Monacos flexible und ambivalente Leistung gegen PSG

Mit einem 1:1 endete das französische Topspiel zwischen den beiden neureichen Mannschaften, die aktuell die Ränge 1 und 2 der Tabelle belegen. Eine Analyse mit Fokus auf die Hausherren und insbesondere deren Defensivspiel.

Bereits vor der Winterpause gab es einen ähnlichen Artikel zu einer Begegnung von PSG gegen Lille, bei der die grundsätzliche Ausrichtung der Mannschaft von Laurent Blanc bereits angesprochen – mehr dazu auch in diesem Artikel – wurde, der Fokus aber ebenfalls auf der Defensivarbeit des jeweiligen Gegners lag. Nach einem derartigen Muster wird auch diese Analyse sich grundsätzlich richten.

Die Ausrichtung der Gäste

Wie gewohnt traten die Hauptstädter unter Laurent Blanc mit einem ballbesitzorientierten 4-3-3 an, das von einer enormen Aufbaupräsenz und gewissen Asymmetrien geprägt war. Als Unterstützung für den tief agierenden Thiago Motta rückte der als halbrechter Achter aufgebotene Verratti in seiner giftigen, umtriebigen Art sehr weit nach hinten in den rechten Halbraum, wo er bisweilen hinter den offensiven van der Wiel herauskippte und seinem Nationalmannschaftskollegen somit bei der Aufbauarbeit half. Dagegen agierte Matuidi als linker Achter wie üblich etwas breiter und offensiver, attackierte größere Räume, betätigte sich gelegentlich als Raumfüller und rochierte einige Male auf den Flügel hinaus.

Ebenso wie in der Mittelfeldebene gab es auch davor in der Angriffsreihe eine Asymmetrie, die durch die Besetzung zwischen Lucas Moura auf rechts und dem einrückenden, spielmachend agierenden Pastore auf der anderen Seite zustande kam. Während der Aufbau gerade durch Verratti über einige Phasen auch ziemlich rechtslastig gestaltet werden konnte, zeigte sich im weiteren Angriffsverlauf dann vor allem die linke Bahn mit dem präsenten Argentinier und den herüberschiebenden Mittelfeldakteuren bestimmend – einige Male rückte das mannschaftliche Kollektiv weit ein und ermöglichte ansehnliche Engen für das Zusammenspiel. In seiner weitgehend unauffälligen Art wirkte der dribbelstarke Lucas auf rechts dabei meistens ausgleichend, wählte seine genauen Positionierungen oftmals geschickt balancierend und zeigte auch einige strategische Horizontaldribblings für die Unterstützung seiner Kollegen. Diese wurden insbesondere dann eingesetzt, wenn Pastore mit weitem Einrücken die Linkslastigkeit auflöste und das Spiel doch eher durch die Mitte oder auch den rechten Halbraum vorangetrieben werden sollte.

Monacos Defensivspiel

Wichtigstes Kennzeichen der Defensivspielweise Monacos war die spezifisch angepasste Ausführung ihrer 4-4-2-Grundformation. Dabei orientierten sich die beiden Angreifer ziemlich tief, agierten eher um den tiefsten gegnerischen Mittelfeldspieler herum, der zwischen ihnen eingeschlossen werden sollte, und ließen die Innenverteidiger entsprechend gewähren. Da Motta und Verratti häufig beide recht tief gingen, nahmen sie nach Möglichkeit lose Mannorientierungen gegen die beiden ein. Auf den Flügeln schoben Ocampos und James Rodríguez auch in der Grundstellung recht weit zur Mitte, rückten erst spät auf die beiden Außenverteidiger heraus und positionierten sich stattdessen so, dass sie bei Bedarf situative Mannorientierungen gegen die Achter von Paris aufnehmen konnten. Insbesondere bei Matuidi auf der in der Tiefe weniger bespielten linken Seite von PSG wurde dies häufig praktiziert und sorgte insgesamt für eine zusätzliche Verengung und Stabilisierung der Halbräume.

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Die Grundstellung in etwas hochgeschobener Ausrichtung

Neben diesem Grundprinzip gab es noch zwei weitere größere Aspekte, die entscheidenden Einfluss ausübten. Zum einen hatten die Gastgeber einige Varianten und Umformungen parat, mit denen sie sich an bestimmte Situationen anpassten – wie beispielsweise an die herauskippenden und zurückfallenden Bewegungen von Verratti sowie dessen Interaktion mit Thiago Motta oder an Phasen mit besonders hochgeschobenen Außenverteidigern bei PSG durch stärkere Mannorientierungen seitens der Flügelstürmer.

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Situative mannorientiertes Verfolgen von Ocampos gegen van der Wiel in eine Art Fünferkette bei zentral zurückgefallenem Verratti.

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Orientierung der beiden Stürmer an Thiago Motta und Verratti, während James Rodríguez seine enge Bindung an Matuidi hier auflösen muss, da er für den gegen Pastore herausrückenden Moutinho absichernd leicht ins Zentrum schiebt.

Eine weitere dieser Varianten bestand außerdem in einem höheren Pressing, für das Monaco dann vereinzelt überfallartig hochschob – dies war der zweite größere Aspekt, der zusammen mit den möglichen Varianten das Grundprinzip ergänzte.

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Monaco mit hohem Pressing: Verratti dribbelt in die Mitte, wo sich Monaco aber in einen Ballungsraum zusammenzieht und den Ball gewinnt. Die Hausherren müssen hohes Risiko eingehen und lassen viel Raum, werden aber durch zwei gute Schussgelegenheiten im Strafraum belohnt.

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Die Kehrseite der Medaille: Auch weil Monaco hier deutlich unkompakter nachschiebt, kann Verratti sich aus der schwierigen Lage über Thiago Motta und eine anschließende Verlagerung in den tiefen Halbraum auf Pastore befreien.

Das wohl größte Problem der Ausrichtung Monacos wurde in diesen Stellungen bereits angedeutet – in der Tiefe gab es immer wieder Lücken und unbesetzte Räume in der Vertikalen. Insbesondere wenn sich PSG aus dem Pressing lösen und aufrücken konnte, kamen die Offensivakteure Monacos, die sich in den vorderen Zonen noch engagiert beteiligt hatten, nach diesem Überspielen der ersten Linie nicht immer mehr konsequent nach hinten zurück. Die dadurch entstehende Unkompaktheit sorgte mit für die besten Chancen der Gäste, die einige gefährliche Flügeldurchbrüche auf diesem Wege einleiten konnten – einmal wurde das 0:2 allein dadurch verhindert, dass Ibrahimovic nach einer Hereingabe das Leder nicht richtig traf.

In gewisser Weise war diese defensive Ambivalenz mit gutem Pressing, aber oftmals fehlendem Zurückrücken ein wenig symptomatisch für Claudio Ranieri. Dessen Teams zeigen häufig kohärente und in ihrer soliden Grundstruktur überzeugende Defensivkonzepte und Pressingabläufe, zu denen sich gelegentlich sogar die eine oder andere herausragende Idee mischt, allerdings ist das kollektive Zurückschieben nach Überspielen oder in weniger intensiven Phasen immer mal wieder problematisch.

Offensive Ambivalenz bei Monaco

Vorne zeigten sich bei Monaco die im Verlaufe der Spielzeit immer mal wieder aufgetretenen Schwächen beim Nutzen zentraler Zwischenräume, in die sie ihre Spieler nicht immer gut genug hineinkriegen. Gerade zu Beginn der Saison war dies in den 4-3-3-Formationen mit Joao Moutinho, der Verbindungsspieler eher für das zweite denn das letzte Drittel ist, als Achter/Zehner auffällig gewesen, als sie sich in vielen Begegnungen hier zu sehr von den einrückenden Dribblings der Flügelstürmer abhängig gezeigt hatten. Allerdings bestanden und bestehen diese Probleme dabei oftmals nur aus feinen Nuancen. In dieser Partie präsentierten sich die Monegassen in dieser Hinsicht sehr wechselhaft, da es einige Szenen gab, in denen sie zu große Löcher in den zentralen Bereichen offenbarten, aber auch Phasen, in denen sie bei jenen Aspekten eine überzeugende Leistung ablieferten.

Gerade in der zweiten Halbzeit, als sie etwas mehr und konstanter Ballbesitz bekamen, konnten sich diese Strukturen viel balancierter entwickeln und in ihrer Ausführung einpendeln. Vor dem Seitenwechsel hatten neben den schwachen Szenen die etwas übertriebenen und wilden Aktionen überwogen, doch nun kamen auch einige starke Kombinationsstrukturen zustande. Diese zeigten sich gelegentlich in guter Mischung mit einigen etwas breiteren Positionierungen und wurden insgesamt immer wieder stark begonnen, litten aber am Kernproblem, dass sie nach dem vielversprechenden Anfangen zu selten dann auf dem gleichen Niveau auch zu Ende gespielt wurden.

Dies war vor allem dadurch begründet, dass die gruppentaktischen Abläufe einzelner Bereiche nicht stark genug miteinander verknüpft und mannschaftstaktisch eingebettet waren, um sie dann weiterführen und in Durchschlagskraft umwandeln zu können. Die Verbindungen einzelner Gruppen und das Bespielen bestimmter Räume funktionierten, der Zusammenhalt der Gruppen untereinander sowie der Raumübergang bereiteten dagegen aber phasenweise noch einige Probleme. Manchmal kamen in genau diesen Kontext auch schlechte Entscheidungsfindung und nicht ideales Rhythmusgespür hinzu. So gab es einige Szenen, in denen jene Probleme noch dadurch verschärft wurden, dass die Akteure unsicher waren, wann genau die jeweiligen Angriffe gestartet werden mussten und ab welchem Raum man schließlich auf den Durchbruch zum Tor gehen sollte.

Daher mussten es in der Schlussviertelstunde dann die nachstoßenden Außenverteidiger richten, die vor der Pause aufgrund des oftmals eher breiten 4-4-2 sehr defensiv hatten auftreten müssen. Mit der Einwechslung des balancierenden und absichernden Kondogbia sowie der damit verbundenden Formationsumstellung auf eine Raute erhielten sie ungleich viele Freiheiten. Nach Kombinationen über Joao Moutinho und James Rodríguez im rechten Halbraum wurde insbesondere Fabinho dann oft freigespielt – der Brasilianer kam zu mehreren Chancen und zeichnete unter anderem auch für den Ausgleich verantwortlich. Diese Szenen gewannen auch dadurch an Effektivität, dass man die Angriffe noch stärker auf einen bestimmten gruppentaktischen Bereich konzentrierte und die problematischen Übergänge zu anderen Räumen zusehends wegließ.

Fazit

Insgesamt zeigten die Hausherren aus Monaco in allen Belangen eine ambivalente, aber doch definitiv hoch zu würdigende Leistung. Einerseits war ihr Pressing in den vorderen Bereichen engagiert, anpassungsfähig und einige Male brandgefährlich, aber beim Umschalten in den Rückwärtsgang nach Überspielen zeigte der Tabellenzweite zu große Lücken. Andererseits hatten sie in der Offensive phasenweise große Schwierigkeiten mit Verbindungen und Raumbesetzung, aber konnten sich gerade nach dem Seitenwechsel steigern und ihre starken Situationen zunehmend häufiger aufziehen. Weil die Gäste aus Paris wieder einmal eine sehr bewusste und mit dem Linksfokus sowie den Bewegungsmustern im Sechserraum taktisch gut eingestellte Leistung brachten, allerdings auch nicht die ganz große Offensivpräsenz erzeugten und insgesamt eher solide spielten, war der späte Punktgewinn des Aufsteigers schließlich verdient.

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