Donnerstag, 23.10.2014

Die Spielzüge des Jahres: Dortmunds herauskippender Sechser

Wie der BVB das Pressing der Bayern ausmanövrierte und den Konkurrenten zum Handeln zwang. Über die Wichtigkeit taktischer Struktur im Spielaufbau und kluger Raumorientierung in der Defensive.

In unserer neuen Serie der “Spielzüge des Jahres” wollen wir eine Auswahl besonders interessanter taktischer Szenen des abgelaufenen Kalenderjahres untersuchen. Wir erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder hervorstechende Relevanz der Szenen, sondern orientieren uns hauptsächlich an der taktischen Brisanz.

+++ 11. April 2012, Dortmund +++ Bundesliga, 30. Spieltag +++
Borussia Dortmund – FC Bayern München 1:0

- 5. Minute -

Den Beginn macht ein langer Angriff, den die Dortmunder Borussia im entscheidenden Meisterschaftsspiel der vergangenen Saison gegen den FC Bayern vortrug. Obwohl die resultierende Torchance vergeben wurde, markierte jener Angriff einen Schlüsselmoment im Duell der deutschen Spitzenteams. Denn es war keiner jener blitzartigen Konterangriffe, für welche die Borussia die größte Bekanntheit genießt, sondern eine hervorragend konzipierte Attacke aus einer Ballbesitzphase heraus. Dieser Spielzug ist damit beispielhaft für die taktische Entwicklung, die den BVB zum Doublesieger machte, und steht symbolisch als Auslöser für die Weiterentwicklung der Bayern, welche die folgende Hinrunde ein verbessertes Defensivsystem zeigten und mit nur sieben Gegentoren Herbstmeister wurden.

  • Phase 1: Dortmunds Aufbau mit herauskippendem Sechser

Die taktische Einleitung dieses Angriffs deckt eine kleine, aber feine Ungenauigkeit auf, die oft in formationstaktischen Diskussionen gemacht wird. So sagt man oft, dass eine flache 4-4-2-Ordnung den Gegner auf seine Außenverteidiger leiten will, da eben diese “Außenverteidiger offen gelassen werden”. Das ist nicht ganz richtig: Die Außenverteidiger-Räume werden offen gelassen. Das ist nur dann gleichbedeutend, wenn diese Räume auch von den Außenverteidigern selber besetzt werden. Das muss aber gar nicht sein, wie der BVB in der fünften Minute seines wichtigen Sieges wirkungsvoll demonstrierte.

Hummels bekommt einen Ball, den Neuer zu weit weggeschlagen hat. Beide Teams stehen im wesentlichen in ihrer Defensivordnung, Bayern im klassischen 4-4-2-Mittelfeldpressing. Dortmund beginnt nun diese aufzubrechen: Schmelzer und Piszczek rücken etwas vor, Kehl visiert den frei werdenden Außenverteidiger-Raum hinter Schmelzer an – er “kippt heraus”. Gündogan folgt Kehls Lauf und übernimmt eine zentrale Position. Eine 3-3-3-1-Grundordnung entsteht.

So zeigte sich hier Klopps spannender Kniff, einen Sechser neben die Innenverteidiger anstatt dazwischen abkippen zu lassen. Durch die horizontale Verschiebung beider Sechser werden die Pressingmechanismen des 4-4-2 durcheinander gebracht: Der Vorteil des 4-4-2 beruht vor allem darauf, dass die Passwege zwischen Innenverteidigern und Sechsern geschlossen sind. So kann man dann Druck auf die Innenverteidiger machen, ohne dass diese eine Option nach vorne haben.

Wenn die Sechser sich aber nun seitlich nach außen schieben, so bewegen sie sich aus dem Deckungsschatten der Stürmer heraus. Es entstehen ganz andere Verbindungen – so steht dann plötzlich der rechte Sechser vor dem linken Innenverteidiger. Die Stürmer müssen ihre Mannorientierung nach vorne und hinten aufgeben und geraten in eine völlig veränderte Situation. Sie können nun nicht mehr gleichzeitig die Passwege ins Mittelfeld und auf die Sechser schließen – der Gegner kann nun also entweder vertikal in die Offensive spielen oder seinen herausgekippten Sechser ins Spiel bringen, wie es die Dortmunder hier taten.

Müller und Gomez hatten keine Idee, wie die schwierige Verschiebung des Gegners zu kompensieren war. Müller versuchte zwar, den Passweg zu Kehl zu sperren, aber tendierte dabei zu stark zum freien Gündogan. So wurde Kehl anspielbar und gleichzeitig wurde auch Gündogan für Hummels bedienbar. Diese Freiheit brachte das gesamte Mittelfeld der Bayern zum Handeln, wodurch sie ihre Kompaktheit im Raum teilweise aufgaben – zu diesem Zeitpunkt verteidigten die Münchner situativ sehr mannorientiert.

Kroos bricht aus der Doppelsechs aus um Gündogan zu übernehmen. Das ist notwendig, weil der Passweg zu Gündogan freirochiert wurde. Durch die Verschiebung der Sechser, kam er “hinter Gomez weg”, da der sich eigentlich an Subotics Passwegen orientieren soll. Gustavo übernimmt währenddessen Kagawa in loser Manndeckung. Im Mittelfeld rochiert Großkreutz währenddessen sehr klug um den vorpreschenden Schmelzer herum nach hinten, was Lahm und Robben vor Probleme beim Übergeben des Gegners stellt.

Kehl treibt den Ball dann aus dem Außenverteidiger-Raum nach vorne, wobei Müller ihn dann doch verfolgt, aber nur noch hinterherlaufen kann. Durch die Mannorientierungen auf Gündogan, Kagawa, Großkreutz und Schmelzer schieben sich Räume auf, die der BVB nun klug nutzt. Schmelzer geht in Gr0ßkreutz’ Raum, dieser fällt in Kehls Grundraum zurück und der nutzt Schmelzers freigeräumte Bahn für den Vorstoß.

Aus der Mitte geht Großkreutz nun wieder nach außen. Durch die Rochade mit Schmelzer hat er die entscheidenden Schritte Platz um anspielbar zu sein. Wichtiger ist aber der große Raum, den die Drehung der Offensivspieler in Bayerns Zentrale reißt. Diesen können Kehl und Großkreutz nun mit einer Kombination ansteuern.

In dieser Szene kann man leicht den Unterschied zwischen Bayerns damaligen Pressing und dem der Dortmunder oder der “neuen Bayern” aufzeigen. Der Raum, in den sich Kehl mit Großkreutz kombiniert, wäre in solch einem raumorientierteren Defensivspiel wohl abgedeckt gewesen, wodurch mit einer guten Wahrscheinlichkeit schon hier der ganze Angriff beendet gewesen wäre.

Die zentralen Fehler, oder besser vielleicht Probleme, die sich bei Bayern in dieser Szene zeigte, lagen in den direkten Zuweisungen im Mittelfeld, die im Kontrast mit der unflexiblen Raumorientierung der Stürmer standen. Dass Kroos im ersten Moment Gündogan anläuft ist im Grunde richtig, um Druck machen zu können, falls er angespielt wird. Besser wäre es aber noch, wenn Müller oder Gomez ihn kurz in ihren Deckungsschatten übernehmen, um dem Mittelfeld ein kompaktes Verschieben zu ermöglichen.

Hypothetisch: Wie Bayern die Szene bei besserer Raumorientierung hätte lösen können.

Zudem muss Kroos nicht so nah an den Gegenspieler heranrücken, solange er nicht angespielt ist. Besser wäre gewesen, das Tempo so aufzubauen, dass er bei einem Pass dann durch kurzen Antritt mit Geschwindigkeit in den Zweikampf gehen kann, anstatt bereits am Gegner zu stehen – hier fehlte es an individualtaktischer Bewusstheit. In dem Moment, in dem Kehl den Ball bekommt, müsste Kroos jedoch so oder so wieder in seinen Raum zurückfallen, um das Verschieben zu ermöglichen (siehe Darstellung rechts). Diese laufintensive Grundorientierung an den Räumen fehlte Bayern ebenfalls.

Gleichermaßen hätte sich Gustavo besser im Raum bewegen müssen, anstatt sich an Kagawa zu heften. Dann wäre er in der Formation mitverschoben, Bayern hätte auf Dortmunds Verschiebung reagieren und Überzahl in Ballnähe schaffen können.  Der oben markierte Zielraum wäre in Reichweite gewesen um den Pass abzufangen oder Kehl im Zweikampf zu stellen.

Dieses Verschieben funktioniert aber natürlich nur dann richtig, wenn es keine riesigen Löcher in die  Formation reißt. Gustavo war also auch auf Kroos angewiesen, der ihn hätte absichern müssen. Man erkennt hier also, dass Bayerns Defensivschwächen keinen Einzelspielern zuzuschreiben waren. Es geht um das Miteinander, die Abstimmung bei der Übernahme von Räumen und Gegenspielern und das grundlegende Konzept, dem Heynckes’ Spieler folgen. Vergangene Saison war dies noch sehr darauf ausgelegt, möglichst direkt in Zweikämpfe zu kommen, wodurch Absicherungen manchmal vernachlässigt wurden.

Diese fehlende Absicherung und Abstimmung wird dabei auch an anderen Stellen dieser Szene deutlich: Gomez reagiert nicht so recht auf Müllers erzwungenes Ausbrechen, Lahm und Robben bekommen Schmelzer nicht übergeben, der deshalb einen Moment lang auf dem Flügel frei durchkommt, Müller verfolgt nach Kehls Abspiel den Ball und nicht den Gegenspieler, weshalb dieser sich überhaupt erst wieder lösen kann. Bayern verteidigte alles in allem recht plump und ließ an vielen Ecken das defensivtaktische Geschick vermissen.

Dortmund hat sich vom Flügel gelöst und den Ball kontrolliert ins Mittelfeldzentrum gebracht. Kehl verlagert nach der Kombination auf die geöffnete rechte Seite.

Man sieht, wie arg Bayern durch Dortmunds relativ simplen und risikolosen Spielzug hinten hineingedrückt und zerwirbelt wurde. Eine improvisierte 5-4-0-1-Ordnung hat sich ergeben, Robben und Müller sind sehr weit aus ihren Räumen gezogen, die Abwehr fast bis an die Strafraumgrenze zurückgezogen. Resultat ist ein riesiger freier Landstrich in Bayerns Hälfte. Diesen besetzen die Dortmunder nun und attackieren das Angriffsdrittel.

  • Phase 2: Dortmunds Kombinationsspiel aus der Raumkontrolle

Was die Borussen gegen den tiefstehenden Gegner nun sehr gut erreichten, war die Mischung aus Ballkontrolle und Zug zum Tor. Sie wurden nicht hektisch, sondern ließen den Ball kontrolliert durch die offenen Positionen laufen, hielten Kontakt nach hinten und bauten Temp in den Zwischenräumen auf.

Piszczek

Piszczek wird von Ribery unter Druck gesetzt, aber kann simpel auf Gündogan verlagern. Aus dem Zentrum kann er nun ohne jeden Druck (!) eine Kombination einleiten. Dafür wählt er Großkreutz, der direkt auf Kagawa ablegt. In der Unterzahl gegen Kroos, Badstuber, Alaba  und Ribery verlagert dieser weiter auf außen und geht kein unnötiges Risiko mit einer Einzelaktion.

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Kagawa bewegt sich mit nach außen, um Bayerns Aufmerksamkeit von Blaszczykowski wegzuhalten. So verhindert er eine gegnerische Überzahl und Bayern bekommt weiter keinen Zugriff. So kann Dortmund völlig ungestört wieder zurückspielen.

Bermerkenswert ist hier die taktische Disziplin der Borussen, die in der Drucksituation die Geduld und Übersicht haben, nah am gegnerischen Strafraum noch einmal hinten herum zu spielen, weil der Gegner weiterhin zu tief steht. So bekommen sie einen zweiten Versuch in exakt der gleichen Grundposition, aus der sie bereits die erste Attacke fahren konnten.  Dass die Bayern den Angriff vorerst blocken konnten, nützt ihnen nichts.

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Gündogan sucht wieder Großkreutz, der zum dritten Mal im laufenden Spielzug sehr gut klatschen lässt. Über den Doppelpass wird Kroos überspielt und Gündogan legt auf den freien Kagawa ab. Der nimmt nun mit Blaszczykowski den Flügel in die Zange, kann auf der Innenbahn unbedrängt durchlaufen, da Kroos herausgerückt ist. Blaszczykowski legt auf ihn durch und Dortmund bricht hinter die Abwehrlinie.

Während dieser essentiellen Kombination sind wiederum viele misslungene, schlecht abgestimme Orientierungen bei Bayern zu sehen. Selbstverständlich überlud Dortmund sehr gut den entscheidenden Raum – die Spieler der offensiven Dreierreihe befanden sich alle in der rechten Feldhälfte -, aber die Münchner wussten auch gar nicht darauf zu reagieren. Während Lahm und Badstuber ihre Räume hielten und deshalb zu dritt gegen Lewandowski verschwendet waren, orientierten sich Kroos und Gustavo aktiv an den Gegenspielern, sodass sich eine Lücke in der Ordnung öffnete. Zudem fehlte Müller, der immer noch zu weit rechts stand, weil er vorher von Kehl auf den rechten Flügel geschleppt worden war. Im Resultat hatte Dortmund Raum (um Kagawa) und Überzahl – beides sollte man den Angreifern nicht zugestehen.

  • Phase 3: Gegenpressing ist der beste Spielmacher

Blaszczykowski wurde dann durch eine Hackenablage von Kagawa frei vor Badstuber gebracht. Die Hereingabe spielte er aus dieser Position aber sehr schwach und Gustavo konnte sie abblocken. Dann setzte eine Dortmunder Spezialität ein.

Aus der guten Raumkontrolle heraus, findet Gündogan sofort in den Zweikampf gegen Gustavo und Bayern kann sich trotz der misslungenen Flanke nicht befreien.

Aus der guten Raumkontrolle heraus, findet Gündogan sofort in den Zweikampf gegen Gustavo und Bayern kann sich trotz der misslungenen Flanke nicht befreien. Der Ball verspringt in den Raum hinter Gündogan…

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…wo Subotic aber hervorragend antizipiert und den versprungenen Ball vor Gomez erreicht. Mit zwei schnellen Pässen nutzen die Borussen den Überraschungsmoment, Kagawa bewegt sich hervorragend, die Dortmunder brechen durch die Abwehr und es folgt eine riesige Doppelchance. Neuer vereitelte die frühe Führung durch Großkreutz oder Lewandowski.

Diese Szene zeigt damit wunderbar die Wichtigkeit des Gegenpressings, da Dortmund gleich zwei Mal Zugriff auf den zweiten Ball bekommt. Klopps Satz für die Ewigkeit “Gegenpressing ist der beste Spielmacher” wurde hier von seiner Mannschaft in Reinform demonstriert. Man beachte dabei, wie sauber formiert die Dortmunder in den mittleren Bildern sind, wie eng Schmelzer positioniert ist und wie extrem kompakt die angreifenden Borussen in der letzten Grafik stehen.

Die große Chance, die das Spiel und damit die Meisterschaft gut und gerne hätte mitentscheiden können, war das Resultat von fast ausschließlich taktischen Unterschieden zwischen den Teams. Den Bayern fehlte eine konsistente Pressingidee, eine saubere Raumorientierung und Kompaktheit, sowie eine Anpassungsfähigkeit an Dortmunds Verschiebungen. Dortmund hingegen wendete einige taktische Kniffe in Perfektion an.

Das Herauskippen des Sechsers brachte das Aufbauspiel ins zweite Drittel und zerwarf die gegnerische Defensivformation. Das saubere Raumspiel innerhalb des zweiten Drittels verhinderte einen Ballverlust, sodass man im zweiten Versuch durch kluge Überladung das Spiel ins Angriffsdrittel hinein kombinieren konnte. Dort machte man gar (mit Blaszczykowskis Flanke) einen dicken Fehler, aber durch die starke taktische Struktur eroberte man den Ball zurück und führte ihn mit zwei simplen Pässen zu einer riesigen Chance. All diese Aspekte ergänzten sich somit in letzter Konsequenz zu einem der besten Spielzüge des Jahres 2012.

PM 16. Mai 2013 um 20:27

Ist zwar ein wenig unpassend hier, da aber anscheinend kein Artikel mehr zum 1-1 von Dortmund gegen Bayern kommt, möchte ich hier was ansprechen was mir aufgefallen ist, auch im Bezug auf ein Finale mit Gündogan auf der 10.

Das 1-0 entsteht doch irgendwie aus einem abkippendem 10er, oder?
Gündogan rückt in der Situation aus der 10er Position hervor und schickt dann Kuba. Ist das vielleicht eine Variante um Bayerns Pressing zu umspielen? Oder war das eventuell nur Zufall und Dortmund ist einfach in zu starker Unterzahl im 10er Raum? Wie könnte Bayern denn so eine Situation lösen?
Ich kann mich da auch noch an einen Artikel von euch erinnern, indem was vom Spielmacher für das ganze Feld stand. Das passt ja ganz gut zu dieser Situation. Dazu ist Gündogan doch der ideale Mann.

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PM 16. Mai 2013 um 20:30

http://www.youtube.com/watch?v=uaNHPJNyCRE
Hier noch der Link zum Spiel. Situation beginnt ab 0:34, leider allerdings viel zu spät. Doch zum Verständnis der Situation geeignet, wenn man bedenkt, das Gündogan 10er war.

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MR 16. Mai 2013 um 21:50

Artikel zum Spiel kommt noch. Zurückfallender Zehner ist sehr relevant, ja, siehe auch hier:

http://spielverlagerung.de/2013/04/19/dortmunds-systementwicklung-und-die-50-halbzeit/

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Lino 16. Mai 2013 um 12:51

Etwas verspätet, aber vielleicht hat noch irgendjemand eine Idee dazu: Mal angenommen der Gegner verschiebt in einem kompakten 4/4/2 Mittelfeldpressing, dann ist doch ein herauskipppender Sechser im Spielaufbau eigentlich sinnlos, da er ja sozusagen in einen absolut toten Raum herauskippt!?

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MR 16. Mai 2013 um 17:04

Wieso das denn? Gerade dann ist das Herauskippen m.E. besonders wirkungsvoll, weil das kompakte 4-4-2 ja in den vorderen Außenbereichen die Lücken hat. Eigentlich sollen dort die (optimalerweise passschwachen) gegnerischen Außenverteidiger stehen, die dann von den Flügelspielern schnell angelaufen werden können. Wenn der Flügelspieler aber vom aufgerückten AV gebunden ist und der herausgekippte Sechser stark am Ball, ist das Konzept des 4-4-2 quasi über’n Haufen geworfen. Die Stürmer können dann auch nicht mehr die Passwege ins Mittelfeld zustellen, wenn sich die Offensive gut bewegt.

Das hat der BVB auch sehr erfolgreich gegen das ja außergewöhnlich kompakte Pressing von Favres Gladbachern gemacht und damit die Meisterschaft gewonnen.

http://spielverlagerung.de/2012/04/23/borussia-dortmund-borussia-monchengladbach-20-das-meisterspiel/

BVB gg Gladbach

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Lino 16. Mai 2013 um 18:52

Danke für die Antwort ;-) Das Prinzip ist mir vollkommen klar und deine Erklärung ist gut und einleuchtend. Allerdings habe ich in letzter Zeit Spiele gesehen, in denen eine herauskippender Sechser total ineffektiv war, da der Gegner im 4/4/2 einfach ballnah verschob und der herauskippende Sechser zwar in der formativen Lücke den Ball hatte, aber aufgrund der gegnerischen Kompaktheit überhaupt keine Anspielstation. Lange Rede, kurzer Sinn: Es war in etwa so, als hätte man gleich den Außenverteidiger angespielt.
Vermutlich bestand das Problem darin, dass der Außenverteidiger zu hoch stand und der abkippende Sechser dann vom Flügelsspieler angelaufen wurde!? Zudem ist wahrscheinlich nicht jede Mannschaft in der Lage, die Halbräume so gut zu bespielen wie der BVB.

PS: Wie schauts eigentlich mit abkippenden Achtern aus??? Hab letztens Inter gegen Lazio geguckt. Inter spielte im 4/3/3 mit 3 sehr defensiven Mittelfeldspielern und sehr offensiven Außenverteidigern. Die äußeren Mittelfeldspieler sind auch herausgekippt und die Außenverteidiger (zu/sehr?) hoch aufgerückt. Hat meiner Meinung nach überhaupt nicht funktioniert, da die abkippenden Achter ebenfalls im toten Raum der 4/4/2 Defensivordnung standen. Man hatte den Eindruck, Lazio hat das einfach nicht interessiert, dass da einer rauskippt. Die haben einfach ballnah verschoben;-)

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MR 16. Mai 2013 um 19:02

Naja, das ist dann Interpretationssache. Also wie die Ordnung interpretiert wird. Die Mannschaft muss diese Diagonalität ausspielen können, so ein Grundelement, was vielen Spielern geistig abgeht. (Ich bin da immer wieder bisschen irritert als sehr diagonal denkender Fußballer.)

Wenn man Verbindungsräume nicht gut besetzt und die Breite nicht sinnvoll ausspielt, oder keine pressingresistenten Zwischenraumspieler hat, wird man eine gut gespielte kompakte Ordnung nie knacken können, ob das 4-4-2, 4-3-3 oder 3-5-2 ist. Da ist’s dann natürlich auch egal, wie sich die Aufbauspieler bewegen, wenn die auch aus einem Freiraum keinen Pass spielen können. Ich seh da jetzt nicht, inwiefern das spezifisch für “herauskippender Sechser vs 4-4-2″ relevant ist.

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Lino 16. Mai 2013 um 19:18

Klar, es kommt in der konkreten Spielsituation natürlich immer auf die konkrete Umsetzung an und die war beim besagten Spiel Inter-Lazio denkbar schlecht. Wie so oft im Fußball muss/kann ein und dieselbe taktische Variante nicht notwendigerweise immer und bei jeder Mannschaft auf gleich Art und Weise funktionieren, da wir es nicht mit Maschinen, sondern mit Individuen zu tun haben. In diesem Sinne…

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Bernhard 8. Januar 2013 um 13:26

Servus,ich hab zwar eure Analyse zum Bayern-Dortmund Spiel und auch die Pressing Analyse des FC B gelesen,aber meint ihr dass das bayrische Pressing heuer stärker ist als 2011/12 (allgemein gesehen,nicht nur gegen den BVB), oder ist das Dortmunder (Gegen)Pressing eine Spur schwächer geworden bzw. haben sich die anderen Clubs der Bundesliga besser darauf eingestellt?

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Toni 18. Januar 2013 um 17:42

Wieder mal ein Weltklasseartikel. Mal eine Frage: Zeichnet ihr euch die ganzen Spiele auf Festplatte auf, oder kennt ihr eine gut sortierte Torrentseite, wo man die Spiele runterladen kann? Ich würde mir gerne ab und an mal Spiele ansehen, nachdem ihr sie analysiert habt, um mein taktisches Gespür etwas zu schulen. Ich finde es aber relativ schwierig an Spiele zu kommen. Irgendein Tipp?

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Marc 5. Januar 2013 um 13:08

Da hab ich ja was mit Subotic angezettelt!:) Wie wärs mit nem Artikel über die Genialität seiner Spieleröffnung? Spaß beiseite, seien wir froh, dass es auf der Innenverteidigerposition noch solche Typen gibt und nicht nur diese Möchtegern-Spielmacher, die vergessen, dass Verteidiger einst Zweikämpfe führten. Subotic schmeißt sich doch wirklich überall rein!

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vE 4. Januar 2013 um 16:43

Nicht falsch verstehen, bin treuer Leser und finde eure Analysen fantastisch, auch diese hier ist gut, aber: Das als “Neuentdeckung” und taktische Brisanz zu verkaufen ist nicht ganz richtig. Schon in der Saison 2010/2011 wurde der 6er bei Dortmund in der von Euch beschriebenen Funktion eingesetzt. Und zwar Sahin…

Eine fast identische Analyse hatte ich nämlich im hervorragenden, leider auf Spanisch und kostenpflichtigen Onlinemagazin fútbol-táctico gelesen
hier der Link: http://www.futbol-tactico.com/es/futbol/45/la-tactica-del-futbol/el-juego-ofensivo-y-defensivo-del-lider-de-la-bundesliga-borussia-dortmund.html

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MR 4. Januar 2013 um 17:06

Ich weiß. Inwiefern widerspricht sich das denn mit dem Artikel? Ich hab nirgendwo geschrieben, dass das Herauskippen des Sechsers eine grundlegende Neuerung im Weltfußball wäre.

Ich muss aber erwähnen, dass sich das Sahin-Herauskippen sehr von dem hier unterscheidet. Sahin hat individuell den Ball gefordert, um ihn dann mit weiten Bällen zu verteilen. (Deshalb hat es auch nur Sahin gemacht und nach ihm vorerst keiner mehr beim BVB.)

Bei Gündogan, Leitner und Kehl passiert das im Kollektiv, der zweite Sechser zieht mit auf die Seite und es geht mit kürzerem, kontrollierterem Passspiel vorwärts. Das ist insgesamt wesentlich eleganter, sauberer, kollektiver, anspruchsvoller und von daher schon taktisch brisant.

Hab mich auch bisschen geärgert, dass ich nicht “Dortmunds pendelnde Doppelsechs” als Titel genommen hab, das ist eigentlich eine umfassendere Beschreibung des Konstrukts.

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Marc 3. Januar 2013 um 14:18

Raumtaktisch en detail und in Perfektion analysiert! Persönlich denke ich aber, dass den Bayern in den Duellen gegen Dortmund das irrwitzige Tempo, das die Borussia bereit ist zu gehen, am allermeisten zusetzt. Diese Mischung aus technisch versiertem Kombinationsfußball und Arbeitsfußball (hohe Zweikampfintensität und Laufbereitschaft) ist zur Zeit einzigartig. Mittlerweile ist das auch auf europäischer Ebene zu bestaunen. Schön ist ebenfalls, dass auch spielerisch schwächere Spieler voll in dem System aufgehen, siehe Subotic oder
Schmelzer.

Bei Klopp sind im Gegensatz zu Löw lange Bälle ein gern gesehenes Mittel. Schlägt Subotic einen solchen in Richtung Lewandowski gehen die Offensivkräfte mit hohem Tempo auf den zweiten Ball und profitieren mit einer gehörigen Prise Opportunismus von zufälig entstehenden Spielsituationen.

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blub 3. Januar 2013 um 15:44

Gegenpressing ist ne schwierige angelegenheit, das für ne N11 zu üben ist nicht so einfach. Ich halte den dogmatischen Ansatz von Löw auch für schlecht. gegen hartes Pressing auf lange Bälle umzusteigen, gerade wenn man Klose oder Gomez(oder Kießling) als Ziel hat kann nicht so schlecht sein.

Subotic ist zwar nicht Hummels, aber eben auch nicht Mertesacker, vergiss das mal nicht.

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Marc 3. Januar 2013 um 18:26

Supotic ist eine Zweikampfmaschine und ein richtig ekliger Gegenspieler. Ich mag solche Typen und würde es hassen gegen ihn zu spielen. Aber Spieleröffnung ist wirklich nicht seine Stärke – legt man den Maßstab vom “modernen” Innenverteidiger an (a la Badstuber).

Ich fände es schon interessant zu sehen, ob eingestreute lange Bälle bei der Nationalmannschaft funktionieren würden. Einen weiteren Vorteil hätten die nämlich für die Defensive: Bei langen Bällen ist die Fehlerquote auf dem Niveau gleich Null, daher keine Ballverluste im kritischen Bereich und daraus resultierende Kontergefahr – das würde auch Mertesacker entlasten.

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MR 3. Januar 2013 um 19:20

Fun Fact: Subotic ist der Spieler mit den meisten Pässen der gesamten Bundesliga in der laufenden Saison.

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ska 31. Januar 2013 um 11:26

“Subotic ist zwar nicht Hummels, aber eben auch nicht Mertesacker, vergiss das mal nicht.”
Wundervoll!

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Christian 13. Februar 2013 um 15:00

@MR Es scheint mir da verschiedene Statistiken zu geben. Laut dieser Statistik liegen andere weiter vorn.http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga-statistik-gepielte-paesse-in-der-bundesliga-saison–1.1592197

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Pommesdieb 13. Februar 2013 um 15:34

was daran liegen könnte, dass subotic seit mitte dezember nicht mehr gespielt hat und somit andere ihr “passkonto” in seiner abwesenheit auffüllen konnten ;)

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TW 3. Januar 2013 um 21:29

…und Mats Hummels ist entsprechend der Spieler, der am häufigsten in Manndeckung genommen wird ;-)

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MR 3. Januar 2013 um 23:13

Korrekto. :) (Weshalb ich die Statistik auch erraten konnte, als mir Kollege TE diese Rätselfrage stellte. :D )

Aber Subotic hat sich in den letzten 1,5 Jahren schon ganz massiv weiterentwickelt in seinem Passspiel. Hat sogar 3% höhere Genauigkeit in seinen langen Bällen als Hummels.

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RM 3. Januar 2013 um 23:13

Was? 3%? Wirklich? Ohne Flachs? Wow. Ich war noch nie in meinem Leben so beeindruckt.

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MR 3. Januar 2013 um 23:17

Alles, was höher ist als die Genauigkeit von Mats Hummels, ist eigentlich einen eigenen Artikel Wert, du Depp!

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RM 3. Januar 2013 um 23:23

Passgenauigkeit Mats Hummels: 90%.
Einatem-/Ausatemquote RM: 100%.

Schreib doch einen Artikel über meine herausragende Sauerstoffnutzung!

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AP 3. Januar 2013 um 23:26

Aber das ist ja das schwierige daran, wenn man die Zahlen übereinander legt. Subotic hat mehr Zeit um seine langen Bälle zu spielen, Hummels kommt also meist unter großem Druck auf die gleichen Zahlen…

Nicht das ihr hier den Subotic
zum zweiter Neustädter macht :-)

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RM 3. Januar 2013 um 23:31

Den doch nicht.

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MR 3. Januar 2013 um 23:34

Wenn Hummels wirklich gedeckt wird, dann wirkt sich das ja vor allem so aus, dass er den Ball nicht bekommt. Auf die Pässe, die er dann doch spielen kann, hat das eher wenig Auswirkung, meiner Meinung nach. (Gerade, weil es ihm ja wenig ausmacht, am Ball unter Druck gesetzt zu werden. Deshalb wird er zugestellt und nicht angelaufen.)

Entscheidender ist meiner Vermutung nach eher, dass Hummels riskantere lange Bälle spielt, Subotic müsste einen höheren Anteil an Verlagerungen auf freie Spieler haben.

Subotic ist kein Spielmacher, aber er ist mittlerweile ballsicher und gut im Passspiel. (Bei langen Bällen war er ja immer schon relativ begabt.)

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AP 3. Januar 2013 um 23:53

MR, deine Erklärung klingt schlüssig. Kaufe ich. Wobei ab wann ist ein langer Ball, ein langer Ball? Also mehr von der Sorte, Subotic diagonal auf Schmelzer…

Ich hab Subotic im Sommer im TL gesehen und es hat mich doch sehr überrascht, wie leicht unpräzise seine langen Bälle waren. Wobei ein TL ist ja so ne Sache für sich.

Ich denke es passt scho, dass der Kerl sein Spiel verbessert hat. Muss er ja auch zwingend, bei so vielen wdh. Wenn der Hummels nicht mitspielen darf…

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fussballdiaspora 1. Januar 2013 um 13:51

Großartig und sehr erhellend – vielen Dank!

Ein Kollateralschaden eurer Analysen ist allerdings, dass ich dem sachverstandfreien Kommentar-Gebrabbel bei Fußballspielen gar nicht mehr folgen mag.

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blub 1. Januar 2013 um 13:55

Du bist nicht der einzige der sich Fußball immer öfter ohne Ton und mit beruhigender Musik (z.B. Manowar) reinzieht.

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Billy 2. Januar 2013 um 09:42

Ich muss sagen, dass ich zum Glück immer mehr feststelle, dass auch die einschlägigen Kommentatoren immer wieder und immer mehr versuchen (und ich sage bewusst versuchen) takische Elemente in Spielen zu entdecken und wortgewand an den Zuschauer zu bringen. Wenn auch hier noch eine ähnliche Qualität zu finden wäre, wie in den hier veröffentlichten Artikeln, wäre das eine runde Sache. Aber vielleicht ist es ja eine Entwicklung, die wahrscheinlich nicht zuletzt durch die höher werdende Populariät dieses Blogs und das Engagement beim ZDF bedingt ist. Fussballdeutschland ist euch zu Dank verpflichtet ;)

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King_Cesc 2. Januar 2013 um 15:00

Versuchen triffts gut. Als Marcel Reif bei BVB-FCB minutenlang auf die abwartende Haltung der Dortmunder hinwies, während die Bayern am eigenen 16ner zu Kombinationen gezwungen wurden konnte ich allerdings nicht ruhig bleiben… :D

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Fabian 29. Dezember 2012 um 23:21

Das war ein großartiger Artikel, richtig spannend und grade für Taktik-Neulinge gut verständlich, weil durch die Grafiken und deren Untertexte eine angenehme Detailtiefe eingearbeitet wurde. Vielen Dank dafür, ich freue mich auf die nächste Ausgabe!

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Alex 29. Dezember 2012 um 21:02

Im Pressing Kontext bedeutet es das diagonale Absichern (in der DFB-Literatur einrücken genannt) der ballfernen Spitze des Raums im Rücken der ballnahen Spitze um den Passweg ins Zentrum zuzustellen (bspw. im 4-4-2).
Es geht dabei nicht um Haarspalterei, ich finde es wichtig einheitliche Begriffe zu verwenden und es bleibt abzuwarten der Begriff “abkippen” in die Trainerausbildung einfließt. Ich arbeite in der Video- und Spielanalyse und da ist es wichtig einheitliche Begriffe zu verwenden.

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MR 29. Dezember 2012 um 22:05

Ja, ist auf jeden Fall gut, dass du nachfragst. Man sollte sich da schon um Einheitlichkeit bemühen, bin eh der Meinung, dass wir auf SV gelegentlich mal Begriffsdiskussionen führen sollten. Wir machen das ja alles sehr frei und intuitiv.

Das Einrücken der Spitze find ich jetzt im ersten Moment nicht so prägnant, dass es unbedingt einen eigenen Begriff braucht. Wo wird das zum Beispiel verwendet? (Wenn du sagst, die DFB-Literatur bleibt beim Einrücken, was mir sinnig erscheint.)

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laterookie58 29. Dezember 2012 um 18:40

@ MR : Unsereins kann ja gar nicht genug Analysen, Szenen etc. bekommen…!
Eine wirklich tolle Idee einzelne Momente, ob positiv oder negativ, innerhalb der Spiele so aufzubereiten!
Dank Deiner Mühe, auch noch Tafeln mit präzisen Untertexten hinzu zu fügen, war ich für Momente fast wirklich “drin”… Tolles Erlebnis.

Herzlichen Dank für Deine Liebe zum Detail, Deine in die Jetzt- Zeit übergreifenden Kommentare an passender Stelle und für Deinen riesigen Zeitaufwand für uns!!!

Ich freue mich auf die Fortsetzung der Serie und dabei können auch gerne Teams auftauchen, die nicht meine bevorzugten Farben tragen…; was auch immer: her damit!
Danke. laterookie58

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Thore 29. Dezember 2012 um 15:06

Es ist bemerkenswert, wie schnell die Spieler sich entwickeln. Innerhalb eines Jahres wurde das gesamte Pressingverhalten von Bayerns Mannschaft verbessert, fast schon optimiert, weil Dortmund die Messlatte entsprechen hochgelegt hat. Beeindruckend, wie sehr sich die beiden Mannschaften gegenseitig fordern und fördern. Ich hoffe, dass sich diese rasante Entwicklung auch auf das Nationalteam überträgt, dann dürfte Deutschland 2014 Topfavourit auf den Titel werden. Endlich mal.

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équilibre 29. Dezember 2012 um 13:06

Dankeschön!

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Alex 29. Dezember 2012 um 10:49

Super Artikel mal wieder! mich würde nur mal interessieren woher der Begriff abkippen/herauskippen stammt. ich kenne den nur in defensivem zusammenhang beim pressing.

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MR 29. Dezember 2012 um 15:33

Kenn ich im Pressing-Kontext gar nicht, was bedeutet er denn da?

In meiner Wahrnehmung hat Robin Dutt den Begriff “Abkippen” geprägt. Ob jemand außer mir das “Herauskippen” verwendet, weiß ich nicht, aber es ist denk ich die logische Zusammenfassung für das “Abkippen nach außen”. Darüber wird halt – im Gegensatz zum Abkippen – nicht geredet, da es weit weniger Teams spielen, obwohl es mE die elegantere Alternative ist.

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Floyd 29. Dezember 2012 um 18:11

Als interessierter Laie, der jetzt seit einigen Monaten begeistert eure Artikel liest, muss ich sagen, dass ich den Begriff “abkippen” gerade anfangs wenig intuitiv verständlich fand. Für mich steckt da eigentlich schon automatisch eine Seitwärtsbewegung mit drin, ähnlich wie bspw. bei “abbiegen”. Es hat ne Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass “abkippen” offenbar in der Regel eher für die Bewegung des Sechers zurück zwischen die Innenverteidiger verwendet wird und keine Seitwärtsbewegung beinhaltet.
Gibt es einen bestimmten Grund, warum sich da “der Sechser kippt ab” etabliert hat, statt z.B. zu sagen “der Sechser lässt sich zurückfallen”?

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MR 29. Dezember 2012 um 19:26

Also ich habe anfangs immer “zurückfallen” gesagt, das “Abkippen” hab ich dann eben übernommen, da es sich etablierte. Von daher seh ich das so wie du, zurückfallen ist da simpler.

Dass sich Abkippen durchgesetzt hat, ist wahrscheinlich einfach nur trivialerweise auf das Sprachgefühl von Robin Dutt zurückzuführen, der das eingängiger fand. (Sofern meine Wahrnehmung stimmt, dass er damit “angefangen” hat, bin ja kein Sprachforscher, der das untersucht hätte.)

Ein Grund dafür könnte sein, dass das “zurückfallen” ein gängiger und damit besetzter Begriff ist. Auch ein Stürmer lässt sich zurückfallen, ein Spieler kann in bestimmte “Verhaltensmuster zurückfallen” und ähnliches. Das Abkippen bezeichnet ganz konkret einen Positionswechsel, das ist unmissverständlich. Wenn man sagt “Team x spielte mit abkippendem Sechser”, dann weiß man, dass da wohl auch die Innenverteidiger abfächerten, man eine Dreierkette im Spielaufbau hatte, etc. Bei einem “zurückfallenden Sechser” könnte man auch denken, dass er generell einfach ein bisschen tiefer stand oder so.

Von daher sind Wortneuschöpfungen für solche neuen Sachverhalte immer ganz nützlich, um möglichst präzise beschreiben und diskutieren zu können. Ich persönlich wäre aber auch beim Zurückfallen geblieben. Geschmackssache.

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Pippo 29. Dezember 2012 um 10:14

Sehr interessanter Artikel, inklusive meinem persönlichen Spruch des Jahres ;). Freu mich schon auf die Fortsetzung der Reihe!

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