Dienstag, 21.10.2014

Bayer Leverkusen – FSV Mainz 05 2:2

Im Spiel zwischen Bayer Leverkusen und dem FSV Mainz 05 kam es zu einem Aufeinandertreffen von interessanten Taktiken. Die Leverkusener haben unter Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski ein neues System installiert, welches zwischen tollen Leistungen und durchwachsenen Partien herumschwankte. Im Gegensatz dazu spielen die Mainzer wie eh und je unter Thomas Tuchel einen anpassungsfreudigen und betont modernen Stil, welcher die jeweiligen gegnerischen Eigenheiten bestmöglich neutralisieren soll. Ob 4-2-3-1, 4-3-2-1, 4-1-4-1, 4-4-2 oder 4-3-1-2 – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wechselwirkungen der jeweiligen Formationen

Die Gastgeber starteten mit ihrem 4-3-2-1, in welchem Stefan Kießling die Position des Mittelstürmers übernahm. Er sollte Karim Bellarabi und Andre Schürrle unterstützen, für sie Räume öffnen und gleichzeitig als Anspielstation fungieren. Bei den beiden gab es aber eine gewisse Asymmetrie, denn Schürrle agierte weit mehr als Stürmer und bewegte sich stärker ins Zentrum, während Bellarabi öfter als breitester Spieler der Offensive zu sehen war.

Einer der Gründe dafür war auch Daniel Carvajal. Der Rechtsverteidiger präsentierte sich sehr offensiv und interpretierte seine Rolle deutlich vielfältiger, als dies bei vielen anderen defensiven Außen der Fall ist. Oftmals hinterlief er Bellarabi nicht, sondern ging diagonal in den von diesem geöffneten Raum und überlud die rechte Seite. Dadurch schuf er Chaos und bei der Vorlage zu Kießlings Treffer war die Gefahr solcher Aktionen, auch dank der Technik Carvajals, gut zu erkennen.

Grundformationen zu Spielbeginn

Auf links spielte Michal Kadlec keine solche präsente Rolle, auch wenn er ebenso betont offensiv agierte. Zentral wurde die Viererkette von Philipp Wollscheid und Ömer Toprak abgeschlossen, welche einerseits das Spiel ankurbeln, andererseits mit ihrer Größe und Technik Befreiungsschläge der Mainzer sofort zurückspielen oder gar unter Kontrolle bringen sollten.

Vor dieser Abwehrreihe begann ein Dreiermittelfeld, welches nominell auf einer Linie agierte, wobei Simon Rolfes oftmals eine Ebene dahinter spielte. Dadurch entstand im Angriffspressing teilweise ein 4-1-2-3 oder auch ein 4-1-4-1 im Mittelfeldpressing, beim Abwehrpressing ließ er sich gelegentlich sogar in die Viererkette fallen, damit die Außenverteidiger problemlos und aggressiv herausschieben konnten.

Auf den Halbpositionen des Dreiermittelfelds spielten Lars Bender und Gonzalo Castro. Letzterer spielte auf links und sollte das Loch hinter Schürrle mit seiner Dynamik und Ausdauer stopfen, während Bender hinter Bellarabi absicherte. Doch darauf beschränkte er sich nicht.

Flexibilität bei den Leverkusenern

Auf der rechten Außenbahn, über die in der ersten halben Stunde sehr viel Gefahr ausging, gab es eine unterschiedliche Flügelbesetzung mit Bellarabi und Carvajal sowie unter Umständen Bender, welche situativ als breiteste Spieler auftraten.

Dadurch überluden sie die rechte Seite teilweise sehr stark, was auch wegen der Raute des Gegners funktionierte. Diese hatten Probleme einen der Halbspieler so tief und gleichzeitig so breit rechtzeitig herausschieben zu lassen, um den eigenen Außenverteidiger zu unterstützen. Es wurden immer wieder kleine Löcher geöffnet, welche die Leverkusener bespielen konnte.

Dazu passte schließlich auch die Bewegung von Schürrle und Kadlec. Ersterer ging dann in die Mitte und kam mit Bewegung in den Strafraum oder blieb zwischen den Linien, wodurch entweder bei Flanken ein Mann mehr in der Mitte stand oder aber gefährliche Bälle in den Raum vor der Abwehr bzw. deren Rücken gespielt werden konnten.

Dieser Effekt wurde vom spielgestaltenden halbrechten Innenverteidiger, Wollscheid, verstärkt, welcher bevorzugt die rechte Seite einzusetzen schien. Oft kamen von den Mainzern geschlagene Bälle wieder auf die rechte Seite und ein neuerlicher Angriff begann. Doch im Laufe des Spiels wurden die Mainzer immer stärker, was durch intelligente Anpassungen im Pressing entstand.

Aggressive Pressingintervalle

Die Gäste hatten in der ersten halben Stunde viele Probleme: offensiv kamen sie nicht wirklich zum Vorschein, defensiv standen sie trotz relativ vorhandener Stabilität zu tief.

Rautenpressing der Mainzer. Sobald der Ball auf die AV geht, verschieben sich die Halbpositionen der Raute und Szalai (in dieser Situation) orientiert sich nach hinten

Um sich daraus zu befreien, schoben die Mainzer im weiteren Spielverlauf aggressiv nach vorne und suchten nicht mehr die Befreiung aus der Tiefe durch lange Bälle mit schnellem Herausrücken, sondern das Pressing.

Mit ihrer Raute hatten die Mainzer den Raum in der Mitte kontrolliert, aber die Flügel etwas aufgegeben. Dies sollte auch dafür sorgen, dass Leverkusen zu Spielende 15 Flanken und die Gäste nur sechs haben sollten, aber ab der dreißigsten Minute waren die Mainzer mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen.

Zuvor litten sie wegen ihrer mangelnden Flügelspieler unter der tiefen Formation, doch als sie nach vorne schoben, nutzten sie die Distanz der Leverkusener Innenverteidiger zu den hohen Außenverteidigern. Die beiden Stürmer stellten die gegnerischen Innenverteidiger zu, Andreas Ivanschitz, nomineller Endpunkt der Raute, stellte den Raum in der Mitte zu. Dadurch schoben sich die Innenverteidiger wieder enger und die Verbindung zu den Außenverteidigern kam etwas abhanden.

Außerdem gab es nach Abspiel der Leverkusener Innenverteidiger eine verstärkte Bildung eines 4-2-2-2 bei den Mainzern. Einer der Halbspieler rückte hinaus und presste, während die beiden verbliebenen Mittelfeldspielerspieler mit Ivanschitz ein Dreieck bildeten. Julian Baumgartlinger war somit immer ein Teil dieser situativen Doppelsechs, unterstützt wurde er dann entweder von Elkin Soto oder Marco Caligiuri.

Leverkusen verlor nun die Kontrolle auf die Außen und Mainz hatte mehr vom Spiel, sie kontrollierten den Ball und gingen nach der Einwechslung von Risse durch eben diesen in Führung, welcher mit Adam Szalai wiederholt den Raum um Toprak herum überlud.

Fazit

In der Anfangsphase waren die Leverkusener klar stärker, sie konnten mit einem sehr schnellen und druckvollen Spiel nach vorne das Spiel an sich reißen und erspielten sich einige Torchancen. Doch nach den Veränderungen bei den Mainzern und der eigenen Führung zogen sie sich zurück, das vorher gut praktizierte Pressing verflachte zusehends. Dies wirkte sich auf die Spielkontrolle aus und Mainz schob systematisch höher, wodurch sie im weiteren Spielverlauf die bessere Mannschaft waren.

Sie zeigten ab der zweiten Hälfte auch klar mehr Einsatzbereitschaft, welche bei Leverkusen erst nach dem Rückstand wieder auflebte. Die Gastgeber liefen zu Spielende ganze vier Kilometer weniger als der vermeintliche Außenseiter aus Mainz, hatten dann etwas Glück, dass nach einer chaotischen Situation im Mainzer Strafraum ein Ball zu Castro kam und von diesem perfekt verwandelt wurde.

Die Mainzer zeigten alles in allem eine sehr starke Partie und haben sich dieses Unentschieden verdient, ohne die hervorragende Anfangsphase der Leverkusener wären wohl auch drei Punkte drin gewesen. Alles in allem war es ein unterhaltsames Spiel, welches für die einen besser begann und besser endete, als es letztlich der Realität entsprach. Nichtsdestotrotz darf Bayer auf der hervorragenden Anfangsphase aufbauen, welche an das Spiel gegen Gladbach erinnerte, wo es auch nicht zu einem Sieg reichte – dort aber unverdient.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


2 + = 8