 14:12

Wer? Khedira? Wann hat der denn Spielmacher „gelernt“? Was genau ist denn Deiner Meinung nach ein „Spielmacher“? Der Zehner? So wie Özil oder Andreas Möller?

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:03

als stuttgart 2007 meister wurde und er damals auch stammspieler war hat er jedenfalls offensiver agiert als später bei real oder im team-mit dem spielmacher habe ich natürlich übertrieben, sorry, aber er kann eben auch offensiv mein ich-ist halt ein sehr ökonomischer spieltyp

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FAB 9. Juli 2014 um 10:25

Ab den 2,3 Tor konnte ich das Spiel nicht mehr richtig genießen, eigentlich auch nicht mehr richtig hinschauen … Das tat mir wirklich irgendwie leid was da passiert ist.
Was hat Brasilien falsch gemacht? Ich hatte nicht den Eindruck, dass die sich auf ein Fussballspiel vorbereitet haben, keine Ahnung was die brasilianischen Spieler, Trainer und Zuschauer erwartet hatten, aber das hatte alles nichts mehr mit Fussball zu tun! Taktik? Ich weiß gar nicht ob Brasilien je eine hatte … es war ja schon davor taktisch wenig zu sehen und der brasilianische Fussball bestand aus Leidenschaft,etwas Härte,individueller Qualität und etwas Glück … taktisch war da von Anfang an nicht viel und jetzt ist eben alles auseinandergebrochen, irgendwie auch traurig.
Aus meiner Sicht lohnt es sich nicht das Spiel irgendwie zu analysieren, auch wenn natürlich die deutschen Stärken wunderbar hervorgegangen sind. Jetzt heißt es Demut zeigen vor dem was da passiert ist (es war tatsächlich historisch), das Spiel ARG-NED anschauen. Es gäbe nichts peinlicheres als nach diesem Spiel das Finale zu vergeigen. Irgendwie befürchte ich komisches beim Endspiel. Egal ob ARG oder NED, 90 Minuten auf ein Tor und irgendwie 0-0 … naja wir werden sehen.

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niclas1191 9. Juli 2014 um 12:45

Geht mir leider ähnlich :-/

Bei aller Stärke der Mannschaft es war hauptsächlich
einer sehr gut einstudierten Standardsituation,
den individuellen Fehlern der gegnerischen Abwehr
und vor allem der herausragenden Chancenverwertung geschuldet
das das Spiel so lief.

Wären statt der 5 Tore in HZ1 nur 2 gefallen, hat man nach der Pause schön sehen können wie das Spiel wohl gelaufen wäre.
Es spricht für die Entwicklung und den reife Prozess der Mannschaft das sie die Fehler die BRA gemacht hat so ausschlachten konnten, aber wie sieht das aus wenn die gegnerische Mannschaft (fast) keine Fehler macht?

NED-CostaRica war der Beweis das die Niederländer das können.
Bei ARG weiss ichs nicht so genau die erinnern mich ein bischen an das frühere Italien. Schlecht gespielt und irgendwie trotzdem weitergekommen.

Herausspielen von Chancen ist leider einfach nicht Deutschlands Stärke im Moment (aber auch bei den anderen Teams der WM hab ich das Gefühl, dass das so ist)

Es wäre maximal bitter wenn man im Finale schön spielt und am Ende im Elfmeterschiessen verlieren würde.

So genug schwarzgemalt. Holt euch den Pott!

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Gatling 9. Juli 2014 um 12:55

ja, ist sehr richtig, wenn Trainer und Spieler auf die Euphorie-Bremse treten – noch haben sie den Titel nicht.

Ich seh es aber auch so wie Du, wenn Sie am kommenden Sonntag nicht den Titel holen, holen sie ihn in 100 Jahren nicht.

Mit einem besseren Momentum kann man wohl nicht in ein WM-Finale gehen. Gegen Frankreich hat man hochkonzentriert das 1:0 sehr gut verteidigt. Jetzt gegen Brasilien hat man in der Offensive mehr oder weniger eine Trainingssituation unter „Realbedingungen“ bekommen. Sie sind jetzt Titel-fähig und auch der Favorit – egal ob NL oder ARG kommt. Mit dieser Favoriten-Rolle müssen sie umgehen. Das was ich gesehen habe an Körpersprache und Einstellung macht mich optimistisch, dass sie das können und am Sonntag den großen Pokal holen.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:01

aber der druck liegt jetzt bei deutschland, ein halbfinale 7:1 zu gewinnen und dann ein finale verlieren, puuh…

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Gatling 9. Juli 2014 um 14:06

das ist ja das was wir meinen, die N11 ist in der Tat der Favorit für den Finalsieg – völlig egal ob man jetzt differenziert zwischen „leichter“ oder „klarer“ Favorit.

Man kann wohl davon ausgehen, dass heute Abend keine der beiden Mannschaften die andere auch mit 5:0 oder so wegputzt (wenn doch wär das ja mal ein zweites Sensationsergebnis 🙂 ).

Die deutschen Spieler müssen jedenfalls mit dem Favoritenstatus „gut“ umgehen. Man hat jetzt bereits zwei Weltmeister Nationen in der KO-Runde bezwungen, für NL und ARG ist ihr Aufeinandertreffen das erste wirklich „kritische“ KO-Spiel gegen einen Weltmeister bzw. einen mehrfachen Finalisten.

Ich denke zwar nicht, dass sich unser Finalgegner „voll“ hinten rein stellt, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird von Deutschland das Spiel gemacht werden müssen – was sie ja mögen, aus Ballbesitz Angriffe fahren. Und dann müssen sie eben abermals Ihre Abgezocktheit auch unter gegnerischem Pressing zeigen und wieder eiskalt im Strafraum und bei Standards agieren. Das ist wohl am Sonntag die primäre mentale Herausforderung für die Spieler.
Sie gehen nicht als unsicherer Kantonist oder als „Halbfavorit“ da rein, sie sind nun DER Favorit.

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FAB 9. Juli 2014 um 13:09

Ja, die Konzentration und Souveränität der deutschen Spieler ist schon fast beängstigend beeindrucken. Da weiß jeder genau was zu tun ist, lässt sich nie aus der Ruhe bringen. Es ist ja nicht so das Deutschlands Gegner nicht auch mal zu einem Schuss kommen oder das es zu brenzligen Situationen kommt. Aber mit welcher Ruhe geblockt wird, der Ball wieder hinten herausgespielt wird (ich meine es geht um die Weltmeisterschaft, das ist ja kein Benefiz-Auftritt). Ich habe das so noch nie gesehen. Alles andere als ein deutscher Weltmeister ist eigentlich nicht vorstellbar. Ich befürchte halt nur, dass es ein sehr einseitiges Endspiel wird, also das sich NL oder ARG (tippe eigentlich auf Argentinien) wirklich nur hintenreinstellt.

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ToRe 9. Juli 2014 um 13:29

Es wird auf jeden Fall am nächsten Sonntag sehr schwer.
Wenn es gegen NL geht sogar sehr sehr schwer.
Und bei einem Rückfall in die obszöne FIFA-Schiedsrichtermentalität dieser WM mit Laissez-foul und späten Karten wird es sehr sehr sehr schwer.

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ToRe 9. Juli 2014 um 13:40

Ach so, und eigentlich hätten die Niederländer es auch mal verdient seit 40/50 Jahren – wenn sie denn fair spielen.
(Kann man den Titel nicht auch mal an zwei Mannschaften vergeben?)

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Koom 9. Juli 2014 um 13:00

Es ist wirklich das Beste, dieses Spiel zu nehmen und wegzupacken. Aus diesem Spiel kann die N11 keinerlei Schlüsse ziehen (Brasilien hingegen sehr viele), die ihnen im Finale helfen würde. Das war eine Art verkapptes Trainingsspiel gegen eine Fanmannschaft, so unkoordiniert, wie das defensiv bei BRA aussah. Weder ARG noch NED werden sich so „gehen lassen“ und diese Räume und dilettantischen Fehler anbieten. Individuell steht bei beiden auch keine Weltklasse da, aber die wissen das wenigstens und arbeiten sehr konzentriert ihre Aufgaben ab.

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Schimanski 9. Juli 2014 um 14:30

Koom schrieb: Aus diesem Spiel kann die N11 keinerlei Schlüsse ziehen (Brasilien hingegen sehr viele),…

Sehe ich auch so. Der DFB hat zur Jahrtausendwende erkannt, dass man den Straßenfussball in den Vereinsfussball integrieren muss, d.h. viel freies Spiel, Kreativität fördern, viele Ballkontakte, alles mit Ball, Technik, spielnahe Übungsformen in kleinen Gruppen, etc. .

Das alles ergibt mit den typisch deutschen Tugenden (Diziplin, Fleiß und Ordnung) und der Förderung von flachen Mannschafthierachien (Querdenker, Egoisten und Alpha-Tiere aussortieren) eine unschlagbare Symbiose.

Jetzt müssen die Brasilianer ihre Jugendarbeit überdenken. Talente wird dieses Land immer produzieren. Aber sie müssen sich im taktischen Bereich und der mannschaftlichen Geschlossenheit bessern.

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FAB 9. Juli 2014 um 15:20

Sehe ich ähnlich. Die deutsche Mannschaft ist ein Produkt von vielen Jahren Arbeit. So etwas entsteht nicht von heute auf morgen, oder mit irgendwelchen taktischen Kniffen eines cleveren Trainers. Bei Deutschland läuft die Entwicklung seit 2000 mit dem Entstehen der Leistungszentren, geänderten Trainingsabläufe, Trainerausbildung, Aufbau einer Mannschaft seit der U21 EM 2009 usw. Auch die grundsätzliche Philosophie der Bundesligavereine ist sehr positiv für die Entwicklung junger Spieler. Das alles ist so nicht übertragbar auf andere Länder und ist jetzt ein Maßstab.
Brasilien hat mit Gewalt versucht in kurzer Zeit eine Weltmeistermannschaft aus den Boden zu stampfen, so funktioniert das aber nicht.
Die anderen Verbände werden nicht tatenlos zusehen. Sie werden sich etwas einfallen lassen, neue taktische Ideen, Trainingskonzepte, …
Es gab ja bereits einige interessante Ideen bei dieser WM, die müssen eben noch weiter ausgereift werden und ggf. mit besser ausgebildeten Spielern umgesetzt werden.
Ich hoffe nur das der DFB jetzt nicht Guardiola verpflichtet, Toni Kroos ausbürgert und versucht ihr System wieder in Tiki-Taka zurückzuentwickeln, so wie es gerade ein bekannter deutscher Fussballverein macht.

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DramaNui 9. Juli 2014 um 15:58

Off-Topic
„…(Querdenker, Egoisten und Alpha-Tiere aussortieren)…“
Ein interessantes Menschenbild vertrittst Du da. Ein gesunde Gruppe hält genannte Personen auch aus. Finde ich ein etwas beängstigend. Hast Du lieber eine Gruppe von 11 angepaßten Strebern? Dann muß Dir die Mannschaft von 1974 ja komplett gegen den Strich gehen (Breitner, Beckenbauer, Netzer).

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Schimanski 9. Juli 2014 um 22:01

Die 74er Truppe kenne ich nicht, war kurz vor meiner Geburt.

Aber ich kenne die aktuelle Jugendausbildung. Da wird viel Wert auf Gleichberechtigung und Mannschaftsharmonie gelegt. Sonderrollen werden nicht akzeptiert.

Zudem propagiert und fordert der DFB bis in die mittleren Alterklassen Postionsrotation. Das fördert nicht nur das Spielverständnis und die Flexibilität, sondern auch den Mannschaftgeist.

Da jeder Spieler jede Position spielt, steigt die Wertschätzung untereinander, weil die Spieler Erwartungen, Möglichkeiten, Verhalten, Schwierigkeiten und Vorteile der jeweiligen Positionen am eigenen Leib erfahren haben. Das fördert auch das Zusammenspiel (siehe gestrige Tore 2 bis 6).

Im modernen Mannschaftssport haben Spieler mit Sonderrollen und -wünschen keinen Platz mehr. Wer das nicht akzeptiert, sollte besser Tennis oder so spielen.

Keine Ahnung wieso dieses Menschenbild für dich beängstigend ist…

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Lenn 9. Juli 2014 um 22:57

Ich weiß ja nicht wie es im Jugendfußball aussieht, aber im Kinderfußball ist das vom DFB geforderte und von der Mehrheit der Proficlubs gespielte so gegensätzlich wie Tag und Nacht, da wird von sooo vielen BuLi-Vereinen aus Erfolgsgründen „Manndeckung/Hau-den-Ball“ gespielt, das ist nicht anzuschauen. Da ist also auch in Deutschland noch viel Luft nach oben.

Schimanski 9. Juli 2014 um 23:58

Luft nach oben ist auf jeden Fall. Aber wer von den Kindern aus den den jungen Teams der NLZ kommt den „oben“ an? Die meisten der heutigen Bundesligaspieler sind erst in die D- oder C-Jugend gewechselt.

Übrigens gibt es bei You-Tube viele Videos von der U9 von Mainz 05. Das ist der jüngste Jahrgang in den NLZ. Da kann man sich gut ein Bild über den Ausbildungsstand machen. Die Mainzer gehören übrigens zu den stärksten Teams in diesem Jahrgang.

Lenn 10. Juli 2014 um 00:10

@Schimanski
Mainz ist super, die hauen auch bei den 2004ern deutschlandweit alle weg. Auch der VfB ist klasse, da wird seit letzter Saison sehr sehr gut gearbeitet.
Das Ding ist ja eben, dass aktuell viele erst so spät auf dieses Niveau kommen – natürlich kann man nicht alle behalten, aber potenziell könnte man bei gutem Scouting im Kinderfußball die Quote der länger auf höchstem Niveau ausgebildet werdenden deutlich erhöhen. Ein tolles Beispiel hier ist auch Barca, bei gefühlt mehr als jedem zweiten Spieler, der in die zweite Mannschaft (und damit mein Sichtfeld) kommt, heißt es: Im Verein, seit er 8/9/10 Jahre alt ist.
Ziel sollte es mMn. sein, dies in Deutschland auch anzustreben.

Soulcollector 9. Juli 2014 um 22:19

Zu behaupten diese Spieler wären alle Egoisten trifft es aber auch nicht ganz. Da gab es natürlich auch einen starken Teamgeist innerhalb der Mansnchaft und ich glaube nicht, dass da jeder auf dem Platz gemacht hat was er wollte. Da gab es auch klar verteilte Aufträge auf dem Platz und mannschaftliches Zusammenspiel.

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nougat 9. Juli 2014 um 10:23

vielen dank für diese sehr ausführliche und auch für taktisch ungeübte zuschauer sehr anschauliche analyse, liebe spielverlagerer !

ich weiß nicht, wie ihr die einzelnen torentscheidenen szenen ad hoc so schnell zusammentackert, aber das was ihr aus in der kürze der zeit so geballt auf den punkt bringt, ist einmalig und unglaublich beieindruckend und vor allem für leser klar nachvollziehbar.

man kann nun nicht sagen, dass die tore GERs nun purer zufall waren – dahinter stand ein plan, der völlig trocken abgearbeitet wurde, wo ein rad in das andere griff, wo jeder auf dem platz wusste, was er zu tun hatte, wenn genügend raum angeboten wird.

ich denke, die brasilianer dürften letztendlich froh sein, dass der ganze spuk vorbei ist, und es wirklich ein jammer, dass deutschland nicht gegen ein komplettes team gespielt hat. was sich scolari da hat einfallen lassen ist einfach unverantwortlich ! er hat die jungs in ein offenes messer reinrennen lassen und dann einfach nur zugesehen. sagen wir wie es war: es gab nur neymar und silva, aber nichts was diesem simplen plan überhaupt eine berechtigung geben konnte, wenn einer der beiden ausfallen sollte.

einen kritikpunkt habe ich allerdings betreffend der analyse:
lasst bitte verbal diesen ganz hurra-zirkus einfach weg. die freude mag zwar groß sein, wenn man sieht und beschreiben kann, wie ein gegner taktisch komplett auseinandergenommen wird, allerdings geht euch dann die neutralität ab.

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RM 9. Juli 2014 um 10:39

Muss man als deutscher Blog mit 7 deutschen von insgesamt 9 Fix-Autoren (TW, TR, TE, MR, CE, PP, MB) bei einem 7:1 Deutschlands in Brasilien wirklich noch neutral bleiben? Ich als Nicht-Deutscher habe da absolut kein Problem, solange es die Richtigkeit der Analyse nicht beeinflusst. Und die Beeinflussung davon hat ja nichts mit der Neutralität im Schreibstil zu tun, sondern mit der geistigen Parteilichkeit, die sich eben nicht verändern lässt.

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Koom 9. Juli 2014 um 11:06

Artikel war absolut prima, auch und gerade die Späßchen. Das Spiel komplett nüchtern-sachlich runterzuanalysieren ohne zumindest hin und wieder mal einen rhetorischen Facepalm einzubauen, halte ich für unmöglich und würde auch nicht die ganze Absurdität dieses Spiels einfangen.

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Thomas 9. Juli 2014 um 11:51

Zum Thema Facepalm die brasilianische Aufstellung:

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JS 9. Juli 2014 um 10:49

Ja. Und es ist nicht zu unwesentlichen Teilen Verdienst von Spielverlagerung, dass die Deutschen Medien den Sieg auch der Taktik zu sprechen und nicht darin, dass Deutschland den „Sieg mehr gewollt“ hat.

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Schimanski 9. Juli 2014 um 11:01

Das Spiel war ein perfektes Beispiel, dass es nicht immer ausreicht, die Hymne laut zu singen und zu „wollen“. Im Gegenteil sind die Brasilianer trotz guter Einzelspieler genau daran gescheitert.

Nach dem 2:0 spielten sie „überemotional“, taktisch hanbüchend und wollten zu viel. Die Deutschen nutzten diese Phase hingegen eiskalt-kontrolliert-dizipliniert. Ein Genuß für jeden Taktik-Nerd!

P.S. Danke an MR für die Analyse. Die kleinen emotionalen Ausbrüche und Späßchen fand ich durchaus passend und unterhaltend. Sie haben dem sachlichen Aspekt nicht geschadet und finden sich in den Podcasts ja auch immer wieder.

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wombat 9. Juli 2014 um 11:36

also ganz ehrlich, alles, was absolut politisch korrekt ist, auch in derr sportberichterstattung, ist ja sowas von fad. buchhalterisch, mit betonung auf dem e.

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funambule 9. Juli 2014 um 11:49

menschliches, allzu menschliches…

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AM 9. Juli 2014 um 10:22

Schöner Artikel. Sehr rund.

Ich wollte fragen, ob jemand aus sein Sicht vielleicht kurz das erste Tor näher erläutern könntest. Also die Fragen beantworten, was genau Deutschland vor hatte, inwieweit das fruchtbar war, an welcher Stelle Brasilien gut und an welcher Stelle schlecht verteidigt hat etc.

Vielen Dank!

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lala 9. Juli 2014 um 10:54

Das erste Tor: Standard, Ecke

– Brasilien positioniert sich zur Ecke in einer simplen Manndeckung
– GER wusste das augenscheinlich und hatte einen Plan gegen Manndeckung bei Standards
– Klose erkannte Müllers Manndecker
– Klose blockte beim Anschuss aus der Ecke den Manndecker von Müller
– Müller konnte sich vom Manndecker lösen
– kein Brasilianer sah den freien Raum
– Kroos Ecke hatte genau auf den freien Raum für Müller gezielt
– Müller schoss ungedeckt mit viel Platz volley das Runde in das Eckige

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Ron 9. Juli 2014 um 11:19

Angeblich wurden Standards auf Betreiben Hansi Flicks und des Mannschaftsrats einstudiert. Ich sage dazu nur: Danke! 🙂

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PaoloPasano 9. Juli 2014 um 11:09

Einstudierte Laufwege bei der Ecke von D.
Müller stiehlt sich in den Rückraum und Klose (?) blockt seinen Manndecker, so dass Müller alleine einschieben kann.

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Schimanski 9. Juli 2014 um 11:16

Zudem laufen die kopfballstarken Höwedes und Hummels auf den kurzen Pfosten ziehen ihre Gegenspieler mit und öffnen den Raum für Müller.

Gut einstudiert, aber auch dank der Präzision von Kroos so erfolgreich. Sowas kann man man nur einmal probieren. Beim zweiten Versuch wären die Brasilianer gewarnt gewesen und hätten vielleicht auf eine kombinierte Raum-/Manndeckung umgestellt.

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MorataBVB 9. Juli 2014 um 11:48

Bei ZDF myview sieht man es perfekt, es gibt sogar eine Kameraeinstellung, die nur Müller fokussiert.

Dante ist gegen Hummels eingeteilt (der klammert da wie sonstwas) und Luiz gegen Müller. Müller riecht den Braten und verständigt sich mit Klose (Gegenspieler Fernandinho), der wie beim Basketball unter Mithilfe von Fernandinho einen Block wie beim Basketball stellt. Luiz verliert dadurch den entwischten Müller und der steht frei im Raum. Hinzu kommt, dass sich die Brasilianer voll auf den ersten Pfosten konzentrieren.

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blub 9. Juli 2014 um 12:09

niemand stellt spontan auf eine gemischte raumdeckung um. das braucht unendlich trainingszeit.

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:27

Bei 4 Wochen Vorbereitungszeit und Confedcup noch ein Jahr voher vor der WM schon möglich, Deutschland spielt ja schon das ganze Tunier ne gemischte Raumdeckung bei Standards. Ich glaube das ist vielleicht so ein bisschen Nostalgik von Scolari geschuldet?

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Schimanski 9. Juli 2014 um 14:22

Kann sein, kann ich nicht beurteilen. Zweimal wären sie auf diesen Trick aber nicht reingefallen. Eine spontane Anpassung hätte ich ihnen schon zugetraut (in welcher Form auch immer).

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Fabian 9. Juli 2014 um 14:11

Ich finde dank der überragenden Freischaufelung von Müller war da nichteinmal mehr große Präzision von Kroos nötig. Der Ball hätte auch einen Meter höher (Kopfball) oder weiter vorne ankommen können, da wäre Müller genauso problemlos zum Abschluß gekommen. Einfach ein Paradebeispiel dafür, wie man eine Manndeckung bei der Ecke zerlegen kann.
Was mich gewundert hat war, dass Brasilien selber schon zwei äußerst ähnliche Tore nach Ecken erzielt hat. Alle rennen zum kurzen Pfosten, am langen schiebt einer ein. Wie kann man denn so billig auf seinen eigenen Trick reinfallen bitte?

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 10:20

off topic: Boah, Anti-Spam jetzt bei „kleines Einmal-Eins der Acht“…

On Topic:

Ich sehe auch, dass Scolari Löw einen Riesengefallen getan hat, indem er versucht hat, mit weniger geeignetem Personal genau die gleiche Chose zu versuchen, wie ALLE Spiele davor. Die äußerst geringen taktischen Anpassungen haben den Löw’schen Mannen absolut in die Karten gespielt.

Jede Überraschung Scolaris hätte Löw mehr Probleme bereitet – nichts mag der Mann weniger als Überraschungen. So konnte er quasi den Matchplan aus der Schublade ziehen, und Löw kann WIRKLICH schöne Matchpläne malen – wenn sie denn aufgehen.

Ausgerechnet David Luiz zum Kapitän zuzulassen, war nebenbei ein Faux-Pas der Extraklasse. Bei aller Qualität, die der manchmal hat – wenn man IHN bei einem Rückstand zum kontrollierenden Element macht, dann hat man ein Problem. Wie Ihr schön beschrieben habt, ist Luiz in den verschiedensten Situationen völlig vogelfrei über das Feld gestapft und hat mit seiner Panik ab dem Zwei-Null alle anderen ebenfalls komplett wuschig gemacht. Vor allem, wenn man das Eins-Null sauber verursacht, bei den meisten anderen Toren nicht gut ausgesehen hat, dann kannst Du als Kapitän schlecht die anderen sortieren, neu erden und sagen „Kommt, jetzt mal Ruhe, wir retten uns in die Pause“. Dass der Plan (wenn da einer erkennbar war) nicht aufgeht, war spätestens nach dem 3-0 klar, da müsste man sogar unabhängig vom Trainer mal sagen: Fuß vom Gas, wir rennen ins Verderben!

Stattdessen liefert man den Deutschen ein ums andere mal Situationen, die die gar nicht ausschlagen KÖNNEN. Löw hätte haufenweise Einwechslungen vornehmen können, die alle den Brasilianern gezeigt hätten: Hier (und mit hier meine ich auch das Niveau) habt Ihr nüscht verloren. Draxler, Ginter, Weidenfeller… da war noch einiges drin. Ich bin aber froh, dass es nicht so gekommen ist, und dass die erste Elf mit Ruhe und ohne Arroganz das Ganze zu Ende gebracht hat. Nach dem 5-0 in einer Halbzeit (genauer: Nach 30 Minuten?!) dachte ich schon, das ertrage ich nicht, diese Heimmannschaft so filetiert zu sehen.

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Justus Jonas 9. Juli 2014 um 11:56

„Jede Überraschung Scolaris hätte Löw mehr Probleme bereitet – nichts mag der Mann weniger als Überraschungen. So konnte er quasi den Matchplan aus der Schublade ziehen, und Löw kann WIRKLICH schöne Matchpläne malen – wenn sie denn aufgehen.“

Spricht dafür, dass man sich dringend Argentinien als Finalgegner wünschen sollte, oder? Ich hab ein bisschen Schiss vor Louis van Gaal …

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 14:04

Geht mir auch so 🙂 Louis van Gaal hatte schon echt schräge Ideen („Holland spielt doch IMMER 4-3-3… oder nicht?!“), und meiner Wahrnehmung nach ist das echt ein Turnier der Trainer.

Andererseits hatte Holland auch echt Probleme mit Costa Rica, und ich kann mir schon vorstellen, dass es auch hier schon Ideen gibt. Vielleicht ist ja die Überraschung, dass van Gaals Plan schon erfolgreich antizipiert wurde 😉

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lala 9. Juli 2014 um 17:14

„Ich hab ein bisschen Schiss vor Louis van Gaal …“

+1

Andererseits hat Löw genug Bayern im Kader, die ihm genau sagen, wie LvG tickt. Heißt: am Ende des Tages kann Löw den LvG wahrscheinlich besser kontern als Alejandro Sabella.

Den schätze ich eher als brandgefährlich ein, weil er Erfahrung, Ideen und echte Kanonen im Kader hat.

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fluxkompensator 9. Juli 2014 um 10:10

ich habe nach dem spiel einige (deutsche) spieler-strimmen gehört auf zdf: grundtenor in etwa: „wir haben gut analysiert, wir wussten um die räume, die wir vorfinden würden“ – da frage ich mich doch, was scolari und perreira die ganze wm über gemacht haben? selten eine strategisch wie taktisch dermaßen schlechte mannschaft gesehen (wir sprechen immerhin über ein wm-halbfinale, nicht über ein dfb-pokal-spiel in der ersten runde). natürlich darf über die spielerauswahl (da wird ernsthaft über fred diskutiert, während über die strategische armut im dm kein wort verloren wird) diskutiert werden, über die ausfälle meinetwegen auch noch, über das verrückt-clownhafte spiel von david luiz (herrliche beschreibungen im artikel!), aber angesichts dieses spiels von einem brasilianischen“ matchplan“ zu sprechen, ist purer hohn!

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HW 9. Juli 2014 um 10:41

Brasilien trat auf wie ein zusammengewürfelter Haufen Straß- oder Strandfußballer. Im Kollektiv ohne Taktik und individuell kein Spielverständnis für diese Leistungsstufe.
In welchem Team sieht man den LIV und den LAV gleichzeitig in der gegnerischen Hälfte? Regelmäßig!

Luiz dachte fast nie an seine Basis aufgaben, sondern agierte fast wie ein Box-to-Box Spieler in manchen Szenen.

Ich weiß nicht ob ein Trainer wie Scolari, den ich immer als konservativ in Erinnerung habe, so ein Verhalten von seinen Spielern verlangt. Ich denke, das Gehirn war abgeschaltet und die Instinkte vom Bolzplatz haben den Ton angegeben.

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MorataBVB 9. Juli 2014 um 13:31

@fluxkompensator: Das ist mir auch aufgefallen. Selbst Rethy hat ja bemerkt, dass die deutschen Spieler vor dem Anpfiff extrem zuversichtlich aussahen. Spätestens mit Bekanntgabe der Aufstellung dürfte die Freude groß gewesen sein. Da war klar, dass Brasilien genau so anarchisch-athletisch auftreten wird wie zuvor, wobei da ja schon jedes Spiel außer dem gegen Kamerun ein Vabanquespiel war. Man wird Räume bekommen, zahlreiche Umschaltaktionen und auch Abschlüsse, wenn man die halbwegs gescheit ausspielt. Die Abwehr wird ohne TS das risikoreiche Spiel nicht gut absichern können. Und genau so kam es.

Habe mir die ersten 30 Minuten noch einmal angeguckt. Schon vor dem Tor war klar, dass es so für Brasilien nicht weitergehen kann. Nur einige Ungenauigkeiten im deutschen Spiel wie z.B. der Stockfehler von Müller haben da bereits Großchancen verhindert. Die Ausrichtung war geradezu maßgeschneidert für das deutsche Mittelfeld. Schweini konnte strukturieren und von hinten raus ordnen, Khedira hatte genug Raum, um seine Dynamik auszuspielen und sein etwas ungenaues Passspiel auf engstem Raum kam gar nicht zur Geltung, Kroos presste überragend und konnte seine Verlagerungen und sein Kurzpassspiel aufziehen.
Wirklich schockierend war die fehlende Struktur bei den Brasilianern. Vielleicht macht sich jemand mal die Mühe und schneidet ein Video mit den Harakiri-Aktionen von David Luiz zusammen, das ist selbst mir als Laie aufgefallen, dass man sich als IV nicht so verhalten kann. Scolari hat es versäumt, ein klares Konzept zu entwickeln, vielleicht ist da auch der recht souveräne Gewinn beim Confed-Cup schuld. Dass man überragenden Einzelkönnern in der Offensive individuelle Freiräume lässt, finde ich weniger verwerflich, aber in Abwehr und Mittelfeld? Scolari hat das diesmal irgendwie nicht organisiert und balanciert gekriegt (entgegen der Prognose in der SV-Vorschau), der ungeheure Druck spielt da sicher auch eine Rolle. Wenn man im Spiegel liest, dass Thiago Silva gegen Chile sich noch nach Cesar als 11. Schütze hat aufschreiben lassen, dann kann man sich die Dimension noch einmal vorstellen.

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Gvuardia 9. Juli 2014 um 13:47

Es hat eben seine Gründe, dass es Mourinhos erste Maßnahme bei Chelsea war, Luiz aus der Innenverteidigung zu verbannen. Es gab hier auch mal ein Adventskalendertürchen über den Lockenkopf, wo all diese Probleme angesprochen wurden. Das erstaunliche ist nur, dass Silva es geschafft hat, all diese Ausflüge auszubalancieren und aufzufangen, dass unterstreicht nur noch einmal seine unglaubliche Klasse.
Ich bin sehr gespannt auf Paris nächstes Jahr, wie das auf dem doch noch höheren Niveau des europäischen Vereinsfußballs funktioniert.

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Daniel_D 9. Juli 2014 um 14:13

Man muss Scolari schon eine deutliche Mitschuld geben. Nicht nur Luis Spiel, vor allem die völlig unpassenden Mannorientierungen waren doch klar sein Verdienst.

Warum sollte sich Bernard denn sonst an Höwedes orientieren, wenn weiter vorne Tore geschossen werden. Zu Mal Bernard auch offensiv überhaupt keinen Vorteil gehabt hätte. Er könnte gar kein Tempo aufnahmen, sondern würde sofort von Höwedes geblockt werden. Erst als er sich nach dem 4:0 von seinem Gegenspieler gelöst hat, bekommt er auf einmal Räume und kann etwas zum Spiel beisteuern.

Das einzige was mir schlüssig erscheint, so absurd es klingen mag, dass Scolari überhaupt nicht die Stärken und Schwächen des Gegners im Blick hat und einfach immer gleich aufstellt. Gegen offensive AV funktioniert das super. Da können die eigenen Flügelspieler mit eingebunden werden, es wird automatisch Kompaktheit hergestellt etc. Wenn die Spieler einfach hinten bleiben bringt das überhaupt nichts.
Ich meine ehrlich: Was hat der Mann von Höwedes gesehen, dass man sich so an ihm orientieren solle? Das 2:1 im Rückspiel gegen Inter vor 5 Jahren?

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HW 9. Juli 2014 um 16:54

„Das einzige was mir schlüssig erscheint, so absurd es klingen mag, dass Scolari überhaupt nicht die Stärken und Schwächen des Gegners im Blick hat …“

Sieht so aus.
Und er hat dann wohl auch noch die Schwächen seiner Mannschaft aus den Augen verloren.

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lala 9. Juli 2014 um 17:09

Das Einzige, was mir schlüssig ist:

Die Brasilianer haben ihre Mannschaft vorher so gehypt, dass die sich für unbesiegbar hielten.

Also quasi wie:

Anpfiff und Brasilien? „Ich schieße das erste Tor für Brasilien!“ – „NEIN! Ich!“ – „Ich werde Erster sein!!!“ … und alle stürmen munter los.

Das 0:1 war ein Standard, so quasi wie: kann mal passieren. Und da passierte das Unfassbare… der „Brasilianer“ im Team wollte es GER jetzt so richtig zeigen (weil man ist ja Brasilianer und es ist jedem Brasilianer klar, dass BRA das gewinnen wird) und man stürmt noch vehementer nach vorne.

Meine Eindruck: erst beim 0:3 hatten es die Brasilianer geschnallt, wie falsch sie lagen. Und ab da waren sie sichtlich betäubt und fingen in der Phase dann 0:4 und 0:5 ein. Und ab da waren sie dann auch mental zerbrochen.

2. HZ war dann mehr ein Strohfeuer.

In der Sichtweise waren Trainerstab und Team vorher nicht in der Lage mit dem öffentlichen Druck umzugehen (bzw. den auszublenden) und die Brasilianer als Nation erhöhten den Druck noch, indem man alle Probleme auf das Team projizierte – als Problemlöser der aktuellen Sorgen in Brasilien.

Anders kann man m.E. nicht erklären, warum erfahrene Profis im Brasilien-Team ALLES, aber auch ALLES vergessen haben, was sie wissen und gelernt haben.

In der Heimmannschaft, also der Verein in dem die Brasilianer in der Saison spielen in Spanien, Deutschland, England,… (schrieb oben jemand so schön) wäre einer aufgestanden (eher alle) und hätten auf Ansage die Bude hinten dicht gemacht, um in die HZ-Pause mit einem 0:2 zu kommen. Einfach um sich neu zu sortieren und reagieren zu können.

Weder Trainer noch Mannschaft kamen auf die Idee – die liefen nur noch wilder an.

Unfassbar.

Das Spiel haben die Brasilianer als Mannschaft, Team und Nation mental verloren – bevor es begann.

Und keiner hats vorher gesehen…

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Fitsche 9. Juli 2014 um 10:04

Ach, und mal so ganz allgemein: Ich war gestern extrem befriedigt, dass unsere Mannschaft zeigen konnte, dass es eben nicht reicht, zu beten, zu heulen und sich von einer unsportlich pfeifenden Menschenmasse und einer völlig hysterischen Medienkampagne aufpeitschen zu lassen.

Nicht zu einem WM-Titel. Nicht mehr in 2014.

Und für alle SVer sollte es eine Genugtuung sein, dass das entscheidende Element gestern die völlig desolate bis nicht vorhandene Taktik der Brasilianer war 😉

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DatEnno 9. Juli 2014 um 10:20

Volle Zustimmung! Auch das Thema „Hymne singen“ sollte damit endlich vom Tisch sein. So kraftvoll und pathetisch, wie die Brasilianer gesungen haben, hätten sie laut Stammtisch-Meinung eigentlich 7:1 gewinnen müssen. 😉

Dann will ich noch kurz etwas zu Özil sagen: In den ersten Minuten gleich die Zweikämpfe hoffnungslos verloren … ABER wie er beim Stand von 7:0 noch den Sprint über nahezu den gesamten Platz angezogen hat, eingrahmt in einen großartigen Laufweg … das hatte was. Natürlich sehr schade (und auch aktuell irgendwie für ihn bezeichnend), dass er dann das Tor nicht macht und zudem so lange rumschmollt, bis ihn Schweinsteiger mal kurz ins Achtung stellen muss.

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 10:55

Stell Dir mal vor, wie hoch die gewonnen hätten, wenn die drei, vier Deutschen da noch krakelend noch die Hymne geschmettert hätten! 😉

Ich hab noch nicht reingeschaut, aber bei spox fordern wohl schon wieder viele den Kopp von Löw, er „hätte ja jetzt erst begriffen“, wie man mit der deutschen Nationalmannschaft spielt.

Und ich noch so: „Whuääaha?“

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rudi 9. Juli 2014 um 11:18

sehe ich kritischer. wenn man noch ncihtmal ein tor in einem spiel macht in dem jeder mal treffen darf / kann, wann denn dann?

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tomci 9. Juli 2014 um 11:26

Aber man hat zumindest schon in schwereren Spielen gesehen, dass Özils pressingresistenz und Ideenreichtum im 433 ganz ordentlich mit zur Dominanz beitragen können, im Gegensatz zu Götze, der eigtl. ähnliches zeigen sollte. Schürrle ist ein völlig anderer Spielertyp, der das System dann auch, v.a. wenn zugleich Khedira auf dem Platz steht ganz schön umkrempelt. Ich würde höchstens mal Draxler eine Chance früher zu starten geben.. Ballsicher Und dynamisch und schien ganz relaxed zu sein vs Brasil (naja ich weiß was Wunder!)

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:38

Also ich weiss nicht was diese ganze populistische özilkritik soll. Der Mann wird auf links(!) in einer Mannschaft mit Rechtsfokus auf der ballfernen Seite aufgestellt. Zur Belohnung stellt man ihm noch nen rechtsfüssigen Innenverteidiger auf die Aussenverteidigerposition hinter ihn und erwartet dann Wunder (die öffentlichkeit zumindest). Gerade im Algerienspiel hat er sich wirklich zerissen, Frankreich war unglücklich, klar, dann aber wieder gut gegen Brasilien. Mann muss immer alles in Realtion sehen, klar pràgt er das Spiel nicht so wie als 10er im 4-5-1 von 2010 und 2012, gut, dass er trotzdem bei den heissen Spielen kämpft und nicht lamientiert.

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Thomas 9. Juli 2014 um 11:41

Im Finale. Beim Stand von 1:1. In der 90+3. Minute.

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Schimanski 9. Juli 2014 um 10:29

Ja, hab schon vor ein paar Tagen geschrieben, dass der WM-Titel für Brasilien ein Schlag ins Gesicht dieser Seite sein würde.

Ich habe sie auch offensiv immer relativ improvosiert und spontan erlebt, wobei mein taktischer Blick nicht so scharf wie das der SV-ler ist.

Trotzdem habe ich mich gewundert, dass RM Argentinien aufgrund der fehleneden gruppentaktischen Abläufe fast schon zerreist und Brasilien vergleichsweise mit Samthandschuhen angepackt wurde.

Auch wenn ich mich wiederhole: Mich freut die taktische Variabilität der Deutschen in Bezug auf den Spielrhythmus. Gestern wurden wieder vereinzelte lange Bälle gespielt. Das hat gegen Algerien leider gefehlt und hätte das Spiel womöglich schon in den 90 Minuten entschieden.

Standards, Pressing und Leiten auch auf sehr geilem Niveau und von Spiel zu Spiel stärker.

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blub 9. Juli 2014 um 12:05

Bei Brasilien hat ja jeder gesehen das es scheiße war. Bei Argentinien waren ja eineige der Meinung das das eine überragende Vorstellung war *hust*

Algerien hat unglaublich diszipliniert gestanden. Da waren keine langen Bälle drin.

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Schimanski 9. Juli 2014 um 13:57

Nein, mir ging es nicht darum, die Fünferkette der Algerier mit langen Bällen zu bespielen, sondern einfach nur darum den Druck von der eigenen Abwehr zu nehmen und den fahrigen Spielrhythmus zu brechen.

Es gab da ja ein Phase in Halbzeit 1 wo die Mannschaft sehr wankelmutig war und alles andere als kontrolliert agierte. Da kann man den Ball einfach mal lang schlagen und dem Gegner nur überlassen. So nach dem Motto: Hier habt ihr ihn und jetzt versucht ihr mal von hinten raus zu spielen.

Gestern gab es da auch einen Ball von Boateng ins Nirgendwo. Danach durfte sich Brasilien am Spielaufbau von hinten versuchen. Durch die Mitte ging gar nix und auch die zu erwartenden langen Bälle waren gut abgesichert. Ich empfand diesen langen Befreiungsschlag durchaus beruhigend, weil die Deutschen wieder in die Ordnung kamen und Brasilien nicht ins Pressing kommen ließen.

Gegen Algerien hätte ich mir das auch gewünscht. Anscheinend war es aber verpönt gegen so einen „schwachen“ Gegner mit diesen Mitteln zu spielen…

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Koom 9. Juli 2014 um 10:03

Prima Analyse, obwohl man das rein taktisch nur mit Mühe erklären kann, was da passiert ist. Unfassbar, dass einem WM-Gastgeber im Halbfinale, der zumindest nominell das Zeug haben müsste, den Pokal zu gewinnen, sowas passiert.

Das Geschehen auf dem Platz in der ersten Halbzeit wirkte auf mich wie ein „Was wäre wenn…“: Da spielte 90er Jahre-Fußball plötzlich gegen 2014-er Fußball. Hochsimple Manndeckungen ohne Sinn und Verstand gegen modernes, fluides Spiel.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:06

habe die teams puncto spieler 1 zu 1 verglichen und bin bei den positionen vor dem spiel auf ein 9:2 für deutschland gekommen, nur marcelo geg höwedes und luiz geg boateng hatten für mich die nase vorn, also nominell musste deuschland einfach gewinnen

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 13:59

Ziemlicher Unfug. Als wäre über 90min da eine Mann-zu-Mann-Zuordnung gewesen. „Nominell MUSSTE Deutschland gewinnen“?!

Nebenbei kann man „Luiz gegen Boateng“ NOCH viel weniger nebeneinander stellen. Die beiden sind sich ja so kaum begegnet (wenn, dann weil Luiz überall und nirgends unterwegs war). Wie war den Dein Urteil bei „Neuer gegen Cesar“? Wer hat denn da im direkten Vergleich wen besiegt?

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:12

ich meine das grundpotential. natürlich hat das nichts mit dem was am platz passiert zu tun und ist eine milchmädchenrechnung, aber mir machts halt spaß, also ich meine eben neuer ist grundsätzlich über cesar einzustufen-1:0, Lahm hat mehr qualität als maicon-2:0, ich weiß, dass sie im spiel andere aufgaben haben und es unterschiedliche systeme sind, aber über die grundqualität von spielern kann man meiner meinung schon auf die grundqualität einer mannschaft kommen, und um mehr als die „grundqualität“ geht es ja nicht bei der bewertung, was dann am platz passiert ist was völlig anderes, ich würde auch im nachhinein noch luiz über boateng stellen(sein marktwert ist nicht ohne grund so hoch, im system des deutschen Nationalteams würde er sicher eine bessere figur abgeben)- aber mein 9:2 ding soll eben nur verdeutlichen dass es eigentlich nie ein 50:50 spiel war sondern dass die qualität der deutschen von vornherein deutlich über jener der brasilianer zu stellen war

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lala 9. Juli 2014 um 19:15

Was ist denn Grundpotential in dem Zusammenhang?

Der Grund für Potential?
Das Potential für den Grund?
Aufgrund des Potentials?
Potential mit Grund?
Potentieller Grund?

Was war das?

Antworten

sappydharma 9. Juli 2014 um 19:34

ich denke du verstehst was ich meine-oder liege ich da gründlich falsch, was dein potential mich zu verstehen betrifft??

lala 10. Juli 2014 um 01:03

Sorry ich bin in solchen Punkten bullshit-Detektor. Und wenn Du mich nicht verstanden hast: das Geschwurbel fand ich einfach daneben.

So jetzt isses raus – sorry.

PS: ich weiß es kommt persönlich an, ich weiß Du nimmst es wohl persönlich, aber den Post fand ich einfach nur daneben.

Gvuardia 9. Juli 2014 um 14:01

Jetzt mal abgesehen vom bescheidenen Wertdieser Vergleiche, aber würdest du nach dem Spiel Boateng immer noch hinter Luiz ansiedeln? Und wieso?

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:15

gestern war boateng auf jeden fall lichtjahre besser und er wird auch besser je älter er wird, aber es können doch nicht so viele leute irren, die bereit sind unsummen für einen david luiz zu zahlen…boateng hat diesen status zum jetzigen zeitpunkt definitiv noch nicht, vielleicht auch zu unrecht, aber wie stark du aussiehst hat eben auch mit deinem team, taktik etc. zu tun und da sieht ein innenverteidiger natürlich in diesem deutschen team besser aus als er es im brasilianischen, welches taktisch schwächer ist, aus

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Koom 9. Juli 2014 um 14:13

Individuelle Vergleiche sind immer „meh“. Brasilien hat auf jeden Fall einen guten Kader, der ziemlich zu unrecht auf Neymar und Thiago reduziert wird, gerade hier und jetzt. Ein Großteil der Spieler spielt in Europa bei defensiv sehr guten Teams. Chelsea vor allem, aber auch die restlichen Spieler kommen von absoluten Topvereinen, die man in dieser Saison als defensiv gut sortiert bezeichnen konnte). Das die plötzlich dermaßen taktisch unsortiert bzw. wie 90er-Jahre Fußball agieren, kann nach gesundem „Trainer“verstand eigentlich kaum sein.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:19

klose ist besser als fred, özil und müller würde ich über hulk und bernard stellen, kroos über oscar, schweini und khedira als duo über das duo paulinho, fernandinho-sie spielen auch bei guten vereinen, aber trotzdem sind sie nicht so gut wie ihre deutschen „pendants“(ich hab schon verstanden, dass der vergleich hinkt und theorie ist, aber gänzlich uninteressant ist er nun auch wieder nicht, wenn man verstehen will warum deutschland über brasilien einzustufen ist-abgeshehen von der taktischen überlegenheit der deutschen und dem moderneren trainerteam

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alpentarzan 9. Juli 2014 um 19:33

bitte geh wieder ins standardforum

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:41

was soll der angriff?? ich bin hier weil ich dazulernen will und ich habe nie gesagt, dass ich alles durchschau und meine posts so toll sind, aber ich traue mich zumindest gedanken rauszuhauen ohne angst ob es dann von anderen wie dir abqualifiziert wird und um nichts anderes geht es in diskussionsforen-ich bin nie davon ausgegangen, dass alle meiner meinung sind und so lange beschäftige ich mich noch nicht mit taktik alsdasß ich alles checken müsste

Demetrios 10. Juli 2014 um 01:13

Bei allem Niveauverlust, der während der WM hier passiert: Dieser User gehört doch nicht dazu! Er stellt keine Meinung als unfehlbar hin, beleidigt keine anderen User, macht keine Spieler, Trainer oder Schiedsrichter nieder.

Die Seite soll doch nicht nur dazu da sein, um Taktikverständige sich gegenseitig für ihren Durchblick auf die Schulter klopfen. Sondern um Taktik als einen wichtigen, nicht alleinigen, aber oft entscheidenen Bestandsteil des Fußballs darzustellen. Man kann darüber streiten, ob obige Milchmädchenrechnung sinnvoll ist, die schiere Existenzberechtigung eines Users verwirkt sie jedenfalls nicht.

Thomas 10. Juli 2014 um 07:57

Ich finde diese Head-to-Head-Vergleiche bei einem Fußballspiel recht sinnfrei. Du vergleichst da doch immer Verteidiger mit Verteidiger und Stürmer mit Stürmer, da fließt doch aber nie mit ein, ob zum Beispiel der Stürmer von Mannschaft A vielleicht generell schwächer ist als der von Mannschaft B, aber der Stürmer von Mannschaft A mit seiner Spielweise perfekt Schwächen der Verteidiger von Mannschaft B bespielen kann, während die Stärken der Verteidiger von Mannschaft A gerade ganz gut passen, um die Stärken vom Stürmer von Mannschaft B zu kontern, auch wenn sie generell schwächer eingeschätzt werden als die Verteidiger von Mannschaft B. Dann sagt dein Head-to-Head am Ende aus, dass Mannschaft B deutlich gewinnen muss, aber aufgrund der speziellen Stärken und Schwächen (und vielleicht noch einiger auch taktischer Anpassungen) spielt Mannschaft A den Gegner in Grund und Boden.
Mal ganz davon abgesehen, dass ein Head-to-Head-Vergleich zwischen beispielsweise einem 4-3-3 und einem 4-2-3-1 wenig bis keinen Sinn macht. Die Jungs im 4-2-3-1 haben den besseren Mittelstürmer – na und?

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Ostkreuzkicker 9. Juli 2014 um 09:57

Geiles Spiel, geiler Artikel – danke für die Nachtschicht, MR!

Ich glaub die Bayern-Verantwortlichen werden in den nächsten Wochen immer mal wieder schweißgebadet aufwachen… dann tief durchatmen… und denken: Danke, liebes, liebes PSG, dass Du uns diesen David Luiz weggeschnappt hast!!!

Sonst hätten sie jetzt eine 1:7 Abwehr, die wohl hätte eine Saison lang in Gruppentherapie gehen müssen, um dieses Trauma zu bearbeiten. 😉

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niclas1191 9. Juli 2014 um 10:16

Schweissgebadet wach werden sollten sie vor allem weil sie Kroos nicht halten wollten.
Naja hat keiner geahnt das er so eine überragende WM spielt.
Schade

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Matthias 9. Juli 2014 um 10:39

Vielen Dank für diesen (wahnsinnig schnellen und grafisch detailreich untermalten) Artikel! Und allgemein für Eure Seite…

Die Bayern-Verantwortlichen werden immer mal wieder schweißgebadet aufwachen und sich fragen, warum sie Kroos weggegeben haben…

Wenn tatsächlich mal der versprochene Artikel zu „Was Lahm als Sechser so wertvoll macht“ kommt, wünsche ich mir im Anschluss einen Artikel zu Kroos. Danke schon mal! 😉

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tomci 9. Juli 2014 um 11:20

Als 6er, als 8er, als 10er, hab ihn total unterschätzt.. SO, (vor allem dann noch mit Schweini und Khedira in Form und einem Hummels in der IV) kann Kroos überall auflaufen und Lahm sich bequem auf Rechts entspannen und ein paar I-Tüpfel setzen.

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Fabian 9. Juli 2014 um 13:56

Ja. Und Nein. Was Kroos nun zum wiederholten Male gezeigt hat war, dass er einen unorganisierten Gegner regelrecht sezieren kann. (Seien wir mal ehrlich, dass war allerhöchstens 3 Liga was Brasilien nach der 5 Minute angeboten hat). In solchen Spielen ist der Junge Gold wert. In „normalen“ Spielen ist er immerhin noch fast unverzichtbar. In schwierigen Spielen fehlt mMn teilweise aber noch der letzte Kick zur überragenden Weltklasse, auch mal so ein Spiel alleine entscheiden zu können. Aber nagut, keiner ist perfekt. Was ich eigentlich sagen möchte: Selbst Kroos hat noch Luft nach oben.

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Marcus 9. Juli 2014 um 12:45

Ich werde meinen Lebtag nicht verstehen wie man Kroos für 25 Mio. (was man so hört) so verramschen kann. Wie viele bessere Mittelfeldspieler gibt es denn auf der Welt/im Bayern Kader, soll er doch ne Gehaltserhöhung bekommen. Aber vielleicht hat er sich ja mit irgendwelchen Verantwortlichen überworfen?

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MaHe 9. Juli 2014 um 15:36

Vor allem wenn man bedenkt, dass Kroos Forderung wohl war, dass er etwa so viel Geld wie Götze bekommen möchte. Ich denke, das ist eine nicht-überzogene Forderung, wenn man die Leistung der beiden vergleicht.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:08

interessant wie einzelne spiele die meinung über ansonsten als weltklassespieler angesehene spieler ändern können

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blub 9. Juli 2014 um 13:15

Man muss schon ziehmlich planlos sein um nicht vorher schon gewusst zu haben wie David Liuz spielt.
Niemand dessen Meinung ich schätze hielt den für besonders toll.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:26

wenn guardiola ihn will und er für unsummen nach psg wechselt wird er wohl was haben, er ist allgemein ein aggressive leader, der gestern eben ein scheiß spiel gemacht hat und vl. auch in dieser brasilianischen mannschaft nicht immer eine glückliche figur abgibt

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C.H. ehemals CH, weil ein anderer CH aufgetaucht ist 9. Juli 2014 um 13:57

Wäre halt zu klären, ob Guardiola/ Blanc ihn primär für die Abwehr oder das Mittelfeld haben wollen. Letzteres kommt seinen Eigenarten eher entgegen.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:21

wenn ein guardiola nen martinez in der iv sieht und im dm leute wie thiago, lahm etc. zur verfügung hat wird er ihn wohl als iv ins auge gefasst haben

Daniel_D 9. Juli 2014 um 14:23

Dazu RM (oder wars MR) mit einer der krassesten Aussagen zu diesem Thema „Es gibt keine schlechten Spieler, nur schlecht Eingebundene“

Luiz kann, wenn er taktisch richtig eingebunden wird eine enorme Wirkung entfalten. Er ist sowas wie ein J. Jones auf Speed mit Präzision im Passspiel und Torgefahr.

toller Spieler, aber man darf von ihm nicht erwarten ein Spiel zu ordnen.

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MaHe 9. Juli 2014 um 15:39

Andererseits scheint Mourinho ihn zumindest als Innenverteidiger nicht allzu sehr zu schätzen und in wichtigen Spielen lieber immer noch mit Terry neben Cahill zu spielen…

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:23

mourinho ist defensiver orientiert, er lässt auch ivanovic als außenverteidiger spielen obwohl man den auch durchaus als innenverteidiger spielen lassen und als rechten verteidiger dann nen offensiv stärkeren aufstellen könnte, deshalb wundert es mich auch nicht, dass er ihn im dm sieht

Ostkreuzkicker 9. Juli 2014 um 15:41

Nee, so ernst war der Kommentar nicht gemeint.

Der Luiz kann schon ein sehr sehr guter Spieler sein – nur im gestrigen Spiel konnte Dante seine Schwächen bzw. seine Verrücktheit eben nicht so gut ausgleichen und ihn nicht so führen wie sonst Thiago Silva. Ich denke, dabei hat auch die Kapitänsbinde für DL ihren Teil beigetragen.

Natürlich ließe sich auch aus Dante und David Luiz eine vernünftige Verteidigung machen, mit viel Training, Psychologie und ein paar Tranquilizern. 😉

Trotzdem scheint (bei den Bayern) das Gras woanders irgendwie immer grüner zu sein – ein Boateng, ein Kross bekommen selten die volle Rückendeckung und haben nicht das interne standing – stattdessen holt man (fast) den Luiz.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:25

wenn hätte pep ihn sicher nicht statt boateng sondern eher statt dante eingeplant(wobei man ja auch nen platz für badstuber freihalten könnte…)

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ViLa 9. Juli 2014 um 09:26

David Luiz machte den Eindruck, als ob er ohne Thiago Silva gar nicht wüsste wie und wo er auf dem Platz zu stehen hätte.
Dass Brasilien nicht verstanden hat, Pässe auf Kroos zu verhindern, bleibt ein Rätsel..

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Gh 9. Juli 2014 um 09:18

Vorab kann man schon sage, dass GER die beste Mannschaft des Turniers gewesen sein wird. Nicht immer gewinnt der Beste. Mal sehen.

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HW 9. Juli 2014 um 11:09

Holland hätte Brasilien ähnlich auseinander nehmen können. Bei Argentinien wäre es wohl irgendwann eine Treterei geworden. Aber das sind andere Spiele.

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phy 9. Juli 2014 um 09:16

Nach diesem Spiel dürfte klar sein, dass Thiago Silva der beste Spieler der WM war. Erst dieses unfassbare Chaos hat aufgezeigt wie wichtig und ordnend er für das brasilianische Spiel ist.

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Philo 9. Juli 2014 um 12:14

Ich glaube, man sollte etwas vorsichtig mit solchen Schlüssen sein. Auch mit Thiago Silva war die brasilianische Abwehr bei der WM nicht sonderlich sicher (soweit ich das mitgekriegt habe). Seine Sperre war zwar eine große Schwächung. Aber weder kann man jetzt aus der Niederlage ableiten, dass so etwas mit Thiago Silva nicht hätte passieren können, noch, dass die Abwehr gegen die bisherigen Gegner ohne ihn ähnlich katasthrophal gewesen wäre. Das Spiel hatte schließlich seine besondere Eigendynamik und hätte bei gleichen Voraussetzungen durchaus eng werden können.

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phy 9. Juli 2014 um 19:13

Natürlich hätte selbiges auch mit Silva am Platz passieren können aber es wäre bedeutend unwahrscheinlicher gewesen. Silva ist nunmal ein absolutes Pressing/Antizipationsmonster und als solcher der imho ideale Balancegeber dieser Abwehr. Luiz hat ja nicht erst seit dem HF eine haarsträubende Entscheidungsfindung und bei aller Liebe fürs dt. Team – auch Chile oder Kolumbien kann verflucht gut vertikal spielen/pressen.

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Fabian 9. Juli 2014 um 13:49

Jedenfalls dürfte sein Goalindex einen weiteren Sprung gemacht haben 🙂

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Philo 9. Juli 2014 um 14:30

Steigt der GI denn, wenn die Mannschaft ohne ihn schlecht spielt, oder nur, wenn sie mit ihm gut spielt? Ich meine mich daran zu erinnern, dass Letzteres zutrifft.

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 14:37

GI = Tordifferenz (Spieler in) – Tordifferenz (Spieler out). Mathematisch nicht korrekt, aber sinnhaft so.

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Fabian 9. Juli 2014 um 14:42

Zitat von der Homepage (und es heißt natürlich Goalimpact…):

„The Goalimpact of a player depends on the Goalimpacts of his team mates and opponents. If he doesn’t play his Goalimpact will usually not change dramatically, but it can change indirectly because the other players Goalimpacts changed.

Example: When Bayern München won the 2012/2013 Champions League semi final over FC Barcelona with a 7:0 aggregate, the Goalimpact of Javier Mascherano increased. He missed both games due to a knee injury, so his Goalimpact was not directly affected by these games. However, the Goalimpact of his team mates dropped a bit due to this high defeat. In turn, past victories are now attributed a little bit more to Mascheranos presence on the field and hence his Goalimpact increased.“

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tomci 9. Juli 2014 um 14:44

Hmm, könnte mir allerdings wirklich vorstellen, dass ein Mascherano auch gegen Bayern die Schotten besser abgedichtet hätte als ein Song etc..

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Monogol 9. Juli 2014 um 09:10

„Oh Gott, wenn man zum WM-Halbfinale „wie beim 0:7“ schreibt muss man sich unwillkürlich die Hand vor den Mund halten.“
Beim Lesen auch – immer wieder … und während des Spiels war ich schlicht sprachlos, wie eine Mannschaft von Brasiliens Ruf und Ansehen sich derart falsch verhalten kann, mit jedem Tor noch falscher. Kont_er_produktiv. Ungesehen. Sowas. Bisher.

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Schmellkreutz 9. Juli 2014 um 09:04

Super Analyse! Danke. Verrücktes Spiel. Zum Glück sind Argentinien und die Niederlande hinten besser organisiert und disziplinierter. Das Finale wird sicherlich länger spannend sein.

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Nowa3000 9. Juli 2014 um 08:50

Klasse Analyse, sehr sehr lesenswert und mit Sicherheit so amüsant wie das gestirge Spiel.
Alles in allem alle Punkte die mir während des Spiels aufgefallen sind wurden angesprochen und wie üblich einige mehr. Ich hatte zu Beginn kurz Zweifel ob etwas zum Negativstrudel kommt, aber dann wurde ich eines besseren belehrt.
Schade um ein spannendes Halbfinale, aber dafür lieferte Brasilien gutes Anschauungsmaterial (v. a. David Luiz) wie man eben nicht verteidigt. Für mich als Trainer sehr gut, kann man so doch einiges an zeitnahen Beispielen erläutern.
Nochmal: Super Artikel, weltklasse geschrieben!

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:10

wenn deutschland in führung geht werden die spiele meist fad(ausnahme ghana), also hoffentlich geraten sie im finale in rückstand, dann schaue ich mir diese mannschaft einmal an

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 13:54

Ja, furchtbar fad. Die ganze Welt hat sich zu Tode gelangweilt… /irony off

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:26

waren die spiele gegen portugal und frankreich nach der deutschen führung ein hollywood thriller??? wenn die brasilianische defensive besser ist geht es womöglich wieder 1:0 oder 2:0 aus. ich würde einfach gerne eine deutsche mannschaft sehen, die ein frühes 0:1 kompensieren muss…

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rince 9. Juli 2014 um 20:35

Darauf warte ich auch. Es ist schön, wenn manche jetzt Abbitte leisten, dabei ist es doch lediglich die Deutungshoheit, welche derzeit beim Trainer einer während des Turniers von Verletzungen verschonte Mannschaft liegt. Stummes Ärmel hochkrempeln vor der Verlängerung gegen Algerien, und jetzt Trainergott? Der Mensch an sich ist nun mal schon sehr affektiert in seinem Leben, aber das, was selbst hier abläuft, ist ja fast nicht mehr zu ertragen.

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Rudi 9. Juli 2014 um 08:43

Danke für diese ausführliche Analyse! Unglaublich viel besser als der Fussball Quatsch in der Kaffeeküche. Heute ist ja jeder „Experte“. In 4 Wochen wird gejammert, weil „…schon wieder Fussball….“ ist. Eventfans.. /flattered

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HW 9. Juli 2014 um 08:40

Während des Spielzugs zum 2:0 dachte ich schon, dass das zu einfach gehen würde. Schockierend ist aber vor allem, dass Deutschland immer wieder ungestört angreifen konnte.

Brasilien hat wohl alles falsch gemacht, strategisch, taktisch, psychologisch.

Bela Rethy sprach in der ersten Halbzeit vom brasilianischen Matchplan, der unbrauchbar würde. Ein Matchplan ist kein Drehbuch. Es muss auch geplant werden was bei Rückschlägen passieren muss. Ein Plan war aber nicht zu erkennen.

Ich frage mich nun, ob Scolari keinen Plan hatte oder ob seine Spieler ihn nicht umsetzten.
Wenn man in der ersten Halbzeit ein paar Tore kassiert, dann versucht man doch bis zur Pause den Laden nur dicht zu halten. Wie ein Boxer, der sich angeschlagen bis zum Pausengong rettet.

Dann hab ich mir im ZDF Ttext die Statistiken während des Spiels angesehen. Marcelo hatte die meisten Ballkontakte. Er wollte wohl das Spiel ankurbeln, machte es aber nur noch schlimmer weil fast jeder deutsche Angriff über seine Seite lief (mal die Anzahl der Ballkontakt von Müller und Özil vergleichen). Dante hatte bis zur Pause keinen(!) Zweikampf gewonnen. Die komplette linke Abwehrseite bei Brasilien war also kaputt. Und David Luis als Abwehrchef macht den selben Fehler wie Marcelo und sucht das Heil in der Offensive. Wie konnte Brasilien nur glauben mit riskantem, schnellem Angriffsfußball gegen Deutschland eine Chance zu haben?

Selten hat man eine Mannschaft mit so wenig taktischem Verständnis gesehen (vielleicht Deutschland um 2000?). Es ist erschreckend, dass die überhaupt so weit gekommen sind, da scheidet man besser mit 1:3 im Viertelfinale aus.
Und Scolari? Der hatte wohl keinen Plan. Sein Abwehrchef fällt gegen Deutschland aus und er macht nichts um die Abwehr oder das defensive Mittelfeld zu stärken.

Psychologisch erinnert mich das ein wenig an die Heim-WM der Deutschen. Nicht 2006, sondern 2011 die Frauen-WM. Auch damals wurde vor dem Turnier der Titel fast als Pflicht betrachtet, ohne zu erkennen wie zerbrechlich die Mannschaft war.
Brasilien war psychologisch nicht vorbereitet. Der Sieg im Confed-Cup gab ein trügerisches Gefühl von Stärke. Und dann platzt die Blase. Alleine durch Motivation und Symbolhandlungen wird man nicht zu einem sehr guten Team. Brasilien fehlt Qualität in vielen Bereichen. Zwei Trainer, die die WM gewonnen haben, hätten das erkennen und gegensteuern müssen.

Gratulation an Deutschland. Sie gehen gut vorbereitet in die Spiele, sie verbinden ihre technischen Fähigkeiten mit Taktik und der mentalen Stärke, die sie über Jahre aufgebaut haben. Gleichzeitig darf man aber nicht vergessen, dass Brasilien gestern kein Gradmesser war. Egal wer jetzt noch kommt, es wird schwieriger.

Mein Gott, 7:1 in einem WM-Halbfinale. Schmeißt eure Statistiken weg ob dies eine gute WM ist. So ein (verdientes) Ergebnis kann es bei einem objektiv guten Wettbewerb nicht geben.

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JS 9. Juli 2014 um 08:50

Ja. So viel Raum hatte Deutschland seit der WM 2010 nicht mehr angeboten bekommen. Ich hatte vor dem Spiel mit einem defensiven Ansatz von Brasilien gerechnet. Ein 0:0 nach 90min. Aber das sie ihr heil ausgerechnet in der Offensive suchen hat mich sehr überrascht.

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Matthias 9. Juli 2014 um 09:22

Ist mir auch aufgefallen. Bis zum 0:1 hatte ich den Eindruck, dass jeder der Brasilianischen Feldspieler den ersten Treffer erzielen und in die Geschichtsbücher eingehen wollte. Deutschland hat diese größtenteils chaotische Situationen hervorragend bespielt und Brasilien hat sich mit diesem absolut übertriebenem Druck auf die Mannschaft selbst geschlagen.

Das System der N11 hätte ich eher als 4-1-4-1 beschrieben, da sich vorallem Schweinsteiger extrem defensiv verhalten hat, das war in der 2. Hälfte deutlich ausgeprägter, hatte aber sicherlich mit dem Spielverlauf zu tun.

Wie habt Ihr Özil gesehen? meiner Ansicht nach wieder sehr schwach – leider.

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HW 9. Juli 2014 um 09:38

Für neun Augenblick dachte ich es gäbe einen offenen Schlagabtausch, solange Brasilien das Pressing aufrechterhalten könnte. Und dann fiel alles zusammen

Özil hatte einerseits das Pech, dass alle Angriffe über den anderen Flügel liefen. Andererseits find ich ihn auch nicht so schwach wie er oft gesehen wird. Er spielte z. B. den Pass auf Lahm vorm 3:0, er bereitet Khediras Tor vor. Er spielt halt oft die Pässe, die einen Angriff einleiten (was von Links Außen schwer ist).

Was soll man denn bei einem 7:1 von Özil erwarten, dass er 3 Tore macht? Er ist Özil und nicht Müller oder Kroos. Er ist kein Laufwunder und kein Muskelpaket, kein Stürmer. Aber er kann genau die Räume erkennen in die Müller, Lahm oder Klose laufen und den ersten oder zweiten Pass eines Angriffs spielen. Und er denkt immer daran, wie er einen Mitspieler einsetzen kann. Egoismus ist ihm fremd.

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Backville 9. Juli 2014 um 09:52

Man muss sich mal vorstellen was mit Reus statt Özil gestern passiert wäre…
Die Grätsche von lahm in der ca. 9. Minuten hat bei mir ähnlich große Freude wie ein tor hervorgerufen das war super wichtig.
Für das Finale bin ich sehr optimistisch weil die die Mannschaft bisher extrem Anpassungsfähig gezeigt hat.

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HW 9. Juli 2014 um 10:34

Reus ist ein ganz anderer Spieler. Mehr Zug zum Abschluss, mehr Spektakel und Schnelligkeit im letzten Drittel. Aber ob man das immer braucht? Es ist wie mit Torleuten und Schiedsrichtern, oft ist eine unauffällige Leistung wichtiger als eine spektakuläre. Und wenn man Özil gezielt beobachtet, dann spielt er spektakulär bei den kleinen Dingen. Er spielt nur eben eine ganz andere Rolle. Seine Positionsfindung, das Passspiel, der Einsatz. Das war alles sehr gut.

rookie 9. Juli 2014 um 23:12

das mit Reus habe ich auch gestern gedacht, mein Gott fehlt er, ich meine Özil schafft es echt fünf Meter vor de mTor quer zu legen (gut er wäre evtl geblockt worden) und dann macht er es in der Situation selbst, wo er dann doch hätte abspielen sollen.

Wahnsinn , wenn wir mit dem Verletzungspech Weltmeister werden

Fitsche 9. Juli 2014 um 09:59

Ja, thumbs up for Özil! Ich denke, dass er so schlecht gesehen wird, liegt einfach an dem „Versprechen“ von 2010. Das konnte er so halt nicht einlösen, aber darunter ist jetzt einfach ein Strich zu ziehen: Jetzt sollte Fussballdeutschland einfach mal ganz objektiv auf den Spieler schauen, der er ist; und da hab ich einen gesehen, der kaum Fehler gemacht hat, der viel gelaufen ist, der gut im Pressing und Gegenpressing mitgemacht und in der Defensive bis zur Eckfahne nach hinten mitgearbeitet hat, der stets für den Gegner gefährlich war, immer anspielbar war, immer mitkombiniert hat und so insgesamt das Spielniveau und die latente Gefährdung für den Gegner hochgehalten hat. Für mich war es (erneut) eine starke leistung, ein enorm rundes Gesamtpaket.

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Matthias 9. Juli 2014 um 10:40

Ja, da stimme ich dir zu, dass die Erwartungen an Özil seit 2010 einfach zu hoch sind. Und nein, ich hätte nicht erwartet, dass er 3 Tore schießt, aber das eine, als er frei durch war gegen Ender der zweiten Halbzeit …
Er hat gestern sicherlich keine Fehler gemacht, aber die Erwartungen sind wie du geschrieben hast an ihn einfach hoch. Ich frage mich ob er im Finale wieder von beginn an spielen wird oder ob nicht Götze auflaufen sollte.

Ich möchte hier jetzt keine Özil diskussion lostreten, sehe ihn insgesamt sehr positiv, aber er bleibt leider zur Zeit deutlich unter seinen Möglichkeiten.

Backville 9. Juli 2014 um 10:48

Ich wollte Özil keinesfalls schlecht machen aber Reus wäre mir seiner in Dortmund an den Tag gelegten Spielweise prädestiniert für das spiel gewesen und hätte mit seinem guten Abschluss sicher noch 1 oder 2 Tore beigetragen

HW 9. Juli 2014 um 11:02

Ich denke, jede Diskussion um verletzte Spieler ist unnötig.

AA 9. Juli 2014 um 10:48

Es ist tatsächlich erschreckend, wie die Brasilianer nach dem 2-0 buchstäblich auseinandergebrochen sind. Ich glaube auch, wie weiter oben schon angeklungen ist, dass man das mit Taktik nicht mehr erklären kann. Meiner Meinung nach hat sich aber nur bewahrheitet, was sich im Turnier schon mehrfach angedeutet hat: Brasilien hat starke Einzelspieler, die aber nicht als Team auflaufen. Und letztendlich war bei den Spielern die Emotionalität einfach stärker ausgeprägt als ihre Professionalität. Daher wundert es letztendlich nicht, dass sie sich nach dem 2-0 nicht mehr aufrappeln konnten. Und genau diese Professionalität und auch Effektivität hat die N11 gezeigt.

Nun aber zu Özil:
In Spanien wurde doch gescherzt, dass Özil der beste Spielmacher ist, wenn die eigene Mannschaft in Führung liegt. Sollte sie aber in Rückstand geraten, ist er nicht zu gebrauchen!
Zwar spielt er zumeist bei dieser WM nicht den Spielmacher, was wohl auch damit zu tun hat, dass er das Spiel entschleunigt, sobald er den Ball bekommt. Mag sein, dass seine Laufwege teilweise nicht schlecht sind und er das Auge hat, aber er hat meiner Meinung nach in keinem einzigen Spiel eine entscheidende Aktion gezeigt gehabt. Ich war aber dann um die 80. Minute sogar erstaunt, dass er sprinten kann, als er den Pass von Draxler bekam. In seiner momentanen Verfassung würde ich ihn eigentlich zur 70. Minute einwechseln, damit er die Spielgeschwindigkeit der meisten Akteure auf dem Platz erreicht.
Entweder er braucht mal 2-3 Monate Pause oder er sollte nach Dortmund verliehen werden, um ein bisschen an seiner Spielgeschwindigkeit zu arbeiten. Es bringt ja nichts, wenn du angeblich genial bist (und er hat das tatsächlich schon das eine oder andere Mal gezeigt gehabt), aber letztendlich dein Können nur in Freundschaftsspielen abrufen kannst. Zumindest seit gefühlt 5 Jahren.

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Fitsche 9. Juli 2014 um 11:00

Ich glaube, du musst irgendwas an deinem Fernsehgerät mal justieren. Özil hat eben nicht nur diesen typischen phlegmatischen Gesichtsausdruck, sondern auch einen Laufstil, der irgendwie langsam aussieht (lage Flugphasen, lange Schritte exaktes Gegenteil zu zb Shaqiri). Tatsache ist jedoch, dass er ein sehr schneller Spieler ist. Und er ist auch wieder einmal viel gelaufen. Und von Entschleunigung kann mal gar nicht die Rede sein. Da hat er, genau wie Kroos und Khedira, das Spiel oft schnell und vertikal gemacht.

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 12:27

90% der Eindrücke über Özil von Laien sind der Körpersprache geschuldet.

Özil ist einer der 10% der sprintschnellsten Spieler der Welt. Mal besser auf objektive Daten schauen als auf die Halswirbelsäulenkyphose (geduckte Haltung) Özils. http://www.fifa.com/worldcup/statistics/players/distance.html –> top speed oder http://www.youtube.com/watch?v=5zjJDXZwVv4&feature=player_detailpage#t=1070

Fabian 9. Juli 2014 um 13:46

Das stimmt. Ich würde ohne SV.de zur gleichen Gruppe der Laien gehören. Mittlerweile sehe ich Özil öfters spielerisch äußerest positiv.

Dennoch regt er mich innerlich noch genauso oft auf. Als Hobbykicker fällt mir seine Körpersprache im Bezug auf die Mitspieler immer wieder auf und ich denke mir: Mit dem würde ich (trotz aller Genialität) nicht gerne zusammenspielen. Wenn mal ein Pass zu ihm nicht ankommt, regt er sich übertrieben auf. Wahrscheinlich nur allgemein darüber, dass die Situation verschenkt wurde, aber man kommt da nicht umhin das auch persönlich auf den Passgeber zu beziehen. Andere Spieler (Müller) klatschen in die Hände, geben dir den Daumen hoch und sind allgemein ermutigend, Özil meckert. Es gehört schon viel dazu, dann nach einer Weile immer noch den Ball zu ihm zu spielen, statt auf den positiveren Müller oder Klose, auch wenn diese vielleicht schlechter positioniert sind.

Sorry für den rant, aber es ist mir gestern wieder mal extrem aufgestoßen, dass Özil selbst bei einem 7:0 noch nicht in der Lage ist seine Spielfreude auch nach außen zu kommentieren. Vielleicht besteht da mittlerweile auch ein gewisser selection bias auf meiner Seite… Naja, back to topic…

Ostkreuzkicker 9. Juli 2014 um 15:22

@grasnarbe

Wirklich sehr interessante Statistiken, auch wenn man sich fragt, wie die für jeden einzelnen Spieler die Maximalgeschwindigkeit auf 0,1 km/h genau messen wollen.

Wer hätte gedacht, dass Shkodran „zum Glück verletzt“ Mustafi der endschnellste deutsche Spieler war und nur knapp dahinter Mats Hummels, dem gern mal vorgehalten wird, er wäre etwas langsam (Mourinho u.a.). Und der „pfeilschnelle“ Schürrle langsamer als 6 andere deutsche Spieler ist.

Angesichts des Zweifels in Sachen Genauigkeit und den minimalen Abständen sicher alles etwas oversophisticated – but i like it.

Hier aber noch was zum Lachen: Manuel Neuer ist nicht nur MEHR gelaufen als INIESTA – einen km als die 30,5 von Andres, zugegeben in doppelt so viel Spielen – SONDERN auch SCHNELLER. Höhö.

Marco 9. Juli 2014 um 11:37

Özil ist der schnellste deutsche Spieler und setzt zu den meisten Sprints an – nur so nebenbei.

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dns 10. Juli 2014 um 18:51

das ist nicht ganz richtig, den schnellsten Sprint im Team hat Mustafi hingelegt.
Und gemessen wird das über Bildanalysesoftware.

Marcel 9. Juli 2014 um 12:27

Özils Spielgeschwindkeit, er sieht wirklich langsamer aus als er ist. Er is sogar meistens (auch gestern) der schnellste Spieler im Team.
Anzahl der Sprints: 68
Top-Spead: 31,79

Quellen:

http://resources.fifa.com/mm/document/tournament/competition/02/40/20/15/61_0708_bra-ger_ger_teamstatistics.pdf

http://resources.fifa.com/mm/document/tournament/competition/02/40/20/43/61_0708_bra-ger_ger_playerstatistics_neutral.pdf

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Superduper 9. Juli 2014 um 10:53

Ich fand Özil im Vergleich zu den anderen Mittelfeldspielern schwach.
Gründe: Die ersten fünf Ballannahmen waren Katastrophe. Gerade in der wichtigen Anfangsphase. Er kann nicht dagegen halten und wirkt psychologisch angeknackst. er ist defensiv zweikampfschwach und leider ein 100%-Chancentod.

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rudi 9. Juli 2014 um 11:25

„Die ersten fünf Ballannahmen waren Katastrophe“
tolles Deutsch… nicht weniger katastrophal >.<

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Tzaduk 9. Juli 2014 um 13:52

„Ich fand Özil im Vergleich zu den anderen Mittelfeldspielern schwach. Gründe: Die ersten fünf Ballannahmen waren Katastrophe.“

Die ersten fünf Ballannahmen waren in den ersten fünf Minuten – leitest Du daraus tatsächlich die Tatsache ab, dass Özil im kompletten Spiel schlechter war als der Rest des deutschen Mittelfelds?

Die wichtige Anfangsphase ist nach 11 Minuten beendet gewesen. Da hat Deutschland angefangen zu scoren. Bleiben 90 Minuten, in denen Özil die Gelegenheit gehabt hätte, Deinen Eindruck zu korrigieren. Hat er auch, zumindest meinen Eindruck.

Ich gebe Dir recht, dass Özil nicht im Schlaf die Tore macht. Andererseits sollte man sich auch überlegen, ob das tatsächlich seine Aufgabe sein muss, wenn das wirklich nicht seine Stärke ist. Schürrle zum Beispiel muss gegen Frankreich zweimal treffen, er sucht den Abschluß und macht die Bude trotzdem nicht. Reus braucht gefühlte 100 Chancen, um ein Tor zu machen. In Dortmund gehört er zu den Spielern mit den meisten Toren. Trotzdem fällt keiner solche Urteile über Schürrle oder Reus.

Ich befürchte, Du lässt Dich tatsächlich von Özils geduckter und defensiver Körperhaltung täuschen. Er ist ein Vorlagen-Monster, was er bei Deutschland, Madrid und Arsenal auch immer wieder bewiesen hat. Das ist statistisch auch belegbar, ich bin allerdings gerade zu faul, die Statistik zu ermitteln. Sorry 🙂

Ich lasse aber auch gelten, dass die anderen Mittelfeldspieler mehrheitlich Sahnetage hatten, und man erwartet von Özil eben auch extreme viel. Es mag also so scheinen, als seien die anderen (Siehe auch: Bild-Benotung 😀 ) allesamt „Note eins mit Stern“ und Özil nur ne magere 2+.

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Daniel_D 9. Juli 2014 um 14:42

Ich bin zugegeben eher ein Özil Fan, aber sein Kurzpass auf Khedira war schon stark. Taut so als würde er schießen und als sich Marcelo in die Schussbahn wirft spielt er den Ball auf einen Spieler der eigentlich aus seinem Blickfeld sein müsste.
Wie schon erwähnt Özil ist auf der Podolski Position natürlich per se schon isoliert. Dann Höwedes der nicht nicht offensiv unterstützt.
Allein durch die Mannorientierung an ihm hat er einige Räume für die Mitspieler geöffnet.

C.H. 9. Juli 2014 um 14:57

Was hängenbleibt, ist die Chance zum 8:0, aber was vergessen wird ist die Vorlage zu Khediras geblockten Schuss in der 7.Minute (war schon fast das 1:0) und die schwierige Ablage zum 5:0 wird aufgrund der Ansprüche nicht gewürdigt.

Das sind (mit Abstrichen) drei potenziell spielentscheidende Situationen. Und sowas generiert er recht konstant in fast jedem Spiel.

SVH 9. Juli 2014 um 16:59

Sehe es generell auch so. Özil ist am Anfang schlecht reingekommen aber nach der Anfangsphase hatte ich auch den Eindruck, dass es immer besser wurde.

Habe jetzt nicht mehr im Gedächtnis, wie es in den letzten Spielen war, aber gestern fiel mir auf dass Özil sehr weit eingerückt ist und wenn ich mich nicht täusche sich beim 3:0 in den rechten Halbraum fallen lassen hat, um dann den Schnittstellenpass auf Lahm zu spielen. War das in den Spielen zuvor auch der Fall?

Jottfried 9. Juli 2014 um 09:46

Ich fand ebenfalls überaschend, wie unangemessen Brasilien von Beginn an auf das (aber auch überragende) deutsche Spiel reagiert hat. Teilweise hatte ich während des Spiels den Eindruck, Brasilien hätte sich im Vorhinein gar nicht mit dem Gegner auseinandergesetzt (nach dem 2:0 war das freilich total egal, da sind sie einfach zusammengebrochen, aber da passte schon vorher nur wenig zusammen). Und die Top-Analyse bestätigt mich in dem Eindruck. Bestes Beispiel dafür ist wohl die unsinnige Mann-Orientierung an Höwedes. Da mag man wirklich kaum glauben, dass das eine Vorgabe von Scolari gewesen sein soll. Und dann kommt eben individuelles Harakiri a la David Luiz dazu. Unfassbar.

Unglaubliches Spiel, unglaubliches Ergebnis! Und eine Super-Analyse, die dem Spiel in allen Punkten gerecht wird und Spaß macht zu lesen!

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JS 9. Juli 2014 um 08:39

Man muss sich schon fragen, ob Scolari wirklich die besten Spieler Brasiliens mitgenommen hat.

Jullio Cesar hat nicht die beste Figur gemacht. Weder auf der Linie, noch im Rausrücken und die unorganisierte Abwehr konnte er auch nicht erfolgreich zureichtweisen. Generell, nicht nur in dem Spiel.

Statt David Luiz wäre Alex wohl die bessereWahl gewesen, zumal er ja auch im Verein mit T. Silva zusammen spielt.

Siehe auch
http://www.zweierkette.de/wm-2014/scolaris-familie-vs-goalimpact/

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 12:10

Ja! Man muss sich mal auch umfassender das Stammtischgebrabbel mancher Ewiggestrigen vor Augen halten, um diese Absurdität und fast schon pathologische Verbortheit zu erkennen:

– Die Brasilianer haben voller Inbrunst die Hymne gesungen – die haben den „Willen“.
– Sie haben „echte Männer“, die zulangen und sich für fouls nicht zu schade sind.
– Sie sind „abgezockt“, holen Elfmeter raus, wo keine sind, und machen taktische fouls.
– Sie haben einen Trainer, der „weiß, wie Erfolg geht“, ein Titeltrainer und Baum von einem Mann. Nicht son „schwuler Niveau-Yogi“.

Und nun die Realität:
– Scolari wählt zweifelhaft den Kader (s. auch GI oder MRs Artikel http://www.zweierkette.de/wm-2014/scolaris-familie-vs-goalimpact/ ), Löw dagegen wohl ziemlich optimal.
– Keine Schulung durch die WM-Vorbereitung erkennbar.
– Keine Gegneranpassung erkennbar.
– Die deutsche Mannschaft läuft in jedem Spiel mehr als ihr Gegner – soviel zu Hymne, Wille, Inbrunst tralala.
– Auf deutscher Seite Systemschulung, Disziplin, taktische Gegneranpassung.

Nuff said.

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sappydharma 9. Juli 2014 um 13:12

deutschland ist gestern über 10 kilometer mehr als brasilien gelaufen

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tomci 9. Juli 2014 um 14:41

sappydharma, ja, aber ab Min 30 waren die Brasilianer auch schon so fertig und unmotiviert hinterherzulaufen..und die Deutschen hatten so viel Platz in den sie rennen konnten.. War jetzt nicht unbedingt ein Sieg aufgrund deutscher Laufstärke.. Evtl. hätte Luiz und Marcelo mehr zurückzu laufen müssen, aber vor allem auch dann dort bleiben =)
Zu dem „patriotischen/männlichen/ Auftritt“ etc. : Luiz‘ Auftreten „im Scheinwerferlicht“ vor, währen und nach Spielen ist für mich völlig strange.. wäre nicht überrascht wenn der ein paar unbewältigte Probleme hat ^^

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sappydharma 9. Juli 2014 um 19:28

man kann auch argumentieren, dass ein team dass sicher vorneliegt sich den einen oder anderen meter erspart-aus ökonomischen gründen, aber gut, ich bewerte es nicht über…

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Axtschwinger 9. Juli 2014 um 13:15

Ich finde tatsächlich, David Luiz is ein wahnsinnsspieler, auf den die Selecao nicht verzichten kann. Er kann Spiele allein entscheiden. Aber -holy guacamole- doch nicht als Abwehrchef. In meinen Augen wäre die Innenverteidigung Thiago Silva – Dante und David Luiz als 8er mit absicherndem Luiz Gustavo als 6er das Richtige für die ganze WM gewesen. Auf dieser Position kann Luiz dann seine „Force-of-Nature“-Qualitäten ausleben und darin steht er in meinen Augen Touré in nichts nach.

Zum mentalen Einbruch: Da meine Frau halbe Brasilianerin ist und wir beide sehr brasilophil sind, war das Spiel gestern nur schwer zu ertragen (obwohl ich doch D gewinnen sehen wollte). Aber wenn man die Zeitungen in Brasilien verfolgt hat, dann kann man glaube ich mit Fug und Recht behaupten, dass in 100 Jahren Fußballgeschichte niemals ein dermaßen großer Druck auf elf Spielern gelastet hat, wie gestern. Und der größte Druck der Geschichte wird eben zum größten Debakel der Geschichte, wenn das Spiel nach einer Standard dahin zu gehen droht.
Ich hoffe sehr dass die Brasilianer den zehn Kleinen, die da noch auf dem Platz standen verzeihen kann. Aber wenn die Geschichte etwas lehrt, dann dass das wohl nicht passiert. Das Spiel wird zum Inbegriff des falschen Brasilien werden, es werden Arien auf Jogo Bonito gesungen und Brasilien läuft gefahr, auf Jahre aus dem Weltfußball zu verschwinden

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 13:45

Tja, das haben sich die Brasilianer aber mal schön selbst zuzuschreiben: Wieso sollte der der „größte Druck der Fußballgeschichte“ auf ihnen lasten?
a) Jeder (chancenreiche) Gastgeber verspürt diesen Druck.
b) Weder Leistungen (den CF-Cup vor einem Jahr ausgenommen) in diesem Turnier noch Personal (man vergleiche die aktuelle Mannschaft mit der von 2002 – Welten) hievten Brasilien zum Titelfavoriten. Man bedenke: Der eine Weltfußballer spielt bei Portugal, der zweite bei Argentinien, der dritte bei Deutschland.
d) Brasilien war nicht auf dem „once in a lifetime“-Trip, es wäre der letzte von sechs Titeln gewesen.
c) GI-Schnitt Deutschlands erster Elf ist um 20(!) höher als bei der Brasiliens. Ohne Heim“vorteil“, der manchmal wie gesehen ambivalent sein kann, waren die odds GER-BRA 47% zu 24%! http://www.goalimpact.com/2014/07/brazil-vs-germany-goalimpact-of-lineups.html

Diesen ganzen rationalen Überlegungen waren die Brasilianer einfach völlig blind gegenüber. Auch hat keiner der Verantwortlichen (Trainer, Perreira, Spieler) einen kühlen Kopf bewahrt und gegengesteuert, als klar wurde, dass die Stimmung in Hysterie ausuferte. Nein, sie haben sie durch regelmäßige Heulorgien bei den Interviews und Beschwörungsritualen nach Spielende noch weiter angeheizt.

Mag sein, dass da die kalte Sicht des Analytikers auf die emotionale Volksseele Brasiliens trifft (die saudade der portugiesischen Abstammung ist gut zu erkennen) – aber überkochende Emotionen sind beim Hochleistungssport eben nicht immer förderlich. Dafür hatten und haben sie bei den vielen Erfolgen vielleicht mehr Spaß als eine geschäftsmäßige italienische, deutsche oder spanische Mannschaft – quid pro quo.

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Axtschwinger 9. Juli 2014 um 15:16

Nicht falsch verstehen: Ja, das haben sich die Brasilianer ausschließlich selbst zuzuschreiben. Mit einer derartigen Elf wäre es tatsächlich fast eine Sensation wenn sie Weltmeister geworden wären (in jedem anderen Land zumindest). Mir tut es nur um die kleinen leid, die das ausbaden müssen. Der kleine Oscar muss mit den völlig übersteigerten Ambitionen eines ganzen volkes klar kommen, obwohl seine fähigkeiten das (bisher) nicht ansatzweise hergeben.

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muli 9. Juli 2014 um 17:36

Die kalte Sicht des Analytikers erklärt aber nicht das 7:1. Sonst wären ja auch hier nicht alle dermassen überrascht über diese Klatsche. So wenig ich Kahn brauche, ich fand es gut, dass er als erster die Jubelarien ein wenig erdete, mit seinem Kommentar über den immensen Druck. Die brasilianischen Tränenausbrüche vom 1/4Finale waren Vorboten des Breakdowns, der sich nach dem 0 : 1 ereignete. Wahrscheinlich hatte man sich einreden müssen, dass es auch ohne Neymar und T.S. eine reelle Chance auf den Titel gäbe. Als diese Blase platzte hatte keiner die Reife, weder menschlich noch fussballarisch, sich dagegenzustemmen. Wundert auch nicht, wenn man daran denkt, wie gerade in Brasilien solche „Kleinen“ zu Spielbällen von Fussballhändlern werden. Ich sehe es so, für den Sieg ist N11 verantwortlich für seine Höhe eher die Selecao.

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grasnarbe 9. Juli 2014 um 19:12

Der kalte Analytiker stellt ja gerade den mentalen Faktor bei diesem Spiel (nicht vergessen die Kaderunterschiede, das fehlende Spielsystem, die Gegneranpassung) nicht in Abrede, sondern stellt ihn heraus!

Du meinst vielleicht damit die Analytiker aka die sv.de-Autoren? MR hat gerade die Silva-Problematik und die offenen Scheunentore eigentlich hier http://spielverlagerung.de/2014/07/08/vorschau-brasilien-deutschland/ recht gut prognostiziert. Aber dass extrem unwahrscheinliche Ereignisse (selbst bei der gleichen psychologischen Ausgangslage würde ein Spiel in einem Paralleluniversum nicht genauso ausgegangen sein) kaum vorhergesagt werden, liegt in der Natur der Sache.


Billy 9. Juli 2014 um 08:29

Möchte mich hier anschließen. Der Artikel ist mindestens so gut wie das Spiel. Vielen Dank dafür!

„Wirrer zu verteidigen als die eigene Frisur aussieht, ist vielleicht bei Jaap Stam akzeptabel, bei Luiz hingegen…“ – Weltklasse

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wombat 9. Juli 2014 um 11:21

wenn sich genau dieser satz in „krieg und frieden“ verirrt hätte, wäre das buch trotzdem ein muss.

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Roy 9. Juli 2014 um 13:30

Was hab ich bei dem Frisurenvergleich gelacht. Ein ebenso amüsanter und mit leichter Feder geschriebener Artikel wie das Spiel begeisternd war.

Danke für beides sozusagen.

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JS 9. Juli 2014 um 08:11

Danke für die Analyse. Du hättest keinen passenderen Titel wählen können.

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MR 9. Juli 2014 um 08:38

Credits dafür, dank dir 🙂

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HW 9. Juli 2014 um 09:25

Der Titel gefällt mir auch. Ich hoffe das Spiel wird in Zukunft weltweit nur noch „Das 7:1“ genannt.

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Janeane Garofalo 9. Juli 2014 um 13:31

Oder: »Das Spiel«

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chefkoch 9. Juli 2014 um 14:27

Es ist „Das Meisterstück“ einer Fußballgeneration.

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HW 9. Juli 2014 um 17:02

Wobei es dann schwierig wird dieses Spiel von jenem Spiel zu unterscheiden (z. B. dem 5:0 von Barca gegen Real – Welchem? – Na, DEM).

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HW 9. Juli 2014 um 17:28

PS

Aus deutscher Sicht geht natürlich „Das Spiel“.

Ich habe ein Buch namens Die 100 besten Spiele aller Zeiten.

Platz 1: Uerdingen – Dresden 7:3 am 19.03.1986

Ich denke, ich muss irgendwo in den Top-10 eine Seite einkleben.

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