Donnerstag, 08.12.2016

FC Schalke 04 – FSV Mainz 05 0:0

Der FSV Mainz 05 trat auswärts in Gelsenkirchen an und konnte durch eine abermals engagierte Leistung einen Punkt entführen.

Mainz wieder mit der Raute – und wieder einmal flexibel

Grundformationen zu Beginn

Grundformationen zu Beginn

Einmal mehr stellte Thomas Tuchel seine Mannschaft in der Raute auf, wobei diese gewohnt flexibel interpretiert wurde. Defensiv pendelten sie zwischen dem typischen 4-3-1-2 der Raute und dem 4-1-3-2, in welchem die Halbspieler der Raute sich etwas stärker nach vorne orientierten. Diese variable Interpretation war sehr gut gewählt; manchmal hielten Soto und Moritz die Position nahe Geis und verschoben mit diesem positions- wie ballorientiert, manchmal gingen sie jedoch mit kleinen Mannorientierungen in Richtung Flügel oder nach vorne. Dadurch konnten sie die Bewegungen der Schalker im Aufbau bei Bedarf spiegeln, hatten aber dennoch nahezu immer die Kontrolle über den eigenen Zwischenlinienraum.

Interessant war auch Koos Rolle auf der Zehn. Er war eine der zentralen Figuren im Pressing. Einmal mehr ging er immer wieder mit nach vorne und machte aus dem 4-3-1-2/4-1-3-2 ein 4-3-3 oder ließ sich vereinzelt sogar zurückfallen, um mit balancierenden ballfernen Bewegungen ein 4-4-2 herzustellen, welches die Verschiebebewegungen der Mittelfeldspieler unterstützte. Dies gab es aber wirklich nur punktuell in wohl auf einer Hand abzählbaren Szenen, was auf kurzes Rückwärtspressing Koos zurückzuführen sein dürfte.

Ansonsten tummelte sich Koo im Zehnerraum und hatte seine übliche Bewegungsrolle nach vorne und zu den Seiten sowie bei eigenem Ballbesitz als Nadelspieler und dynamischer Ballverteiler. Die Stürmer gingen manchmal auch situativ etwas mit nach hinten, woraus wiederum ein 4-3-3-0 oder asymmetrisches 4-3-2-1 in der Rollenverteilung werden konnte.

Im hohen Pressing orientierte Koo sich auch oft am tieferen Sechser der Schalker, während Okazaki und Müller auf die beiden Innenverteidiger gingen; dadurch erhielten die Hausherren oft kaum eine Chance auf einen ordentlichen Spielaufbau und mussten sich mit langen Bällen in den Pressingstrudel der Mainzer wagen. Koo ging auch vereinzelt auf Höhe der Stürmer, die selbst wiederum ebenfalls ballorientiert verschoben und gelegentlich nach hinten in die Halbräume mitarbeiteten.

Eine Szene des Schalker Aufbauspiels aus der zweiten Hälfte, wo Kolasinac etwas tiefer stand und den Ball erhalten konnte, Mainz aber zu einem 4-1-3-2 wurde. Der Ball kommt auf Goretzka, Neustädter läuft gut mit und sorgt für einen passablen Angriffsvortrag, der jedoch nicht in die Mitte getragen werden kann.

Eine Szene des Schalker Aufbauspiels aus der zweiten Hälfte, wo Kolasinac etwas tiefer stand und den Ball erhalten konnte, Mainz aber zu einem 4-1-3-2 wurde. Der Ball kommt auf Goretzka, Neustädter läuft gut mit und sorgt für einen passablen Angriffsvortrag, der jedoch nicht in die Mitte getragen werden kann.

Ansonsten waren die Mainzer Abstände, gruppentaktischen Bewegungen und Übergabemomente natürlich einmal mehr aller Ehren wert; wie seit Jahren von der Tuchel-Elf zu erwarten. Auf den Flügeln funktionierte das mannorientiertes Herausrücken der Außenverteidiger einmal mehr sehr gut und war variabel, es ging vereinzelt auch auf die hohen Außenverteidiger Schalkes oder die situativ immer wieder breitegebenden Flügelstürmer. Sogar Huntelaars Ausweichen nach rechts z.B. wurde bisweilen von Noveski gut mannorientiert verfolgt, ohne wirklich offene Räume in der Mitte zu offenbaren.

Mainz defensiv, wobei Soto und Moritz immer wieder tiefer und enger zu Geis gingen

Mainz defensiv, wobei Soto und Moritz immer wieder tiefer und enger zu Geis gingen

Defensiv stand Mainz somit in der hohen Pressingphase durch ihre Mannorientierungen, ihre variable Raumbesetzung und ihre gruppentaktische Sauberkeit wie Aggressivität sehr gut. Die Raute bzw. das 4-3-1-2 nach gegnerischem Angriffsvortrag sorgten auch für weitere positive (und einzelne negative) Effekte in der Spieldynamik.

Mainz‘ 4-3-Staffelung und Schalkes Angriffsmöglichkeiten

Wenn Schalke den Ball höher zirkulieren lassen konnte, gab es fast unweigerlich Probleme. Die 4-3-Staffelung des Mainzer Defensivverbunds öffnete ihnen die Flügelräume, doch sorgte für eine unangenehme Dynamik dort. Das schon erwähnte mannorientierte Herausrücken des Außenverteidigers sowie das schnelle Verschieben der Mittelfeldreihe isolierte den Außenstürmer, übte Druck auf ihn aus und versperrte ihm die zuvor angedeuteten diagonalen Wege und den Lauf in die Mitte.

Dadurch entstanden in der zentrale und in den Halbräumen sehr enge und besetzte Räume, welche Schalke nur schwierig durchbrechen konnte. Einige Durchbruchsversuche mit Überladungsansätze funktionierten teilweise, ansonsten gab es einige Distanzschüsse oder Flanken von Grundlinie wie Halbfeld, wirklich effektiv waren aber nur die ein paar Mal gespielten Spielverlagerungen über den Sechserraum auf den offenen Flügel und dort versuchte Schnellkombinationen. Dies war am effektivsten, da die Mainzer mit nur drei Leuten in der Mitte und ihrem großen ballorientierten Verschieben mitsamt ballfernen Einrücken natürlich bei schnellen Seitenwechseln am anfälligsten waren.

Kam der Pass nach hinten, entspannte sich das Mainzer Pressing und normalisierte sich wieder, wobei Koo in der Mitte immer wieder auf ungenaue Zuspiele und teilweise auf Verlagerungen lauerte und auch die beiden Stürmer kurzzeitig tiefer gehen konnten. Insbesondere wegen des schnellen Rückverschiebens und des gewohnt hohen Laufaufwands war es wichtig mit passendem Timing in den ballfernen Bewegungen und schneller Zirkulation auf die andere Seite zu kommen, was Schalke nur immer mal wieder gelang.

Geis konnte auch immer wieder die Meyer-Wege versperren, als Balancegeber bei höheren Pressingausflügen der Halbspieler fungieren und bei einrückenden Bewegungen Goretzkas Zugriff erschaffen. Diese Staffelungs- und Zugriffsvorteile der 4-3-Stellung überwogen die Nachteile, obgleich Schalke dennoch auf ein oder zwei Hochkaräter kam. Nichtsdestotrotz hatte in der Summe wohl Mainz mehr von der Spielkontrolle und auch von den Abschlüssen.

Schalkes Pressing und die Aufbaubewegungen der Mainzer

Alles in allem war neben Mainz‘ Defensive auch die Pressingarbeit der Königsblauen ein wichtiger Faktor. Sie formierten sich wieder im 4-4-2/4-4-2-0, womit man die Mitte versperren konnte. Mainz überging dies jedoch gut, sie kamen viel über die Flügel und nutzten die Bewegungen ihrer Außenverteidiger, der Mittelfeldspieler und auch die Breite der Innenverteidiger, um stabil zu bleiben.

Mainzer Aufbauszene mit den passenden Staffelungen, einem höheren Moritz, dem seitlich verschobenen Soto und dem tiefen Geis.

Mainzer Aufbauszene mit den passenden Staffelungen, einem höheren Moritz, dem seitlich verschobenen Soto und dem tiefen Geis.

Mit Soto und Moritz sowie dazu passend aufrückenden Außenverteidiger konnten sie ein paar Mal die defensiven Halbräume im Aufbauspiel nutzen, welche von den Schalker Stürmern nicht ordentlich anvisiert wurden. Dadurch hatten sie eine interessante Diagonalität in ihren Passmustern, wodurch sie auch über Koo versuchten in den Zwischenlinienraum zu kommen und die erste Mittelfeldreihe zu überbrücken. Vorne gab es die üblichen flexiblen Stürmerbewegungen und Ballungsräume, die man auch im Mittelfeld in Gegenpressingsituationen nach Ballverlusten sah.

Neben Soto und Moritz kam natürlich auch noch das Abkippen und generell die hohe Be

Schalke defensiv im 4-4-2

Schalke defensiv im 4-4-2

weglichkeit Geis‘ dazu, der für Ballzirkulation in der ersten Reihe mit den Innenverteidigern sorgte. Schalke erhielt dadurch kaum Zugriff und die versuchten Mannorientierungen, zum Beispiel ein paar Mal auf Geis, konnten neutralisiert werden. Bei Geis‘ Abkippen ging dann auch meistens einer der Achter etwas höher und ein anderer suchte sich freie Zonen im Halbraum, Koo ließ sich ansatzweise dynamisch in Richtung vakantem Sechserraum zurückfallen.

Erst in der zweiten Hälfte und dann in der Schlussphase presste Schalke höher und stärker im 4-4-2, erhielt bis auf einzelne Situationen – u.a. ein Fehlpass von Karius – aber kaum Zugriff und war offensiv für ihre individuelle Überlegenheit eher harmlos.

Einzelne individuelle Durchbrüche oder die erwähnten Chancen nach Seitenwechseln konnten die im Gesamtblick nur mäßige Leistung nicht wettmachen, obgleich Schalke defensiv in der eigenen Hälfte und in der Strafraumverteidigung relativ stabil stand und Mainz einige Male in der Offensive gut abdrängen und isolieren konnte.

Die Einwechslungen wirkten sich auf das Ergebnis nicht groß aus; Draxler kam für Meyer, Obasi für Goretzka und in der Schlussphase Szalai für Huntelaar auf Schalker Seiten, was in der Endphase sogar eine formative Veränderung bedeutete. In den letzten Minuten der Partie war diese allerdings nicht wirklich definierbar. In einzelnen Szenen wirkte es wie ein 4-1-4-1, manchmal aber auch wie ein 4-1-3-2 mit Boateng als zweitem Mittelstürmer, was sogar defensiv so gespielt wurde. Die angepassten Rollen betrafen auch eine offensivere Interpretation der Außenverteidiger. Tuchel tauschte mit Parker und Choupo-Moting (Koo und Okazaki) in der 74. Minute und Saller für Müller in der 83. Minute die Offensivreihe aus, der letzte Funken Durchschlagskraft entstand dennoch nicht dadurch.

Fazit

Tuchels Mannschaft zeigte wieder mal eine gute taktische Leistung, kontrollierte das Spielgeschehen für eine nominell schwächere Mannschaft ziemlich gut und hatte letztlich auch mehr Schüsse auf das Tor. Ohne Ralf Fährmann im Tor hätte dies auch einen Mainzer Sieg bedeuten können, obgleich Schalke mit ihrer individuellen Klassen und einzelnen guten Chancen in einer knappen Partie ebenfalls als Sieger hätte vom Platz gehen können.

king_cesc 23. Februar 2014 um 12:44

Off-Topic:
Kommt eine Analyse zu Real Sociedad – Barca?
Anscheinend hatte Barca ja keine Chance (konnte das Spiel leider nicht verfolgen).

Antworten

ES 22. Februar 2014 um 17:12

1) Beim Spielaufbau der Schalker wurden Matip und mindestens der tiefe Sechser im Pressing der Mainzer beinahe manngedeckt, wodurch unweigerlich der lange Ball von Santana kam, dem ein bisschen mehr Freiraum gelassen wurde. Meist kam der lange Ball gar nicht mal so ungenau auf Huntelaar, der aber hoffnungslos isoliert war. So würde ich auch gegen Schalke spielen. Matip, Sechser (am besten Neustädter) und Huntelaar zustellen. Dann geht nicht viel im Spielaufbau. Wenn Kirchhoff fit ist, würde es zwei Innenverteidiger geben, die Spielaufbau können, dann wird es für den Gegner schwieriger.
2) Hätte gerne gesehen wie Uchida zusammen mit Farfan bei den Freiheiten auf dem Flügel gespielt hätten. Da ist Hoogland doch ein bisschen arg hölzern.
3) Interessant fand ich den (positionstreuen) Wechsel Draxlers gegen Meyer. Ab da fehlte die Verteilstelle im 10er-Raum und es ging konstruktiv nicht mehr viel (außer den typischen Halbfeldflanken auf Boateng/Huntelaar. Ein bisschen unfair, da Draxler lange verletzt war, aber im Vergleich mit Meyer noch einmal eine Bestätigung zu Euren Thesen um Draxler als Nummer 10.
4) Tuchel geht mir mittlerweile schwer auf den Keks. Da macht er es sich ohne Druck auf Jahre gemütlich in Mainz, und freut sich immer, wenn er ein 0:0 gegen einen Champions-League-Teilnehmer holt. Er soll mal seinen lächerlichen Vertrag in Mainz bis 2016 absitzen, und dann zeigen, ob er mit seinen Fähigkeiten auch mal mit einem großen Club einen Titel holen kann. Alles andere wäre schon charakterlose Talentverschwendung.

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Koom 22. Februar 2014 um 17:49

Meyer ist wirklich sehr stark. Als der rausging, war deutlich weniger Gefahr im Angriff der Schalker. Der hatte zuvor mit seinen flinken Bewegungen immer wieder mal Räume geschafft.

Generell ein bärenstarkes Team.

Und zu 4.) Eine Mannschaft zu entwickeln, zu erschaffen, mit kleinen Mitteln, kann eben auch seinen Reiz ausmachen. Tuchel ist jung genug und wird noch genügend große Vereine trainieren. Bis dahin kann er – wie Klopp – alles ausprobieren, was er will und dann ein sehr viel besserer Trainer sein als jetzt.

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Steffen1904 22. Februar 2014 um 18:36

zu 1) Ich glaube, dass der Aufbau über den langen Ball von Santana von Schalke teilweise schon gewollt war…gegen Mannschaften, die das Zentrum zustellen probieren die häufig über zweite Bälle nach vorne zu kommen (z.B. letzte Woche gegen Leverkusen hat das ja auch ganz gut funktioniert). Matip ist eher für die risikoreicheren, flachen Vertikalpässe oder Vorstöße mit Ball am Fuß zuständig. Bin auf jeden Fall auch gespannt, wie Kirchhoff eingebunden wird…da hat man im Aufbauspiel noch mehr Möglichkeiten.
zu 3) Der Wechsel Draxler Meyer war glaube ich schon das Eingeständnis, dass man spielerisch nicht mehr durchkommt…Halbfeldflanken auf Boateng/Huntelaar und die Durchschlagskraft von Draxler aus der zweiten Reihe sind dann halt der einzige Plan B den man noch so in der Tasche hat. Hätte mir dann aber auch eher gewünscht, Meyer drinnen zu lassen und Draxler auf dem Flügel zu bringen…da war deutlich mehr Raum aus dem er dann mal was machen kann!

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Mainzer 23. Februar 2014 um 12:19

Ja, das wär Spitze, wenn der Tuchel mal zu einem Großen (FCB) ginge. Dann wären Sie ja frei EK. Ihrem Kommentar nach müssen Sie schon ein echter Könner sein. Dann würden die Mainzer Sie nehmen Herr FK. Alles andere wäre schon eine talentlose Charakterverschwendung 🙂

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Meenzer 25. Februar 2014 um 12:06

Zu Punkt 4.
Dein Neid auf uns, wegen Tuchel, hättest du nicht bescheidener zum Ausdruck bringen können. Wann soll S04 denn Titel holen? Für die ist es doch schon eine gefühlte Meisterschaft wenn sie sich direkt für die CL qualifizieren. Und ob Tuchel dich nervt, interessiert doch niemanden.

Edit vom Admin: Gekürzt. Bitte respektvoll miteinander umgehen.

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ES 27. Februar 2014 um 06:50

Wer hat denn gesagt, dass Tuchel zu Schalke kommen soll?

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Steffen1904 22. Februar 2014 um 14:31

Interessant zu beobachten, dass Schalke seit der Rückrunde (und auch schon in den letzten Spielen vor der Winterpause), so ein Spiel deutlich intelligenter angeht als vorher. Man hat gemerkt, dass Mainz mannschaftstaktisch sehr gut eingestellt war und das auch bärenstark umgesetzt hat…in der Hinrunde hätte Schalke so ein Spiel fast sicher verloren. Grade zu Hause hat man häufig die komplette Balance aufgegeben, um noch irgendwie das Siegtor zu machen und hat sich dann die Konter gefangen. Jetzt hat man an der Entscheidungsfindung der Spieler in der Offensive gemerkt, dass man so einen Punkt zu Hause gegen Mainz auch einfach mal mitnehmen kann. Schalke ist mittlerweile ziemlich diszipliniert im Gegenpressing und macht auch mal gute taktische Fouls um Konter zu vermeiden. Sieht so aus als hätte Keller ein besseres Händchen, was die Anpassung an den Gegner angeht (naja, und Jones steht halt nicht mehr auf dem Platz).
Fand auch bemerkenswert, wie Keller später im Interview das Spiel relativ treffend beschrieben hat:
– Mainz mannschaftstaktisch sehr stark
– nach Flankenwechsel hatte man kurz Räume auf den Flügeln
– die hat man zu langsam bespielt, sodass Mainz verschieben konnte
…ungefähr so hätte ich das wohl auch zusammengefasst. Mit einem Sahnetag von Meyer und Goretzka hätte man aus ein paar Situationen mehr machen können (zum Teil nicht so ganz optimale Entscheidungsfindung meiner Meinung nach), aber das gleiche könnte man wohl auch über Mainz sagen. Deshalb aus Schalker Sicht: zu null gespielt, Punkt gegen einen sehr starken Gegner mitgenommen – voll in Ordnung!

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DB 22. Februar 2014 um 14:08

Vielen Dank für den lesenswerten Artikel, habe viele Dinge wiedergefunden und erklärt bekommen;)
@RM: Eine Rückfrage zur Raute generell: Du beschreibst ja, dass man defensiv durchaus anfällig ist („Wenn Schalke den Ball höher zirkulieren lassen konnte, gab es fast unweigerlich Probleme.“). Oft wird ja gesagt, eine Raute eignet sich nicht zur Verteidigung wegen der nur einfach besetzten Flügel, ist aber offensiv super weil man viele Dreiecke bilden kann. Ich denk, wenn man hohes Angriffspressing spielt wie Mainz ist die Raute erstmal ein Super-System, aber warum stellt man später nicht um, wenn man mal überspielt wurde, also die von dir angesprochene hohe Ballzirkulation der Schalker? Ich erinner mich an die Szene vor der großen Farfan-Chance in der ersten Hälfte, als Schalke mit zwei Pässen über den Flügel in den Strafraum kam und Farfan den Ball aus vollem Lauf mitnehmen konnte. Da stand Mainz ohne viel zu verschieben mit ner sehr klaren Raute vor der Viererkette. Da frag ich mich, warum nicht fix auf ein flaches 4-4-2 umstellen, Okazaki und Müller kommen mit zurück und man steht viel kompakter? So hat Mainz versucht, gegen eine individuell überlegen Mannschaft mit sieben bis acht Mann (je nachdem wie man Koo in der Situation sieht) zu verteidigen…

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RM 22. Februar 2014 um 14:13

„Unweigerlich Probleme“ ist zu scharf, habe ich das echt drinnen? Man bekommt in bestimmten Aspekten Probleme, die sind aber nicht einfach bespielbar und persönlich empfinde ich die Raute auch defensiv als tolle Formation und zum Umschalten eigentlich auch.

Ansonsten kann man das durchaus so sehen, wie du. Ist sicher Stilfrage, ich finde aber, dass Mainz die Raute schon sehr gut umsetzt und mit einem Wechsel im Spiel ins 4-4-2 wohl ein paar andere Probleme bekommen könnte.

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RM 22. Februar 2014 um 14:24

Ah! „Unweigerlich Probleme“ bezog sich auf Schalke, da sie dort isoliert wurden, mea culpa, kommt nicht passend rüber. 🙂

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DB 22. Februar 2014 um 14:53

Vielen Dank für die schnelle Antwort, jetzt versteh ich was du meintest;)
MR hatte das ja auch in seinem Beitrag im letzten Heft zur jüngeren Geschichte des BVB, die hatten ja mit der Raute auch selten Defensivprobleme, weil sie vor allem Halbfeldflanken zugelassen habe, die Subotic und Hummels dann konsequent rausköpfen konnten.
Das System passt schon super zu Mainz, ich hab nur den Eindruck dass sie manchmal im Verlauf des Spiels Probleme damit bekommen. Z.b. das verlorene Pokalspiel gegen Freiburg letztes Jahr. Da führen sie früh 2:0 und konnten mit der Raute super Druck aufbauen, vor allem zu Beginn des Spiels. Freiburg hat dann aber mit zunehmender Dauer v.a. Caliguiri auf links gegen Pospech in 1vs1 Situationen schicken können, folge war dann Gelb-Rot für Pospech und letztlich Sieg für Freiburg (bischen vereinfacht). Mit doppelt besetzten Flügeln wäre es vielleicht nicht passiert oder zumindest nicht so viel gerenne gewesen.
Denke dass sich so die ja auch im letzten Podcast angesprochenen häufigen Umstellungen besser erklären lassen.

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BG 22. Februar 2014 um 15:16

Ich kann mich irren, aber zu Saisonbeginn hat Mainz (als Moritz noch als Zehner eingesetzt wurde) es defensiv mal so gemacht, dass der LMS gegen den Ball nach links hinten kippt und der nominelle Zehner dafür neben den RMS aufrückt, sodass eine 4-4-2 bzw. 4-3-3 Anordnung (je nachdem wie sich der rechte Halbspieler in der Raute verhalten hat) entstanden ist. Kann sein, dass das nur situativ der Fall war, aber es ist mir irgendwie hängen geblieben.

In jedem Fall eine sehr lesenswerte Analyse; danke dafür!

Ich hatte den Eindruck, dass Soto, der imo ein sehr ordentliches Spiel gemacht hat, tiefer als sein Pendant Moritz gespielt hat und sich im Aufbauspiel gelegentlich zu Geis‘ Entlastung in den eigenen linken Halbraum hat abkippen lassen. Man darf gespannt sein wie Tuchel in Leverkusen aufstellt, wenn Park wieder fit ist! Btw: Ich hätte nicht erwartet, dass du mit deiner Einschätzung bezüglich Park recht behalten solltest, dass er eine dauerhafte und vorzeigbare Option im DM darstellt! 🙂

PS: Klasse, dass ihr bei der medialen Fokussierung auf die Bayern und zuweilen Dortmunder regelmäßig „kleine“ Clubs wie Mainz analysiert.

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RM 22. Februar 2014 um 15:50

Ja, diese Anordnungen habe ich angedeutet bzw. kurz erwähnt 🙂

Zu Soto und Moritz: Sh. die Situationsgrafik.

Haha, stimmt, Park habe ich überraschend gut getippt! Und Danke für das Lob 🙂

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CF 22. Februar 2014 um 15:00

Viele Gegner mit Raute fangen ja schon an, dann umzustellen. Hoffenheim hatte letztes Jahr mal so eine Phase mit Raute, wo sie dann immer in ein 4-5-1 gewechselt sind mit einem der beiden Stürmer, der zum. Ball verschoben hat und dann Rückwärtsgepresst hat. Sodass quasi ein Asymetrisches 4-5-1 ein mit höherem Ballnahen Flügelspieler ensteht, dass hat ziemlich cool geklappt, da eine Pressingfalle entsteht und gleichzeitig bei einem Ballgewinn schon eine Rochade ausgeführt wurde, somit war man bei Kontern effektiver.

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LZ 24. Februar 2014 um 05:36

Hoffenheim ist ein gutes Beispiel: Gisdol stellte ja erst am Wochenende erst gegen Gladbach erfolgreich auf Raute um. Was dachte man zum Ende T.Schaafs Zeiten nicht alles, dass die Raute ein veraltetes System sei. Für mich liegt der entscheidende Unterschied in der Defensivausrichtung (wie Du schön mit einem 4-5-1 beschreibst) und in der extrem seitlichen Verschiebung. Die 3er Kette (4-3-1-2) bei tieferer Stellung als zentraler Riegel vor der Abwehr als auch 3er Kette in Offensivstellung zum Pressing (4-1-3-2) macht für mich in Mainz den Unterschied. Ich glaube zudem dass man in Mainz den Vorteil der flexiblen Systemumstellungen nicht mehr lange genießen können wird, weil das andere Teams (wie jetzt Hoffenheim) langsam ebenfalls übernehmen.

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LM 22. Februar 2014 um 12:45

Ich hab nur die erste Halbzeit gesehen und war später ziemlich überrascht, dass es beim 0:0 geblieben ist. Wenn mal ein Angriff durchging (auf beiden Seiten) war’s ja doch durchaus nicht ungefährlich. Die flexible Offensive 3er-Besetzung bei Mainz gefällt mir richtig gut, da hatte Schalke doch Glück, dass Fährmann stark drauf war.
Was ich furchtbar fand, waren diese völlig überhasteten (Halbfeld-)Flanken von Schalke, die auf gut Glück einfach mal reingebolzt wurden. So nach dem Prinzip: Seite wechseln -> Ablage -> warten, bis 2 Mitspieler überladen und sich gut für ne Kombination positionieren -> trotzdem selber flanken -.-

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